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30 Jahre normal anders (1) Suchen und Finden - Ein Ziel vor Augen

  • Autorenbild: gert
    gert
  • 8. Nov. 2019
  • 54 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Nov. 2022


[Mache nicht den ersten Schritt vor dem zweiten. Du wirst die folgende Geschichte besser verstehen, wenn Du weißt, wie alles begann („Schwul vor 50 Jahren“)]


Suchen und Finden


Die wirklich schöne Fähre der Jahre-Line hob sich strahlend weiß mit mächtigem gelbem Schornstein gegen den dunkel blauen Himmel über der Kieler Förde ab. Am Oslo-Kai standen drei Männer und schauten abwechselnd auf das Schauspiel des sich langsam im Hafenbecken drehenden Schiffes und die Menschen, die sich auf das Abfertigungsgebäude der Jahre-Line zubewegten. Der eine war ich, 18 Jahre alt, mittelgroß, mittelblond, na ja, alles in allem eigentlich mittel, mit Ach und Krach das Abitur geschafft und im Begriff ein Pädagogik-Studium in Oslo zu starten. Der andere war mein Partner und aller liebster Freund, Gus, 22 Jahre alt, größer als ich, sehr schlank, fast schwarzhaarig, muskulös und Ökonomie-Student in Genua, aber bald in Oslo. Der dritte im Bunde war Karl, 30 Jahre, von gedrungener Statur, mit wunderschönem runden Po und fast symmetrisch ebenso rundem Bauch, Bürovorsteher in der Kanzlei meines Vaters, Hobby-Wrestler und Weltklasse-Fotograf.


Ich sah den drahtigen, großen rothaarigen Mann als erster. Er schaute sich suchend um und kam dabei langsam auf uns zu - zwei Plastiktragetaschen in den Händen und einen riesen Rucksack auf dem Rücken. Als er uns sah, hob er leicht eine der beiden Plastikbeutel und warf lachend den Kopf etwas zurück. „Hei, og takk for sist!“ – „Hei, hei, takk det samme, koselig å se deg. Hvordan står det til?» - « Takk, bare bra og dere da?» Ich mochte die ungezwungene Art der Begrüßung zwischen Norwegern. «Oh, entschuldigt bitte, wir sollten uns vielleicht auf Deutsch unterhalten“. Erik stellte seine Beutel mit einem klirrenden Geräusch ab und gab jedem von uns die Hand. Karl schaute er freundlich an und stellte sich vor: „ Erik Lie, Produktmanager von ‚Grønnt Hus‘ und Sie müssen mein Reisepartner sein. War mir eine Freude, Ihnen mein zweites Bett abtreten zu dürfen. Die Fähre scheint ja schon wieder ausgebucht zu sein“. Sein breites Lächeln faszinierte Karl offenbar sehr. Er blickte Erik mit seinem typisch geraden Blick direkt in die Augen und lächelte auf seine unnachahmliche Weise zurück, ohne die gereichte Hand loszulassen. Gus stand etwas ratlos aber mit seinem bekannt forschenden Blick unentschlossen daneben. Um die offenbar entstehende Spannung etwas zu lösen, sagte ich zu ihm: „Also erste Lektion Norwegisch; beim Begrüßen bedankt man sich ‚fürs letzte Mal‘ und erkundigt sich, wie es dem Gegenüber geht“. – „Schöner Brauch, mach ich jetzt bei Dir auch immer…“. Gut, dass Erik den Hintergedanken dieser Bemerkung nicht verstand.


„Was haben Sie denn da alles eingekauft?“ fragte Karl unbefangen. „Tax-free kvota“. „Zollfreien Alkohol und Zigaretten“, übersetzte ich und setzte hinzu: „Das ist quasi Pflicht für jeden Norweger, der ins Ausland reist. Selbst wenn er nicht trinkt und raucht, müssen ja Familie, Freunde oder Nachbarn versorgt werden. Alkohol wird in Norwegen nur in bestimmten Monopol-Läden zu eingeschränkten Öffnungszeiten und Wahnsinnspreisen verkauft. Also ein solcher Einkauf lohnt sich immer“. „Ja, stimmt. Ich habe diesmal etwas mehr als erlaubt gekauft und wollte fragen, ob mir morgen früh in Oslo einer von Euch einen Beutel abnehmen kann, damit wir heil durch den Zoll kommen“. – „Das mach ich gern“, bot sich Karl sofort an. „Det var hyggelig, tusen takk“. So wie Karl Erik ansah, hätte er noch viel mehr für ihn getan.


Passkontrolle und Boarding verliefen problemlos. Nach kurzer und etwas orientierungsloser Suche auf den langen, gleichförmigen Kabinen-Gängen fanden wir unsere Quartiere, die neben einander lagen. Der einzige Unterschied, unsere Kabine war sehr klein und eng mit einem recht schmalen Doppelstockbett, und Karl hatten eine geräumige Unterkunft mit zwei Sesseln und einem Doppelbett. Nicht gerade kingsize, aber immerhin. Karl meinte:“ Also, wir sollten vielleicht tauschen, Herr Lie möchte sicher nicht so gerne mit einem fremden Mann das Bett teilen“. Bildete ich es mir ein, oder wurde Erik rot bis unter die Haarspitzen. „Das macht mir überhaupt nichts aus. Sie werden mich schon nicht beißen“. „Nö, er nimmt Dich bloß in den Schwitzkasten, würgt Dich und macht dann ein Foto von Dir, wenn Du blau anläufst“. Gottseidank verstand Erik den Sinn und die Ironie dieser Bemerkung von Gus nicht. Ich versuchte moralisch einwandfrei zu übersetzen und zu erklären. Resultat: wir behielten die Kabinen wie ursprünglich verteilt.


Unser Gepäck war schnell eingeräumt und ich schlug vor, dass wir uns anschließend auf dem Oberdeck treffen sollten, um vielleicht etwas zu essen oder einfach nur in der Sonne zu liegen. Die Fähre würde erst in etwas mehr als einer Stunde ablegen und es herrschte noch eine ziemliche Hektik an Bord. Am Klappern der riesigen Metallplatten an der Laderampe zum Autodeck hörte man, dass noch LKWs, Busse und Autos geladen wurden. Die Lademeister und Stauer riefen sich Kommandos zu und das Dröhnen aus dem Laderaum drang bis zu unseren Kabinen hoch. Erik meinte, er wolle trotzdem erstmal „5 Minuten nehmen“, der norwegische Ausdruck für die italienische Siesta oder das deutsche Mittagsschläfchen. Schließlich sei er seit 4 Uhr in der Früh auf den Beinen und jetzt ziemlich müde. Karl fand die Idee gut. „Dann kann ich gleich mal meinen Claim im Bett abstecken“, lachte er. „Also gut, dann sehen wir uns zum Ablegen in einer Stunde auf dem Oberdeck“.

Gus und ich wollten uns etwas Leichteres anziehen und dann versuchen, eine Liege in der Sonne zu ergattern. Ich hatte zuhause noch in aller Schnelle eine uralte Jeans abgeschnitten, da ich keine passende kurze Hose fand. Gus hatte lediglich seine schwarze Turnhose mit dem Logo der Universität Genua eingepackt, da er der Ansicht war, Norwegen sei sicher so kalt, dass man keine kurze Hose brauche. Übrigens, weit gefehlt.

„Mit Slip oder ohne?“ fragte ich den Spiegel, in dem ich meinen Liebsten beobachten konnte, wie er verschiedene T-Shirts probierte. „Ohne natürlich… die Damen da oben müssen doch auch mal was Schönes zu sehen bekommen“, kam es feixend von hinten. „Pass bloß auf… Du wartest ja bloß drauf, dass Karl Dir den Rücken mit Sonnenmilch einschmiert…“. – „Was hat jetzt das eine mit dem anderen zu tun? kam es zurück. „Na ja, Deine hoch modische, katholische Turnhose würde es doch vortrefflich verbergen, wie Du seine Massage genießt.“ – „Ich zeige Dir gleich mal, was ich wirklich genieße…“. Er drückte mir einen nassen heftigen Kuss auf den Mund und griff fest nach meinem Schwanz, der sofort eisenhart steil nach oben zeigte. Die kurze Jeans rutschte auf die Knie und der schwarze Wuschelkopf bewegte sich zwischen meinen Oberschenkeln auf und ab. Ich ließ es einfach geschehen. So plötzlich wie er mich überfallen hatte, gab er auch wieder auf, rubbelte kurz seinen Kolben und verstaute ihn wieder in den schwarzen Falten seiner Shorts. „Schluss jetzt, wir haben noch 19 Stunden vor uns“. – „Du Ekel, das ist gemein. Geht man so mit seinem sexsüchtigen geliebten Partner um? – „Ja klar, er muss ja mal lernen, sich zu mäßigen“, lachte mein liebster aller Männer. „Ok, mit den Entzugserscheinungen musst Du klarkommen“, stichelte ich. Gleichzeitig war mir klar, dass ich diesen und nur diesen Mann wirklich liebe.


Wir fanden auf dem „Soldekk“ zwei Liegestühle im sonnigen Windschatten, stellten sie dicht neben einander und so, dass wir auch noch ein bisschen das Meer sehen konnten. Trotz Hafenlärm und dem Brummen der anlaufenden Schiffsdiesel dösten wir beide in einer Art Halbschlaf und genossen die leichte Brise und die Sonne. Wach wurden wir erst wieder durch das dröhnende und durchdringende Signal zum Ablegen. Unsere beiden Reisegefährten waren noch nirgends zu sehen.


Genau vor uns in unserem Blickfeld baute sich gerade ein junger Mann, etwa in meinem Alter, mit einer Schmalfilmkamera auf und filmte offenbar das Ablegemanöver. Sein knackiger Po war ebenfalls in eine abgeschnittene Jeans eingepackt. Er hatte aber die Schere wesentlich weiter oben angesetzt als ich. Man konnte schon den nackten Po-Ansatz sehen – für deutsche Verhältnisse sehr gewagt. Jetzt folgte er mit der Kamera der Bugwelle um schließlich einen Schwenk auf das Deck zu machen und uns somit uns als erstaunte Hauptdarsteller einzufangen. Wir lächelten ihm beide automatisch zu und er fühlte sich ermutigt, die Kamera jetzt direkt auf uns zu richten und ganz langsam näher zu kommen. „Takk skal dere ha. Det var jammen en fin avslutning av denne sekvensen». Er lachte herzlich und unbekümmert. «Ich hoffe, wir werden berühmt“, feixte Gus. „Er brauchte nur einen schönen Abschluss seiner Filmszene. Ich fürchte wir werden noch etwas warten müssen, bis wir im NRK (norwegische Rundfunk- und Fernsehanstalt) zu sehen sind“. – „Na ja, vielleicht auch besser so“. „Na ja, wir werden kaum Zeit haben unsere Fan-Post zu beantworten“.


Der Knackarsch hatte sich inzwischen breitbeinig auf die Nachbarliege gleich neben uns gepflanzt und hielt die Kamera jetzt direkt auf meine Hose gerichtet. Mir war’s nicht unangenehm. Gus schaute ihn allerdings etwas missmutig an. „Na na, so interessant kann das Motiv ja nun nicht sein,“ sagte er zu unserem Nachbarn. „Entschuldigung, ich wollte nicht unhöflich sein. Ich experimentiere gern beim Filmen. Sind Sie aus Deutschland?“ Wir nickten synchron. „Ich komme aus Holmestrand und war auf Sviptur in Kiel,“ setzte er hinzu. Bevor ich Gus erklären konnte, was eine „Sviptur“ ist, tauchten Erik und Karl hinter unserem neuen Freund auf. Der sprang auf, schaute Erik an und rief:“ Heissan, var det deg Erik, hva gjør du her?“ – „Hei, Leif! Hyggelig å se deg. Jeg skal reise hjem jeg og du da?» - «Oh, Entschuldigung, das ist mein Sportkamerad Leif Andersen. Wir spielen Handball zusammen. Leif wohnt ganz in meiner Nähe“. – „Ach, ich wusste gar nicht, dass Du aus Holmestrand bist. Mein Onkel und meine Tante haben einen Hof in Våle, also ganz in Eurer Nähe“. – „Nein, wirklich?“ Erik freute sich sichtlich. „Das ist ja ein Zufall, aber auch nicht verwunderlich. Unser Land ist ja so klein und eigentlich kennt jeder jeden“, lachte er.

Jetzt erst fiel mir auf, dass Karl fasziniert jedem Wort von Erik folgte und ihn nicht aus den Augen ließ. Inzwischen kannte ich diesen Blick und machte mir so meine Gedanken, ob es vielleicht noch mehr Zufälle bei den Gemeinsamkeiten der Männer gab, die hier in der Sonne zusammen saßen. Auch bei Erik nahm ich einen ständigen Seitenblick auf Karl war, auch wenn er sich gerade herzlich mit mir und seinem Handball-Freund beschäftigte.

Erik hatte recht, ich hatte das schon mehrfach bei gemeinsamen Ausflügen mit Vatern erlebt. Trafen sich irgendwo in der Welt zwei völlig fremde Norweger, dauerte es nicht lange, bis sie in vertrauliche Gespräche über gemeinsame Bekannte vertieft waren. Man scheint richtig stolz darauf zu sein, jemanden zu kennen, der jemanden kennt, der wiederum jemanden kennt, den man selbst kennt.


Bevor Erik und Life versuchen würden in ihren Erinnerungen zu wühlen, um ihre intime Bindung zu Teilen meiner Familie herauszufinden, machte ich den Vorschlag, etwas essen zu gehen. Das war auch eine meiner Erfahrungen, das man damit fast jeden Norweger immer von dem ablenken konnte, was er gerade tat.


Große allgemeine Zustimmung. So kletterten wir also – inzwischen zu fünft – über enge Eisentreppen hinab auf das Deck 6, wo sich die ‚Kaffeteria‘ also das Selbstbedienungs-Restaurant befand. Während Gus, Leif und ich den Blick auf das sich ganz langsam entfernende Stadtpanorama von Kiel genossen, hatte Erik offenbar nur Blicke für Karl und der für ihn. Aber vielleicht spiegelten mir das ja auch nur meine verdorbenen schwulen Phantasien vor. Etwas, was ich mir einbilden wollte.


Im Restaurant nahm man sich ein Tablett und ging entlang eines langen Tresens hinter dem in blitzblank geputzten Vitrinen, Smørbrød, Salate, Suppen, Kuchen und andere Snacks aufgestellt waren. (Heute für jedermann völlig normal, damals für Deutsche eine Neuheit.) Erik flüsterte Karl etwas ins Ohr, während dieser unschlüssig vor den Smørbrøds stand. Dann nahm er blitzschnell mit zwei Fingern eine rosarote Hochseekrabbe von einem Brot und steckte sie Karl in den Mund, lachte dabei und zog fragend die Augenbrauen hoch. Der schien peinlich berührt, schaute sich verlegen um und stellte den Krabbenberg mit dicker Majonäse auf sein Tablett. Na ja, er war halt ein Mann des Rechts. Erik hingegen lachte sich halb tot und sagte leise aber hörbar: „Keine Angst, das regt hier niemanden auf. Du bist ja schon quasi in Norwegen. Hier wird so manches nicht so eng gesehen wie bei Euch in Deutschland. Manchmal glaube ich, wir können uns mehr am Leben freuen als Ihr“. [Hier muss allerdings angemerkt werden, dass auch in Norwegen Sex zwischen Männern bis 1972 offiziell strafbar war und es gerade in christlich-konservativen Kreisen noch bis weit in die 80iger Jahre heftige Proteste gegen die komplette Aufhebung der Strafbarkeit gab. Obwohl das Land heute zu den liberalsten und fortschrittlichsten in Sachen LGBT-Rechten in der Welt gilt.] Karl entspannte sich sofort und schaute ihm wieder fasziniert und mit seinem typisch geraden Blick ins Gesicht. Auch Gus schien sich jetzt sichtlich zu amüsieren. Unser neuer Freund Leif bemerkte offenbar nichts von dieser ganz privaten Interaktion und stand bereits an der Kasse um zu bezahlen.


Im Gänsemarsch zogen wir vorbei an den schon recht gut besetzten Tischen auf der Suche nach einem Platz an der Fensterfront. Gerade wurden dort einige Plätze an einem großen Tisch frei und wir setzten unsere Tabletts ab. Wie selbstverständlich saßen Erik und Karl auf der einen Seite – viel dichter zusammen als notwendig gewesen wäre - und Gus und ich auf der anderen. Leif platzierte sich an der Stirnseite. Jetzt hatte ich endlich Gelegenheit diesen netten Jungen in Ruhe aus der Nähe zu betrachten. Dunkelblonde, schulterlange offenbar frisch gewaschene Haare – jedenfalls roch er angenehm nach einem Shampoo, das ich nicht kannte -, eine kleine spitze Nase, sehr weiche, sonnengebräunte Haut und verhältnismäßig große, dunkle Augen. Er hatte sich heute offenbar nicht rasiert, denn seine untere Gesichtshälfte wurde quasi wie von einem gleichmäßigen Schatten bedeckt. Wenn dieser Bart wachsen dürfte, müsste er sehr dicht und weich sein, schoss es mir durch den Kopf.


„Erik, wie geht es übrigens Karin?“ Wie auf Kommando sahen vier Männer gleichzeitig von ihrem Essen auf. Vermutlich jeder aus anderen Motiven. „Danke, ich denke ganz gut. Wir haben uns ja jetzt fast drei Monate nicht gesehen“, antwortete Erik fast gleichgültig. „Wolltet Ihr nicht demnächst heiraten?“ Erik wurde knallrot und verlor seine sympathisch entspannte Art. Als ob er zu seinem Teller sprach, sagte er beinahe ungehalten: „Da gibt es noch überhaupt keine Pläne.“ Damit schien für ihn die Sache erledigt und er schien händeringend nach einer Möglichkeit zu suchen, das Thema zu wechseln. Unterm Tisch bekam ich einen leichten Tritt von meinem Liebsten, der mir wohl bedeuten wollte, sag jetzt bloß nicht Falsches. Um Erik aus der Patsche zu helfen sagte ich: “Diese Ausfahrt aus dem Hafen ist doch immer wieder imposant. Man fühlt sich so mächtig, wenn man alle die kleinen Segelboote dort unten vorbeiziehen sieht.“ – „Ja, das ist wunderschön, besonders bei diesem tollen Wetter“, versuchte Gus mir beizupflichten. Karl war blass und still. Leif ahnte offenbar, dass Fragen nach dem Privatleben im Augenblick nicht angebracht waren und sagte: „Na, da wartet mal ab, bis wir morgen früh um vier in den Oslofjord einlaufen. Wenn wir Færder fyr (der südlichste Leuchtturm Norwegens) passiert habe, freue ich mich immer, dass ich wieder zuhause bin“. Damit hatte er nun gottseidank den richtigen Nerv bei Erik getroffen. Der entspannte im selben Moment und war sofort wieder ganz der Alte. „Oh ja, nichts ist schöner als die dunkle Küste unseres herrlichen Landes im Dunst eines Sommermorgens vor sich aus dem Meer aufsteigen zu sehen. Dann bin ich mit mir ganz im Reinen und weiß, wo ich hingehöre“. Für Gus und Karl mochte diese Äußerung glühend patriotisch klingen. Leif und ich wussten, das hätte jetzt von achtzig Prozent aller Norweger kommen können. Gus brachte nun aber selbst das Gespräch wieder in gefährliches Fahrwasser indem er fragte: „Wieso ‚mit Dir im Reinen‘? Zweifelst Du daran, wo Du hingehörst?“


Jetzt schauten wir alle wieder auf Erik, der für einen Moment scheinbar mit Fassung rang, dann aber ganz klar und überzeugend sagte: „Nein, ich weiß, was ich will und was nicht. Man braucht halt nur hin und wieder einen kleinen Anstoß, oder nennen wir es Motivation, um sich zu entscheiden“. Dabei drehte er sich zu Karl, als ob er nur zu ihm spräche, um allerdings sich gleich darauf wieder an die Runde zu wenden: „Man braucht ein Zuhause, wo man sich wohl fühlt. Das ist dann die Basis, von der aus man die Welt erkunden kann“. Endlich bekam nun auch Karl den Mund wieder auf. „Das sehe ich genauso…und…Zuhause ist ja viel mehr als nur der Platz, an dem man wohnt“. Wieder sahen die beiden sich an, als ob nur sie mit einander reden würden.

„Was macht Ihr heute Abend?“ fragte Leif. Ich zuckte mit den Schultern und auch die anderen sahen etwas ratlos aus. Ich wusste, dass auf der Fähre abends überwiegend Tanz und Besäufnis angesagt war. Einige Leute trafen sich im „Spiel-Salon“, bearbeiteten die „Einarmigen Banditen“ oder spielten Karten. In der Lounge saßen oft LKW-Fahrer und diskutierten oder dösten vor sich hin und auf dem Oberdeck trafen sich bei gutem Wetter die „Jüngeren“, um sich körperlich ein bisschen näher zu kommen. Ansonsten passierte aus meiner Erinnerung nicht viel auf diesem Schiff. Da war es gut, wenn man kreative Ideen für ein eigenes Programm hatte.


„Also, dann schlage ich vor: „Vorspiel bei mir… und dann sehen wir weiter…“. Leif unterlegte seinen Vorschlag mit einem vertraulichen Augenzwinkern.

Erik und ich wussten, was das bedeutete. Die Wörter ‚Vorspiel‘ und ‚Nachspiel‘ waren aus dem Deutschen in den norwegischen Sprachgebrauch übergegangen als Synonym für den Start einer Alkohol-Orgie und ihrem in einer Art Bewusstlosigkeit endenden Höhepunkt.

Gus und Karl schauten wieder mal etwas ratlos aus der Wäsche und baten um Aufklärung.

„Leif hat uns gerade auf einen Drink zu sich eingeladen, da brauche ich ja meine Vorräte nicht anzubrechen“, lachte Erik.


„Wir sollten noch etwas die Sonne genießen, wer weiß, wie das Wetter morgen in Oslo ist“, versuchte ich abzulenken, da ich keine Lust hatte, jetzt schon eine Zusage zum ‚Vorspiel‘ zu machen.


Gus stimmte mir zu und Karl sah fragend zu Erik, der auch zustimmend nickte und meinte, er wolle sich nur eben was anderes anziehen und käme dann nach. Karl überlegte kurz und kam dann auch zu dem Entschluss, dass er fürs Sonnendeck unpassend gekleidet sei. Leif wollte noch ein paar Meter Super-Acht-Film verballern und folgte uns nach oben.

Inzwischen zog an Steuerbord das Ehrenmal von Laboe an uns vorbei und die meisten Leute hatten ihre Liegestühle schon wieder geräumt. Gus und ich standen einen Augenblick an der Reling und atmeten die würzige Seeluft ein. „Na, da geht ja ordentlich was ab zwischen Karl und Erik“. Es klang eher wie ein Seufzer als wie eine Feststellung. „Eifersüchtig?“ Und schon spürte ich einen Klapps im Nacken. „Stelle nur fest, dass unser lieber Karl wohl recht großen Nachholbedarf hat und Erik scheinbar der Faszination des Ungewöhnlichen erlegen ist. Ich hoffe bloß, dass wir die beiden nicht in ein paar Tagen jeden für sich, getrennt trösten müssen“. – „Gemeinsam wäre mir auch recht“. Diesmal bekam ich einen ordentlichen Schlag in die Seite.


„Dreht Euch doch mal um!“ Karl hatte seine teure Kamera im Anschlag und klickte aus mehreren Positionen. „Legt doch wenigstens Eure Arme mal um einander. Man sieht ja gar nicht, dass Ihr zusammen gehört“, feixte er. „Erst im norwegischen Fernsehen und jetzt finden wir uns auch noch demnächst auf der Titelseite von ‚Du&Ich‘ wieder…Schatz, wir müssen uns an unseren Prominentenstatus zu gewöhnen“, spöttelte Gus. „Was ist denn ‚Du&Ich‘?“ fragte Karl. „So was wie ‚Catchers Lust‘…nur nicht so brutal“, alberte Gus weiter. „Nee, sag mal im Ernst.“ – „Ein schwules Männer-Magazin halt“. – „Ach so.“


Ich sah, dass Erik etwas Abseits im Schatten stand und aufmerksam zugehört hatte. Jetzt kam er zu uns herüber. „Vielleicht sollte Karl auch mal ein paar gute Fotos von unseren Gewächshäusern und der norwegischen Rosenproduktion machen. Unsere Kunden wollen gern wissen, wo die Blumen herkommen und unsere Partner im Ausland können sich gar nicht vorstellen, dass man in Norwegen Schnittblumen produzieren kann“. – „Gute Idee, und das nächste Mal nehmen wir ihn mit zu Andrea, da hat er dann auch tolle Motive“. – „In jeder Hinsicht…“, fügte ich leise und etwas ironisch hinzu. – „Wollt Ihr mich jetzt ärgern, oder meint Ihr das ernst?“ – „Würde mir nicht einfallen Dich zu ärgern“, kam es ganz warm und liebevoll von Erik. Mir fiel erst jetzt auf, dass die beiden zum Du übergegangen waren. Was so ein paar gemeinsame Minuten im Doppelbett so alles bewirken konnten.

Gus wurde jetzt wieder ernst: „Karl ist ein toller Fotograf. Du solltest Dir mal seine kleine Portrait-Galerie anschauen… wirklich meisterlich“. – „Na, na… übertreib nicht. Das ist und bleibt Hobby“, warf Karl bescheiden ein. Erik legte ihm vertraulich den Arm auf die Schulter und sagte: “Das schaue ich mir bestimmt an“.


Erik holte sich jetzt auch eine Liege, streifte mit einer eleganten Handbewegung seine kurze Kaki-Hose ab und warf sein T-Shirt über die Lehne. Eine sehr knappe grüne Badehose unterstütze eine ansehnliche Beule, die bis direkt unter den dünnen Gummizug reichte. Karl nutzte die Gelegenheit, der Kamera freien Lauf zu lassen und Erik genoss es offensichtlich. Er spreizte bewusst seine Beine, erhob sich noch einmal und streckte seinen kleinen sehr festen, runden Po direkt Richtung Kamera.


„Na Erik, noch ein paar sexy Bilder für Deine Freundin?“ Leif stieß nun auch wieder zu uns. Auch er hatte keine Hemmungen, Hose und Hemd abzulegen und sich in einer allerdings sehr züchtigen, karierten Shorts auf eine Liege zu schmeißen. „Ich denke, Karin hat genug Bilder von mir…“. Erik sprach gleichsam zu sich selbst und starrte dabei in die Luft.


Karl war eher zögerlich beim Entkleiden. Das T-Shirt lag zwar schon auf dem Boden, aber mit der Hose kam er irgendwie nicht klar. Schließlich kam dann aber doch eine Shorts zum Vorschein, die trotz sehr weitem Schnitt seine anatomische Besonderheit kaum verbergen konnte. Ich bildete mir ein, Leif hätte für einen Moment zusammengezuckt. Er ließ sich aber sonst nichts anmerken. Erik ließ wie zufällig seinen Arm auf Karls Liege fallen und ließ ihn dort liegen. Gus und ich drehten uns so, dass wir die Herrlichkeiten gut im Blick hatten.

War der Wunsch Vater des Gedankens oder hob sich da tatsächlich der dünne Gummizug der grünen Badehose? Da solch ein Anblick bei mir sofort eine Total-Erektion hervorrief schnappte ich mir hastig eines der rumliegenden Kunststoffkissen und presste es in den Schoß. Erik starrte weiter in die Luft und schien sich um seinen Unterleib überhaupt nicht zu kümmern. Gus tat es ihm nach, blinzelte aber ständig nach rechts und legte seine Hand wie unabsichtlich in seinen Schritt. Karl schien unruhig, legte sich auf die Seite und kam so Eriks Arm noch näher. Er blinzelte mir zu und schien gleichzeitig tief durchzuatmen. Erik hatte inzwischen die Augen geschlossen und schien zu schlafen. Jetzt war deutlich zu erkennen, dass sich sein Schwanz einen Weg nach draußen suchte. Leif bekam das alles nicht mit. Er schlief wirklich.

Draußen war es kühl geworden und die Passagiere der „Kronprinz Harald“ begannen ihren jeweiligen Lieblingsbeschäftigungen nachzugehen. Dazu gehörte der Kampf am skandinavischen Büfett, das Wetttrinken an den Bars und im ‚Salon‘ und das gebannte Verfolgen der sich unablässig drehenden bunten Glückssymbole und Zahlen auf den Schirmen der Spielautomaten. Die Maschinen des Schiffes stampften in einem gleichbleibenden, dumpfen Rhythmus. Dort, wo man hinaus schauen konnte, sah man in der Ferne die ersten Lichter der dänischen Küste.


Gus, Karl, Erik und ich hatten mehrere Runden um das gewaltige Büfett hinter uns und saßen nun am Tresen einer der beiden Bars und tranken jeder ein großes „Aass Øl“ (Bier aus der ältesten Brauerei Norwegens). Gus wandte sich an Erik und sagte: „Du hast ja heute Mittag da oben richtig fest geschlafen und Leif hat sogar geschnarcht. Also mir war das zu laut, selbst in der Kabine werde ich wohl heute Nacht kein Auge zu machen“. – „Ich bin schon so oft auf diesem Schiff gefahren. So langsam habe ich mich an die Geräusche gewöhnt. Sie wirken auf mich eher einschläfernd.“ – „Also, schlafen konnte ich da oben auch nicht. Es gab viel zu viel zu gucken“, mischte sich Karl ein. – „ Stimmt, die Ausblicke waren zum Teil atemberaubend“, grinste Gus. – „Übrigens, wo ist denn eigentlich unser Hobbyfilmer?“ –„Vor dem Essen habe ich ihn in der anderen Bar in Gesellschaft von zwei Frauen gesehen. Ich glaube, er hat sie auch zu seinem Vorspiel eingeladen“. – „Ach ja?“ fragte ich erstaunt. „Dann spiele ich wohl lieber woanders ‚vor‘,“ bemerkte mein Liebster ironisch. „Ja, ganz einig, auf eine solche Gesellschaft kann ich auch gerne verzichten“, sprach Erik mehr in sein Bierglas hinein als zu uns. Wobei er allerdings einen Seitenblick auf Karl warf. „Einen Drink kann ich Euch auch in unserer Kabine anbieten. Es ist ausreichend da.“ – „Dann lasst uns doch den Standort wechseln, ehe die Damen auf Beutezug hier vorbeikommen“. Allgemeine Zustimmung.


Karl und Erik saßen jeweils auf ihrer Bettseite, und Gus und ich hatten uns die beiden Sessel so hingestellt, dass wir wie im Kreis saßen. Die Flaschen aus Eriks Tax-free-Beutel standen zusammen mit unseren Zahnputzbechern auf dem Fußboden. Um eine etwas gemütlichere Atmosphäre zu schaffen, brannte nur eine der beiden Leselampen überm Bett.


Zum Essen hatten wir uns alle umgezogen. Erik diesmal ganz in Kaki mit korrekt gebügeltem Uniformhemd, das nur noch mit zwei Knöpfen zugeknöpft war. Karl hatte sich eine dünne, weit geschnittene, graue Flanellhose angezogen und dazu ein enges weißes, fast durchsichtiges, klassisches Oberhemd mit blau-grauem Halstuch. Mir reichten mein rotes T-Shirt und meine enge Lieblingsjeans mit Schlag. Auch Gus hatte eine seiner verwaschenen engen Jeans und ein schwarzes T-Shirt (wieder mit Logo der Universität Genua) rausgesucht, in dem er, wie ich fand, besonders interessant aussah.

„Du bist viel zu schick angezogen für norwegische Verhältnisse“, ärgerte Erik seinen Bettgenossen und puffte ihn freundschaftlich in die Seite. Der lief sofort rot an, aber versuchte schlagfertig zu sein:“ Na ja, Du siehst ja auch eher aus, als wolltest Du auf Safari gehen, statt gemütlich ein Bier mit uns zu trinken.“ – „Kann ja auch was anderes anziehen, wenn es gewünscht wird“, antwortete Erik und tat als wäre er beleidigt, grinste uns aber zu. „Skål!“ rief ich und hob mein Glas mit Cola-Whisky. Das gehörte sich so, wenn in Norwegen jemand in Gesellschaft einen guten Witz von sich gegeben hatte. Gus und Karl begriffen, dass sie jetzt auch prosten mussten.


„Na, wenn das jetzt Deine Freundin sehen würde, wäre sie wohl nicht begeistert. Bei uns in Deutschland mögen die meisten Frauen solche Männer-Runden wie unsere nicht“, wandte sich Gus an Erik. „Ach die…“, antwortete er verächtlich. „Die versteht sowieso nicht, was mir wirklich Spaß macht. Sie kommt aus einem super christlichen Elternhaus und rennt jeden Sonntag in die Kirche. Ich kann damit überhaupt nichts anfangen und gehe dann lieber meine eigenen Wege. Sie trifft sich dauernd mit den Frauen aus ihrem Bibelkreis und will mir verbieten, einmal im Monat mit einem Freund auf Hüttentour zu gehen oder mal einen Dramm zu trinken (Schnaps). Sie will mich heiraten, weigert sich aber mich vor der Hochzeit nackt anzusehen. Ansonsten ist sie ein liebes Mädchen, aber eben nichts für mich“. Nach diesem privaten Geständnis schwiegen wir anderen erstmal. Bis Karl das Schweigen brach. „Um so etwas zu vermeiden, bleibe ich lieber gleich allein. Ich verstehe Dich sehr gut“. „Prost auf die Männerwelt!“ rief Gus in die Runde und trank ein halbes Glas Cola-Wodka in einem Zug aus. „Skål, meine Freunde!“ kam es als Antwort von Erik.

Ruhig und gleichmäßig zog unser Schiff jetzt an der dänischen Küste vorbei und würde in etwa einer Stunde das Skagerrak erreichen. Dann wurden die Schiffsbewegungen erfahrungsgemäß etwas unruhiger. Die Lüftung in der Kabine war nicht die beste und es wurde uns langsam recht warm. „Kann man hier nicht ein bisschen Luft reinbekommen“, fragte ich. Erik stand auf und streckte sich nach den Lüftungsklappen über dem hermetisch verschlossenen Kabinenfenster. „Karl, halt mich mal fest. Bei der Schlingerei kipp ich hier gleich um“. Karl drehte sich um und umschlang Eriks Beine. „Geschafft, so müsste mehr Luft reinkommen.“


Karl lag auf seinem niedlichen Kugelbauch, hielt Eriks Beine mit geübtem Catcher-Griff fest und konnte sich vor Lachen gar nicht wieder einkriegen. „Bis die Schiffsstabilisatoren eingeschaltet sind, werde ich Dich jetzt so festhalten. Wäre doch schade, wenn eine Welle Dich vom Bett kippen würde“. Die Mischung aus Wodka, Whisky und Bier schien ihre Wirkung nicht zu verfehlen. Gus stellte sich jetzt lachend auf seinen Sessel. „Und wer hält mich fest?“, rief er auch schon etwas zu laut. Allerdings kannte ich ihn so gut, dass ich wusste, er war noch recht klar im Kopf. Erik wandte sich in den Armen von Karl, wie vor einigen Wochen sein Wrestling-Gegner. Der hatte aber im Gegensatz zu Erik ein fest anliegendes Kampf-Trikot an. Karl zog jetzt – gewollt oder ungewollt – an der schicken Kakihose und die rutsche ohne jeden Widerstand sofort bis zu den Waden hinunter. Zum Vorschein kam die uns schon bekannte grüne Badehose. „Ey, lass das! Ich kann mich allein ausziehen“, stieß Erik gespielt vorwurfsvoll hervor und tat so als wolle er sich ergeben. „Ich dachte, Du würdest Dich ordentlich wehren. Du darfst mich gern hart anfassen…“, presste Karl hervor. „Das ist unfair, Du bist mir doch haushoch überlegen“. – „Unfair wäre es, wenn ich Dir jetzt in die Eier greifen würde, oder Du mir auch meine Hose runterzögest.“ Im selben Moment hatte Erik Karls Hosenbund zu fassen gekriegt und zog so kräftig er konnte. Fast gleichzeitig griff Karl mit beiden Händen zwischen Eriks Beine. Der jaulte etwas gekünzelt auf, ergab sich aber seinem Schicksal, als er bemerkte, dass Karls schicke Hose nur noch um die Fußknöchel schlängelte und dieser mit seiner ganzen gigantischen Absonderlichkeit über ihm kniete. Karl hatte auf eine Unterhose verzichtet.


Gus hatte sich wieder gesetzt und verfolgte das Geschehen mit sichtbar wachsendem Interesse. Ich war völlig sprachlos und versuchte auch nicht mehr meine wie immer sofort sichtbare und „steife“ Reaktion zu verbergen. Aus Verlegenheit nahm ich noch einen Schluck Whisky-Cola.


Karl gab jetzt Erik frei und legte – wie ein guter Catcher halt – seinen Arm um die Schulter seines Gegners. Die grüne Badehose erfüllte ihren Zweck nun aber nicht mehr. Kräftig rosa durchblutetes Fleisch zeigte sich nun überm Bund und an beiden Schenkeln. Auch das Volumen der lilla-braunen Zitrone zwischen Karls enorm kräftigen Schenkeln hatte sich inzwischen verdreifacht.


Gus hielt offenbar diesen Anblick nicht mehr aus und riss sich förmlich T-Shirt, Hose und Slip mit einem gekonnten Griff vom Leibe. Dabei sprang sein wunderschöner Schwanz wie eine dicke Sprungfeder hervor. Im gleichen Augenblick stürzte er sich auf mich, nahm mir mein Glas aus der Hand und riss auch an meinem T-Shirt und meiner Jeans. Die war allerdings so eng, dass sie über meine Oberschenkel abgerollt werden musste. Mein Schatz hatte darin zwar Übung, brauchte aber doch ein paar Minuten. Inzwischen steckten die beiden Catcher ihre Köpfe zusammen und tuschelten etwas, das ich nicht verstand. Dann nahm Erik Karls Kopf, zog ihn ganz zu sich und küsste ihn so leidenschaftlich, dass selbst mir die Spucke weg blieb. Karl war völlig entspannt, nur seine Monster-Region schien mit jedem seiner genussvollen Grunzer an Umfang zuzunehmen.


Gus wollte sich offenbar nicht lumpen lassen und wanderte mit seiner Zunge von meinen Lippen über den Hals, den Nippeln und dem Bauchnabel zu meinem Po. Er wusste, dass seine Zunge mich dort zu einer Art Ekstase brachte. In dem Moment war ich nicht mehr Herr meiner selbst und nahm meine Umgebung kaum noch wahr. Ich schrie, leise, aber ich schrie.


Erik und Karl ließen für einen Augenblick von einander ab und schauten in unsere Richtung. „Kommt doch hier her! Hier ist Platz für vier und es ist so viel bequemer“, raunte Erik.

Die Berührung mit Karls starkem, muskulösem Po machte mich noch wahnsinniger. Erik presste seinen Unterleib noch fester an den von Karl und suchte gleichzeitig mit seiner großen, rosa Zunge meine Lippen. Ich erinnerte mich flashlightartig an meinen Traum vor einigen Wochen. Es gab zwar keine Schlingpflanzen, aber der Traum wurde wahr. An meiner Rosette spürte ich die mir ach so vertraute und geliebte Zunge und zwei ebenso vertraute Finger schoben sich ganz langsam und behutsam in meinen Anus.


Erik zu küssen war der Himmel. Seine Zunge durchforschte wieder und wieder meine gesamte Mundhöhle, bewegte sich auf und ab und war mal zärtlich vorsichtig und gleich wieder stark und fordernd. Im Gegensatz zu vielen Männern, die ich bisher kennengelernt hatte, machte Erik seine blauen Augen beim Küssen nicht zu. Da ich das auch nicht zu tun pflegte, schauten wir uns direkt an. Seine Augen sprachen so sympathisch wie seine Stimme und in ihnen spiegelte sich eine gierige Lust wieder, die aber offenbar von Karl besser befriedigt werden konnte als von mir, denn ziemlich schnell widmete er sich wieder der Körpermitte unseres Wrestlers. Er versuchte das Unmögliche, das weder Gus noch ich bisher zustande gebracht hatten. Als sich Eriks rotes Gesicht in seinem Schoß vergraben hatte, begann Karl wieder ganz leise seinen merkwürdigen Kindergesang. Auch er schwebte im siebten Himmel.


Mein Schwanz suchte einen Weg in den so wohl geformten Wrestler-Po. Karls Rosette war schon feucht und ließ mich sofort rein. In mir stieß der schönste aller Schwänze bereits rhythmisch gegen meine Prostata und in meinem Nacken kreiste die liebste aller Zungen um meinen obersten Halswirbel. So etwa stellte ich mir das schwule Paradies vor. Jetzt war die Gelegenheit zu versuchen, meinen Orgasmus vom Kopf her zu steuern. Ich wollte einfach so lange wie möglich genießen. Das gelang leider nur bedingt. Mit gewaltigen Schüben entleerte sich meine Samenblase in Karls Darm. Ich versuchte alles, es zurückzuhalten, aber vergeblich. Da mein Schwanz allerdings noch minutenlang nach dem Abspritzen hart bleibt, machte ich einfach weiter. Karls Singsang wurde lauter und irgendwie eindrücklicher. Mein Schatz hatte noch überhaupt keine Absicht, seiner Sahne freien Lauf zu lassen. Die Interwalle seiner Stöße waren mal kürzer, mal länger, hörten ganz auf, nur um schließlich wieder meinen ganzen Körper zum Zittern zu bringen. Karl gab plötzlich einen tiefen, kehligen Schrei von sich, der allerdings von Eriks schützender Hand etwas gedämpft wurde. Als Erik sein Gesicht aus Karls Schoß erhob tropfte die weiße Lustflüssigkeit von seinem Kinn, seinen Wangenknochen und seinen Lippen. Ich hatte das Bedürfnis mich in Karls behaarten Nacken festzubeißen, weil ich merkte, dass sich eventuell ein zweiter Orgasmus anbahnte. Im Rücken spürte ich den Schweiß meines Schatzes und im Darm pulsierte es heftig. Auch dort entleerte sich diese herrliche Flüssigkeit. Mein Schwanz ließ mich tatsächlich nicht im Stich. Mit einem aller letzten Stoß füllte ich Karls Darm noch einmal auf. Ich ließ auch jetzt meinen schon etwas wunden Kolben in der wohlig warmen Röhre stecken. Da Karl keine Anstalten machte, mich wegzudrücken, sondern mich festhielt um gemeinsam mit mir auf die Seite zu fallen, wollte ich erstmal auch nichts ändern. Auch der Schwanz meines Liebsten schien nicht raus zu wollen, also legte auch er sich mit uns auf die Seite. Erik nahm sein T-Shirt, um sein Gesicht abzutrocknen und vergrub dann wieder sein Gesicht zwischen Karls Schenkeln. In meiner Erinnerung sind wir alle vier tatsächlich in dieser Stellung für mindestens eine Stunde eingeschlafen. Wir hatten uns eigentlich nicht gesucht, aber wir hatten uns gefunden.


[Diese Nacht war für uns Vier der Beginn einer unzertrennlichen Freundschaft, die erst nach dreißig Jahren durch den plötzlichen und sehr tragischen Tod von Karl einen sehr traurigen Einschnitt bekam.


Karl und Erik haben am gleichen Tag in Oslo geheiratet, als Gus und ich uns im Jahr 2000 in Amsterdam das Ja-Wort gaben. Erik starb vor einem Jahr in Holmestrand. Sein Tod war für uns so unfassbar traurig, dass ich meine Geschichte jahrelang nicht weitererzählen wollte und konnte. Erst vor ein paar Wochen habe ich mich dann wieder an diese wunderschöne Zeit erinnert und mir kamen all die geilen und menschlich einmaligen Begegnungen wieder in Sinn, die ich nun doch schriftlich festhalten wollte.]


Ein Ziel vor Augen


In unserer Kabine wurde es hell. Karl und Erik schliefen noch eng umschlungen. Mein liebster spielte zärtlich mit meinen Fingern und gab mir einen zarten Kuss in den Nacken. Schade, dachte ich, jetzt haben wir die Einfahrt in den Fjord verpasst. Die Schiffsmotoren stampften gleichmäßig und ich sah leichte Wellen mit kleinen Schaumkronen gleichsam an uns vorbeiziehen. Der Himmel war grau vom Morgennebel, aber es sah aus, als ob die Sonne sich doch einen Weg bahnen konnte.


Irgendwo zwischen den Flaschen, verklebten T-Shirts, Slips und zusammengeknüllten Hosen musste meine Uhr liegen. Ich fand sie unter Eriks grüner Badehose. Es war 4:10 Uhr. Also doch noch Zeit genug, um die immer wieder wunderschöne Ankunft in meinem zweiten Heimatland mit zu erleben.


„Komm, wir ziehen uns was Warmes an und gehen an die frische Luft“, flüsterte ich Gus ins Ohr. Wir zogen anstandshalber unsere Hosen über, knöpften sie aber nicht mal zu. Ganz leise öffneten wir die Kabinentür, schauten uns kurz um und verschwanden dann in unserer „Lugar“.


„Ich muss eben ganz schnell duschen…“, sagte ich und hatte meine Jeans schon abgestreift, als Gus bemerkte:“ Die kannst du heute aber nicht anziehen“. Vom Bund bis an die Hosenbeine waren mehr oder weniger große, weiße, etwas kristallierende Flecken mit teilweise braunem Rand zu sehen. Selbst in der Innenseite konnte man diese deutlichen Lustspuren sehen. Das konnte unmöglich alles von mir sein. So weit ich erinnern konnte war doch die Sahne von uns allen Vieren im jeweiligen Körper des Geliebten geblieben. Ich fand den Anblick einfach nur sexy und überlegte schon, mich über Konventionen hinwegzusetzen, da reichte mir mein Liebster schon meine Röhrenhose.


In der winzigen Dusche war eigentlich kein Platz für zwei. Wir zwängten uns aber trotzdem rein. Das warme Wasser tat gut. Mein harter Schwanz drückte sich ganz eng an den meines Geliebten und ich versuchte ein bisschen Duschgel auf beide zu verteilen. Gus seifte meinen und seinen Po ein, wobei er mit seinen Fingern tief in mich eindrang. Ich drehte den Wasserhahn auf kalt, damit war diese intensive Art der Körperpflege sofort beendet.

Tropfend und lachend rieben wir uns gegenseitig trocken. Ich fand eine Feinrippunterhose und zwängte mich in meine Röhrenhose. T-Shirt und Pullover das musste reichen. Mein Liebster fand einen gelben Slip und schlüpfte ansonsten in seine Klamotten vom Vortag. „Zieh Dir eine Jacke an! Draußen ist es kalt. Wir sind dem Polarkreis über 1000 Kilometer näher gekommen“, feixte ich.


Auf dem Weg zum Oberdeck war außer den Maschinengeräuschen nichts zu hören. Die Menschen schliefen die Folgen ihrer Vorspiele beziehungsweise Nachspiele aus. Hier und da rollten Flaschen im Takt der Schiffsbewegungen über den Fußboden.

Auf dem Sonnendeck war ebenfalls noch niemand zu sehen. Eine recht steife Brise empfing uns und der Morgennebel hatte sich noch etwas verstärkt. Aber er lichtete sich auch immer mal wieder und ließ einen Sonnenstrahl der nordischen Sommersonne durch. Über dem Bug der Fähre kreisten mehrere Möwen. Ein untrügliches Zeichen, dass die Küste nicht mehr weit war. Gus legte seinen Arm um mich, ihm war kalt. Glücklicherweise hatte ich daran gedacht, meinen Fotoapparat mitzunehmen. Die einzigartige Morgenstimmung durch die wechselnden Lichtverhältnisse musste ich unbedingt einfangen. Die Portraits von meinem Liebsten an diesem Morgen gehören zu den besten, die ich je gemacht habe.

Wir standen Arm in Arm an der Reling und beobachteten das immer ruhiger werdende Fahrwasser, die Bugwellen und die Möwen. Schemenhaft zeichnete sich langsam ein schmaler grauer Streifen vor uns ab, der recht schnell kontrastreicher, mächtiger und dunkler wurde. Dann löste er sich wieder auf und zerfiel gleichsam in viele unterschiedlich große Flecken. Es zeichneten sich die vielen kleinen Inseln und Schären der norwegischen Südküste ab.


„Ich liebe dieses Land, wie es kiefernbewachsen und zerklüftet aufsteigt aus dem Meer…“, hinter uns hörten wir Leif eine Zeile aus der inoffiziellen Nationalhymne Norwegens (eine offizielle gibt es nicht) zitieren. Er war nicht allein. Ein junges, nach meinem Gefühl zu leicht bekleidetes, Mädchen schlang seinen Arm um seinen knackigen Po. Vermutlich der letzte Gast des Nachspiels.


„Wo sind denn Eure beiden Kameraden?“, fragte er merkwürdig scheinheilig. In Anbetracht seiner Begleiterin antwortete ich möglichst kurz und bemühte mich uninteressiert zu wirken. „Keine Ahnung, die beiden schlafen wohl noch“. „Na hoffentlich waren sie gestern Abend nicht noch auf der Fete in der Lounge. Da war ja offenbar der Bär los. Einige von den Leuten liegen immer noch besoffen in den Ecken. Da hatten wir es gemütlicher, nicht wahr?“, wandte er sich an seine blonde Begleitung. Die schaute verschämt weg. Weder Gus noch ich hatten Lust das zu kommentieren. „Erik ist allerdings kein Kostverächter, vielleicht hat er ja noch eine Dame in der Bar getroffen“. Dass Erik, Karl, Gus und ich den Abend gemeinsam verbracht haben könnten, und nur er nicht dabei gewesen war, kam ihm nicht in den Sinn. „Das glaube ich definitiv nicht…“, kam es trocken aber bestimmt von Gus.

„Einen wunderschönen Guten Morgen, meine Freunde!“, rief eine wohl bekannte Stimme von hinten. Erik und Karl kamen wie zwei Sirtaki Tänzer etwas tänzelnd und eher wankend angeschlendert. Sie alberten und lachten, als ob sie betrunken seien. „Wir wollten nur mal eben sehen, wo Ihr Euch rumtreibt und ob meine Heimat uns schon willkommen heißt“. Beide kamen direkt zu uns herüber. Erik löste sich von Karl, nahm erst Gus und dann mich in den Arm und gab uns einen Kuss auf die Backe. Karl tat es ihm nach, versagte sich aber den Kuss. Erik legte wieder seinen Arm um Karl und der seinen um mich. So standen wir Vier dort und taten so, als starrten wir in den Nebel in Erwartung des Leuchtturms Færder Fyr. Erik flüsterte fast unhörbar: “Bitte spielt das Spiel jetzt mit, dann kann ich sicher sein, dass Leif ‚seine Geschichte‘ brühwarm Karin erzählen wird. So gibt’s zuhause einen theatralischen Abgang und ich erspar mir lange Auseinandersetzungen“. Gus schmunzelte und kuschelte sich demonstrativ näher an mich an.


Leif und seine Abendbekanntschaft standen etwas unschlüssig an einen Windschutz gelehnt und kamen wohl schließlich zu dem Schluss, dass sie hier überflüssig wären und waren plötzlich verschwunden. „Wir stehen nicht mehr unter Beobachtung“, verkündete ich. „Na, dann können wir uns ja endlich einen ‚richtigen‘ Guten Morgen wünschen. Erik umfasste uns alle, um jedem noch einmal einen richtig intensiven und herzlichen Kuss auf den Mund zu geben. „So Jungs, jetzt geht’s mir richtig gut… so gut wie schon ewig nicht mehr. Ich erreiche gemeinsam mit den liebsten Männern, die ich seit langem getroffen habe, meine geliebte Heimat. Ich habe in meinem Arm einen Mann, den ich nie wieder loslassen möchte und ich habe mich endlich befreit. Was kann es Schöneres geben?“. Karl versuchte zu verbergen, dass er feuchte Augen bekommen hatte und schaute verzückt und ungeheuer sanft Erik direkt in die Augen. „Möchtest Du das wirklich?“. „Aber ja, mein kleiner Catcher. Dich habe ich gesucht und Dich habe ich gefunden“. Wenn Karls Augen schon feucht geworden waren, die dicken Tränen liefen jetzt über Eriks Wangen. Sie fielen sich um den Hals und küssten sich so stürmisch, dass ihnen Færder Fyr entgangen wäre, wenn ich sie nicht aufmerksam gemacht hätte. Beide schauten jetzt ziemlich verheult aber glücklich in Richtung eines Lichtstrahls, der in kurzen Abständen immer wieder über das Wasser strich und den Nebel deutlich durchbrach. Die Emotionen ließen mich nicht kalt und ich hatte das Bedürfnis meinen Liebsten auch ganz fest in den Arm zu nehmen. „Willkommen in meiner zweiten Heimat! Dass ich Dich nicht wieder loslassen möchte weiß Du, aber dass ich Dich unsagbar liebe, habe ich Dir bisher nur gezeigt aber nicht gesagt. Ich liebe Dich!“. „ Und ich Dich erst. Du bist mein Alles“. Jetzt heulten auch wir beide und hielten uns fast noch fester als morgens in der Dusche.


Um uns herum standen jetzt einige Leute und versuchten krampfhaft nicht zu uns herüber zu schauen. Man merkte deutlich, dass es ihnen schwer viel, sich zwischen Naturschauspiel und vermeintlichem Skandal zu entscheiden. Um die Situation etwas zu entschärfen, nahm ich meinen Fotoapparat in die Hand und machte eine Serie von Bildern sowohl von uns, den Leuten und der sich nähernden Küste. Unter unseren Beobachtern wuchs jetzt die Verunsicherung und man begann zu tuscheln. Man sprach Deutsch. Einige Männer nahmen ihre Frauen an die Hand und zogen sie zur anderen Seite des Decks. Andere konnten es nicht lassen, immer mal wieder einen Seitenblick zu uns zu riskieren, taten aber natürlich völlig unbeteiligt und desinteressiert. Erik zog Karl noch fester an sich und amüsierte sich sichtlich. Gus war drauf und dran, eine laute Bemerkung zu machen, aber ich konnte ihn gerade noch rechtzeitig stoppen, bevor sein üblicher Sarkasmus aus ihm herausbrach.


Links und rechts waren jetzt schon einige Felsen zum Greifen nah, dazwischen wie angeklebt kleine rote und weiße Holzhäuser, manchmal ein paar Büsche oder Heide, kaum ein Baum, sonst nichts.


Die Fahrt der „Kronprinz Harald“ wurde langsamer und man hatte den Eindruck, das Schiff glitt nur noch durch das spiegelblanke grün-blaue Fahrwasser. Die Felsen kamen der Reling immer näher. Jetzt sahen wir auch die ersten Leute, die sich auf ihren Bootsstegen zu schaffen machten, Kinder, die in rotem Ölzeug in kleinen Jollen standen und Angeln auswarfen und auch den ein oder anderen Volvo Amazon, der so scharf an der Klippe geparkt war, dass er eigentlich jeden Moment hätte abstürzen müssen. Hin und wieder ertönte ein Signal unseres Schiffes und einige Menschen unterbrachen kurz ihre Tätigkeit und winkten zu uns herüber.


Gus und Karl konnten sich gar nicht satt sehen. Erik rief mir zu:“ Wollen wir frühstücken?“. „Ja gern“, rief ich zurück. „Och, lasst uns doch noch ein bisschen schauen“, riefen Karl und Gus wie aus einem Munde. Es war inzwischen fast sechs Uhr und unser Schiff sollte gegen neun in Oslo anlegen, also noch Zeit genug, um sich in der Cafeteria zu stärken. „Macht was Ihr wollt, mir wird kalt und ich habe Hunger“, rief ich zurück. „Ich auch!“, kam es von Erik. Also ließen wir die beiden allein und machten uns auf den Weg zu Deck sechs, wo Wärme, Kaffee und „rundstykker“ auf uns warteten.


Als wir vor unseren großen dampfenden Kaffeetassen saßen, fragte Erik:“ Sag mal, ist es für Dich schon mal ein Problem gewesen schwul zu sein?“ Ich antwortete lachend mit einem Satz aus einem Witz, den man in Bergen Touristen gern erzählte [Ein kleiner Junge sitzt dort im strömenden Regen im Rinnstein und spielt. Kommt ein amerikanischer Tourist vorbei und fragt ihn: „Sag mal mein Junge, regnet es hier in Bergen immer so viel? Darauf der Junge:“ Wie soll ich das wissen, ich bin doch erst sechs“.]: „Wie soll ich das wissen, ich bin doch erst 19“. Erik prustete vor Lachen und hätte sich beinahe den heißen Kaffee über die Hose gegossen. „Nein, aber mal im Ernst, in Deutschland sind die Leute doch recht konservativ, und es wird so schrecklich viel hinter dem Rücken geredet. „Stimmt“, gab ich zu. „Aber Vatern hat mal gesagt, ich sollte mir immer vorstellen, dass die Probleme der Leute, die so reden auf jeden Fall größer seien als meine. Und… ich sollte mein Verhalten niemals auf Grund von Meinungen ändern, die man mir nicht direkt ins Gesicht gesagt hat“. „Mir scheint, Dein Vater ist viel mehr Norweger als Deutscher. Aber Du weißt ja auch, dass es hier nicht überall so harmonisch zugeht wie das, was wir eben an ‚Sørlandskysten‘ gesehen haben“. Ich nickte. Erik schaute mich sehr ernst an: „ Ich bin mir sicher, dass meine Freundin ein riesiges Theater machen wird, wenn sich erstmal rumgesprochen hat, dass ich mit Karl zusammen sein möchte und eigentlich für Frauen überhaupt nichts übrig habe. Sie hat viele Bekannte und Freunde aus ihrem kirchlichen Milieu, die recht fanatisch sind und – sehr gegen ihre christlichen Werte – auch fürchterlich hassen können. Also muss ich damit rechnen, dass einige Leute in Holmestrand nicht mehr mit mir reden werden“. Erik wirkte traurig aber gleichzeitig auch sehr entspannt. „Ich denke, ich werde Karl fragen, ob er mit mir nach Oslo ziehen möchte. Glaubst Du, er würde das machen?“. „Ich weiß nicht, ich kenne ihn viel zu kurz. Er ist ja auch erst seit zwei Jahren Bürovorsteher bei Vatern. Aber der hält große Stücke auf ihn und würde ihn bestimmt nicht gern gehen lassen.“ „ Aber ich fürchte, ich werde es ohne ihn nicht mehr aushalten. Ich weiß, dass ich das nach einem Nachmittag und einer Nacht nicht sagen sollte. Aber Ihr habt im Deutschen so einen herrlichen Ausdruck ‚verknallt‘… Ja, ich bin verknallt… und das hat nun bestimmt nichts mit seinem ungewöhnlichen Vermehrungsorgan zu tun“. Erik war nun wieder fröhlich und zwinkerte mir lachend zu.


In diesem Augenblick kamen Gus und Karl in tiefem, aber offenbar sehr lustigem, Gespräch vertieft an unseren Tisch. „Na Ihr beiden, habt Ihr Euch aufgewärmt?“, ob Gus das nun ironisch meinte, konnte ich auf der Stelle nicht rausfinden. Karl ging hinter den Stuhl seines Geliebten und griff mit zwei Fingern in seinen Nacken, so dass dieser einen Schmerzensschrei ausstieß, und wir wieder einmal die Blicke einiger Moralisten auf uns zogen. Vermutlich waren da sogar einige dabei, die am frühen Morgen schon bei unserem Anblick vor Scham erschauert waren.


„Jungs, wie sind Eure weiteren Pläne?“, fragte Erik in die Runde. „Wo werdet Ihr eigentlich übernachten, und wann treffen wir uns zur Besichtigung unserer Firma?“. „Ich hoffe, mein Vetter holt uns ab. Ich habe mit Tante und Onkel vereinbart, dass wir bei Ihnen auf dem Hof ‚mein‘ Zimmer beziehen dürfen. Da ich dort quasi zuhause bin, war das für uns das Nächstliegendste. Mein Vetter hat versprochen, dass wir sein Auto leihen dürfen. Wir sind also mobil und können jederzeit nach Oslo kommen“. – „Ich wollte mir eigentlich ein Hotel in Oslo suchen und dann von dort aus Ausflüge machen… jetzt sagt aber Erik…“. Erik fiel Karl ins Wort: „Kommt gar nicht in Frage, Du wohnst bei mir. Von Holmestrand aus kannst Du beziehungsweise wir auch wunderbare Ausflüge machen. Ich denke, wenn Du ganz lieb fragst, werden Dich diese beiden Kameraden hier auch mit in die ‚Tigerstadt‘ (so nennen manche Norweger ihre Hauptstadt) nehmen“. Er lachte und sah uns aufmunternd an. „Ja, das passt gut und ist überhaupt kein Problem. Wir kommen morgen Vormittag zu Dir Erik und fahren dann gemeinsam nach Oslo“. „Gute Idee, ich fahre allerdings morgen schon ganz früh in die Firma. Ihr drei könnt dann ausschlafen und kommt später nach“. „Und heute fahren wir alle gemeinsam mit meinem Vetter. Er hat bequem Platz für uns alle in seinem Auto und muss ja sowieso durch Holmestrand fahren“, legte ich fest, ohne mit meinem Vetter Tore darüber gesprochen zu haben. Aber Tore war ein hilfsbereiter und netter Mann und würde so etwas niemals ablehnen. „Das hört sich ja alles prima an“, grunzte Gus.


Zufrieden mit uns selbst und unserer Entschlusskraft erklommen wir wieder die Treppen zum Sonnen-Deck, das seinen Namen inzwischen durchaus verdiente. Ein dunkelblauer Himmel strahlte uns entgegen und es war schon wesentlich wärmer geworden. Gerade erschallte eine Durchsage von der Brücke, dass die Fähre jetzt die engste Stelle des Oslofjords passieren würde und linkerhand die Festung Oscarsborg zu sehen sei, von der aus am 9. April 1940 mit einem einzigen Kanonenschuss das deutsche Kriegsschiff Blücher mit Mann und Maus versenkt wurde. Im Übrigen würden wir in etwa zwei Stunden in Oslo anlegen.


Karl knipste jetzt wie im Rausch und sah so glücklich aus, wie ich ihn bisher noch nicht gesehen hatte. Die Passagiere drängten sich so sehr an Backbord, dass man befürchten musste, sie könnte jeden Moment das Schicksal der Blücher teilen und mit Schlagseite im 300 Meter tiefen, eiskalten, aber glasklaren Wasser versinken. Die Meerenge bei Drøbak ist tatsächlich so eng, dass sich zwei Schiffen unserer Größenordnung nicht begegnen dürfen. Dementsprechend groß ist das Ah und Oh bei den ausländischen Passagieren, wenn die schwarzen Felsen so nahe kommen, dass man meint sie anfassen zu können.


Schließlich tauchten in der Ferne die zwei Türme des charakteristischen, quaderförmigen, dunkelroten Osloer Rathauses auf. Wir hielten direkt darauf zu und es wurde gleichsam von Minute zu Minute größer. An Steuerbord erhob sich „Akershus Festning“, die dominierende Festungsanlage aus der Zeit als Oslo noch Christiania hieß. An den darunter liegenden Kaianlagen sollte die Kronprinz Harald festmachen.


Als wir die Gangway hinunter stiegen, sah ich Tore schon von weitem. Er stand etwas abseits des geschäftigen Treibens an eines der braunen Lagerhäuser gelehnt. Tore hatte sich in all den Jahren nicht verändert. Er war ein Jahr älter als ich und sah aus wie vierzehn. Allerdings im Gegensatz zu mir war er ein einziges strammes Muskelpaket. Von klein auf hatte er in der Landwirtschaft gearbeitet, daher war das sicher kein Wunder. Er hatte scheinbar keine Zeit gehabt sich umzuziehen. Sein grüner Overall war mit Dieselöl verschmiert und seine Schiebermütze wies ihn als typischen norwegischen Bauern aus. Er strahlte als er mich sah und kam auf uns zu. „Velkommen tilbake, lenge siden sist, det var kjempe hyggelig å se deg!“ Er umarmte mich und wandte sich dann den anderen zu. Jedem reichte er artig die völlig verschmutzte Hand, bis er plötzlich stutze, als er Erik sah. „Hei Erik, hva i all verden…?“. Erik war wohl ebenso verdutzt und sagte (ich gebe es der Einfachheit halber auf Deutsch wieder):“ Na, das ist ja ein Zufall…das hätte Walter ja auch gleich sagen können, dass du DER Tore bist…“, dabei wollte er sich ausschütten vor Lachen. „Ihr müsst wissen, Tore ist mit meiner Schwester Anneline zusammen auf die Landwirtschaftsschule in Ås gegangen und bei uns zu Hause waren dann immer die großen ‚Bauern-Feten‘. Tja, unser Land ist klein“, wandte er sich zu Karl und Gus. „Das glaube ich jetzt wirklich auch. Schon der zweite Bekannte von Erik innerhalb nur weniger Stunden“, antwortete Gus etwas ungläubig. „Wieso, wen hast Du denn noch getroffen?“. „ Leif A., Du weißt schon, der von Bekkelaget“. „Ach so, der ja. Ich weiß, wer das ist… die Plaudertasche“. „Genau der“, nickte Erik. „So, nun lass mich Dir aber erstmal ordentlich meine beiden Freunde Karl und Gus vorstellen“, mischte ich mich ein. „Von Gus habe ich Dir ja schon am Telefon berichtet und Karl hatte Lust uns zu begleiten, um eine Fotoserie über Land und Leute zu machen. Na ja, und Erik war so nett ihn zu sich einzuladen“. „Typisch Erik, immer hilfsbereit und freundlich, “ lachte Tore. „Dein Vater sagte, Ihr wollt in die Blumenbranche einsteigen?“ „Ja, vielleicht. Wir haben italienische Freunde, die einen Blumengroßhandel haben und gerne mit Norwegen ins Geschäft kommen würden“. „Gar nicht dumm. Ich denke da gibt es sehr gute Zukunftsaussichten. Auch wenn unser Land heute noch nicht sehr wohlhabend ist, kann sich das in wenigen Jahren ändern, denn es gibt Gerüchte, dass man draußen in der Nordsee Erdöl gefunden hat. Denkt Euch mal, was sich die Leute dann schon in einigen Jahren alles kaufen werden… bestimmt auch Blumen“. So wie Tore es sagte, klang es nicht besonders überzeugt. Er, seine Schwestern und Onkel Odd und Tante Rita würde ihr Geld wohl nie für so etwas in ihren Augen ‚Unnützes‘ wie Schnittblumen ausgeben. Dabei muss man bedenken, dass eine einzelne Rose damals im Blumenladen in Oslo umgerechnet etwa 10 D-Mark kostete.


„Lasst uns aufbrechen, ich habe noch viel zu tun. Der ‚Grüne‘ ist kaputt (Ein uralter Traktor, den ich noch aus Kindertagen kannte.) und Mutter wartet mit dem Mittagessen. Ihr habt doch sicher Hunger?“ Dazu muss man wissen, dass auf dem Lande in Norwegen von jeher bereits mittags um 11 Uhr gegessen wurde. „Erik und Karl wollt Ihr gleich mitkommen, oder soll ich erst bei Dir zuhause vorbeifahren?“ „Nein, wirklich danke, aber Du fährst doch fast direkt bei mir vorbei und der Kaufmann ist gleich um die Ecke. Wir kommen schon klar“. „Dann müsst Ihr beide aber zum Abendessen vorbeikommen. Mutter wäre sonst beleidigt. Du weißt doch, sie mag Dich sehr“. Erik schaute kurz zu Karl rüber, als der nickte, bedankte Erik sich und sagte zu.


Im Vergleich zu Hannover, Hamburg oder sogar meiner Heimatstadt war der Verkehr in Oslo eher gering. Am Rathausplatz mussten wir ein paar Minuten warten, weil ein Güterzug quer über den Platz fahren musste. Ein Mann mit roter Fahne ersetzte Schranke oder Ampel. Der Zug fuhr auf einem Gleis, das aus dem Hafen kam und die einzige Schienenverbindung zwischen dem Ost- und dem Westbahnhof darstellte [Wer Oslo heute kennt, kann sich das kaum noch vorstellen.].


Die 60-Kilometer-Fahrt nach Holmestrand war gemütlich und wir hatten viel Zeit zum Erzählen. Ich saß vorne neben Tore und die drei anderen genossen sichtlich die Enge der Rückbank, obwohl die beim Volvo schon recht großzügig bemessen war. Erik übernahm die Rolle des Reiseführers hatte dabei immer die Hand im Schoß von Karl liegen.


Wir passierten die Brücke in Drammen, durchfuhren die zahlreichen Tunnel der E 18 bis wir vor uns wieder den Oslofjord in seiner ganzen Breite sahen. Gleich hinter dem Ortseingang von Holmestrand bogen wir nach rechts ab, um einer steilen, engen Bergstraße zu folgen, die sich an ihrem Ende zu einer Wohnsiedlung aus Mehr- und Einfamilienhäusern hoch über dem Ort öffnete. Hinter einem kleinen Kolonialwaren-Laden [so heißen diese kleinen Lebensmittelläden zum Teil heute noch] bogen wir links ab und hielten vor einem großen weißen Holzhaus aus der Jahrhundertwende mit rotem Satteldach und weißem Gartenzaun. „Hier wohnst Du?“, kam es halb staunend, halb ungläubig von Karl. „Ja, das ist mein Elternhaus. Nach ihrem Tod haben Anneline und ich es geerbt, allerdings kommt meine Schwester nur selten mal vorbei. Wir haben vereinbart, dass der, der zuerst Kinder bekommt, den anderen auszahlen muss und dann hier wohnen kann“.


Tore hatte schon Eriks Rucksack, seine beiden Tax-free-Beutel und Karls Koffer an die Gartenpforte gestellt. „Dann bis heute Abend“. Wir verabschiedeten uns nur kurz und fuhren dann in westlicher Richtung weiter.


Jetzt wurde die Landschaft weiter und sah ein bisschen aus wie bei uns in Niedersachsen. Eingestreut in die Felder lagen größere Bauernhöfe und direkt an der Straße standen hin und wieder kleinere Ansammlungen von Einfamilienhäusern. Schließlich bog Tore in einen Feldweg ein, der schnurgerade auf den Hof ‚Bekketangen‘, also den Hof seiner Eltern zuführte.


Die Begrüßung durch Tante und Onkel waren überwältigend herzlich. Auf dem großen Küchentisch stand schon alles bereit fürs Mittagessen. Gus wurde von Tante Rita gleich an die Hand genommen und durchs Haus geführt, während Onkel Odd mir die neuesten Geschichten aus der Nachbarschaft erzählen musste. Tore sprach draußen mit einem jungen Mann, den ich noch nicht kannte. Auch er hatte einen grünen Overall an, das schöne ebenmäßige Gesicht war mit undefinierbarem Dreck verschmiert. Er hatte strohblonde, sehr gut und kurz geschnittene Haare.


Als die beiden dann in die Küche kamen, stellte Tore uns vor: „Bjørn, mein Vetter Walter aus Deutschland“. „Bjørn hilft uns seit einigen Monaten auf dem Hof und wird in zwei Jahren in Oslo studieren. Zwischendurch muss er noch zum Militär, wozu er eigentlich keine Lust hat, als überzeugter Pazifist… na ja, da habt Ihr beide ja was gemeinsam“, warf Tore eher leise und zu sich selbst sprechend ein. „Komm Bjørn, setz Dich neben Walter, dann kannst Du Dein Deutsch verbessern“, sagte er mit einem ironischen Unterton aber lachend. Als Bjørn sich neben mich auf die Küchenbank zwängte, bemerkte ich, dass er offenbar eine sehr schlecht sitzende Unterhose und sonst nichts unter seiner Arbeitskluft trug. Der Anzug sollte eigentlich in der Hüfte von jeweils vier Knöpfen zusammengehalten werden, allerdings fehlten auf jeder Seite zwei. So war der fast ungehinderte Blick auf einen markanten Pobackenansatz und die zwar dunkle aber vielversprechende Schwanzregion möglich. Ich musste mich schwer zusammenreißen, nicht dauernd meinen Blick seitwärts unter den Tisch zu lenken. Bjørn schien die Enge und Nähe zu mir überhaupt nicht zu stören. Er grinste mich an und sagte:“ Mein Deutsch ist nicht gut, aber ich verstehe alles… vor allem die Zeichensprache“. Dabei lachte er ein warmes und für einen Siebzehnjährigen sehr tiefes Lachen.


Gus und Tante Rita tauchten ins Gespräch vertieft von ihrem Rundgang wieder auf. Sie schienen sich beide auf Anhieb gut zu verstehen. Gus registrierte das neue Gesicht am Tisch und streckte ihm über den Tisch die Hand entgegen:“ Ich bin Gus der Freund von Walter“. Bjørn ergriff sofort die Hand und schien so fest zuzudrücken, dass ich meinte, im Gesicht meines Liebsten ein leichtes schmerzvolles Zucken zu bemerken. „So Kinder, greift zu!“ Tante Rita verteilte bereits das Brot, als Onkel Odd noch hinzufügte: „Vell bekomme!“. Gus und Bjørn saßen sich gegenüber und mein Schatz schien das Gesicht genauso faszinierend zu finden wie ich. Bei fast jedem zweiten Biss trafen sich jedenfalls ihre Blicke. Was aber für mich noch viel beeindruckender war, war die Tatsache, dass sich der Einblick in den Overall immer mal wieder vergrößerte und dann wieder schmaler wurde. Ich hatte dafür vorerst keine Erklärung und unter dem Tisch war es einfach zu dunkel für eine nähere Untersuchung des Phänomens.


Als alle gesättigt zu sein schienen, sagte ich in Richtung Tante Rita das nach norwegischer Sitte übliche „Takk for maten“ (Danke fürs Essen) und alle erhoben sich. Bei meinem Nachbarn machte ich in diesem Moment eine erstaunliche Entdeckung. Der weit geschnittenen Overallhose fehlten auch am Hosenstall zwei Knöpfe und für einen winzigen Moment hatte ich den Eindruck, ein prachtvoll fleischiges und extrem gut durchblutetes Teil hinter den Löchern auszumachen.

Tante Rita und Onkel Odd würden jetzt ihre „fünf Minuten nehmen“. Das war so Tradition seit ich hier das erste Mal zu Gast war. Tore wollte seinen alten Traktor reparieren und Bjørn hatte noch eine Stunde frei (die Arbeitszeitregeln werden in Norwegen penibel eingehalten). Ich schlug vor, dass wir unsere Sachen in „meinem“ Zimmer einräumen sollten und dann vielleicht einen Spaziergang zum See machen könnten. Eigentlich nur ein kleiner Tümpel, aber mit einem kleinen Wald darum herum noch zum Hof gehörig. Ein wunderschöner Ort zum Angeln und manchmal auch zum Baden.


„Mein Zimmer“ war das erste von dreien, die hinter einander oben in der ersten Etage lagen. Onkel Odd hatte einen ehemals großen Raum dreimal geteilt, nachdem er Platz für drei Kinder benötigte. Meine Kusinen Else und Helene waren inzwischen aus dem Haus, so dass die drei Zimmer entweder für Gäste oder Hilfskräfte auf dem Hof genutzt wurden. Pragmatisch wie Onkel Odd war, hatte er ein kleines Bad mit Dusche extra für die Kinder in der Mitte mit eingebaut. Einziger Nachteil der Lösung, es gab gleichsam in jedem Zimmer Durchgangsverkehr. Irgendjemand musste immer irgendwann mal bei dem anderen durchlaufen. Das letzte Zimmer bewohnte Bjørn.


Die Sonne schien von einem dunkelblauen Mittagshimmel und es lag eine unbeschreibliche Ruhe über dem Hof und den Feldern. Lediglich aus der Scheune hörte man leise Hammerschläge. Tore reparierte offenbar den „Grünen“.


Wir wanderten am Ackerrand eines Steckrübenfeldes auf einen Waldrand zu, der sich über mehrere hundert Meter vor uns erstreckte. Ich zeigte hinüber:“ Dort hinter dem Wald ist der See“. Für den Fall, dass das Wasser nicht zu kalt war, hatten wir Handtücher und Badehosen mitgenommen. Gus schaute sich um und atmete tief durch die Nase ein. „Das ist herrlich hier…die Luft ist so klar und sauber“. „Stimmt, und man hört fast nichts außer seinem eigenen Herzschlag“, antwortete ich.


Als Kind war ich erstaunt, dass man hier draußen nie einen fremden Menschen traf. Wenn einem jemand begegnete, dann kannte man das Gesicht. Eine Welt, die es so eigentlich nur in den Erzählungen von Astrid Lindgren gab.


Als wir die erste Baumreihe des Waldes erreichten, blieb Gus stehen und fragte:“ Gehen hier viele Leute zum Baden hin?“, „niemand außer unserer Familie und unseren Freunden. Es gibt ja keinen Weg hierher und die Nachbarn aus der Umgebung sind fast alle alt, gebrechlich oder am Angeln und Baden nicht interessiert.


Zwischen zwei Birken sah man das Wasser dunkelgrün schimmern, und wer ihn kannte, fand genau hier einen ganz schmalen Trampelpfad, der sich durch die Büsche und Bäume schlängelte. Ich ging vor und Gus folgte mir mit einigem Abstand. Der Untergrund bestand zum Teil aus moosbewachsenen Felsen und kleineren Flecken Waldbodens. Gus stolperte manchmal, denn er war nicht gewohnt in einem solchen Gelände zu wandern. Plötzlich blieb er stehen und raunte mir ein „Psssst…“ zu, während er mit ausgestrecktem Arm in Richtung Wasser zeigte. Dort bewegte sich etwas Helles. Es tauchte auf und verschwand wieder. Leise bewegte ich mich etwas nach vorn um besser sehen zu können. Dort unten lag Björn auf dem Rücken im Gras. Er hatte ein Buch in der Hand, ansonsten war er nackt. Hin und wieder hob er seinen Oberkörper um sich gleich wieder zurückzulehnen. Mit der einen Hand hielt er das Buch, die andere lag im Schritt und schlug in kurzen Abständen gegen einen dicken, nicht ganz steifen Schwanz. Ich zog mich etwas zurück und bedeutet Gus, dass wir uns bemerkbar machen sollten.


Ich trat bewusst auf einige Äste am Boden, so dass sie laut knackten und begann eine belanglose, laute Unterhaltung mit Gus. Erschrocken blickte Bjørn sich um, ohne uns sofort zu entdecken. Er schnappte sich seinen Overall und legte ihn wie zufällig über seine Körpermitte. Als wir uns näherten, bemerkte er trocken und völlig entspannt:“ Ah ja, ich vergaß, Du kennst Dich ja hier aus. Entschuldigt, ich hatte nicht damit gerechnet, dass jemand kommen würde. Ich liege hier gern und mache meine Mittagspause“. „Ist ja auch ein wunderschöner Platz“, antwortete ich. „Wollt Ihr baden?“ – „ Mal schauen, wie kalt das Wasser ist“, grinste ich. „Och, ganz brauchbar… ein paar Züge bringen einen nicht um und anschließend kann man sich ja in der Sonne wieder aufwärmen“. „Na, ich weiß nicht, ob ich mir das antun werde…“, sagte Gus und tat so, als klappere er jetzt schon mit den Zähnen.

„Ich mach’s Euch vor und Ihr macht’s nach“. Bjørn sprang auf und gleich darauf mit einem eleganten Kopfsprung ins Wasser. Circa fünfzehn Zentimeter recht fleischigem, klassisch schön geformter Schwanz bewegten sich beim Laufen auf und ab, waren aber ganz entspannt. Bjørn warf seine Arme in die Luft und spuckte etwas Wasser aus, dann rief er uns zu:“ Jetzt seid Ihr dran… keine Angst, es ist nicht kalt“. Gleich darauf tauchte er wieder unter.


Ich schmiss Hose, Slip und T-Shirt auf mein Handtuch, überlegte kurz, ob die Badehose notwendig wäre, beließ es aber bei der puren Nacktheit. Kurz steckte ich den Finger ins Wasser und ließ mich dann einfach fallen. Unmittelbar neben mir tauchte Bjørn wieder auf: „Na, dein Freund traut wohl norwegischen Gewässern nicht?“, lachte und verschwand wieder unter der Wasseroberfläche. Im selben Augenblick meinte ich etwas Weiches an meinem Po zu spüren, aber als ich danach griff, war es fort. Gus näherte sich dem Wasser auf Zehenspitzen und ließ sich schließlich ganz langsam in den See gleiten. Er machte einige ruhige, gleichmäßige Züge und sein schöner runder Po tauchte rhythmisch auf und wieder unter. Bjørn stellte sich ihm einige Meter weiter entfernt in den Weg. Dort war es so flach, dass er nur bis zu den Knien umspült wurde. Gus merkte, dass es flacher wurde und war quasi gezwungen direkt vor Bjørns Füßen aufzutauchen. Beide standen sich jetzt in ihrer ganzen Pracht gegenüber und lachten sich an. „Gut, dass Du mich davor bewahrt hast auf Grund zu laufen“, alberte er und schlug aufs Wasser, damit Bjørn ordentlich nass wurde. Der tat so, als wolle er sich auf Gus stürzen, um sich fürchterlich zu rächen, beließ es aber bei einer Handvoll Wasser und kam in drei Zügen wieder zu mir rüber und stieg dann gleich in wenigen Schritten ans Ufer und zu seinem Overall. „Hast Du kein Handtuch?“, rief ich ihm fragend zu. „ Nein, macht aber nichts. Ich trockne in der Sonne“. – „Nimm meins!“ rief ich zurück. Aber er streifte lediglich das Wasser ab, fasste sich beiläufig in den Schritt und tat so, als trockne er den Schwanz mit der Hand. Er schaute lange an sich herab und strich dann noch mehrfach mit der Handfläche über sein wirklich schön geformtes Teil. Das schien sogar schon an Volumen zuzunehmen. Allerdings drehte Bjørn sich jetzt weg und schmiss sich mit kühnem Schwung auf seinen Overall am Boden.

Gus fror jetzt wirklich und lief mit leicht blauen Lippen zu seinem Handtuch. Ich tauchte noch einmal unter und tat es ihm gleich. Bjørn sah auf und blinzelte in die Sonne: „ Wohnt Ihr beide zusammen?“, fragte er unvermittelt. „Nur für ein paar Wochen, dann muss Gus wieder nach Genua, um sein Studien-Semester abzuschließen. Danach könnte es sein, dass wir uns eine gemeinsame Wohnung suchen.“ – „Aha, dann habt Ihr beide also keine Freundin?“ resümierte Bjørn mehr oder weniger logisch. „Ich auch nicht…“. Er drehte sich auf die Seite und schloss die Augen. Ob er tatsächlich schlafen oder nur einem weiteren Gespräch entgehen wollte, war mir nicht ganz klar. Gus lag ihm zugewandt und beobachtete ihn genau. Ich genoss den Anblick seines kleinen Pos, an dem sich ein goldener Flaum blonder Haar zu bilden begann.


Schon wenige Minuten später öffnete Bjørn die Augen wieder, sprang auf und verkündete: „So, ich muss wieder arbeiten, vielleicht sehen wir uns beim Abendbrot“. Es schien ihm überhaupt nichts auszumachen, dass sich sein Kolben auf fast zwanzig Zentimeter verlängert, beträchtlich an Umfang zugenommen hatte und nun fast waagerecht abstand. Als ob er alle Zeit der Welt hätte, streifte er seinen Overall über, der jetzt noch sexyer wirkte. Beiläufig meinte er mit gesenktem Kopf: „Entschuldigt bitte, aber das passiert mir häufig, wenn ich in der Sonne liege…“. Eine Feststellung deren Logik sich mir wieder nicht erschloss, aber ich fand es bemerkenswert, dass er seine Erregung überhaupt erwähnte. Alle meine Freunde in dem Alter, wären knallrot geworden und hätten versucht, ihre „Pracht“ zu verbergen. Weder Gus noch ich gingen auf seine Bemerkung ein und riefen ihm lediglich hinterher: „Bis heute Abend“. Sein Buch hatte er allerdings im Gras vergessen. Ich nahm es auf und las den Titel: ‚Vi som føler annerledes – homoseksualiteten og samfunnet av Finn Grodal’ (Das erste Buch über Homosexualität, dass 1957 in norwegischer Sprache erschien. Grodal war das Pseudonym des Verfassers Øivind Eckhoff). „Aha“, dachte ich, „der Junge ist auf der Suche nach Information“. Ich erklärte Gus den Titel. Der zuckte mit den Schultern und meinte:“ Das sagt noch gar nichts“. Ich legte meinen Arm um meinen Liebsten und genoss seine Körperwärme.


Tante Rita hatte den großen Esstisch im Esszimmer gedeckt. Es war für sie normal, dass immer wieder Besuch auf den Hof kam, der dann wie selbstverständlich auch bewirtet wurde. Tore und Onkel Odd hatten geduscht und sich umgezogen. Von Bjørn war noch nichts zu sehen. Als ich das vergessene Buch in seinem Zimmer auf das Bett gelegt hatte, deutete nichts darauf hin, dass er schon dort gewesen war.


Karl und Erik kamen in einem grauen VW-Käfer den langen, geraden Zufahrtsweg zum Hof heraufgefahren, gerade als Tante Rite bereits die Kartoffeln zum zweiten Mal aus dem Backofen genommen hatte, wo sie bereits seit geraumer Zeit zum Warmhalten verbracht hatten.


Bei Tante Rita und Onkel Odd galt immer das Prinzip: Deine Freunde sind auch unsere Freunde. Tore und seine Schwestern hatten schon früh begonnen, ihre Freundinnen und Freunde aus der Schule, dem Sportverein oder von den Pfadfindern mit nach Hause zu bringen. Alle wurden wie selbstverständlich aufgenommen und natürlich bewirtet.

Erik klopfte nur kurz an der nicht verschlossenen Haustür und kam unter großem Hallo mit Karl an seiner Seite sofort in die Küche. Karl war etwas zurückhaltender, begrüßte aber alle Anwesenden mit Handschlag und stellte sich selbst auf Deutsch vor. Dann hielt er einen Augenblick inne, schien sich sammeln zu wollen und sagte dann in Richtung Onkel und Tante: „Takk for inbydelsen“. Die drei Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Karl wurde mit Komplimenten für seine Sprachkenntnisse überhäuft und Tante Rita nahm ihn sofort an die Hand, um ihm den Ehrenplatz an ihrer Seite anzubieten. Später erzählte Erik, dass sie den ganzen Nachmittag an diesen drei Worten geübt hatten, er aber glaube, dass Karl hoch motiviert sei, Norwegisch schnell zu lernen. Dabei sah Erik so glücklich aus, als habe Karl zugesagt, den Rest des Lebens an seiner Seite zu verbringen. Überhaupt verbreiteten die beiden eine solche Fröhlichkeit, dass Onkel Odd mich an die Seite nahm und flüsterte: „Da hat der Erik aber einen richtig netten Freund. Der tut ihm gut. Er wirkte auf mich manchmal so traurig“.


Wir hatten bereits mit dem Essen begonnen, als auch Bjørn ins Esszimmer kam. Er sah so gepflegt aus, dass Gus und ich uns unwillkürlich einen überraschten Blick zuwarfen. Seine weichen, blonden Haare waren geföhnt, er hatte ein offenbar neues, dunkelrot kariertes Flanellhemd mit einer dunkelgrünen, engen Bügelfaltenhose angezogen und roch nach teurem Eau de Toilette. Ich hatte sogar den Eindruck, als hätte er Gesichtscreme aufgetragen.


Bjørn machte eine Runde um den Tisch, begrüßte unsere Gäste und stellte sich selbst vor. Bei Erik blieb er stehen und sagte: „Hei Erik, lenge siden sist, koselig å se deg». «Erstaunlich», dachte ich, «die beiden kennen sich also auch». Gus schien das nicht mehr zu wundern.


Nach dem Essen stampfte Onkel Odd in den Keller und kam mit drei Flaschen zurück. Feinstem englischen Whisky, norwegischem Aquavit und deutschem Wachholder-Likör. Nachdem er seine übliche Geschichte über die heldenhafte, nicht ganz legale Beschaffung seiner Tax-free-Bestände zum Besten gegeben hatte, fragte er seine Gäste, was er ihnen einschenken dürfe. Erik schüttelte mit dem Kopf und meinte er müsse noch fahren. Sofort kamen Proteste von Tore und Tante Rita. Das käme überhaupt nicht in Frage, selbstverständlich könnten Karl und Erik über Nacht bleiben. Das Bettzeug läge schon fertig bezogen oben im dritten Gästezimmer und Zahnbürsten und Handtücher gäbe es für sie natürlich auch. Das Bett sei zwar etwas schmal, aber für eine Nacht würden sie sich doch wohl vertragen. Widerspruch war bei Tante Rita unbeliebt und Onkel Odd unterstrich das Gesagte mit der Bemerkung: “Es ist so lange her, dass Du unser Gast warst, Erik, und Karl soll sich doch bei uns auch wie zuhause fühlen“. Also, es war abgemacht, Erik und Karl blieben über Nacht.


Bjørn bekam die ehrenvolle Aufgabe von seinem Chef, weiter für Getränkenachschub falls notwendig zu sorgen und die gesamte Gesellschaft begab sich ins Wohnzimmer, um sich dort in altmodische, weiche, weinrote Polstersessel und aufs Sofa zu fläzen. Da ich die Sitten und Gebräuche des Hauses kannte, bot ich an, dass Gus und ich den Abwasch übernehmen könnten. Tante Rita wehrte natürlich der Höflichkeit halber vehement ab, aber das gehörte auch zum Ritual.


In der Küche flüsterte ich Gus schmunzelnd zu: „Ich hoffe ja, dass unsere beiden Verliebten sich heute Nacht zurückhalten, damit wir unseren jungen Freund moralisch nicht verderben“. „Ich glaube, das ist er schon“, antwortete Gus lakonisch.

Aus dem Wohnzimmer hörten wir, dass offenbar ein munterer Sprachkurs begonnen hatte. Abwechselnd rief man sich „skål“ und „prost“ zu. Dann hörten wir: „Norge er et godt land å leve i“. « Nooorweeegen ist ein guuuuutes Land zum Leeeeben». Onkel Odd wiederholte den Satz mehrmals und erwartete jedes Mal ein „Skål“ aus der Runde.


Als wir unsere Hausarbeit beendet hatten und uns wieder in die Runde begaben, saßen Erik, Karl und Bjørn zusammen auf dem Sofa, Onkel Odd fielen bereits hin und wieder die Augen zu, und Tante Rita unterhielt sich angeregt mit ihrem Sohn.


Gus nahm sich ein Glas, schenkte sich selbst einen Aquavit ein und prostete Bjørn zu. Das war richtig schön bei Euch da unten am See. Solch eine Idylle haben wir bei uns in Deutschland kaum noch“. Erik hörte interessiert zu und blickte Bjørn mit einem überraschten Blick von der Seite an. „Wart Ihr zusammen angeln oder baden?“, fragte er gespielt wissbegierig. Bjørn verstand den Sinn der Frage nicht und schaute Erik fragend an. „Da sind doch kaum Fische drin, vielleicht sollte man mal welche aussetzen“. „Das lohnt sich doch überhaupt nicht. Wer soll denn da unten angeln?“, mischte sich Tore ein.

Tante Rita hatte sich in die Küche zurückgezogen und Onkel Odd schlief mit offenem Mund und zurückgelegtem Kopf. Tore sah auch müde aus und schien auch nur noch aus Höflichkeit den Gesprächen zu folgen. Erik erhob sich und sagte: „Ich muss jetzt ins Bett, sonst verschlafe ich morgen früh. Ich muss um acht in Oslo sein. Nochmal danke für den schönen Abend“, sprach er den schlafenden Onkel an. Der erwachte und war sofort wieder ganz aufmerksam. „Tore, Björn und ich sind ja schon um sechs im Stall, also es wird Euch bestimmt jemand wecken“. „Ich mache das gern… muss ja sowieso bei Euch durch, “ sagte Bjørn.


Auf diese Weise hatte Erik es allen leicht gemacht, sich zu bedanken und Gute Nacht zu sagen. Tante Rita meinte, sie werde Frühstück in der Küche bereitstellen und jeder könne sich bedienen, bevor er das Haus verließe. Karl, Gus und ich verabredeten uns, gegen neun Uhr zu frühstücken und dann auch Richtung Oslo zu starten.

Wir einigten uns noch schnell, wer zuerst ins Bad gehen durfte und gingen dann auf unsere Zimmer.


Wieder wunderten Gus und ich uns wie unbefangen Bjørn nur mit einer Zahnbürste und einem Handtuch in der Hand, völlig nackt ins Bad ging. Es schien ihn nicht zu stören, dass Karl, Erik, Gus und ich ihn so sehen konnten. Allerdings hatte auch Karl seine Sachen schon sauber über einen Stuhl gelegt und saß wartend und nackt auf der Bettkante. Karl behielt seine bunten Shorts an. Gus und ich wollten auch nackt schlafen und warteten in Erik und Karls Zimmer bis wir an der Reihe waren zum Zähneputzen. „Der Nächste bitte!“, rief uns Bjørn schmunzelnd zu, während er die Badezimmertür öffnete. Als er uns vier nackt auf dem Bett sitzen sah, stutzte er einen Augenblick und schien verunsichert. „Oh, Entschuldigung… ich habe nicht daran gedacht,… ich bin es so gewohnt, hier oben allein zu wohnen… . Also, dann Gute Nacht!“ – Gus antwortete ihm: „Ey, Du brauchst Dich bei uns nun wirklich nicht dafür zu entschuldigen, wenn Du hier nackt rumläufst. Wir tun es ja auch. Schließlich kennen wir uns ja und es ist doch überhaupt nicht schlimm“. –„ Ich dachte Ihr Deutsche mögt das nicht…“. – „Wer hat das denn gesagt?“ – „Na ja, mein Vater hat immer gesagt, die Deutschen seien furchtbar prüde“. Erik sah ihn an und meinte:“ Es gibt auch schrecklich prüde Norweger, die überhaupt keine nackten Menschen sehen wollen und nur im Dunkeln Sex machen können“. Bjørn wurde rot. So als ob man ihn auf frischer Tat bei einer Schandtat erwischt hätte. „Also…also…ich weiß nicht… Ich fühle mich nackt bloß einfach wohler… also…emmm…an das andere habe ich gar nicht gedacht“. „Mach Dir doch keine Gedanken, wenn wir nach dem Hanballtraining gemeinsam nackt duschen ist das doch für Dich auch kein Problem“, wandte Erik sich an ihn. „Das ist aber was anderes…“. – „Wieso?“, fragte Erik. – „Na ja, also…eh… also die Jungs beim Handball haben doch alle eine Freundin und Ihr nicht… obwohl ich dachte…Du Erik hättest die Karin…aber na ja, ich wusste ja, dass das nicht so richtig ist…“. Jetzt war es an Erik rot zu werden: „Da weißt Du aber viel…“. „Die Jungs erzählen sich eben immer viel… ich glaube das nicht alles…und… interessieren tut‘s mich auch nicht“. Jetzt mische Gus sich wieder ein: „Ich gehe mal Zähne putzen“. Er lachte, erhob sich und schob sich an Bjørn vorbei durch die schmale Tür, dabei gab er ihm einen kleinen Klapps auf den Po und bemerkte, während er sich umdrehte: „So hübsche Jungs wie Du brauchen sich nun wirklich nicht zu entschuldigen, dass sie sich nackt zeigen“, schmunzelte und schloss die Tür hinter sich. Wenn Bjørn vorher hell rot war, wurde er jetzt knallrot. Ich sagte vorsichtig: Gus lässt manchmal solche Sprüche los, denk Dir nichts dabei“. „Wieso, meinst Du, er sagt das nur so, dass ich hübsch bin?“ Auweia, da hatte ich etwas angerichtet. „Nein, nein, er meint immer, was er sagt“. „Na ja, ich dachte nur… weil ja auch Erik schon mal… also Du hast ja auch schon mal gesagt, ich sei hübsch.“ Erik wurde sichtlich verlegen, schaute erst Karl dann mich und schließlich wieder Bjørn an. „Ja, das habe ich wohl mal gesagt…und…es war sicher auch ehrlich gemeint“. Bjørn schien zu überlegen und sagte dann fast unhörbar: „ Ich war damals aber sehr traurig, weil ich dachte…eh…also, dass Du mir zeigen würdest, wie es geht“. „Was geht?“ Erik wirkte wirklich erstaunt. „Also…eh… wie man das mit dem Schwanz richtig macht“. Bjørn standen kleine Schweißperlen auf der Stirn. Jedes Wort schien für ihn eine Anstrengung zu sein. Erik wurde ernst: „Mensch Junge, Du warst damals 15. Ich durfte Dir das gar nicht zeigen. „Aber jetzt bin ich 17 und nächsten Monat werde ich 18. Jetzt darfst Du es mir zeigen. Aber jetzt willst Du nicht, weil Du einen Freund hast“. Erik war sichtlich verblüfft: „Wie kommst Du darauf? Also, ich meine… Du hast mich doch gar nicht gefragt und weißt auch nicht, was Karl dazu sagen würde… und… Gus und Walter könnten Dir sicher auch die eine oder andere Frage beantworten“. – „Die wollte ich ja fragen, aber die haben mich auch nur angeschaut… na ja, ich habe mich eben nicht getraut“. Wieder war da diese spezielle Logik, die ich nicht verstand.


Gus winkte Karl als nächsten ins Bad. Der hatte schweigend die Unterhaltung verfolgt und drückte sich nun, leicht grinsend, an Gus und Bjørn vorbei. „Das sieht hier ja immer noch wie bei einer Betriebsversammlung aus. Ich dachte, Ihr wolltet ins Bett?“ – „Bjørn hatte aber noch ein paar Fragen…“, sagte ich möglichst unbefangen. „Also, könnt Ihr beide Euch gleich so gut hier noch ein bisschen auf das Bett setzen, und wir unterhalten uns noch einen Augenblick“. Gus setzte sich sofort an meine Seite und schaute uns nachdenklich an. Bjørn setzte sich neben Erik, aber ohne ihn zu berühren. Schweigen.


Bjørn schwitzte immer noch und hielt beide Hände fast krampfartig in seinem Schritt und presste dabei die Oberschenkel fest zusammen. Sein offener, fröhlicher Blick war verschwunden und er schaute fast ängstlich zu Boden. Erik legte behutsam seine Hand auf Bjørns Schulter und wartete auf eine Reaktion. Der lies es geschehen, veränderte sonst allerdings nichts an seiner Haltung. In diesem Moment kam Karl aus dem Badezimmer und nickte mir zu. Er erfasste die Situation sofort und schlich beinahe auf Zehenspitze zurück zum Bett und setzte sich dicht neben Erik, der jetzt mit leicht kreisenden Bewegungen Bjørns Nacken massierte.


Als ich aus dem Bad kam, hatte sich an dem Bild kaum etwas geändert. Bjørn wirkte lediglich etwas entspannter. Er presste seine Schenkel nicht mehr zusammen und ließe seinen zwanzig Zentimetern freien Lauf. Auch bei Gus forderte der Schwanz offenbar etwas unschlüssig sein Recht. Karl hatte eine Hand unter den Bund seiner Shorts geschoben und schien zu träumen. Ich verstand, dass ich jetzt besser nichts kommentieren sollte. Langsam und vorsichtig setzte ich mich wieder neben meinen Liebsten und legte meinen Kopf in seinen Schoß. Bjørn schaute kurz auf und ich hatte den Eindruck, er weinte und lächelte gleichzeitig. Erik nahm eine Ecke der Bettdecke und wischte ihm die Stirn trocken und in einer kurzen Bewegung auch die Augen. Karl tat es mir jetzt nach, legte seinen Kopf auf Eriks Oberschenkel und streichelte ganz zart die Waden seines Freundes. Eriks Finger durchwühlten nun das blonde, gepflegte Haar und wanderten anschließend den hübschen Rücken abwärts. Bjørn entspannte mehr und mehr, öffnete seine Beine ganz breit, schloss die Augen und warf den Kopf in den Nacken. Karls Kopf näherte sich den roten Schamhaaren, die er inzwischen so gut kannte. Er nahm schließlich die ebenso bekannte gut durchblutete Eichel in den Mund und verhielt sich dann ganz ruhig. Eriks andere Hand fand jetzt die wunderschön harten Rundungen des Pos seines Catchers. Bjørn schien plötzlich aus einem Traum zu erwachen. Er erhob sich, schob Eriks Hand beiseite, lehnte sich an die Wand und drückte seinen edel geformten, wirklich langen Schwanz Erik direkt ins Gesicht. Einen Fuß schob er dabei unter Karls Oberschenkel, der das als Aufforderung auffasste, seine Zunge schneller und kräftiger um Eriks Eier kreisen zu lassen. Bei dem Versuch Bjørns langes Teil in den Rachen zu schieben musste Erik heftig würgen und drückte Bjørn etwas weg. Der nahm sein pralles Rohr in beide Hände und rubbelte wie wild. Wieder bildeten sich Schweißperlen auf seiner Stirn. Begleitet von einem Art Seufzer schossen plötzlich nicht enden wollende Kaskaden weißen Spermas über Eriks Haare, in sein Gesicht und auf seine Brust, auch Karl bekam noch dicke Tropfen ab. Erik ließ sich auf sein Kopfkissen fallen, schloss die Augen und genoss nun voll und ganz Karls Zungenarbeit. Bjørn setzte sich wieder auf die Bettkante und verteilte die großen Spermamengen auf seinem eigenen Buch, auf Eriks Brust und auch auf Karls Armen. Er schien dabei völlig entrückt und in einer anderen Welt zu sein. Träumend kreisten seine schönen langen und von der Arbeit etwas schwieligen Finger wieder und wieder über Eriks und Karls Körper. Hin und wieder warf er einen Blick zu uns hinüber. Während Karl in regelmäßigen Auf und Ab Bewegungen Eriks eisenharten Kolben mit seinen Lippen stimulierte, bohrten sich seine Finger immer weiter in die unergründlichen Tiefen des Darms seines Geliebten, der mit geschlossenen Augen einfach nur genoss.


Auch mein Liebster hatte inzwischen die Augen geschlossen, atmete tief und kräftig durch und rief ganz leise: „Ich komme…“. Kräftig pulsierend entlud sich seine Sahne in meine Mundhöhle. Ich schluckte immer wieder und verteilte mit der Zunge den Rest der cremigen, salzigen Flüssigkeit um die harte Eichel, die keine Anstalten machte sich zurückzuziehen.

Bjørn blickte erschrocken auf. Sein Blick schien zu sagen: „Gott, was habe ich bloß gemacht?“ Beinahe entsetzt starrte er erst auf Erik und Karl und dann auf Gus und mich. Fast panisch sprang er vom Bett, einige letzte Spermatropfen rannen an seinem Bauchnabel vorbei. Er schaute sich noch einmal um und schmiss dann die Tür zu seinem Zimmer hinter sich zu.


Karl unterbrach für einen winzigen Augenblick seine rhythmischen Bewegungen und schaute zu Bjørns Zimmertür, nur um gleich darauf heftiger weiterzumachen. Erik verzerrte sein Gesicht und stöhnte: „ Bitte Schatz… nein… ich will noch nicht…“. Aber es war deutlich zu sehen, die Bitte half nicht. Ein heftiges Zucken ging durch seinen Körper und Sekunden später liefen aus Karls Mundwinkeln kleine weiße Bächlein an seinem Kinn entlang. Karl lehnte sich zurück und während er noch schluckte, bearbeitete er mit kurzen, harten Bewegungen das, was sich in seiner Shorts befand. Ich rückte näher an ihn ran und flüsterte: „ Lass mich doch mal!“ Er lächelte, nahm seine eine Hand und griff mit seinem festen Catcher-Griff nach meinem Po, mit der anderen riss er sich die Shorts herunter, drehte sich etwas, um dann mit einem noch festeren Griff mit beiden Händen meine Hüfte zu umfassen und mich mit sanfter Gewalt auf seinen gigantischen Berg aus Hoden und harter, zitronengroßen rot-lila Eichel zu setzen. Ich spürte den feuchten Druck an meiner Rosette, das kräftige Pulsieren und hatte das Gefühl als wollte eine starke, große Faust in mich eindringen. Plötzlich ein kurzer heftiger Schmerz und dann nur noch ein ganz leichter Druck. Karl lächelte mich an und schaute mir gerade in die Augen: „Tut es weh?“, fragte er leise und strich mir mit seinen Fingerkuppen über den Rücken. Ich schüttelte den Kopf und beugte mich gleichzeitig zu meinem Liebsten rüber, der uns scheinbar etwas müde zuschaute und dabei gedankenverloren mit seinem inzwischen schlappen und nassen Schwanz spielte. Ich versenkte meine Zunge zwischen seinen Lippen und als ich merkte, dass das Pulsieren in meinem Darm heftiger wurde, saugte ich mich regelrecht fest. Mein harter Schwanz stand wie ein glühender Eisenstab, knallrot leuchtend senkrecht nach oben. Mich durchzuckte ein Zittern und ohne jedes Zutun von Karl oder von mir, schoss mein Sperma in mehreren Schüben fast 50 Zentimeter hoch in die Luft, um dann auf Erik zu landen. „Oh Mann…“, brach es aus mir heraus und ich ließ mich auf Karls festen muskulösen Kugelbauch fallen. Erik rückte an uns beide heran und gab erst Karl, dann mir und schließlich Gus einen Kuss auf die Stirn und verschwand gleich darauf im Bad. Wir anderen folgten seinem Beispiel der Reihe nach. Gerade als Gus als letzter wieder frisch gewaschen bei uns saß, öffnete sich noch einmal die Tür von Bjørns Zimmer und sein scheu lächelndes Gesicht kam zum Vorschein: „Entschuldigung, ich wollte das nicht…aber… es war wunderschön“. Zu meiner Überraschung sah ich, dass sich seine zwanzig Zentimeter kaum verkürzt hatten. Als er meinen Blick bemerkte, versuchte er seinen roten, strapazierten Schwanz mit der Hand zu verbergen. „Komm doch noch mal eben her“, forderte Erik ihn ganz leise mit einem Lächeln auf. „Setz Dich noch einen ganz kleinen Moment zu uns“.


Zögernd, fast scheu kam Bjørn aus seinem Zimmer geschlichen. Wir machten ihm Platz zwischen uns und Erik legte freundschaftlich seinen Arm um ihn: „ Du musst Dich nicht immer wieder entschuldigen. Du bist wie Du bist. Du störst niemanden, Du tust niemandem weh, bist ein wahnsinnig lieber Kerl und sollst genau das machen, was Dir Spaß macht. Wenn Du Sex mit Männern geiler findest als mit Frauen, dann ist das etwas ganz Tolles. Komm bloß nicht auf die Idee, Dir darüber Gedanken zu machen und vor allem, entschuldige Dich nie wieder dafür“. „So ist es“, fügte Karl hinzu und gab Bjørn einen Kuss. Der strahlte jetzt jeden von uns an und meinte: „ Küssen ist toll und das mit dem Schwanz in den Mund nehmen, finde ich auch super. Bloß im Arsch das tut doch bestimmt höllisch weh… das will ich nicht“. – „Musst Du doch auch nicht“, sagte ich. „Lass Dich niemals zu etwas zwingen, was Du nicht willst. Du kannst ja mal ausprobieren, wie sich das für Dich anfühlt, wenn Du Dir zwei eingecremte Finger in den Po steckst. Wenn Du das magst, kannst Du es später mal mit einem Schwanz ausprobieren“. „Habe ich ja schon gemacht. Es tut meistens wahnsinnig weh. Nur einmal unter der Dusche ging es ganz einfach“. „Dann bittest Du eben beim nächsten Mal Deinen Freund, mit Dir gemeinsam zu duschen“, mischte sich Gus ein. „Ich habe keinen Freund, der so etwas wie Ihr machen würde“. Wir schauten uns etwas ratlos an. „Na, das findet sich. Mach Dir keine Gedanken. Jungs, ich muss jetzt noch ein paar Stunden schlafen, sonst funktioniere ich morgen nicht (ein typisch norwegischer Ausdruck). Schlaft gut Ihr Lieben!“. Er gab Karl einen Kuss, kuschelte sich in seine Decke und schien sofort einzuschlafen. Bjørn lächelte uns an und sagte:“ Gute Nacht, Ihr seid alle sehr, sehr, sehr lieb“.


(Dran bleiben, im Kapitel "30 Jahre normal anders (2)" geht es schon bald weiter)


 
 
 

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