Die Jungs - Teil 4
- gert

- 27. Juni 2020
- 43 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Aug. 2021

Zeit der Reife
Oft haben wir – Gus, Roberto, Bjørn, Tinus und ich – darüber diskutiert, ob es richtig sei, die beiden Jungs in unserer Männerwelt aufwachsen zu lassen. Immer wieder kamen Zweifel, ob unser verhältnismäßig liberaler Umgang mit Erotik und Sex und nicht zuletzt unsere sehr spezielle Sicht auf das weibliche Geschlecht, Pino und Albert nicht zu einseitig prägen würden. Wir hatten schließlich nicht das Recht, den Jungs das vorzuenthalten, was die Welt um uns herum als „normal“ betrachtete.
Unsere Befürchtungen wurden von drei Frauen zerstreut.
Tante Rita beschäftigte sich regelmäßig mit „ihren beiden Ersatzenkeln“. Pino und Albert liebten sie heiß und innig und beendeten oft ihre langen Streifzüge bei ihr auf Bekketangen. Mit ihr sprachen die Jungs anders als mit Bjørn und Roberto. Für Albert war Tante Rita „seine Oma“. Er hatte sehr schnell herausgefunden, dass sie seine Fragen über Frauen besser als seine Pflegeväter beantworten konnte…und vor allen Dingen… zu seinen Problemen mit seinen Klassenkameradinnen wesentlich bessere Lösungen anbot.
Als ich dann mal Tante Rita auf unsere Bedenken ansprach, tat sie sie mit einer Handbewegung ab und meinte nur: „Ihr macht Euch viel zu viel Gedanken. Die Jungs kennen den Unterschied zwischen Männern und Frauen ganz genau und haben längst begriffen, dass wir anders denken und handeln als ihr. Und glaubt ja nicht, die beiden hätten sich nicht schon mal für eine nackte Frau interessiert. Klar haben sie das… aber sie sind sich halt vorerst selbst genug. Wenn es so bleibt, ist es gut… wenn nicht auch“.
Ein Jahr nachdem die Jungs auf die weitergehende Schule gewechselt waren, traf Bjørn eines Tages die ehemalige Lehrerin der Jungs bei einem Schulfest. Gerade sie hatte Alberts Kindheit besonders begleitet. Da ihm unsere Diskussion nicht aus dem Kopf ging fragte er sie, ob sie eigentlich nie Zweifel gehabt habe, dass Albert in der ‚Männerwirtschaft‘ auf Bjørnstangen zu seinem Recht käme.
„Doch, habe ich… besonders damals, als Du die Pflegschaft für Albert beantragt hattest, hatte ich große Bedenken. Ich habe Albert damals viel genauer beobachtet als die anderen Kinder, oft mit ihm allein gesprochen und ihn immer wieder gefragt, ob er sich auf Bjørnstangen wohlfühlt. Ich habe auch sehr genau darauf geachtet, wie er sich den Mitschülern gegenüber benimmt.
Ich kann Dir heute sagen, wenn alle Kinder in unserem reichen Land sich so entwickeln würden wie Euer Albert, wäre mir um die Zukunft unserer Gesellschaft nicht bange. Er war und ist nicht nur charmant gegenüber den Mädchen seiner Klasse. Er ist oft wesentlich respektvoller und hilfsbereiter ihnen gegenüber als manche seiner männlichen Alterskollegen. Seine Fürsorge für Pino ist einzigartig und zeigt auch eine sehr weiche, fast weibliche Seite seiner Persönlichkeit. Also, um den Jungen würde ich mir nun wirklich keine Sorgen machen“.
Kristin, die Mitarbeiterin des zuständigen Jugendamtes kannte ich aus meiner Zeit des Praktikums bei „Barnevernet“ in Asker und freute mich, als ich sie bei Bjørns und Robertos „Hochzeit“ auf Bjørnstangen traf. Ich hielt die Gelegenheit für günstig, sie nach ihrer Meinung zu Alberts Entwicklung zu fragen.
„Findest Du es eigentlich problematisch, wenn Jungs wie Albert in einer reinen Männerwelt aufwachsen?“
„Eine reine Männerwelt gibt es doch gar nicht. Wir Frauen lassen uns doch nicht einfach beiseite drängen… und ausblenden könnt Ihr uns schon gar nicht“, lachte sie und fügte hinzu:
„Zugegeben, ganz wohl war mir damals nicht, als ich die Pflegschaft quasi durch zwei Männer für Albert genehmigte; und hätte ich gewusst, dass auch Jahre später keine Frau hier auf dem Hof sein würde, hätte ich wohl noch mehr Bauchschmerzen gehabt. Aber Du musst nicht glauben, dass ich mich zwischendurch nicht erkundigt habe, wie es Albert geht. Bis heute hat niemand Zweifel geäußert, dass es dem Jungen gut ginge. Wenn wir mal von der Episode absehen, als Pino plötzlich aus seinem Leben verschwand. Ich würde auch heute in jedem Gutachten schreiben, dass ich kaum eine Pflegschaftssache kenne, die problemloser verläuft als die von Albert… Männerwelt hin oder her“.
Je älter Albert wurde, desto mehr befürchteten Roberto und Bjørn, trotz aller guten Prognosen, etwas bei seiner Erziehung falsch zu machen. Hinzu kam, dass sie sich für Pino verantwortlich fühlten. Beide Jungs glitten allmählich in die Phase der Pubertät und schienen weniger zugänglich für Ratschläge und Ermahnungen. Ihr Verhältnis zu einander bekam eine neue Qualität. Sie zeigten jetzt auch nach außen ganz bewusst, dass sie mehr als nur ganz tiefe Zuneigung verband.
Sie gingen seit einem Jahr in getrennte Klassen, aber kamen jeden Morgen gemeinsam zur Schule. Vor den Klassenzimmern verabschiedeten sie sich regelmäßig mit einem Kuss, was zu Anfang von einigen Mitschülern mit hämischem Kichern kommentiert wurde. Im Laufe der Zeit wurde es zu einem gewohnten Bild.
Die Mädchen warfen beiden Jungs trotzdem sehnsüchtige Blicke zu und flüsterten hinter ihren Rücken:
„Hat der Pino nicht einen süßen Arsch? Ach, ich würde was drum geben, den mal anfassen zu dürfen“.
„Ich ziehe Alberts kräftigen, norwegischen Oberschenkel und alles, was dazu gehört vor“.
„Ich müsste nur einmal mit Pino tanzen. Dann würde er seinen Albert ganz schnell vergessen“.
„Da bin ich nicht so sicher. Aber es gibt ja Männer, die auf Männer und Frauen stehen. Könnte ja sein, dass Albert auch dazu gehört und er es nur noch nicht weiß“.
Die Träume der Mädchen zerschlugen sich allerdings spätestens bei einer Fete auf Bjørnstangen anlässlich von Alberts 16. Geburtstag.
In der Scheune hatten sie einen Tanzboden eingerichtet und Magnes Musikanlage aufgebaut. Es gab ein paar alkoholische Getränke und die Mitschüler aus Pinos und Alberts Klassen plus einiger Freunde aus dem Judo-Verein und dem ‚Spillecorps‘ waren eingeladen.
Im Laufe des Abends hatten sich ein paar Grüppchen gebildet. Die einen saßen draußen und rauchten, die anderen tanzten bis zur Erschöpfung und wieder andere hatten sich in den hinteren Teil der Scheune zurückgezogen, um im Halbdunkeln ungestört schmusen zu können.
Albert und Pino tanzten gern, viel und sowohl mit Mädchen als auch mit Jungs. Besonders ein strohblondes Mädchen aus Pinos Klasse suchte seine Nähe und wollte besonders die langsamen Tänze nur mit ihm tanzen. Es machte ihm Spaß, und er ließ es zu, dass sie ihn auch mal am Po anfasste. Sie schob sogar ihr Knie zwischen seine Beine. Nach dem Tanz folgte sie Pino zu einer Gruppe von Jungs, bei der auch Albert saß. Der legte seinen Arm um seinen Freund und gab ihm einen Kuss. Die Blonde tat so, als habe sie das nicht gesehen, nahm sich eine Cola und prostete ihm zu. Doch Pino hatte bereits sein Interesse an ihr verloren und nahm sie so gut wie nicht mehr wahr. Ein paar Minuten später versuchte sie es noch einmal und rief ihm etwas zu, was er nicht verstand oder bewusst ignorierte.
Alberts ehemaliger Mitschüler und Freund Ole saß mit in der Runde und beobachtete die Blonde genau. Dann wendete er sich zu Pino und flüsterte ihm ins Ohr:
„Die will was von Dir. Soll ich ihr sagen, dass das nichts wird?“
Pino grinste und flüsterte zurück:
„Kann ich auch selbst, aber Du bringst ihr das bestimmt überzeugender bei“.
Ole erhob sich, zog bewusst seine ohnehin schon enge Hose im Schritt noch einmal stramm und forderte die Blonde zum Tanzen auf. Schon wenige Minuten später hatten die beiden sich in den hinteren Teil der Scheune verzogen.
„So stiftet man neue Beziehungen… hast Du gut gemacht“, frotzelte Albert und klopfte Pino auf die Schulter.
Später verbreitete die Blonde in der Schule das Gerücht, Pino habe sie ‚angemacht‘, aber sie habe ihn ‚abblitzen‘ lassen, weil es sich herausgestellt habe, dass er einen zu ‚Kleinen‘ habe. Ole sei hingegen ein fantastischer Liebhaber, der sie in jeder Hinsicht zufrieden stellte. Mit dieser Beurteilung hatte Pino von da an Ruhe vor der Damenwelt seiner Klasse.
Albert hatte in seiner Klasse hingegen ein anderes Problem. Sigmund, ein Schüler, der gemeinhin als Streber galt, sehr schüchtern war und wegen seiner dicken Brillengläser immer wieder gehänselt wurde, kam ein paar Tage nach der Geburtstagsfete in der Pause zu Albert und fragte:
„Darf ich Dich mal etwas fragen…?“
„Ja, klar… frag einfach“, erwiderte Albert, der Sigmund eigentlich immer sympathisch fand und ihm schon ein paar Mal beim Sportunterricht geholfen hatte, schwere Übungen zu meistern oder beim Langlauf ins Ziel zu kommen.
„Also… stimmt es, dass Du und Pino… also ich meine…, dass ihr in einem Bett schlaft?“
„Woher hast Du das denn?“
„Randi, die Blonde aus Pinos Klasse hat gesagt, sie sei in Eurem Schlafzimmer gewesen“.
„Hmmm, dort war sie bestimmt nicht… Aber was wäre daran so schlimm, wenn Pino und ich in einem Bett schliefen?“
„Oh… gar nichts… überhaupt nichts… bloß, also meine Eltern haben gesagt, Pino und Du müssten doch jetzt langsam mal ‚vernünftig‘ werden und Euch nach einer Freundin umsehen. Das sei doch nicht mehr normal, wie Ihr auf Bjørnstangen lebt…“.
Albert musste so laut lachen, dass sich die anderen Schüler, die in der Nähe standen, automatisch zu ihnen umdrehten.
„Was ist denn bitte ‚normal‘?“
„Das habe ich meine Eltern auch gefragt. Darauf wollten sie mir keine Antwort geben. Stattdessen haben sie mir den Rat gegeben, mir jetzt auch endlich mal eine Freundin zuzulegen. Ich will das aber nicht… Ich habe ihnen gesagt, dass ich es viel besser finde, wie Ihr beide das macht… Seitdem hängt bei uns der Haussegen schief“.
„Ach herrje… Was willst Du jetzt machen?“
„Nichts… hat doch keinen Sinn… meine Eltern ändern ihre Meinung nicht. Mein Bruder hat sich mit ihnen schon so gestritten, dass er ausgezogen ist. Ich warte einfach, bis ich 18 bin und gehe dann auch“.
Albert dachte bei sich, wie gut er es doch habe, dass er immer alles mit seinen ‚Pflegevätern‘ besprechen könne und sie sich noch nie richtig gestritten hätten, obwohl er so manches Mal mit den Regeln, die auf dem Hof galten nicht einverstanden war.
„Wenn Dir bei Euch zuhause die Decke auf den Kopf fällt, kannst Du uns jederzeit gern besuchen. Dann können wir mal in Ruhe reden“.
„Oh ja, das mache ich gern. In Eurer Gegend war ich noch nie und Euer Hof interessiert mich“.
Albert hatte nicht damit gerechnet, dass Sigmund bereits am folgenden Wochenende bei ihnen vor der Tür stehen würde. Es war ein grauer, nebeliger Tag und Pino und Albert halfen gerade Magne dabei das Tomaten-Gewächshaus winterfest zu machen, als sie die kleine Gestalt mit Rucksack, Nickerbockerhose, dicker Wollmütze, grauem Schafwollpullover und groben Wanderstiefeln über den Hofplatz kommen sahen.
Pino zog fragend die Augenbrauen hoch und Albert berichtete in kurzen Worten über sein Gespräch mit Sigmund.
„Ach so,… er kommt also zur Therapie-Stunde“, feixte Pino.
„Sei nicht so gemein! Er ist ein netter Kerl und bestimmt nicht dumm. Der braucht keine Therapie… bloß mal ein paar vernünftige Leute um sich rum“.
„OK, da sind wir ja genau richtig…“, lachte Pino.
„Wenn Du uns suchst, musst Du hier her kommen!“, rief Bjørn lachend aus der offenen Gewächshaustür über den Hof.
Sigmund schaute auf, winkte und lief auf sie zu.
„Puh, hätte gar nicht gedacht, dass es so weit zu Euch ist. Ich bin fast zwei Stunden von Holmestrand aus gelaufen… aber es hat sich gelohnt… trotz des sch… Wetters. Schön habt Ihr es hier“.
„Komm rein, hier drinnen ist es warm“.
Sigmund stellte seinen Rucksack ab, begrüßte Magne und die Jungs und schaute sich dann staunend um.
„Tomatenproduktion in Norwegen ist wie eine Rentierfarm in Saudi-Arabien“, frotzelte er.
„Der Unterschied ist, die Araber essen kein Rentierfleisch, die Norweger aber sehr gern Tomaten“, konterte Magne, während er schwitzend ein Stahlgerüst zusammenschraubte.
„Viel schweißtreibende Arbeit für ein paar leckere Früchte…“, Sigmund schmunzelte und sah Magne interessiert zu. Magne fand diese Bemerkung recht keck für einen sechzehnjährigen Jungen aus der norwegischen Provinz, konnte es sich aber nicht verkneifen, noch einen Spruch loszulassen: „Für süße, knackige Früchte schwitze ich gerne ein bisschen mehr…“. Sigmund grinste und schien sich der Doppeldeutigkeit der Worte durchaus bewusst zu sein.
Albert wusste, dass Sigmund ein paar Monate älter war als er, aber jetzt schien es ihm, als sei Sigmund um einige Jahre erwachsener und erfahrener als er. In der Schule war ihm das bisher nicht aufgefallen, weil er ihn immer nur nach seinem schmächtigen Körper eingeschätzt und daraus wohl völlig falsche Schlüsse gezogen hatte. Ganz abgesehen davon hatten sie ja eigentlich noch nie viel mit einander geredet.
„Halt mal bitte fest! Ich schaffe das nicht allein“, rief Magne Pino zu, der sofort das Gerüst mit beiden Händen umklammerte und sich zusätzlich mit den Beinen gegen eine Wand stemmte. Jetzt lief auch ihm der Schweiß in kleinen Rinnsalen über den Hals auf seine Brust, wo inzwischen bereits die ersten weichen, dunklen Haare zu sehen waren.
„Kann noch jemand bitte den zweiten Schraubenschlüssel hier halten?“
Sigmund erfasste sofort worum es ging und ergriff das Werkzeug. Dazu musste er sich hinknien und dabei seinen Kopf ganz dicht an Magnes Hüfte pressen. Wegen der Kraftanstrengung verzerrte er das Gesicht und atmete schwer.
Albert fiel auf, dass die fast immer sichtbare Beule in Magnes Overall-Hose plötzlich deutlich größer wurde und auch Sigmunds Nickerbocker um den Hosenstall herum strammer wurden.
Mit vereinten Kräften war das Gerüst schließlich stabil zusammengesetzt und über die Pflanzen eines Beetes gehoben.
„Danke für Eure Hilfe Jungs. Das hätte ich allein nicht geschafft“.
„Das macht Spaß hier bei Euch. Ich käme gern öfter mal zum Helfen. Ihr habt ja bestimmt eine Menge zu tun“. Sigmund sah dabei ausschließlich Magne an und lächelte.
Der antwortete sofort spontan: „Jederzeit gern, für pfiffige Leute wie Dich, gibt’s hier immer was zu tun“.
„Na komm! Dann zeigen wir Dir mal den Rest Deines zukünftigen Arbeitsplatzes“, zwinkerte Albert Sigmund feixend zu.
Für einen Moment hatte Albert den Eindruck, dass sein Schulfreund lieber im Gewächshaus bei Magne bleiben wollte, denn er hatte seinen Blick so auf ihn fixiert, dass kaum sicher war, dass er die Aufforderung Alberts gehört hatte. Schließlich zogen sie dann aber doch los und machten einen Rundgang über den Hof.
Albert und Pino präsentierten ihrem Freund alles so, als sei es ihr eigen.
Als sie beim Brygghuset ankamen, trafen sie Ruben, der gerade die Sauna putzte.
Albert stellte sie einander vor und bemerkte: „Magne und Ruben haben hier nebenan eine gemeinsame Wohnung. Sigmund zog die Augenbrauen hoch, sagte aber nichts.
Später fragte er: „Arbeiten denn nur Männer hier bei Euch auf dem Hof?“.
„Ja, ich dachte das wäre bekannt“.
„Mag sein, aber ich glaube Gerüchten nicht, bevor ich es nicht selbst gesehen habe“.
„Ah, verstehe, deshalb auch Deine Frage nach unserem gemeinsamen Bett vor ein paar Tagen… auch ein Gerücht, das Du bestätigt haben möchtest“. Albert lachte und schlug Sigmund freundschaftlich auf die Schulter.
„Nein, nein… so aufdringlich würde ich nie sein. Aber da ja nun die ganze Schule weiß, dass Ihr zusammen seid, interessierte mich einfach, wie das bei Euch läuft. Vor allem wollte ich wissen, ob Eure Pflegeväter tatsächlich so liberal und tolerant sie, wie man sagt“.
„Also, eigentlich habe nur ich einen Pflegevater und das ist Bjørn. Wegen irgendwelcher dusseliger Gesetze darf mein Patenonkel Roberto mit der Pflegschaft nichts zu tun haben… so ist das halt. Pinos Eltern leben in Italien und haben lediglich zugestimmt, dass er hier bei uns wohnen und in Holmestrand zur Schule gehen darf“.
„Das würde ich mir auch wünschen…“.
„Was?“
„Zusammen mit einem Freund woanders wohnen zu dürfen“.
„OK. Hast Du denn einen Freund, mit dem Du Dir vorstellen könntest zusammen zu wohnen?“
„Nein, leider nicht. Ich habe zwei Kumpel. Der eine will bald mit einer Freundin zusammenziehen und der andere ist viel älter als ich, wohnt in Oslo und behauptet, er mache sich strafbar, wenn er mir erlauben würde, bei ihm einzuziehen. Na ja, da muss ich halt abwarten, bis ich 18 bin“.
„Aber, Du kannst doch froh sein, dass Deine Eltern Dir nicht so viele Vorschriften machen. Die blöden Ratschläge kann man doch überhören. Bei uns in Italien wäre das alles viel, viel strenger. Meine Eltern haben unserer Lösung nur zugestimmt, weil sie glauben, dass ich hier in Norwegen nach meiner Ohren-Operation schneller gesund werde. Sie hoffen immer noch, dass ich eines Tages unsere kleine Gärtnerei und die Olivenplantage übernehmen werde…“, mischte sich Pino ein.
„Ich muss zuhause ständig neue Geschichten erfinden, warum ich immer noch keine Freundin habe und lieber mit meinen Kumpels unterwegs bin. Die Fragen meiner Eltern werden immer lästiger und mir fällt bald nichts mehr ein. Würde ich erzählen, dass ich zu Euch gewandert bin, dürfte ich vermutlich die nächsten Wochen gar nicht mehr raus. Zu Deiner Geburtstagsfete durfte ich ja auch nicht kommen. Wenn nur Männer auf einem Hof leben, sei das nicht ‚gesund‘ und ‚keine Umgebung‘ für mich. So denken sie… Ich weiß nicht, ob ich darüber ‚froh‘ sein soll und ‚überhören‘ kann ich das schon gar nicht… Ihr kennt meinen Vater nicht. Wenn der brüllt, hört das die ganze Nachbarschaft. Deshalb ist mein Bruder ja auch vor einem Jahr ausgezogen“.
„Oh, so schlimm ist das? Was hast Du ihnen denn heute für eine Geschichte erzählt?“.
„Das war nicht schwer. Ich mache regelmäßig Wanderungen alleine. Da schöpfen sie keinen Verdacht“.
Ruben rief aus der Sauna: „ Ich bin gleich fertig. Wenn Ihr wollt, können wir bei uns eine Tasse Kaffee trinken. Ein paar Kekse habe ich auch noch“.
„Prima, danke!“
Pino und Albert waren oft bei Ruben und Magne. Albert imponierten Magnes technische Kenntnisse und Pino arbeitete gerne mit Ruben im Kuhstall. Seit einigen Monaten hatte Magne auch den ersten Computer auf dem Hof. Besonders Albert ließ sich von Magne gerne die Datenverarbeitung erklären und hatte Spaß an all den Möglichkeiten, die diese neue Technik bot. Manchmal saßen die beiden bis tief in der Nacht vor dem Bildschirm und tüftelten an Programmen, die für den Hof zum Nutzen sein könnten.
Sowohl Roberto und Bjørn als auch Gus und ich wussten, dass Magne für kleine, schlanke und junge Männer sehr große Sympathien hatte. Auch Ruben war sich darüber im Klaren. Magne war in diesem Punkt auch sehr ehrlich. Er gab zu, dass ihn die spontane und unbekümmerte Art Alberts und nicht zuletzt sein kräftiger, geschmeidiger Körper faszinierte. Er war sich aber auch bewusst, dass er, mit fast vierzig Jahren, nichts tun durfte, was Albert in irgendeiner Form in seiner sexuellen Entwicklung stören könnte. Hätten Albert oder Pino in dieser Frage das Vertrauen zu ihm verloren, hätte er sofort seine Arbeit auf Bjørnstangen aufgeben müssen.
Wir alle kannten Magne gut und wussten, dass wir uns 100%ig auf ihn verlassen konnten.
Sigmund wollte gerade Albert etwas fragen, als Magne von draußen kam und seine Arbeitsschuhe im Windfang auszog. „Na, wollt Ihr drei schwitzen?“
Sie sahen sich unschlüssig an, bis Albert meinte: „Dauert ja viel zu lange, bis die Sauna angeheizt ist. Bis dahin muss Sigmund längst wieder los, wenn er rechtzeitig zuhause sein will“.
„Ist doch kein Problem. Ich kann ihn nach Hause fahren“.
„Oh, das ist nicht nötig, danke. Ich habe meinen Eltern nicht gesagt, wann ich nach Hause komme. Sie kennen das schon. Wenn ich auf einer Wanderung bin, sage ich nie eine feste Zeit“.
„Wie Du willst. Es wird nur früh dunkel und der Weg nach Holmestrand ist lang“.
„Macht nichts. Ich laufe gern im Dunkeln. Dann habe ich Gelegenheit zum Nachdenken“, grinste Sigmund.
„Ehy, Du bist mutig… Na ja, wie dem auch sei, ich heize mal die Sauna an. Ruben und ich werden nachher bestimmt noch schwitzen“.
Sigmund verfolgte jede von Magnes Handbewegungen und lächelte ihn an: „Du hast eine tolle Arbeit hier auf Bjørnstangen. So viele Freiheiten wünsche ich mir später auch mal“.
„Was möchtest Du denn mal werden?“
„Ich habe die ‚Medien- und Kommunikations-Linie‘ gewählt. Nach dem Militär gehe ich dann zum NRK (norwegische Fernseh- und Rundfunkanstalt) nach Oslo“.
„Spannend! Hätte ich auch gerne gemacht… aber dann hat’s doch nicht ganz gelangt und ich bin bei der Telekom hängen geblieben. Tja, und als mir Bjørn dann angeboten hat, hier zu arbeiten, habe ich zugeschlagen und mich noch einmal verändert“.
„Keine schlechte Entscheidung“.
Magne schloss die Sauna-Tür und ging in den Duschbereich. „So, jetzt ziehe ich mich eben um, dusche und komme dann zum Kaffee. Geh doch schon mal vor. Albert und Pino sind bestimmt auch schon in der Küche“.
Sigmund zögerte und schien etwas sagen zu wollen, biss sich dann aber auf die Lippen und blickte Magne lange an.
„Ich schmeiß Dich jetzt raus, damit Dir der Anblick eines dreckigen, hässlichen, nackten Mannes unter der Dusche erspart bleibt“, feixte Magne und knöpfte seinen Overall auf.
„Ach du grüne Neune, das macht mir nun wirklich nichts aus… Du bist weder hässlich noch dreckig… und… nackte Männer sind nichts Neues für mich. Wenn ich mit meinem Kumpel in Oslo im Bislett-Bad bin, schaue ich ihm auch manchmal beim Duschen zu. Er ist viel älter als Du… da ist doch nichts dabei. Schließlich bin ich kein kleines Kind mehr“.
„Glaube ich Dir. Aber wir kennen uns kaum… und… es soll keine Missverständnisse geben“.
„Wieso Missverständnisse? Glaubst Du, ich weiß nicht, dass Du schwul bist? Meine Eltern haben immer noch Angst, dass Schwule mich eines Tages verführen könnten. Sie wissen nicht, dass das längst passiert ist. Ich rede mit ihnen über so etwas nicht. Ich weiß, dass das nichts bringen würde und lasse sie einfach in dem Glauben, ich hätte noch keinerlei sexuelle Erfahrung und warte nur auf das richtige Mädchen. So haben sie und ich unsere Ruhe“.
„Das kann auch eine Lösung sein. Oder man macht es wie Pino und Albert... vollkommen offen und ohne jede Geheimniskrämerei“.
„Ja genau! Das hat mich an den beiden so fasziniert. Ich bin gegenüber Mitschülern sehr zurückhaltend, weil ich immer das Gefühl habe, sie nehmen mich nicht ernst. Aber Albert und Pino sind da ganz anders. Denen ist die Meinung der anderen egal. Sie sind sich selbst genug. Das finde ich ganz toll“.
Inzwischen hatte Magne Overall, Socken und Unterhemd auf eine Bank gelegt und drehte Sigmund in Unterhose den Rücken zu.
Während er das Wasser andrehte sagte er: „ Irgendwie seid Ihr drei Euch sehr ähnlich. Ihr seid für Euer Alter schon sehr erwachsen und habt viel mehr Selbstbewusstsein als ich, als ich so alt war wie Ihr…“. Er merkte, dass es albern war, die Unterhose nicht auch abzulegen, schob sie runter und schleuderte sie mit dem Fuß auf seinen Kleiderberg.
Für jeden schwulen Mann war Magnes Körper eine Augenweide. Leichte rote Behaarung, gut ausgearbeitete Brust- und Armmuskeln, kräftige Oberschenkel und Waden, dazu ein knackiger, runder Po, der durch die Behaarung wie ein Pfirsich wirkte. Sein leicht krummer Schwanz umgeben von dichter, roter Schambehaarung passte hervorragend zu seinem Gesamtbild.
Insgeheim liebte es Magne, sich so zu präsentieren. Er wusste, dass er Ruben mit seinem Körper immer wieder verrückt machen konnte. Gus, Tinus, Bjørn, Roberto und ich konnten diesem Anblick nie widerstehen, hatten aber in der letzten Zeit nur wenige Gelegenheiten gehabt ihn zu genießen. Für Albert und Pino war es fast alltäglich, Magne nackt zu sehen, da sie sich oft gemeinsam im Arbeitsraum umzogen. Sigmund genoss die Situation einfach, da Magne in jeder Hinsicht seinem Idealbild eines erwachsenen Mannes entsprach. In seinem Kopf stellte er sich sofort vor, wie Magnes steifer Schwanz sich in Rubens Arsch bohrte.
Als Sigmund merkte, dass seine Phantasien dazu führten, dass es bereits in seiner Unterhose feucht wurde, zwang er sich an etwas anderes zu denken und wendete seinen Blick bewusst ab. Er wusste, dass ihn weder Albert noch Pino jemals so erregen konnten, wie ein älterer, rothaariger, durchtrainierter Mann. Er prägte sich dieses Bild intensiv ein, damit er es abends in seinem Bett wieder abrufen konnte. Die Erinnerung an Magnes kurze Berührung im Gewächshaus beflügelte seine Phantasie jetzt noch mehr.
„Eine so tolle Figur wie Du werde ich nie bekommen, aber ich werde in Zukunft mehr Krafttraining machen, sonst kann ich mit den Jungs beim Militär nicht mithalten“.
Magne lachte laut und meinte: „Auch bei der königlichen Garde zählt am Ende Köpfchen mehr als Muskeln“.
Jetzt musste auch Sigmund lachen: „Na ja, ‚Gardemaß‘ erreiche ich sowieso nicht, damit erübrigt sich das Problem“.
„Die Kleinen sind immer im Vorteil. Sie können sich besser verstecken“, feixte Magne.
„Aber sind auch schnell Opfer der Großen“.
Magne hatte das Wasser abgestellt und trocknete sich ab.
„Benutzt Ihr die Sauna viel?“. Sigmund fragte lediglich, um überhaupt etwas zu sagen, denn er war immer mehr fasziniert von dem Anblick des starken, rothaarigen Mannes vor sich.
„Ja, regelmäßig. Wenn Tinus, Andreas und Sverre von Bergstad Gård noch dazu kommen, kann es hier richtig voll werden… schau mich nicht so an. Da werde ich ja ganz nervös…“.
„Ich…eh… nein, nein… Du siehst aber gut aus…“.
„Schlingel, vergiss nicht… Du bist gerade mal 17 und ich 39… und ich habe einen Freund“.
„Ja, entschuldige… ich wollte nicht aufdringlich sein. Ruben würde sicher böse werden, wenn er uns hier so sieht…“.
„Nein, da mach Dir mal keine Sorgen. Er ist in der Beziehung sehr gelassen“.
„Wenn ich einen solchen Freund wie Dich hätte, wäre ich wohl ständig eifersüchtig… glaube ich“.
„Wäre das so, wären wir schon längst nicht mehr zusammen. Bei den vielen netten Jungs, die hier auf Bjørnstangen ein und ausgehen…“.
„Ach so, Ihr vertragt Euch also alle gut mit einander?“
„Ja, das kann man wohl sagen…“, lachte Magne und zwinkerte Sigmund zu.
Der merkte, dass seine Hose im Schritt fast platzen wollte und hätte wahnsinnig gerne seinen Schwanz rausgeholt. Vermutlich dauerte es nur noch Sekunden, bis er abspritzen würde. Er hielt sich aber zurück, um diese neue, so wunderbare Freundschaft nicht zu gefährden. Er nahm sich aber vor, bei nächster Gelegenheit Pino und Albert ausführlich über Magne auszufragen. Der Mann machte ihn verrückt.
In einem Schrank des Umkleideraums hatte Magne neue Wäsche, ein Hemd und eine frische Hose. Als er seinen Slip hochzog, sah Sigmund, dass der krumme Schwanz an Volumen und Länge deutlich zugenommen hatte. Er hätte so gern einmal angefasst…
„Na? Was habt Ihr denn gemacht?“. Ruben zwinkerte ihnen zu, als sie gemeinsam in die Küche kamen.
„Unser Freund hier wollte unbedingt warten, bis ich mit dem Duschen fertig war“.
„Ah ja?“. Ruben grinste. „Und Du wolltest Dich natürlich von Deiner gepflegtesten Seite zeigen…“.
Sigmund meinte einen ironischen Unterton gehört zu haben und wollte dazu nichts weiter sagen.
„So, Jungs, greift zu!“ An Sigmund gewandt sagte Ruben: „Wenn Du möchtest und Zeit hast, kannst Du gerne zum Abendbrot bleiben. Es ist genug für alle da. Pino und Albert wollen nachher schwitzen, anschließend essen wir dann“.
„Oh ja, schwitzen würde ich auch gern“.
„Dann schwitzt Ihr drei erst, und Magne und ich kommen dann später. Handtücher und Bademäntel liegen im Umkleideraum. Zum Ausruhen müsst Ihr nach oben gehen. Bei uns würde es ein bisschen eng…“, grinste Ruben.
Albert und Pino schwitzen einmal in der Woche meistens abends kurz vor dem Schlafengehen. Es gehörte zu einem Ritual, dass sie sich vorher gegenseitig gründlich einseiften und dabei ihre Haut mit verschiedenen Bürsten massierten. Tinus hatte ihnen mal erzählt, dass die Finnen das so machen und ihnen verschiedene Bürsten und Seifen geschenkt. Sie hatten es ausprobiert und waren dabei geblieben.
Die Sauna war jetzt auf fast 90° angeheizt, die Fußbodenheizung hatte den Umkleideraum, Flur und Bad behaglich aufgewärmt und die Beleuchtung tauchte den gesamten Bereich in ein warmes, gemütliches Licht.
Sigmund hatte sich noch nie in einer fremden Umgebung spontan so wohl gefühlt. Er mochte Albert und Ruben mit ihrer ruhigen, freundlichen Art. Magne war der Mann, den er nicht mehr aus dem Kopf bekam und auch Ruben war ein interessanter und sehr erotischer Kerl. Er war froh, dass er Albert vor ein paar Tagen angesprochen und dann den Ausflug nach Bjørnstangen gemacht hatte. Hier war alles so entspannt und ruhig, ganz im Gegensatz zu seinem Zuhause, wo ständig gerufen, geschrien und hektisch umhergelaufen wurde. Hinzu kam, dass sie an einer Hauptstraße wohnten und ihn der Straßenlärm manchmal sehr störte. Er hatte sich quasi seinen eigenen Schutzwall geschaffen. Je lauter und hektischer es wurde, desto weniger sprach er mit den Menschen seiner Umgebung. Das war vermutlich auch der Grund, warum er Albert nie richtig aufgefallen war.
Albert und Pino hatten sich bereits im Umkleideraum ausgezogen, als ihnen auffiel, dass Sigmund noch etwas unschlüssig auf dem Flur stand. „Geht Ihr ganz nackt in die Sauna, oder nehmt Ihr Handtücher mit?“
„Hier kann es jeder machen, wie er will. Ein kleines Handtuch zum Draufsitzen und zwei große findest Du dort drüben. Wir duschen und waschen uns vorm ersten Saunagang. Manche duschen aber auch erst hinterher. Einen Bademantel kannst Du Dir auch nehmen. Wenn Du hinterher an die frische Luft möchtest, gehst Du einfach vor die Tür. Das stört niemanden. Anschließend kannst Du Dich oben ausruhen. Getränke stehen dort auf dem Tisch“.
Die beiden Jungs warteten nicht, bis Sigmund ausgezogen war. Sie gingen sofort ins Bad und stellten das warme Wasser an.
Bjørn hatte ihnen eine neue Seife aus Tønsberg mitgebracht, die wollten sie jetzt ausprobieren.
Mit leicht kreisenden Bewegungen verteilte Albert den Schaum gleichmäßig auf Pinos brauner, glatter Haut. Pino machte es ähnlich bei ihm. Dann nahmen sie abwechselnd verschiedene Bürsten und massierten sich damit gegenseitig erst den Rücken, dann die Beine und schließlich den Bauch.
Aus den kleinen Jungs waren inzwischen fast erwachsene Jugendliche geworden. Bei Pino war die Körperbehaarung bereits sehr prägnant. Seine Schamhaare waren tief schwarz und sehr dicht und die dunklen Haare breiteten sich schon bis zum Bauchnabel aus. Sein dunkler Penis war schön, ästhetisch geformt und gekrönt von einer zart rosa Eichel. Seine Hoden waren recht groß aber so dunkel, dass sie in den schwarzen Haaren kaum auffielen.
Alberts Haut war fast schlohweiß. Auch er hatte feste, schwarze Haare, die sich aber noch nicht so stark auf seinem Körper verbreitet hatten. Lediglich seine ungewöhnlich starken, muskulösen Beine, sein strammer, runder Po und seine Lenden waren mit dünnen, weichen, schwarzen Haaren bedeckt. Sein Penis und seine Hoden waren auffallend mächtig und eine dicke, faltige Vorhaut bedeckte seine Eichel komplett. Sein Geschlechtsorgan passte irgendwie nicht zu seinem jugendlich, glatten Körper. Es wirkte wie der Schwanz eines 30-40jährigen erwachsenen Mannes.
Sigmund hatte seine Sachen ordentlich zusammengelegt und sich ein großes Handtuch wie einen Wickelrock um die Hüften geschlungen. Seine Brille hatte er noch auf, weil ihn seine extreme Kurzsichtigkeit in fremder Umgebung immer sehr unsicher machte.
Als er in die Dusche kam, bürstete Albert gerade Pinos Rücken und gab ihm einen flüchtigen Kuss in den Nacken.
„Die Seife riecht gut“, stellte Sigmund fest.
„Nimm sie Dir und probiere sie aus!“
„Was bedeutet das mit den Bürsten?“
„Die Finnen waschen sich so vor der Sauna. Mein Papa hat mir das mal gezeigt, und wir machen das jetzt immer so. Das ist ein ganz tolles Gefühl auf der Haut“.
„Darf ich auch mal?“
Albert gab Sigmund eine Bürste und der begann vorsichtig und etwas unsicher seine Arme zu massieren.
„Komm! Ich massiere Dir den Rücken, wenn Du möchtest… aber lege Deine Brille ab“.
Pino nahm ihm die Brille ab und legte sie auf eine Ablage. Dann duschte er sich den Seifenschaum weg und verschwand in die Sauna.
„Das ist echt ein tolles Gefühl“.
„Fast noch besser ist es, sich gegenseitig nach einem Aufguss in der Sauna abzubürsten“.
„Machen das die anderen auch?“
„Mein Papa und Roberto nicht so gerne. Tinus, Andreas und Sverre machen das immer, wenn Tinus seinen speziellen Kräuter-Aufguss macht und Magne macht es immer Spaß, Ruben so kräftig zu bürsten, bis er ganz merkwürdig schreit“.
„Sag mal, wie haben sich Magne und Ruben kennengelernt? Ruben ist doch kein Norweger, oder?“
„Papa hat erzählt, Magne habe hier im Haus eine Telefonleitung gelegt, Ruben gesehen, ihn in die Disco oder ins Kino eingeladen… ich weiß nicht mehr so genau … und ein paar Wochen später sei Magne hier eingezogen. Das muss etwa ein Jahr vor meiner Geburt gewesen sein“.
„So lange ist das schon her?“
„Ja, Papa erzählt manchmal aus der Zeit. Mein richtiger Papa hat damals auch noch hier auf Bjørnstangen gearbeitet, bevor er mit meiner Mutter nach Bergstad gezogen ist“.
„Magst Du Magne und Ruben?“.
„Oh ja, die beiden sind sehr, sehr lieb und mein Papa und Roberto mögen sie auch sehr“.
„Ich finde besonders Magne sehr nett…“.
„Das habe ich schon gemerkt…“, grinste Albert, drehte den kleinen Sigmund so zu sich um, dass er ihm ins Gesicht gucken, und er ein paar Mal kräftig über seinen schlaffen Schwanz bürsten konnte.
Sigmund wurde rot und schaute ihn fragend an.
„Konnte man das sehen?“
„Also…Dein ‚Pullermann‘ – wie Pino immer sagt – ist ja nun nicht gerade der kleinste…und… hat eben vorhin manchmal Deine Hose richtig gut ausgefüllt. Aber das macht doch nichts… so ist das halt“.
„Ist Dir das auch schon mal passiert?“
„Das passiert mir dauernd, wenn ich an Pino denke“.
„Glaubst Du, dass Magne das auch gemerkt hat?“
„Bestimmt. Er mag Dich auch… Ruben übrigens auch…“.
„Hast Du das auch gesehen?“
„Ja“.
Albert lächelte Sigmund an: „Mach Dir keine Sorgen. Hier bei uns auf Bjørnstangen ist das alles völlig normal. Wir können froh sein, dass wir uns alle gut vertragen und es keinen gibt, der sich aufspielt“.
„Meine Eltern würde der Schlag treffen, wenn sie das alles wüssten. Ich glaube sie würden mich bis zu meinem 18. Geburtstag einsperren, wenn sie erführen, dass ich hier nackt mit Euch in der Sauna sitze“.
„Na, denk nicht darüber nach. Wir gehen jetzt erstmal schwitzen“.
Albert setzte sich auf eine Stufe unterhalb von Pino und lehnte seinen Kopf an seine Unterschenkel. Pino kraulte seinem Schatz die Haare und lehnte sich mit geschlossenen Augen an die Wand. Albert nahm seinerseits Pinos Zehen nach und nach in den Mund und lutschte sie behutsam ab.
Innerhalb von Sekunden waren beide Schwänze prall und steif. Sigmund versuchte wegzusehen, denn es war ihm peinlich.
„Entschuldige, stört Dich das? Wir machen immer solchen kleinen Spielchen beim Schwitzen“.
„Nein, nein… macht nur weiter… ich hatte nur nicht damit gerechnet“.
„Wenn Ruben und Magne gleich kommen, gehen wir besser raus. Papa und Roberto sehen es nicht so gerne, wenn wir zusammen schwitzen“.
„Wieso?“
„Weil die beiden ganz andere Spiele machen. Papa hat Angst, dass wir davon mal was unabsichtlich in der Schule erzählen, und es dann Ärger mit dem Jugendamt wegen meiner Pflegschaft geben könnte. Ich finde, er macht sich da viel zu viel Sorgen. Vor allem glaubt er, wir wüssten nicht, was er und Roberto abends im Bett machen, oder wir hätten noch nie gesehen, wenn sie auf Bergstad mit ihren Freunden zusammen im Bett Spaß haben. Er will ja selbst nicht wahr haben, dass Pino und ich es genauso machen, seit wir zusammen sind“. Albert schmunzelte. „Erwachsene wollen eben manchmal blind sein. Aber mein Papa ist trotzdem der beste Papa auf der ganzen Welt… da gibt’s nichts“.
„Ja, das glaube ich Dir… so einen Papa hätte ich auch gern. Meiner glaubt immer rumschreien zu müssen, damit alles so gemacht wird, wie er es will. Hinter seinem Rücken macht dann doch jeder, was er für richtig hält. Wenn Schreien nicht mehr hilft, versucht er es mit Geld. Mir hat er sogar mal 1000 Kronen zugesteckt, damit ich ein Mädchen zum Essen ‚ausführen‘ könne. Als ich ihm das Geld zurückgegeben habe, wollte er mich schlagen. Meine Mutter konnte ihn gerade noch bremsen“.
In diesem Moment ging die Sauna-Tür auf und Magne steckte den Kopf rein: „Na Jungs, schwitzt Ihr schön? Wir kommen auch gleich“.
„Wir gehen uns schon mal abkühlen“. Pino und Albert standen gleichzeitig auf.
„Ich bleibe noch einen Augenblick. Es dauert etwas länger, bis ich richtig schwitze“.
Draußen war es inzwischen dunkel geworden und die Lichter des Hofes waren nur noch schwach durch den Nebel zu sehen. Die beiden Jungs liefen hastig eine Runde über den Hof und schmissen sich dann auf die Bank vorm Brygghuset. Sie legten die Arme ganz fest um ihre feuchten, warmen Körper. Ihre Schwänze waren immer noch nicht wieder ganz schlaff.
„Sigmund ist ein netter Kerl. Ich glaube, er hat sich ein bisschen in Magne verguckt“. Pino schmunzelte.
„Gottseidank in Magne und nicht in irgendeinen Spinner“.
„Wird Ruben da nicht sauer?“
„Der?...“. Albert lachte laut. „Der denkt doch schon seit zwei Stunden darüber nach, wie er an Sigmunds Pimmel rankommen kann. Ich kenne Ruben. Er ist so spitz, dass kein Mann, egal wie alt, vor ihm richtig sicher ist. Aber er hat Respekt und kann sich auch zurückhalten. Papa sagt, er ist einer der zuverlässigste Männer, die er kennt… und… er würde niemals jemandem wehtun“.
„Ja, das glaube ich auch… Lass uns reingehen, mir wird kalt“.
Durch das Glas in der Sauna-Tür sahen sie, dass Sigmund mittlerweile zwischen Magne und Ruben saß und sich eifrig mit ihnen unterhielt. Er schwitzte tatsächlich wenig.
Albert und Pino schnappten sich ihre Bademäntel und sprangen die Treppe hinauf, um sich in einem der Gästezimmer auf ein Bett zu schmeißen, eine Decke über sich zu ziehen und zu kuscheln. Sie vergaßen dabei die Welt um sich herum und schliefen wie so oft in ihrer Lieblingsstellung ein. Bjørn hatte das damals ‚Löffelchen-Stellung‘ genannt. Bis heute schlafen die beiden so am liebsten ein. Was Bjørn bis vor ein paar Jahren nicht wusste war, dass Albert so schon mit 13 Jahren das erste Mal mit seinem steifen Schwanz in Pino eingedrungen war. Der hatte dabei niemals Schmerzen, und es war und ist für ihn das größte körperliche Glücksgefühl in seiner Partnerschaft mit Albert. Beim Sex können die beiden Jungs sehr heftig und laut werden und haben bis heute wohl so ziemlich alles ausprobiert, was zwischen zwei Männern möglich ist, aber am Ende schlafen sie fast immer als ‚fest verbundene Löffelchen‘ ein.
Als ich Gus das mal erzählte, meinte er nur lakonisch: „Ich liebe Dich wirklich ganz doll, aber das könnte ich nicht“. Ich musste zugeben, dass auch ich so nicht einschlafen könnte.
Als die beiden nach einer halben Stunde wieder aufwachten und nach unten gingen, um ihren zweiten Sauna-Gang zu machen, waren die drei anderen verschwunden. Pino schaute im Bad und draußen nach… keine Spur von ihren Freunden. Sigmunds Brille war weg, aber seine Sachen lagen noch immer so akkurat zusammengelegt auf ihrem Platz, wie er sie abgelegt hatte.
„Merkwürdig… oben waren sie doch auch nicht“.
„Vielleicht sind sie in der Wohnung“.
Auf Bjørnstangen war es nicht üblich Wohnungstüren zu verschließen und Albert war seit frühesten Kindertagen daran gewöhnt, in Rubens und Magnes Wohnung ein und aus zu gehen, wie es ihm passte. Als er ins Wohnzimmer schaute, hörte er Geräusche aus dem sich anschließenden Schlafzimmer. Es war ein leises Brummen, abgelöst von einem wohligen Stöhnen und hin und wieder ein kurzes Lachen. Er hörte Rubens Stimme keuchend flüstern: „Ja, genau so… kräftiger!“ Dann war Sigmund heiser und undeutlich zu vernehmen: „Oh Gott, das kann doch nicht wahr sein…“. Magnes Bass brummte sanft: „Bitte sag, wenn es weh tut…“.
Albert war bekanntermaßen ein sehr neugieriger Junge, aber jetzt zog er sich ganz leise zurück, ohne einen Blick hinter die nur angelehnte Schlafzimmertür zu werfen.
„Unser Freund Sigmund ist in den besten Händen und die drei machen im Augenblick gerade das, worauf sie vermutlich seit Stunden gewartet haben“. Albert grinste und zog Pino in die Sauna. Ja, sie waren sich selbst wirklich genug. Dass andere Männer ganz in ihrer Nähe heftigsten Sex mit einander hatten, interessierte sie nur wenig. In ihren Augen war ihr eigener Sex durch nichts zu übertreffen und war gleichsam das Privileg ihrer einzigartigen Beziehung. Alle unsere Freunde und wir waren der Auffassung, es brauche nur die richtigen Reize, dann würden sie wie 99% aller schwulen Männer, sich auch für andere Männer interessieren. Dem war und ist bis heute nicht so. Beide geben zu, dass sie sich gern von erotischen Männerkörpern stimulieren lassen und Männern allen Alters gern beim Sex zuschauen, aber nur um für sich selbst auf neue Ideen zu kommen.
Weit nach Mitternacht hörte Albert Magnes Auto vom Hof fahren. Weil er nachsehen wollte, ob alles ordentlich ausgeschaltet war, ging er noch einmal zur Sauna rüber.
Nur in der Wohnung und im Bad brannte noch Licht. Ruben wischte gerade die Dusche trocken und zuckte etwas zusammen, da er Albert nicht gehört hatte.
„Na, wollte Sigmund nicht länger bleiben?“
„Nein, er befürchtete, seine Eltern könnten sich doch Sorgen machen. Daher fährt Magne ihn gerade nach Hause“.
„Freut mich, dass es ihm offenbar bei uns gefallen hat“. Albert zwinkerte Ruben zu.
„Oh ja, der darf jederzeit wiederkommen… Der ist ein sehr stilles, aber sehr tiefes Wasser“, lachte Ruben. „Ich habe immer gedacht, ich sei unersättlich… Gegen den Jungen bin ich ein Schlappschwanz. Mein Magne schwebt im siebten Himmel… also, das war sicher nicht das letzte Mal, dass wir den – gar nicht so kleinen – Sigmund hier zu Gast hatten“.
„Schön… behandelt ihn gut. Ich muss noch ein Jahr lang mit ihm zusammen in eine Klasse gehen“, feixte Albert.
„Bestimmt…“.
Als sich Albert, Pino und Sigmund zwei Tage später in der Schule wieder trafen, kam er strahlend auf sie zugelaufen und rief:
„Hei, Ihr beiden Turteltauben, Danke für den bisher tollsten Tag in meinem Leben. Euer Hof ist das Paradies und Magne und Ruben sind die irrsinnigsten Typen, die ich je getroffen habe. Wenn ich darf, komme ich gern schon bald mal wieder. Magne hat gesagt, ich darf kommen, wann ich will – tag und nacht“.
„Ehy super… das freut mich. Dann also schon bald wieder bei uns…“.
Sigmund wurde nicht nur der beste Freund von Albert und Pino, sondern er kommt bis heute regelmäßig zu Magne und Ruben und gehört im Brygghuset schon zum ‚Inventar‘, wie Ruben zu sagen pflegt.
Am 30. Oktober 1998 wurde Albert volljährig. Zur Geburtstagsfeier trafen wir uns mit vielen Freunden auf Bjørnstangen. Alle „seine Onkel“, wie er uns nannte, waren gekommen. Seine „Papas“ hatten das Brygghus ausgebaut und für ihn und seinen geliebten Pino eine weitere Wohnung eingerichtet.
Im Mai 1999 schlossen Albert, Pino und Sigmund die „Vidergående skole“ (entsprechend der deutschen Sekundarstufe II) mit hervorragenden Examen ab. Nach norwegischer Tradition feierten die Abiturienten ihren Schulabschluss mehrere Tage lang ausgelassen mit Umzügen und Partys. Je nach gewählter Fachrichtung tragen sie in diesen Tagen eine Art Uniformierung, die aus roten, blauen, grünen oder schwarzen Latzhosen und Schiebermützen besteht. Die Schüler tauschen unter einander Visitenkarten mit Lebensweisheiten und lustigen Sprüchen aus und bewahren ihre „Russe-Utensilien“ meist ihr Leben lang. Oft werden- zum Leidwesen der Eltern – während der Partys die ersten sexuellen Erfahrungen gemacht und Alkohol fließt in diesen Tagen reichlich. Die drei Jungs machten in dieser Beziehung keine Ausnahme.
Für Pino bedeuteten diese Tage aber auch den Abschied von Bjørnstangen und seine Rückkehr nach Italien. Die beiden Jungs hatten sich lange auf diesen Tag vorbereitet und einen Plan gemacht, wie sie in Kontakt bleiben und sich regelmäßig besuchen wollten. Spätestens nach ihrem Studium wollten sie entweder in Italien oder in Norwegen endgültig zusammenziehen. Sie waren sich im Klaren, dass es drei bis vier harte Jahre werden würden.
Die letzte gemeinsame Nacht schliefen sie nur wenige Stunden. Ganz gegen ihre Gewohnheit waren sie beim Sex so laut, dass Roberto und Bjørn mehrfach erwachten und sich ernstlich Sorgen machten. Am nächsten Morgen schworen sie sich feierlich Enthaltsamkeit, bis sie sich in ein paar Monaten wiedersehen würden.
Als sie sich auf dem Flughafen ein letztes Mal in den Arm nahmen, flüsterte Pino: „Du kannst noch so weit weg sein, ich werde Dich immer spüren…“. Albert nahm seinen Pino noch einmal in den Arm und küsste ihn so innig, dass ein italienischer Tourist, der mit in der Warteschlange stand, protestierte und meinte, das sei nun wirklich der Gipfel einer barbarisch, protestantischen Provokation.
Sigmund begann ein halbes Jahr später seinen Militärdienst. Dort befreundete er sich mit einem acht Jahre älteren Vorgesetzten, zog später mit ihm zusammen und heiratete ihn 2011. Seine Eltern ignorierten sowohl dieses Ereignis als auch seinen Mann konsequent. Für sie war ihr Sohn nicht schwul.
Albert arbeitete jetzt jeden Tag von morgens bis abends auf Bjørnstangen. Seinen Militärdienst hatte er aus Gewissensgründen verweigert. Die Mitgliedschaft im Human-Ethischen-Verein gab ihm dabei den nötigen Rückhalt. Einen Ersatzdienst gab es in Norwegen damals nicht.
Unser Freund Viktor, der immer noch in der Universität Bremen arbeitete, hatte versprochen, sich um einen Studienplatz für ihn in Bremen zu kümmern. Albert wollte Wirtschaftswissenschaften studieren und nebenbei ein paar Semester Deutsch belegen. Seine Sprachbegabung war schon fast sprichwörtlich, und er brachte solide Grundkenntnisse mit. Jetzt wartete er jeden Tag auf einen Brief aus Bremen, um Klarheit zu bekommen, wann er beginnen könnte.
Pino hatte sich an der Veterinär-Hochschule in Mailand eingeschrieben und wohnte lediglich noch zwei Monate bei seinen Eltern Antonia und Luca.
Um ihm das Nachhause-Kommen attraktiver zu machen, hatten sie das ganze Haus renoviert, sein Zimmer neu eingerichtet und sogar ein Willkommensfest organisiert. Luca hatte aber auch in einem abendlichen Gespräch mit seinem Sohn klar gemacht, dass er und Antonia erwarteten, dass Pino nach dem Abschluss seines Studiums nach Ca…. zurückkommen und heiraten werde. Sie erwarteten zwar nicht mehr notwendigerweise, dass er den Betrieb übernehmen müsse, aber eine Tierarztpraxis in Ca… wäre ideal, und sie hätten schon mit dem Bürgermeister vereinbart, dass Pino eine Lizenz bekommen solle. Mit seiner Frau könne er dann in seinem Elternhaus wohnen. Das passende Mädchen für ihn hatten sie auch schon ausgesucht, falls er sich nicht für eine anderen entscheiden sollte. Die Tochter des örtlichen Apothekers schien für sie sehr geeignet. Sie war nach allgemeiner Meinung ‚bildhübsch‘, aber – wie Andrea später sagte – ‚leicht beschränkt‘. Sie hatte keinen Schulabschluss, half im Dorfladen bei Silvana aus und verdrehte abends regelmäßig in den beiden Dorf-Kneipen sowohl den älteren als auch den jüngeren Männern den Kopf. Ihr Vater war sehr daran interessiert, seine Tochter so schnell wie möglich ‚unter die Haube‘ zu bekommen. Daher hatte Antonia sie auch gleich zur Willkommensparty neben Pino platziert.
Er hatte lange nachgedacht, sich mit Andrea und Enrico beraten und war schließlich zu einem Entschluss gekommen. Er wusste, dass er mit seiner Familie brechen müsste und sich im Dorf nie wieder sehen lassen könnte, wenn er den Vorschlag seiner Eltern ablehnen und sein eigenes Leben mit Albert leben würde. Er liebte seine Eltern und wollte ihnen und seiner Schwester auch nicht wehtun. Andererseits konnte er sich als Familienvater und Tierarzt in Ca… keine Zukunft vorstellen. Er würde aber ihren Ruf im Dorf retten, wenn er wenigstens zum Schein eine Beziehung mit Lucia einging. Dann könne er später sagen, es habe eben nicht gepasst und er wolle sich in Mailand anderweitig umsehen. Die Zeit würde dann, so hoffte er, für ihn arbeiten.
Er schrieb einen langen, verzweifelten Brief an Albert und wollte seinen endgültigen Rat.
Albert schrieb zurück, dass er sich nicht vorstellen könne, wie Pino aus dem Dilemma rauskommen wolle, er aber ‚unendliches‘ Vertrauen in ihn habe, ihn ‚wahnsinnig‘ liebe und sich nichts anderes vorstellen könne, als mit ihm zusammen alt zu werden.
Pino hielt Alberts Brief in den Händen, weinte hemmungslos, zerknüllte ihn und strich ihn dann wieder glatt. Schließlich steckte er ihn in die Hose. So wie er es mit dem ersten Brief gemacht hatte, den er Albert als Kind geschrieben hatte. Es war eine ähnliche, kurze Hose, knall eng und er trug sie bewusst ohne Unterhose. Dann machte er sich zu Fuß auf, um in eine Bar zu gehen, in der Lucia normalerweise zu treffen war. Er wollte eine Show abziehen, die das Dorf noch nicht gesehen hatte. Ihn trieb eine Mischung aus Wut und Verzweiflung.
Als er in die Bar kam, drehten sich alle Männer um und musterten ihn aufmerksam. Er sah Lucia sofort. Sie saß in einem viel zu kurzen Rock, stark geschminkt und mit einem tief ausgeschnittenen Top auf einem Barhocker und nippte an einem ‚Aperetivo‘.
Als sie ihn sah, rief sie: „Ciao caro!“. Er ging direkt auf sie zu, gab ihr einen Kuss. Dabei achtete er darauf, dass möglichst viele es sehen konnten. Dann nahm er sie am Arm und flüsterte: „Komm, lass uns ein bisschen spazieren gehen“.
Sie willigte sofort ein, schmiegte sich an ihn und strahlte.
Er hakte sie unter, sprach nicht viel und zog sie ziemlich hastig durch die dunklen Gassen des Dorfes. Er wusste, dass sie von vielen Augen verfolgt wurden und es sich wie ein Lauffeuer verbreiten würde, dass er mit Lucia ‚losgezogen‘ sei.
Er kannte eine Bank gleich hinter der Kirche, die nur von einem Haus gut einsehbar war. Dort wohnte die größte Klatschbase des Ortes und er konnte sicher sein, dass alles, was jetzt geschah, am nächsten Tag die Runde im Dorf machen würde.
Er musste sich zwingen, dass ihm nicht übel wurde, als Lucia ihm zwischen die Beine griff und anerkennend durch die Zähne pfiff. Sie war ohne Zweifel geil und genoss Pinos entschlossene Art. Der schloss die Augen und dachte an Albert, während sie seine Hose öffnete und gekonnt seinen Schwanz in den Mund nahm. Trotz intensiver Bemühungen schaffte sie es allerdings nicht sofort, seinen Penis auch nur ein bisschen steif zu bekommen. Pino konzentrierte sich auf Albert und den für ihn schönsten Körper der Welt. Er stellte sich vor, in Albert einzudringen und von ihm geküsst zu werden. Daher entzog er Lucia seinen Schwanz, wichste ihn ein paar Mal und drückte ihn dann mit einer für ihn völlig ungewöhnlichen Gewalt in sie hinein. Es wunderte ihn, dass das ohne jeden Widerstand funktionierte und Lucia offenbar schon sehr routiniert war. Sie bewegte sich rhythmisch, stöhnte laut, warf ihren Kopf zurück und atmete immer schneller. Pino wollte abspritzen, schnell aber ohne jeden Genuss. Er keuchte kurz, wischte sich mit dem Arm über die Stirn, zog seinen feuchten Schwanz zurück, steckte ihn wieder in die Hose zurück, erhob sich, gab Lucia einen flüchtigen Kuss und ging, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Am nächsten Tag packte er seine Koffer, verabschiedete sich von seinen Eltern und seiner Schwester und fuhr mit dem Bus nach San Remo. Seinen eiligen Aufbruch begründete er damit, dass er sich dringend um seine Studentenbude in Mailand kümmern müsse.
Schon an der Bushaltestelle hatte er festgestellt, dass die vorbeikommenden Leute besonders freundlich zu ihm waren. Einige wollten wissen, was er beruflich vorhabe, andere wünschten ihm einfach nur Glück für die Zukunft. Zwei Männer, die er aus der Nachbarschaft kannte, versuchten ihn im Bus in ein Gespräch zu verwickeln und wollten wissen, ob er nicht bald heiraten wolle. „Ja, kann sein…“, antwortete er lächelnd.
Als er im Zug nach Mailand saß, flossen die Tränen wieder und der Schaffner fragte besorgt, ob alles in Ordnung sei, oder er helfen könne. Pino schüttelte lediglich den Kopf und zwang sich zu einem Lächeln.
Noch im Zug begann er einen Brief an Lucia zu schreiben. Er wollte ihr erklären, dass er niemals mit ihr zusammen sein könnte, dass er nichts für sie empfände und, dass eigentlich seine Mutter Schuld habe, dass er ihr quasi falsche Versprechungen gemacht habe. Als er fast eine Seite geschrieben hatte, zerknüllte er den Brief, nahm einen neuen Bogen und schrieb in großen Buchstaben: „Tut mir leid! Ich komme nicht mehr zurück. – Pino“
In seinem Zimmer in Mailand schrieb er an Albert. Er schilderte fast jede Minute seit seiner Ankunft in Ca…, seine Gedanken über seine Eltern, die Nächte, in denen er nur an Albert gedacht hatte, seinen Abend mit Lucia und seinen Beinahe-Zusammenbruch in der Bahn. Er schrieb über seine Verzweiflung, dass Albert jetzt nicht bei ihm war, dass er ihn unsagbar vermisse und, dass er nach seinem Studium niemals eine Tierarztpraxis in Italien eröffnen werde. Er steckte noch in der Nacht beide Briefe in den Briefkasten.
Albert erreichte die Nachricht, dass er sein Studium in Bremen beginnen könne einen Tag nachdem Pino abgereist war. Viktor hatte ihm nicht nur den Studienplatz besorgt, sondern stellte ihm auch unsere alte Studentenwohnung zur Verfügung, die gerade wieder frei geworden war. Viktor hatte das Haus zwei Jahre vorher nach dem plötzlichen Tode seines Vaters geerbt und vermietete jetzt nur noch an Studenten.
Der Brief von Pino ließ ihn für einen kurzen Augenblick zögern, ob er überhaupt nach Bremen gehen solle. Schließlich beschloss er, erst nach Mailand zu fliegen und dann nach Bremen umzuziehen.
Bjørn und Roberto gaben zu bedenken, dass die Zeit knapp werden könne, denn er brauche einige Zeit, um sich mit der deutschen Bürokratie und den Gepflogenheiten des neuen Landes vertraut zu machen und der Umzug müsse ja auch noch geregelt werden.
Ich machte den Vorschlag, Albert solle seine wichtigsten Sachen auf eine Euro-Palette packen, die dann ein LKW von Grønnt-Hus auf seinen regelmäßigen Touren nach Deutschland mitnehmen würde. So geschah es.
Dass Treffen der beiden Freunde in Mailand dauerte nur drei Tage. Tage in denen sie wieder kaum schliefen, fast nur nackt in Pinos schmalem, knarrendem Bett lagen und endlos mit einander redeten. Die Studentenbude lag in einem Mehrfamilienhaus mitten in der Stadt, war laut und stickig und die Wände des Zimmers waren so dünn, dass man das Schnarchen des Zimmernachbarn hören konnte. Trotzdem konnten sie es nicht lassen sich zu lieben, ungehemmt so, wie sie es gewohnt waren.
Sie versprachen sich, sich so oft wie es ginge zu treffen. Für teure Flugreisen hatte beide kein Geld, aber sie wollten jeden Pfennig zurücklegen, um in den jeweiligen Semesterferien wenigstens eine Reise finanzieren zu können.
Das Weihnachtsfest 1999 und die „Jahrtausendwende“ waren für Pino die „schlimmste Zeit“ in seinem Leben, wie er später sagte. Er hatte weder Weihnachtsgrüße an seine Eltern verschickt noch etwas von ihnen erhalten. Von Lucia war eine Postkarte gekommen: „Braise all'inferno!“ (Schmor in der Hölle!). Ein anderthalb stündiges Telefongespräch mit Albert hatte ihn fast sein gesamtes Erspartes für den Monat gekostet und dazu geführt, dass er völlig aufgelöst und weinend im Halbdunklen auf seinem Bett lag, als draußen auf den Straßen Mailands die Knallerei, und ganz in der Nähe das spektakuläre zentrale Feuerwerk begann. Er war der festen Überzeugung alles falsch gemacht zu haben. Er dachte an seine letzte Nacht mit Albert auf Bjørnstangen, bearbeitete dabei seinen Schwanz so wild, bis es so höllisch wehtat, dass er vor Schmerzen kurz schrie. Er stellte sich weinend und nackt ans offene Fenster und überlegte für einen Augenblick, ob er springen sollte. In diesem Moment ging unter ihm auf der Straße eine johlende Gruppe junger Männer vorbei. Sie schwenkten Sektflaschen, prostetem ihm zu, lachten und einer rief ihm zu, er solle doch mit ihnen feiern.
Es war, als wache er nach einem Albtraum auf. Er wischte sich mit seiner für ihn typischen Armbewegung über die Augen, zog eine Hose und einen Pullover über und lief die Treppen hinunter.
Am Ende der Straße sah er die Gruppe der Männer gerade noch um eine Häuserecke verschwinden. Er rannte ihnen nach und erreichte sie völlig außer Atem in einer kleinen Grünanlage, in der noch andere junge Männer sich versammelt hatten, um Böller zu zünden (privates Feuerwerk war verboten).
„So allein? Wir dachten Du wolltest nicht mitkommen. Willst Du was rauchen? Oder was trinken?“
„Danke, ich rauche nicht…“.
„Gott, wie langweilig! Wir dachten, Du wärst für einen Spaß an diesem einmaligen Tag zu haben“.
„Ich bin nicht in der Stimmung. Ich… ich wollte nur mal gucken…“.
„Deine Freundin wollte wohl nicht so, wie Du wolltest?“, grinste einer der Jungs. „Verstehe zwar nicht, wie man so etwas Hübsches wie Dich von der Bettkante schupsen kann… aber versteh einer die Frauen… Du hast doch einiges zu bieten… war doch richtig ansehnlich, was wir da eben am Fenster gesehen haben“.
„Nein, nein… da war nichts… ich bin nur etwas spät wach geworden…“.
„Sag bloß, Du hast keine Freundin… Da müssen wir Dir ja etwas suchen“.
„Ich sagte doch, ich bin nicht in der Stimmung“.
„Dann trink was mit uns, dann wird die Stimmung besser und Dein Prachtexemplar kriegt auch noch seinen ‚Millenniumsknall‘…“.
Die Jungs grölten vor Lachen, schüttelten eine Sektflasche und spritzen ihn an.
„Oh, entschuldige! Komm, ich trockne Dich ab“. Der Junge hatte sehr weiche, fast kindliche Gesichtszüge und war vermutlich etwa in seinem Alter. Pino fand ihn attraktiv und trotz einer alkoholbedingt etwas überspannten Art auch sympathisch.
„Lass uns dort rüber gehen… müssen ja nicht alle sehen…“. Er zog Pino zu einem Gebüsch, holte sein Taschentuch raus und begann auf seinem Pullover zu reiben. Pino ließ es sich gefallen, spürte seinen immer noch schmerzenden Schwanz und die Hand, die sich langsam seiner Beule näherte. Er hatte in der Eile keinen Slip und auch kein Hemd angezogen, was sein ‚Helfer‘ bereits gemerkt hatte.
„Trägst Du keine Unterwäsche? Da geht das klebrige Sektzeug ja gleich bis auf die Haut“.
„Macht nichts… ich kann ja nachher duschen“.
„Oder ich lecke es Dir ab…“. Der Knabe hatte es kaum ausgesprochen, schon hatte er Pinos Pullover etwas nach oben geschoben und seine Zunge begann seinen Bauchnabel zu umkreisen.
Pino dachte: „Ich bin ein Arschloch. Spätestens jetzt müsste ich dem Kerl eine scheuern… aber verdammt… es tut so gut… Er würde Albert nachher noch einmal anrufen und ihm alles erzählen“.
Inzwischen bahnte sich die Zunge ihren Weg unter den Hosenbund und erreichte die Schamhaare. Sein Schwanz war steinhart und hatte sich hinter dem Gürtel rausgedrängt. Pino wollte nichts tun. Er ließ den Jungen einfach machen. Der grunzte zufrieden, berührte mit seinen Lippen die rote, arg strapazierte Eichel und nahm schließlich das pralle Glied in den Mund.
Sein ‚Helfer‘ hatte sich längst seine eigene Hose nach unten gerissen und wichste kräftig seinen kleinen, braunen Bleistift-Schwanz. Ein schnelles Atmen und kurzes Keuchen kündigte an, der Kerl konnte seine Sahne nicht mehr zurückhalten. Trotzdem gab er Pinos Latte nicht frei, sondern drückte sie noch tiefer in seinen Schlund. Die Explosion seines kleinen Kolbens schien kein Ende nehmen zu wollen. Immer wieder spürte Pino, dass Schübe des fremden Spermas gegen seine Beine spritzten. Er wunderte sich, dass ein so kleiner Schwanz und so kleine Eier, solche Mengen Sperma überhaupt hervorbringen konnten. Er hatte immer gedacht, er und Albert seien Weltmeister, was die Menge ihrer Sahne anging. Dieser Junge übertraf sie beide um ein Vielfaches. Jetzt konnte auch er sich nicht mehr zurückhalten und ließ seinem Schwanz freien Lauf. Er spritzte in den fremden Rachen, bis der Junge würgte, stieß noch einmal tief in den weit geöffneten Mund und sah, dass die dazugehörigen Augen weit aufgerissen waren und sich verdrehten.
„Ehy, das war gut… Du bist eine Wucht. Wann sehen wir uns wieder?“.
„Nie… ich bleibe nicht in Mailand…“.
„Oh, wie schade… hast Du einen Freund?“
„Ja!“
„Ach so, na dann… frohes neues Jahr!“
Als Pino wieder nach Hause kam, wurde es bereits hell. Er ließ das warme Wasser der Dusche über seinen Körper rinnen, betrachtete versonnen seinen knallroten Schwanz und beschloss, sein Studium in Mailand aufzugeben und zu Albert nach Bremen zu fahren. Egal was passierte, er würde sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten. Hauptsache er hatte ihn wieder… alles andere war ihm in diesem Moment egal.
Es dauerte zwar noch über einen Monat bis die Wohnung aufgelöst und alle Formalitäten an der Uni erledigt waren, aber dann saß er am 20. Februar im Nachtzug nach Deutschland.
Als er dann am 21. abends gegen 19:00 Uhr in Bremen vor der Tür seines geliebten Albert stand, schlug ihm das Herz bis zum Hals. Er hatte weder von seiner Silvesternacht noch von der Aufgabe seines Studiums erzählt. Er hatte in den letzten Tagen nur ein paar Mal kurz mit Albert am Telefon über einige belanglose Dinge gesprochen.
Als er dann vor ihm stand in seiner bekannten Schlafanzugshose und mit dem für ihn so typischen, strahlenden Lächeln, hatte Pino für einen Moment das Gefühl, der Boden unter seinen Füßen würde ihm weggerissen. Er fiel seinem Geliebten förmlich in die Arme und schluchzte so erbärmlich, dass er nur noch die Worte rausbrachte: „Ich schwöre Dir, ich lasse Dich nie wieder los…Du kannst mich schlagen, treten und bespucken… aber Du bist der einzige Mensch, den ich wirklich liebe“. So standen sie beide minutenlang zwischen seinen beiden Reisetaschen im Flur. Die Tränen flossen in Strömen, sie sahen sich immer wieder an, strichen sich unablässig über den Kopf und bedeckten sich gegenseitig mit Küssen.
Eine Mitbewohnerin des Hauses stand oben an der Treppe, lächelte und zog sich ganz leise wieder in ihre Wohnung zurück.
Als Pino und Albert in ihrer so geliebten ‚Löffelchenstellung‘ und mit den für sie typisch in einander verkrallten Händen im Bett lagen, fiel von Pino eine Last ab, die ihn, wie er später sagte, wie ein schwerer Stein die letzten Monate ständig unter Wasser gezogen hatte.
Viktor schloss Pino sofort in sein Herz und versuchte durch Beziehungen und mit viel Aufwand, ihm einen Studienplatz für Veterinärmedizin in Hannover zu besorgen. Die Bremer Uni hatte diesen Studiengang nicht zu bieten. Das bedeutete für Pino vier Mal in der Woche in aller Herrgottsfrühe aufstehen, mit dem Zug nach Hannover und abends die selbe Strecke wieder zurück. Er nahm das klaglos in Kauf. Eine erneute Trennung von Albert war für ihn undenkbar. Lieber hätte er auf das Studium verzichtet.
Die gemeinsame Zeit verbrachten die beiden mit Fahrradtouren, Theater- und Kino-Besuchen, hin und wieder einem Saunabesuch in Hannover und Wanderungen in der Umgebung Bremens.
Außer Viktor und Ronald hatten sie nur wenige Freunde. Manchmal kamen Roberto und Bjørn zu Besuch, die dann in alter Verbundenheit bei ihrer alten Studentenwohnungs-Vermieterin Tante Rosa übernachten durften. Gus und ich nahmen hin und wieder die Gelegenheit wahr, öfter mal bei Viktor und Ronald vorbeizuschauen und an alte Zeiten in Viktors ‚ägyptischen Bad‘ anzuknüpfen.
Vier Wochen nach Pinos Ankunft in Bremen heirateten Gus und ich in Amsterdam. Für die beiden Jungs eine willkommene Gelegenheit, dem Stress von Studienplatzsuche für Pino und Studienbeginn für Albert zu entfliehen. Papa Bjørn und Roberto spendierten ihnen die Reise und trafen sich mit ihren ‚beiden Söhnen‘ schon zwei Tage vor dem Fest in Tinus‘ großem Haus an der Singel-Gracht, wo auch Bjørn, Roberto, mein Vater und sein Partner Anders untergebracht waren.
Pino war in den letzten Tagen etwas gedrückt und nachdenklich, weil, nachdem er seinen Eltern von seinem Umzug nach Bremen geschrieben hatte, nicht etwa eine Antwort von ihnen sondern stattdessen von Lucia kam. In kurzen dürren Worten schrieb sie ihm, dass sie ‚aller Wahrscheinlichkeit nach‘ ein Kind von ihm erwarte, sie aber nichts mit ihm zu tun haben wolle, er auch nicht nachfragen brauche… und überhaupt, er sei und bliebe ein Arschloch. Geld wolle sie von ihm keins, aber er solle sich niemals wieder in Ca… sehen lassen. Er wäre dort seines Lebens nicht sicher, das schwöre sie ihm. Er habe nicht nur ihre Gefühle tief verletzt, sondern seine Eltern seien beide ‚gebrochene Menschen‘…wegen ihm.
„Dann ist die Sache ja jetzt endgültig klar…“, meinte Albert trocken, als auch er den Brief gelesen hatte. „Ich hätte Lust, sofort nach Ca… zu fahren und der Dame und Deinen Eltern zu sagen, was ich von ihnen halte, aber vermutlich würde dann alles noch viel schlimmer… also lassen wir es und genießen lieber diese herrliche Stadt“.
Pino war hin und hergerissen zwischen der Versuchung Lucias Worten zu glauben, oder sie als wütende Beschimpfungen und eine Art Rache einfach abzutun. Ja, er hatte einen Fehler gemacht und ja, er wollte sich damals eigentlich an allen rächen, die ihn jahrelang nicht für voll genommen hatte. Er wollte seinen Eltern zeigen, dass er über sein Leben selbst bestimmen wollte und schon gar nicht, wollte er sich von ihnen vorschreiben lassen, wen er zu lieben hatte. Aber er wollte niemanden wirklich verletzen, und doch hatte er vielleicht ein Kind im Hass gezeugt. Er war Katholik und man hatte ihm den Begriff der ‚Sünde‘ von Kindesbeinen an eingetrichtert. Er erinnerte sich, dass er so lange er denken konnte, mit einem schlechten Gewissen in die Kirche gegangen war. Seit er hören konnte… nein, eigentlich seit er Albert kannte, war damit Schluss. Seine Kommunion war eine Farce, er hatte mitgespielt, weil er musste. Über das christliche Getue seiner Mutter hatte er sich mehr und mehr lustig gemacht und gebeichtet hatte er nie.
Nach Lucias Brief war da plötzlich wieder dieses ungute Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, gesündigt zu haben und Rechenschaft ablegen zu müssen. Er hasste sie, weil sie – genau wie seine Eltern – ihn zu etwas zwingen wollte, was ihn innerlich zerbrochen hätte. Sie hasste ihn, weil er sie respektlos für seine Rache benutzt hatte.
Alles, was ihm seine Eltern und der Pastor über Hass und Liebe aus christlicher Sicht beigebracht hatten, erwies sich plötzlich als hohles Gerede, denn seine Eltern schienen ihre Liebe zu ihm ihren Prinzipien unterzuordnen und Lucia schien ihrer Prinzipien wegen nicht vergeben zu können. Er liebte seine Eltern dafür, dass sie ihn behütet hatten, als er schwach war und er respektierte sie für ihren Fleiß und das, was sie sich erarbeitet hatten, aber deshalb musste er sich ihnen nicht unterwerfen. Am bedrückendsten war für ihn allerdings die Tatsache, dass seine Eltern Lucia benutzt hatten, genau das zu versuchen – ihn zu unterwerfen.
Pino wusste jetzt, warum er Albert so unsagbar liebte. Albert verlangte nichts von ihm, ließ ihm seine Freiheit, beschützte ihn aber gleichzeitig und gab ihm mehr, als er zurückgeben konnte. Pino war zutiefst traurig, dass seine Eltern, die ihn doch eigentlich am besten kennen sollten, dies nicht begreifen wollten oder konnten. Wenn es das war, was Lucia mit „gebrochene Menschen“ bezeichnete, dann war das nicht seine ‚Schuld‘. Er konnte es nicht ändern.
Sollte er wirklich Vater eines Kindes werden, wollte er sich nicht aufdrängen. Er hoffte, dass die Mutter dem Kind eines Tages eine wahre Geschichte ohne Hass über ihn, den Vater, erzählen würde. Wenn sie es nicht tat, könnte er auch das nicht ändern.
All diese Gedanken gingen Pino durch den Kopf, als er mit Albert vor dem Haus an der Singel-Gracht saß und dem bunten Treiben auf der Straße und dem Wasser zusah. Albert hatte seinen Kopf auf seine Schulter gelegt, blinzelte in die Sonne und fragte: „Was denkst Du gerade?“
„Ich denke nach über Liebe und Hass, meine Eltern, Lucia und mein eventuelles Kind“.
Albert gab ihm einen flüchtigen Kuss auf den Hals und kuschelte sich noch etwas fester an ihn.
„Obwohl meine Eltern erst zehn Jahre tot sind, kann ich mich an sie kaum noch erinnern. Woran glaubst Du liegt das? Ich glaube es liegt daran, dass sie sich selbst mehr geliebt haben als mich. Warum sind die Erinnerungen an ‚Papa‘ Bjørn und Onkel Roberto so deutlich und klar. An ihre Geschichten, wenn sie mich zu Bett gebracht haben, erinnere ich mich als wäre es gestern gewesen. Ich erinnere mich nicht einmal daran, dass meine leiblichen Eltern mir irgendwann einmal eine Geschichte erzählt hätten, geschweige denn jemals einen Gutenachtkuss von ihnen bekommen zu haben. Man würde wohl heute sagen, ich habe sie verdrängt. Ich hoffe, es geht Dir mit Deinen Eltern nicht genauso. Sprich doch mal mit Onkel Andrea. Er kennt Deine Eltern und Lucia gut und kann vielleicht beurteilen, wie sie wirklich denken“.
„Habe ich eigentlich schon mal gesagt, dass ich Dich liebe?“. Pino nahm spontan Alberts Kopf in beide Hände und küsste ihn so intensiv, dass ein älteres deutsches Touristenpaar stehen blieb und sich zuraunte: „Typisch Amsterdam!“
Als Albert wieder Luft bekam, flüsterte er zurück: „Ich denke es jeden Tag…“, und laut, fast schreiend fügte er hinzu: „Ja, ich liebe Dich… so sehr, dass ich es mit Worten gar nicht ausdrücken kann. Willst Du mich heiraten?“.
Pino lachte: „Das wollte ich Dich doch gerade fragen… Ja, ja und nochmals ja…“.
Die beiden sprangen auf und entzogen sich den neugierigen Blicken der Passanten, die inzwischen in kleinen Gruppen stehengeblieben waren, teilweise kopfschüttelnd, grinsend oder sogar „Bravo“ rufend.
Im kleinsten Gästezimmer des Hauses van den Berg fielen die beiden dann so wild über einander her, dass man eine Mischung aus lautem Lachen, wohligem Grunzen, lustvollem Stöhnen und unverständlichen Wörtern einer unbekannten Sprache bis ins Wohnzimmer hörte.
Tinus kommentierte nur lakonisch: „Wer feiert denn nun seine Hochzeit, Ihr oder Pino und Albert?“.
Gus lachte: „Bei uns ging das auch mal so los… und dann hat es noch zwanzig Jahre gedauert, bis es soweit war“.
„Na ja, der kleine Unterschied: für die beiden ist es nun wirklich nicht das erste Mal. Die haben schon mit 14 die Laken auf Bjørnstangen ruiniert“, frotzelte Bjørn.
„Wir waren auch nicht viel besser. Ich erinnere Dich nur an unsere erste Nacht in der Hermann-Böse-Straße in Bremen. Unsere Vermieterin hätte damals allen Grund gehabt, uns wegen nächtlicher Lärmbelästigung sofort wieder zu kündigen“, feixte Roberto und zwinkerte Bjørn zu.
Bei der Zeremonie unserer Hochzeit, die ich ja schon an anderer Stelle geschildert hatte, saßen Pino und Albert dichter zusammen als die anderen Gäste und hielten sich die ganze Zeit über mit ihrem gewohnten „Krallengriff“ fest.
Während unserer anschließenden Bootsfahrt durch die Grachten Amsterdams, standen die beiden Jungs an der Reling, hatten sich gegenseitig den Arm um die Schulter gelegt und waren offenbar in die Gebärdensprache zurückgefallen. Sie gestikulierten, deuteten auf Dinge am Ufer, die sie interessant fanden und schauten sich wortlos an, wobei sie, wie bei Gehörlosen üblich, ihre Mimik betont deutlich, fast übertrieben einsetzten. Man hörte von ihnen kaum ein Wort, lediglich ihr fröhliches Lachen klang manchmal zum Rest der Gesellschaft herüber.
Am Ende der Tour hatten sie beschlossen, auch in Amsterdam heiraten zu wollen. Ziemlich genau ein Jahr später setzten sie ihr Vorhaben in die Tat um.
Sie liefen durch die Stadt, saßen am Fähranleger hinterm Bahnhof, schauten den vorbeihastenden Passanten und der unendlichen Zahl von Fahrradfahrern zu, die sich auf die blau-weißen, kleinen Schiffe drängten. Dann ließen sie sich durch die Warmoestraat treiben, amüsierten sich über verschreckte Touristen, die die Damen in den Schaufenstern des Rotlichtviertels betrachteten, als seien sie obszöne Schaufensterpuppen. Pino kaufte einen Salz- und einen Pfefferstreuer aus Porzellan in der Form eines Penis, die er den beiden eifrigen Hobbyköchen Andrea und Enrico schenken wollte.
Am Abend vorher hatte Pino mit Andrea über das Problem mit seinen Eltern und Lucia gesprochen. Andrea hatte von den Gerüchten gehört, die Lucia in der Bar des Dorfes verbreitet hatte, wollte aber von Pino wissen, ob da überhaupt etwas dran sei.
Pino erzählte ihm die ganze Geschichte aus seiner Sicht und zeigte ihm Lucias Brief.
„Ich spreche mit Antonia und Luca. Mach Dir aber keine Hoffnung, dass sie ihre Haltung ändern. Du kennst sie viel besser als ich. Sie werden erwarten, dass Du Dich bei ihnen entschuldigst. Lucia ist als durchtriebenes Luder bekannt. Ihr ist egal, welcher Mann ihr seinen Schwanz zwischen die Beine steckt. Mich wundert, dass sie von Dir kein Geld will. Ich weiß, dass sie mehrere Männer im Dorf abgezockt hat. Dein Glück, dass sie Dich nur schwer erpressen kann. Aber sollte sie wirklich ein Kind von Dir bekommen, wirst Du es wohl unterstützen müssen. Ich werde aufpassen, was passiert“.
„Danke! Bei meinen Eltern werde ich mich nicht entschuldigen. Ich bleibe bei Albert. Wir werden im nächsten Jahr hier in Amsterdam heiraten. Wenn sie dabei sein wollen, schmeiße ich sie nicht raus. Wenn sie nicht wollen, nehme ich es ihnen nicht übel, aber ich mache keinen Schritt auf sie zu. Dann ist es eben, wie es ist. Ich bin sehr sehr glücklich und Albert, sein Papa, Onkel Roberto, Tante Rita, Onkel Odd und all unsere Freunde sind meine Familie. Da gibt es keine Diskussion“.
„Ich verstehe Dich sehr gut und freue mich wahnsinnig für Euch beide“.
Um es gleich vorweg zu nehmen, Andreas Bemühungen um eine Verständigung waren total vergeblich. Besonders Antonia war verbittert und gab „den Barbaren“ die Schuld dafür, dass sie „ihren Sohn verloren“ hatte. Luca war zwar dankbar dafür, dass norwegische Ärzte seinem Sohn das Gehör „geschenkt“ hatten, aber gemeinsam mit dem Pastor war er der festen Meinung, dass man die Sünden, die Pino auf sich geladen habe nicht so einfach vergeben könne. Er sah dadurch sein „Lebenswerk“ zerstört und hatte nur noch die eine Hoffnung, dass seine Tochter ein „gottgefälliges“ Leben führen werde.
Pino nahm auch später alle Nachrichten, die er aus Ca… erhielt, erstaunlicherweise emotionslos hin. Er hat bis heute nicht den Wunsch geäußert, seine Eltern oder seine Schwester zu sehen, geschweige denn seine Tochter. Erst vor zwei Jahren gab es eine kleine Wende, aber dazu später mehr.
(Dran bleiben, die Geschichte geht im Teil 5 weiter.)
Deinen Kommentar bitte an: gugamster@hotmail.com)



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