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Dort sein wo Leben beginnt und Liebe niemals endet (19)

  • Autorenbild: gert
    gert
  • 10. Apr. 2020
  • 39 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Nov. 2022



Der kleine Albert genoss die zwei Wochen auf Bjørnstangen sehr. Roberto half ihm bei den Hausaufgaben. Kjell kochte ihm seine Lieblingsgerichte und in der Schule verkündete er, dass Kjell die besten Pausenbrote der Welt schmierte.

Bjørn war sich seiner Verantwortung für den kleinen Albert durchaus bewusst und nahm sich, trotz Frühjahrsbestellung und einem 12-Stunden-Arbeitstag immer wieder Zeit, seinem Patensohn geduldig Maschinen zu erklären, genau zu zeigen, was im Gewächshaus bei den Tomaten passierte und er tobte und spielte mit Albert zwischendurch sogar in der Scheune.

Albert schlief im Zimmer von Vatern. Eines Nachts hatte er aber schlecht geträumt und stand plötzlich kurz nach Mitternacht bei Bjørn und Roberto im Schlafzimmer und fragte schluchzend, ob er bei ihnen schlafen könne. Bjørn tröstete ihn, nahm ihn auf den Arm und legte ihn zwischen sich und Roberto. Albert schlief sofort ein. Als sie um sechs Uhr morgens aufstanden, schlief er immer noch tief und fest.

Im Bad meinte Roberto etwas besorgt: „Hoffentlich bekommen wir keinen Ärger, dass der Kleine bei uns im Bett geschlafen hat. Wenn er das in der Schule oder später seinen Eltern erzählt, hat vielleicht der Eine oder andere schmutzige Gedanken“. – „Kann sein, aber Du siehst doch wie glücklich das Kind ist. Das geht vor. Arild und Mai Linh werden das verstehen und die anderen können mich mal…“.

Roberto gab seinem Liebsten einen Kuss und meinte: „Ich hoffe nur, Du vergisst nicht, dass auch ich manchmal gerne mit ‚Onkel‘ Bjørn kuscheln möchte“. – „Na, wie könnte ich das vergessen… aber die paar Tage werden wir es schon schaffen, dass jeder zu seinem Recht kommt“, schmunzelte Bjørn.

Als der kleine Albert schließlich strahlend zum Frühstück in der Küche erschien, meinte Bjørn beiläufig: „Große Jungs schlafen aber nur ausnahmsweise mal bei ihrem Onkel im Bett… das weißt Du doch, oder?“. – „Ja, schon klar… bei Papa und Mamma darf ich überhaupt nicht mit ins Bett. Papa meint auch, dafür sei ich schon zu groß“. – „Da hat ja Dein Papa eigentlich auch recht, aber ich selbst habe mir das, als ich so alt war wie Du, auch manchmal so sehr gewünscht und fand es nicht schön, dass ich es nie durfte. Also… wenn Du möchtest, kommst Du, aber nicht jeden Abend, Ok?“. – „Ja, Ok!“ Albert schlang seine Arme um Bjørn, gab ihm einen Kuss, packte seine ‚köstlichen‘ Pausenbrote in seinen Rucksack und raste zum Schulbus, der vermutlich schon auf ihn wartete.

Albert behielt erstaunlicherweise für sich, dass er mit seinem Onkel kuscheln durfte, wann er wollte. Erst als erwachsener Mann hat er diese Episode mal erzählt.

Abends nahm Bjørn sich jetzt regelmäßig eine halbe Stunde Zeit, um mit Albert gemeinsam zu lesen. Comics liebte Albert heiß und innig. Besonders begeistert war er, wenn Bjørn sie ihm mit verstellter Stimme vorlas. Dann hörte man aus Vaterns Zimmer das Quietschen und Lachen eines rundum glücklichen Jungen.

Als Arild und Mai Linh von der Insel Madeira zurückkamen, wirkten beide ausgeglichen und erholt. Sie waren quasi auf den Geschmack gekommen und hatten sich vorgenommen, von jetzt ab jedes Jahr einen Urlaub zu machen. Auf Bjørnstangen gab es allerdings Tränen, als der kleine Albert seinen Rucksack packen und wieder nach Bergstad umziehen sollte. Nur die Versicherung, dass es doch schließlich nicht weit sei, und er jederzeit vorbeikommen könne, beruhigte das Gemüt etwas.

Die Firma Grønnt Hus expandierte inzwischen sowohl als Großhandelsunternehmen als auch als Blumengeschäftskette. Das Konzept von Erik und Gus ging auf. Die Firma stellte fast täglich neue Mitarbeiter ein und wir hatten mit einer eigenen Mitarbeiterschulung begonnen. Dazu gehörte, dass ich für kleinere Gruppen von Gärtnern und zukünftigen Filialleiter Informationsreisen in die Niederlande organisierte. Auf dem Reiseplan standen dabei Besuche von der Welt größte Blumen-Auktion in Aalsmeer, einiger Schnittblumen-Produzenten und der wichtigsten internationalen Großhändler. Fester Bestandteil dieser Reisen war auch jedes Mal eine Stadtrundfahrt in Amsterdam und ein gemütliches Abendessen dort. Nach unserem Konzept der „Grønnt-Hus-Familie“ lernten wir uns auf diese Weise besser kennen und verstärkten die Bindung der Mitarbeiter an die Firma.

Jetzt zahlten sich unsere guten Kontakte nach Amsterdam aus. Bei der Vorbereitung dieser Touren waren Esben, Henk, Jeroen und Tinus eine große Hilfe.

Für viele unserer alten und neuen Kolleginnen und Kollegen war natürlich das Amsterdamer Nachtleben besonders reizvoll. Das Bier war nach norwegischen Maßstäben unglaublich billig. Es gab keine Beschränkungen zum Kauf von Alkohol. Die Vielfalt der Bars, Cafés, Discos und Kneipen und nicht zuletzt die sehr freizügige Prostitution war für die Norweger damals eine völlig andere Welt und eine große Verlockung.

Henk und Esben übernahmen gern die Führungen durch das nächtliche Amsterdam, bei denen Gus oder ich uns manchmal unter irgendeinem Vorwand frühzeitig zurückzogen, um stattdessen lieber in die Thermos-Sauna zu gehen.

Als ich bei einer unserer Reisen mich mal wieder mit Jeroen in der Thermos verabredet hatte, nachdem ich die fünf Kolleginnen und zwei Kollegen unserer Gruppe in einer Disco allein gelassen hatte, war ich ziemlich überrascht als etwa eine halbe Stunde später Olav, einer der beiden angehenden Filialleiter, mich in der Trockensauna angrinste.

Wir hatten uns zur Regel gemacht, Berufliches und Privates nicht zu mischen. Das Verhältnis zu Erik, Egil und Joachim hatte eine besondere Vorgeschichte und sollte möglichst keinen Einfluss auf unsere Arbeit haben. Daher war ich Olav gegenüber sehr reserviert und unterhielt mich fast ausschließlich mit Jeroen. Ich vermied es, Olav sowohl in der Dampfsauna als auch bei den Kabinen über den Weg zu laufen.

Olav war 23 Jahre alt, mittelgroß, sehr schlank, fast mager, hatte lockiges, dunkelblondes Haar und einen Oberlippenbart über einem ausgesprochen großen Mund mit fleischigen roten Lippen. Er war mir bereits beim Bewerbungsgespräch aufgefallen. Seine lebhaften blauen Augen und seine ungewöhnlich gepflegte Ausdrucksweise hatten mich fasziniert. Schon nach wenigen Monaten hatte sich herausgestellt, dass er ausgezeichnet mit seinen weiblichen Kollegen umgehen konnte und hervorragende Führungsqualitäten besaß. Bei Kundinnen war Olav so beliebt, dass sie oft warteten, bis er sie persönlich bediente. Er besaß also die besten Voraussetzungen, um ein guter Filialleiter zu werden.

Jeroen hatte natürlich längst bemerkt, dass Olav und ich uns kannten und fragte mich leise, als wir zusammen an der Bar saßen: „Der schlanke Typ ist auch Norweger, nicht wahr?“ – „Ja, er gehört zu unserer Mitarbeitergruppe“. – „Ach, das hätte ich nicht gedacht. Ihr redet ja kaum mit einander“. – „Na ja, ich möchte nicht, dass er glaubt, er könne irgendwelche Vorteile daraus ziehen, mich hier getroffen zu haben“. – „Ach so, verstehe“. Jeroen schaute sich suchend um. „Dann könnte ich mir den Knaben ja mal vornehmen. Er wirkt interessant und scheint ja auch recht gut gebaut zu sein“. – „Mach das! Du kannst ihm ja Deine berühmte Massage anbieten“, lachte ich. „Ich glaube, er ist gerade in die Dampfsauna gegangen… prima Gelegenheit. Ich berichte Dir nachher“, grinste Jeroen, zog sein Handtuch über der Hüfte fest und ging schnellen Schrittes zum Saunabereich.

Nur wenige Minuten später traf ich die beiden auf der Treppe nach oben zu den Kabinen. Deutliche Wölbungen unter ihren Handtüchern waren unübersehbar.

Als ich fast eine Stunde später und nach meinem dritten und letzten Saunagang noch immer nichts von Jeroen und Olav gesehen hatte, beschloss ich zu duschen und ins Hotel zurück zu gehen.

Ich war bereits angezogen und hatte meinen Rucksack geschultert, als Jeroen und Olav Arm in Arm in den Umkleidebereich kamen.

„Ehy, Walter, warte doch auf uns! Wir wollen auch los“. Jeroen grinste mich an und alberte: „Ihr kennt Euch? Olav, das ist mein Freund Walter. Walter, das ist mein Freund Olav“, dabei wollte er sich ausschütten vor Lachen. Ich war von dem Scherz nicht besonders begeistert, sagte aber nichts, sondern lachte ebenfalls und setzte mich auf eine Bank, um den beiden beim Umziehen zuzusehen.

Olav hatte für sein Alter einen ungewöhnlich faltigen Schwanz und lang herabhängende Hoden. Hätte ich nicht sein wahres Alter gekannt, hätte ich ihn für mindestens zehn Jahre älter geschätzt, als er wirklich war. Nur seine lebhaften Augen und eine glatte, gut durchblutete Gesichtshaut waren ein Zeichen seiner Jugendlichkeit. Er lächelte mich mit einem gewinnenden Lächeln an und meinte: „Das war eine gute Idee, sich von den anderen abzusetzen und hierher zu kommen. Ich hatte jedenfalls keine Lust, in der Disco rumzuschwofen und mir dauernd von den Frauen zwischen die Beine fassen zu lassen“. In diesem Punkt war ich mit ihm hundert Prozent einig, wollte es nur nicht zugeben, um nicht eine Vertrautheit herzustellen, die er später missverstehen könnte. Ich bemerkte daher nur: „Jedem das Seine“ und grinste.

Auf der Straße fragte Jeroen, ob wir noch Lust hätten, irgendwo etwas trinken zu gehen. Ich lehnte ab und erklärte, dass ich am nächsten Morgen wieder fit sein müsse, um mit der Gruppe eine Fahrt zu den Tulpenfeldern in Lisse zu machen. Olav schlug vor, noch einen Drink in der Hotelbar zu nehmen und dann ins Bett zu gehen. Jeroen stimmte sofort zu; wohl auch, weil er den Barkeeper gut kannte.

Wir waren die einzigen Gäste in der Bar und setzten uns auf drei Hocker vor dem Tresen, die dicht bei einander standen. Olav bestand darauf, einen Drink für uns beide ausgeben zu wollen. Jeroen bestellte, ohne uns zu fragen, drei Cocktails bei seinem Freund, den er vorher mit einem flüchtigen Kuss begrüßt hatte. „Ich habe da was ganz Neues für Euch, Jungs. ‚Sex on the beach‘ heißt der Drink. Das Rezept habe ich erst vor ein paar Wochen von einem Kollegen aus Kalifornien bekommen“. Der braungebrannte, etwas südländisch aussehende Barmann schaute uns fragend an, wartete aber nicht auf eine Zustimmung sondern begann sofort drei Gläser aufzustellen und zu mixen.

„Du machst das schon richtig… meine beiden norwegischen Freunde sind für alles Neue zu haben“. Viel Wodka und der damals noch weitgehend unbekannte Cranberry-Saft verfehlten ihre Wirkung nicht. Die bis dahin bestehende leichte Spannung zwischen mir und Olav löste sich allmählich und ich hatte nach einiger Zeit nichts mehr dagegen, dass Olav seine Hände wie zufällig auf meinen Oberschenkeln platzierte und Jeroen spielerisch meinen Nacken massierte. Dass der bildhübsche Barmann interessiert zuschaute, bemerkte ich kaum.

Es war fast Mitternacht als der Barmann auf die Uhr schaute und mitteilte, er wolle die Bar jetzt schließen. Als er zur Tür ging, um eine dicke rote Kordel vor den Eingang zu hängen und überall das Licht zu löschen, fiel mir eine extrem dicke Wölbung vorn und ein knackiger, runder Po hinten in seiner zum Zerreißen engen, schwarzen Hoteluniform-Hose auf.

„So, Jungs, ich schmeiße Euch nur ungern raus, aber wenn ich jetzt nicht dicht mache, bekomme ich Ärger mit meinem Chef“. An Olav gewandt fragte er: „Alles auf 266?“. – „Ja gern! Gute Nacht!“

Jeroen verabschiedete sich von seinem Freund mit einem Kuss auf die Stirn: „Bis bald mal wieder!“

Vorm Fahrstuhl wollte ich Olav und Jeroen gute Nacht sagen, als Olav vorschlug: „Ihr könntet für ein Nachspiel gern noch mit auf mein Zimmer kommen“. Jeroen und ich schauten uns kurz an und ich war schon drauf und dran, mit dem Kopf zu schütteln, als er sagte: „Ja, ok… das Leben ist so kurz, schlafen können wir auch morgen noch. Also gut, ich bin dabei. Was ist mit Dir Walter?“ Obwohl ich eigentlich nicht wollte, gab ich dem Druck meines Schwanzes nach, der inzwischen dafür gesorgt hatte, dass mein Slip komplett durchgefeuchtet war.

Gerade als die Türen des Fahrstuhls sich öffneten, sahen wir unseren Barmann gestikulierend auf uns zueilen. Jeroen stellte seinen Fuß so, dass die Tür geöffnet blieb und der Barkeeper sich noch mit hineindrängen konnte. „Du hast vergessen, den Bon zu unterschreiben“. Er hatte einen Kuli und die Getränkerechnung in der Hand und reichte sie Olav. Der grinste und meinte mit einem Augenzwinkern: „Ich dachte, ich könnte das später… mal abarbeiten. Entschuldige, war `nen Spaß“.

Als der Fahrstuhl in der zweiten Etage hielt, drückte er dem Barmann den Zettel unterschrieben in die Hand. Der bedankte sich höflich und wünschte uns eine gute Nacht und „viel Spaß noch…“, zwinkerte uns vielsagend zu und wartete darauf, wieder nach unten fahren zu können.

„Hast Du nicht Beziehungen zum Etagen-Service? Vielleicht bekommen wir ja dort noch etwas zu trinken“. – „Klar kein Problem. Ich bringe Euch gern selbst noch etwas. Was darf’s denn sein?“. Wir bestellten drei Bier und gingen auf Olavs Zimmer.

Das Zimmer war recht klein und wir setzten uns alle drei aufs große Doppelbett. „Macht es Euch bequem! In meiner bescheidenen Hütte ist Platz für alle“, lachte Olav und zog sich Schuhe und Strümpfe aus. „Fast wie zuhause. Da laufe ich allerdings den ganzen Tag nackt rum“. – „Da haben wir ja was gemeinsam. Ich habe mir das durch meinen Job in der Sauna angewöhnt und finde es herrlich“. – „Na dann… tu Dir keinen Zwang an, leg einfach ab!“ Jeroen ließ sich das nicht zweimal sagen und hatte bereits seine Hose ausgezogen, als es klopfte.

Der Barmann stand mit den drei bestellten Bier vor der Tür. Olav öffnete und sagte: „Komm rein und stell alles auf den Tisch. Geht wieder auf meine Rechnung“.

Der Barmann hatte diesen für Hotelpersonal typischen professionellen Blick, der sagt, ich sehe nichts und bin diskret. Als er sah, dass Jeroen sich ungerührt weiter auszog und jetzt nackt vor ihm stand, murmelte er grinsend: „Du hast Dich aber auch nicht verändert“. – „Na, ich hoffe, Du auch nicht. Ist ja eine Weile her, dass wir uns so gesehen haben“. – „Ja, stimmt, das letzte Mal vor zwei Jahren in der Sauna“.

Olav schlug dem Barmann freundschaftlich auf die Schulter und meinte: „Na dann wird’s aber Zeit, dass ihr Eure Freundschaft auffrischt“. – „Stimmt, aber vielleicht nicht gerade jetzt, Ihr wollt ja bestimmt unter Euch bleiben“, gab der Barmann zu bedenken. „Wer sagt das denn, Carlos?“, fragte Jeroen. „Na, ich dachte… eigentlich ist das ja das Zimmer von Deinem Freund hier“. Er zeigte auf Olav.

Ich amüsierte mich ein bisschen über die Situation. Noch vor ein paar Jahren hätte ich die Initiative ergriffen und versucht Carlos in unser Bett zu bekommen. Jetzt genoss ich das Geplänkel und wartete geduldig, auf das was kommen würde. Allerdings zog ich auch Jacke und Hemd aus. Socken und Schuhe hatte ich schon abgestreift.

Carlos öffnete routiniert die Bierflaschen und schenkte ein. Jeroen schaute ihm zu und scherzte: „Du bist und bleibst Barmann. Ich dachte Du hättest Feierabend… nun setz Dich schon zu uns! Wir verpetzen Dich auch nicht bei Deinem Chef“.

Carlos schaute mich an und schien eine Bestätigung der Einladung durch mich zu erwarten. Ich studierte seinen Gesichtsausdruck und war fasziniert von seiner professionellen Distanziertheit. „So etwa würde wohl auch ein englischer Butler reagieren“, schoss es mir durch den Kopf.

Kerzengerade und mit einer Hand auf dem Rücken stand er da, mit dem Anflug eines freundlichen Lächelns und einer Beule zwischen den Beinen, die so aussah, als sprenge sie jeden Moment den Stoff. Der Anblick war sowohl für Olav wie für mich so erregend, dass wir unwillkürlich und fast gleichzeitig einen leisen Seufzer ausstießen. Jeroen blieb ganz gelassen, obwohl sein Schwanz sich ganz langsam mit Blut zu füllen schien.

„Ja stimmt, ich habe Feierabend, aber es gibt in unserem Haus eine strenge Regel, dass das Personal nicht privat mit Gästen verkehren soll. Würde mich jemand anschwärzen, hätte das sofort die fristlose Kündigung zur Folge“.

„Wieso? Wir haben Zimmerservice bestellt und bekommen. Dann haben wir Dich in ein längeres Gespräch verwickelt, das Du aus Höflichkeit nicht abbrechen wolltest… trotz Feierabend… ist doch eigentlich ganz einfach“, warf Olav schmunzelnd ein.

„Für Euch ist das einfach. Mein Chef würde das vermutlich anders sehen. Aber gottseidank ist nur noch der Nachtportier im Haus. Der ist überzeugt, dass ich längst nach Hause gegangen bin, sitzt in seiner Loge und guckt irgendeinen billigen Sciencefiction-Film“. Carlos lachte jetzt das erste Mal etwas entspannter und setzte sich auf die Bettkante.

Ich starrte jetzt unverhohlen auf seinen Hosenstall und wartete regelrecht darauf, dass der Reißverschluss jeden Moment aufplatzen, oder die schicke Arbeitshose an irgendeiner Stelle reißen könnte.

„Wenn sich unser Gast schon entschieden hat zu bleiben, sollten wir ihm aber auch etwas zu trinken anbieten“. Ich erhob mich und bot Carlos mein Bier an. Dabei merkte ich, dass mein Kolben eigentlich unbedingt den feuchten Slip verlassen wollte und sich in meiner modisch engen Hose sehr eingeengt fühlte.

„Danke, das ist sehr nett, aber ich trinke kein Bier… höchstens mal einen Wein“. Carlos Lächeln war jetzt ganz warm, herzlich und unverkrampft.

„Sag das doch gleich. Ich habe doch schon meine Quote gekauft. Such Dir einen Wein aus den Tüten da drüben aus!“. Olav zeigte auf zwei Plastiktüten neben dem Schreibtisch.

„Ach was, lass mal gut sein. Ich habe den ganzen Abend getrunken. Wir können uns noch einen Augenblick unterhalten und dann verschwinde ich und lasse Euch allein“.

„Na, dann erzähl mal, wie man bei diesem Job so braun werden kann. Warst Du gerade im Urlaub?“, fragte ich.

Carlos ließ sich lachend hintenüber fallen und lag mit ausgebreiteten Armen auf dem Bett: „ Ich? Urlaub?... Schon ewig nicht mehr. Aber Solarium gönne ich mir“. Wieder sah er mir direkt in die Augen und schien meine Reaktion testen zu wollen. Ich hatte meinen Kopf auf mein angezogenes Knie gelegt, saß direkt neben ihm und hielt seinem Blick stand.

Olav und Jeroen saßen im Schneidersitz neben einander am Kopfende des Bettes.

„Wie oft gehst Du denn ins Solarium?“, fragte ich. „Da wir eins hier im Haus haben, lege ich mich einmal in der Woche darunter“. – „Sieht man… die Bräune steht Dir gut und Deine Haut wirkt schön glatt“.

„Danke! Aber Du bist ja auch nicht gerade bleich. Ich habe immer gedacht, Norweger haben so wenig Sonnentage“. Er schmunzelte, öffnete die obersten Knöpfe seines Hemdes und löste den Gürtel seiner Hose. Dabei ließ er mich nicht aus den Augen. Seine Bewegungen waren geschmeidig und irgendwie routiniert. „Ich denke Ihr habt in Holland nicht viel mehr als wir in Süd-Norwegen. Ich bin so oft ich kann draußen, und bei uns zuhause kann ich auch nackt auf der Terrasse liegen“.

„Hast Du Familie?“ – „Ich lebe mit meinem Partner zusammen. Vater wohnt in Italien, Mutter in Deutschland und Onkel und Tanten in Norwegen“. – „Ach, und Dein Partner erlaubt Dir allein nach Amsterdam zu reisen?“ – „Ja klar, warum denn nicht? Er kommt auch gelegentlich allein hierher“.

Olav hatte interessiert zugehört. „Habe ich mich auch schon gefragt… Was wohl Gus dazu sagen würde, wenn er wüsste, dass Du allein in der Thermos-Sauna warst“. – „Weiß er ja. Wir kennen beide Jeroen und auch den Geschäftsführer sehr gut. Da ist es ganz natürlich, dass wir vorbeischauen, wenn wir in Amsterdam sind“.

„Ach so, ich dachte Jeroen hätte Euch gerade erst aufgegabelt“, lachte Carlos und streifte sein Hemd jetzt ganz ab und öffnete wie beiläufig den Knopf an seinem Hosenbund.

Jeroen grinste, und fand Carlos habe eine zu schlechte Meinung von ihm. Gus und ich seien richtig gute Freunde, und er fühle sich in Norwegen sehr wohl. „Na ja, bei Dir Du Schlitzohr weiß man nie…“, alberte Carlos und griff aus Spaß nach Jeroens Schwanz, der bereits ziemlich gerade und steif zwischen seinen Oberschenkeln hervorschaute.

„Ja, ja… ärgere Du mich nur… Du bist ja auch kein Kind von Traurigkeit. Wenn Du Spaß mit schönen Männern haben kannst, sagst Du doch auch selten nein“. – „Stimmt, deshalb hält es mit mir auch kaum ein Mann lange aus. Aber so nette Typen wie Euch drei, kann ich einfach nicht links liegen lassen“. Auch während Carlos Jeroens Schwanz in der Hand hielt fixierten mich seine dunklen, großen Augen und immer wieder spielte ein ganz spezielles, warmes Lächeln um seine Mundwinkel. Ich bildete mir ein, es sei anders, als wenn er seine Späße mit Jeroen machte.

Plötzlich hatte ich den Eindruck, dass unser Barkeeper eine Entscheidung getroffen hatte. Er zog sein Hemd wieder über, strich sich über seine lockigen Haare, richtete sich auf und verkündete: „Ich werde jetzt mal gehen. Vielen Dank für Eure Einladung, aber ich muss jetzt ins Bett, sonst schlafe ich morgen bei der Arbeit ein“. Merkwürdigerweise verabschiedete er sich nur von mir mit Handschlag.

Er schaute mich noch einmal intensiv an, und seine schönen Lippen schienen ein Wort formen zu wollen. Doch stattdessen war da wieder nur dieses leichte Zucken der Mundwinkel und ein fragender Blick, den ich nicht richtig deuten konnte. Er ging zur Tür, drehte sich noch einmal um, machte eine unmerkliche Kopfbewegung nach rechts, winkte uns noch einmal zu und ging auf den Flur.

Ich fand, sein Aufbruch sei eine gute Gelegenheit auch Gute-Nacht zu sagen, zog Hemd, Jacke und Schuhe wieder an und sagte: „Ich muss morgen auch wieder fit sein. Schlaft gut, Jungs! Dank Dir Olav für all die Drinks heute abend. Das nächste Mal bezahle ich. Bis morgen!“

Als ich mich in der Tür noch einmal umdrehte, sah ich, dass Olav seinen Arm um Jeroen gelegt hatte, aber beide noch in ihrer Schneidersitzposition auf den Kopfkissen saßen.

Auf dem Flur war es still. Lediglich eine Nachtbeleuchtung half, den Weg zum Ende des Korridors zu finden, an dem mein Zimmer lag. Gerade als ich den Schlüssel ins Schloss steckte, hörte ich hinter mir ein Geräusch. Carlos saß in einer kleinen Nische und gab ein leises „Pssst“ von sich. Ich drehte mich um, im selben Moment stand er schon vor mir und flüsterte: „Nun lass mich schon rein! Sonst wird noch jemand wach und verpetzt mich“.

Ich war etwas erschrocken, aber konnte dem gewinnenden Lächeln und der Beule in seiner Hose einfach nicht widerstehen. Kaum hatte ich die Tür meines Zimmers hinter uns zugemacht, fiel Carlos mir so stürmisch um den Hals, dass ich gleichzeitig lachen und nach Luft ringen musste.

Er zerrte an seinem weißen Oberhemd, so dass ich Nähte reißen hörte und zwei Knöpfe auf den Boden fielen. Dann drückte er seinen warmen Mund auf meinen und schob gleichzeitig eine Hand unter meinen Hosenbund.

„Oh!“, entfuhr es ihm, als seine Hand meinen inzwischen völlig durchnässten Slip fühlte. Ich seufzte und genoss sein Spiel mit meiner feucht, klebrigen Eichel. Langsam schob er mich vor sich her, schaute mich immer wieder an und lächelte. „Du bist ein so süßer Kerl. Ich glaube, ich hätte die ganze Nacht auf dem Flur auf Dich gewartet. Ich hoffe nur, es stimmt, was Du vorhin über Deinen Partner gesagt hast. Schmeiß mich jetzt raus, wenn Du nicht willst oder mich nicht magst“.

Ich wollte… wurde damit aber auch meinem Prinzip untreu, niemals mit einem Mann ins Bett zu gehen, über den ich nichts wusste und mit dem ich mich kaum unterhalten hatte.

Carlos war der klassische Fall, bei dem sich mein Schwanz vor meinem Kopf entschieden hatte.

Ich genoss seine Komplimente und seine unnachahmliche Art mich zu gewinnen. Darüber hinaus war ich so geil und gespannt auf diesen wahnsinnig hübschen Männerkörper, dass ich alle Bedenken über Bord und mich selbst aufs Bett warf. Ich ließ einfach alles mit mir geschehen und ergriff, ganz gegen meine Art, überhaupt keine Initiative. Carlos schien genau das zu wollen. Er zog mich schnell und mit geschickten Bewegungen aus. Mal streichelte er meinen Kopf, dann wanderte seine Hand zu meinem Po und damit zu meinem G-Punkt. Dann überzog er meinen ganzen Körper mit herrlich warmen und feuchten Küssen. Schließlich nahm er meinen eisenharten, aber verklebten Kolben in den Mund, versenkte ihn immer wieder in seinem Rachen und versuchte trotzdem Blickkontakt mit mir zu halten.

Als seine Zunge in meine verschwitzte Poritze glitt, flüsterte ich keuchend: „Wollen wir nicht erstmal duschen?“ – „Du schmeckst so herrlich… wenn’s Dich nicht stört, lass mich einfach weiter Deinen schönen Körper erforschen“, und schon bohrte sich seine Zunge in meinen Anus.

Und dann passierte das, was ich den ganzen Abend schon befürchtet hatte, die Naht neben dem Reißverschluss seines Hosenstalls riss. Carlos trug offenbar keine Unterhose.

Ein dunkler, brauner, dicker und sehr glatter Schwanz bahnte sich den Weg ins Freie. Im ersten Moment musste ich unwillkürlich an einen Dildo denken. So makellos fast plastikartig und künstlich wirkte dieser steife Penis, der sich jetzt malerisch von der schwarzen Arbeitshose abhob.

Carlos kümmerte dieses kleine Missgeschick überhaupt nicht. Seine Zunge umkreiste weiter meine Rosette und presste sich immer wieder auch in meinen Darm.

Ich wusste, dass ich diese Behandlung nicht lange durchhalten würde. In meinem Schwanz pulsierte es heftig und meine Eier zogen sich in kurzen Abständen zusammen. Wenn er so weitermachte, würde ich spritzen und wohl in dieser Nacht nicht noch einmal kommen. Dafür hatten wir zu viel Alkohol getrunken und der Tag war zu anstrengend gewesen.

Behutsam nahm ich seinen Kopf in meine Hände und führte ihn zu meinem Gesicht. Ich wollte seine wunderschönen Küsse spüren und saugte mich an seinen Lippen fest. Gleichzeitig dirigierte ich seinen, durch den Riss in der Hose, eingeengten Kolben zu meinem Loch.

Carlos schien erstaunt, machte aber keine Umschweife und hämmerte rhythmisch seine ungefähr 20 cm lange Stange in mich hinein. Ich spürte den Reißverschluss und den harten Stoff in meiner Poritze und an der Rosette.

Ich stöhnte und schrie leise, wenn seine Eichel gegen die Prostata drückte. Wurde ich zu laut, verschlossen seine Lippen meinen Mund. Er war erstaunlich liebevoll und einfühlsam. Für ihn schien sein eigener Orgasmus keine Rolle zu spielen. Er beobachtete mich ständig und immer wenn ich glaubte, das Sperma müsste jetzt jeden Moment aus mir raus katapultieren, hielt er für ein paar Sekunden inne, lächelte und erstarrte quasi wie das Standbild in einem Film.

Auf diese Weise wurde ich allerdings noch geiler und begann jetzt selbst an seiner Hose zu zerren. Dabei sprang auch noch zu allem Überfluss der Knopf an seinem Hosenbund ab.

Carlos Körper war glatt rasiert, ohne die Andeutung eines Haares. Selbst sein Po war bis zur Rosette so glatt und geschmeidig wie der eines Kindes. Auch seine Arme und Beine waren samtig glatt. Immer wenn meine Fingerspitzen über seine Oberschenkel und seine Pobacken glitten, stöhnte er leicht und stieß etwas heftiger zu.

Wollte ich eben noch einfach nur meinen Orgasmus verzögern, kam jetzt plötzlich eine so gewaltige Lust auf, dass ich diesen knabenhaften Körper nur noch wild und ungezügelt streicheln, lecken und schließlich durchficken wollte. Jede seiner Berührungen machte mich wahnsinniger. Ich löste mich aus meiner Passivität, drückte seinen Schwanz zurück, umfasste fast grob seine Hüfte und drehte ihn auf seinen Rücken.

Er schien nur darauf gewartet zu haben, schloss die Augen und schnurrte wie eine Katze. Meine Zunge glitt über seine herrlich glatte Haut. Vom Ohrläppchen, über den Hals zu den festen, dicken Nippeln, von dort über einen süßen kleinen Bauchnabel zu dem malerischen Schwanz. Dort quasi mich selbst zu riechen und zu schmecken machte mich noch wilder. Immer wieder drückte ich den braunen, geschmeidigen Körper ganz fest an mich. Unsere beiden Schwänze rieben sich und lösten sich voneinander. Meine Finger glitten immer wieder in seinen Anus. Ich genoss sein Schnurren, sein Lächeln und seine Anschmiegsamkeit. Carlos schlang seine Arme ebenfalls um mich und wir harmonierten so gut, wie ich es nur von meinem Schatz oder Roberto und Bjørn kannte.

Mein Orgasmus kündigte sich schleichend an. Ich spürte es bei jeder Bewegung. Kleine Stromstöße durchzuckten meinen Körper und dann pulsierte es in immer wiederkehrenden Schüben aus mir heraus. Die warme Sahne lief über seinen strammen Bauch und er reckte sich, um meinen harten Kolben sauber zu lecken. Ich war immer noch so angespannt, dass ich seinen Lockenkopf packte und wie wahnsinnig mit ruckartigen Bewegungen auf meinen Schwanz drückte. Dabei hatte ich das Gefühl, es kämen immer neue Spermaschübe. Carlos versuchte zu rufen: „Ich ko….“, aber mein Schwanz in seinem Mund ließ lediglich ein Gurgeln zu. Ich bekam die ganze Ladung fast vollständig ins Gesicht und konnte gerade noch rechtzeitig die Augen schließen. Den Rest saugte ich aus seinem Schwanz. Seine Sahne schmeckte köstlich. Carlos quiekte, stöhnte und keuchte gleichzeitig, bis er sich umdrehte, mich wieder ganz fest umarmte und unendlich liebevoll küsste.

„Schade, dass ich Dich nicht für immer haben kann. Wärst Du nicht vergeben, würde ich Dich nie wieder loslassen“. Carlos fixierte mich wieder mit seinen warmen Augen. Sein Lächeln war unbeschreiblich. „Ich fände es toll, wenn Du meinen Schatz und all meine anderen Freunde kennenlernen könntest. Ich glaube Du würdest Dich mit allen gut verstehen. Wir sind irgendwie eine Familie und Du würdest gut zu uns passen“.

„Ach, ich weiß nicht… ich bin nicht sehr sozial. Ich habe nur ein oder zwei Freunde und bin furchtbar schnell eifersüchtig. Ich glaube ich könnte es nicht ertragen, dass andere Dich so lieben wie ich. Lass mich von Dir träumen und an Dich denken. Wer weiß, vielleicht sehen wir uns mal wieder und ich lerne Deinen Freund kennen… Jetzt möchte ich Dich noch so lange wie möglich für mich. Küss mich nochmal! Dann verschwinde ich“.

Ich legte meine Hand auf seinen Mund und flüsterte: „Bleib noch! Ich möchte Deinen wunderschönen Körper noch etwas spüren und mit Dir einschlafen“.

„Ach, Du bist so süß… ich könnte schon wieder“. Carlos küsste mich so heftig, dass mir für einen Moment die Luft weg blieb. Ich keuchte: „Mach was Du willst. Hauptsache Du bleibst noch etwas“.

Wir fielen in dieser Nacht noch mehrmals über einander her, schliefen zwischendurch mal eine Stunde, suchten dann wieder unsere Hände, kuschelten und küssten uns. Unsere Schwänze wurden schlapp und richteten sich nach kurzer Zeit wieder auf. Schließlich schafften wir keinen Orgasmus mehr und fielen fest umschlungen in einen tiefen Schlaf.

Mein Wecker war auf sieben Uhr eingestellt und klingelte erbarmungslos. Um neun musste ich unbedingt am Bus sein, um mit meinen Mitarbeitern die holländische Tulpenproduktion zu besichtigen.

Carlos schreckte hoch. „Oh Mann, ich muss zusehen, dass ich hier rauskomme, wenn mich jemand von den Kollegen sieht, bin ich geliefert“. – „Gibt es denn keinen Hinterausgang, den Du nehmen kannst?“ – „Wenn ich erstmal ungesehen im Keller bin, ist alles kein Problem“. Carlos wirkte wirklich besorgt. – „Lass uns duschen und dann gehe ich vor und passe auf, dass die Luft rein ist“. – „Du bist lieb. Das ist eine gute Idee“.

In der Dusche ließ ich mir die Gelegenheit nicht entgehen, den so wundschönen, glatten Körper noch einmal zu berühren. Wir trockneten uns gründlich ab. Ich gab Carlos einen schwarzen Slip von mir, damit der Riss in seiner Hose nicht so auffiel und schenkte ihm einen Pullover, damit ihm auf dem Nachhauseweg nicht zu kalt würde.

Auf dem Flur war alles ruhig. Der Zimmerservice war nirgends zu sehen. Ich ging vor, schaute in die Seitengänge und beobachtete den Fahrstuhl. Dann winkte ich Carlos zu und wir liefen gemeinsam zum Treppenhaus. Ich kontrollierte auf jeder Etage, ob sich jemand nähert, bis wir heil im Kellergeschoss waren. Dort küssten wir uns noch einmal, und ich sah Carlos nach, als er durch die Parkgarage davon lief. Wir hatten unsere Adresse und Telefonnummer ausgetauscht und ich hatte ihm versprochen, mich bei unserem nächsten Amsterdam-Aufenthalt bei ihm zu melden. [Carlos ist inzwischen Chef des Services in diesem Hotel und wir sahen uns über viele Jahre regelmäßig.]

Ich habe Olav und Jeroen nie von meiner Nacht mit Carlos erzählt. Jeroen hat Jahre später mal bei einem abendlichen Gespräch zwischen Gus, Tinus und mir geäußert, er glaube, mein heimlicher Liebhaber sei ein Barkeeper in Amsterdam. Daraufhin zog Gus die Augenbrauen hoch und kommentierte trocken: „Ach, Du meinst Carlos… ein netter Kerl“.

Olav wurde ein erfolgreicher Filialleiter bei Grønnt Hus und wechselte viele Jahre später in die Zentrale. Er hat unsere gemeinsamen Erlebnisse in Amsterdam nie in der Firma erwähnt und unser Verhältnis ist bis heute freundlich aber distanziert.

Je mehr Grønnt Hus expandierte, desto mehr waren Gus und ich sowohl innerhalb Norwegens als auch international auf Reisen. Wenn wir in Amsterdam waren, wohnten wir fast immer in dem Hotel, in dem Carlos der Barkeeper war. Natürlich hatte ich Gus in groben Zügen von Carlos erzählt und stellte ihn ihm dann auch bei nächster Gelegenheit vor. Beide verstanden sich auf Anhieb gut. Als Gus dann ein Jahr später allein für drei Tage in Aalsmeer bei der Blumenauktion war, fragte Carlos ihn, ob er mal mitfahren dürfe. Er habe, obwohl er seit zwanzig Jahren in Amsterdam lebe, noch nie die größte Blumenauktion der Welt gesehen.

Gus freute sich über die Begleitung und sie verabredeten sich morgens um vier in der Parkgarage des Hotels, um rechtzeitig zur Haupt-Auktionszeit gegen fünf Uhr in Aalsmeer zu sein.

Während der Autofahrt sprachen sie viel über Blumen, Norwegen, Italien, unsere Freunde und schließlich über mich.

Gus sah Carlos von der Seite an und meinte: „Du magst Walter, nicht wahr?“ Carlos wurde rot und blickte starr auf seine Knie.

„Er mag Dich auch… Ich weiß, dass Ihr eine schöne Nacht zusammen hattet. Mach Dir deshalb keine Gedanken. Ich kenne meinen Schatz jetzt schon so viele Jahre. Er kann einem so sympathischen Mann wie Dir nicht widerstehen. Wenn ich das nicht ertragen könnte, hätte ich mich längst von ihm trennen müssen…aber… umgekehrt gilt dasselbe. Gerade weil wir so gleich ticken, lieben wir uns, leben zusammen und freuen uns an unserer großen schwulen Familie, zu der nur Männer gehören, die ganz besondere Persönlichkeiten sind und wissen, was wirkliche Freundschaft bedeutet. Wir vertragen uns deshalb so gut, weil wir immer ehrlich zu einander sind, Eifersüchteleien vermeiden und einander unterstützen wo es geht“.

„Walter hat mir das schon erzählt. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie so etwas funktionieren kann. Ich wäre an Deiner Stelle furchtbar eifersüchtig, und würde meinen Freund vermutlich am selben Tag auf die Straße setzen, wenn er mir etwas Ähnliches wie zwischen mir und Walter gebeichtet hätte“.

„Ach, weißt Du Carlos, wenn eine Beziehung zwischen zwei Männern von sexueller Treue abhängt, dann ist sie nichts wert. Sex ist die höchste Form der Zuneigung zu anderen Menschen. Warum soll man die nicht auch anderen als dem Partner zeigen dürfen? Würden wir uns alle mehr Zuneigung schenken, gäbe es…vielleicht… weniger Hass und andere Bösartigkeiten auf dieser Welt. Liebe ich aber einen Menschen, also teile alles mit ihm, habe unendliches Vertrauen in ihn und möchte eigentlich immer mit ihm zusammen sein, dann ist das…ein ganz seltenes Glück“.

Carlos sah kurz auf, lächelte und warf Gus einen kurzen Blick zu. „Ich glaube, ich verstehe, was Du meinst, aber die meisten Menschen haben es doch ganz anders gelernt. Wenn ich mich mit Hotelgästen an der Bar unterhalte, ist Sex fast immer die Ursache für Konflikte. Entweder man bekommt zu wenig davon und sucht mehr bei anderen, oder er ist langweilig geworden und man sucht Abwechslung, oder er ist eben das einzige, was eine Partnerschaft zusammenhält beziehungsweise kaputt macht“.

„Tja, das ist die Crux. Die Menschen denken zu wenig nach, bevor sie sich an einen anderen binden“.

Sie bogen jetzt auf die Zufahrt zum mehrere Fußballfelder großen Parkdeck des Auktionsgeländes ein. Gus parkte direkt neben einem der vielen Fahrstuhl-Eingänge. Von hier gelangte man direkt zu den Hallen, in denen die Blumen verteilt, gepackt oder an mehreren Versteigerungs-Uhren gekauft bzw. ersteigert wurden. Millionen von Schnittblumen wurden hier jeden Morgen auf Rollcontainern nach für Außenstehende unverständlichen Regeln hin und her gefahren und am Ende auf LKWs verladen, um schnellstens zu den Kunden in ganz Europa zu kommen.

In den Hallen herrscht eine laute Betriebsamkeit, es ist kühl und die Luft ist feucht und schlecht. Trotzdem sind das bunte Bild und der uhrwerkartige Ablauf für Besucher faszinierend. Auch Carlos war hingerissen und hielt sich ganz dicht an Gus, um nicht unter die Räder der rasant vorbei fahrenden kleinen Container-Züge zu kommen und vor allem, um nicht die Orientierung zu verlieren.

Sie standen gerade zwischen zwei endlos langen Zügen mit Rosen, deren Qualität Gus interessierte, als sich der eine in Bewegung setzte. Carlos hatte damit nicht gerechnet, erschrak und griff instinktiv nach Gus‘ Hand. Gus lachte, hielt die Hand ganz fest und flüsterte: „Das solltest Du öfter machen… Ich passe gern auf Dich auf“. Carlos drehte sich ein paar Mal um und da niemand in der Nähe war, nahm er Gus‘ Kopf in seine Hände und drückte ihm einen warmen und sehr langen Kuss auf den Mund“. Gus war überrumpelt und sagte etwas atemlos: „Auch das solltest Du viel öfter machen… bloß vielleicht nicht gerade hier“. – „Entschuldige, ich musste einfach… Walter und Du… Ihr seid so lieb… Ich bin so glücklich Euch zu kennen“.

Der Zug mit Rosen war weg und ein neuer mit Ranunkeln näherte sich. Der blutjunge Fahrer der Zugmaschine grinste den beiden zu, pfiff anerkennend und hob seinen Daumen.

„Oh, der hat uns wohl doch gesehen“. – „Mach Dir keine Sorgen. Das kommt hier häufiger mal vor, dass Männer sich küssen. Schwule Männer gehören zur Blumenbranche dazu“.

Nachdem Gus ein paar Bestellungen geschrieben und an verschiedenen Versteigerungsuhren Verkauf und Preise beobachtet hatte, gingen sie in eine der kleinen Mitarbeiterkantinen und bestellten sich einen Kaffee und ein Sandwich. An einem der Stehtische stand eine Gruppe von Container-Zug-Fahrern und diskutierte lebhaft. Gus und Carlos bissen fast gleichzeitig in ihre Sandwiches und interessierten sich nur wenig für die anderen Gäste.

Plötzlich hatte Gus allerdings das Gefühl beobachtet zu werden. Er schaute sich um, stellte fest, dass der kleine Raum immer voller geworden war, und es kaum noch einen freien Platz gab. Er wollte gerade einen Schluck Kaffee nehmen, als er den Fahrer des Ranunkelzuges entdeckte. Er stand in der Gruppe der anderen Fahrer und beteiligte sich nicht an deren Gespräch. Stattdessen blickte er zu Gus und Carlos rüber, lächelte und prostete ihnen mit seinem Kaffeebecher zu. Seine Kollegen schienen ihn immer wieder in ein Gespräch verwickeln zu wollen, aber er interessierte sich offenbar nicht für ihre Themen.

Gus machte Carlos durch eine leichte Kopfbewegung auf den jungen Mann aufmerksam. Carlos hatte in seinem Beruf gelernt, eine professionelle Distanz zu Kunden zu wahren und sich dazu einen besonders neutralen Gesichtsausdruck angeeignet, den er jetzt automatisch aufsetzte. „Macht der uns oder nur Dich an?“, fragte er flüsternd. – „Ich bin nicht sicher. Vielleicht will er uns auch nur zeigen, dass er uns wiedererkannt hat“. – „Bei uns in der Bar würde er jetzt auf die Toilette gehen und einer von uns beiden müsste hinterher gehen“, schmunzelte Carlos.

Kaum hatte er das gesagt, löste sich der junge Fahrer von seiner Gruppe und ging direkt über den Gang zu einer Tür mit der Aufschrift WC.

„Siehste, jetzt ist nur die Frage, wer von uns beiden dringender pinkeln muss“, grinste Carlos. – „Ich muss nicht“. – „Ich möchte nur wissen, ob ich recht habe“, entgegnete Carlos, stellte seinen Becher ab und bahnte sich einen Weg durch die Gäste zur Toilette. Gus war überrascht, da er Carlos bisher als eher schüchtern eingeschätzt hatte. Aber er durfte sich ja auch mal irren, dachte er sich und beobachtete die WC-Tür. Es vergingen fast zehn Minuten, bis Carlos und ein paar Sekunden später auch der Fahrer wieder auftauchten. Der warf noch einmal einen Blick zu Gus hinüber, lächelte und ging dann schnellen Schrittes in die Halle zurück.

„Na, wie war’s?“, fragte Gus scherzend. „Och… selbst hier sucht man sich und findet sich“, lachte Carlos. „Er ist Student, verdient hier etwas Geld dazu, heißt Jacob, muss um 9 in die Uni, hat heute abend frei und einen etwas sehr krummen aber interessanten Schwanz“.

Carlos kicherte und freute sich sichtlich, so viele Informationen in so kurzer Zeit gesammelt zu haben.

„Du bist ja richtig gut. Sag bloß, Ihr habt auch noch Adressen ausgetauscht“. – „Na ja, wir hatten ja beide nichts zu schreiben. Aber wir haben rausgefunden, dass wir nicht weit voneinander entfernt wohnen und beide das selbe Stamm-Cafe haben. Obwohl… eigentlich… hatte ich den Eindruck, er wäre noch zugänglicher gewesen, wenn Du neben ihm gepinkelt hättest“. – „Ach, tatsächlich?...“. – „Ja, er wollte jedenfalls mehr über Dich wissen als über mich. Als ich ihm erzählte, dass Du aus Norwegen kommst und einen festen Partner hast, schien er mir richtig enttäuscht“. – „Vielleicht besser so, ich mag eigentlich Klappen-Bekanntschaften nicht so gern“, grinste Gus.

Nachdem sie sich noch das eindrucksvolle Versteigerungs-Verfahren an verschiedenen Uhren angeschaut und einen Blick in das Testlabor geworfen hatten, machten sie sich gegen neun wieder auf den Weg zurück nach Amsterdam. Gus hatte noch einen Termin bei einem Großhändler und sich zum Mittagessen mit Tinus verabredet.

Carlos wollte nach Hause und sich noch etwas ausruhen, bevor er nachmittags zum Dienst musste. Er hatte eine kleine Wohnung an der Ceintuurbaan direkt am Sarphatipark. Als Gus ihn vor dem Haus absetzte, deutete Carlos die Straße hinunter und zeigte auf ein Café an der nächsten Straßenecke: „Dort drüben ist meine Stammkneipe. Wenn Du Lust hast, können wir dort heute abend etwas zusammen trinken. Vielleicht kommt ja Jacob auch…“.

Der Hinweis ließ Gus aufhorchen. Obwohl er die Episode in der Kantine der Blumenauktion verdrängen wollte, ließ ihn das sympathische Gesicht des Ranunkelzug-Fahrers nicht los. Die Chance ein paar Worte mit ihm zu wechseln, wollte er sich nicht entgehen lassen. Daher fragte er: „Wann hast Du Feierabend?“. – „Heute schon um zehn. Ich könnte halb elf hier sein. Dann kommen sowieso erst die meisten Leute“. – „OK, bis nachher. Ich werde da sein“.

Die Ceintuurbaan ist eine der eher eintönigen, längeren, geraden Hauptverkehrsstraßen Amsterdams, die zwar in der Nähe der historischen Innenstadt entlangläuft, aber von Touristen gemieden wird.

Gus hatte den Rest des Tages bei Tinus verbracht und schlenderte jetzt entspannt durch die Gassen des Grachtengürtels über den Leidseplein zum Rijksmuseum und von dort Richtung Sarphatipark.

Kaum hatte er das riesige Museumsgebäude aus der Zeit der Jahrhundertwende hinter sich gelassen, war er fast allein auf der Straße. Hin und wieder überholte ihn ein Fahrradfahrer, oder ihm kamen Jugendliche entgegen, die dem Zentrum zustrebten. Er hatte überlegt, einen Abstecher zum Hotel zu machen, zu duschen und dann gemeinsam mit Carlos in seine Stammkneipe zu gehen; entschloss sich dann aber lieber einen Spaziergang durch ihm unbekannte Teile der Stadt zu machen. Er genoss es, in die gardinenlosen Wohnungen zu schauen und die Auslagen der zum Teil sehr ungewöhnlichen kleinen Läden zu betrachten.

Er stand gerade vor einer kleinen Confiserie, die seiner Schätzung nach nicht viel mehr als 10 Quadratmeter Verkaufsfläche haben konnte und staunte, was man aus Schokolade alles machen kann, als er hinter sich ein lebhaftes Fahrradklingeln hörte.

„Hey! Schokolade macht fett!“. [in perfektem Englisch] Der Fahrradfahrer bremste so scharf, dass sich sein Rad 180° um die eigene Achse drehte. Hinter ihm stand Jacob, der strahlend lachende Ranunkelzugfahrer, den er ja ins Geheim zu treffen gehofft hatte. „Na, hast Du alle Blumen bekommen, die Du haben wolltest?“.

Gus war so überrascht, dass er ziemlich dümmlich geguckt haben muss und nicht wusste, was er antworten sollte.

„Erinnerst Du Dich nicht? Wir haben uns heute morgen auf der Auktion gesehen. Du und Dein Freund habt doch oben in der Kantine einen Kaffee getrunken“.

Natürlich erinnerte sich Gus, wollte aber nicht zugeben, dass er sogar seinen Namen kannte und eigentlich nur hier in der Gegend war, um ihn in einer ihm unbekannten Kneipe zu treffen.

„Ach ja… was für ein Zufall. Ich will mich gleich mit meinem Freund im ‚Sarphat‘ treffen“.

„Da will ich auch gerade hin…“. Jacob stieg von seinem Fahrrad ab, reichte Gus die Hand und stellte sich vor. „Deinen Freund habe ich heute morgen schon kennengelernt. Er hat erzählt, dass Du aus Norwegen bist“. – „Eigentlich bin ich aus Deutschland, aber ich lebe und arbeite in Norwegen“. – „Ach, das ist ja putzig… Ich komme aus Aachen… Da können wir ja auch Deutsch sprechen. Aber Dein Freund ist Holländer, nicht wahr?“.

„Ja, Carlos wohnt dort hinten am Park… Er müsste eigentlich gleich kommen. Jedenfalls hat er seit einer halben Stunde Feierabend“.

„Dann können wir ja schon mal ein Bier trinken“, schlug Jacob vor. Sie gingen über die Straße und er schloss sein Fahrrad an einem Laternenpfahl an.

Das Café war gut besucht. Sie fanden aber vor der Tür noch einen freien Tisch im Freien. Sie hatten sich kaum gesetzt, als Carlos von der anderen Straßenseite zu ihnen hinüber gelaufen kam.

„Hallo! Nur bekannte Gesichter“, lachte er. „Ich muss leider gleich wieder los. Meine Schwester stand vorhin überraschend vor der Tür, und ich kann sie leider nicht rausschmeißen“.

Gus hatte das unbestimmte Gefühl, dass an der Geschichte etwas nicht stimmte, sagte aber nichts. Jacob seufzte: „Tja, kann man nichts machen… die Macht der Frauen…“. Er verschränkte die Arme hinter dem Kopf, streckte seine Beine aus und grinste Gus an: „Was für eine glückliche Fügung, dass Du mich getroffen hast. Jetzt brauchst Du Dein Bier wenigstens nicht alleine trinken“.

„Apropos… wir sollten vielleicht mal eins bestellen“, scherzte Gus und winkte die Bedienung heran.

„Wie findest Du meine Stamm-Kneipe?“, fragte Jacob. – „Schöner Platz mit netten Leuten. Solche Nachbarschafts-Treffpunkte fehlen uns in Norwegen. Bei uns ist es einfach zu teuer, regelmäßig in die Kneipe zu gehen“.

„Ja, ich weiß. Ich war vor vielen Jahren mit meinen Eltern im Urlaub in Trondheim und auf den Lofoten. Ich finde die Landschaft sehr schön und habe damals als Kind schon gemerkt, wie toll man dort entspannen kann. Ich durfte viel mehr als zuhause in Deutschland. Keiner hat gesagt, mach dies nicht und tu das nicht… Ich würde gern mal wieder hin“.

„Solltest Du unbedingt machen. Was studierst Du eigentlich?“. Jacob guckte Gus erstaunt an: „Ach, Du weißt, dass ich studiere?“ – „Ja, Carlos hat das erzählt“.

Jacob schmunzelte: „Ich studiere Biologie“. – „ Ah, deshalb der Nebenjob bei der Auktion?“ – „Ja, ich würde gerne später einmal in der Forschung für die Blumen- und Zimmerpflanzen-Produktion arbeiten“.

„Da hast Du in Zukunft eine große Aufgabe. Die Nachfrage nach Zimmerpflanzen und Schnittblumen steigt immer weiter an, aber die herkömmlichen Produktionsmethoden sind auf die Dauer zu teuer und belasten immer mehr die Umwelt“.

Inzwischen wurde es kühl auf der Straße und die Gäste drängten sich im Schankraum. Gus bezahlte und schlug vor aufzubrechen. Jacob fragte, in welchem Hotel er wohne und ob er Lust habe, ihn noch bis zu seiner Wohnung zu begleiten, die quasi auf dem Weg zum Zentrum läge.

Das nächtliche Amsterdam hat einen ganz eigenen Charme. Die unzähligen kleinen und kleinsten Straßencafés, Musikkneipen und klassischen Tanzlokale ziehen alle Generationen an und bedienen fast jeden Geschmack. Oft liegen die Lokalitäten dicht an dicht in der einen Straße und in einer anderen Parallelstraße wird ausschließlich gewohnt.

Sie blieben in der Daniel Stalperstraat vor einem schmalen, typischen Amsterdamer Backsteinhaus stehen. Hier war längst die Nachtruhe eingekehrt und von der städtischen Betriebsamkeit nichts mehr zu hören.

„So, da oben wohne ich. Würde mich freuen, wenn wir uns irgendwann mal wiedersehen“. – „Ja, ich auch… war ein langer Tag für mich… bin ganz froh, wenn ich jetzt ins Bett komme“.

Jacob grinste Gus frech an: „Ich gehe davon aus, Du bevorzugst Hotelbetten?“ – „Ja, eigentlich schon, obwohl ich gar nicht gern allein in einem Hotelbett verbringe. Aber das lässt sich ja oft nicht vermeiden“.

„Kann mir denken, Du wärst am liebsten mit Deinem Partner zusammen“. – „Ja klar“.

„Bist Du oft allein auf Geschäftsreise?“ – „Gar nicht so oft. Ich bin oft zusammen mit meinem Partner oder mit Freunden unterwegs. Ich habe auch Freunde hier in Amsterdam und lerne auch gerne interessante neue Leute kennen… das macht schon Spaß“.

„Ehy, das hört sich gut an. Ein großer Freundeskreis ist Gold wert“. – „Auf jeden Fall… wenn man gleiche Interessen hat, sich gut versteht und immer neugierig bleibt“.

„Würdest Du denn Lust haben, noch auf einen Drink mit zu mir zu kommen? Natürlich nur, wenn Du nicht zu müde bist“.

„Ja, warum nicht. Würde mich schon interessieren, wie man hier so lebt…“

„Na dann, komm mit rauf! Darfst bloß nicht so genau hingucken. Ich bin nicht der Ordentlichste“. Jacob lächelte und zwinkerte Gus zu.

Sie stiegen eine enge, steile Treppe hinauf und standen schließlich in der dritten Etage vor einer grasgrünen, hölzernen Wohnungstür. Auf einem großen bunten Schild stand: „Hier woont Jacob Davidson. Alsjeblieft drie keer bellen!“

Gus stutzte als er das Schild las. „Warum drei Mal klingeln?“ – „Das ist noch aus der Zeit, als wir hier eine Wohngemeinschaft hatten. Inzwischen wohne ich alleine und einmal klingeln würde reichen“, lachte Jacob.

Die Räume waren größer, als man es von außen vermuten konnte. Sie waren sparsam eingerichtet und fast alle Möbel sahen selbstgebaut aus. Überall lagen Bücher, Zeitschriften und Zeitungen. Besonders originell war das Schlafzimmer. Es bestand fast nur aus einem Bett, das von Wand zu Wand eingebaut war und einer Kleiderstange, auf der Hosen, Jacken und Hemden aufgehängt waren. Darunter standen gestapelte Kartons, die mit kleinen Schildern beschriftet waren: ‚Socken‘, ‚Unterwäsche‘, ‚Schuhe‘, ‚Diverses‘.

„Mach’s Dir bequem! Trinkst Du ein Bier mit?“ – „Ja, danke“.

„Ich gehe mal eben ins Bad und komme sofort wieder“. Gus nickte und streckte sich auf einer großen, mit grobem Leinen bezogenen Matratze aus. Sie lag auf einer aus Euro-Paletten gebauten Liege und war mit vielen, farbigen Kissen dekoriert, von denen er sich eins in den Nacken schob und dann eine Bierflasche öffnete.

Aus dem Badezimmer hörte er Wasserrauschen und die Toilettenspülung. Ein paar Minuten später war Jacob wieder zurück. Seine dunklen, weichen Haare waren feucht und zurückgekämmt. Er hatte ein weißes T-Shirt und eine blaue Trainingshose angezogen.

Jacob hatte einen muskulösen, durchtrainierten Körper. Sein Gesicht war geprägt von buschigen, fast schwarzen Augenbrauen, dunklen großen Augen und einer hübschen, langen etwas kantigen Nase. Ein breiter Mund mit relativ dünnen aber kräftigen Lippen schien ständig zu lächeln, manchmal eher ironisch und manchmal belustigt.

Gus schaute ihn von oben bis unten an und meinte: „Du siehst gut aus, aber das haben Dir sicher schon viele Leute gesagt“. – „Danke! Das Kompliment gebe ich gern zurück. Wäre es nicht so, säßest Du vermutlich jetzt nicht dort“, feixte Jacob. „Ich sehe ja jeden Tag interessante Männer unten bei uns, aber Dich wollte ich unbedingt näher kennenlernen. Ob es Dein Kuss mit Carlos war, Deine Art Dich zu bewegen, Dein aufmerksamer Blick, der alles gleichzeitig zu sehen scheint, Dein Humor oder Deine zurückhaltende Art… ich weiß es nicht“.

„Wäre auch nicht schlimm, wenn Du einfach nur geil wärest“.

„Selbst wenn es so wäre, würde ich es nicht sagen. Normalerweise lade ich keine Männer zu mir nach Hause ein. Ich finde Zufallsbekanntschaften frustrierend. Die haben fast immer etwas von Prostitution“.

„ Sehe ich genauso. Abspritzen, Zigarette rauchen und weg ist auch nichts für mich… Ich lerne gerne die Eigenarten von Männern kennen, genieße das Kuscheln und habe Spaß dran, Gemeinsamkeiten herauszufinden“.

„Und das akzeptiert Dein Partner?“ – „Ja, sonst wären wir schon lange nicht mehr zusammen. Er macht’s genauso“.

„Schön, wenn das klappt“.

Jacob sah Gus jetzt nur noch an ohne etwas zu sagen. Seine Augen schienen nach Antworten auf Fragen zu suchen, die er nicht wagte zu stellen. Gus erwiderte den Blick, war sich aber nicht sicher, wie er jetzt richtig reagieren sollte. Jacob war ein ungewöhnlicher Typ. Er sendete kaum sexuelle Reize aus und doch hatte Gus das Gefühl, jeder Zentimeter seines Körpers würde von den wunderschönen dunklen Augen vermessen, und sie hätten auch längst registriert, dass sich sein Schwanz in der dünnen Sommerhose bereits heftig regte. Ganz gegen seine Gewohnheit wagte er es nicht, die Initiative zu ergreifen und sich seinem Gegenüber körperlich zu nähern. Noch nie war zwischen ihm und einem schwulen Mann so viel Unsicherheit und Zögerlichkeit gewesen, wie in diesem Moment zwischen ihm und Jacob.

„Was denkst Du gerade?“, brach Jacob das Schweigen.

„Ich wundere mich über mich selbst, weil mir gerade so ziemlich alle meine Erfahrungen mit Männern, die mir gefallen, nichts nutzen. Ich liege hier völlig passiv, nippe an meinem Bier und bewundere einen Mann, den ich noch keine 24 Stunden kenne, für seine Abgeklärtheit genauso wie für seine erotische Ausstrahlung. Ich genieße das Gefühl, von Dir mit Deinen unsagbar hübschen Augen ausgezogen zu werden, bin aber ziemlich perplex, dass ich es nicht schaffe, auch nur eine Hand zu rühren“.

Jacob lachte plötzlich laut, stand auf, nahm sein Bierglas, ging fast hastig eine Runde durchs Zimmer und setzte sich dann an Gus‘ Fußende.

„Soll ich Dir sagen, was ich denke? Hier vor mir liegt auf meiner Liege einer der interessantesten und sexiesten Männer, die ich in den letzten Jahren getroffen habe. Nichts ist bei diesem Mann so, wie ich es von meinen bisherigen Bekanntschaften kenne. Jeden Moment könnte er aufstehen und gehen. Damit wäre dann ein Tag zu Ende, an dem meine ganzen Gedanken sich nur um dieses Gesicht und den aufregenden Körper gedreht haben. Ich würde aus einem schönen Traum erwachen und mich fragen, was ich falsch gemacht habe“.

„Nichts hast Du falsch gemacht. Du solltest einfach nicht so misstrauisch sein. Wenn Du nicht willst, dann gehe ich nicht. Wenn Du nicht willst, fasse ich Dich nicht an…und… wenn Du willst, sage ich kein Wort mehr“. Gus grinste und schob seinen Fuß ganz nebenbei etwas näher an den von Jacob, der sofort dasselbe tat.

„Denkst Du tatsächlich, ich sei misstrauisch? Nochmal… wenn das so wäre, säßest Du jetzt nicht hier“.

„Oh mein Gott, dann tu doch endlich was. Du merkst doch, ich schaffe es nicht…“.

Im selben Augenblick kroch Jacobs nackter Fuß an Gus‘ Wade entlang über den Oberschenkel bis in seinen Schritt. Bevor er ihn zurückziehen konnte, packte ihn Gus, hielt ihn ganz fest und näherte seine Lippen dem großen Zeh. Dabei ließ er Jacob nicht aus den Augen. Seine Zunge umkreiste die gepflegten Zehen und schließlich nahm er sie einzeln in den Mund.

Jacob schloss die Augen und stöhnte so laut, als stünde sein Orgasmus unmittelbar bevor.

Gus unterbrach für ein paar Sekunden seine spezielle Fußmassage, zog sein Hemd aus und öffnete den Gürtel seiner Hose. Dann schob er eine Hand in das rechte, lockere Hosenbein der blauen Trainingshose und kraulte ganz sachte die feste Wade.

Jacobs Augen waren weiter geschlossen und das Stöhnen ging in ein zufriedenes Grunzen über. Das änderte sich auch nicht, als er mit einer raschen, sehr geschickten Bewegung sein T-Shirt auszog.

Seine schwarze Brustbehaarung wirkte wie aufgemalt. Über den stark definierten Brustmuskeln mit zwei markanten, großen dunklen Nippeln, gab es zwei exakt gleich große, scharf abgegrenzte Halbkreise mit leicht gekräuselten dicht gewachsenen Haaren. Dazu kam ein dünner Haarstreifen, der sich vom Bauchnabel, ebenso abgegrenzt bis zur Schambehaarung erstreckte.

Gus platzierte jetzt Jacobs einen Fuß in seinem Schritt direkt auf dem jetzt steinharten Schwanz und setzte seine „Fußpflege“ an dem anderen Bein fort.

Mit jedem erneuten Stöhnen erhöhte Jacob den Druck seines Fußes auf Gus‘ strammen Kolben, dessen Lusttropfen bereits die Hose durchfeuchtet hatten. Jacob fühlte das mit seinen Zehen und flüsterte: „Willst Du nicht Deine Hose ausziehen?“. – „Mach Du das! Nichts ist schöner, als von einem geilen Mann ausgezogen zu werden“.

Sofort zog Jacob Gus‘ Hose einschließlich des Slips herunter und warf sie in großem Bogen auf den Fußboden. Gleich darauf streifte er seine Trainingshose ab und schmiss sie hinterher.

Carlos Beschreibung von Jacobs Schwanz war in jeder Hinsicht unvollkommen und untertrieben.

Die Krümmung war extrem und in Gus‘ Augen sehr ungewöhnlich. Dabei war die „Sichel“, wie Gus den Schwanz später nannte, mindestens zwanzig Zentimeter lang, beschnitten und so dick wie eine mittelgroße Banane.

Die Schambehaarung war genauso scharf abgegrenzt wie die übrige Körperbehaarung. Lediglich am strammen, schön geformten Po bildeten die Haare einen fließenden Übergang zum Oberschenkel.

Wie bei einem Liegestütz lag Jacob jetzt über Gus und strahlte ihn an: „Hätte mir das heute morgen jemand vorausgesagt, dass Du heute abend hier in meiner Wohnung unter mir liegen würdest, hätte ich den psychiatrischen Notdienst gerufen“.

„Und ich habe zu Carlos gesagt, dass ich an Klappenbekanntschaften nicht interessiert sei und ihm verschwiegen, dass ich Dein Gesicht den ganzen Tag nicht aus meinem Kopf rausbekommen habe… So kann’s gehen…“.

Ganz langsam und sehr zärtlich berührte Jacob mit seinem Schwanz Gus‘ inzwischen steil aufrecht stehenden Kolben, bis er sich ganz auf ihn legte und mit seiner Zungenspitze erst die Nase und dann die Ohrläppchen umkreiste. Gus schloss jetzt seinerseits die Augen und begann ganz leise zu stöhnen.

Jacob tastete gleichsam mit seiner Zunge systematisch den gesamten Körper ab. Wie ein Scanner arbeitete er sich vom Kopf über den Brustkasten, den Bauchnabel über Schwanz und Eier, die Innenseiten der Oberschenkel bis zu den Zehen hinab. Für den Weg zurück zog er Gus‘ Beine etwas auseinander und saugte sich endlich an Gus‘ Rosette fest. Mit genießerischer Hingabe bohrte er seine Zunge immer tiefer in das weiche, große Loch.

Gus wollte protestieren und sagen, dass er den ganzen Tag noch nicht geduscht habe und sich total verschwitzt fühle. Jacob legte ihm jedoch liebevoll die Hand auf den Mund und zischte nur: „Pssst“.

Beim Sex der Passive zu sein, war Gus durchaus angenehm, aber gleichzeitig war er es gewohnt zu bestimmen. Jacobs sanfte Überlegenheit war etwas Neues für ihn.

Jacob nahm seine Sichel in die Hand und befeuchtete sie mit Spucke, um sie gleich darauf in Gus‘ Anus zu drücken. Der spannte für einen kurzen Augenblick etwas an, entspannte aber gleich darauf wieder und lächelte bei immer noch geschlossenen Augen.

Rhythmisch stieß Jacob zu, erst ganz sachte und dann immer kräftiger. Er krallte sich in Gus‘ Pobacken fest und bewegte den gesamten fast willenlosen, schweren Körper in seinem Tempo.

Gus‘ eisenharter Kolben sah inzwischen wie abgebunden aus. An dem sonst glatten Schwanz waren die hervortretenden Adern zum Platzen mit Blut gefüllt und ließen den Kolben eher lila erscheinen.

Ebenfalls ganz gegen seine Gewohnheit rief Gus plötzlich laut: „Ich komme!“. Die daraufhin aufschießende Fontaine erreichte Jacob sogar noch im Gesicht. Immer wieder pulsierte es aus Gus heraus. Der Fluss seines Spermas wollte kein Ende nehmen. Noch zwei, drei Mal stieß Jacob kräftig zu, um dann mit einem tiefen Keuchen seine Sichel herauszuziehen, seine gesamte Ladung auf Gus Bauch zu entleeren, sich fallen zu lassen und den unter ihm liegenden Körper ganz fest zu umklammern. Lachend drehte er Gus mal nach rechts und mal nach links, küsste ihn und leckte Spermareste aus seinem Gesicht.

„So Süßer, jetzt kannst Du duschen. Ich wasche Dich auch gerne ab“.

„Puh… Du schaffst mich“, lachte Gus. „Das nächste Mal kommst Du mir nicht so leicht davon“.

„Ich hoffe ja, es wird ein nächstes Mal geben. Es wäre sehr, sehr, sehr schade, wenn dies unser erster und letzter Abend gewesen wäre“. Jacob küsste Gus noch einmal auf den Mund, sprang auf und zog ihn quasi mit sich ins Bad.

Gus fühlte sich in der Rolle des Geführten und Benutzten recht wohl und ließ sich auch in der Dusche von Jacob einseifen, abbrausen und sogar den Darm ausspülen. Nach dem gegenseitigen Abtrocknen genoss er es, dass Jacob noch einmal seine Finger in seinen Anus einführte und dabei seinen halb schlaffen Schwanz wichste. Immer wieder schloss er die Augen und ließ alles widerstandslos mit sich geschehen. Auch als Jacob ihn ins Schlafzimmer zog, lachte Gus nur und meinte: „Ok, dann wirst Du mich heute nicht mehr los…“. – „Will ich ja auch gar nicht. Ich möchte einfach nur, dass Du unsere gemeinsamen Stunden in bester Erinnerung behältst und mich nicht vergisst“. – „Wie könnte ich?“

Irgendwann am frühen Morgen schliefen beide völlig erschöpft ein und wachten erst gegen 10 Uhr wieder auf, nachdem der Radio-Wecker bereits fast eine halbe Stunde gelaufen war.

In den Rundfunknachrichten berichtete der Nachrichtensprecher gerade von der sich immer mehr zuspitzenden Lage der DDR-Bürger an der Ungarisch-Österreichischen Grenze, als das Telefon klingelte.

Jacob meldete sich schlaftrunken, hörte einen Augenblick schweigend zu, wurde dann sehr ernst, sagte: „Ok, ich habe gerade Besuch, melde mich aber nachher nochmal“.

Er wandte sich an Gus und sagte: „Mein Schwager und meine Schwester sind unter den Flüchtlingen bei Sopron und können weder zurück in die DDR noch kommen sie über die Grenze nach Österreich“.

„Oh, das tut mir leid. Kommst Du aus der DDR?“. – „Nein, meine Eltern sind vor 23 Jahren nach Aachen geflohen, aber meine ältere Schwester ist dort geblieben“.

„Ich würde so gern etwas tun“. – „Das verstehe ich gut. Komm her! Lass Dich nochmal in den Arm nehmen, dann gehe ich, damit Du Zeit für Deine Familie hast“.

„Kannst Du nicht noch ein bisschen bleiben? Du bist so ruhig und vernünftig. Es wäre so schön, wenn ich jetzt nicht allein wäre“.

„Spätestens morgen früh um 8:30 Uhr muss ich auf Schiphol sein. Also, wenn Du wirklich willst, kann ich noch etwas bleiben. Mach doch mal den Fernseher an“.

„Ich bekomme hier nur niederländisches Fernsehen. Die berichten nur wenig über Deutschland“.

Gus dachte kurz nach und dann kam ihm eine Idee. „Darf ich mal telefonieren?“ – „Ja, natürlich“

Gus wählte die Privat-Nummer von Tinus, die eigentlich nur in Notfällen benutzt werden sollte. Tinus meldete sich sofort, hörte sich die Geschichte in Stichworten an, antwortete nur kurz und Gus sagte: „Danke, das ist lieb. Wir kommen gleich“.

Jacob schaute ihn fragend an und Gus bemerkte nur knapp: „Zieh Dich an! Wir fahren zu einem Freund. Der hat eine Parabol-Antenne und bekommt fast alle europäischen Fernsehkanäle“.

Schon eine Stunde später saßen sie zusammen mit Tinus in seinem großen Wohnzimmer über der Singel-Gracht und schauten ZDF, ARD, ORF und RTL im Wechsel. Zwischendurch brachte Klaas geschmierte Brötchen.

Als Jacob mal kurz auf Toilette war, fragte Tinus: „Wie habt Ihr Euch denn kennengelernt? Von Jacob hat noch nie jemand was erzählt“. – „Konnte ja auch keiner“, lachte Gus. „Wir kennen uns erst seit gestern“. – „Ach, bei uns in der Sauna getroffen?...“. – „Nein, nein… auf der Auktion in Aalsmeer“. Tinus schüttelte belustigt den Kopf: „Wie macht Ihr das bloß immer? Wo Ihr geht und steht, laufen Euch die nettesten Jungs über den Weg, auf die die meisten anderen Männer ihr Leben lang warten“. – „Wozu Du ja auch gehörst. Ich hoffe, Du bist froh, dass wir uns getroffen haben“. – „Schlingel! Das steht ja wohl außer Frage“. Tinus boxte ihn in die Seite und gab ihm gleich darauf einen Kuss.

Als Jacob zurückkam, fühlte er, dass Tinus und Gus über ihn geredet hatten. Er grinste und fragte: „Na, Familiengeheimnisse?“ – „Nee, bloß Familien-Information“. – „Ich seh schon, Euer Freundeskreis scheint etwas ganz Besonderes zu sein. Vielleicht lerne ich ja mal irgendwann, wie Ihr das macht. Wenn alle so lieb sind wir Ihr, würde ich mich riesig freuen, dazu gehören zu dürfen“.

Gus und Tinus sahen sich an und lachten laut. „Tja, wir verstehen uns tatsächlich gut, richtig gestritten haben wir uns bisher noch nicht und schon eine ganze Menge zusammen erlebt“.

In diesem Moment berichtete der Reporter des ORF von der Grenze, dass die ungarischen Grenzer ein Tor im Stacheldraht-Zaun aufgemacht hatten und 150 DDR-Flüchtlinge in Österreich angekommen waren.

Jacob hielt es nicht mehr auf seinem Sessel. Er ging ganz dicht an den Fernsehschirm und versuchte seine Schwester und seinen Schwager zu entdecken. Plötzlich rief er: „Da, da… da sind sie. Sie sind in Österreich“. Spontan fiel er erst Tinus und dann Gus um den Hals und gab beiden einen langen und sehr intensiven Kuss. Er freute sich so, dass er nicht mehr zu halten war. „Ich muss los. Ich muss unbedingt meine Eltern anrufen… das ist so wahnsinnig… Ich liebe Euch beide. Ihr seid absolut die Größten. Das werde ich Euch nie vergessen“. – „Aber Süßer, wir haben doch gar keinen Verdienst an diesem spektakulären Ereignis“.

„Egal… aber Ihr habt zusammen mit mir gelitten“.

Tinus sah ihn lächelnd an: „Zusammen mit Dir zu leiden, kann eigentlich nur ein großes Glück sein. Nun sieh zu, dass Du Deine Eltern anrufst. Da drüben steht das Telefon“.

Jacob sah ihn mit offenem Mund an: „Darf ich?“ – „Denk nicht so lange nach, mach einfach!“

Noch viele Jahre später erzählte Gus von diesen drei Tagen in Amsterdam, wenn er nach seinem Schlüsselereignis zum Fall der Mauer gefragt wurde.

(Dran bleiben! Es geht im Kapitel 20 weiter.)

Kommentare, Fragen und Anregungen über den Chat oder: gugamster@hotmail.com)

 
 
 

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