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Die Jungs - Teil 5

  • Autorenbild: gert
    gert
  • 28. Juni 2020
  • 26 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Aug. 2021

V

Vertrauen ist der Vater des Erfolges

Die Anforderungen an Pino waren ungleich höher als an Albert. Sein Studium an der tierärztlichen Hochschule Hannover forderte ihn nicht nur sprachlich besonders heraus. Die Reisen zwischen Bremen und Hannover waren anstrengend und raubten ihm viel von der ohnehin knappen gemeinsamen Zeit mit seinem Albert. Auch fachlich geriet er manchmal an seine Grenzen und klagte darüber, dass er fürchtete, das Studium nicht zu schaffen.

In einem seiner Seminare gab es noch einen Italiener, Maurizio, der aus Catania (Sizilien) kam, eine deutsche Mutter hatte und sich sehr um Pino bemühte. Er half ihm bei Referaten und Examensvorbereitungen und versuchte ihn durch seine optimistische und fröhliche Art zu motivieren.

Maurizio prahlte zwar ständig mit Frauen-Geschichten, flirtete mit Kommilitoninnen und machte sexistische Witze, aber eine Freundin hatte er nicht. Er interessierte sich sehr für Pinos Privatleben und schien überhaupt kein Problem damit zu haben, dass die beiden Jungs zusammen lebten und in ein paar Monaten in Amsterdam heiraten wollten.

Eines Tages lud er Pino zu sich in seine Bude ein, um mit ihm zu lernen. Sie ließen extra eine Vorlesung ausfallen, damit Pino am späten Nachmittag seinen Zug nach Bremen erreichen konnte.

Maurizio hatte ein möbliertes Zimmer bei einem Mitarbeiter des Uni-Archivs. Der hieß Hans, war etwa 40 Jahre alt, ca 2,10 groß, sehr schlank, fast dürr, hatte eine, zurückhaltende, freundliche Art und trug zwei Hörgeräte.

Die Wohnung lag in der Nordstadt, war ausgesprochen hell, geräumig, modern und funktional eingerichtet; und Maurizio bewegte sich dort, als bewohne er alle Räume und nicht nur seine „Bude“. Den Einfluss einer Frau suchte man vergeblich. Pferde-Bilder und unendlich viele italienische Motive waren an den rein weißen Wänden zu sehen. Pino fiel sofort auf, dass Hans eine besondere Vorliebe für Florenz und besonders Michelangelo haben musste. Der berühmte „David“ tauchte überall in den unterschiedlichsten Formen auf. Sowohl als große Skulptur gleich am Eingang als auch auf Malereien und Fotografien.

In Maurizios Bude standen ein schmales, sauber gemachtes Bett, ein Schrank, ein Schreibtisch und ein Bücherregal. An den Wänden waren ausschließlich Fotos von Sizilien zu sehen. Über dem Bett gab es mehrere kleine, typische Urlaubs-Bilder, die Maurizio zusammen mit einer Gruppe junger Männer am Strand zeigten und ein etwas größeres, wo er Arm in Arm mit Hans am selben Strand zu sehen war. Hans überragte Maurizio darauf um mindestens 30cm, beide lachten direkt in die Kamera und waren mit den knappsten Tangas bekleidet, die an einem öffentlichen italienischen Strand gerade noch erlaubt waren.

Da Pino sich besonders für dieses Bild interessierte, sah Maurizio sich veranlasst zu erklären.

„Hans und ich fahren oft gemeinsam in den Urlaub nach Sizilien. Meine ganze Familie lebt noch in Catania.

Pino hatte das Gefühl, Maurizio vertrauen zu können. Er war sich zwar nicht sicher, in welchem Verhältnis Maurizio zu Hans stand, und die Weibergeschichten mit denen er an der Uni prahlte schienen lediglich Fassade zu sein, aber Pino gefiel seine fröhliche und lebhafte Art. Er entschied sich, ihm seine persönliche Geschichte zu erzählen.

Maurizio sah ihn nachdenklich an und die Fröhlichkeit war verschwunden. „Ich weiß nicht, wie das bei Euch im Norden ist. Ich könnte mich in Deiner Situation in Catania nicht mehr blicken lassen… es sei denn… meine Familie stünde hinter mir und würde sich mit der Familie von ‚Lucia‘ einigen. Du weißt ja wie das ist… es gibt immer jemanden, der einem anderen in irgendeiner Form verpflichtet ist… und dann regelt man das“.

„Oh ja, ich weiß… das ist bei uns nicht viel anders. Ich möchte aber nicht Teil dieses Systems sein. Deshalb bin ich auch so froh, dass kein Italiener etwas mit meiner Ohren-Operation zu tun gehabt hat. Keine Verpflichtung, keine Abhängigkeit, keine Dankbarkeit…“.

„Ach, Du bist an den Ohren operiert?“

„Ja, ich konnte bis zum 12. Lebensjahr auf beiden Ohren nichts hören. Der Papa meines Freundes und seine Freunde haben die OP in Oslo organisiert und für eine Finanzierung gesorgt“.

„Das ist interessant… Hans hat auch eine angeborene Hörschwäche. Du musst ihm gelegentlich mal Deine Erfahrungen erzählen“.

„Seid Ihr zusammen?“ Pino hielt diese Frage für angebracht, nachdem er so viel über sich preisgegeben hatte.

„So sagt man wohl hier in Deutschland“, grinste Maurizio.

„Ich habe ein riesiges Problem damit das zuzugeben. Du bist der erste, dem ich das so ohne weiteres anvertraue. Meine Mutter und meine Brüder haben einen Verdacht, sagen aber nichts und behandeln Hans immer sehr nett. Für andere Sizilianer sind wir einfach ein zu ungleiches Paar. Größen- und Altersunterschied machen es für die meisten Leute in Catania unvorstellbar, dass zwischen uns was läuft. Du kennst ja unsere Landsleute. Sie sind in der Beziehung manchmal ein bisschen naiv“.

„In meinem Dorf lebt ein schwules Paar, das alle kennen und akzeptieren. Vielleicht auch weil sie Geld und Beziehungen haben. Na ja, aber Du hast schon recht. Viele Leute können und wollen sich solche Verhältnisse gar nicht vorstellen“.

„Ich bin froh, dass das Thema hier in Deutschland entspannter gesehen wird“.

„Stimmt, in Norwegen ist es genauso und in Holland fast noch besser. Ich verstehe nur nicht, warum Du an der Uni den Eindruck vermittelst, dass Du der große Frauenheld bist…“.

„Ach, weißt Du, ich spiele gerne die Rolle des spaßigen Typs, dem die Frauen hinterher laufen. Das habe ich mir in Catania so angewöhnt. Überlebensstrategie, weißt Du…“.

„Ich hätte Angst, dass die Wahrheit mal rauskommt und die Kollegen Dir dann nicht mehr trauen“.

„Tja, das wäre blöd… aber erzählst Du denn jedem, dass Du mit Deinem Freund zusammen bist?“

„Wer es wissen will, bekommt es zu wissen. Mein Albert ist der wichtigste Mensch in meinem Leben. Warum sollte ich ihn verheimlichen?“

„Hans ist mir auch sehr wichtig, aber ich habe Angst als ‚schwul‘ abgestempelt zu werden, wenn wir zu offensiv mit unserer Beziehung umgehen“.

„Was wäre denn so schlimm daran? Der ‚Papa‘ meines Albert hat immer gesagt: ‚Was gehen uns die Leute an, die sowieso mit uns nichts zu tun haben wollen? ‘“

„Das stimmt schon… aber ich mag es nicht ausgegrenzt zu sein. Ich möchte gerne mittendrin sein nicht am Rande“.

„Wenn ich die Geschichten meiner beiden norwegischen ‚Onkel‘ richtig verstanden habe, waren sie und ihre Freunde nie ausgegrenzt. Sie haben sich einfach nicht ausgrenzen lassen“.

„Mag sein, aber dazu braucht man ein dickes Fell und das habe ich nicht. Verstehst Du. Hans hat das. Er lässt sich kaum aus der Ruhe bringen. Er lässt sich auch von meinen Brüdern nicht provozieren. Die sind manchmal ganz schön gemein. Er sagt, ich müsse lernen zurückzuschlagen… Das kann ich noch nicht“.

„Kann ich auch nicht… aber mein Albert kann das“.

„Na, da haben wir ja eine ganze Menge gemeinsam…“, lachte Maurizio.

„Kommt uns doch mal besuchen! Wenn Euch der Weg nach Bremen nicht zu weit ist. Dann machen wir einen gemütlichen italienischen Abend“.

„Oh ja gern, Hans wird sich freuen. Wir haben viele Freunde hier in Hannover aber kennen überhaupt keine Männer-Paare“.

„Na, da werdet Ihr Euch wundern. In unserem Freundeskreis, oder besser, unserer ‚Familie‘ gibt’s fast nur Männer-Paare…“. Pino lachte und legte seine Bücher und Schreibunterlagen auf den Tisch: „So, jetzt lass uns was tun, sonst rasseln wir beide noch durchs Examen“.

Als Pino sich ein paar Stunden später verabschiedete, kam Hans kurz aus der Küche und fragte: „Willst Du mit uns essen? Es ist genug für alle da“.

Pino machte automatisch eine Gebärde für „Danke, ich muss nach Hause zu meinem Mann“, sprach es aber auch gleichzeitig aus.

Hans zog die Augenbrauen hoch und schaute ihn fragend an: „Ach, Du sprichst Gebärdensprache?“

„Ja, ich konnte als Kind nicht hören… Lass Dir das von Maurizio erklären. Ich muss jetzt los, sonst verpasse ich meinen Zug… Wir sehen uns…“. Damit rannte er auch schon zur Bushaltestelle, wo jeden Moment der Bus zum Hauptbahnhof kommen musste.

Während der Rückfahrt dachte er über das Gespräch mit Maurizio nach. Dabei kamen ihm die Worte von Tinus in den Sinn, der mal gesagt hatte: „Die besten Dinge verdanken wir dem Zufall“.

Zwei Wochen später trafen sich Maurizio, Hans, Albert und Pino in einem kleinen italienischen Restaurant im Schnoor. [Es war zufällig das Restaurant, wo Gus, Karl, Jerry und ich vor über 25 Jahren eine etwas unangenehme Begegnung mit Rassisten und gleichzeitig mit einem unserer liebsten Freunde gehabt hatten. Das konnten die Jungs natürlich nicht wissen und erfuhren es erst, als sie diese Geschichte zum Gegenlesen bekamen.]

Hans wirkte etwas schüchtern und steif, als er Albert begrüßte. Maurizio war fröhlich und locker wie immer. Mit Albert verstand er sich auf Anhieb und feixte: „ Nachdem mich Katzengeschwüre, Stutenbesamung und Dackellähme mit Deinem netten Freund zusammengebracht haben, dachte ich, es wäre an der Zeit, auch Dich kennenzulernen, und dabei die Gelegenheit zu nutzen, Dich mit Hans bekannt zu machen, der für mich das ist, was Dein Pino für Dich ist…“.

Albert und Hans gaben sich artig die Hand, sahen sich lange an und schienen beide zu überlegen, wie sie am besten einen Draht zu einander finden könnten. Albert mochte große, schlanke Männer und fragte sich insgeheim immer, ob die Schwanzlänge wohl mit der Körpergröße korrelierte. Hans hingegen faszinierten jüngere, dunkelhaarige, muskulöse Männer mit feinen Gesichtszügen.

Maurizio beobachtete amüsiert die Szene und flüsterte Pino zu: „Was haben wir über das Verhalten von Rüden gelernt, die sich zum ersten Mal begegnen und sich mögen? Wegschauen und ruhig im Kreis herumlaufen bedeutet: ‚Ich habe nichts Böses im Sinn!‘. Dann beschnüffeln sie sich von hinten, die Rute ist entspannt, die Schulter tief, die Hinterhand hoch… alles Zeichen für: Ich will mit Dir spielen“.

Pino grinste: „Wozu so ein Tierarzt-Studium doch gut ist“.

„Tja, es dauert halt, bis Vertrauen aufgebaut ist“.

Es wurde tatsächlich ein gemütlicher Abend. Die Vier erzählten sich ihre Lebensgeschichten, aßen ein sizilianisches Menü, dass der Wirt auf Maurizios Wunsch zusammengestellt hatte, tranken vier Flaschen ‚Nero d’Avola‘ und waren kurz vor Mitternacht die letzten Gäste.

„Kann man irgendwo hier in der Nähe preiswert übernachten? In diesem Zustand kommen wir nicht mehr heil nach Hause“, fragte Hans grinsend.

„Ja klar, bei uns… wenn Ihr mit einem Schlafsofa zufrieden seid… und die Übernachtung ist inklusive Frühstück sogar gratis“.

„Oh, oh… vier schwule Männer zusammen in einer kleinen Wohnung, davon zwei Italiener, kann das gutgehen?“, kicherte Maurizio.

„Ein Norweger und ein Deutscher passen schon auf“, gab Albert lachend zurück. Hans schüttelte den Kopf und meinte seufzend: „Auf was habe ich mich da bloß eingelassen…“.

„Alter schützt vor Torheit nicht, sagt man doch bei Euch in Deutschland“. Maurizio wollte sich ausschütten vor Lachen.

In dieser aufgekratzten Stimmung nahmen sich die Jungs ein Taxi und fuhren in Alberts und Pinos Wohnung.

Hans und Maurizio schauten sich interessiert die Bilder von Bjørnstangen an, die überall an den Wänden hingen.

„Wer ist das denn?“, Hans deutete auf ein Bild von Roberto und Bjørn in engen, kurzen Shorts bei der Kartoffel-Ernte.

„Das sind meine beiden Pflegeväter“, antwortete Albert.

„Die sehen aber nett aus… da wäre ich auch gern Pflegekind“.

„Die sehen nicht nur nett aus. Das sind die liebsten und besten Papas auf dieser Welt. Die haben übrigens auch in Bremen studiert und ganz hier in der Nähe gewohnt“.

Dann entdeckte Hans ein Bild von Gus und mir. Es war eine Collage, die uns zum einen bei unserer Hochzeit in Amsterdam und zum anderen nackt, Arm in Arm und von hinten auf unserer Terrasse in Asker zeigte. Das Foto hatte Magne auf seinem Computer zusammen gebaut.

„Und wer ist das?“

„Meine liebsten Onkels“, lachte Albert.

„Also, langsam interessiert mich Deine Familie wirklich. Die scheint ja nur aus sexy Kerlen zu bestehen“.

Maurizio kicherte und nahm Hans in den Arm: „So, so Du interessierst Dich als für andere sexy Kerle als für mich… aber… macht nichts…; wir haben wenigstens den gleichen Geschmack“.

„Jungs, das war ein schöner Abend… danke, dass Ihr gekommen seid. Fühlt Euch wie zuhause. Wir haben noch eine Extra-Zahnbürste im Bad, die müsst Ihr Euch teilen. Schlaft gut!“

Pino hatte das Gefühl, Maurizio habe für einen kurzen Moment ein enttäuschtes Gesicht gemacht, konnte das aber nicht näher begründen.

Als er ein paar Stunden später noch einmal zum Pinkeln ging, sah er, dass das Schlafsofa für Hans viel zu kurz war. Er hatte sich in einer Art Embryo-Stellung zusammengekrümmt und sein langer, schlapper, dünner Schwanz hob sich deutlich von dem weißen Laken ab. Maurizio lag neben ihm auf dem Rücken und schnarchte mit offenem Mund. Sein Körper war malerisch schön und sein Schwanz wirkte, als habe er vor ein paar Minuten abgespritzt.

Er konnte sich nicht beklagen. Alberts köstliches Sperma klebte noch an seinem Po und nichts war schöner als das.

Beim Frühstück grinste Roberto und meinte: „Na Ihr beiden, habt Ihr gut geschlafen?“

„Danke, bestens!“

„War schön zu hören, wie Ihr beide Euch in den Schlaf gewiegt habt“, lachte Maurizio.

„Wieso? Waren wir zu laut?“

„Nein, nein ganz und gar nicht. Euer Stöhnen war wunderbar anregend. Mein Hans war so aufgedreht, dass wir leider Euer schönes Laken ruiniert haben. (Hans bekam diese Bemerkung noch nicht mit, da er seine Hörhilfen nicht eingeschaltet hatte). Maurizio strahlte in die Runde.

„Das kommt vor… dafür gibt’s Waschmaschinen. Unsere Bettwäsche ist auch ziemlich fleckig geworden“.

„Ich finde toll, wie locker Ihr mit dem Thema umgeht“.

„Ich bin so locker aufgewachsen und Pino hat ganz schnell gelernt, dass die Realität ganz anders ist, als das, was ihm seine Eltern und sein Pastor ihm einreden wollten“.

„Da muss ich Pino aber in Schutz nehmen. Nicht nur seine Eltern und sein Pastor denken so. Die meisten Italiener sind sehr konservativ und die Moral der Kirche ist für sie Gesetz“.

„Das stimmt nicht“, protestierte Pino. „Auf dem Lande bei Euch in Catania und bei uns in Ligurien mag das so sein, aber in Mailand oder Rom sieht das ganz anders aus. Über Sex reden die Leute viel, aber leider immer nur abfällig“.

„Mein Papa und Onkel Walter sagen immer, Sex ist der schönste Beweis von Zuneigung, macht Spaß und ist sehr vielfältig. Nur wirkliche Liebe ist etwas völlig anderes. Die gibt es nur selten zwischen zwei Menschen. Sie entwickelt sich, sollte ernst gemeint sein und eignet sich nur selten für einen Spaß“.

Hans sah Albert nachdenklich an: „Da ist was dran…“.

Maurizio und Pino waren von jetzt ab ein „unschlagbares Team“, wie ein Professor ihnen bescheinigte und absolvierten ihre Prüfungen mit Glanz. Albert und Hans freundeten sich ebenfalls immer mehr an. Die gemeinsamen Unternehmungen erstreckten sich von Fahrradtouren, über Kino- und Ausstellungs-Besuche bis zu ‚Kochabenden‘, an denen sie Gerichte aus ihren Heimatländern mal bei Hans und mal bei Pino und Albert kochten und aßen.

An einem solchen Abend, im August 2001, Albert hatte sein erstes Examen gerade erfolgreich abgeschlossen und Pino und Maurizio standen vor ihrer ersten Zwischenprüfung, trafen sich die Vier bei Hans zu einer Art gemeinsamen Festessen. Es war längst selbstverständlich, dass Pino und Albert bei Hans jederzeit übernachten konnten. Das schmale Bett in Maurizios Bude war zwar nicht komfortabel, aber es reichte den beiden völlig aus, da sie es seit Kindertagen ja gewohnt waren, in solchen Betten zusammen zu schlafen.

Die Stimmung war besonders ausgelassen und sie alberten bereits am frühen Nachmittag in der Küche, während Pino und Maurizio Pizza backten und Albert und Hans verschiedene Gemüse-Vorspeisen kreierten.

Mal schmiss Maurizio Pino den Pizzateig zu, den der nur knapp fangen konnte und mal hatte Pino nichts Besseres zu tun, als mit Tomatensoße zu spritzen und freute sie diebisch, dass schließlich alle rote Flecken im Gesicht und auf Hemd und Hose hatten. Der sonst so ordentliche Hans ließ alles klaglos geschehen und setzte sogar noch einen drauf, indem er fröhlich pfeifend und sehr geschickt aus Zucchini und Gemüsegurken Penisse schnitzte, die er jeweils in die Mitte seiner Vorspeisen-Teller platzierte.

„Der sieht aus wie Deiner,“ schmunzelte Maurizio und grinste dabei Pino an.

„Ehy, werde nicht frech! Sonst zeige ich Dir mal, was ein richtiger Schwanz ist“.

Hans frotzelte amüsiert: „Na, das wird jetzt aber langsam auch mal Zeit… angehende Tierärzte im Praktikum sozusagen. Penisse von Hengsten und Walfischen sind ja bald beruflicher Alltag für Euch und die wirklich schönen und wichtigen, die die wirklich Spaß machen, kennt Ihr noch gar nicht… tsss, tsss“.

„Sag ich doch, den beiden fehlt die Praxis“, feixte Albert.

„Musst Du gerade sagen…“, konterte Pino und warf seinem Liebsten einen imaginären Kuss zu.

„Du bist heute aber ganz schön aufmüpfig“. Albert nahm eines der ‚Gemüse-Kunstwerke‘ hielt es Pino unter die Nase und grinste: „Wenn Du nicht brav bist, mache ich Dich zum Vegetarier“.

„Oh, bitte bitte nein… Ich will auch wieder ganz lieb sein… ohne ‚Dein‘ Fleisch kann ich nicht leben“. Pino kicherte und zog seinen Albert über den bemehlten Küchentisch zu sich ran, um ihm einen richtigen und intensiven Kuss zu geben.

Hans stand hinter Albert und gab ihm einen Klaps auf den Po: „So ein strammer, süßer, runder Arsch hat auch nur beste Fleischqualität verdient. Da kann jede Gemüsegurke nur ein Appetitanreger sein…“.

„Für meinen ‚ Cuoco ausiliario ‘ (Hilfskoch) hier gilt dasselbe. Vielleicht gibt der sich aber auch mit einer ‚Salsiccia‘ (italienische Bratwurst) zufrieden“.

„Alles besser als eine geschmacklose, wässrige Gemüsegurke“, lachte Pino und fügte hinzu: „Ich liebe zwar Salsiccia, aber sie ist für meinen Arsch zu weich. Da ziehe ich die deutsche, harte Salami vor“.

„Ach ja? Da war Dir also die norwegische Dauerwurst bisher nicht hart genug?“.

„Vielleicht müssen wir alle unseren Menü-Plan mal ändern“. Pino zwinkerte Maurizio, Albert und Hans zu.

„Ich glaube mein Hilfskoch hat recht. Italienische Sterneküche zeichnet sich durch Vielfalt aus“.

„Stimmt, da kann die deutsche und norwegische noch viel von lernen“. Albert schwang sich in einem eleganten Sprung auf den Küchentisch und ließ die Beine baumeln.

Pino umfasste ihn von hinten und raunte: „Du sitzt in meinem Mehl“. Dann beugte er sich zu ihm rüber und gab ihm noch einen langen Kuss, bei dem er mit den Augen rollte und seine Zunge mehrmals ganz tief in Alberts Rachen versenkte.

Pino hatte lediglich eine Jogginghose zum Kochen angezogen, die ihm allerdings etwas zu klein war. Als er sich jetzt über den Tisch beugte rutschte daher der Hosenbund über die schöne Wölbung seines Pos hinweg und Maurizio konnte den Anblick des glatten, knackigen Pfirsich-Pos seines Landsmannes in vollen Zügen genießen.

Einen Augenblick stand er bewundernd hinter Pino, dann konnte er es sich nicht verkneifen, seine Hand ganz vorsichtig vom letzten Lendenwirbel über die Poritze bis unter den Hosenbund gleiten zu lassen.

Hans stand dicht vor Albert, drückte mit beiden Händen auf seine Oberschenkel und kniete sich dann auf den Boden. Seine Körperlänge erlaubte es ihm, immer noch bequem mit dem Kopf Alberts Schritt zu erreichen.

Albert zuckte ein paar Mal und rutschte unbewusst über den Tisch an seinen Pino heran. Trotzdem genoss er die fremde Zunge auf seiner Beule, die seine Jeans schon jetzt fast zum Platzen brachte. Er grunzte, während er Pino noch leidenschaftlicher küsste.

„Wenn Ihr das nicht wollt, sagt bitte ‚nein‘…“. Hans keuchte leicht und raunte die Worte fast unverständlich.

Albert und Pino stöhnten nur zustimmend ohne sich voneinander zu lösen. Pino quiekte leise, als Maurizio seine Hose ganz auf den Boden zog und seine Zungenspitze ganz leicht durch seine Poritze zum Loch gleiten ließ.

Hans öffnete Alberts Jeans und ergötzte sich sichtlich an dem hervorspringenden, steinharten Kolben, der in seiner Struktur so herrlich zu dem muskulösen Körper passte.

Das Mehl staubte und die Tomatensoße stand bedenklich nahe an dem sich heftig windenden Albert, der durch Pinos Küsse immer kurzatmiger und Hans‘ Streicheleinheiten regelrecht wild wurde. Er wand sich wie unter Stromstößen auf der Tischplatte und versuchte sich vergeblich irgendwo festzuhalten.

Pino ging es ähnlich. Eine fremde Zunge in seinem Loch war eine neue Erfahrung für ihn. Maurizio hatte inzwischen jede Zurückhaltung aufgegeben und schob seine Zunge von Minute zu Minute tiefer in seinen Darm. Das Gefühl machte ihn so geil, dass er seinem Albert beinahe in die Zunge gebissen hätte. Auch der begann zu schwitzen und saugte sich immer mehr an Pino fest. Dabei versuchte er vergeblich, eine Hand von Pino zu fassen zu kriegen. Ein Reflex, der ihm in Fleisch und Blut übergegangen war.

Hans versenkte jetzt rhythmisch den vor ihm steil aufgerichteten Schwanz in seinem Mund, was dazu führte, dass auch Albert jetzt leise, unterdrückte Schreie von sich geben wollte.

Weder Albert noch Pino hatten in den nun fast zehn Jahren, die sie sich kannten andere Männer an ihren Po und schon gar nicht an ihr Loch gelassen. In all den Jahren hatten sie abends vor dem Einschlafen abwechselnd den Weg ins Innere des geliebten Freundes gesucht. Sie kannten - ja sie brauchten - den Schwanz des Freundes. Der Geruch des Spermas und der Moment, wenn sie das Pulsieren des anderen in sich spürten, waren so köstlich, dass sie nur selten darauf verzichten wollten. Für beide fühlte sich ein harter Schwanz im Anus nicht ungewöhnlich an, aber Hans‘ dünne, sehr harte 25 Zentimeter waren Albert so fremd, dass er ihn spontan rausdrücken wollte, doch als er endlich Pinos Hand zu fassen bekam und sich in ihrem typischen Griff festkrallen konnte, gab er sich den tiefen, fremden Stößen willenlos hin.

Pinos Loch war in den letzten zehn Jahren so gut geweitet, dass er den Schwanz von Maurizio erst richtig bemerkte, als der kräftig auf seine Prostata drückte. Pino wimmerte so, wie er als Kind gewimmert hatte, als Albert das erste Mal in ihn eingedrungen war.

Maurizio hatte seine Hose und T-Shirt auf den Boden geschmissen. Sein verschwitzter Körper glänzte dort, wo er noch nicht von Mehl bedeckt war. Auch Hans war inzwischen ganz nackt. Er packte Albert kräftig an den Hüften und bewegte ihn auf seinem langen, harten Luststab auf und ab.

Pino und Albert hielten sich immer noch fest, sahen sich in die Augen, stöhnten und genossen.

Als Maurizio sich mit einem tiefen Seufzer in Pino entleerte, begleitete er das mit einem lauten: „ Siiiiiii…che incredibileeeee“, ließ sich auf Pinos Rücken fallen und küsste ihm den Nacken. Der rieb seinen Schwanz auf der Tischplatte und spritzte bis auf Alberts Bauch. Albert richtete sich leicht auf, wichste nur ein paar Mal mit einer Hand und spritzte dann Pino auf Brust und Gesicht. Der nahm das ihm so gut bekannte Sperma mit zwei Fingern auf und steckte es seinem Liebsten in den Mund.

Auf dem Küchentisch vermischte sich Sperma mit Mehl und der Schweiß hatte auch seine Spuren hinterlassen.

„Das nennt man wohl „schwule“, internationale Küche‘, meinte Hans grinsend und setzte sich neben Albert auf den Tisch.

Pino atmete noch schwer und schwenkte seine Beine ebenfalls über die Tischkante und hielt dabei seinen Albert immer noch fest.

„Das ist ein schönes Bild… bleibt mal so sitzen. Ich möchte ein Foto von uns“. Pino lief in sein Zimmer und holte einen Fotoapparat, legte ihn auf den Küchenschrank gegenüber, stellte den Selbstauslöser ein, zwängte sich ebenfalls auf den Tisch und ließ eine Serie knipsen.

„Jungs, ich habe Hunger. Schiebt jetzt endlich Eure Pizza rein!“

Auch beim Essen alberten die Vier, lachten und waren bester Stimmung.

„Zwei italienische Tierärzte und ein norwegischer Betriebswirtschaftler ruinieren meine Küche … Wer hätte das für möglich gehalten?“ Hans grinste und begann das Geschirr zusammen zu räumen.

Albert und Pino lachten: „Wir kommen für alle Schäden auf… Na ja, wenigstens helfen wir Euch beim Aufräumen. Das Menü war es in jedem Fall wert. Das nächste Mal kochen wir nicht selbst. Dann kommt Ihr hoffentlich zu unserer Hochzeit nach Amsterdam, und wir lassen jemanden anders für uns kochen. Also vormerken: 28. September. Wir buchen ein Zimmer für Euch“.

Hans und Maurizio freuten sich wirklich und sagten sofort zu.

Als die Jungs wieder in Bremen waren und im Bett lagen, meinte Albert: „Das macht Spaß mit den beiden… die sind irgendwie so normal. Ich finde, man kann ihnen vertrauen. Es war zwar ein merkwürdiges Gefühl, als Hans in mir abgespritzt hat, aber ich fand das toll“.

„Maurizio war auch sehr geil, aber mit Dir ist es doch am schönsten“.

„Ja, Du bist mein zweites Ich. Da gibt es keinen Zweifel“.

Sie umarmten sich in ihrer Lieblingsstellung, Albert küsste Pino vom Nacken bis zum Po und schob dann seinen wieder steinharten Schwanz ganz langsam in ihn hinein. Pino schloss die Augen, war völlig entspannt und flüsterte: „Du bist das Liebste, was ich habe…“.

„Und Du bist der Liebste, den ich habe…“. Ganz langsam und sehr behutsam bewegte Albert seinen Schwanz in Pinos Po, spritzte noch einmal eine beachtliche Menge, schloss die Augen und schlief fast momentan ein.

Als er morgens aufwachte, hatte Pino eine noch feuchte, tropfende Morgenlatte und lag so in Alberts Armen, wie sie eingeschlafen waren. Sie gaben sich einen Guten-Morgen-Kuss und sprangen unter die Dusche.

Die meisten Vorbereitungen für die Hochzeit der Jungs in Amsterdam hatten Gus, ich und Tinus übernommen. Es war Pinos Idee für die engsten Freunde ein Hausboot zu mieten.

Magne, Ruben, Mauritio, Hans sollten auf einem alten Frachtschiff im KNSM-Hafen, gleich bei uns in der Nähe wohnen. Jerry, Morten, Bjørn und Roberto würden bei Tinus untergebracht. Andrea, Enrico, Tante Rita und Onkel Odd hatten sich im Lloyd-Hotel ein Zimmer genommen. Für das junge Paar hatte Tinus das kleine Motorboot eines Freundes organisiert, das auch am alten Erz- Hafen in unserer Nachbarschaft lag.

Ich hatte es übernommen, die Bürokratie zu erledigen, die sich als schwieriger herausstellte, als ich gedacht hatte. Um in den Niederlanden heiraten zu können, muss entweder ein Partner Niederländer sein oder fest in den Niederlanden wohnen. Da das für Pino und Albert nicht zutraf, musste ich einen Termin mit einem Mitarbeiter der norwegischen Botschaft vereinbaren. Da das Ansinnen sich erst einmal ungewöhnlich für den Botschaftssekretär anhörte, war er eher skeptisch und schlug vor, lieber in Tønsberg zu heiraten. Gerade als ich aufgeben, und Pino und Albert vorschlagen wollte, die Idee aufzugeben, bekamen wir abends einen Anruf eines Mitarbeiters des Generalkonsulats, der sich bereit erklärte, die „Registrierung der Partnerschaft“ in den Räumen des norwegischen Generalkonsulats vorzunehmen, allerdings ohne Zeremonie und Ansprache.

Tinus erreichte in mehreren Gesprächen mit dem Konsulat, dass er schließlich ein kleine Rede halten, und wir mit allen 15 Gästen anwesend sein durften, was in den beengten Räumlichkeiten gar nicht so einfach war.

Albert und Pino gefiel die Lösung gut. Sie wollten mit ihren Gästen bei gutem Wetter in einem Fahrradcorso durch die Stadt von KNSM-Eiland bis zum Konsulat im Süden der Stadt fahren. Anschließend sollte dann in einem alten, umgebauten Bauernhof am ‚Nieuwe Meer‘ (großer See am Amsterdamer Stadtwald) gegessen werden.

Die schrecklichen Ereignisse vom 11. September 2001 in New York hätten beinahe die kleine Feier der beiden Jungs zunichtegemacht, denn die Fluggesellschaften hatten mehrere Tage lang so starke Einschränkungen in ihren Flugplänen, dass nicht sicher war, dass die norwegischen Gäste rechtzeitig in Amsterdam sein konnten. Mit drei Stunden Verspätung waren dann schließlich doch alle in ihrer Unterkunft.

Magne, Ruben, Hans und Maurizio verstanden sich auf Anhieb gut und tranken bereits kurze Zeit nach ihrer Ankunft auf dem Oberdeck ihrer originellen, schwimmenden Unterkunft ihr erstes gemeinsames Bier. Es wirkte, als kennten sie sich schon jahrelang. Abends trafen wir uns dann alle bei uns in der Wohnung und Pino und Albert schien zum ersten Mal bewusst zu werden, dass sie sich zu einem bedeutungsvollen Schritt in ihrem Leben entschieden hatten.

Dass die beiden zusammen gehörten, war allen, die sie kannten klar. Und doch hatten einige Bedenken, diese Verbindung so früh bereits fest zu schreiben. Nicht nur Gus und ich befürchteten, den beiden könnten spannende, interessante und lehrreiche Erfahrungen entgehen, wenn sie sich schon am Anfang ihres jungen Lebens so stark einander verpflichten würden. Darüber hinaus befürchteten manche von uns, dass den Jungs die Tragweite ihres Entschlusses nicht bewusst war.

Doch spätestens nachdem Albert an diesem Abend in unserem Wohnzimmer an sein Glas geklopft, ums Wort gebeten und dann eine zehnminütige Rede gehalten hatte, die wohl niemand von uns je vergessen wird, waren alle Bedenken und Zweifel verflogen.

„ Wenn zwei Menschen sich das erste Mal begegnen und es ‚funkt‘, wie man gern so sagt, dann passiert das oft in einem Alter, in dem die Sexualhormone Körper und Geist stark beeinflussen. Was dann kommt steuert selten unser Verstand sondern mehr oder weniger starke erotische Signale, die die ‚Liebenden‘, wie sie gemeinhin genannt werden, aussenden.

Du Papa und Du Onkel Roberto könnt bezeugen, dass das bei Pino und mir nicht so war. Als ich meinen Pino vor zehn Jahren das erste Mal sah, kam mir ein lachender Junge in meinem Alter, wild gestikulierend und mit kurzen Beinen, sich durch hohes Gras kämpfend, entgegen gelaufen, machte mir klar, dass er nicht hören konnte und auf der Suche nach seiner Katze war. Das war’s… erstmal.

Wer sich an seine Kindheit erinnern kann, weiß vielleicht noch, welche Bedeutung Märchen über imaginäre Schätze, Schatzsucher und Prinzen und Prinzessinnen gespielt haben. Papa hatte mir solche Geschichten jeden Abend beim Einschlafen erzählt. An diesem Sommertag in einem Olivenhain in Ligurien hatte ich plötzlich das Gefühl, einen verzauberten Prinzen getroffen zu haben, der mir den Weg zu einem riesigen Schatz zeigen könnte. Dieser Junge war geheimnisvoll. Meine Phantasie lief auf Hochtouren. Ich wollte sein Geheimnis entschlüsseln.

Wie im Märchen wollte ich ihn berühren und ihm Geschenke machen, um ihn zu erlösen. Ich träumte von diesem Tag an nur noch gut und ‚mein Prinz‘ ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Ihr alle kennt meine Geschichte und ihr wisst, was mein ‚Prinz‘ durchmachen musste, bis er der angehende erfolgreiche Tierarzt werden konnte, der er heute auf dem besten Wege ist zu werden. Was die meisten von Euch nicht wissen ist, dass wir uns von Anfang an über unsere Geschichten und die damit verbundenen Gefühle ausgetauscht haben. Dabei spielte es überhaupt keine Rolle, dass Pino am Anfang nicht hören konnte. Wir verstanden uns auf eine geheimnisvolle Weise, lernten schnell unsere Gedanken zu lesen und zu begreifen, welche Erlebnisse in unserem bisherigen Lebens zu dem führten, was wir gerade taten. Unsere unterschiedlichen Fähigkeiten und Kenntnisse ergänzten sich so gut, dass wir uns bis heute als unschlagbar ansehen, solange wir zusammen sind. Deshalb geschieht morgen diese formelle Bestätigung eines Zustandes, der, wenn es nach uns geht, ein Leben lang so bleiben soll.

Bei solchen Gelegenheiten wird viel von Liebe gesprochen. Onkel Walter hat mal gesagt: ‚Liebe ist, sich gemeinsam freuen‘. Genau das war es, was ich mit meinem Pino immer gemacht habe und bis heute tue, wir freuen uns gemeinsam…und nicht nur das… wir freuen uns auch über die selben Dinge und mögen die selben Menschen. Das Wichtigste aber ist wohl, dass wir uns über und an einander freuen. Es gibt nichts worüber wir uns mehr freuen, als uns gegenseitig berühren zu dürfen. Wir freuen uns aber auch mit, auf und über Euch. Ihr seid die Menschen, die unser Leben entscheidend geprägt haben. Auch deshalb also morgen unser gemeinsamer Ausflug… hoffentlich bei gutem Wetter und in guter Stimmung. Freut Euch auf morgen!“

Während seiner Worte hatte Pino sich neben ihn gestellt, nach seiner Hand gegriffen, sich wie immer festgekrallt und ihn angelächelt. Wer allerdings genau hinsah, konnte sehen, dass seine Augen feucht waren. „Warum ich jetzt nichts sage, hat mein Schatz eben erklärt. Wir sind uns einig“. Damit nahm er Albert in den Arm, drückte ihn so fest an sich, wie es nur ging und küsste ihn so innig, dass Albert Atemnot bekam.

Die Gäste johlten, applaudierten und nahmen sie nach einander liebevoll in den Arm. ‚Papa‘ Bjørn flüsterte seinem Pflegesohn ins Ohr: „Ich bin so unsagbar stolz auf Dich. Ich hoffe, Du weißt das“. Jerry sagte: „Ich beneide Euch um Euren Reichtum…“. Andrea raunte Pino zu: „Für mich seid Ihr beiden die Größten. Das werde ich auch Deinen Eltern sagen und im ganzen Dorf verbreiten, ob sie es hören wollen oder nicht. Wenn sie dann nichts mehr mit mir zu tun haben wollen, kann ich damit leben…“.

Für den Rest des Abends waren nur noch die Themen „Liebe, Freundschaft, Vertrauen und Zuneigung“ bestimmend. Auf dem Boot von Magne, Ruben, Maurizio und Hans wurde das, Gerüchten zu folge, auch noch ganz praktisch in die Tat umgesetzt (Bereits im Sommer des nächsten Jahres kamen Maurizio und Hans für einen zweiwöchigen Besuch nach Bjørnstangen und wohnten im Brygghus bei Ruben und Magne).

Der Fahrradcorso startete um neun Uhr morgens im Innenhof unserer Wohnanlage bei grauem, kühlem, aber trockenem Wetter. Ich hatte die Mietfahrräder mit norwegischen, italienischen und regenbogenfarbenen Papierfähnchen ausgestattet. Ich fuhr an der Spitze, um den Weg vorzugeben, dann folgten Albert und Pino und schließlich der Rest der Gästeschar.

Tinus hatte die beiden Jungs zu einem Amsterdamer Herrenausstatter geschickt, wo sie sich auf seine Kosten, im Partnerlook und nach ihren Wünschen einkleiden sollten. Sie hatten sich beide für jeansartige, leicht glänzende, elegante, graue Hosen, weiße Hemden und dunkelblaue, kurze Kunstleder-Jacken entschieden. Dazu trugen sie weinrote, dünne Lederkrawatten.

Vorsichtshalber hatten wir alle Gäste gebeten Regenzeug mitzubringen, lediglich für Pino und Albert hatte ich zwei pinkfarbene Regenjacken gekauft, die hervorragend zu ihrem Outfit passten.

Das Wetter spielte jedoch mit, und wir radelten, trocken und fröhlich durch die Gassen der Altstadt, den Grachtengürtel, den Vondelpark, Amsterdam-Zuid bis zu der Anwaltskanzlei, in der das norwegische Konsulat untergebracht war. Dort empfing uns ein freundlicher junger Mann in dunklem Anzug mit viel zu enger Hose, Hornbrille, sauber, extrem kurz geschnittenen Haaren, gezupften Augenbrauen, gepflegtem Teint und etwas aufdringlich riechendem Rasierwasser.

Er bat uns in einen größeren Konferenzraum, in dem es aber nicht genug Stühle für alle gab.

„Leider sind wir auf solche Anlässe eigentlich nicht vorbereitet. Die meisten norwegischen Paare, die in den Niederlanden heiraten wollen, tun das in der norwegischen Seemannskirche in Rotterdam. Nun handelt es sich bei Ihnen ja auch nur um die Beurkundung einer Partnerschaft. Da habe ich gedacht, das können wir hier machen. Da ich mit ihm am Telefon verhandelt hatte, gab er mir die Hand, die er für meinen Geschmack viel zu lange festhielt und begrüßte die übrige Gesellschaft mit einer umfassenden Handbewegung und lächelte dabei.

Auf einem Tisch in der Mitte des Raumes waren neben ein paar frischen Blumen und einer kleinen norwegischen Tischflagge die notwendigen Papiere ausgelegt.

Nun gab der „Notarius“ auch Pino und Albert die Hand und begann sofort den Text des norwegischen Partnerschaftsgesetzes und der vor ihm liegenden persönlichen Daten zu verlesen. Dann bat er die Jungs zu unterschreiben, beglückwünschte die beiden und übergab das Wort an Tinus.

„Lieber Pino, lieber Albert, liebe Gäste… ich bin eigentlich denkbar ungeeignet, Euch beiden gute Ratschläge für die Zukunft zu geben, auch kann ich Euch nicht zu etwas beglückwünschen, was für uns alle seit Jahren eine völlig selbstverständliche Tatsache ist. Ihr beide gehört zusammen.

Ok, heute ist es also offiziell. Damit ändert sich wenig für Euch. Wer Augen hat zu sehen, der sieht, dass Ihr Euch liebt. Dass das aber nun schon seit zehn Jahren so ist, kann kaum jemand glauben, der Euch nicht kennt.

Als ich Dich Pino das erste Mal gesehen habe, warst Du zwar ein bildhübscher, fröhlicher, kleiner Junge, neugierig, aber fremd und etwas unsicher in einem Land, das so ganz anders war als Deine Heimat. Du konntest nichts hören und trotzdem sogst Du alles auf, was gesagt wurde. Du hattest Deinen Albert, dessen Ohren für Dich hörten, der Dir half zu verstehen und der unbedingt wollte, dass Du so stark und selbstbewusst wirst wie er selbst. Heute bist Du es. In ein paar Jahren wirst Du ein fähiger und kompetenter Tierarzt sein. Schon jetzt bist Du einer der sympathischsten Männer, die ich kenne.

Manchmal habe ich mich amüsiert, wenn ich Euch beide Hand in Hand durch den Wald habe laufen sehen. Aber ich habe schnell begriffen, dass Ihr Euch gegenseitig Kraft gebt und Dinge übermittelt, die wir anderen weder hören noch sehen können. Dass Eure Beziehung eine ganz besondere ist, wurde mir, der ich mit Beziehungen immer wieder ein Problem habe, damals bereits erstaunlich schnell klar.

Als Deine Mutter Dich, Albert, bei Deiner Taufe in die Arme Deines Patenonkels Bjørn legte, hörtest Du plötzlich auf zu schreien und sahst so glücklich aus. Viele von uns, die heute hier sitzen, waren schon damals dabei und wissen, was Bjørn und Roberto für Deine Entwicklung bedeutet haben und, dass sie Dir einen großen Teil des Selbstbewusstseins und der Kraft vermittelt haben, die Du dann an Pino weitergeben konntest. Aber wir sollten auch nicht vergessen, dass Dein Vater, Arild und Deine Mutter Mai Linh Dir die Gene mitgegeben haben, die Dich zu dem haben werden lassen, der Du heute bist… ein Prachtjunge.

Wir alle hier im Raum wünschen Euch, dass Ihr weiter Hand in Hand die Herausforderungen des Lebens meistert, zusammenhaltet und weiter neugierig und offen für alles Neue seid. In diesem Sinne Skål, Cin cin und prost auf Euch beide!“

Der Notarius hatte seine Hornbrille abgenommen, sich kurz über die Augen gewischt und meinte dann an Tinus gewendet: „Solch einfühlsame Worte bekommen wir hier in unserer Kanzlei nur selten zu hören“. An alle gerichtet sagte er: „Ich wünsche den beiden Herrn nochmals alles Gute für ihre Zukunft und ihnen allen einen weiterhin schönen Tag“.

Als wir auf die Straße kamen, war die Wolkendecke ein bisschen aufgerissen und Maurizio und Morten wollten noch ein paar Erinnerungsfotos machen.

Erst nur Pino und Albert allein, sich liebevoll umarmend, innig küssend und schließlich mit ausgebreiteten Armen, fröhlich lachend über die Straße springend. Dann nur mit Roberto und Bjørn und schließlich umringt von der Gästeschar.

In der ‚Boerderij‘ (niederländisch: Bauernhof) waren für uns die Tische bereits gedeckt und es gab ‚pannekoeken‘ (Pfannkuchen) in den verschiedensten, raffiniertesten Varianten, die man sich im ‚Pfannkuchenland‘ Holland nur vorstellen konnte.

Nach etwa einer Stunde kam ein freundlicher, junger Kellner an unseren Tisch und fragte: „Darf ich Sie mal etwas fragen? Die kleine Gruppe dort hinten feiert genau wie sie eine Partnerschafts-Registrierung. Sie haben all die Fähnchen gesehen, die verschiedenen Sprachen gehört und sind sehr neugierig woher sie stammen. Darf mal jemand von denen kurz zu ihnen kommen und sich mit Ihnen unterhalten?“.

Pino und Albert lachten laut, drehten sich spontan zu der aus acht Personen bestehenden Gruppe um und winkten ihnen lebhaft zu.

„Warum so förmlich? Selbstverständlich können sie rüberkommen. Vielleicht sollten wir sogar noch zwei Tische hier dazustellen. Dann feiern wir zusammen“, schlug Pino vor.

„Mein ‚italienischer Mann‘… immer gastfreundlich und an sozialen Kontakten interessiert“, grinste Albert und gab Pino einen flüchtigen Kuss.

Zwei Männer etwa in unserem Alter (also zwischen 45 und 50) winkten fröhlich zurück, erhoben sich und kamen mit einem Sektglas in der Hand an unseren Tisch.

„Na? Wer hat sich hier denn getraut? Wir wollten eigentlich nicht stören, aber Eure Truppe wirkt so lustig, und wir haben gerätselt, wer wohl das mutige Paar ist. Und ob das mit den Fähnchen irgendeinen Hinweis über Eure Heimat gibt“.

„Also, das junge Paar sitzt hier…“, stellte ich Pino und Albert vor. Wir fühlen uns wie eine große Familie. Die meisten von uns kommen aus Norwegen, aber sind in Italien, Deutschland, Mexiko und Amerika geboren. Na ja, und echte Holländer sind auch dabei…“, grinste ich“.

„Ehy, super… schwule, internationale Großfamilie… gibt’s nicht so oft… und dann noch lecker holländische ‚Pannekoeken eten‘ … fast zu schön, um wahr zu sein“.

Wir lachten und Albert meinte: „Wo anders als in Amsterdam kann man so etwas erleben?“

„Tja, und dann noch zwei ‚schwule Hochzeiten‘ zur gleichen Zeit am selben Ort… Das ist sowieso nur in Amsterdam möglich“, fügte ich schmunzelnd hinzu.

„Das ist mein Mann Steven und ich bin Jost. Wir sind beide originale ‚Amsterdamse jongens‘. ‚Mokum is onse stad‘ (Mokum ist ein altes jiddisches Wort für „die große Stadt Amsterdam“). Leider sind wir auch noch nicht so viel rumgekommen. Mal zwei Wochen Urlaub auf Kreta oder Gran Canaria und ein paar Touren nach Berlin oder Paris… das war’s“.

Ich schlug mit der Gabel an mein Glas und rief: „Tante Rita und Jungs, hört mal eben zu. Das hier sind Steven und Jost. Die haben heute auch geheiratet. Lasst uns den beiden alles Gute wünschen! Skål! Prost!“.

Vielstimmiges „Skål“ und Applaus folgten. Steven und Jobst wurden etwas verlegen und prosteten mit ihren Sektgläsern zurück.

„Kommt doch zu uns rüber. Dann können wir uns noch ein bisschen unterhalten. Zu Trinken gibt’s hier genauso viel wie dahinten in der Ecke“, lachte Albert.

„Mal hören, was unsere Gäste sagen… Vielen Dank, tolle Idee!“

Es dauerte nur wenige Minuten bis die „Hochzeitsgesellschaft“ von Steven und Jost bei uns „integriert“ war. Man stellte sich gegenseitig vor. Steven war 48 Jahre alt, Versicherungsmakler, hatte ein markantes, braun gebranntes Gesicht, lockiges, leicht graues Haar und einen trainierten Körper. Jost war 52, Straßenbahnfahrer, mit einem freundlichen runden Gesicht, einem 2-Millimeter-Kurzhaarschnitt und offensichtlich Anhänger von Krafttraining. Seine Muskelpakete konnten sich mit denen unseres Freundes Karl durchaus messen. Ihre Gäste waren zwei ältere, sehr seriös wirkende Herren im dunklen Anzug, ein etwa 20jähriger junger Mann mit etwas längeren Haaren und einem Outfit, das auf Künstler schließen ließ, zwei jüngere Frauen, die sich als Partnerlook eine ähnliche lila Haarsträhne zugelegt hatten und ein rothaariger, etwa 30jähriger, sehr schüchtern wirkender Typ, der merkwürdigerweise sofort Tinus‘ Aufmerksamkeit auf sich zog.

Albert stupste Pino an und machte mit hochgezogenen Augenbrauen eine fast unmerkliche Kopfbewegung in Richtung des Rothaarigen. „Hast Du den Blick von Tinus gesehen?“, flüsterte er.

Steven und Jost saßen uns gegenüber und schauten Pino und Albert interessiert an. „Ihr beide seid noch verdammt jung. Ich finde mutig, dass Ihr Euch jetzt schon so fest an einander bindet“, bemerkte Steven nachdenklich.

„Und wenn wir Dir jetzt erzählen, dass wir schon seit zehn Jahren zusammen sind, hältst Du uns für verrückt…“, lachte Albert.

„Waass… wie geht das denn?“. Jost war sprachlos.

Pino, Albert und ich erzählten den beiden die Kurzfassung von der „Kinderliebe“.

Ich hörte aus den Gesprächen am Nachbartisch, dass diese Geschichte nun auch in Variationen dort Thema war.

Unsere Feier in der ‚Boerderij‘ dauerte durch unsere neuen Gäste wesentlich länger als geplant. Als wir schließlich aufbrachen, hatten sich neue Freundschaften entwickelt.

Steven und Jost hatten Gus und mich zu einem Essen in ihrer Stammkneipe im Jordaan eingeladen und Tinus und der Rothaarige wollten sich schon zwei Tage später im Hause van den Berg treffen, wo auch Pinos und Alberts großer Tag endete.

Tinus hatte einen seiner Konferenzräume für ein kleines Büfett frei räumen lassen. Die großen Glastüren zu einer Terrasse über der Singel-Gracht waren weit geöffnet, überall waren moderne, gepolsterte Sitzwürfel aufgestellt und jeder konnte sich einen passenden Platz suchen.

Als sich Pino und Albert kurz vor Mitternacht zurückzogen, brachen auch wir anderen, die nicht im Hause wohnten auf.

„Das war ein toller Tag. Ich bin froh, dass wir ihn hier in Amsterdam gefeiert haben. Wir müssen uns bei Walter, Gus und Tinus noch einmal ganz doll bedanken. Die haben alles super organisiert“.

„Ja unbedingt!“

„Ich bin mal gespannt, wie sich das zwischen Hans, Maurizio und Magne und Ruben entwickelt. Die scheinen sich ja richtig gut zu verstehen. Würde mich nicht wundern, wenn wir die beiden bald auf Bjørnstangen sehen werden“.

Pino schmunzelte: „Unser Hof hat eben eine besondere Anziehungskraft“.

„Schön, dass Du ‚unser‘ sagst. Habe ich eigentlich schon gesagt, dass ich Dich liebe… wenn schon. Komm her mein Schatz! Hochzeit ohne Hochzeitsnacht geht nicht…“.


(Dran bleiben, die Geschichte geht im Teil 6 weiter.)

Kommentare und Fragen bitte an: gugamster@hotmail.com)

 
 
 

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