Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (25 - letztes Kapitel)
- gert

- 20. Mai 2020
- 70 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Nov. 2022

Wieder einmal waren wir im Flugzeug auf dem Weg zurück von Schiphol nach Fornebu. Gus saß neben mir, hatte seinen Kopf auf meine Schulter gelegt und war eingeschlafen. Für mich war dieser Mann nicht nur mein Partner, er war MEIN Mann. Neben ihm saß Jacob. Er war UNSER Freund. Zuhause in Norwegen warteten viele UNSERER anderen Freunde.
Nach weit verbreiteter Meinung waren und sind wir „anders“, oder manche sagen „unnormal“. Anders als wer? Anders als die, die ihre Moral und ihr Sexualverhalten als Standard fordern? Anders als die, die meinen durch Wohlverhalten ins Paradies zu gelangen, oder gar glauben, niemals sterben zu müssen? Anders als die, die der Überzeugung sind, menschliche Sexualität sei von der Natur lediglich zur Reproduktion vorgesehen? Anders als die, die der Ansicht sind, Liebe sei die ultimative Bindung an einen Menschen, unauflöslich und unteilbar?
Ja, ich wusste bereits mit 16 Jahren, dass ich „anders“ sein würde als viele Menschen, mit denen ich damals zusammenlebte. Ich wollte und will wissen, warum etwas ist, wie es ist. Gleichzeitig gebe ich zu, dass es Dinge gibt, die mir niemand befriedigend erklären kann und die ich auch nicht erklärt haben möchte. Dazu gehören meine Gefühle. Sie unterliegen keinen Normen, lassen sich nicht „bewerten“ und schon gar nicht reglementieren.
Wer wollte mir vorschreiben, dass ich diesen Mann neben mir nicht über alles lieben, verehren und meine Zuneigung schenken dürfte? Welche Norm und welches Gesetz wollten von mir fordern, Bjørn, Roberto, Jacob, Karl, Erik, Jerry oder Tinus nicht genauso zu verehren und sie ebenfalls viel lieber zu haben als den Großteil der Freunde, die sich zwar Freunde nannten, es aber eigentlich nicht waren?
Mit 18 glaubte ich erwachsen geworden zu sein. Mit 40 dachte ich, der Höhepunkt des Lebens sei erreicht. Heute weiß ich, dass meine Tante und Hebamme mit ihrer Ahnung, ein „Sonntagskind“ und damit ein „Glückskind“ auf die Welt gebracht zu haben, in mancher Hinsicht richtig lag. Solche „Kinder“ werden eigentlich nie erwachsen, ihre Gefühle unterliegen keinen Normen und einen Höhepunkt des Lebens gibt es für sie schon gar nicht.
Meine Gedanken waren weit weg. Die erste Nacht mit Andrea war plötzlich so präsent, als sei es erst vor ein paar Tagen gewesen. Ich sah plötzlich Dieter, Frau Schulz und Muttern ganz deutlich vor mir, hörte Mutters panische Rufe und Vaterns Ermahnungen. Ich spürte immer noch einen Stich in der Brust, als ich an den Abschied von Andrea auf dem Bahnhof dachte, und fühlte Gus‘ ersten unsagbar zärtlichen Berührungen am Strand in der Nähe „unseres“ italienischen Dorfes. Karls so angenehm beruhigend wirkende Stärke und seine ungewöhnlich großen Hoden gehörten in der Erinnerung zusammen. Bjørns erste schüchterne Annäherungsversuche in „meinem“ Zimmer auf Bekketangen und unser erstes Zusammentreffen mit Roberto auf dem Autodeck der „Prinsesse Ragnhild“ vermischten sich zu einem Trugbild. Jerrys unbekümmerte Art und sein unwiderstehliches Lächeln gehörten zu den Schmerzen in meinem Anus, genauso wie Gus‘ unbeschreiblich glücklicher Gesichtsausdruck als Tinus das erste Mal mit der ganzen Kraft seines Monsterschwanzes in ihn eingedrungen war. Aber auch Jacobs fröhliches Gesicht zwischen den Ranunkeln in Aalsmeer tauchte wieder auf.
Ich war eingenickt und wachte erst auf, als ich die Hand meines Liebsten in meinem Schoß spürte: „Na? Da hat aber einer richtig schön geträumt… Ich hoffe, auch von mir“. Gus schaute sich hastig um und gab mir dann einen Kuss auf die Schläfe, während er noch einmal kurz die steinharte Beule in meiner Hose drückte.
Das Flugzeug setzte etwas unsanft auf der Landebahn auf, und schon wenige Minuten später verließen wir die Maschine. Es war kaum Betrieb auf Fornebu und uns empfing ein herbstlich kalter Wind als wir zum Ankunfts-Terminal gingen.
Durch unsere regelmäßigen Reisen nach Amsterdam kannten wir inzwischen einige Zöllner vom Sehen. Ein blutjunger, hübscher Beamter war uns schon mehrfach aufgefallen. Er hatte die engste Uniformhose von allen und war gleichbleibend höflich zu allen Passagieren. Uns grinste er allerdings jedes Mal so frech an, dass Gus irgendwann mal scherzhaft sagte: „ Wenn der mich noch einmal so frech angrinst, lade ich ihn zum Essen ein“.
An diesem Abend stand er gelangweilt hinter seinem Schreibtisch und verfolgte den Strom der ankommenden Passagiere aus Amsterdam. Als er uns sah, bildete ich mir ein, dass er eine Augenbraue hob und lächelte. Jacob ging ein paar Schritte hinter uns und hatte wohl schon damit gerechnet, unkontrolliert passieren zu können, als der Beamte ihn freundlich ansah und bat, einen kurzen Blick in seinen Rollkoffer werfen zu dürfen. Gus und ich verließen die Ankunftshalle und warteten im Shoppingbereich. Als Jacob nach zehn Minuten immer noch nicht kam, fragte Gus nachdenklich: „Hat Jacob mehr als die Quote gekauft?“ – „Nicht, dass ich wüsste. Er raucht doch gar nicht und Flaschen hatte er keine dabei“. Wir warteten weitere fünf Minuten, bis er endlich grinsend auftauchte und mit einem kleinen grauen Kärtchen wedelte.
„Meine Investition hat sich gelohnt…“. Wir sahen Jacob fragend an. „Mein Spielzeug hatte es ihm angetan… Na ja, und dann haben wir uns ein bisschen unterhalten. Thorbjørn heißt er, und wenn er keine kalten Füße bekommt, treffen wir uns morgen abend um zehn im ‚London-Pub‘“.
„Ehy, das nenne ich gute Beziehungen zur Obrigkeit“, lachte Gus. „Tja, gemeinsame Interessen sind manchmal Gold wert. Ich habe sogar seine Telefonnummer, falls mir etwas dazwischen kommen sollte“. – „Und ich war so naiv zu glauben, ihn zum Essen einladen zu können“, kicherte Gus.
Wir fuhren Jacob in seine neue Wohnung und verabredeten uns für den nächsten Abend im ‚London Pub‘. Denn den wirklich interessanten Zöllner wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.
Der ‚London Pub‘ war damals Oslos bekannteste und größte schwule Bar. Es gab zwei Tresen, viele kleinere und größere Sitzgruppen mit Ledersesseln und kleinen runden Tischen. Im hinteren Teil stand ein Billard-Tisch, der quasi als eine beleuchtete Insel in einem ansonsten eher dunklen Raum die Gäste anzog. Normalerweise wurde es erst gegen Mitternacht richtig voll. Dann konnte man bei recht lauter Musik und durch Tabak-Rauch schlechter Luft kaum normale Gespräche führen. Viele Singel, die sich verabredet hatten oder sich einfach unterhalten wollten, kamen vorher. Typisch für Osloer Kneipen war, dass die Gäste oft ein Halb-Liter-Glas Bier ohne Schaum vor sich stehen hatten, an dem sie sich wegen des hohen Preises durchschnittlich länger festhielten als zum Beispiel in Deutschland oder den Niederlanden.
So trafen wir auch Jacob an, der allein an einem der kleinen Tische saß und mit aufgestütztem Kopf, über sein Bierglas hinweg die eintretenden Gäste beobachtete. Als er uns sah, bewegte er sich kaum, machte lediglich eine leichte Handbewegung zur Begrüßung und deutete auf die beiden Sessel vor sich. Es war schon viertel nach zehn und von seinem Zöllner nichts zu sehen. Dementsprechend war seine Stimmung nicht besonders gut.
Kurz nach halb elf kam unser gemeinsamer „Bekannter“ endlich zusammen mit einer Gruppe von fünf anderen Jungs. Alle trugen schwarze Motorrad-Anzüge aus edlem, weichem, gut riechendem Leder und verschiedenfarbige Halstücher dazu.
Thorbjørn war allem Anschein nach der jüngste von ihnen und der einzige ohne Bart. Seine gepflegte, glatte Gesichtshaut, schmale, glatte Augenbrauen und penibel, kurz geschnittenen, schwarzen Haare standen in einem seltsamen Kontrast zu seiner Kleidung und letztlich auch zu seinen Begleitern. Die fünf anderen waren kräftige Gestalten, die offenbar darauf Wert legten, durch ihre Lederkleidung sowohl ihre Muskelpakete, als auch ihre besten Stücke zwischen den Beinen besonders hervorzuheben. Ihre unterschiedliche Haarpracht reichte von tief rot, über albino-blond bis hin zu lila-schwarz und hatte schon seit Monaten, wenn nicht Jahren, keinen Frisör mehr gesehen. Die Fünf unterstrichen ihr eindrucksvolles Aussehen mit unterschiedlichen silbernen Ketten und Kettchen, deren praktische Funktion sich mir nicht erschloss.
Als Thorbjørn Gus und mich erkannte, stutzte er für einen kurzen Moment, lachte dann aber über das ganze Gesicht und sagte: „Ach, so sieht man sich wieder. Na ja, Norwegen ist ein kleines Land und Oslo ein Dorf“.
Jacob schien sich übergangen zu fühlen. Hatte er doch auf ein einmaliges Date mit seiner „Eroberung“ gehofft, mit der er in trauter Zweisamkeit gemeinsame „Interessen“ austauschen konnte. Daher versuchte er jetzt, sich mit einem schüchternen „Hei!“ in Erinnerung zu bringen und damit tatsächlich den gewünschten Erfolg erzielte.
„Hei! Toll, dass Du gekommen bist… hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet. Andererseits… Du bist ja Deutscher und Ihr seid ja für Eure Zuverlässigkeit bekannt“. Thorbjørn grinste und schaute Jacob so tief in die Augen, als ob er unbedingt auch die winzigste Reaktion seines Gegenübers mitbekommen wollte.
Die fünf Begleiter begrüßten und verabschiedeten sich ebenfalls mit einem gleichzeitigen und vielstimmigen „Hei!“ und zogen weiter Richtung Billard-Tisch.
Der sonst sehr selbstsichere Jacob wurde mit der Situation immer noch nicht ganz fertig und schaute erst einmal den fünf Freunden in ihren verdammt gut sitzenden Ledermonturen nach, bevor er leise erwiderte: „Warum sollte ich nicht kommen? Ich bin zwar nicht oft hier, aber zwischendurch mal ein Bier mit netten Leuten lasse ich mir nicht entgehen… und… wann hat man das schon, dass ein Zöllner ähnliche Interessen hat?“. Dabei schmunzelte Jacob und hielt jetzt dem Blick von Thorbjørn stand.
„Ach so, Ihr kennt Euch?“ Er lächelte abwechselnd Gus, mich und Jacob an.
„Ja, das kann man so sagen. Gus und Walter sind sozusagen ein Teil meiner Familie… Wir haben sogar mal zusammen gewohnt“.
Thorbjørn lachte und zog die makellos gezupften Augenbrauen hoch: „Ich verstehe. Besser vorsichtshalber die Familie mitbringen… Man weiß ja nie, an was für Zufallsbekanntschaften man geraten könnte“.
„Musst Du gerade sagen, fünf Bodyguards bringt man normalerweise ja auch nicht zum Treffen der einsamen Herzen mit“, scherzte Jacob.
„Ich treffe mich mit den Jungs hin und wieder zum Billard-Spielen. Sonst ist da nichts. Sie kommen nicht aus Oslo. Eigentlich bin ich ein einsames Schwein, weil ich hier in Oslo kaum jemanden kenne und immer nur jedes zweite Wochenende nach Hause fahren kann“.
„Woher kommst Du denn?“, fragte Gus.
„Aus Horten“.
„Ach, guck an… Zufälle gibt’s. Meine Familie kommt aus der Nähe von Holmestrand, wir beide haben unsere zweite Heimat und unsere besten Freunde dort“.
„Na, jetzt wird’s spannend“, Thorbjørn freute sich sichtlich, Gemeinsamkeiten mit uns gefunden zu haben.
„Wo denn genau?“
„Die Höfe Bjørnstangen-Gård, Bergstad-Gård und Bekketangen sagen Dir vielleicht etwas?“.
„Ja, von Bjørnstangen habe ich vor einiger Zeit etwas in der Zeitung gelesen. Dort wohnen doch die ersten beiden registrierten Partner des Bezirks mit einem Pflegesohn, nicht wahr? Und Bergstad ist doch der malerische Hof mit dem Golfplatz?“
„Stimmt genau“.
„Und was habt Ihr drei damit zu tun?“
„Hast Du Zeit?“, lachte ich. „Dann erzählen wir Dir die Kurzfassung der Geschichte“.
„Gern, das interessiert mich jetzt wirklich“, dabei öffnete er wie beiläufig den Reißverschluss des Oberteils seines Lederdress und lockerte sein rotes Halstuch. Er trug offenbar weder Hemd noch Unterwäsche. Die Haut seiner Brust wirkte ebenso glatt und gepflegt wie die seines Gesichts.
Nachdem wir abwechselnd in kurzen Worten darüber berichtet hatten, wie wir uns kennengelernt hatten und was uns Bjørnstangen bedeutete, nickte Thorbjørn nur, blickte sich um und rief zum Billard-Tisch rüber: „Håvard! Komm doch mal!“
„Håvard kommt aus Sandefjord und hatte mal einen Freund in Holmestrand“.
Håvard war der größte und kräftigste der fünf. Er hatte knallrote Haare und einen dichten Vollbart. Seine Stimme war tief und seine Augen lebendig und leuchtend blau. Er hatte ein freundliches Lächeln und schwang seinen Körper ohne zu fragen auf den letzten Sessel an unserem Tisch.
„Kennst Du Bjørnstangen?“
„Ich habe davon gehört… das sind doch die beiden, die als erste in Vestfold geheiratet haben? Einer meiner Kumpel war bei dem Hoffest“.
„Die drei hier waren auch dabei. Der Bjørn und sein Robert sind ihre besten Freunde“.
„Roberto“, verbesserte Gus. „Er ist Italiener“.
„Ehy, toll… mein Kumpel meinte, er habe dort mein mexikanisches Mäuschen gesehen war sich aber nicht sicher“.
Gus lachte: „Mexikanisches Mäuschen ist gut..., das kann ja nur Ruben gewesen sein“.
„Ja, ich glaube er hieß so. Wir haben uns vor Jahren mal in Ås kennengelernt. Der Kleine war so spitz, wie meine Schwester nach einem Jahr Enthaltsamkeit, aber hat niemanden an sich rangelassen. Seinen Schwanz musstest Du mit der Lupe suchen… aber er war irgendwie süß“.
„Jetzt würde mich ja mal interessieren, wer Dein Kumpel ist. Vielleicht kennen wir den ja auch“, grinste ich.
„Ach, der ist ein schüchterner Einzelgänger, der immer hinter seinem verheirateten Freund hinterher dackelt. Wenn’s irgendwo was zu saufen gibt, sind die beiden nicht weit. Er heißt Olav“.
„Tja, die Welt ist klein…“. Gus, Jacob und ich lachten laut.
„Übrigens, Ruben ist inzwischen mit einem Mitarbeiter auf Bjørnstangen leiert und arbeitet und wohnt auch dort“.
Håvard schmunzelte: „Dann muss ich da wohl mal hin… scheint ja ein nettes schwules Nest zu sein“.
„Kann man so sagen. Es arbeiten jedenfalls nur nette Männer dort und meines Wissens hat sich Dein Kumpel für einen Job auf Bergstad-Gård bei Bjørn beworben“, erwiderte ich.
„Hat denn der Bjørn in dem Golf-Platz auch seine Finger drin?“.
„Ja, er verwaltet den Hof für seinen Pflegesohn“.
Wiedermal streifte mich der Gedanke, dass Norwegen und seine Menschen einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Kontinental-Europäern hatten. Es waren Wenige und die Wenigen kannten sich besser. Immer wieder bestätigte sich meine Behauptung, dass es nicht viel länger als fünf Minuten dauert, bis sich bisher unbekannte Norweger im Gespräch herausfinden, dass sie irgendwann und irgendwo gemeinsame Bekannte hatten oder haben. Für Jacob eine Tatsache, die ihn immer noch erstaunte. Gus und mich wunderte es überhaupt nicht.
Mich wunderte auch nicht, dass Thorbjørn jetzt näher an Jacob heranrückte und Håvard seinen Lederstiefel auf Gus‘ Sessel gelegt hatte. So vertraut als kennten wir uns seit Jahren, erzählte Håvard jetzt von seiner Zeit in Ås, dem langweiligen Leben in Sandefjord, seiner Begegnung mit Olav bei einem Biker-Treffen in Tønsberg und seiner Vorliebe für Wandertouren auf der Hardanger Vidda und in Rondane.
Als dann zu vorgerückter Stunde die Musik immer lauter und der Pub immer voller wurde, meinte Jacob, man sollte doch vielleicht einen Standortwechsel vornehmen.
Gus und ich wollten nach Hause, da wir am nächsten Tag arbeiten mussten. Håvard hatte noch Lust auf ein paar Runden Billard mit seinen Kumpeln und Thorbjørn war etwas unschlüssig. Ihm wurde bewusst, dass er sich eigentlich mit Jacob verabredet, aber kaum mit ihm gesprochen hatte. Daher wandte er sich jetzt an ihn und fragte: „Hast Du noch Lust irgendwo hinzugehen?“
„Gibt ja nicht mehr viele Möglichkeiten. In meinem Kühlschrank sind noch ein paar Flaschen Bier, Cola und Solo (norwegisches Fruchtsaftgetränk). Die Bars in der Stortingsgata und Akersgata sind mir zu teuer“.
„Stimmt, abgesehen davon, treffen sich dort zu viele Snobs für meinen Geschmack“.
„Also, dann kommst Du mit in meinen privaten Pub in Grünerløkka?“, fragte Jacob lachend.
„Ja ok, kann Dich ja auch nicht so allein durch die nächtliche Tigerstadt laufen lassen“, feixte Thorbjørn.
So trennten wir uns, nicht ohne Håvard und Thorbjørn zu uns einzuladen. „Ruft vorher kurz an, wenn Ihr Lust auf einen Kaffee oder ein Bier in Frogner habt“. Ich gab ihnen beiden unsere Telefonnummer und wir wünschten uns eine gute Nacht.
Schon am nächsten Abend stand Jacob bei uns vor der Tür und wollte unbedingt über seine Nacht mit Thorbjørn berichten.
Die beiden waren den recht langen Weg durch die fast menschenleeren Wohngebiete von Gamle Aker gewandert, hatten den Akerselva überquert und die mystische Stimmung des naturbelassenen Grünstreifens mit dem rauschenden Fluss, der die hektische Großstadt fast in ihrer ganzen Länge durchschnitt, genossen.
Als sie vor dem einfachen Mietshaus in der Korsgata angekommen waren, grinste Jacob: „In Deutschland würde man jetzt sagen: ‚Darf ich Dir meine Briefmarkensammlung zeigen‘?“
„Ihr Deutschen habt wohl immer Schwierigkeiten damit, offen zu sagen, was Ihr wollt? Na ja, aber ganz ehrlich… uns Norwegern geht das nicht viel anders… Wir sagen halt: ‚ Hast Du Lust auf ein Nachspiel‘…“. Dabei nahm er Jacob in den Arm, drückte ihn gegen die schwere, hölzerne Hoftür des Hauses und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Jacob lächelte und meinte: „Na, dann wäre das ja geklärt… Lass uns reingehen, aber leise. Hier ist alles sehr hellhörig“.
In dieser Nacht erfüllte sich alles, was Jacob sich erträumt hatte, als er Thorbjørn das erste Mal am Flughafen gesehen hatte. Er hatte geträumt, von diesem Mann genommen zu werden. Er wurde genommen. Noch bevor er die Wohnungstür aufschließen konnte, hatte Thorbjørn den langen Reißverschluss seiner Ledermontur bis zum Schritt heruntergezogen. Seine glatte, sehr helle, fast seidige Haut stand in wunderschönem Kontrast zu dem weichen, feinen, schwarzen Leder, dessen Geruch Jacob inhalierte, als wolle er sich berauschen. Bis auf eine kurze, sehr dichte, penibel gestutzte, tief schwarze Schambehaarung war auf Brust und Bauch kein Haar auszumachen. Jacob fielen sofort die fast 5-Mark-Stück großen, dunklen Nippel auf, die sich genau wie die gezupften Augenbrauen, die markant geschnittenen Kopfhaare und die wie aufgeklebt wirkenden Schamhaare unnatürlich scharf abgrenzten. Dieser Mann war eitel. Das war ihm klar. Und… er strahlte eine enorme Erotik aus, der sich Jacob nicht entziehen konnte.
Ein winziger schlohweißer Tanga war offenbar dazu da, den schön geformten, dunklen Schwanz und die dazugehörigen rasierten Eier, unter normalen Umständen, notdürftig auf ihrem Platz zu halten. In diesem Moment bedeckte er nicht einmal mehr die Eier ganz. Der Kolben, der sich da jetzt im Halbdunkel eines Osloer Mietshauses gegen Jacobs Jeans drückte, nahm enorm an Volumen zu, war hart, gerade und steif und wollte oder konnte nicht mehr abwarten in Aktion zu treten.
„Nicht hier…“, flüsterte Jacob und knabberte an Thorbjørns Ohrläppchen.
„Doch gerade… ich will Dich jetzt und hier. Ich mag das Heimliche, das Verbotene… Ich habe seit Tagen nicht mehr gespritzt, weil ich auf so einen Moment wie diesen gehofft habe“, hauchte Thorbjørn. Die automatische Flurbeleuchtung erlosch und nur noch von einem Fenster zum Hof drang diffuses Licht ein, das aber keine Details mehr erkennen ließ.
Jacob hielt noch immer den Wohnungsschlüssel in der Hand, war aber wie paralysiert. Er ließ es zu, dass sein Zöllner ihm die Jeans herunterriss, ohne wenigstens den obersten Knopf zu öffnen. Er genoss es sogar, dass sich der eisenharte Schwanz, nur wenig von Lusttropfen und Spucke befeuchtet, direkt und ohne jede Vorsicht in sein großes Loch drückte. Thorbjørn gab kaum einen Laut von sich, nur sein Atem ging heftig und hin und wieder kam ein leichter Seufzer, während er mit ungeheuer kräftigen Stößen zustieß.
Jacob empfand die Situation in dieser Umgebung und zu dieser Zeit als skurril, trotzdem gefiel ihm der Gegensatz zwischen dem weichen, fast femininen Äußeren und der männlichen Härte und Willenskraft. Er genoss jeden Stoß, der bis in die Hoden und seine pralle Eichel zu spüren war.
Thorbjørn begann jetzt lauter zu stöhnen und keuchte ein wenig, dann strich er Jacob plötzlich zärtlich über den Kopf und flüsterte: „Du bist ein Traum… jetzt können wir reingehen“, dabei lächelte er entspannt, zog seinen Schwanz langsam zurück, nahm Jacobs Hand mit dem Schlüssel und führte sie zum Türschloss. Wie in Trance öffnete Jacob die Tür und stolperte, ohne seine Hose hochzuziehen, mehr oder weniger in seine Wohnung. Hier in der gewohnten Umgebung wurde er wieder selbstsicherer, befreite sich noch im Flur von Jeans und Unterhose und forderte Thorbjørn auf: „Los, zieh Dich aus… dann bekommst Du auch ein Bier!“
Lederdress und Mini-Slip landeten auf einem Sessel im Wohnzimmer. „Das Bier kann warten. Ich wollte Dich und ich will Dich jetzt…“. Thorbjørn stand mit einem feucht glänzenden und leicht tropfenden Ständer mitten im Raum. „Komm zu mir Du geiler deutscher Briefmarkensammler! Bring Dein Spielzeug mit!“
Obwohl Jacob sich nicht gern kommandieren ließ, holte er alles widerspruchslos. Sein Loch lechzte danach ausgefüllt zu werden, gleichzeitig wollte er unbedingt diesen interessanten Mann von oben bis unten ablecken und probieren, wie dieser wunderschöne Schwanz schmeckte, dessen heftige Stöße er eben noch in an seiner Prostata gespürt hatte.
Als er den leicht klebrigen Schwanz in den Mund nahm, schmeckte Jacob zum ersten Mal sich selbst. Es war das erste Mal, dass er einen Kolben im Mund hatte, der noch kurz zuvor in seinem eigenen Darm gewesen war.
Thorbjørn grunzte und stöhnte jetzt lauter als draußen vor der Tür. Auch war er wesentlich zärtlicher als noch vor wenigen Minuten. Immer wieder streichelte er Jacobs Kopf und Nacken, bis er sich auf seinen Schultern abstützte und rief: „Wenn Du jetzt nicht aufhörst, komme ich“.
Jacob hatte bereits ein paar salzig herbe Tropfen geschmeckt und entließ den prallen Schwanz gerade noch rechtzeitig, damit der ihm direkt ins Gesicht spritzen konnte. Das Sperma brannte in den Augen und lief in kleinen Bächen von der Stirn, über die Backen bis zum Hals.
„Puh! Das musste raus…“. Thorbjørn küsste Jacob und begann dann ganz behutsam seine eigene Sahne aus dem Gesicht seines neuen Freundes zu lecken.
Jacob war hingerissen, fragte sich aber, wie er jetzt noch sein Spielzeug einsetzen sollte, das zusammen mit einer kleinen Tube Gleitcreme gleich neben ihm lag.
Thorbjørn nahm ihm die Entscheidung ab. Er griff nach dem riesen Gummipenis, schmierte ihn gut ein und führte ihn zu Jacobs Loch. Der kniete sich hin und streckte Thorbjørn seinen Po mit dem enorm weit geöffneten Loch entgegen.
Thorbjørn war verblüfft, wie regungslos und ohne jede Schmerzreaktion Jacob dieses künstliche Riesenteil aufnahm. Erst als mehr als 30 Zentimeter in seinem Darm verschwunden waren, zuckte Jacob leicht zusammen und kniff für einen Moment die Augen zu. Dann forderte er Thorbjørn auf: „Mach weiter!“ Der strich ihm wieder über den Kopf und schob den Dildo immer weiter rein. Sein Schwanz hing jetzt völlig schlapp, aber immer noch tropfend zwischen seinen glatten, haarlosen Oberschenkeln. Kurz bevor das abgerundete und etwas breitere Endstück Jacobs Loch wie ein Pfropfen verschloss, gab Jacob einen kurzen Schrei von sich und rollte mit den Augen.
„Tut’s weh?“
„Nein, nein… mach weiter!“ Jacobs Gesichtsausdruck passte nicht zu dem, was er sagte. Der Mund war schmerzverzerrt, auf der Stirn zeigten sich Schweißtropfen und die Augen waren weit aufgerissen. Er stöhnte nicht mehr lustvoll sondern leidend. Dennoch krallte er sich in Thorbjørns Unterarmen fest und nötigte ihn das riesige künstliche Teil noch weiter in seinen Darm vorzuschieben. Dann löste er seine eine Hand, griff nach seinem zum Bersten prallen Schwanz, wichste mit ungeheurer Kraft, riss die Augen noch weiter auf und brüllte dann schließlich: „Ja, ja…so… jetzt… ich komme!“, dabei spritzte er eine gewaltige Ladung in einem hohen Bogen auf den Parkettboden seines Wohnzimmers. „Stoß noch einmal zu, bitte!“ Thorbjørn tat wie ihm geheißen und zog dann ganz langsam und vorsichtig den gigantischen Kunstpimmel wieder raus.
Jacob entspannte schnell, lächelte glücklich, ließ sich ganz langsam auf den Rücken fallen und griff nach Thorbjørns Kopf.
Er presste ihn an sich und küsste ihn wie wild. Dabei suchte seine Zunge immer wieder die Tiefen seines Gaumens.
Als uns Jacob die Geschichte erzählt hatte, konnte Gus sich kaum zurückhalten, seinen Schritt immer wieder zu reiben und auch der Druck in meiner Hose war erheblich.
„Na, Dein Zöllner scheint Dich ja richtig ausgelastet zu haben. Also, mir gefällt er auch nicht schlecht. Sein Freund, der Håvard wäre fast noch mehr mein Typ. Ich mag erstens rote Haare und zweitens diese natürliche Art eines Naturburschen“, sagte ich grinsend.
„Mich würde ja mal Dein Spielzeug interessieren. Je mehr Du davon erzählst umso verlockender wird es“, meinte Gus.
„Macht was Ihr wollt. Ich bevorzuge eindeutig die Natur“, lachte ich. „Eure beiden Schwänze wären mir tausendmal lieber als ein solch künstlicher Riesenschwengel“.
„Du hast ja recht… Ich glaube manchmal, ich bin sexsüchtig und brauche deshalb immer mehr davon und vor allem immer größere Kolben in meinem Arsch. Auf dieses irre Gefühl, bis zum Anschlag gefickt zu werden, kann ich kaum noch verzichten. Ich brauche einfach einen Mann, der mich bis zur Erschöpfung fordert. Sonst komme ich von dieser Sucht nicht mehr los, befürchte ich. Thorbjørn ist dafür der Richtige. Er hat mich im Laufe der Nacht noch zwei Mal rangenommen. Wir waren beide so geil, dass wir beim letzten Mal nicht mehr aufgepasst haben. Ich habe seine letzte Sahne geschluckt. Aber Ok, der Mann macht mich wahnsinnig. Mein Arsch tut mir weh. Ich bin heute bei der Arbeit fast eingeschlafen und könnte aber jetzt schon wieder… Wenn ich Eure beiden Beulen sehe, zuckt es bei mir im Schwanz und ich habe Herzrasen. Ich kann nichts dagegen machen“.
Ich erinnerte mich an unsere Zeit in Bremen, als ich darüber nachdachte, wie ich meine vermeintliche Sexsucht in den Griff bekommen sollte und konnte jetzt nicht einmal sicher sagen, ob und wie ich es geschafft hatte. Zu Sex mit einem Mann, der mir gefiel, egal ob alt, jung, schlank, dick, klein, groß, behaart oder unbehaart, konnte ich immer noch nicht nein sagen. Ich glaubte zu wissen, wie es Jacob ging, aber einen Rat wollte ich ihm nicht geben.
Ich hatte mich mit Gus, Roberto und Bjørn mehrfach über das Risiko AIDS unterhalten. Untereinander hatten wir vereinbart, immer ehrlich über unsere Sex-Partner zu reden und unsere Erlebnisse zu berichten. Wir wollten gegenseitig unbedingt auf Kondome verzichten, weil wir einander 100%ig vertrauten. Aber wie war das mit den anderen? Jacob, Jerry und Morten waren sehr offen und benutzten konsequent ein Gummi. Aber was wussten wir von Thorbjørn und eventuell von Håvard? Die Zeiten der unbekümmerten, spontanen Sex-Treffen waren wohl endgültig vorbei. Uns blieben unsere Erinnerungen an die spannenden Erlebnisse in Italien oder das hemmungslos fließende Sperma in Bremen. Wer weiß, wie meine ersten Abenteuer in meiner Jugend gelaufen wären, wenn wir damals schon mit AIDS hätten rechnen müssen.
Als Jeroen 1999 die Diagnose HIV positiv bekam, war das für uns alle ein Schock. Tinus, Gus, Jacob, Jerry, Roberto, Bjørn und ich ließen uns sofort testen und tun dies in regelmäßigen Abständen bis heute immer noch. Vor allem als dann auch noch Carlos ein paar Monate später positiv getestet wurde, entstand unter uns Freunden eine gewisse Panik. Dennoch rückten wir nach diesen Schicksalsschlägen noch weiter zusammen und haben sowohl Jeroen als auch Carlos fast bis zu ihrem letzten Tag regelmäßig besucht. Jeroen starb im Februar 2001 in den Armen von Tinus in einem Pflegeheim in Amsterdam. Carlos fand man eines Morgens im Januar 2002 tot in seiner Wohnung. Die Familie wollte über die Umstände seines Todes nichts sagen. Es hielt sich aber das Gerücht, er habe sich das Leben genommen.
Wir redeten viel in diesen Tagen über die Risiken für unsere Gesundheit, aber auch über das, was der HI-Virus mit unserer Freundschaft machen könnte, wenn wir anfangen würden uns zu misstrauen. Wir wollten Viktor, Ronald, Henk, Tinus oder Andrea und Enrico genauso unbefangen treffen können wie immer, obwohl sie die meiste Zeit weit weg im Ausland verbrachten und auch dort sicher mal Sex mit Männern hatten, die wir nicht kannten.
Auch auf Bjørnstangen war das Virus Gegenstand abendlicher Diskussionen. Pino und Albert waren jetzt mitten in ihrer Pubertät und wollten ihre eigene Meinung zu dem Thema haben und sich von den Erwachsenen keine Verhaltensregeln verordnen lassen. Sie hatten sich und nur sich. Deshalb waren steigende Infektionszahlen innerhalb der schwulen Szene für sie nur ein theoretisches Problem. Sie lernten in der Schule zwar viel über Ansteckungswege und Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten, aber irgendwie berührte sie das Thema trotzdem nicht.
Roberto, Bjørn, Magne, Ruben, Andreas und Sverre verkehrten kaum noch sexuell mit Männern, die sie nicht kannten. Olav arbeitete jetzt seit über einem Jahr einige Tage in der Woche als Koch im Clubhaus auf Bergstad und besuchte hin und wieder Ruben und Magne, um gemeinsame Sauna-Abende mit ihnen zu verbringen, aber außer mit Hendrik und Håvard hatte er vorher keinen intensiven sexuellen Kontakt mit Männern gehabt. Fazit: Wir waren vorsichtiger geworden aber nicht ängstlich.
Am 30. Oktober 1998 wurde Albert volljährig. Zur Geburtstagsfeier trafen wir uns mit vielen Freunden auf Bjørnstangen. Alle „seine Onkel“, wie er uns nannte, waren gekommen. Seine „Papas“ hatten das Brygghus ausgebaut und für ihn und seinen geliebten Pino eine weitere Wohnung eingerichtet. Beide hatten ihr Abitur mit Bestnoten bestanden und wollten im Sommer 1999 ihre Ausbildung beginnen.
Zwei Tage vor Alberts Geburtstag kam Pino aus Italien zurück und verkündete, er werde in Mailand Tiermedizin studieren. Sehr zum Kummer von Albert, der sich eine jahrelange Trennung von seinem Liebsten nicht vorstellen konnte. Dementsprechend war die Stimmung zwischen den beiden etwas gedrückt.
Tinus hatte als Geburtstagsgeschenk für Albert ein Sparbuch mit 500 D-Mark in Deutschland eingerichtet. Von Viktor kam ein langer sehr persönlicher Brief, in dem er bestätigte, dass Albert zum Sommersemester 1999 in Bremen mit seinem Studium als Betriebswirt beginnen könne und er ihm für die Dauer des Studiums unsere alte Wohnung im Hause seines Vaters zur Verfügung stellen werde.
Von Gus und mir bekam Albert einen Reisegutschein für sich und Pino. Sein Opa Esben schenkte ihm einen einwöchigen Hotel-Aufenthalt in Amsterdam und die alte Taschenuhr, die er einst bei Anders in Verwahrung gegeben hatte. Dazu schrieb er: „Diese Uhr soll Dich immer daran erinnern, wo Du hingehörst und, dass es Menschen gibt, die Dich lieber haben als alles andere auf dieser Welt“.
Bjørn und Roberto hatten mit ihrem Pflegesohn vereinbart, dass es eine Art Familienfeier im Wohnzimmer geben sollte und, dass sich ehemalige Schulkameraden und Freunde abends in der Scheune treffen könnten. Olav und Kjell sorgten für das leibliche Wohl der Gäste und arbeiteten bereits seit dem frühen Morgen zusammen in der Küche. Sie hatten sich in den zurückliegenden Monaten angefreundet und mochten sich inzwischen sehr.
Wie bei solchen Anlässen in Norwegen üblich, wurden einige ermahnende und manche humoristischen Reden gehalten; und am Ende bedankte sich das Geburtstagskind mit ein paar Worten für alle guten Wünsche und die Geschenke.
Von Alberts gewohnter Lässigkeit und Selbstsicherheit war allerdings nicht mehr viel übrig; als er sich erhob, auf seinen vorbereiteten Text schaute und dann zu stottern begann: „Also…ehm… also liebe Papas… ehm… Onkels… ich weiß eigentlich gar nicht, was ich sagen soll… also erstmal danke“. Er schaute kurz Pino an, der unterm Tisch seine Hand gesucht hatte. Dann zerknüllte er sein Redemanuskript und sagte: „Man sagt zwar, ich sei ab heute erwachsen… aber irgendwie fühlt sich dieser Tag nicht anders an als alle anderen vor ihm. Ok… also… Ihr seid alle so wahnsinnig lieb zu mir gewesen… ehm… also, Ihr seid es ja immer noch… deshalb bedanke ich mich für alles, was Ihr für mich getan habt und vielleicht noch tun werdet… Ihr seid alle so toll… Skål!“
Daraufhin erscholl ein vielstimmiges Skål von der gesamten Geburtstagsgesellschaft und ein „Er lebe hoch!“. Dann stimmte jemand an:
„Gratulerer med da'n
Gratulerer med da'n
Gratulerer, kjære Albert
Gratulerer med da'n…“ [traditionelles norwegisches Geburtstagslied, das nicht fehlen darf.]
Abends in der Scheune war Albert dann wieder ganz der Alte. Er parierte selbstbewusst einige anzügliche Bemerkungen seiner Klassenkameradinnen, die immer noch meinten, ihn fragen zu müssen, warum er denn immer noch keine Freundin habe und Hinweise seiner Klassenkameraden, dass er als „Rød Russ“ [traditionelle Bezeichnung norwegischer Schulabschluss-Klassen] doch die beste Gelegenheit hätte, es jetzt endlich mal auch mit dem weiblichen Geschlecht zu versuchen.
„Macht Euch um mich keine Sorgen. Pino und ich kommen schon klar“, lachte er und gab seinem Liebsten einen flüchtigen Kuss auf die Wange.
Eine Woche später klingelte nachmittags bei uns in Oslo das Telefon: „Hei! Ich wollte mich nur mal melden und hören, wie es Euch geht. Olav hat erzählt, dass Ihr auf Bjørnstangen wart“.
Im ersten Moment konnte ich den Anrufer nicht einordnen und wollte schon fragen, mit wem ich spreche, als es mir dämmerte, dass das am anderen Ende Håvard sein musste.
„Ehy, das ist aber lange her. Ich dachte Du hättest uns längst vergessen“.
„Nein, nein… wie könnte ich. Thorbjørn und sein Jacob haben mich ja immer auf dem Laufenden gehalten. Aber ich dachte, ich will nicht aufdringlich sein“.
„Pah, ‚aufdringlich‘… ich dachte, wir hätten das klargemacht, dass nette Männer für uns nie aufdringlich sind“.
Lachen am anderen Ende der Leitung. „Ich wollte am nächsten Wochenende mal Olav auf Bergstad besuchen. Er will mir den Golfplatz zeigen, und anschließend wollen wir gemeinsam wandern. Habt Ihr nicht Lust mitzukommen?“
„Schöne Idee. Wo wollt Ihr denn wandern?“
„Meine Eltern haben eine Hütte am Hillestad-See. Das ist ungefähr drei bis vier Stunden zu Fuß von Bergstad entfernt und bequem zu erreichen. Also, Ihr müsstet einen Schlafsack mitnehmen, sonst ist alles da. Für Verpflegung sorgt Olav“.
„Das hört sich spannend an. Ich bin schon lange nicht mehr in der Gegend gewesen“.
„Dann treffen wir uns auf Bergstad am Sonnabend gegen 10:00 Uhr, abgemacht?“
„Ich hoffe, dass Gus nicht arbeiten muss und sage jetzt einfach mal zu“.
„Prima! Dann bis Sonnabend“.
Wir fuhren bereits am Freitag nach Bjørnstangen und waren tags darauf schon um 9:00 auf Bergstad.
Auf der Treppe zum Clubhaus standen zwei gepackte Rucksäcke und eine chromblitzende, rote Harley Davidson ‚Road King‘ vor der Tür. Vier ältere Golfspieler verschwanden gerade mit ihren Caddys Richtung Driving Range. Es war herbstlich kühl und das intensiv gelbe und orange leuchtende Laub war an vielen Stellen schon von den riesigen den Hof umgebenden Bäumen geweht. Die Tür zum Haupthaus stand offen, aber Sverre und Andreas waren nirgends zu sehen.
Gus und ich stellten unsere Rucksäcke zu den anderen beiden und setzten uns auf die Treppenstufen.
„Ehy! Was macht Ihr beiden denn hier?“, fröhlich grinsend kam Andreas mit einem großen Sack Golfbälle über der Schulter aus der Scheune.
„Meine ‚Ausbeute‘ von gestern, Ich habe mal wieder den Teich abgefischt“, erläuterte er.
„Wir warten auf Olav und seinen Freund Håvard aus Sandefjord“.
„Ach, Ihr kennt Euch? Die beiden haben einen Rundgang über den Platz gemacht und werden wohl gleich hier sein. Wollt Ihr auch wandern?“. Andreas deutete auf unsere Rucksäcke.
„Ja, Richtung Hillestad-See“.
„Na dann, viel Spaß… kann kalt werden heute nacht“.
„Ich gehe davon aus, es gibt Feuerholz in der Hütte, zu der wir wollen“, lachte ich.
„Solltet Ihr übermorgen noch nicht wieder zurück sein, schicke ich einen Suchtrupp los“, feixte Andreas.
Als Olav und Håvard um die Ecke bogen, hätte ich Håvard beinahe nicht wiedererkannt. Haare und Bart waren kurz getrimmt und er trug einen Setesdal-Pullover zu einer militär-grünen, in der Hüfte sehr eng geschnittenen Baumwollhose mit Bügelfalte und übergroßen Gesäßtaschen.
Auch Olav sah verändert aus. Auch seine weichen, dunklen Haare waren sauber geschnitten und er war frisch rasiert. Er trug ein grob kariertes, buntes Flanellhemd und eine Filzjacke mit dicken Lederknöpfen und dazu ebenfalls eine nato-grüne Uniformhose.
„Ah hallo, dann sind wir ja schon vollzählig und es kann losgehen. Toll, dass Ihr mitkommt“. Håvard begrüßte uns mit einem kräftigen Händedruck. Olav nickte uns nur zu und lächelte freundlich.
„Komm Walter, ich zeige Dir eben den Weg auf der Karte. Du kennst Dich ja hier in der Gegend aus. Sollten wir uns verlieren, weißt Du jedenfalls, wo wir hinwollen“, grinste Håvard.
Als ich seinen Fingern auf der Karte folgte, fiel mir auf, dass sie ungewöhnlich gepflegt waren und eigentlich nicht zu seinem Naturburschen-Typus passten. Seine strahlend blauen Augen sahen mich immer wieder an und schienen fast mehr zu lächeln als sein schöner Mund.
Olav verstand sich offenbar auf Anhieb gut mit Gus und fachsimpelte mit ihm über norwegische Rucksackmarken und das passende Schuhwerk für Herbstwanderungen.
Wir starteten unsere Wanderung gleich hinterm Haupthaus, erklommen eine kleine Anhöhe, von der aus wir einen wunderschönen Blick über den jetzt in der klaren Herbstsonne liegenden Golfplatz hatten und gingen dann über einen dieser typischen norwegischen Trampelpfade, die überall die Wälder durchziehen, selten benutzt werden und doch da sind.
Der Boden war feucht und das gefallene Laub machte die ohnehin glatten Felsen noch glatter. Immer wieder reichten wir uns die Hände, um uns gegenseitig zu sichern, oder damit der eine den anderen hochziehen konnte. Der erste Teil des Weges war beschwerlich, aber die wunderschönen Herbstfarben und die eine oder andere Aussicht über die südnorwegische Wälder- und Hügellandschaft entschädigten für die Strapazen. Die Luft war so klar, dass wir zum Teil weit bis zu den Bergketten der Telemark schauen konnten, wo auf den höchsten Bergen bereits Schnee gefallen war.
Hin und wieder überquerten wir eine Straße, um gleich darauf wieder einem Pfad zu folgen. Verwitterte Schilder gaben uns hin und wieder eine Ahnung davon, dass wir in der richtigen Richtung unterwegs waren. Einige Landmarken, Gehöfts- und Ortsnamen waren mir aus meiner Kindheit bekannt, aber eigentlich war der Weg für mich so unbekannt wie für Gus und Olav. Nur Håvard kannte sich hier offenbar gut aus und führte uns zielsicher quer über Felder, durch undurchdringlich erscheinendes Dickicht, über private Grundstücke und schmale, morsche Holzstege bis zu unserem ersten Rastplatz am Revo-See.
Das Wasser schimmerte dunkelgrün, war glasklar und blank wie ein Spiegel. Ab und zu sah man einen Wasservogel blitzschnell nach Beute tauchen. Es war so still, dass wir automatisch glaubten flüstern zu müssen, wenn wir mit einander sprachen. Håvard erzählte uns von seltenen Tier- und Pflanzenarten, die in dieser Gegend vorkamen. Immer wieder bückte er sich, nahm ein Blatt oder eine Blüte und beschrieb ausführlich ihre Eigenschaften. Dann kniete er sich plötzlich hin und befreite ein kleines Pflänzchen mit einem länglichen, verwelkten Blütenstiel vom Laub und erklärte uns begeistert, dass das eine der äußerst seltenen und wenigen norwegischen Orchideenarten (Myrflangre) sei, die man hier eigentlich für ausgestorben gehalten hatte. Dabei leuchteten seine blauen Augen noch mehr als ohnehin schon, und er strahlte über das ganze Gesicht.
Ich hatte diesen Mann bei unserem ersten Treffen damals im London-Pub völlig falsch eingeschätzt. Seine große, massige und muskulöse Gestalt, die wilden, roten Haare, der Bart und die Lederkleidung suggerierten einen harten Kerl, der sich seiner Kraft bewusst war, wenig Gefühl offen zeigte und es liebte zu dominieren. Hier draußen wirkte er weich, fast verletzlich, behutsam und zärtlich. Er streichelte gleichsam jede Blüte und jedes Blatt, die er uns zeigte. Er beschrieb die Natur und die Landschaft so liebevoll wie einen intimen Freund.
Ich muss gestehen, ich hing an seinen Lippen, konnte mich weder satt hören, an dem was er sagte noch satt sehen an seinen geschmeidigen Bewegungen, die seinen klassisch schönen aber massigen Körperbau besonders gut zur Geltung brachten. Jedes Mal wenn er sich bückte formte seine enge Hose seinen Po so, dass jeder schwule Mann fasziniert sein musste. Gus und Olav dachten offensichtlich ähnlich, denn beide fixierten ihren Blick ebenfalls immer mal wieder auf Håvards Körpermitte.
An einem kleinen Steg, der offenbar zu einem etwas entfernter liegenden Hof gehörte, setzten wir unsere Rucksäcke ab, holten unsere Thermoskannen raus und legten unsere Brote auf ein ausgebreitetes Küchenhandtuch. Olav legte Schokolade dazu und Håvard schnitt mit seinem Fahrtenmesser drei Äpfel auf, sodass sie für vier reichten. Dann zog er seinen Pullover aus, knöpfte sein grau-grünes Flanellhemd auf, löste den Gürtel seiner Hose und streckte sich auf den von der Sonne angewärmten Holzplanken der Länge nach aus.
Olav machte es ihm nach und schob seine Hose sogar bis zum Schamhaaransatz hinunter. Er hatte einen wesentlich behaarteren Körper, als ich bisher gedacht hatte.
Gus hatte lediglich Schuhe und Strümpfe ausgezogen und ließ seine Beine von der Stegkannte baumeln. Er wiegte seinen Oberkörper vor und zurück und summte leise eine Melodie vor sich hin.
Ich nutzte die entspannte Situation, um ein paar Schnappschüsse zu machen. Dabei zoomte ich mit meinem Teleobjektiv nicht nur eine winzig kleine Insel ein, die direkt vor uns lag, sondern ich machte auch einige Detail-Fotos und Portraits von unseren beiden Natur- und Wanderliebhabern. Dabei fiel mir jetzt erst auf, das Håvard nicht nur hinten sondern auch vorn eine beachtliche und fotogene Wölbung zu bieten hatte.
Olav hatte sich direkt neben seinen rothaarigen Freund gelegt und suchte tastend seine Hand. Im Wettbewerb der Rundungen und Beulen schnitt seine in diesem Moment eindeutig am besten ab. Kein Zweifel: er hatte einen prallen Ständer. Der Anblick führte bei mir sofort ebenfalls zu einer heftigen Reaktion zwischen meinen Beinen.
Als ich mich so mit meinem Fotoapparat vor die beiden stellte und ein paar Mal ausgelöst hatte, grinste Håvard und meinte: „Du scheinst Dich ja schnell für Deine Fotomotive zu begeistern“.
„Für ganz bestimmte schon…“, lachte ich. „Sagen wir mal so: Ich liebe Naturerlebnisse“.
„Ich auch…“, erwiderte Håvard, drückte wie beiläufig Olavs Hand, lächelte und richtete sich auf. „Ich kann bloß nicht fotografieren. Dafür schreibe ich meine Erinnerungen auf und zeichne hin und wieder ein Bild dazu“.
„Ach…“. Ich war wirklich erstaunt. Das war wieder eine neue Seite an Håvard, die ich nicht für möglich gehalten hatte.
„Bleib mal einen Augenblick so stehen!“. Er lachte, griff nach seinem Rucksack, holte einen Bleistift und eine Art Schulheft hervor, schlug es auf und begann sofort mit schnellen Strichen zu zeichnen. Gus und Olav schauten ihm über die Schulter. Ich machte unterdessen ein paar Fotos von den Dreien.
„Halt still! Ich möchte ein schönes Portrait von Dir“, forderte er mich grinsend auf.
Zehn Minuten später war er fertig und zeigte mir sein Werk. Ich erkannte mich, mit bloßem Oberkörper, übertrieben breitem Grinsen, dem Fotoapparat genau dort, wo mein wertvollstes Stück saß und dem angedeuteten See im Hintergrund.
„Dazu schreibe ich später noch etwas in mein Tagebuch… das zeige ich Dir aber nicht“, lachte er und zwinkerte mir zu“.
„Da haben wir ja noch etwas gemeinsam. Ich schreibe auch Tagebuch seit ich sechzehn bin“.
Olav sah Håvard bewundernd an und sagte nachdenklich: „Ich habe mich schon oft gefragt, was Du wohl über mich geschrieben hast“.
„Sag ich nicht… Ein Tagebuch ist eine ganz persönliche Angelegenheit. Das geht niemanden etwas an. Aber ich schreibe nie richtig schlecht über Menschen, an denen mir etwas liegt“.
„In dreißig Jahren erinnert man sich hoffentlich sowieso nur noch an die Menschen, die man mochte und die positiven Dinge, die man erlebt hat. Dann können wir Zwischenbilanz ziehen und entscheiden, was wir richtig und was wir falsch gemacht haben“.
„So Jungs, jetzt sollten wir aufbrechen. Wir brauchen noch etwa zwei Stunden… Ich befürchte das Wetter wird zum Abend schlechter“.
Nachdem wir eine Stunde recht zügig, teilweise auf Wirtschaftswegen, gewandert waren, sahen wir, dass der Himmel sich im Westen verdunkelte.
„Ich hoffe, Ihr habt gutes Regenzeug dabei. Das kann heftig werden“, meinte Håvard mit einem sorgenvollen Blick gen Himmel.
Schon wenige Minuten später begann es zu tröpfeln und dann goss es wie aus Kübeln. Unsere Regenjacken waren von bester norwegischer Qualität, aber gegen die Wassermassen, die jetzt über uns niedergingen, boten sie kaum noch Schutz.
Wir überlegten kurz, ob wir unter einem größeren Felsvorsprung abwarten sollten, entschieden dann aber weiterzulaufen, da Håvard schätzte, dass wir nur noch zwanzig Minuten von der Hütte entfernt waren. Wir passierten zwei kleinere Höfe, wo die Menschen verwundert aus dem Fenster schauten, als sie unserer kleinen Gruppe ansichtig wurden. Dann überquerten wir noch einmal die Hauptstraße zwischen Tønsberg und Eidsfoss, sahen bereits das Wasser des Hillestad-Sees, an dessen Ufer wir noch etwa einen Kilometer einem schmalen Feldweg folgen mussten, bis wir endlich vor der kleinen braunen Hütte mit Grasdach und blauen Fensterläden standen. Der Regen hatte zwar etwas nachgelassen, aber es tropfte überall von den Dachkannten, die aus Birkenrinde bestanden.
Håvard tastete über dem Türrahmen der Eingangstür nach dem Schlüssel, der dort in einer kleinen Nische lag.
Gus war etwas verwundert darüber, wie leicht man den Schlüssel finden konnte. Er konnte nicht wissen, dass man solch kleine Hütten in Norwegen nicht übermäßig sicherte, um Wanderern im Notfall die Möglichkeit für einen Unterschlupf zu bieten.
Die Hütte hatte drei Zimmer, eine kleine Küche und ein noch kleineres Bad. Die Toilette war ein Plumpsklo ein paar Meter neben dem Haus.
Der enge Windfang vor dem Wohnzimmer war so klein, dass nur einer nach dem anderen eintreten und seine Schuhe dort ausziehen konnte.
Håvard ging vor und machte sich sofort am gusseisernen Jøtul-Holzofen zu schaffen. Mit dem ersten Streichholz zündete er ein kleines Feuer an und legte ein paar Minuten später schon die ersten Holzscheite nach, die an der Wand neben dem Ofen lagen. Olav öffnete die Fenster und richtete sich in der Küche ein.
Das Wohnzimmer war gemütlich mit rustikalen norwegischen Bauernmöbeln eingerichtet. Ein Schlafsofa und zwei Sessel standen um einen alten, geschnitzten Kieferntisch herum. Es gab ein altes Radio und einen kleinen Fernseher. In einem schmalen Bücherregal standen ein paar Romane norwegischer Klassiker. Der Blickfang des Zimmers war eine Kommode und eine Truhe, die in typisch bunter, norwegischer Rosenmalerei verziert war. An den Wänden hingen ein paar alte Familienfotos neben einem gewebten Wandteppich.
Im Schlafzimmer war die Einrichtung ganz ähnlich. Ein Doppelbett, ein Schrank und eine Kommode im Stil der Möbel des Wohnzimmers.
Neben der Küche gab es noch ein kleines Zimmer, das offenbar als Hobby- und Arbeitszimmer diente. Hier standen ein Schreibtisch mit einer uralten Schreibmaschine und mehrere Regale, in denen sowohl Angelzeug als auch Werkzeug, Gummistiefel, verschiedene Kisten und ein paar leere Flaschen standen.
„Ihr könnt Eure Sachen ins Schlafzimmer bringen. Olav und ich schlafen im Wohnzimmer. Laken Kissen und Decken liegen im Schrank. Es wäre schön, wenn Ihr Eure Schlafsäcke nehmen könntet, dann braucht meine Mutter nicht so viel zu waschen“.
„OK, danke!“
Inzwischen wurde es angenehm warm. Das Feuer prasselte im Ofen und man konnte riechen, wie die Feuchtigkeit aus unseren Klamotten langsam wich.
Über dem Ofen gab es ein schmales ausziehbares Wäschestativ, das daraufhin deutete, dass häufiger mal Wäsche kurzfristig getrocknet werden musste.
„Zieht schon mal Eure nassen Sachen aus. Ich hänge hier alles gleich auf, dann ist es bald wieder trocken. Die nassen Schuhe könnt Ihr auch reinbringen“. Håvard stieg auf einen Stuhl und spannte noch eine Schnur von einer Wand zur anderen. Dann zog er sich in aller Ruhe aus und hängte alles auf Bügel oder legte es über die Schnur. Olav tat es ihm sofort nach. Gus und ich packten erstmal unseren feuchten Rucksack aus um zu sehen, ob wir noch etwas Trockenes zum Wechseln hatten.
Meine Trainingshose und ein Pullover waren zwar klamm, aber immer noch besser als die klitschnassen Klamotten, die jetzt an meinem Körper klebten und mich inzwischen auch frieren ließen.
Håvards roter Haarschopf tauchte im Türrahmen auf und rief mahnend: „Jungs, seht zu, dass Ihr aus den nassen Sachen rauskommt. Ihr holt Euch noch den Tod. Handtücher liegen im Schrank…und wenn Ihr noch Hosen oder Pullover braucht, schaut mal in der Kommode nach.“. Er selbst hatte sich eine zerschlissene graue Filzhose angezogen, die ihm allerdings viel zu klein war. Über die Schulter hatte er sich eine schwarze Wolldecke gehängt. Ich hatte den Eindruck, dadurch wirkten seine roten Haare noch leuchtender.
Gus lachte und feixte: „So wie Du jetzt aussiehst, sterbe ich eher vor Schreck als an der Erkältung“.
„Sorry, die Hose ist von meinem Bruder…“.
Ich merkte, dass die wohlige Wärme des Holzofens jetzt auch unser Schlafzimmer erreichte, zog mich aus und trocknete mich gründlich ab. Gus war inzwischen ebenfalls nackt und hatte sich seinen Schlafsack, der in einer regendichten Hülle verpackt war, übergelegt.
Ich fand im Schrank eine alte Arbeitshose, die einigermaßen passte und wickelte mich in eine Wolldecke ein.
Nach und nach brachte ich dann unsere nassen Sachen ins Wohnzimmer und legte sie über die gespannte Schnur, holte dann meinen Fotoapparat und machte ein paar Bilder.
Aus der Küche hörten wir Olav mit Geschirr klappern und fröhlich „Raindrops are falling on my head“ summen. Er stand am Küchentisch nur mit einem knappen blauen Slip bekleidet und schien überhaupt nicht zu frieren. Für einen Moment hatte ich den Eindruck, er drücke seine Beule rhythmisch zur Melodie gegen die Tischkante.
Einen leichten Schrecken bekam ich, als ich mir die Haut seines Rückens etwas näher anschaute. Trotz einer gesunden Bräune sah man überall kleine längliche Narben, die allerdings mehrere Jahre alt sein mussten. Ich erinnerte mich an einen Satz, den er mal gesagt hatte, als wir uns beim Hoffest auf Bjørnstangen kennengelernt hatten: „Wir sind Kummer gewöhnt…“. Ich wollte ihn jetzt nicht darauf ansprechen und fragte deshalb lieber:
„Frierst Du nicht?“
„Ach, weißt Du, wenn man so wie ich lebt, härtet man ab. Ich bin auf dem Feld und im Wald schon so oft nass und kalt geworden. Ich merke das schon gar nicht mehr“.
Er nahm eine Kanne mit heißem Kaffee und einen Teller mit geschmierten Broten und brachte sie ins Wohnzimmer. Dort saßen Håvard und Gus einträchtig nebeneinander auf dem Sofa und steckten die Köpfe zusammen.
„Was gibt’s denn da so Interessantes?“
„Håvard ist ein echter Künstler“, antwortete Gus ehrfürchtig. „Seine Zeichnungen sind hervorragend und drücken oft mehr aus als tausend Worte“.
„Na, na, wiegelte Håvard bescheiden ab. Ich halte doch nur Erinnerungen fest, die ich übrigens nur mit ganz wenigen Leuten teile“.
Ich schaute beiden über die Schulter und betrachtete mir die Zeichnungen in Håvards ‚Schulheft‘.
Er überließ es Gus das Heft durchzublättern. Impressionen von Landschaften wechselten mit Details von Pflanzen und Tierportraits ab. Doch zwischendurch sahen wir immer wieder auch Portraits von verschiedenen Männern aller Altersgruppen. Mal sah man sie in Motorradkleidung, dann in Bunad, mal in Arbeitskleidung und mal fast nackt. Immer waren die Portraits eingebettet in ihre Umgebung; so wie ich gern meine Schnappschüsse machte.
Mir fiel eine Zeichnung auf, die mich mit einem Bierglas in der Hand an der Bar vom London-Pub zeigte. Er schien dieses Bild aus der Erinnerung gezeichnet zu haben, denn ich konnte mich nicht erinnern dort je so gestanden zu haben. Abgesehen davon, hatte er meinen Arsch und meine Beule so stark überbetont, dass mich das Bild an Arbeiten von Tom of Finnland erinnerte. Ähnliche Bilder gab es von Olav, bei dem er als einzigem von seinen Männerportraits einen erigierten Penis angedeutet hatte.
Ich wunderte mich, dass er von mir auch Mimik-Studien angefertigt hatte, die recht gut gelungen waren, für die ich aber nie Modell gesessen hatte. Es schien in seinem Heft mehr Portraits von mir als von Olav zu geben.
Gus fiel das auch auf und er bemerkte grinsend: „Man sollte meinen, Du hättest was mit meinem Mann… Ich hab‘ ja nichts dagegen, wüsste aber schon gerne, bei welcher Gelegenheit, Du all diese Portraits gemacht hast…“.
Håvard wurde rot und etwas verlegen: „Ehmm…ich… also, ich zeichne oft aus dem Gedächtnis Männer, die mich beeindruckt haben… also, das hat wirklich nichts zu sagen… wirklich“.
„Mein Gott, mach Dir deshalb doch keine Gedanken. Selbst wenn Du Dich mit Walter heimlich getroffen hättest, würde ich Dir das nicht vorwerfen. Ich wäre eher von Walter etwas enttäuscht, weil er mir sonst alles erzählt“.
„Ehy, jetzt ist aber gut! Ich treffe mich nicht heimlich mit anderen Männern… Betonung liegt auf heimlich“, rief ich gespielt vorwurfsvoll.
„So, so, so… Ihr habt also so etwas wie eine ‚offene Partnerschaft‘? So nennt man das doch heute, oder nicht?“, mischte sich Olav ein.
„Wenn ‚offen‘ unverbindlich bedeutet dann bestimmt nicht“, erwiderte ich. „Offen für andere Männer…ganz sicher. Aber nur wenn sie uns beiden gefallen und zu uns passen“.
„Hendrik hat mal zu mir gesagt, wir hätten ein ‚heimliches‘ Verhältnis, dafür fehle seiner Frau jede Toleranz. Ich konnte mit diesem Spruch nie was anfangen. Wieso ist man mit einem Partner zusammen, der einen allein besitzen möchte? Warum soll ich mich vor meinem Partner rechtfertigen, wenn ich auch einen anderen Menschen mag?“ Olav schüttelte verständnislos den Kopf.
„Kommt halt darauf an, wie man erzogen ist. Wenn einem von Kindesbeinen an eingetrichtert wird, dass man nur einen Menschen lieben kann und nur dem treu sein soll bis in den Tod, dann glaubt man am Ende daran“.
„Tja, das stimmt wohl. Mir hat man allerdings als Kind weniger etwas über Liebe und Treue eingetrichtert als vielmehr Gehorsam und nochmals Gehorsam“. Olav sah traurig zu Boden. „Deshalb hatte ich ganz viele Heimlichkeiten. Das war sozusagen mein Protest gegen das unbedingte Gehorchen. Deshalb käme mir auch heute nie ein Partner ins Haus, der etwas von mir verlangt“.
Håvard sah auf und blickte Olav lächelnd an: „Das ist ja mein Problem. Obwohl ich nichts von Dir verlange, lässt Du mich nicht in Dein Haus… jedenfalls nicht als Partner“.
„Ach Mann, das Thema hatten wir doch schon so oft. Du bist so herrlich stark, unsagbar lieb und selbstbewusst, dass ich einfach Angst habe, meine Freiheit zu verlieren“.
Gus und mir wurde dieser Dialog peinlich und wir wollten die beiden allein lassen, damit sie sich aussprechen konnten, aber Håvard hielt mich am Arm fest und sagte leise:
„Bleibt bitte! Ich möchte, dass Olav mal aus anderem Munde erfährt, dass Partnerschaft kein Verlust an Freiheit bedeuten muss. Wer kann das besser beurteilen als Ihr?“
„Kommt darauf an, was Du mit Partnerschaft meinst. Etwas gemeinsam aufbauen, gemeinsamen Interessen nachgehen und sich gegenseitig unterstützen, oder nur einen Sexpartner immer greifbar, und gemeinsam einfach Spaß zu haben. Oder… sich zu entschließen, sich aus Liebe an einen anderen Menschen zu binden“.
Håvard schwieg.
Olav schaute immer noch zu Boden und zog seine Knie an die Brust.
„Ich weiß nicht, was ich wirklich will. Ich bin genauso gerne auf meinem Hof allein und mache, was ich will, wie ich auf Bergstad die Gäste bekoche, mit Hendrik zusammen ein Bier trinke, mit Kjell zusammen koche oder eben hier mit Euch unterwegs bin. Ich mag Hendrik gern, Kjell ist ein funz Kerl, Du Håvard bist ein toller Kumpel, Ihr beide Gus und Walter habt mir die Augen geöffnet, damit ich endlich akzeptieren kann, dass ich Männer viel lieber mag als Frauen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, mir fehlt etwas. Vielleicht habe ich einfach auch nur Angst, dass ich mich zu etwas verpflichten muss, was ich nicht will, wenn ich zulasse, dass mich ein Mann anfasst“.
Ich staunte, wie reflektiert Olav über sich selbst nachdachte. Ich hatte Verständnis für seine innere Zerrissenheit, die mich ein bisschen an meine früheste Jugend erinnerte, als ich nicht wusste, was in mir vorging, als ich am Bahnhofskiosk in Ce… stand und mich nicht traute, mein erstes schwules Männermagazin zu kaufen, oder später Angst hatte, von Frau Schulz bevormundet zu werden.
Mir fiel in diesem Moment nichts anderes ein als zu antworten: „Du musst Dir selbst treu bleiben. Du bist Du, die anderen dürfen nur so viel über Dein Leben bestimmen, wie Du es zulässt. Sag einfach, was Du fühlst. Derjenige, der Dir dann zuhört ohne Dir einen guten Rat zu geben oder sagt, was er von Dir erwartet, der könnte zu Dir passen“.
Håvard und Olav sahen mich gleichzeitig erstaunt an. Der eine, weil er es so oder so ähnlich auch gern gesagt hätte und der andere, weil er so etwas von einem Mann wohl noch nie gehört hatte.
Draußen hatte der Regen nachgelassen und drinnen war es so warm geworden, dass wir Decken, Schlafsack und Pullover beiseitelegen konnten. Kaffee und die liebevoll von Olav belegten Brote schmeckten herrlich.
Håvard nahm sich sein Zeichenheft und einen Bleistift und begann wieder zu zeichnen. Diesmal wollte er nicht, dass man ihm zusah.
„Der Künstler will nicht gestört werden. Er ist in einer Schaffensphase“, frotzelte Gus.
„Ich zeig Dir gleich mal, was eine ‚Schaffensphase‘ ist“, konterte Håvard grinsend.
„Nur zu…Ich mag kreative Männer“.
Der Bleistift flog etwa zehn Minuten lang über das Papier. Mal schaute Håvard auf und blinzelte uns an, als ob wir ganz weit weg wären, dann lag er mit seiner Nase fast auf dem Papier, seufzte kurz und meinte dann: „So etwa… ein Abend mit Freunden auf der Hütte“.
Es war wirklich erstaunlich, wie schnell er in der Lage war eine Skizze zu erstellen, in der man abgebildete Personen und sogar Details erkennen konnte.
Diese Zeichnung war eine Karikatur. Er hatte uns vier als eher düstere Gestalten dargestellt, die in wenigen abgerissenen Klamotten dicht gedrängt um einen Tisch zusammensaßen, die Köpfe zusammensteckten und offensichtlich heftig diskutierten. Sich selbst hatte er mit zerrissenem Hemd aber ohne Hose und angedeutet erigiertem Penis dargestellt. Gus porträtierte er mit fast sarkastischem Grinsen und einer durchlöcherten Arbeitshose, in der das größte Loch am Hosenstall war. Mir hatte er einen dunklen Umhang verpasst unter dem ich mit aufgestütztem Kopf, ansonsten total nackt, grübelnd in die Runde blickte. Dazu hatte er mir einen schlappen aber langen Schwanz verpasst, der überhaupt nicht der Realität entsprach. Olav war mit einem sehr weichen Lächeln, sehr markierten Muskeln und einer dicken Beule in einem äußerst knappen Tanga dargestellt.
Jeder von uns schmunzelte auf seine Weise über das Gruppenbild.
„So viel zum Thema: vier Wanderer nach dem Regen“, lachte ich.
Olav betrachtete das Bild lange und meinte dann: „Schön… ein Moment, wie er sein könnte… aber in Wirklichkeit seid Ihr alle viel netter“.
Håvard grinste: „Und wer von Euch ist jetzt so nett und holt Feuerholz rein, damit es auch weiter so gemütlich bleibt?“
Olav sprang sofort auf und ging so halbnackt wie er war nach draußen.
„Das nenne ich Naturbursche“. Gus schaute ihm bewundernd nach.
„Na ja, der Junge wurde in seiner Jugend von seinen Eltern im Winter in die kalte Scheune gesperrt, bis er beinahe erfroren war. Er hat so viel durchgemacht… schaut Euch nur seinen Rücken an. Man mag sich gar nicht vorstellen, was er an Schlägen erlitten hat. Aus der Zeit kommt auch seine Freundschaft zu Hendrik, der damals der einzige war, der zu ihm gehalten hat“.
Als Olav mit einem Arm voll schwerer Holzscheite zurückkam, konnte man deutlich seine kräftigen Armmuskeln sehen, die schon von weitem eisenhart aussahen und von dicken, dunkelblauen Adern durchzogen waren.
Als er ein zweites Mal nach draußen ging, um noch mehr Holz zu holen, fragte ich: „Sag mal, wie alt ist Olav eigentlich?“
„Er wird morgen 35. Aber er will seinen Geburtstag nicht feiern. Er feiert schon seit er 15 ist nicht mehr“.
„Oh Mann, der Junge tut mir Leid … was für ein sch… Leben“. Gus war sichtlich betroffen.
„Ja, das kann man wohl sagen. Er braucht ganz, ganz viel Zuneigung und Zuwendung. Aber Ihr habt ja gehört, er will niemanden richtig an sich ranlassen“.
Jetzt kam Olav mit noch mehr Holz herein. Sein Körper war rot von der Kälte und seine Lippen blau, aber er lächelte. „Der Winter ist nicht mehr weit. Heute nacht wird es wohl Frost geben“.
Er stand am Ofen, schlug seine Arme ein paar Mal gegen seine Brust und sagte unvermittelt: „Gott, war das ein schöner Tag mit Euch…“.
„Finde ich auch. Darauf sollten wir eine Flasche Wein aufmachen“. Håvard ging in das kleine Hobbyzimmer und brachte zwei Flaschen ohne Etikett mit. „Das ist ‚Hausgemachter‘ aus Waldbeeren“. Er zwinkerte uns zu: „Für die Wirkung kann ich nicht garantieren, aber schmecken tut er sehr gut. Papa und Mama schlafen danach immer sehr gut und mein Bruder und ich kommen meistens nach zwei Gläsern richtig in Fahrt“.
Olav verschwand in der Küche und holte Gläser und Salzgebäck. Als er alles auf den Tisch stellte, stand er ganz dicht neben mir. Sein Körper roch gut nach frischem Holz und auf seinem beachtlich ausgebeulten Slip waren ein paar Holzspäne hängengeblieben. Er bemerkte meinen Blick und wischte mit ein paar raschen Handbewegungen über das kleine, blaue Stück Stoff. Der Slip war so knapp, dass für ein paar Sekunden ein dicker, dunkler und fleischiger Schwanz sichtbar wurde.
Håvard schenkte ein und rief: „Skål auf einen schönen Ausflug und auf Euch!“
Beim Anstoßen kam mir Håvard so nah, dass sich unsere Nasen für einen kurzen Augenblick fast berührten. Seine strahlenden Augen waren faszinierend und er roch aufregend nach Moschus. Auch Olav gab etwas von seiner körperlichen Zurückhaltung auf und schien darauf aus zu sein, jeden von uns Dreien mit seinen Fingern zu berühren.
Es lag plötzlich eine erotische Stimmung in der Luft, die ich so während unserer Wanderung noch nicht bemerkt hatte. Ich fühlte, dass wir alle das Bedürfnis hatten näher zusammen zu rücken.
Håvard stand auf, schnappte sich eine Decke, breitete sie auf dem Boden aus und setzte sich mit seinem Weinglas im Schneidersitz darauf. Ich fand die Idee gut und ließ mich neben ihm nieder. Gus holte sich zwei Kissen und legte sich auf dem Bauch dazu. Olav zögerte etwas und blieb stehen. Er schaute unschlüssig von einem zum anderen, so als ob er fragen wollte, wo er sich hinsetzen dürfe.
Gus und Håvard machten fast gleichzeitig eine einladende Handbewegung. Er entschied sich für Gus.
„So ist es doch viel gemütlicher. Erzählt mal ein bisschen von Euch. Wir wissen ja eigentlich noch viel zu wenig voneinander“. Håvard prostete uns noch einmal zu.
„Wo sollen wir denn anfangen?“, fragte ich. „Am Anfang des Mannseins halt“, grinste Håvard.
Ich begann mit ein paar Episoden aus der Zeit als ich das erste Mal merkte, dass Männer mich mehr reizen als Frauen. Gus berichtete von den Tagen, als wir uns kennengelernt hatten. Ich beschrieb meine wirren Gefühle, die ich viele Jahre lang glaubte, nicht in den Griff kriegen zu können, und Gus erzählte von dem großen Glück, das wir bisher hatten. „Dazu gehört übrigens auch, dass wir jetzt hier mit Euch sitzen können… gemütlich, warm und fröhlich“.
Håvard setzte an von sich zu erzählen, unterbrach sich dann aber, seufzte und sagte: „Meine Geschichte wird Euch gar nicht interessieren. Sie ist so langweilig. Ich bin jetzt 38 Jahre alt und habe eigentlich noch gar nicht richtig gelebt. Jedenfalls nicht was Freunde und Partner angeht. Seit ich 15 bin, suche ich nach jemandem, der meine Interessen teilt und dem ich nichts vorspielen muss. In der Schule war ich immer der Starke, hinter dem sich die Schwachen versteckten. Ich hatte niemanden, hinter dem ich mich verstecken konnte. Meine Motorradkumpel fanden meine Maschinen und manchmal meinen Arsch toll, aber meine anderen Hobbys teilte keiner. Naturbeobachtung und Zeichnen passte für sie einfach nicht zu dem Bild, was sie von mir hatten. Na ja… und Sex… ein Typ wie ich musste hart und rau sein… nur Tunten waren zärtlich und gefühlvoll. Richtig verstanden hat mich keiner“.
Olav hatte wieder seine Knie angezogen und sie mit beiden Armen umklammert. Er folgte unseren Erzählungen aufmerksam wurde aber – vor allem bei Håvards Worten – scheinbar immer trauriger. Manchmal legte er seinen Kopf auf die Knie und wirkte, als ober er in sich hinein schaute. Gus beobachtete ihn mehrfach mit einem verstohlenen Seitenblick und rückte noch etwas näher an ihn heran.
Ich sah, wie auch Olav hin und wieder einen Seitenblick riskierte aber sich keinen Zentimeter bewegte. Mir war auch aufgefallen, dass er sich besonders bei Gus‘ Erzählung mehrfach wie zufällig in den Schritt griff, so als ob er seinen knappen Slip zurecht rücken müsse.
„Ich weiß nicht… also, ich kann eigentlich gar nichts erzählen… irgendwie… habe ich das meiste vergessen oder verdrängt… ist ja auch nicht mehr wichtig“.
„Du musst ja auch nichts erzählen. Wir nehmen Dich, wie Du jetzt bist und damit gut“. Gus lächelte ihn an und berührte freundschaftlich für ein paar Sekunden seine Schulter. Dabei zuckte Olav vor Schreck so zusammen, dass ich dachte, er würde aufspringen und rauslaufen. Aber er fing sich sofort wieder und tastete stattdessen nach der Hand, die eben noch auf seiner Schulter lag.
„Ich sag ja, ich bin ein Einzelgänger… meine Kühe und mein Wald sind mir wichtig. Hin und wieder mit Håvard oder Hendrik ein Bier trinken macht mir Spaß… Sie sind beide so lieb und schön anzuschauen, wenn sie besoffen sind…“.
„Ach, danke… so ein Kompliment habe ich ja noch nie gehört“, frotzelte Håvard und grinste.
„Das stimmt aber“, verteidigte sich Olav.
„Ihr habt noch nicht gesehen, wenn Håvard besoffen und nackt bei mir durch die Scheune tobt… Er ist dann so frei. Mit Hendrik geht das nicht. Er hat immer Angst, dass uns jemand sieht. Er möchte mich immer anfassen, wenn es ganz dunkel ist… aber das möchte ich nicht“.
„Ich darf Dich ja auch nicht anfassen. Wir kennen uns jetzt ziemlich genau 15 Jahre und ich habe Dich noch nicht einmal richtig angefasst, findest Du das nicht merkwürdig?“
Olav schaute seinem bärtigen Freund jetzt direkt in die Augen: „Ich habe immer Angst gehabt, dass ich Dich dann verliere… Ich bin einer von denen, die sich gern hinter Dir verstecken…“.
„Dann hättest Du das doch auch mal sagen können… zum Leben gehören doch mehr als Kühe, Wald und Motorräder“. Håvard wurde richtig ein bisschen ärgerlich, aber lächelte gleich wieder, als er merkte, dass Olav sich die Worte zu Herzen nahm. „Komm, lass uns auf unsere Freundschaft anstoßen. Wenn Du willst, bleibt alles beim Alten“.
„Nun gebt Euch doch wenigstens mal einen Kuss!“. Gus stieß Olav kräftig in die Seite, was der im Gegensatz zu der vorherigen Berührung völlig gelassen hinnahm. „Sie mal! So macht man das“, dabei beugte er sich zu mir rüber und küsste mich auf den Mund.
Olav kniff die Augen zu, als ob jeden Moment der Zahnarzt mit dem Bohrer in seinen Mund wollte. Håvard nahm das als Zustimmung, wippte seinen massigen Körper elegant nach vorn und erzwang seiner Zunge einen Zugang durch die fest verschlossenen Lippen seines langjährigen Freundes. Der löste die Arme von seinen Knien, fuchtelte etwas in der Luft herum und versuchte dann vergeblich Halt bei Gus zu finden. Håvard nahm jetzt seine Hände zur Hilfe und drückte Olav ganz fest an sich. Der prustete und wollte protestieren, aber sein bärenstarker, rothaariger Freund ließ das nicht zu.
Håvard legte beschützend seine Hand auf Olavs Hinterkopf und legte ihn flach auf den Boden und sich selbst darüber.
Ich fragte mich, wie es sein konnte, dass Håvard es 15 Jahre lang nicht geschafft hatte, diese Blockade zu brechen. Es war ganz offensichtlich, dass Olav entspannte und aus seinem wohligen Grunzen und Stöhnen entnahm ich, dass der auf ihm liegende Freund ihm ausgesprochen angenehm war. Ein letztes untrügliches Zeichen dafür war, dass sich der dunkle, fleischige Schwanz sich von dem engen, blauen Slip befreit hatte und sich heftig an der alten Filzhose rieb. Aus einem der unzähligen Löcher in dieser Hose bahnte sich ebenfalls ein prachtvoll durchblutetes, von kräftigen Adern durchzogenes Geschlechtsteil seinen Weg an die Luft. Als die beiden Schwänze sich trafen, hörte man ein leises Quieken von dem schmalen Mann, der unter dem breiten, rothaarigen Wikinger mehr oder weniger begraben lag.
„Geht doch“, flüsterte Gus, lachte und kam mit seiner kerzengerade ausgefahrenen Latte rüber zu mir. „Ich weiß noch, als ich Dich das erste Mal in Italien so richtig durchgenommen habe, war es für mich wie ein Traum. Ich hatte bis dahin nie richtig mit einem Mann geschlafen und Du warst so herrlich jung, warm, weich und willig. Wie viele Male haben wir damals abgespritzt? Ach, waren das schöne Zeiten“. Er nahm mich in den Arm, riss die alte Arbeitshose runter und beschäftigte sich mit meinem mal wieder zum Platzen gespannten Kolben.
Bei dem Paar neben uns änderte sich etwas. Olav hatte seine Arme um Håvard geschlungen und ihn jetzt auf den Rücken gelegt und unter sich begraben. Er hatte sich gleichsam festgesaugt an den Lippen seines Freundes und schien vor lauter Seligkeit und Hingabe gar nicht mehr aufhören zu können mit Håvards Zunge zu spielen. Er schien wie entfesselt. Immer wieder versuchte er den sich unter ihm zuckend aufbäumenden, harten Kolben in seinen Po zu schieben. Was erst gelang, als Håvard ein paar Mal kräftig in die Hände gespuckt hatte und Olavs Rosette intensiv befeuchtet hatte.
Der schrie Gotts erbärmlich vor Schmerzen, ertrug es aber trotzdem und hatte bereits nach wenigen Minuten wieder seinen glücklichen Gesichtsausdruck. Vielleicht auch deshalb, weil Håvard mit einer unbeschreiblichen Zärtlichkeit die Narben auf seinem Rücken streichelte.
Der Platz auf dem Fußboden war begrenzt. Wir mussten aufpassen, uns nicht an den Möbeln zu stoßen oder gar am Ofen zu verbrennen. Daher zog Gus mich hoch, schob mich vor sich her ins Schlafzimmer und schmiss mich aufs Bett, sodass es bedrohlich krachte.
Nebenan wechselte wohliges Stöhnen mit kurzatmigem Keuchen. Håvards schwerer Körper schien mit großer Wucht immer wieder auf den Boden zu fallen. Jedenfalls vibrierten Wände und Boden der kleinen Hütte unter seinen Bewegungen. Dann wieder hörte es sich an als ob er mit den Händen auf den Boden schlug, so wie wir es von Karl kannten, wenn er sich beim Catchen ergab. Das erste Mal seit wir vier unterwegs waren, hörten wir Olav laut und befreit lachen. Dann war es wieder ein kindliches Kichern, das überging in ein unterdrücktes Glucksen.
Håvards tiefe Stimme rief plötzlich: „Oooh, was haben wir alles verpasst… Jaaa, los beiß mich, zerreiße mich, schlag mich, gib’s mir… mehr, mehr, mehr!“. Und immer wieder dieses dumpfe Schlagen auf den Fußboden.
Ich hörte das alles wie durch eine Nebelwand, denn Gus‘ schöner gerader Kolben stieß in mich hinein wie ein Dampfhammer. Ich kannte jeden Quadratzentimeter meines geliebten Mannes, jede Regung und jede Berührung war vertraut. Den Geruch seiner Haut und seines Spermas würde ich aus tausenden wiedererkennen und doch geriet ich bei jedem seiner Stöße gegen meine Prostata mehr in eine Trance, die jedes Mal wie ein wunderschöner Traum war. Der Drogentrip eines Süchtigen konnte nicht intensiver sein. Er hatte sich längst in mich entleert und ich mein Sperma auf ihm, vom Hals bis zum Schwanz verrieben, als von nebenan immer noch heftiges Stöhnen, Keuchen und eben diese dumpfen Schläge zu hören waren.
Wir kuschelten uns zusammen in einen unserer Schlafsäcke und nickten ein. Wir wachten beide nach etwa einer Stunde von einem tiefen, lauten Brummen auf. Es hörte sich an, als ob ein Bär unsere Hütte geentert hätte. Als ich etwas schlaftrunken um die Ecke ins Wohnzimmer schaute, bot sich mir ein seltsames Bild. Olav stand kerzengerade, mit halb steifem, tropfendem Schwanz, hochrotem Kopf und von Schweiß, Sperma und Urin glänzender Haut über dem auf dem Fußboden liegenden massigen, kräftigen Körper von Håvard, der völlig erschöpft aber strahlend seinen vermeintlichen Peiniger anlächelte. In seinen roten Schamhaaren klebten dicke, weiße Klumpen Sperma und auf seinem Bauch hatte sich eine kleine Pfütze aus Schweiß und Urin gebildet.
Olav schien zu träumen. Er warf mal seinen Kopf in den Nacken und mal starrte er wie gebannt auf Håvard. Er schüttelte die Tropfen von seinem Schwanz, schob die Vorhaut ein paar Mal rauf und runter und wichste dann wieder wie wild. Es dauerte nur Sekunden bis sein Kolben wieder hart und malerisch von seinem durchtrainierten Körper abstand.
„Süßer, hab Erbarmen mit einem angeschossenen Bär. Ich glaube, ich kann nicht mehr…“. Håvard lachte dabei.
„Du hast fünfzehn Jahre Zeit gehabt, Kraft zu schöpfen. Jetzt darfst Du nicht schlapp machen… Ich war mein ganzes Leben lang noch nie so stark und glücklich wie heute…“. Olav schien tatsächlich der Stärkere zu sein. Er schmiss sich wieder auf sein flehend lachendes Opfer.
Der Geruch im Wohnzimmer war jetzt recht beißend. Daher zog ich mich wieder in unseren Schlafsack zurück, hörte noch eine Weile das Stöhnen, Keuchen und Kichern von nebenan und schlief dann wieder ein.
Als wir am nächsten Morgen erwachten, schien draußen die Sonne, in der ganzen Hütte roch es nach einer Mischung von scharfen Putzmitteln und Kaffee. Im Wohnzimmer standen die Fenster offen und eine Brise frischer, frostiger Herbstluft zog durch den Raum. Alles war penibel aufgeräumt. Aus dem Bad hörte ich Wasser rauschen. Die Tür war aber nur angelehnt.
Unsere beiden Wanderkameraden standen unter der Dusche und seiften sich gegenseitig ein. Der Schaum rann bei beiden über die strammen Pobacken und sammelte sich in den Schamhaaren über den harten, dicken und klassisch schön geformten Schwänzen. Der eine stark geädert, etwa 15 cm lang, mit einer hellen, breiten Eichel mit pflaumengroßen Eiern von leuchtend roten Schamhaaren umkränzt. Der andere durchgehend dunkel, sehr glatt und steil aufgerichtet in einem dichten Büschel schwarzer, weicher Haare.
Håvard sah mich und rief fröhlich: „Guten Morgen mein Lieber! Ich hoffe Ihr habt gut geschlafen und wir waren nicht zu laut. Komm doch rein“.
„Guten Morgen! Danke, wir haben bestens geschlafen. Ich trinke erstmal einen Kaffee. Zu dritt ist es da drinnen ein bisschen eng, und ich will auch nicht stören“, grinste ich.
„Ehy, hier ist Platz für noch mehr Leute und stören tust Du bestimmt nicht… nun komm schon!“
Die feuchten, schönen Körper und die herrlich geformten Schwänze verfehlten ihre Wirkung auf mich nicht, also gab ich nach. „Na, dann schmeißt mal das Shampoo rüber!“
Inzwischen war auch Gus aufgestanden und steckte seinen Kopf zur Badezimmertür rein: „Hei Jungs! Ihr seid ja schon früh aktiv, habt Ihr überhaupt geschlafen?“.
Olav gab Håvard einen Kuss und meinte lachend: „Nach dem Chaos, was wir gestern hinterlassen haben, mussten wir quasi die Schäden beseitigen, bevor Ihr wach werdet“.
„Es riecht alles so sauber. Nur ich muffele noch wie ein Iltis. Ich hoffe, es ist noch genug Wasser da, wenn ich dran bin“, frotzelte Gus.
„Kein Problem, der Tank ist voll. Für Dich ist auch noch Platz und Seife da“.
Das Bad war etwa 8 Quadratmeter groß. Es wurde daher jetzt eng. Ich genoss die Nähe meines Mannes genauso wie die unserer beiden Freunde.
Olav war deutlich verwandelt. Er strahlte gelöst, zwinkerte uns immer wieder zu und wollte reden.
„Ihr beide seht verdammt gut aus“.
„Das hat er von mir noch nie gesagt“, feixte Håvard gespielt entrüstet.
„Na, na…so eitel sind wir doch alle nicht, dass wir solche Komplimente nötig hätten“.
„Ich schon“, lachte Håvard. „Ich habe so lange keinen Mann mehr im Arm gehabt, der mir Komplimente gemacht hätte“.
„Und ich war noch nie mit drei nackten, schönen Männern zusammen unter einer Dusche, denen ich überhaupt ein Kompliment hätte machen können“.
Gus und ich mussten laut lachen. „Lacht nicht! Das stimmt“, beschwerte sich Olav.
„Wenn ich das richtig verstanden habe, wolltest Du das bis gestern auch gar nicht, oder?“, entgegnete Gus.
„Dafür will ich jetzt alles… und kann gar nicht genug davon bekommen. Für mich ist das alles hier ein Traum, aus dem ich noch nicht so schnell erwachen möchte. Ich bin morgen noch früh genug wieder in meinem Kuhstall“. Olav blickte etwas trauriger in die Runde.
Håvard drückte mir die Brause in die Hand und schob sich notgedrungen so dicht an mir vorbei, dass unsere harten Schwänze sich berührten. Dabei schaute er mir sekundenlang tief in die Augen und flüsterte: „Wäre Dein Mann nicht hier, könnte ich mich jetzt nicht zurückhalten…“.
„Na, da bin ich jetzt aber gespannt. Schließlich hast Du ja seit heute nacht auch jemanden, dem viel an Dir liegt“.
„Stimmt, Olav und ich haben uns heute nacht von einem Wahnsinnsdruck befreit. Wir hatten beide unterschiedliche Blockaden im Kopf. Wir wissen jetzt, was wir aneinander haben…und… werden in Zukunft alles nachholen, was wir 15 Jahre lang versäumt haben. Mit anderen Worten: seit gestern trauen wir uns beide zu sagen, was wir wollen… nicht wahr Schatz?“. Dabei schauten die beiden sich über meine Schulter hinweg zärtlich an und Gus stand an der Tür und amüsierte sich.
„Das erinnert mich an das, was Du mir aus Deiner Jugend erzählt hast, Walter“, rief er mir schmunzelnd zu. „Und an die Tage… als wir die ersten ‚Gehversuche‘ mit unserem lieben Bjørn gemacht haben…“. Er lachte sein unwiderstehliches Lachen und legte seinen Arm um Olav: „Das Leben kann so toll und aufregend sein, wenn man sich nicht Dinge einredet, die nicht existieren. Unsere Sorgen und Ängste sind Gedanken, die nur in unserem Kopf entstehen. Ein ‚Was-Wäre-Wenn-Denken‘ raubt uns oft unseren Spaß am Leben und blockiert unsere Fähigkeiten“.
„Hört, hört… das sagt jemand, der den ganzen Tag nichts anderes im Kopf hat, als die Konsequenzen seines Handelns einzuschätzen…“, grinste ich und fügte mit einem angedeuteten Kuss hinzu: „Aber deshalb liebe ich Dich!“
„Und ich liebe Dich, weil Du immer so herrlich unlogisch und spontan bist…“
Håvard schmunzelte: „Ihr seid mir schon so zwei… Ich möchte noch ganz viel von Euch lernen… wenn ich darf“.
„Und ich auch…“, fügte Olav strahlend hinzu.
„Was wollt Ihr denn von uns lernen? Ganz normal anders zu sein?“ Ich zwinkerte beiden zu. „Da lernen wir besser noch von Euch“.
Håvard stand mit seinem mächtigen, muskulösen Körper vor mir und ließ mir weder Platz zum Duschen, noch konnte ich an ihm vorbei.
„Oh Mann, Du schaffst mich… Du stehst hier mit einer eisenharten Latte vor mir und hältst psychologische Vorträge. Olav und ich sind so aufgedreht nach der heftigen Nacht, dass wir beide nicht wissen, wie wir unsere Schwänze zur Ruhe kriegen können… und Ihr beide tut so, als sei das die normalste Sache von der Welt. Mann, wir haben beide jahrelang nur hin und wieder mal auf Abstand gewichst und wussten schon gar nicht mehr, wie sich ein Mann anfühlt, geschweige denn was man mit ihm für einen Spaß haben kann…“.
„Prima… dann wisst Ihr doch jetzt was normal ist“, lachte ich und versuchte mich endlich einzuseifen.
„Lass mich das machen…bitte! Wenn Dein Mann nichts dagegen hat“.
„Was sollte ich dagegen haben, wenn Du mich anschließend auch einseifst“, rief Gus.
„Das möchte ich machen“, meldete sich Olav.
„Nichts lieber als das“.
Håvards Hände waren fast doppelt so groß wie meine, hell, glatt, ungewöhnlich gut gepflegt und die dichten, weichen, roten Härchen auf den Fingern wirkten wie kleine Inseln.
Ich konnte immer noch nicht glauben, dass dieser kräftige, fast bullige Mann so zärtliche und gefühlvolle Finger besaß. Wie mit kleinen, zarten Kinderhänden strich er erst über meinen Nacken, verteilte die Seife dann unter meinen Achseln, über das Rückgrat bis hin zum Po. Dort ruhten beide Hände kurz auf der Wölbung, dann glitt erst die eine Handkante und dann die andere durch die Ritze. Schließlich suchten beide Daumen gleichzeitig den Weg zu meinem Loch. Mal umkreiste der eine Daumen die Rosette und mal der andere.
Ich wollte nach seinem prallen Schwanz greifen, doch überließ mich statt selbst aktiv zu werden vollkommen diesen magischen Händen.
Gus hatte sich inzwischen an der Wand entlang gedrückt und stand jetzt neben mir. Olav saß auf dem nassen Badezimmerboden und seifte mit geschlossenen Augen und gestreckten Armen Gus‘ Bauch, seinen harten Kolben und seine Eier ein. Ich hörte neben mir das tiefe Durchatmen und leichte Stöhnen meines Liebsten und massierte mit einer Hand seinen Nacken.
Håvards gewaltiger Daumen seiner linken Hand bewegte sich mittlerweile rhythmisch auf und ab in meinem Darm. Manchmal nahm er den Duschkopf und spülte bei Gus und mir die Seife fort, nur um anschließend wieder aufs Neue zu beginnen. Ich drehte ihm immer noch den Rücken zu und spürte jetzt seinen Bart an meinem Hals und seine Zunge an meinem Ohren. Es war als ob mich immer wieder kleine Stromstöße durchzuckten und ich begann lauter zu stöhnen. Auch Gus genoss Olavs Behandlung hörbar. Håvards rechte Pranke zog jetzt Gus‘ Kopf zu meinem, strich ihm über die Haare und wechselte mit seiner Zunge von meinem zu seinem Ohr.
Gus‘ Mund suchte meinen und saugte sich an meinen Lippen fest. Håvard legte seine gewaltigen Arme um uns beide und schob uns noch weiter zusammen und dirigierte Gus‘ geraden, harten Kolben direkt zu meinem Loch, streichelte noch einmal mit seinem dicken Daumen darüber und schob ihn dann direkt rein. Dieser vertraute Schwanz war immer wieder ein so herrliches Gefühl in meinem Arsch, dass ich die Augen schloss und alles über mich ergehen ließ.
Olav beschäftigte sich jetzt mit Gus‘ Arsch und leckte ihn hingebungsvoll aus. Vor mir hatte Håvard sich hingekniet und machte dasselbe mit meinem zum Platzen gespannten Schwanz. Meine eher unbedeutenden 17cm verschwanden vollständig in seinem großen Schlund.
Dicht an meinem Ohr keuchte und stöhnte mein Liebster, ohne dass ich wusste, ob es das gute Gefühl war mich zu ficken oder von Olav gefickt zu werden. Der hatte nämlich seine wesentlich beachtlicheren 20cm jetzt in Gus‘ Anus gebohrt und stieß heftig zu.
Kurz bevor ich warnen konnte, meine Sahne nicht mehr zurückhalten zu können, drehte Håvard sich um, spreizte mit beiden Händen seine Pobacken auseinander und drückte seine Rosette auf meine stramme Eichel. Ich mochte es, mich an dem muskulösen Körper festzuhalten und den Stoßrhythmus quasi von Gus bestimmen zu lassen, der seinerseits von Olav zu einer rhythmischen Ekstase gebracht wurde. Håvard stöhnte am lautesten und rief schließlich: „Ihr geilen Säue, gebt’s mir bis ich nicht mehr kann!“.
Ich konnte meinen Orgasmus mal wieder nicht zurückhalten und schoss meine Ladung in mehreren Schüben in Håvards Darm. „Ja, ja, ja… Du bist genial…“.
Leider musste ich mir eingestehen, dass meine Geilheit über meinen Verstand gesiegt hatte. Entschuldigte mich dann vor mir selbst damit, dass Håvard ja ein Gummi hätte verlangen können.
Ich drückte Gus‘ Kolben raus und wechselte mit ihm den Platz. Håvard grinste ihn an und keuchte leise: „Los, stoß zu! Von Euch beiden besamt zu sein, muss der Himmel sein“. Gus ließ sich nicht zweimal bitten, obwohl ihn Olav noch immer tüchtig in Anspruch nahm, rot angelaufen war und sehr angestrengt aussah.
„Jungs, ich muss mal Pippi… komme gleich wieder“, sagte ich leise und wandte mich zur Tür. „Bleib hier!“, rief Håvard: „Piss mich an! Dein Nektar muss göttlich sein“.
Ich zögerte einen Augenblick, den so etwas hatte ich bisher noch nie gemacht. Nicht weil ich es unangenehm oder ekelig empfunden hätte, sondern weil ich es bisher als herablassend und verachtend angesehen hatte, einen anderen Menschen anzupinkeln.
Aber wie hatte Håvard gesagt? Es galt eine Blockade zu überwinden. Er packte meinen fast schon wieder halb steifen Schwanz und flüsterte: „Los, lass es raus! Ich mag das wirklich“. Sein dicker, kräftiger Kolben war dabei knallrot und zum Bersten stramm. Er hatte Gus sanft herausgedrückt und legte sich zurück. Dabei wichste er wie irrsinnig und schaute mich dabei flehentlich an.
Der Druck auf meiner Blase war so stark, dass ich ohnehin nicht mehr viel länger hätte warten können. Also ergoss sich mein honiggelber, kräftiger Strahl auf seinem Bauch, seinem Schwanz und schließlich auch in seinen Mund. Und da war es wieder dieses tiefe zufriedene Brummen eines Bärs, von dem ich in der Nacht einmal wach geworden war.
Mein Urin vermischte sich mit Håvards Sperma, das in kurzen Schüben aus seiner, durch den starken Druck, fast lila angelaufenen Eichel spritzte.
„Danke! Du bist ein Schatz“. Er strahlte mich glücklich an. „So, und jetzt noch Deine Sahne und Deinen Nektar…“, forderte er Gus auf. Der spritze beinahe noch bevor Håvard seine Bitte ausgesprochen hatte und hatte ein paar Sekunden später überhaupt kein Problem, seinen scharfen Urinstrahl au unseren am Boden liegenden Bären zu richten. Olav hatte das Geschehen mit weit aufgerissenen Augen verfolgt und entleerte seine Blase nun auch noch mit leichtem Stöhnen über seinem langjährigen Freund, ließ sich dann an der nassen Wand hinabgleiten und küsste Håvard so innig, dass ich annahm, er wolle ihn gar nicht wieder loslassen.
Ich stellte das warme Wasser der Dusche wieder an und brauste uns alle ab. Die beiden Küssenden am Boden ließen sich dadurch nur wenig beeindrucken. Erst als ich das kalte Wasser anstellte, rappelten sich beide auf, lachten und meinten wie aus einem Munde: „Du bist gemein“.
„Ich wollte nur verhindern, dass Ihr beide Euch langsam aber sicher im warmen Wasser auflöst“, frotzelte ich.
„Ja, ja… gut, dass Du auf uns aufpasst“, grinste Håvard. „Ich bin so kaputt, dass ich mich gern noch ein paar Minuten aufs Ohr legen würde. Wie ist das mit Euch?“.
„Gute Idee! Geht mir genauso“.
„Mir auch“ – „Mir auch“.
„Na, dann kommt, bei uns im Bett ist Platz für uns alle vier“.
Das Doppelbett knarrte wieder bedrohlich. Besonders als Håvard seinen schweren Körper recht unsanft darauf fallen ließ. Er drückte seinen Olav ganz fest an sich, der quittierte das mit einem genüsslichen Grunzen. Mich zog er so an sich heran, dass er meinen Schwanz an seinem schönen, runden Po spüren konnte und Gus presste sich seinerseits dicht an mich. Wobei ich bemerkte, dass sich sein Schwanz bereits wieder mit Blut füllte.
So schliefen wir ein und wachten erst eine gute Stunde später wieder auf. Draußen schien die Sonne von einem fast wolkenlosen Himmel und nur noch im Schatten waren einige weiße Raureifflecken der Nacht zu sehen.
Als ich vor die Tür trat faszinierte mich wieder die herbstliche Stille. Leise hörte man hinter der Hütte das Plätschern des Sees, das goldgelbe Laub raschelte etwas, ansonsten umgab uns eine absolute Stille. Deshalb erschrak ich, als Olav mir von hinten zärtlich auf die Schulter klopfte.
„Weißt Du, dass ich diese zwei Tage niemals vergessen werde? Sie waren die bisher schönsten in meinem ganzen Leben“.
Ich hatte ihn wohl etwas verständnislos angeschaut. Er schlang seine Arme um meinen Hals und schaute mich lange an.
„Ach weißt Du, ich kannte dieses Gefühl überhaupt nicht. Also ich meine, angefasst zu werden, weil man mich mag…, und ich habe auch noch nie jemanden angefasst, weil ich ihn nett fand. Du glaubst gar nicht, was sich bei mir da alles aufgestaut hat. Bis gestern habe ich mir abends bloß immer vorgestellt, wie das wohl wäre, wenn ich mal mit Håvard oder Hendrik kuscheln könnte. Als ich Euch das erste Mal auf Bjørnstangen sah, habe ich mir in meiner Phantasie ausgedacht, wie Ihr wohl nackt ausseht, wie es wohl wäre, wenn einer von Euch mal meinen Schwanz anfassen würde, oder wie Ihr beide es wohl im Bett mit einander treibt. Tja,… und jetzt ist plötzlich alles auf einmal innerhalb von wenigen Stunden wahr geworden.
Eben, als wir alle vier zusammen geschlafen haben, habe ich daran gedacht, wie sehr ich mir als Kind gewünscht hatte, im Arm meines Vaters, meiner Mutter oder meines Bruders einmal einschlafen zu dürfen. Ich habe gebetet, dass mich Gott doch bitte so brav machen möge, dass sie lieb zu mir wären. Es hat nichts geholfen. Meine Eltern haben mich immer wieder geschlagen, stundenlang eingesperrt und mir manchmal tagelang kaum etwas zu essen gegeben. Ich habe immer gedacht, dass ich mit Recht bestraft würde, weil ich etwas falsch gemacht hätte und sie mich deshalb nicht lieb hätten.
Hendrik war der einzige, der gesagt hat, dass er mich mochte und, wenn er groß wäre, würde er mich heiraten. Na ja, ich wusste, dass das nicht geht, aber ich habe ihm trotzdem übel genommen, dass er dann ein paar Jahre später seine Freundin geheiratet hat, ohne mir vorher etwas zu sagen.
Håvard war der Erste, der meine Geschichte nicht kannte und trotzdem immer wieder gekommen ist und mir gesagt hat, dass er mich mag. Es war immer so schön in seiner Nähe. Ich glaube, ich bin stärker als er, aber er gab mir das tolle Gefühl, mich trotzdem jederzeit beschützen zu können. Ich kann ihn Tag und Nacht anrufen und er hört zu. Aber seinen Körper zu berühren habe ich mich bis gestern abend einfach nicht getraut.
Soll ich Dir was sagen… ich habe mir als 12jähriger noch eingebildet, Männer könnten Kinder bekommen. Ich wollte ein Kind von Hendrik. Er hat mich ziemlich drastisch aufgeklärt und ich vergaß das Thema, bis ich Håvard kennenlernte. Da war ich zwanzig und hatte noch nie den steifen Schwanz eines anderen Mannes außer auf Bildern gesehen. Ich beobachtete ihn damals heimlich, als er im Wald mit einem seiner Motorradkumpel wichste. Da kam plötzlich wieder dieser blödsinnige Gedanke, wie es wohl wäre, wenn Männer Kinder kriegen könnten… Ich hielt mich selbst für verrückt. Tja, und dann entwickelte sich unsere Freundschaft halt wie jede andere Freundschaft auch. Bloß, dass ich jedes Mal, nachdem ich mit Håvard zusammen war, die verrücktesten Phantasien hatte und dabei mehrmals in der Nacht abgespritzt habe. Ich habe es ihm nie gesagt… bis gestern“.
Ich lächelte ihn an und hielt jede Erwiderung auf diese Geständnisse in diesem Moment für überheblich. Deshalb nahm ich ihn nur fest in den Arm und küsste ihn.
„Du bist ein ganz toller Mann und imponierst mir sehr“, sagte ich nur.
„Na, Ihr beiden? Geheimnisse?“. Håvard stand hinter uns lachte und atmete die frische Luft tief ein.
„Männergespräche“, grinste ich.
„Ich befürchte Jungs, wir müssen langsam aufbrechen. Sonst kommen wir nicht mehr im Hellen nach Hause“.
Gus war schon angezogen und hatte seinen Rucksack gepackt. Olav und ich schafften es unsere sieben Sachen auch schnell zusammen zu suchen. Wir räumten noch die Küche auf, machten die Dusche sauber und legten die dreckige Wäsche in den Arbeitsraum.
Den Rückweg wählten wir so, dass wir häufiger über Wirtschaftswege und befestigte Waldwege wandern konnten. Das waren zwar ein paar Kilometer mehr, aber ging trotzdem schneller.
Am Kors-See machten wir Rast und genossen den herrlichen Blick über den idyllischen See von Norden nach Süden. Wir saßen alle Vier ganz dicht bei einander auf einer Bank, teilten unsere letzten Brote, Kekse und den Kaffee.
Håvard saß ganz außen und kraulte uns anderen abwechselnd den Nacken, während wir unsere Gesichter der Herbstsonne entgegenhielten. Plötzlich hörten wir Stimmen, die sich auf dem Weg auf uns zu bewegten. Zwei hübsche junge Kerle, vielleicht 18/20 Jahre alt mit Rucksack und Angelzeug blieben kurz stehen, blickten zu uns rüber und riefen „Hei“. Wir grüßten zurück und hörten, als sie schon ein paar Meter weiter waren, den einen sagen: „Homser“ (Schwule) und der andere antwortete: „Og hva så?“ (Na und?). Die beiden kicherten und verschwanden.
Håvard scherzte: „Den beiden hätte ich gern bewiesen, dass sie recht haben“.
„Wie denn?“, fragte ich grinsend und schob mir den letzten Keks rein.
„Na, zum Beispiel hätte ich Dich hier auf dem Tisch vernaschen können. Dann hätten wir alle ihre Vorurteile bestätigt. Wäre doch lustig gewesen“, grinste er.
„Wäre da nicht unsere letzte Nacht und unser gemeinsames Duschen heute morgen gewesen. Besonders eindrucksvoll dürfte die Vorstellung für die Jungs da wohl nicht geworden sein. Wir sind doch vollkommen ausgepumpt“, frotzelte ich.
„Mann, sag bloß Du kannst nicht mehr“.
„Pah, ich kann immer. Ich hatte mehr an Dich gedacht“, alberte ich.
„Im Notfall hätten Olav und ich die Vorstellung retten können. Ich könnte schon wieder…“, kicherte Gus und schlug sich auf die Schenkel.
Olav lachte laut, griff sich in den Schritt und rief: „Hart wie Stahl… an mir soll’s nicht liegen“. Er sprang auf den stabilen Holztisch, öffnete seinen Hosenstall und zog seine beachtliche Latte heraus.
„Ja, ja alle können es wissen; Ich bin der glücklichste Schwule zwischen Oslo und Tønsberg…“. Wir drei anderen schauten verblüfft auf unseren noch vor 24 Stunden sehr zurückhaltenden Mitwanderer. „Was für eine Wandlung“, dachte ich und freute mich gleichzeitig riesig für unseren sympathischen, neuen Freund.
In diesem Moment hörte ich ein Knacken zwischen den Bäumen hinter uns und hatte für ein paar Sekunden das Gefühl, dass wir beobachtet worden waren. Ich erinnerte mich plötzlich ganz deutlich an die Episode, als mein Klassenkamerad Dieter vor fast dreißig Jahren mich und Andrea heimlich durchs Küchenfenster beobachtet hatte und mit dem Tisch, auf dem er stand zusammengebrochen war. Ich musste innerlich schmunzeln. Was einem doch so alles in Erinnerung blieb.
„Habt Ihr das auch gehört? Dort hinten war doch jemand, oder?“
„Wenn schon… dann haben die Jungs endlich mal einen wirklich hübschen Kerl gesehen“, dabei packte er Olav, zog ihn zu sich, nahm ohne Umschweife seinen Kolben in den Mund und blies ihn wie besessen. Olav bewegte sich rhythmisch dazu und lachte: „Du bist verrückt… aber ich liebe Dich!“
Håvard prustete, keuchte leicht und röchelte: „Na endlich… Ich liebe Dich noch tausendmal mehr“.
„Hör auf! Ich komme!“
Håvard brummte nur und schluckte.
Wieder bildete ich mir ein, ein Knacken und jetzt auch ein Flüstern zu hören. Gus war schon aufgestanden und schaute hinüber zum dichten Wald hinter uns. Und plötzlich sahen wir sie. Die beiden Angler-Jungs liefen, stolpernd, wie Gejagte durch das Dickicht davon.
Olav hatte seinen Schwanz bereits wieder eingepackt und war vom Tisch gesprungen. Als Håvard sich erhob, sah man einen dunklen, feuchten Fleck gleich unterhalb seiner Beule in der engen Uniformhose.
Fast den ganzen Rest der Strecke wanderten die beiden jetzt Hand in Hand oder Arm in Arm.
Als wir nach Bergstad kamen war es schon dämmrig. Im Clubhaus war eine Versammlung des Golfclubs und einige Golfer standen rauchend vorm Haus. Weder Sverre noch Andreas waren zu sehen. Am Haupthaus brannten nur wenige Lichter und die Haustür war abgeschlossen.
Wir umarmten uns noch einmal und verabschiedeten uns dann. Nicht ohne uns bereits fürs nächste Wochenende bei Olav zu verabreden.
Die beiden bestiegen die rote Harley. Håvard startete die Maschine und sie verließen den Hof mit dem unverwechselbaren dumpfen Harley-Davidson-Sound und fröhlich winkend.
Es war nicht zu übersehen, dass wir Gesprächsthema unter den Golfern geworden waren. Aber was machte das schon nach einer so fantastischen Wandertour.
Olavs kleine Hofstelle lag auf einer Anhöhe einsam mitten in einem ausgedehnten Waldgebiet nördlich von Tønsberg. Ein kurvenreicher, steiler Waldweg führte hinauf zu einem einfachen roten Holzhaus und einem größeren weißen Gebäude, das Stall und Scheune beherbergte.
An der Giebelseite des Wohnhauses war ein einfaches Gerüst aufgebaut, auf dem einige Farbeimer standen und wo unsere beiden Freunde fleißig die Malerpinsel schwangen. Mitten auf dem Hofplatz stand die blank geputzte, rote Harley.
Es war einer der letzten sonnigen Herbsttage des Jahres 1999 und bei uns hatten sich innerhalb einer Woche sowohl beruflich als auch privat die Dinge überschlagen.
Grønnt Hus hatte mehrere neue Filialen eröffnet und es gab einige Probleme ausreichend Ware zu günstigen Preisen in Holland zu beschaffen. Egil war besorgt, dass sein Expansionskurs gestoppt werden könnte, wenn die Firma nicht täglichen Einfluss auf den Wareneinkauf in Aalsmeer bekommen könnte. Daher fragte er uns, ob wir bereit wären, für einige Jahre nach Amsterdam zu ziehen und dort den gesamten Schnittblumen- und Zimmerpflanzen-Einkauf für die Firma zu koordinieren. Wir überlegten einen Tag und eine Nacht, dann sagten wir zu.
Albert war in dieser Woche mit Sack und Pack nach Bremen aufgebrochen und Pino befand sich bereits seit zwei Wochen in Mailand.
Bjørn und Roberto berichteten, dass Albert tot unglücklich sei und ihm jegliche Motivation fürs Studium fehle. Wenn Pino nicht zu ihm käme, wolle er nach lieber nach Mailand.
Kurz bevor wir von Bjørnstangen aus zu Olav und Håvard aufgebrochen waren, hatte Albert in Tränen aufgelöst zuhause angerufen und erzählt, dass Pino dem Druck seiner Eltern nachgegeben und sich mit einem Mädchen aus der Nachbarschaft getroffen habe. Luca und Antonia wollten, dass er sein Verhältnis mit Albert beenden und sich mit diesem Mädchen verloben sollte. Luca hatte sogar damit gedroht, Pino zu enterben, wenn er nicht endlich „vernünftig“ werde.
Bjørn hatte fast eine Stunde mit seinem Pflegesohn telefoniert und ihn getröstet. Er war sich sicher, dass Pino dem Druck nicht nachgeben und sich am Ende doch für Albert entscheiden würde. Es zeigte sich, dass er Pino tatsächlich besser kannte als wir alle anderen zusammen. Selbst Roberto hatte Zweifel und meinte, der gesellschaftliche Druck könne so groß sein, dass Pino keine andere Wahl bliebe, wenn er nicht vollkommen mit seiner Heimat und seinen Eltern brechen wollte.
Auch die Nachricht von Jeroens HIV-Infektion war in dieser Woche gekommen. Tinus war am Boden zerstört und wollte in den nächsten Tagen für ein paar Tage nach Bergstad kommen.
So war es also nicht verwunderlich, dass Gus und ich nicht gerade bester Stimmung waren, als wir unsere beiden Freunde auf ihrem Gerüst begrüßten. Die wussten natürlich nichts von unserer ereignisreichen Woche und begrüßten uns fröhlich: „Gut, dass Ihr kommt. Wenn Ihr uns helft, sind wir in zwei Stunden fertig“, lachte Olav.
Die Abwechslung passte uns gut. So konnten wir auf andere Gedanken kommen.
„Habt Ihr denn noch irgendwo ein paar Arbeitsklamotten?“.
„Ja klar, Ihr könnt Euch drüben im Stall etwas im Arbeitsraum raussuchen. Da findet Ihr alte Arbeitshosen und Pullover“.
Ich staunte, wie ordentlich und sauber der Arbeitsraum war. Hier hatte alles seinen festen Platz und nirgendwo lag etwas rum. Die Arbeitsplatten und der Fußboden waren so blank gescheuert, dass man davon hätte essen können. In einem Schrank waren Overalls, Jacken, Hosen, Arbeitsschuhe und Gummistiefel wie mit dem Lineal abgemessen aufgehängt und zusammengelegt.
Da Olav etwa meine Größe hatte, passte mir einer seiner Overalls perfekt. Für Gus waren die Sachen etwas zu klein, aber er zwängte sich trotzdem in eine blaue, zerschlissene Arbeitshose und zog einen alten grauen Pullover über. Irgendwie gefiel er mir in den Sachen gut.
„Ehy, toll seht Ihr aus“, grinste Håvard. „Solche hübschen Handwerker hat man hier in der Gegend selten“.
„Pass bloß auf, sonst wird unsere Rechnung richtig hoch“, frotzelte ich.
„Macht nichts, wir haben sowieso kein Geld und müssen in Naturalien bezahlen“.
„Na dann,… was sollen wir machen?“
„Wenn Ihr die Dachrinnen streichen könntet, wäre das super. Pinsel und Farbe stehen dort drüben bei der Leiter“.
Die Arbeit ging tatsächlich schnell und wir waren machten gerade die letzten Pinselstriche, als Håvard am Fuße meiner Leiter und Olav an der von Gus standen und uns quasi den Rückweg versperrten.
Beide lachten und feixten um die Wette.
„Unsere Arbeitssklaven sind uns hilflos ausgeliefert. So wollten wir das schon immer haben“.
Als ich Håvards Hand an meinem Po fühlte, grinste ich und rief: „Hände weg! Sonst werden Deine Haare noch röter als sie ohnehin schon sind. Ich habe noch eine halbe Dose Farbe…“.
„Darauf warte ich ja nur. Das musst Du mir nachher dann auch wieder gründlich abwaschen“.
Håvard und Olav waren in so ausgelassener Stimmung, dass ich sie mit unseren Problemen nicht behelligen wollte. Als wir schließlich gemeinsam auf einer Bank vor dem Haus saßen fragte ich Olav daher: „Wie lange bist Du denn schon allein hier draußen?“
„Vor 16 Jahren starben meine Eltern kurz nach einander innerhalb eines Jahres. Damals stand ich vor der Entscheidung entweder weg von hier und alles vergessen oder eben bleiben und endlich meine Freiheit genießen. Ich habe alles, was an meine Eltern erinnert ausgeräumt und weggeschmissen. Es gibt nur noch zwei Bilder von ihnen. Alles andere ist getilgt. Um ihr Grab kümmert sich mein Bruder. Der ist mir allerdings böse und redet nicht mehr mit mir. Direkte Nachbarn habe ich keine, wie Ihr seht. So habe ich sozusagen ganz neu bei Null angefangen“.
„Und Du fühlst Dich hier draußen gar nicht einsam?“, fragte Gus.
Olav lachte. „Einsam? Nein. Ich bekomme doch hin und wieder Besuch von Hendrik oder Håvard…, der ja jetzt vielleicht sogar auch mal länger bleibt… Bjørn und Roberto waren schon hier, Kjell hat mich schon besucht. Na ja, und die anderen Jungs vom Jungbauern-Verein kommen immer, wenn sie was brauchen“.
Ich sah ihn an, legte meinen Arm um seine Schulter und sagte: „Ich habe ja schon letzte Woche gesagt, dass Du mir sehr imponierst. Aber nachdem ich das hier alles gesehen habe, bewundere ich Dich“.
Olav wurde ein bisschen rot, schüttelte mit dem Kopf und sagte: „Ach, das ist doch nichts…“.
Dass er noch viel bescheidener war, als ich vermutete, sah ich dann, als er uns sein Wohnhaus von innen zeigte. War es schon in seinem Stall ungewöhnlich ordentlich und sauber, waren seine Wohnräume die reinsten Ausstellungsräume. Alle Räume waren mit modernen, hochwertigen Möbeln eingerichtet, die nach meinem Eindruck fast alle von einer bekannten Möbelfabrik aus der Nähe stammten. Küche und Bad sahen aus, als seien sie gerade erst vor ein paar Tagen fertiggestellt worden. In seinem Schlafzimmer stand allerdings nur ein altes, recht schmales Bett mit nur einem kleinen Kissen und einer dünnen Decke und ein alter, typischer, norwegischer Bauern-Schrank. Im Gegensatz zu den anderen Zimmern lag hier kein Teppich auf dem Holzdielenboden und es hing nicht ein Bild an der Wand.
„Mein Schlafzimmer habe ich so gelassen, wie es immer war. Im übrigen Haus habe ich alle alten Möbel weggeschmissen, Wände rausgerissen, Räume zusammengelegt und neuen Fußboden gelegt“.
„Das hast Du alles allein gemacht?“.
„Ja, bis auf die Elektrik und die Wasseranschlüsse“.
In seinem großen Arbeitszimmer, das offenbar auch als Gästezimmer diente, stand ein breites Schlafsofa, auf dem gerade etwas zerwühltes, buntes Bettzeug lag und an den Wänden hingen neben einer Urkunde der Landwirtschaftsschule unzählige kleine und größere Zeichnungen und Fotos. Einige der Skizzen schienen dem Stil nach zu urteilen von Håvard zu sein. Die meisten Fotos zeigten Olav als Kind, Jugendlichen und beim Renovieren seines Hauses. Keines der Kinder-Fotos zeigte ihn lachend. Erst als junger Erwachsener lächelte er. Allen Fotos war allerdings gemein, dass Olav mehr oder weniger unbekleidet zu sehen war. Lediglich ein Bild von seiner Konfirmation und einem Klassenfoto zeigte ihn in einem einfachen, grauen Anzug beziehungsweise mit eher ärmlich wirkender kurzer Hose und Pullover. Auch auf dem Klassenfoto war er der einzige, der keine Miene verzog und fast traurig direkt in die Kamera schaute. Ein Foto, auf dem er mit einem großen Vorschlaghammer auf eine Holzwand einschlug, gefiel mir besonders gut. Er lachte darauf fröhlich und war völlig nackt. Sein schöner Penis war zwar nicht deutlich zu erkennen, aber der aufmerksame schwule Betrachter ahnte, dass er leicht erigiert war.
„Wer hat denn das tolle Bild aufgenommen?“, fragte ich. „Das hat Hendrik gemacht“, grinste er.
Dann entdeckte ich, dass Håvards Zeichnung „ein Abend auf der Hütte mit Freunden“ bereits einen Platz direkt überm Schreibtisch gefunden hatte.
Als ich es näher betrachtete, sah ich, dass Olav in kleiner Schrift darunter geschrieben hatte: „Der schönste Tag in meinem Leben“.
Ich war gerührt und ein bisschen fassungslos, wollte aber dazu nichts sagen.
„Ich hätte das Bild auch ins Wohnzimmer hängen können, aber hier sehe ich Euch öfter“, erklärte Olav.
„Übrigens, entschuldigt bitte, dass es hier so unordentlich ist, aber Håvard und ich haben heute morgen schon früh angefangen und hatten keine Lust das Bett zu machen“.
„Pah,… wenn das ‚unordentlich‘ sein soll, dann ist es bei uns zuhause täglich chaotisch“, erwiderte Gus lachend.
„Ich spring eben unter die Dusche und mach uns dann was zu essen. Ihr könnt es Euch im Wohnzimmer bequem machen“.
Kaum hatte er das gesagt, hatte er auch schon seinen Overall abgestreift, ordentlich zusammengelegt und mit seinem knappen Tanga auf die Waschmaschine im Badezimmer gelegt.
„Schade, das werden wir wohl bald nicht mehr so oft genießen können“, sagte ich beiläufig, als wir uns setzten.
Håvard sah mich verständnislos an.
„Ja, wir haben uns gestern entschieden, im nächsten Jahr nach Amsterdam zu ziehen“.
„Nein, das könnt Ihr uns doch nicht antun. Warum? Gefällt Euch Norwegen nicht mehr?“
„Doch natürlich, aber unsere Firma braucht jemanden, der täglich an der Auktion in Aalsmeer die Ware und die Preise beobachten kann. Wir werden von dort aus dann Schnittblumen und Pflanzen für Norwegen einkaufen“.
Håvard schüttelte traurig den Kopf: „Immer wenn ich mal nette, hübsche, kluge Männer kennenlerne, sind sie nach kurzer Zeit wieder weg“.
„Aber Du hast doch gerade mit dem nettesten und klügsten von allen sein Haus angestrichen. Der wird doch so schnell nicht von hier verschwinden“, gab ich zu bedenken.
„Das stimmt natürlich, aber wir beide würden Euch nur ungern ziehen lassen. Wir haben gestern den ganzen Tag über und von Euch geredet“.
„Hoffentlich nur Gutes…“, feixte ich. „Amsterdam ist ja gar nicht so weit weg. Die letzten Jahre sind wir oft von Fornebu nach Schiphol geflogen. Das wird jetzt halt öfter umgekehrt passieren. Wir haben immerhin 22 Jahre in Norwegen gelebt. Das sind für mich nur zwei Jahre weniger, als ich in Deutschland zugebracht habe“.
„Wollt Ihr denn Eure Wohnung verkaufen?“
„Vorerst nicht. Vielleicht werden Jacob und Thorbjørn die Wohnung mieten, bis sie etwas Eigenes kaufen“.
Wir hörten Olav in der Küche mit Geschirr klappern und fröhlich vor sich hin pfeifen. Håvard rief: „Ehy Olav! Gus und Walter wollen nach Amsterdam auswandern…“.
„Waaaass?“. Er stand in seiner ganzen Schönheit nackt mit einem Küchenhandtuch in der Hand in der Küchentür und starrte uns ungläubig an.
„Ihr macht Spaß, oder?“.
„Nein, leider nicht. Aber das bedeutet ja nicht, dass wir uns nicht mehr sehen. Bjørnstangen wird unser zweites Zuhause bleiben. Auf die Weise bleiben wir ja beinahe Nachbarn“, lachte ich.
Olav schien nicht überzeugt, aber sagte nichts.
Ich wusste, wir würden eines Tages die norwegischen Freunde und die uns so vertraut gewordene Umgebung vermissen, aber noch waren wir in einem Alter, in dem wir glaubten, beruflichen Erfolg und zufriedenes Privatleben unter einen Hut bringen zu können. Noch schienen die Abstände zwischen uns und den lieb gewonnenen Menschen gering und Zukunftsplanung bezog sich auf wenige Jahre. Wir waren ungeduldig und wollten Neues entdecken.
Es war für fast zwei Jahre das letzte Mal, dass wir einen gemeinsamen Abend mit Olav und Håvard verbrachten. Weit nach Mitternacht verabschiedeten wir uns von den beiden. Während wir vom Hof fuhren, sahen wir sie nackt und fröhlich winkend in der Tür des kleinen, roten nur schwach beleuchteten Hauses stehen. Der kräftige Bär hatte seinen Arm um die Schulter des kleineren, aber mindestens ebenso muskulösen, immer noch nahtlos braun gebrannten, Freundes gelegt.
Ich spürte noch Håvards dicken, harten Schwanz in meinem Darm und bildete mir ein, ein kleines Rinnsal von Olavs Sperma ränne mir immer noch über den Rücken. Gus sagte kaum ein Wort auf der Rückfahrt nach Bjørnstangen. Wir hatten die beiden im wahrsten Sinne des Wortes lieb gewonnen.
Das Millenniumsjahr begrüßten wir mit einer traditionellen Silvesterfeier auf Bjørnstangen im Kreise der engsten Freunde. Albert war aus Bremen gekommen, Tinus aus Amsterdam und Karl und Erik aus Oslo. Jacob, Thorbjørn, Jerry und Morten feierten gemeinsam in Oslos Straßen und Kneipen.
Albert war im Laufe des letzten Jahres sehr erwachsen geworden. Er hatte viel trainiert, legte großen Wert auf sein Äußeres und sein Studium schien ihm Freude zu machen. Die Trennung von Pino und die ungewisse Zukunft ihrer Beziehung machten ihn aber, wie er selbst sagte, verrückt. Er saß noch zehn Minuten vor zwölf im Arbeitszimmer und telefonierte mit seinem Liebsten, nachdem sie bereits über eine Stunde mit einander gesprochen hatten.
Als wir uns auf dem Hofplatz für ein ‚Skål‘ und ein aufwendiges Feuerwerk versammelten, schien Albert völlig entrückt und sehr traurig zu sein. Ich sah, dass Bjørn ihn in den Arm nahm und er offenbar bitterlich weinte. Bjørn strich ihm immer wieder über den Kopf und hielt ihn ganz fest, während er Roberto das Feuerwerk allein entzünden ließ.
Am frühen Morgen des Neujahrstages traf ich Albert in der Küche, wo er sich einen Kaffee gemacht hatte und am Tisch saß und aus dem Fenster auf den verschneiten Hofplatz starrte.
Ich wünschte ihm ein frohes neues Jahr und fragte, ob ich mich zu ihm setzen dürfe. Er lächelte und machte eine einladende Handbewegung. Seine glatte, leicht bräunliche Haut, sah aus, als habe er sie eingeölt. Nicht nur seine ganz feinen, leicht asiatischen Gesichtszüge sondern auch diese wunderschöne Haut musste er von seiner Mutter geerbt haben. Obwohl ich ihn seit seinen Kindestagen kannte, wurde mir erst an diesem Morgen bewusst, wie hübsch dieser Junge war.
Er bemerkte meinen bewundernden Blick , schaute mich an und fragte: „Onkel Walter, darf ich Dich etwas fragen?“
„Ja, natürlich. Du kannst mich immer alles fragen“.
„Was liebst Du an Onkel Gus am meisten?“
„Oh… gar nicht einfach zu beantworten. ‚Lieben‘ bedeutet ja, etwas für mich Einzigartiges, etwas, dass nur ich fühle oder sehe. Ohne sein Verständnis für mich und seine Fähigkeit, sich in mich hineinzuversetzen, wäre ich nichts. Das ist es wohl, was ich am meisten an ihm liebe“.
„Ach…merkwürdig… Das würde ich über Pino auch sagen. Aber im Augenblick glaube ich, dass er nicht mal den Versuch macht, mich zu verstehen. Ich fühle mich so leer ohne ihn. Und… gestern abend hat er mir erzählt, dass er seinen Eltern zu Liebe, mit seiner italienischen Freundin im Bett war. Er habe dabei die ganze Zeit an mich gedacht. Sie habe ihn beinahe ausgelacht, weil er keinen Steifen bekommen hat. Dann habe er die Augen zugemacht, hätte seinen Pimmel in sie reingeschoben und abgespritzt. Anschließend hat er sie liegengelassen und zuhause auf meinen Anruf gewartet. Ich habe so etwas geahnt… Ich würde ihn jetzt so gern in den Arm nehmen, aber Luca und Antonia wollen nicht, dass ich nach Italien komme. Onkel Walter, was würdest Du jetzt machen?“
„Schwer zu sagen… Ich glaube, ich würde trotzdem nach Italien fahren und mich heimlich mit ihm in Mailand treffen… Ob das richtig wäre, weiß ich nicht. Vor allem weil es ja auch eine große Enttäuschung sein könnte“.
„Da müsste ich noch fast zwei Monate warten, weil er erst Ende Februar wieder in Mailand mit dem Studium beginnt“.
„Das haltet Ihr beide doch aus… Du solltest ihm vertrauen. Er hat Dich doch noch nie enttäuscht“.
Ich sollte recht behalten. Am 21. Februar klingelte es kurz nach 19:00 Uhr zwei Mal an der Haustür unserer alten Wohnung in Bremen, und als Albert nur mit Schlafanzugshose bekleidet öffnete, fielen sich die beiden weinend in die Arme und schworen sich, einander nie wieder loszulassen. Eine Studentin, die inzwischen in einem Zimmer der Wohnung von Viktors Vater wohnte, hatte die Szene von der Treppe aus beobachtet und später berichtet, dass sie so etwas Rührendes nie vorher erlebt hatte.
Gus und ich nahmen diese Episode zum Anlass, endlich den Termin für unsere Hochzeit festzulegen. Wir wollten jetzt nicht länger warten. Im März begann wieder ein neuer Lebensabschnitt für uns, und wir hatten schließlich bereits fast 28 wunderschöne Jahre klaglos mit einander verbracht.
Für die meisten unserer Freunde kam unser Entschluss dennoch recht überraschend, und Tinus meinte, er passe zu unserer Spontanität. Obwohl wir unsere neue Wohnung auf KNSM-Eiland in Amsterdam bereits gekauft hatten, konnten wir erst am 15. März einziehen. Heiraten wollten wir aber unbedingt am 31. So kam es, dass die unausgepackten Umzugskartons noch überall in der Wohnung standen, als wir unserer Hochzeitsgesellschaft unsere neue Bleibe zeigen wollten.
Es waren fast alle der liebsten Freunde gekommen. Nur Karl und Erik konnten nicht dabei sein, weil sie zufälligerweise einen ähnlich spontanen Einfall wie wir hatten und sich ebenfalls an diesem Freitag das Ja-Wort in Oslo geben wollten. Gerade durch diesen Zufall fühlten wir uns den beiden an diesem Tag besonders nahe.
Wir schafften es, fast alle Freunde gemeinsam im Lloyd-Hotel ganz in unserer Nähe unterzubringen. Vatern, Anders und Roberto und Bjørn wohnten allerdings bei Tinus. Vatern hatte vor einem Jahr einen leichten Herzanfall gehabt und war auch von Rheuma geplagt. Daher genoss er die etwas luxuriösere Umgebung im Hause van den Berg.
Jerry und Morten waren hingerissen von der kreativ, künstlerischen Atmosphäre des Hotels. Viktor und Ronald verliebten sich in einen der Rezeptionisten, brachten ihn aber leider nicht dazu, sie auf dem Zimmer zu besuchen. Für Håvard und Olav war es die erste Reise nach Amsterdam und sie kamen kaum zum Schlafen, weil sie die Atmosphäre der Stadt tag und nacht in sich aufsogen. Jacob und Thorbjørn waren gleich am ersten Abend in der Thermos-Sauna und konnten kaum genug bekommen. Nur Andrea und Enrico erkundeten das moderne, neue Amsterdamer Stadtviertels mit seinen Hausbooten und alten Kaianlagen, den Kunstgalerien und Werkstätten, der freien Aussicht über den Ij und den interessanten Bars und Restaurants. Albert und Pino genossen es Hand in Hand durch die Warmoestraat zu wandern und amüsierten sich über den „sündigen Red-Light-Destrict“.
Die eigentliche ‚Trauung‘ fand in den kühlen, sachlichen Räumen der Stadtteilverwaltung statt. Die Standesbeamtin surinamischer Abstammung sorgte allerdings für so viel Wärme und Emotion, dass wir alle die Zeremonie bis heute nicht vergessen haben.
In einem Vorgespräch hatte sie sich viel Zeit genommen, uns und unsere Geschichte kennenzulernen. Um allen Gästen gerecht zu werden, hatte sie sich vorgenommen, ein paar Worte in jeder Sprache der Anwesenden zu sagen. Dazu hatte sie sich, wie sie später berichtete, eine Woche lang mit Norwegisch beschäftigen müssen und einen Freund gebeten, ihr ein paar Sätze ins Norwegische zu übersetzen. Italienisch und Deutsch beherrschte sie gut.
Auf Deutsch erzählte sie von unserer Jugend, auf Italienisch von unserer ersten Begegnung. Da sie die Details nicht kannte, machte sie die Begegnung „am Meer“ romantischer als sie in Wirklichkeit war, aber wir schmunzelten und sahen das Grinsen auf Andreas und Enricos Gesicht. Unsere Studienzeit in Bremen war nach ihren Worten nur fleißige Arbeit und der Aufbau einer gemeinsamen Zukunft. Unsere Jahre in Norwegen schilderte sie wie den romantischen Reisebericht eines hundertprozentigen Norwegenfans. Dass wir nun vor ihr in Amsterdam standen und unsere Beziehung legalisieren wollten, war für sie die logische Konsequenz unserer 28jährigen gemeinsamen Erlebnisse. Dass unter den Gästen keine einzige Frau war, hielt sie ebenfalls für völlig normal, da „unsere Männerwelt“ und unsere Freunde für unser bisheriges Leben so wichtig gewesen seien, dass „an diesem schönen Tag nur die zusammenkommen, die Euch ganz besonders lieb haben und eben Eure Familie sind… ganz normal anders halt“.
Als Dankeschön für ihre einfühlsame Rede schenkten wir ihr unseren riesigen Hochzeits-Blumenstrauß, den eine Florist im Auftrag von Grønnt Hus als Dekoration für die Zermonie, gebunden hatte. Die Standesbeamtin war eine kleine zierliche Person und hatte große Mühe den großen Strauß zu tragen, lachte aber fröhlich, bedankte sich und fuhr sogar, zur Freude vieler Passanten, mit dem riesen Gebinde im Arm in der Straßenbahn nach Hause.
Tinus, Henk und Esben hatten das „Hochzeitsessen“ ganz in der Nähe organisiert. In einem alten Lagerhaus der Amsterdamer Handelsgesellschaft war ein stilvolles, internationales Restaurant untergebracht, wo man an den Wänden die Geschichte des Amsterdamer Hafens anschauen konnte. Das Ambiente war maritim und einige Exponate an den Wänden wiesen auf Handelsverbindungen auch nach Deutschland, Italien und Skandinavien hin. Der für unsere Gesellschaft zuständige Oberkellner war ein bildhübscher Kerl mit einer extrem engen, schwarzen Hose und einem weißen Oberhemd, das eine stark behaarte Brust und zwei große, dunkle Nippel ahnen ließ. Ihm schien es sichtlich Spaß zu machen uns zu bedienen. Jedes Mal wenn er Getränke nachschenkte, beugte er sich zu jemandem anders herunter und zwinkerte ihm lächelnd zu. Sodass am Ende unseres Essens eigentlich jeder das Gefühl hatte, es fehle nur noch, dass er ihm heimlich seine Adresse zuschöbe.
Als Höhepunkt unserer Feier hatten wir ein kleines, altes Dampfboot gemietet und ließen uns drei Stunden lang durch die Kanäle und Grachten Amsterdams und der Umgebung schippern. Die Stimmung an Bord war gelöst und verbesserte sich mit jedem Glas Sekt von Minute zu Minute. Der ‚Kaptein‘ war es gewohnt Bootstouren mit schwulen Gruppen zu machen und erläuterte daher von Zeit zu Zeit besondere Highlights, die für schwule Gäste interessant waren. Unter anderem erzählte er über das ‚Homomonument‘ am Westermarkt, die schwule Subkultur mit all den Bars, Kneipen und Discos der Altstadt. Amsterdam galt damals als eine der tolerantesten Städte der Welt und Schwulen-Hauptstadt Nr. Eins. Leider hat sich das in den Folgejahren etwas geändert. Kriminalität, Drogenmilieu und eine Veränderung der politischen Mehrheitsverhältnissen hat zur Verschärfung von Regeln im Nachtleben geführt, die die besonders freizügigen Lokalitäten nicht überlebt haben.
Am Ende unserer Tour hatten Albert und Pino sich endgültig entschlossen, dass sie so bald wie möglich ebenfalls in Amsterdam heiraten wollten. Bereits ein Jahr später realisierten sie ihr Vorhaben, aber dazu später mal mehr.
Unsere Bootstour endete nur wenige Meter von unserem neuen Zuhause.
Eine Gruppe festlich gekleideter Männer in dunklen Anzügen und in bester Stimmung begaben sich zum Innenhof des größten Rundgebäudes der Niederlande, standen dort in einer Art grünen Oase und staunten über die eigenwillige Architektur. Tinus hatte uns geholfen, hier eine schöne, helle und erstaunlich ruhige Wohnung mit einmaliger Aussicht über das Wasser des Ij, die für Amsterdam äußerst wichtige Schleusenanlage zum Ijsselmeer und das weite ‚Waterland‘ zu bekommen.
Gus wollte es sich nicht nehmen lassen, mich über die Schwelle der neuen Wohnung zu tragen. Diese Aktion artete in solche Albereien aus, dass unsere Nachbarn sich dafür interessierten, wer hier wohl so lebhaft einziehen würde. Um von Anfang an ein gutes Nachbarschaftsverhältnis zu bekommen, luden wir sie alle zu einem Umtrunk ein und stellten uns vor. In den 278 unterschiedlich geschnittenen Wohnungen des Gebäudes wohnten ebenso unterschiedliche Menschen. Von jungen Paaren über alleinstehende Senioren bis hin zu berühmten Politikern wohnte hier eine bunte Mischung der Amsterdamer Gesellschaft. Im Laufe der Jahre stellte sich heraus, dass es durch starke Fluktuation in der Wohnanlage kaum möglich war, längerfristige Kontakte zu knüpfen und offenbar auch kaum Interesse an engeren Nachbarschaftsverhältnissen bestand. Ein Umstand, an den wir uns in den zehn Jahren, in denen wir hier wohnten, nie gewöhnen konnten.
Für uns folgten die erfolgreichsten Jahre unseres Berufslebens. Wir reisten noch mehr als in den Jahren zuvor, waren aber oft auch auf Bjørnstangen, das zu unserem zweiten Zuhause geworden war und bis heute ist. Aber auch meine alte Heimatstadt Ce… wurde immer öfter wieder Ziel von Kurzreisen. Ich übernahm von Vatern die Verwaltung meines Elternhauses, das nun schon seit Monaten leer stand, weil Vatern und Anders endgültig in Italien bleiben wollten. Ich traf die alten Freunde Dieter und Rüdiger wieder. Auch andere alte Schulfreunde tauchten nach Jahrzehnten wieder auf, und wir begrüßten uns so, als ob wir uns nur wenige Wochen nicht gesehen hätten. Jörgen führte inzwischen Vaterns alte Anwaltskanzlei als Sozietät zusammen mit zwei anderen jungen Anwälten und freute sich ehrlich uns wiederzusehen.
Für Gus und mich schloss sich gleichsam ein Kreis. Wir waren quasi fast wieder dort, wo wir vor 22 Jahren gestartet waren.
Eines Abends, als ich auf den Nachtzug nach Amsterdam wartete, stand ich vor dem immer noch existierenden Bahnhofskiosk meiner Heimatstadt, sah den hübschen Körper eines jungen Mannes auf dem Titelblatt eines Schwulenmagazins und überlegte kurz, ob ich das Heft als Reiselektüre kaufen sollte. Ich tat es nicht, weil das wirkliche Leben so viel nette Männer zu bieten hatte, die kennenzulernen eine Freude und in jeder Hinsicht eine Bereicherung war.
Die Worte unserer Standesbeamtin in Amsterdam gelten bis heute. Gus und ich sind einfach „ganz normal anders“.
[Ich danke allen Lesern meiner Geschichte, die bis hierher durchgehalten haben. Fragt mich gern, wenn Ihr Fragen habt. Schreibt mir Eure eigene Geschichte. Ich lese sie bestimmt und kommentiere sie gern. Kommentare und Fragen an: gugamster@hotmail.com ]



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