top of page

Auswandern ist immer auch Einwandern (11)

  • Autorenbild: gert
    gert
  • 29. März 2020
  • 30 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Nov. 2022



Vor uns lagen ein paar hektische Tage, die wir wohl niemals ohne die tatkräftige Hilfe meiner Verwandten und unserer Freunde gemeistert hätten.

Onkel Odd, Tore und Kjell waren sofort bereit, uns bei der Renovierung unseres Hauses in Asker zu unterstützen. Auch Erik und Karl fuhren schon einen Tag nach unserer Ankunft, mit Jerry zur Betriebswohnung und schauten sich an, was zu tun war. Egil stellte zusätzlich einen Mitarbeiter ab, der mit handwerklichem Geschick ein paar technische Dinge in Küche und Bad richtete, so dass Erik und Jerry sich auf Malerarbeiten konzentrieren konnten.

Die Arbeiten in Asker waren umfangreicher, da es sich um ein Holzhaus aus den 40iger Jahren handelte, das die letzten fünfzig Jahre keinerlei Renovierung erfahren hatte und obendrein nur über eine hauseigene Zisternen-Wasserversorgung verfügte. Das bedeutete, Regenwasser wurde vom Dach in einen Tank geleitet und gefiltert. Langes Duschen und Wannenbäder verboten sich somit von selbst. Bei Bedarf – vor allem im Winter - kam jedoch ein Wasserwagen der Feuerwehr und füllte den Tank wieder auf.

Küche und Bad mussten als erstes auf einen einigermaßen brauchbaren Zustand gebracht werden. Dazu nutzen wir Einkaufsmöglichkeiten, die Bjørn für die Renovierung seines Hofes aufgetan hatte, bekamen so einen guten Rabatt und die Sachen wurden schnell geliefert.

Kjell und Tore erwiesen sich als ausgesprochen geschickte Handwerker und hatten bereits nach einer Woche eine funktionsfähige, gemütliche Küche mit allen notwendigen Geräten eingebaut. Onkel Odd und ich brauchten drei Tage, um Dusche, Toilette, Waschbecken und ein Wärmekabel im Fußboden einzubauen.

Als Jerry und ich nach vierzehn Tagen in seiner fast leeren Wohnung in Oslo saßen und Bilanz unseres ‚Arbeitseinsatzes‘ zogen, waren wir sehr stolz und zufrieden mit uns.

Draußen hatte es das erste Mal ein bisschen geschneit, es stürmte und die Wolken hingen tief an den Hängen des Holmenkollen und Nordmarkas. So bekamen wir einen kleinen Vorgeschmack, auf die Schwierigkeiten, die uns erwarten könnten, wenn wir im November mit unseren Möbeln anrücken würden.

Wegen des schlechten Wetters gaben wir unser Vorhaben auf, die Nacht durch nach Deutschland zurück zu fahren, sondern machten uns lediglich auf den Weg nach Asker, wo bereits ein Bett stand, das Tante Rita mit Bettwäsche ausgestattet hatte… für den Fall der Fälle.

Als wir ankamen, war es stock finster. Das in typisch norwegischem Ochsenblut-Rot gestrichene Holzhaus lag allein auf einem kleinen Hügel umgeben von einem riesigen Waldgrundstück. Die Häuser der Nachbarn waren mehrere hundert Meter entfernt.

Um im Schneetreiben den Weg zum Haus überhaupt erkennen zu können, musste ich immer wieder auf- und abblenden und kroch im Schritttempo den Berg hinauf.

Im Haus war es kalt und roch noch nach Farbe. Das änderte sich allerdings schnell, nachdem ich den großen Kamin-Ofen in unserem zukünftigen Wohnzimmer angeheizt und ein paar Holzscheite nachgelegt hatte.

Wir hatten uns unterwegs noch etwas zu essen und zu trinken gekauft, so dass wir es uns jetzt in der Küche gemütlich machen konnten.

Durch das Fenster sah man in der Ferne einige Lichter im Tal, ansonsten nur den Wechsel von Regen und Schnee und die Schatten einiger Bäume, die sich im Wind bewegten.

Jerry war von der Atmosphäre hingerissen und schaute beim Essen immer wieder aus dem Fenster.

„Das ist einfach traumhaft. Mann, habt Ihr ein Glück, diesen Platz gefunden zu haben… das erinnert ein wenig an die Schilderungen von Knut Hamsun“. Mich erstaunte, dass Jerry diesen speziellen norwegischen Dichter kannte. Ich sollte später erfahren, wie intensiv er sich mit norwegischer Kultur und Geschichte befasst hatte und, dass er zum Teil mehr darüber wusste als ein durchschnittlich gebildeter Norweger.

Die Räume wurden schnell warm und das Wärmekabel im Bad erwies sich als besonders nützlich. Es zeigte sich, dass auch ältere norwegische Holzhäuser durchaus gut isoliert waren und ein behagliches Raumklima verbreiteten.

Da wir gleich nach Tagesanbruch Richtung Deutschland starten wollten, gingen wir nach dem Essen ins Bett. Es war recht schmal, aber wir hatten zwei Decken.

Als Jerry aus dem Bad kam, bemerkte ich, dass er sich die Schamhaare rasiert hatte. Ich hatte meine wieder wachsen lassen, da mir das Nachrasieren auf die Dauer zu mühsam war. „Oh, hast Du Joachims Rasiermessersammlung ausprobiert?“, feixte ich. Jerry grinste und fuhr sich mit der Handfläche über Schaft und Bauch. „Ja, ich wollte das mal ausprobieren. Bei Euch Weißen sieht das immer geil aus und ich finde, man fühlt sich extra sauber“. „Na ja, es kitzelt nicht so beim Kuscheln…,“ lachte ich.

Wir schoben das Bett an die Wand, so dass die Gefahr, dass einer von uns beiden rausfallen könnte, geringer wurde. Wir lagen beide auf der Seite; ich legte meine Arme über Jerrys muskulösen Brustkasten und gab ihm einen Kuss in den Nacken. Er drehte seinen Kopf und lächelte mich mit seinen wunderschönen weißen Zähnen an. „Wer hätte das gedacht, dass nur wir Zwei mal in einem Bett gemeinsam einschlafen würden. Was wird Gus davon halten?” – “Der rechnet damit und macht sich keine Gedanken. Er kennt ja Dich und mich. Er weiß, dass Du unwiderstehlich bist und ich meinen Schwanz nicht zügeln kann… genauso wenig, wie er es könnte“.

Ich spielte ein bisschen mit Jerrys riesigen harten Nippeln und drückte meinen, in den letzten vierzehn Tagen völlig unterversorgten, heißen Schwanz an seinen glatten, runden Po.

Jerry stöhnte leise und spuckte kräftig in seine Handflächen, um selbst sein Loch zu befeuchten. Aus meiner Eichel tropften bereits die Lusttropfen, und ich musste mich schon wieder zusammenreißen, um nicht fertig zu sein, bevor der Spaß begonnen hatte.

Langsam schob ich meinen Lustkolben in das weit geöffnete Loch. Jerry grunzte leise, aber schien gar nicht zu merken, dass ich bereits tief eingedrungen war und bereits heftig zustieß. Immer wieder drehte er seinen Kopf zu mir und lächelte. Dann drückte er meinen Schwanz raus und drehte sich abrupt um, kniete sich über mich und drückte mir seinen abnorm großen Schwanz ins Gesicht. Mir gelang es die riesige, harte Eichel mit den Lippen ganz zu umschließen. Meine Zunge umkreiste den Eichelkranz und schließlich schob ich die Spitze ins Loch der Harnröhre. Jetzt begann Jerry laut zu stöhnen und leicht zu zittern, kniete aber ansonsten ganz ruhig über mir, warf immer wieder kurz den Kopf in den Nacken und befeuchtete mit seiner roten Zunge seinen Lippen.

Als ich kurz Luft holen musste, verlagerte er seinen Po wieder hin zu meinem fast senkrecht stehenden Lustkolben und schob ihn wieder in seinen Darm. Ein paar Mal schlug er seinen enormen Riesenschwanz in mein Gesicht, gab noch einmal einen tiefen Seufzer von sich und schoss dann eine gewaltige Ladung seiner köstlichen Sahne auf meine Backen, meine Stirn und in meine Haare. Ich schloss meine Augen, da die Gefahr bestand, dass auch dort etwas hinein lief.

Wie befreit ritt Jerry jetzt auf meinem Schwanz und sang eine mir unbekannte Melodie. Immer wieder lachte er dabei und streichelte mir über das sperma-verklebte Haar.

„Versprichst Du mir, dass Du das, was ich Dir jetzt sage, niemals jemandem erzählst und für immer für Dich behältst?“. Er saß kerzengerade auf meinem Schwanz und schaute mir so liebevoll in die Augen, dass ich etwas unsicher wurde. Gleichzeitig hatte ich Lust abzuspritzen und konnte den Orgasmus nicht mehr verzögern. So entlud ich mich in ihn, während er zu einer Liebeserklärung ansetzte, die ich nie vergessen werde, niemals jemandem erzählt habe und die uns beide bis heute insgeheim immer noch verbindet.

„Du bist der größte Schatz, den ich in meinem Leben bisher getroffen habe. Ja, ich habe meinen Joachim und ich weiß, Du wirst Deinen Gus niemals aufgeben. Aber bei uns in New Orleans sagen die Frauen, wenn sie einen Mann wirklich lieben: ‚nur von Dir möchte ich ein Kind‘. Oh, wenn es doch nur ginge…glaub mir… ich würde alles für Dich tun… Wenn Du es wolltest, würde ich keinen anderen Mann mehr anschauen und nur noch für Dich da sein. Ich weiß, ich dürfte das alles gar nicht sagen und müsste mich mit unserer Freundschaft und dem Spaß, den wir alle zusammen haben, zufrieden geben. Wir waren nie beide richtig allein, und ich konnte einfach nicht sagen, was ich sagen wollte. Aber spätestens als Du mich unter vermutlich fürchterlichen Schmerzen so lieb angeschaut hast, als ich viel zu rücksichtslos meinen Schwanz in Dich reingepresst habe, wusste ich, dass ich Dich wirklich liebe. So liebe, wie Du vielleicht Deinen Gus liebst. So, jetzt ist es raus und kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Morgen früh ist hoffentlich noch immer alles so, wie es zwischen uns war, und wir reden nie wieder darüber. Abgemacht?...“. Er küsste mich heftig, leckte sein Sperma von meinem Gesicht und streichelte mir immer wieder unsagbar zärtlich mein Gesicht.

Ich war – und bin es bis heute – nur selten um eine Antwort verlegen. In diesem Moment wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Erst wollte ich ihm meine Beziehung zu Gus vor Augen halten und ihm ausführlich erklären, warum das zwischen uns nie mehr als herrlicher Sex sein könnte. Dann verwarf ich das, weil es unehrlich gewesen wäre. Auch ich hatte ein ganz besonderes Gefühl für diesen Mann, und wenn es möglich war, zwei Männer gleichzeitig zu lieben – also richtig zu lieben und nicht nur Sex zu haben -, dann wäre für mich Jerry der eine und Gus der andere.

Obwohl ich in dieser Nacht wegen dieses Dilemmas schlecht geschlafen und viel gegrübelt habe, haben wir nie wieder über sein Geständnis gesprochen. Noch heute blicken wir uns manchmal ganz intensiv in die Augen und wissen, dass wir uns dann beide an unseren ersten Abend in Asker erinnern.

Jerrys Geständnis ist das einzige Geheimnis zwischen Gus und mir in über 42 Jahren schönster und glücklichster Partnerschaft.

Ich küsste Jerry mindestens ebenso heftig, wie er es getan hatte und ließ meinen immer noch total steifen Schwanz in seinem Po stecken. Hin und wieder bewegte ich ihn leicht, während ich noch einen Kuss auf seine Lippen drückte, und dann schliefen wir eng umschlungen ein. Er schnarchte schon nach wenigen Minuten und ich dachte nach.

Ich hatte ein schlechtes Gewissen, vor allem weil da ja auch noch meine Gefühle für Andrea waren, den ich nie vergessen konnte. Ich fühlte mich wie ein Verräter gegenüber Gus, obwohl ich ohne ihn nicht sein konnte und wollte. Sowohl bei Jerry als auch bei Gus gab es dieses ganz tiefe Gefühl der Verbundenheit und Vertrautheit und doch kann ich bis heute nicht sagen, was die Ursache ist, für die enge und bedingungslose Bindung an Gus.

Viele Jahre später, als Jerry und Joachim sich längst getrennt hatten, hat Joachim mich mal gefragt, ob ich eigentlich wisse, dass Jerry immer nur mich geliebt habe und wohl auch noch immer liebe. Ich hatte nicht den Mut ehrlich zu antworten und tat es als Phantasie ab. Auch als wir später Jerrys neuen Freund kennenlernten und der in unserem ersten Gespräch ganz beiläufig erwähnte: „Du bist also Jerrys ganz große Liebe“, bin ich darauf nicht eingegangen und Gus hatte die Bemerkung überhört. Ich gebe zu, dass ich harmoniebedürftig bin, Streit und Auseinandersetzungen am liebsten aus dem Wege gehe, und anderen Mensch auf gar keinen Fall wehtun möchte. Gus ist in der Beziehung viel ehrlicher und sagt auch Freunden öfter, was er über sie denkt, oder was ihm an ihnen nicht gefällt.

Als wir wieder in Deutschland waren, hat Gus mit seiner bemerkenswerten Menschenkenntnis durchaus bemerkt, dass Jerrys Verhältnis zu mir wärmer und inniger geworden war. Er führte das aber auf meine unbestreitbare Sexsucht und Schwanzfixiertheit zurück. Ich hatte ihm auch erzählt, dass Jerry und ich die erste Nacht in Asker Spaß mit einander gehabt hatten. Damit hatte er quasi gerechnet und sich weiter nichts dabei gedacht, weil er schließlich selbst nichts geiler fand, als Jerrys Monsterschwanz im Arsch zu haben.

Nachdem ebenfalls viele Jahre später Andrea Jerry in Italien getroffen hatte, sagte er an einem Abend, als wir alleine waren: „Ich bewundere Dich, wie Du Deine Liebe verteilen kannst, ohne jemanden zu verletzen… und… ich bewundere Gus, wie er damit umgehen kann“.

Vatern hat mal gesagt, es gehe niemanden etwas an, wie es in seinem Innersten aussehe. Ich denke, er hatte recht.

An einem regnerischen, grauen Freitag im November – wenige Tage vor meinem Geburtstag – beluden wir den gemieteten LKW erst mit unseren Umzugskartons und Möbeln (wir nahmen lediglich die zwei Ledersessel, unser Bett, den Kleiderschrank und einen Schreibtisch mit) und anschließend in Lilienthal mit Joachims und Jerrys persönlichen Sachen. Alle Teile waren für den Zoll nummeriert und in einer Ladeliste festgehalten. Der Karton mit der Nummer ‚52‘ war aufgeführt als ‚Proviant‘. In ihm befand sich eine Auswahl der in Norwegen begehrtesten, hochprozentigen alkoholischen Getränke. Ich wusste, wir würden sie als kleine Geschenke für Hilfeleistungen und Gefälligkeiten dringend benötigen. Allerdings sah der norwegische Zoll das natürlich ganz anders und würde den Karton ‚52‘ niemals als ‚Umzugsgut‘ akzeptieren. Damals herrschte eine strenge Quotenregelung für die Einfuhr von Alkohol nach Norwegen, und jeder Verstoß wurde mit hohen Geldbußen belegt.

Ronald durfte als Fahrer nichts von dem ‚Schmuggelgut‘ wissen, und wir anderen waren im Notfall die „naiven Ausländer“, die die norwegischen Bestimmungen nicht kannten (das hätte allerdings nicht vor Strafe geschützt).

Wir übernachteten noch einmal eine Nacht in Lilienthal, verabschiedeten uns von dort telefonisch von Vatern und Jörgen, um dann am Sonntag um zwei Uhr morgens Richtung Norden zu starten. Gus und ich folgten dem LKW in unserer Ente und erreichten so gegen Mittag die Fähre nach Larvik.

Als wir gegen 16:00 Uhr vor der Zollabfertigung in Larvik vorfuhren, war dort lediglich eine Beamtin, die sich nur wenig für unseren Umzugs-LKW interessierte. Sie schaute sich die Listen an, stempelte alles ordnungsgemäß ab und entließ uns mit einem freundlichen Lächeln und einer missverständlichen Handbewegung.

Draußen war es bereits dunkel und die anderen Fahrzeuge der Fähre längst verschwunden. Ich war froh, dass alles so problemlos verlaufen war, und wir setzten unsere Fahrt zu unserem Zwischenziel Bekketangen fort. Dort wurden wir bereits von der gesamten Familie und Bjørn und Roberto erwartet.

Tante Rita hatte ein tolles Willkommens-Abendessen vorbereitet und wir konnten zwei Flaschen unseres ‚Proviant-Kartons‘ beisteuern.

Kurz bevor wir zu Bett gehen wollten, rief Erik an. Er war in unseren Zoll-Papieren als norwegische Kontaktperson angegeben. Der Zoll aus Larvik hatte sich bei ihm gemeldet und behauptet, wir hätten unser Umzugsgut unrechtmäßig ins Land eingeführt und sollten uns am Montag bis spätestens 12:00 Uhr beim Zoll in Asker melden. Ich vermutete ein Missverständnis, denn ich hatte ja alle notwendigen Stempel und Unterschriften und schlief sorglos. Den Karton ‚52‘ ließen wir auf Bekketangen stehen.

So suchten wir also als erstes am Montagmorgen das ‚Toll-Kontor‘ in Asker. Als wir es gefunden hatten, stellte sich heraus, dass hier nur zwei Beamte arbeiteten, die zwar eine Meldung über die „illegale Einfuhr“ erhalten hatten, aber nicht richtig wussten, wie sie die Sache behandeln sollten. Sie baten also um die Papiere, berieten sich kurz, schüttelten mehrmals mit dem Kopf, boten uns dann einen Kaffee an und fragten Ronald, ob sie sich die Ladung einmal ansehen dürften.

Schließlich bestiegen beide die Ladefläche und begannen Liste und Ladung zu vergleichen. Nach etwa einer halben Stunde kam einer der beiden mit einem bedenklich in Falten gezogenen Gesicht zu mir und fragte, wo denn der Karton Nr. 52 sei. Ich antwortete ohne zu zögern, dass es sich dabei um unseren Reiseproviant gehandelt habe, den wir inzwischen auf der langen Tour von Bremen bis Asker verzehrt hätten. Seine Miene hellte sich auf und er erklärte, was passiert war.

Die Beamtin in Larvik habe versäumt, das Umzugsgut in Augenschein zu nehmen, beziehungsweise uns aufzufordern auf die Kollegen zu warten. Nun sei ja aber offensichtlich nichts abgeladen worden und alle Stücke ordentlich vermerkt, so dass er uns herzlich in Norwegen willkommen heiße. Ich bekam noch extra Papiere für unser Auto und ein Merkblatt zur Anmeldung unseres Fernsehapparates. Damit konnten wir endgültig unsere Reise nach Oslo fortsetzen.

Ronald war sichtlich erstaunt und meinte: „ Wäre das in Deutschland passiert, hätten wir uns einen ganz anderen Ton gefallen lassen müssen, die Sache hätte Stunden gedauert und Kaffee hätten wir auch keinen bekommen“.

Bei Grønnt Hus warteten schon Erik, Karl und zwei Mitarbeiter aus der Gärtnerei, um den LKW zügig zu entladen, da wir möglichst noch im Hellen nach Asker zurück wollten.

Ronald musste vorsichtig fahren, da es glatt geworden war auf der Straße und auch unsere Ente mochte, trotz Winterreifen, die winterlichen Straßenverhältnisse in Süd-Norwegen nicht besonders gern.

Als sich der LKW endlich die steile Zufahrt zu unserem Haus hochquälte, war es dann auch schon dunkel.

Wir entschlossen uns, nur die notwendigsten Dinge auszuladen, schmierten uns noch eine Scheibe Brot, legten unsere Gästematratze auf den Fußboden, überließen Ronald das Bett und schliefen fast umgehend ein.

Als wir am nächsten Morgen erwachten, erwartete uns ein wunderschöner Blick über das verschneite Tal unterhalb unseres Hauses. Die Luft war kalt und klar, und die Sonne ließ sich hin und wieder zwischen den Wolken sehen.

Ronald war begeistert und unternahm erst einmal einen Rundgang ums Haus. In der Nacht waren ungefähr zehn Zentimeter Neuschnee gefallen und vorerst war der steile Zufahrtsweg nicht zu befahren. Wir trugen Kartons und Möbel ins Haus und hofften, dass das einsetzende Tauwetter die Straßenverhältnisse verbessern würde.

Gegen Mittag hörten wir dann einen Traktor den Weg hochkommen. Es war ein kleiner altmodischer Schneeräumer, der routiniert in wenigen Minuten den Weg freiräumte. Der Fahrer winkte uns zu, hupte zweimal und verschwand wieder.

Für diesen Tag hatte auch die Telefongesellschaft angekündigt, die Telefonleitung zu unserem Haus freizuschalten. Dazu kamen mittags zwei Mitarbeiter, die den Hausanschluss prüften. Der eine war ein älterer sehr sportlicher, braun gebrannter Herr, der behauptete, bereits vor zwanzig Jahren dabei gewesen zu sein, die Telefonleitungen zu diesem Haus gelegt zu haben. Der andere, ein strohblonder Typ, mindestens zwei Meter groß und etwa in unserem Alter, konnte seinen Blick nicht von Gus lassen, während er die Anschlussdose anschraubte. Immer wieder drehte er sich nach ihm um und strahlte jedes Mal mit einem entwaffnend offenen Lächeln, wenn Gus ihn ansah.

„Bist Du aus Deutschland?“, fragte er etwas unbeholfen auf Deutsch. Gus bejahte die Frage mit seinen ersten Brocken Norwegisch, die er sich im letzten Jahr angeeignet hatte. Damit war bei unserem Telefontechniker der Damm gebrochen. Er wollte jetzt wissen, wie man von Deutschland hier an den Stadtrand von Asker und genau in dieses Haus kam und ob wir alle Drei hier eingezogen seien. Der Redefluss überforderte Gus‘ Sprachkenntnisse vorläufig noch, und er wendete sich hilfesuchend an mich. Ich übersetzte gern.

„Ach so, Du bist Norweger… kommst aber nicht aus Asker… das höre ich an Deinem Dialekt“, sagte er bestimmt und drehte sich mir zu. „Tønsberg oder so…“, mutmaßte er. „Nicht ganz…“, lachte ich. „ Ce… in Deutschland“. Er schaute mich an, als wolle ich ihn veräppeln. „Ach, hast Du dort mal gewohnt?“. - „Nicht nur gewohnt, Ich bin dort aufgewachsen“. Ich sah ihm an, er glaubte mir nicht. „Und Dein Freund?“. Er machte eine Kopfbewegung in Richtung Gus. „Der kommt aus Bremerhaven“. – „Mmmm… und dann kommt Ihr ausgerechnet hier her?“. – „Warum denn nicht? Ich werde ab Januar bei Barnevernet in Asker anfangen und Gus bei Grønnt Hus in Oslo. „Ach, bei Grønnt Hus, dort arbeitet ein guter Freund von mir in der Gärtnerei und ein ehemaliger Sportskamerad ist dort im Büro“.

„Ich werde auch dort im Einkauf arbeiten…“, erläuterte Gus. „Na, dann grüß mal Erik Lie von Magne. Wir haben zwei Jahre lang in einer Handballmannschaft gespielt“. – „Ehy, was für ein Zufall. Erik ist einer unserer besten Freunde“. – „Ach, wo ist der den abgeblieben? Ich habe ihn schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen“. – „Er wohnt jetzt in Oslo“. – „Hat er geheiratet?“ – „Nein, er… er wohnt mit einem Freund zusammen auf Majorstua“.

Magne fiel der Schraubenzieher aus der Hand. Er drehte sich jetzt ganz zu uns um, schaute suchend nach seinem älteren Kollegen und sagte dann leise: „Das freut mich… Erik ist ein netter Kerl. Ich würde ihn gern mal wieder treffen“. „Kein Problem, wir grüßen Erik von Dir. Er hat ja sicher Deine Adresse und kann sich bei Dir melden?“ – „Ja klar, hat er… Echt nett von Euch. Dann sehen wir uns ja vielleicht auch mal wieder…“, dabei sah er Gus lächelnd an und drückte ihm fest und etwas zu lange die Hand. In der Tür drehte er sich noch einmal um, vermutlich auch, weil er aufgrund seiner Körpergröße den Kopf einziehen musste und sagte noch einmal: „Würde mich wirklich freuen…Ha det! [Ha det bra! = Tschüss]

[Es ist in Norwegen nicht ungewöhnlich, dass man bei Gesprächen mit fremden Menschen schon nach wenigen Minuten feststellt, gemeinsame Bekannte zu haben. Die Chance ist bei 4,7 Millionen Einwohnern jedenfalls größer als bei 80 Millionen.]

Das erste Gespräch von unserem neuen Telefonanschluss ging zu Vatern, dem wir kurz die ‚Zoll-Episode‘ erzählten und berichteten, dass ansonsten alles problemlos über die Bühne gegangen war. Der zweite Anruf ging an Erik, dem Gus unbedingt von seiner Begegnung mit Magne erzählen wollte.

„Der schöne, große Magne…”, Erik lachte und sagte: “ Das ist ja toll, in den war ich mal richtig verliebt, aber habe mich nie getraut… Habe immer gedacht, er sei hetero und würde irgendwann eine seiner vielen Freundinnen heiraten. Nachdem ich dann in Deutschland war, habe ich ihn aus den Augen verloren. Wenn er noch unter seiner alten Adresse in Holmestrand wohnt, werde ihn gleich mal heute Abend anrufen…“.

Ronald wollte Bett, Schrank und Schreibtisch aufbauen, und Gus und ich fuhren nach Oslo zu IKEA [die erste Filiale außerhalb Schwedens, die schon 1965 eröffnet worden war]. Ein Möbelhaus, das es damals in Norddeutschland noch nicht gab und für uns also völlig neu war.

Eigentlich wollten wir nur mal gucken, ob wir einen Esstisch mit sechs Stühlen finden könnten. Am Ende kauften wir nicht nur den, sondern gleich noch eine Regalwand, ein Sofa, zwei Teppiche, Bettwäsche und jede Menge praktischer Haushaltsgegenstände. Bevor Ronald nach Deutschland zurückfuhr, sollte er am nächsten Tag noch unsere Einkäufe mit dem LKW abholen.

Als wir wieder nach Hause kamen, saß Ronald bereits in einem unserer Ledersessel und probierte den Fernseher einzustellen. Tonbandgerät und Plattenspieler liefen schon, und er hatte gut eingeheizt. Draußen war es tagsüber etwas milder geworden, doch jetzt fror es wieder und unsere Zufahrt wurde zur Eisbahn. Unsere Ente schaffte den glatten Berg nur mit Mühe. Eine Runterfahrt mit dem LKW wäre riskant geworden.

„Notfalls musst Du noch einen Tag bleiben, bis die Straßen wieder frei sind“, scherzte ich. „Macht nichts; wenn es nach mir ginge, würde ich für immer bleiben. Mir gefällt’s hier richtig gut“. Er streckte sich genüsslich aus und lachte zufrieden.

Später am Abend läutete zum ersten Mal unser neues Telefon. Erik wollte berichten, dass er mit Magne telefoniert hatte. „Der hat sich echt gefreut und hat sofort zugesagt, als ich ihn zum Abendbrot zu uns eingeladen habe. Ich habe ihm versprochen, dass Ihr auch kommt. Nächsten Sonnabend bei uns; passt Euch das?“ – „Ja klar, danke. Wir kommen gern“.

Gus hatte inzwischen Abendbrot gemacht. Wir benutzten einen Umzugskarton als Tisch und saßen auf unseren Sesseln und auf dem Fußboden. Das Fernsehprogramm des einzigen Senders [NRK] lief im Hintergrund und faszinierte Ronald, obwohl er kein Wort verstand. Aber die Tatsache, dass es kaum Werbung gab und mehr oder weniger seriöse Damen und Herren dauernd am Reden waren, ließ ihn zu dem Schluss kommen, dass norwegisches Fernsehen ausgesprochen langweilig sei. Damals hatte er durchaus recht. Heute sieht das ganz anders aus.

Nach dem Abendbrot gingen wir noch einmal nach draußen und genossen die kalte Winterluft, den klaren Sternenhimmel und die absolute Ruhe. Es war so still, dass wir unser Atmen hören konnten. Gus behauptete sogar, er höre Ronalds Herz schlagen.

„Guck mal, eine Sternschnuppe!” Ronald zeigte in den Himmel. „Da darf man sich etwas wünschen“. „Aber nicht sagen“, grinste Gus. Wir standen noch eine Weile ganz dicht neben einander im Schnee, schauten in den Himmel und schwiegen.

An diesem Abend wollten wir früh zu Bett. Ronald konnte sich von dem Blick über das verschneite Tal mit den winzigen Lichtern nicht lösen. Während er darauf wartete, ins Bad gehen zu können, stand er nackt am Fenster und schien zu träumen.

Als Gus fertig war, ging er ebenfalls ans Fenster und massierte Ronald leicht den Nacken. „Woran denkst Du?“ – „Wie es wohl hier im Sommer ist…“. „ Komm einfach wieder. Dann kannst Du es erleben“. „Das würde ich gerne“. – „Mach es einfach! Bei uns bist Du jederzeit willkommen“. Gus küsste ihn auf die Stirn. Dabei bemerkte er, dass Ronalds Schwanz leicht zuckte und etwas an Volumen zunahm. „Sieh an, es funktioniert ja“, grinste er. „Das norwegische Klima wirkt Wunder…“, feixte er. „Das ist nicht das Klima… das habe ich ganz allein Dir zu verdanken. Du hast eine Blockade bei mir gelöst“, schmunzelte Ronald und drehte sich wieder zum Fenster.

Als ich aus dem Bad kam, gab Gus mir ein Zeichen zum Fenster zu kommen. Ich staunte, als ich sah, dass Ronalds schöner, fleischiger Schwanz hart und wohlgeformt von seinem leicht angewinkelten Körper abstand. Er stützte sich mit beiden Armen auf dem Fensterbrett ab und streckte seinen Po regelrecht auffordernd in den Raum. Gus kniete sich hinter ihn und leckte ruhig und gleichmäßig seine Poritze und drückte seine Zunge dann behutsam in das schon recht weit geöffnete Loch.

Gus edler Ständer war bereits feucht und die ersten Lusttropfen rannen am Schaft entlang. Er nahm etwas davon mit seinen Fingerspitzen und schmierte es um Ronalds Rosette. Der grunzte zufrieden und beugte sich noch weiter nach vorn. Gus zog mich dicht an sich, küsste mich auf meinen steifen Schwanz und führte ihn dann an Ronalds Loch.

Von Ronald kam nur ein genussvolles Seufzen, als ich begann rhythmisch zuzustoßen. Im gleichen Moment fühlte ich die mir so vertraute Zunge an meinem ‚G-Punkt‘ und an meiner Rosette. Gus drang tief in mich ein und bestimmte jetzt den Rhythmus, mit dem ich meinen heißen Kolben in Ronalds Darm stieß. Gus umfasste uns beide und griff nach Ronalds prallen und warmen Schwanz. Er wichste ihn langsam und mit viel Gefühl.

Ich konnte wieder einmal meinen Orgasmus nicht steuern und entleerte meine Samenblase völlig unkontrolliert in Ronalds Darm. Der schien es zu merken und quiekte vor Begeisterung. Gus erhöhte seine Stoßfrequenz und füllte mich mit seiner köstlichen Sahne. Ronald nahm jetzt seinen Schwanz selbst in die Hand, drehte sich zu uns um und deckte uns mit mehreren Ladungen seines warmen Spermas ein. Er lachte und sprang mit einem eleganten Sprung auf die Fensterbank, um dort sitzend seinen Schwanz weiter zu bearbeiten. Gus beugte sich zu ihm hinab und leckte seine Eichel sauber. Ronald juchzte vor Begeisterung und strich ihm immer wieder mit der Hand über den Kopf.

Als wir ins Schlafzimmer gingen, hielten wir uns wie Kinder an den Händen, holten gemeinsam Ronalds Decke und kuschelten uns zusammen in unserem großen Bett. Jeder gab jedem einen Gutenachtkuss und wir schliefen sofort ein.

Nachdem wir am nächsten Morgen unsere Einkäufe bei IKEA abgeholt hatten, machte sich Ronald auf den Rückweg nach Deutschland. Bevor wir uns endgültig verabschiedeten, bekam er von uns noch ein kleines Geschenk als Dankeschön für seine Hilfe und Erinnerung an uns.

Wir hatten schon vor einiger Zeit Tante Rita gefragt, ob sie für Ronald einen typischen Norweger-Pullover stricken könne. Sie stimmte sofort zu und hatte uns das fertige Produkt – rot-weißes Setesdal-Muster – vor ein paar Tagen heimlich zugesteckt.

Ronald war so gerührt, dass er sich Tränen aus den Augen wischen musste und uns immer wieder um den Hals fiel. Der Pullover passte wie angegossen, und er zog ihn auch sofort an. Der rot-weiße Arm winkte aus dem Führerhaus noch so lange, bis er endgültig aus unserem Blickfeld verschwunden war.

Die folgenden Tage vergingen mit dem Aufbau unserer Möbel, weiteren Maler- und Handwerks-Arbeiten im Haus, einigen Behördengängen – unter anderem der Ummeldung unseres Autos – und der Vorstellung bei unseren neuen Nachbarn.

Am Samstag-Vormittag fuhren wir dann nach Oslo, um zu sehen, wie weit Jerry und Joachim mit der Einrichtung ihrer Wohnung gekommen waren, um abends dann gemeinsam zu Erik und Karl zum Abendessen zu gehen. Wir hatten vereinbart, bei den beiden zu übernachten, da wir keine Lust hatten, spät in der Nacht auf glatten Straßen nach Hause zu fahren.

Erik und Karl hatten ihre Wohnung wunderschön vorweihnachtlich geschmückt. In allen Räumen brannten Kerzen, kleine und größere norwegische ‚Julenisser‘ [Weihnachtswichtel] saßen und standen auf Schränken und Tischen. Verschiedene Schalen mit Gebäck, Obst und Süßigkeiten waren überall griffbereit aufgestellt.

Als wir im Flur unsere Schuhe ausgezogen hatten, kam Karl mit einem ‚Velkomstdrink‘. Er legte Wert auf die Feststellung, dass es sich um den eigenen Mix eines alkoholfreien Getränkes handelte. Er hatte den Saft von selbst gepflückten Waldfrüchten mit schwarzem Johannisbeersaft gemischt, mit Kräutern und Zucker versetzt und aufgekocht. Erik nannte das Getränk ‚Karls-Toddy‘.

Jerry und Joachim hatten eine Flasche Linje-Aquavit mitgebracht, und Gus und ich stellten eine Flasche Baylis auf den Esstisch.

„Wir erwarten noch zwei Gäste. Magne, meinen alten Handball-Kameraden und Morten, einen Bekannten von Karl. Gus zog unmerklich die Augenbrauen hoch, sagte aber nichts.

Aus der Küche kamen köstliche Bratengerüche. Erik hatte ein typisches norwegisches Weihnachtsessen vorbereitet. ‚Ribbe‘ [Schweinerippenfleisch mit knuspriger Schwarte] mit Weißkohlgemüse, Kronsbeeren, Soße und Kartoffeln. Dazu ‚Medisterkaker‘ [Fleischklöße aus sehr fein gemahlenem, speziell gewürztem, fettem Schweinefleisch] und einem Rohmilch-Pudding [ein aus der ersten Milch nach dem Kalben gekochter Pudding mit viel Zucker und Mandelaroma] als Dessert.

Noch während ich in der Küche in die Töpfe schaute, kam auch Magne. Er war kaum wiederzuerkennen. Er trug einen modernen, dunkelblauen Anzug mit geschmackvoller Krawatte und einem weißen Seidenhemd. Dazu schien er seine Haare geschnitten und geföhnt zu haben. Die Augenbrauen waren gezupft, und er war perfekt, glatt rasiert. Die Anzugshose formte einen klassisch schönen Po und ließ auch einen wohlgeformten Schwanz erahnen.

Erik und Magne begrüßten sich überschwänglich. Sie hatten sich über fünf Jahre nicht mehr gesehen.

Auch Gus und mich begrüßte Magne wie alte Freunde. „So schick, wie Du aussiehst, muss ich ja Minderwertigkeitskomplexe bekommen“, scherzte Gus. Da Magne nicht verstand, musste ich übersetzen. Er lachte und meinte, Gus brauche sich nun wirklich nicht zu verstecken. Er sehe toll aus und habe auf jeden Fall einen guten Geschmack.

Als Letzter kam nun auch Morten. Karl begrüßte ihn herzlich und stellte uns vor. Morten war etwa dreißig Jahre alt, sehr schlank, muskulös, hatte mittelblonde, schulterlange Haare, stahlblaue Augen und einen gepflegten Vollbart. Er hatte ein ungeheuer freundliches Lächeln und eine offene Art. Auch er hatte sich festlich gekleidet. Seine Erscheinung war eher eine Mischung aus Künstler und Naturbursche. Als er Jerry begrüßte, meinte ich ein kurzes, verblüfftes Aufblitzen in seinen Augen zu sehen. Er ging sofort zu perfektem, fließendem Englisch über und sah Jerry so offenherzig und intensiv an, dass ich für eine Sekunde so etwas wie Eifersucht empfand.

Jerry seinerseits betrachtete sein Gegenüber so prüfend, als wolle er ihn als Soldat mustern und antwortete ihm dann in fast fehlerfreiem Norwegisch: „Gleder meg å treffe deg!“ Ich war so erstaunt über seine sprachlichen Fortschritte, dass ich beide wohl völlig verdattert angeguckt haben muss. Jedenfalls winkte Jerry mir zu und meinte, ich solle doch mal eben zu ihnen kommen. „Das ist Walter, einer meiner besten deutschen Freunde. Er gehört zu unserer deutsch-norwegischen Gang, genau wie sein Freund Gus, mein Partner Joachim, Erik, Karl und noch zwei Jungs aus der Nähe von Holmestrand“.

„Ach, dann seid Ihr das… Karl hat mir schon von Euch erzählt. Ihr scheint ja eine tolle Truppe zu sein. Gelegentlich müsst Ihr mal erzählen, wie Ihr Euch gefunden habt. Karl behauptet, Ihr streitet Euch nie und habt jede Menge gemeinsame Interessen. Bin mal gespannt, ob das alles wirklich stimmt, was Karl da immer von Euch schwärmt“. Dabei zwinkerte er besonders Jerry zu und fragte: „Und wie hat es Dich nach Oslo verschlagen?“. Jerry grinste sein unvergleichlich liebes Grinsen und sagte: „ Ich bin den anderen nur gefolgt… Nein, Quatsch, ich war schon einmal vor Jahren in der amerikanischen Botschaft als Wachsoldat, bin dann in Deutschland in den Zivildienst gegangen und hierher zurückgekehrt, weil mir Euer Land so unheimlich gut gefällt“.

Morten lächelte und sagte dann: „ Das ist schön, wenn sich alles gut fügt und zusammen passt. Bei mir ist nicht alles so rund gelaufen. Ich bin eigentlich Banker und wollte vor einigen Jahren in London Karriere machen. Das ging gründlich schief, weil ich dem Stress nicht gewachsen war und mir die englische Mentalität nicht lag. Dann kam noch eine Trennung hinzu und ich bin wieder nach Oslo zurückgekommen. Hier bin ich aufgewachsen und kenne jeden Stein. Ich habe jetzt mein Hobby zum Beruf gemacht und kümmere mich im ‚Kunstnernes Hus‘ [Mittelpunkt der Osloer Kunstscene und bedeutendster Ort Norwegens für die Präsentation von Gegenwartskunst und wichtiger internationaler Kunstausstellungen] um die Organisation und Planung von Ausstellungen“.

Viel später erfuhr ich, dass Morten in diesem Punkt seiner Selbstdarstellung tief gestapelt hatte. Er war praktisch der stellvertretende Leiter des Hauses, schrieb regelmäßig Kunstrezensionen in der Tagespresse und war gern gesehener Gast im NRK.

Karl und er hatten sich kennengelernt, weil Karl, seit er in Oslo war, regelmäßig Kunstnernes Hus besuchte, dort in der Bar gerne einen Kaffee trank und vor einiger Zeit Gelegenheit bekam, seine Fotos im Rahmen einer Nachwuchs-Fotografen-Ausstellung zu zeigen.

Als wir uns alle an den Esstisch setzten, bemerkte ich, dass Jerry unbedingt neben Morten sitzen wollte. Er schob sich mit sanfter Gewalt zwischen Magne und mich und hinderte uns quasi, uns neben den für ihn so interessanten Gast zu setzen. Jerry hing an den Lippen von Morten und kommentierte fast jedes Wort mit einem Kopfnicken oder einem Lächeln.

Da das Thema ‚Kunst‘ für Joachim keine Rolle spielte, setzte er sich neben Magne, auf dessen anderer Seite Gus, fast wie unser Freund Jerry, seinem Gesprächspartner gebannt zuhörte und auch dauernd mit dem Kopf nickte.

Erik setzte die dampfenden Platten und Schüsseln auf den Tisch, und Karl schenkte die Getränke aus. „Bitte greift zu! Wir freuen uns, dass Ihr heute Abend kommen konntet und hoffen, Euch macht unser kleiner ‚Julebord‘ [obligatorisches norwegisches Vorweihnachtsessen mit Kollegen und Freunden] Spaß. Guten Appetit und skål auf Euch alle“. Dabei erhob er sein Glas und wir prosteten uns alle zu. Dabei fiel mir wieder auf, dass Jerry und Morten sich intensiver ansahen als wir anderen. Gus tat das später als ‚Wunschdenken‘ ab. Allerdings stellte sich einige Jahre später heraus, dass dieser Abend für beide der Anfang einer bis heute andauernden, innigen Beziehung war.

Dass Joachim von dieser Entwicklung nichts mitbekam, lag wahrscheinlich daran, dass er fast den ganzen Abend mit Erik, Magne und Gus über Grønnt Hus und die neuen Projekte sprach. Magne bestand darauf, dass Joachim unbedingt einen Gärtner namens Asbjørn von ihm grüßen solle. Der sei mal sein bester Freund gewesen, aber seit er in Oslo wohne und bei Grønnt Hus arbeite, habe man sich aus den Augen verloren. Joachim wusste wer Asbjørn war. Er wohnte in einer Nachbarwohnung und hatte schon beim Einzug mit geholfen.

Nach dem Essen zeigte uns Karl die Wohnung, und was sie alles seit dem Einzug verändert und umgebaut hatten. Als wir auf dem verschneiten Balkon standen und die Raucher ihre Zigarette durchzogen, griff Gus kurz nach meiner Hand und flüsterte: „Ich glaube, wir haben alles richtig gemacht…“. Ihm war offenbar gerade wieder einmal bewusst geworden, dass Vaterns Ausspruch von den ‚Glückskindern‘ durchaus zutraf.

Karl hatte sich sein eigenes Zimmer eingerichtet, in dem wieder – wie in Ce… - eine kleine Fotoausrüstung mit Stativ, Studio-Leuchte etc. untergebracht war und die Wände als Ausstellungsfläche für seine Schwarz-Weiß-Fotos dienten. Direkt über einem kleinen Schlafsofa hingen die Portraits von Roberto, Bjørn, Erik, Gus und mir, dazu ein Gruppenbild von unserer ersten Wanderung durch Nordmarka vor ein paar Jahren. Obwohl wir alle auf dem Bild eine Hose anhatten, wirkte es dennoch, als seien wir nackt. Das Bild strahlte eine wahnsinnige Fröhlichkeit und gleichzeitig intensive Erotik aus.

„Das ist ja ein tolles Foto,“ rief Magne begeistert und beugte sich ganz nah an das Foto heran, um uns Sechs genauestens zu begutachten.

„Ja, da waren Joachim und ich leider noch nicht Mitglied im Club“, feixte Jerry. „Na ja, Dich dürfte man so auch nicht fotografieren, das wäre jugendgefährdend“, alberte Gus.

„Jerry hat das Recht auf eine eigene Sonderausstellung. Mit Portraits von ihm wären wir jeden Tag ausverkauft“, lachte Morten und zwinkerte Karl zu. „Stimmt“, pflichtete Karl ihm bei. „Die Bilder von Jerry halte ich unter Verschluss, die kommen in eine Privatausstellung, wenn die Zeit reif ist“. Er schmunzelte und schlug Jerry freundschaftlich auf die Schulter: „Keine Angst mein Lieber, so lange Du nicht Dein OK gibst, zeige ich die Bilder niemandem“. „Macht doch nichts. Ich habe nichts zu verbergen. Mich kennt ja hier kaum jemand. Bloß meine prüden Landsleute sollten nicht alle Bilder sehen, die könnten die falschen Schlüsse ziehen, und dann wäre unter Umständen mein Job in Gefahr“.

„Kann mir gar nicht vorstellen, dass Karl so kompromittierende Fotos macht. Ich kenne ihn nur als ganz großen, respektvollen Fotokünstler. Man braucht sich ja hier nur umzuschauen“, sagte Morten.

„Danke, das hast Du nett gesagt, aber meine lustvolle und für manche dunkle Fotografenseiten kennst Du noch nicht“. Karl war leicht rot geworden und lächelte bescheiden. „Na, dann wird’s aber höchste Zeit. Ich möchte ja mit Dir noch viele weitere Ausstellungen machen“, grinste er.

„Wenn das man bei Ausstellungen bleibt“, raunte Gus mir ganz leise ins Ohr. Ich hatte eine ganz andere Vermutung, behielt sie aber für mich.

„Ich werde die Bilder Jerry geben und dann kann er entscheiden, was er Dir zeigen will und was nicht“. Karl nahm einen dicken Umschlag aus einer Schublade und reichte ihn Jerry. „Hier… das ist Deine Verantwortung“.

Jerry setzte sich auf das Schlafsofa, schaute schräg von oben in den Umschlag hinein und beschloss dann, erst einmal abzuwarten. Erst als wir alle das Zimmer wieder verlassen hatten, nahm er die Bilder in Augenschein. Er breitete sie auf dem Fußboden aus, lächelte, sortierte ein wenig, machte zwei Stapel, wovon er den einen wieder in den Umschlag steckte und den anderen erst in der Hand behielt und schließlich oben auf legte.

„Na, war’s schlimm?”, fragte Morten mitfühlend. „Man sieht sich selbst ja meistens nicht so gern auf Fotos“. – „Nein, gar nicht. Karl ist ein klasse Fotograf. So schön wie auf seinen Fotos bin ich nun wirklich nicht. Schon deshalb würde mich niemand erkennen“. Jerry lachte.

„Würdest Du von mir auch mal ein paar Portraits machen?“, fragte Magne. „Ich möchte auch mal schöner als in Wirklichkeit sein“. – „Kein Problem, mache ich gern. Musst nur sagen wo und wann“. – „Au ja, mache ich“.

„Walter macht auch sehr gute Fotos. Wir sollten uns wirklich mal wieder zu einer Foto-Session verabreden. Im Schnee kann man wunderbar Portrait-Fotos machen. Und… Jerry im Schnee…das ist ein einzigartiger Kontrast”. Erik schmunzelte. „Sorry, mein Lieber. Das war jetzt nicht bös gemeint“. Jerry lachte und machte eine wegwerfende Handbewegung: „ Stimmt doch… da hätten dann die Norweger endlich mal Motive, die sie nicht jeden Tag zu sehen bekommen.“ Jerry gluckste vor Lachen.

„Ich fotografiere dann den deutschen Catcher im Schnee und Du den nettesten und fotogensten Amerikaner, der sich zur Zeit in Oslo aufhält“, scherzte ich. „ Ihr könnt ja gerne mal zu uns raus kommen. Bei gutem Wetter haben wir ein wunderschönes Panorama und viel Schnee zu bieten… und aufwärmen können wir uns zwischendurch auch“.

„Abgemacht! Das hört sich gut an”. Erik war Feuer und Flamme für meinen Vorschlag. Morten schmunzelte und meinte: „So viele interessante Männer… das müsste ja Material für eine größere Ausstellung geben. Wenn ich darf, wäre ich gern dabei“. – „Ja klar, Du kannst jederzeit vorbeikommen. Bei uns ist immer offenes Haus. Ich schreibe Dir mal Adresse und Telefonnummer auf“. – „Ehy, danke! Darauf komme ich bestimmt zurück. Karl wird mich ja auf dem Laufenden halten“.

„Und ich? Ich muss wahrscheinlich warten, bis Euer Telefon kaputt ist“. Magne sah uns fragend an. „Quatschkopf, das offene Haus gilt für alle. Du kannst selbstverständlich auch jederzeit kommen“, antwortete Gus.

Inzwischen hatte Erik Aquavit, Likör, Wodka und Kaffee und Kuchen auf den Tisch gestellt und machte eine einladende Handbewegung.

Wir machten es uns im geräumigen Wohnzimmer gemütlich. Morten und Jerry steckten schon wieder die Köpfe zusammen und Gus, Joachim und Erik schienen die Themen rund um die Blumenbranche nicht ausgehen zu wollen. Magne und ich halfen Karl beim Abräumen und Abwaschen.

Während wir das Geschirr abtrockneten, stellte Magne immer wieder Fragen zu Deutschland und warum wir uns entschieden hatten, ausgerechnet nach Norwegen zu ziehen. Ich erzählte ihm von meiner Familie, von Bjørn und Roberto und unseren Plänen bei Grønnt Hus. Er erzählte mir von seinem Traum, einmal eine Reise mit Inter-Rail durch Europa zu machen.

Als wir zurück ins Wohnzimmer kamen, waren Jerry und Morten verschwunden. Die anderen prosteten sich immer wieder zu und waren ausgesprochen fröhlich. Wir setzten uns ebenfalls in die Runde. Ich vermutete, dass Morten zum Rauchen auf den Balkon gegangen war, und Jerry ihn begleitet hatte. Da Joachim sich keine Sorgen zu machen schien, und auch Erik völlig entspannt aussah, wollte ich, auch nach fast einer Stunde Abwesenheit der beiden, keine Unruhe stiften.

Jerry tauchte als erster wieder auf. Er strahlte, hatte ein paar kleine Schweißperlen auf der Stirn, war aber ansonsten in bester Stimmung. Ich fragte ihn beiläufig, ob er draußen gewesen sei. Er lächelte nur und meinte, in Karls Zimmer sei es etwas ruhiger gewesen, und Morten und er hätten sich noch einmal die Bilder angeschaut. Jetzt kam auch Morten, der sich über die Haare strich und so rot im Gesicht war, dass man glauben konnte, er sei ohne Jacke draußen in der Kälte gewesen. Er setzte sich wieder wie selbstverständlich auf den Platz, den er vor etwas weniger als einer Stunde verlassen hatte.

Erik stand auf und sagte: „Habt Ihr den Wetterbericht gehört? Es soll in den nächsten Tagen viel Schnee kommen und kälter wird es auch“. „Da wird Euer französisches Auto ohne Schneeketten bestimmt Schwierigkeiten haben“, gab Magne zu bedenken. „Ich kenne das Auto“, lachte Karl. „Die hat bei keinem Wetter Probleme. Sie ist zwar ein bisschen schwach auf der Brust, aber hat mich nie im Stich gelassen“. „Sie fährt wie eine Nähmaschine, aber wir werden sie mit Spikes-Reifen ausstatten, damit sie uns bei diesen Straßenverhältnissen nicht davon schwimmt“, scherzte ich.

„Ich hoffe, Ihr könnt Ski laufen. Damit kommt man im Winter hier in Norwegen immer von A nach B“, grinste Magne. „Schnee scheint in Eurem Land kein Problem zu sein. Selbst der einsame Weg zu unserem Haus wird regelmäßig geräumt und die Hauptverkehrsstraßen waren bisher auch immer frei“, äußerte Gus deutlich imponiert.

„Na ja, wenn viel Schnee kommt, werdet Ihr eines Tages das Dach Eures Häuschens räumen müssen, sonst trägt die Dachkonstruktion die Last nicht mehr. Das kann ziemlich schweißtreibend sein, aber sonst gibt’s tatsächlich nur wenige Probleme mit Schnee in Norwegen. Jedenfalls wenn ich das mit dem Chaos während ein paar wenigen Schneetagen in Deutschland vergleiche“, meinte Erik.

Niemand konnte ahnen, dass der vor uns liegende Winter einer der schneereichsten in den letzten hundert Jahren werden würde. Zum Jahreswechsel versank Norddeutschland unter deiner dicken Schneedecke und es gab zum Teil Katastrophenalarm. Bei uns in Norwegen waren die Schneepflugkanten zwar an den Hauptstraßen auch bis zu drei Meter hoch, aber sowohl der Auto- wie der Bahnverkehr liefen den ganzen Winter über reibungslos.

Ich fuhr fast vier Monate lang mit Skiern zu meiner Arbeit in Asker und Gus benutzte häufig den Zug nach Oslo. So ersparten wir unserer Ente eine winterliche Überbelastung.

Unseren gemütlichen Julebord-Abend beendeten wir kurz nach Mitternacht. Jerry, Joachim, Gus und ich bedankten uns als erste bei Erik und Karl für den schönen Abend und bestellten uns ein Taxi. Magne sollte bei Erik und Karl übernachten und Morten ging zu Fuß nach Hause. Noch vor der Tür verabredeten wir noch einmal, uns im neuen Jahr zu einer Foto-Session bei uns in Asker zu treffen.

Auf der Heimfahrt schwärmte Jerry von dem interessanten, gebildeten und sprachbegabten Morten. Joachim war begeistert vom tollen Essen, von Erik und den Arbeitsbedingungen bei Grønnt Hus. Wir waren alle Vier das, was man in Deutschland ‚angeheitert‘ nennt und wankten mehr oder weniger vom Taxi in die Wohnung.

Joachim hatte für uns sein altes Schlafsofa zurecht gemacht.

Gus schaffte es gerade noch, sich auszuziehen, schmiss sich aufs Bett und schlief fast momentan ein. Ähnlich erging es Joachim, der sich beinahe mit Schuhen an den Füßen ins Bett gelegt hätte, wenn Jerry sie ihm nicht noch gerade rechtzeitig ausgezogen hätte. So saßen schließlich nur noch Jerry und ich in der Küche und schauten auf die in der Ferne leuchtenden Gewächshäuser.

„Du hast echt gute Fortschritte mit Deinem Norwegisch gemacht“, bemerkte ich beiläufig. „Danke! Ich möchte ja auch gerne hier bleiben. Da versuche ich schon, so schnell wie möglich die Sprache der ‚Eingeborenen‘ zu lernen. Wenn ich schon durch meine Hautfarbe überall auffalle, will ich nicht auch noch durch meine Sprache ein Außenseiter sein“.

„Da hätte ich nicht so große Befürchtungen. Die Norweger wechseln doch sofort ins Englische, wenn sie merken, dass ihr Gesprächspartner ihre Sprache nicht spricht“. – „Richtig vertraut wird man mit den Menschen aber nur in ihrer Muttersprache“. – „Das stimmt. Mit Morten scheint das vorhin ja schon mal geklappt zu haben“, grinste ich. „Geklappt? “ Jerry lachte. “Das ging perfekt”.

Jerry wurde plötzlich ernst, legte seinen Arm um mich und sagte leise: „ Wie macht Ihr beide das eigentlich, wenn Ihr mal einen Typen trefft, der mehr für einen von Euch ist, als ein netter Junge mit einem schönen Schwanz?“ – „Du meinst, so wie Du für mich?“ Ich lächelte ihn an. „Darüber wollten wir nicht mehr sprechen… Du hast es versprochen“. Jerry wirkte irritiert. Ich sah aber an seinem Blick, dass er auf einer Antwort auf seine Frage bestand.

„Das ist eine Art schneller Bilanz. Ich wäge dann ganz rasch ab, welche und wie viele Gemeinsamkeiten mit Gus schwerer wiegen als die spontane Verliebtheit, die mich vielleicht gerade aus der Bahn wirft. Ich denke Gus macht es genauso“. „Du meinst das reicht?“ – „Wenn nicht, wäre es wirklich ernst“, antwortete ich halb im Scherz halb nachdenklich. „Ich verstehe“. Jerry schaute mich immer noch sehr ernst an. Ganz leise sagte er: „Ich glaube, bei mir ist es im Augenblick sehr ernst… Würdest Du jetzt und hier sagen, Deine Bilanz fiele zu meinen Gunsten aus, wäre die Sache klar. Ich würde den heutigen Abend vergessen, so gut schlafen wie lange nicht, alle geplanten Besuche von Kunstnernes Hus absagen und mit Dir hingehen, wohin Du möchtest. Aber so ist es nun mal nicht. Ich werde also zwei Bilanzen ziehen. Da sind zum einen ein ganz lieber Mann, der gerade etwas betrunken nebenan schläft, mit dem ich tolle gemeinsame Erlebnisse hatte und der fast so liebevoll ist wie Du, keiner Seele etwas zu Leide tut und mir jeden Wunsch von den Augen abliest. Zum anderen ist da ein dynamischer, gebildeter, kreativer, extrem gut aussehender Mann, dessen Berührungen mich fast so irre machen wie Deine, den ich aber noch nicht durchschaue, ob er mich oder meinen Schwanz besitzen möchte, weil er exotische Spielzeuge liebt“. - „Nimm Dir Zeit und finde es heraus“. Jerry lächelte wieder und gab mir einen Kuss auf den Mund. – „Hätte ich mich heute Abend nicht schon ziemlich verausgabt, würde ich Dich jetzt küssen und ficken, bis Du nicht mehr kannst und um Gnade bittest“. – „Ach so, habe ich doch richtig vermutet. Es ging um mehr als nur um ‚Bilder gucken‘ in Karls Zimmer. – „Ja, es ging um viel mehr… Gottseidank hat niemand bemerkt, dass wir sogar die Tür hinter uns abgeschlossen hatten“.

„Komm, lass uns ins Bett gehen. Du zu Deinem Mann und ich zu meinem“.

In der Nacht schneite es tatsächlich noch einmal heftig, so dass am Morgen unsere Ente unter einer zehn Zentimeter dicken Neuschneedecke auf uns wartete. Auf dem Gelände von Grønnt Hus fuhr ein kleiner Schneepflug, der die weiße Pracht im hohen Bogen zu beiden Seiten der Wege auftürmte. Als er bei uns vorbeifuhr, stoppte er kurz und der Fahrer rief Joachim etwas zu. „Takk, Asbjørn, det var snillt“, antwortete Joachim, winkte ihm zu, verabschiedete sich von uns und stapfte durch den Schnee davon. Jerry half uns noch, unser Auto freizuräumen und machte sich dann auf den Weg in die Stadt, wo eigentlich am Sonntagmorgen, außer Kirchen, ein paar Museen und die eine oder andere Ausstellung kaum etwas geöffnet hatte.

Während der Heimfahrt auf einwandfrei geräumten Straßen bemerkte Gus nachdenklich: „ Bei den beiden stimmt was nicht“. Da ich mich dazu nicht äußern wollte, sagte ich nur: „Vielleicht war es ein bisschen viel Umzugsstress. Das gibt sich wieder“. – „Glaube ich nicht“.


(Dran bleiben, es geht im Kapitel 12 weiter.)

 
 
 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare


  • Facebook Black Round
  • Instagram Black Round
  • Twitter Black Round
  • Vimeo Black Round

© 2019 Gert Ekpor, Oslo

bottom of page