top of page

Erfahrungen machen heißt Erkenntnisse gewinnen (24)

  • Autorenbild: gert
    gert
  • 4. Mai 2020
  • 31 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Nov. 2022



Für Gus und mich war der Herbst 1993 beruflich der Beginn einer Erfolgsphase. Die neuen Konzepte für den Blumen-Einzelhandel in Norwegen zeigten Wirkung. Das Filialnetz der Blumengeschäftskette wuchs von Tag zu Tag, gleichzeitig stieg der Umsatz in bisher nicht vorstellbaren Größenordnungen.

Der Import von Schnittblumen und Zimmerpflanzen einschließlich Hydrokulturen war inzwischen der wichtigste Geschäftszweig von Grønnt Hus. Damit wuchs auch die Bedeutung unserer Verbindungen nach Holland, Deutschland und Italien.

Wir reisten manchmal mehrmals im Monat nach Amsterdam. Tinus hatte uns inzwischen ein festes Zimmer in seiner Wohnung eingerichtet, wir hatten einen eigenen Schlüssel zu seinem Haus und konnten kommen und gehen, wann wir wollten.

Manchmal war der Flughafen Schriphol auch einfach nur Ausgangspunkt zu entfernteren Reisezielen. Wir reisten von dort unter anderem nach Portugal, Kenia, und Tansania, aber auch nach Polen. Nach jeder dieser Reisen war es schön, quasi schon in Amsterdam nach Hause zu kommen.

Es war schade, dass wir unser großes Haus und den herrlichen Garten in Asker viel zu wenig nutzen konnten. Jacob fühlte sich bei uns in Asker immer ganz besonders wohl. Er verbrachte manchmal mehrere Wochen hinter einander bei uns und begeisterte sich immer mehr für die Stadt Oslo und Süd-Norwegen, bis er 1995 eine Biologen-Stelle beim Osloer Pflanzenschutzamt annahm. Das war zwar nicht der Posten, den er sich gewünscht hatte, aber die Liebe zu Land und Leuten… nicht zuletzt auch ein bisschen zu uns und Jerry und Morten, ließen ihn fast alles ertragen.

Das Jahr 1995 war auch das Jahr von Alberts Konfirmation. (Im Jahr davor hatte Pino Kommunion gefeiert. Ein Anlass zu dem man sich mit den Familien in Italien getroffen hatte.)

Im Sommer verkauften wir unser Haus in Asker und kauften stattdessen eine Altbauwohnung in einem der schönsten Stadtteile Oslos. Die Wohnung lag zwar in der fünften Etage ohne Fahrstuhl, war aber mit sechs Zimmern sehr geräumig und bot eine schöne Aussicht über den berühmten Frognerpark. Karl und Erik wohnten jetzt nur noch fünf Minuten entfernt. Auch zu Jerry und Morten war es nicht weiter als ungefähr tausend Meter.

Bis Jacob eine Wohnung gefunden hatte, wohnte er bei uns. Er war ein ausgesprochen angenehmer Mitbewohner, konnte wunderbar kochen und übernahm freiwillig viele Aufgaben im Haushalt. Gus behauptete Jacob würde mit jedem Jahr, das wir ihn kannten hübscher. Vermutlich hing das damit zusammen, dass er regelmäßig Sport trieb und zwei Mal in der Woche zusammen mit Jerry in einem Fitness-Studio trainierte… und… das Lächeln verschwand fast nie aus seinem Gesicht.

Wir stellten fest, dass wir in Oslo wesentlich mehr Besuch von Bekannten und Freunden bekamen als in Asker. Es war für viele einfach leichter, mal eben vorbeizuschauen, und die immer attraktiver werdende Stadt war sicher auch ein Anziehungspunkt für viele.

Wenn das Osloer Nachtleben noch in den 1980iger Jahren eher provinziell wirkte, begann es Mitte der 1990iger Jahre doch wesentlich vielfältiger, bunter und spannender zu werden. Mit der vorsichtigen Liberalisierung der Sperrstunden- und Alkohol-Gesetze schossen zu dieser Zeit Bars, Kneipen und Discos aus dem Boden, die sich durchaus mit denen anderer europäischer Metropolen messen konnten. Auch die schwule Szene wurde durch mehrere Bars und zwei Saunen bereichert. Im Gegensatz zu Amsterdam war die Osloer Szene bescheiden und klein, aber für unseren Geschmack auch persönlich und gemütlich. Schnell kannte man sich vom Sehen. Bald grüßte man eine Bar- oder Sauna-Bekanntschaft auch schon mal im Supermarkt oder auf der Straße. Nicht selten traf man die bekannten Gesichter im Sommer an den verschiedenen Badeplätzen auf den Inseln im Oslofjord oder den idyllischen Seen in Nordmarka (unberührtes Waldgebiet im Norden der Stadt).

Besonders Jacob genoss diese spezielle Atmosphäre. Allerdings veränderte AIDS auch in Oslo das Verhalten der schwulen Männer drastisch. Die Sorglosigkeit und hemmungslose Unbekümmertheit war endgültig vorbei. Selbst der sonst immer optimistische und sorglose Jerry hatte neuerdings Kondome dabei. Jacob ließ in sein weit geöffnetes Riesenloch niemanden mehr ohne „Gummi“ eindringen. Ganz zu schweigen davon, dass das Schlucken noch so köstlicher Sahne für uns alle endgültig tabu war.

Karl und Erik lehnten jeden Sex mit anderen Männern ab. Lediglich bei Gus und mir machte besonders Karl hin und wieder mal eine Ausnahme. Gus und ich wollten auf den Spaß nicht ganz verzichten, machten uns aber den Griff zum Kondom zur Regel. Fast alle unsere Freunde vermieden anonymen Sex. Wir blieben unserer Maxime treu, die Männer kennen zu wollen, mit denen wir die höchste Form der Zuneigung austauschten. Jetzt zahlte sich aus, dass wir uns alle vertrauten und ehrlich mit einander umgingen.

Tinus war imponiert über eine Kampagne der norwegischen Gesundheitsbehörde zur AIDS-Aufklärung und Prävention. Schon früh gab es in Norwegen Plakat- und Informations-Aktionen, die sich an Frauen und Männer richteten. Das Stigma der „Schwulen-Pest“ ließ man hier gar nicht erst hochkommen. Tinus Stiftung finanzierte in Amsterdam Personal, das in der Szene Männer persönlich ansprach und gratis Kondome verteilte, so wie er es in Oslo erlebt hatte.

Auf Bjørnstangen war das Thema AIDS plötzlich besonders aktuell, weil Albert und Pino inzwischen auf eine weiterführende Schule gingen, wo die Lehrer sich außer Stande sahen, die Jugendlichen über Homosexualität und den Zusammenhang mit AIDS zu informieren. Beide Jungs wollten aber alles ganz genau wissen, nicht zuletzt, weil Albert eines Tages ein Referat zu dem Thema halten sollte, oder – wie Pino behauptete – wollte.

Bjørn und Roberto standen ihm mehrere Abende hinter einander Rede und Antwort. Er interviewte auch Magne und Ruben und ließ sich von mir Literatur geben, die er systematisch durcharbeitete.

Er bekam von seinem Lehrer ein „meget bra“ (sehr gut) aber die Reaktion der Klasse war erst einmal verhalten. Fragen hatten nur die Mädchen. Die wollten aber fast nur etwas über die Sexualpraktiken unter Männern wissen. Bis ein Junge Albert fragte: „Bist Du schwul, so wie Dein Pflegevater?“

Für einen Augenblick herrschte betretenes Schweigen, dann fingen erst die Mädchen an zu kichern und die Jungs begannen zu tuscheln. Pino wurde rot und sah verlegen zu Boden. Albert hingegen grinste, überlegte einen Moment und antwortete dann: „Ja, aber nicht weil mein Papa so ist, sondern weil der liebe Gott es so wollte“.

In der Klasse brach daraufhin ein kleiner Tumult los. Einige riefen, das dürfe man so nicht sagen, andere klatschten in die Hände und riefen „Bravo!“. Man diskutierte kreuz und quer durch den Klassenraum und der Lehrer hatte Mühe sich wieder Gehör zu verschaffen.

Der Junge, der gefragt hatte schob sich nach der Stunde an Albert heran und flüsterte: „Hast Du denn Deinen Pimmel schon mal bei Pino reingesteckt?“ – „Und wenn? Was geht es Dich an?“

Sigmund, der Stärkste aber nicht der Hellste der Klasse hatte den Dialog gehört und baute sich drohend vor dem Frager auf: „Lass Albert und Pino in Ruhe, sonst setzt es was. Pass auf, dass Du anschließend selbst noch einen Pimmel hast, den Du irgendwo reinstecken kannst…“.

Albert meinte nur ganz trocken: „Gewalt hilft gegen Doofheit nicht… aber trotzdem danke“.

Als Pino und Albert von der Episode zuhause berichteten, erinnerte sich Bjørn seiner alten Sorgen über die Offenherzigkeit und Unbekümmertheit seines Pflegesohnes. Er wusste auch nicht, wie er mit den eventuellen Auswirkungen der Pubertät der beiden Jungen umgehen sollte. Daher rief Bjørn mich eines Abends an und fragte, ob ich mich nicht mal mit Pino und Albert unterhalten könne.

Ich schlug vor, die Jungs sollten für einen Wochenendausflug nach Oslo kommen, und ich würde mir dann für beide Zeit nehmen.

Als die beiden bei uns am Abendbrotstisch saßen, erinnerte ich mich plötzlich an meine ersten schwulen Erfahrungen, an meine Unsicherheit und das unbestimmte Gefühl, nicht so zu sein, wie die Mehrheit meiner gleichaltrigen Freunde. Fälschlicherweise ging ich davon aus, Albert und Pino müssten ähnliche Gefühle haben. Schon nach wenigen Minuten wurde mir klar, dass die beiden ihre eigene Sexualität völlig anders beurteilten, als Gus und ich es in unserer Jugend getan hatten.

Albert erzählte mit Stolz von seinem Referat und den Reaktionen seiner Schulkameraden. Es schien ihn überhaupt nicht zu beunruhigen, dass das Thema Homosexualität sehr viele Emotionen geweckt hatte. Vorurteile ließen ihn kalt. Einerseits führte ich das darauf zurück, dass er auf Bjørnstangen recht vorurteilsfrei groß geworden war. Andererseits hatte er bisher kaum negative Erfahrungen gemacht und sein starkes Selbstbewusstsein half ihm, sich nicht einschüchtern zu lassen.

Bei Pino war es etwas anders. Er fühlte sich in der Gegenwart von Albert in jeder Hinsicht sicher und maß dem Thema nur deshalb kaum Bedeutung bei, weil es Albert eben auch nicht tat. Die Meinung anderer über ihn und sein Verhalten war durch seine Erfahrungen in Italien während seiner Gehörlosigkeit geprägt. Er war es gewohnt Außenseiter zu sein und konnte nie davon profitieren, sich so wie ‚die anderen‘ zu verhalten, musste es aber trotzdem tun. Er hatte darunter gelitten, nicht verstanden zu werden. Erst nachdem er hören konnte und in Norwegen zur Schule ging, merkte er, dass er sich ganz selbstverständlich zu unterschiedlichen Gruppen von Menschen verhalten musste und alle unterschiedliche Erwartungen an ihn hatten. Nicht zuletzt seine Eltern gingen davon aus, dass er quasi Italiener bleiben und sich so verhalten müsse. Dieser Spagat zwischen den Kulturen und zwischen seinem ‚Vorleben‘ und dem gegenwärtigen Leben, machte ihn unsicher. Albert war die einzige Bezugsperson, der er ohne Einschränkungen hundertprozentig vertraute. Hinzu kam, dass er sich auch sexuell von Albert angezogen fühlte. Da das für Albert kein Problem war, war es eben für ihn auch keins. Er wollte daran nichts ändern, aber auch nicht darüber reden.

Wir schafften es, dass Gus allein mit Pino und ich allein mit Albert sprechen konnte.

Behutsam versuchte ich, Albert zu warnen, seinen Freund nicht zu sehr zu beschützen und ihm eigene Erfahrungen zu ermöglichen. Ich war mir klar, dass es für einen pubertierenden Jungen nicht leicht ist, über seine Gefühle zu reden. Trotzdem wollte ich ergründen, wie tief seine sexuelle Bindung zu Pino gehen könnte. Vor allem wollte ich ihm klar machen, dass sein Pflegevater ernste Probleme bekommen würde, wenn Außenstehende durch unbedachte Äußerungen falsche Schlüsse zögen. Es musste verhindert werden, dass Moralisten sich hinter Juristen versteckten, um Bjørn die Pflegschaft zu entziehen, oder die beantragte Adoption zu verhindern.

Gus wollte Pino dazu zu bringen, seine Gefühle sowohl gegenüber Albert als auch gegenüber seinen Eltern auszudrücken, dabei stellte sich heraus, dass Pino sich immer noch besser über Gestik und Mimik ausdrücken konnte als über Sprache. Gus hat später erzählt, dass immer wenn er Alberts Namen erwähnt hat, Pino entweder gelächelt, die Augen geschlossen oder tief durchgeatmet hat.

Pino sagte nur wenig über seine Beziehung zu Albert, aber immer wieder erwähnte er, dass ihm der körperliche Kontakt zu Albert sehr wichtig sei. Er könne zum Beispiel nicht gut schlafen, wenn er Albert nicht neben sich spürte. Mit anderen habe er darüber allerdings noch nie gesprochen. Seine Eltern liebte er sehr, aber wenn er sich zwischen ihnen und Albert entscheiden müsste, würde er immer Albert wählen. Diese Äußerung gab mir zu denken, aber unter Berücksichtigung seiner Vorgeschichte war sie durchaus erklärlich.

Wir machten mit den beiden einen Ausflug zur Insel Bygdøy, gingen ins Wikinger-Museum und badeten anschließend am Strand von Huk. Ich beobachtete amüsiert, dass die beiden Jungs Hand in Hand ins Wasser gingen und sich erst losließen, als sie keinen Grund mehr unter den Füßen hatten. Schwimmen konnten beide ausgezeichnet, aber auch im Wasser suchten sie immer wieder den ganz engen Körperkontakt und machten dabei einen unsagbar fröhlichen und glücklichen Eindruck.

Bei uns zuhause bot ich den beiden an, entweder in unserem geräumigen Doppelbett oder auf unserem Schlafsofa zu schlafen. Sie wählten das schmale Schlafsofa. Ich fand am nächsten Tag, nachdem sie wieder nach Bjørnstangen aufgebrochen waren, deutliche Spermaspuren auf dem notdürftig übers Sofa gespannten Laken.

Davon erzählte ich allerdings Bjørn und Roberto nichts, weil ich es als nebensächlich ansah und davon ausging, dass sie bereits ähnliche Beobachtungen gemacht hatten.

Glücklicherweise haben sich Bjørns Befürchtungen nie bestätigt. Seinem Adoptionsantrag wurde allerdings erst ein halbes Jahr vor Alberts 18. Geburtstag 1998 zugestimmt. Damit war Albert nicht nur Erbe von Bergstad-Gård sondern hatte auch Erbansprüche auf Bjørnstangen.

Albert und Pino schlossen beide die Schule mit ausgezeichneten Zeugnissen und der allgemeinen Hochschulreife ab. Albert wollte Betriebswirtschaft in Deutschland studieren. Pino hatte sich für Tiermedizin entschieden und wollte die ersten drei Semester seinen Eltern zu Liebe in Mailand beginnen, um dann anschließend ebenfalls in Deutschland weiter zu studieren. Er schaffte es gerade mal ein halbes Jahr ohne seinen Albert. Dann ließ er von einem auf den anderen Tag alles in Italien liegen, trennte sich von einer Freundin, die er gerade mal drei Monate gekannt hatte und endgültig auch von seinen Eltern, mit denen er anschließend kaum noch Kontakt hatte.

Wie bei ihrer ersten Trennung hatten die beiden Jungs sich täglich Briefe geschrieben. Albert wusste von der Freundin und, dass Pino mit ihr geschlafen hatte, weil er dachte, er müsse es tun, weil seine Eltern es von ihm erwarteten. Albert wusste auch, dass das Mädchen ein Kind von Pino erwartete. Als sein geliebter Freund eines Abends bei ihm in Bremen vor der Tür stand, fiel er ihm um den Hals, weinte bitterlich und schluchzte: „Ich will Dich nicht noch einmal gehen lassen… willst Du immer bei mir bleiben?“ – „Deshalb bin ich hier… wenn Du mir verzeihst“.

Von diesem Tag an waren die beiden Jungs bis heute kaum mehr als zwei Tage voneinander getrennt.

Viktor sorgte dafür, dass beide zügig und erfolgreich ihr Studium in Bremen abschließen konnten. Albert als Diplom-Betriebswirt und Pino als Tierarzt. Sie kamen gemeinsam nach Bjørnstangen zurück und bewirtschafteten erst Bergstad-Gård, wo Pino vor zehn Jahren eine Tierarztpraxis einrichtete und später immer mehr auch Bjørnstangen.

Die Mutter von Pinos Tochter heiratete einen Italiener und untersagte jeglichen Kontakt zum Vater. Pino unterstützte sie die ersten Jahre finanziell, obwohl es ihm sehr schwer fiel, stellte dann aber die Zahlungen ein und hörte nie wieder etwas von ihr.

Andrea kannte das Mädchen und berichtete Pino hin und wieder über ihre Entwicklung. Pino wirkte dabei emotional völlig unberührt.

Gus, Jacob und ich hatten uns so sehr an einander gewöhnt, dass es uns richtig schwerfiel, uns von ihm zu trennen, als er endlich im Stadtteil Günerløkka eine kleine Zweizimmer-Wohnung gefunden hatte.

Erik und Karl hatten schon vor vielen Jahren einen Gesprächskreis gegründet, der sich regelmäßig traf, um über Kultur, Politik und Literatur zu sprechen. Dieser Kreis bestand zwar auch nur aus Männern, aber sie waren beileibe nicht alle schwul. Zehn Männer im Alter zwischen 25 und 80 Jahren mit den unterschiedlichsten Biographien trafen sich einmal im Monat jeweils im Wechsel mal bei dem einen und mal bei dem anderen. Im Jahr 1995 stießen wir auch dazu. So lernten wir einen Deutsch-Lehrer, einen Hochbau-Ingenieur, einen Prominenten-Friseur, einen Abgeordneten des Stortings (norwegisches Parlament), einen Starkstrom-Elektriker und einen Busfahrer kennen. Jerry und Morten waren von Anfang an dabei und jetzt also auch wir. Die Themen dieser interessanten Runde konnte jeweils der Gastgeber vorgeben. Manchmal geschah dies spontan aufgrund besonderer Ereignisse, meistens ging es aber um Herzensanliegen der Teilnehmer, die sie einfach gerne mal mit anderen diskutieren wollten.

Als man sich das erste Mal bei uns traf, wollte ich, wie konnte es anders sein, über das Leben homosexueller Menschen in Norwegen zwei Jahre nach dem neuen Partnerschaftsgesetz sprechen.

Dabei stellte sich heraus, dass unsere bisherige, durch unsere „schwule Familie“ geprägte Sichtweise, unter den Bedingungen der Osloer Stadtgesellschaft korrigiert werden musste. Anfeindungen, Vorurteile, Hass und Häme waren hier wesentlich mehr verbreitet als auf dem Lande. Jeder Teilnehmer unseres Gesprächskreises berichtete von seinen ganz persönlichen Erfahrungen im Alltag, von Diskussionen am Arbeitsplatz, den heimlichen Diskriminierungen, die zwar nicht offen ausgesprochen, aber oft auch unbewusst praktiziert wurden. Der Versuch der norwegischen Politik, ein liberales, weltoffenes Bild des Landes nach außen zu zeigen, wurde zwar nur von wenigen ultra konservativen Moralisten öffentlich kritisiert, aber die persönlichen Alltagserlebnisse zeigten, dass sich gerade in den Städten Haltungen schwerfälliger änderten als in den kleinen Landgemeinden. Ganz im Gegensatz zu der Entwicklung im Rest Europas.

Der Stortings-Abgeordnete berichtete über die zum Teil heftigen Debatten in den Ausschüssen des norwegischen Parlaments vor der Verabschiedung des Partnerschaftsgesetzes. Der Busfahrer erzählte von Beleidigungen von Fahrgästen, die offen schwul zu erkennen waren und der Gleichgültigkeit seiner Kollegen, wenn er davon erzählte. Der schwule Frisör meinte, dass seine weibliche Kundschaft, ihn und seine Arbeit zwar sehr schätzte und Unsummen dafür bezahlte, von ihm frisiert zu werden; ihn aber als Exoten ansahen und sich überhaupt nicht vorstellen konnten, dass zwei Männer ein ganz ‚normales‘ Familien- beziehungsweise Eheleben führen könnten. Der verheiratete Deutschlehrer gab zu, dass er Probleme damit hätte, wenn sein Sohn mit einem Mann zusammenziehen wollte. Er habe zwar riesigen Respekt vor Karl, Erik, Jerry und Morten, könne sich aber nicht vorstellen, dass Männer-Ehen lange halten würden. Gus, Erik, Morten, Jerry und ich erzählten abwechselnd von unserer gemeinsamen Zeit in Deutschland und unseren Erfahrungen mit unserem festen und treuen Freundeskreis.

Ich weiß es nicht genau, aber ich hoffe und vermute, dass die Diskussionen unseres Gesprächskreises im privaten Umfeld der Teilnehmer weiter geführt wurden und sogar im einen oder anderen Fall zu Haltungsänderungen geführt haben.

Im Herbst 1995 nahmen wir auf einer unserer Geschäftsreisen nach Amsterdam Jacob mit, der sich seit langem mit seiner Familie in Aachen treffen wollte. Wir hatten eine ganze Woche in Aalsmeer zu tun und wohnten wie immer bei Tinus. Jacob wollte zwei Tage in Deutschland bleiben und sich dann mit uns wieder treffen und noch einmal an seinen alten Arbeitsplatz zurück.

Tinus hatte inzwischen eine neue Haushaltshilfe. Ein bildhübscher, etwa 35jähriger Surinamese versorgte jetzt seinen Haushalt. Er hieß Aaron, hatte strahlend weiße Zähne und eine seidige, unglaublich glatte, braune Haut. Tinus legte anfangs Wert auf die Feststellung, dass Aaron sich „ausschließlich“ um seinen Haushalt kümmerte, und er keinerlei Ambitionen habe, ihn ins Bett zu bekommen. Klaas hatte ihn empfohlen, bevor er nach dem Tod seiner Mutter mit einem Freund nach Rotterdam gezogen war.

Gus und ich freundeten uns schnell mit Aaron an, dessen fröhliches Wesen so ansteckend war, dass wir alle immer guter Stimmung waren, wenn er in der Nähe war. Seine augenzwinkernden Scherze und sein Lachen wurden legendär. Aaron hatte ein untrügliches Gefühl dafür, ob Tinus überarbeitet oder gestresst war. Er kannte alle seine Lieblingsgerichte und verstand es meisterlich ihn aufzumuntern. Darüber hinaus zeichnete Aaron eine überdurchschnittliches Gedächtnis und Intelligenz aus. Selbst beiläufig erwähnte Namen oder Episoden erinnerte er noch Monate später. Wir erzählten ihm von Bjørnstangen und Bergstad, nannten viele Namen und Einzelheiten, die wohl die meisten schnell wieder vergessen hätten. Nicht so Aaron, er erkundigte sich jedes Mal, wie es Roberto, Bjørn, Albert, Pino und Jacob ginge. Als er dann Jacob das erste Mal sah, erkannte er ihn sofort, nur auf Grund unserer Beschreibung.

Da Jacob unser Gast war, hatte Aaron ihm das Zimmer neben uns fertig gemacht. Ein großer Strauß aus Sonnenblumen passte zur grün-gelben Bettwäsche und neben die Nachttischlampe hatte er ein kleines, rotes Schokoladenherz gelegt, das mit einem Kärtchen auf ein kleines Päckchen geklebt war. Auf dem Kärtchen stand: „ Take care! Amsterdam loves you“. Das Päckchen bestand aus 5 Kondomen. 3 in Normalgröße, 1 in M und 1 in XXL.

Wir aßen alle gemeinsam in Tinus Wohnküche. Aaron hatte seit Stunden eine ‚Surinaamse Rijsttafel‘ vorbereitet, die nicht nur sehr lecker roch, sondern in ihrer Vielfalt auch noch verlockend aussah. Für Gus und mich waren die vielen einzelnen Fleisch- Reis- und Gemüsegerichte und die unzähligen Soßen und Gewürze völlig neu. Jacob und Tinus fachsimpelten hingegen mit Aaron über Zutaten, Zubereitung und Schärfe. Der erzählte immer wieder grinsend kleine Anekdoten zu den einzelnen Gewürzen und den uns fremden Gemüsesorten. Zum Beispiel sollte die Macawurzel ein ausgesprochener Energie-Lieferant sein, voller Spurenelemente, Eisen und Vitaminen sowie fast allen Mineralien, die der Mann für die Steigerung seiner Libido bräuchte. Nicht zu reden von der Avocado, die sogar die Penis-Größe beeinflussen könne.

Jacob lachte und meinte augenzwinkernd: „Ach so, jetzt weiß ich, wie ich zu dem netten kleinen Willkommensgeschenk auf meinem Nachtisch gekommen bin“.

„Na ja, ich dachte mir, Du warst so lange schon nicht mehr in dieser wilden Stadt und wollte nur daran erinnern, dass sie trotz einiger Veränderungen noch immer ganz viel Spaß macht“.

„Da danke ich auch schön“, grinste Jacob. „Aber Du traust mir viel zu, wenn Du glaubst, Ich könnte alle Größen gebrauchen“.

Tinus schmunzelte: „Hat er Dir ein großes Kondom hingelegt“?

„Eins hätte ich ja verstanden, aber fünf in verschiedenen Größen? Da musste ich erstmal nachdenken“.

„Was gibt’s da zum Nachdenken? Wir sind fünf Mann… das ist weitsichtig gedacht“. Gus zwinkerte Jacob zu und lachte laut.

„Stimmt, dann verstehe ich auch, warum ein XXL-Gummi dabei ist… das ist nicht weitsichtig, das ist umsichtig!“. Jetzt lachte Jacob sich schlapp. „Dabei fällt mir gerade ein Witz ein, den ich gestern gehört habe: „Kommt ein hübscher, junger Priester in einen Gemüseladen und bestellt eine Salatgurke. Sagt der Verkäufer: "Nehmen Sie doch zwei, dann können Sie eine essen."

Selbst Tinus, der normalerweise solche simplen Witze nicht sehr mochte, konnte vor Lachen kaum sein Weinglas halten. Aaron gluckste, sah Jacob grinsend an und meinte: „… und mit Gurken spart man sogar Kondome“. Dann drehte er sich zu uns um und feixte: „Ich habe auch noch einen:

Ein Krankenpfleger erzählt seinem Kollegen: ‚Stell dir vor, auf der Station ist ein junger Mann eingeliefert worden, dessen ganzer Körper überall tätowiert ist. Sogar auf seinem Schwanz steht ein Wort: Adam‘ - "Ich weiß, ich hab ihn schon gesehen, aber da steht nicht 'Adam', sondern 'Amsterdam'."

„Oh Jungs, ich glaube, wir sollten öfter mal Aarons Surinaamse Rijsttafel essen. Die schmeckt nicht nur sondern macht auch lustig“. Tinus war so fröhlich, wie wir ihn schon lange nicht mehr erlebt hatten. Aaron schenkte einen herben, geharzten Wein nach und forderte uns auf weiter zuzulangen.

Jacob und Tinus winkten ab und klopften sich beide auf den Bauch um zu zeigen, dass sie satt waren. Gus und ich nahmen noch eine gebackene Banane und bedankten uns dann auch.

„Ich habe schon lange nicht mehr so gut gegessen… scharf und so appetitanregend, dass man gar nicht aufhören kann“, leise flüsternd fügte er hinzu: „So wie der Koch selbst…“.

„Stimmt“, pflichtete ich ihm bei.

Tinus, der das gehört hatte, flüsterte gespielt vorwurfsvoll: „Werbt mir bloß nicht mein Personal ab. Ich bin froh, dass ich ihn habe“.

Laut sagte er: „So, macht’s Euch bequem! Ich muss noch eben zwei Telefonanrufe machen und komme dann gleich zurück“.

Ich schlug vor: „Kommt, wir helfen Aaron beim Aufräumen, dann kann er sich auch endlich mal ausruhen“.

Aaron winkte ab und meinte lächelnd: „Ich werde für den Job bezahlt. Ihr seid die Gäste“.

„Spielt doch keine Rolle. Wir kennen das gar nicht anders. Lass mal gut sein, Dein Boss ist grad nicht da und gemeinsam geht alles viel schneller“.

Gus und ich räumten den Tisch ab und Jacob und Aaron stellten das Geschirr in die Geschirrspülmaschine. Wir alle waren Küchen- und Hausarbeit gewohnt und daher sah alles innerhalb von zwanzig Minuten so aus, als habe hier nie ein Abendbrot stattgefunden.

Jacob hatte bereits den ganzen Abend versucht, direkten Blickkontakt mit Aaron aufzunehmen. Es war ihm aber immer nur für wenige Sekunden gelungen. Jetzt sagte er zu ihm: „Ich hoffe Du setzt Dich jetzt noch ein bisschen zu uns. Irgendwann musst ja auch Du mal Feierabend haben“.

Aaron lächelte ihn das erste Mal direkt an und erwiderte: „Ach weißt Du, ich arbeite gern für Tinus. Er ist ein ganz toller Chef. Ich habe hier so viele Freiheiten, wie ich sie noch nie gehabt habe. Ich mag ihn sehr, und er schätzt mich glaube ich auch. Da frage ich nicht nach Feierabend“.

„Wir mögen Tinus auch sehr. Er ist nicht nur sehr großzügig sondern auch einfühlsam und…enorm sexy“, mischte sich Gus ein.

„Ja, so sehe ich das auch. Aber er ist irgendwie auch sehr zurückhaltend und vornehm. Er hat noch nie versucht, auch nur irgendwelche sexuelle Andeutungen mir gegenüber zu machen. Ich gebe zu, ich habe schon ein paar Mal versucht, ihn ein bisschen zu provozieren. Es ist mir nicht gelungen“.

„Er redet nicht nur von Respekt, er praktiziert ihn auch. Deswegen ist er ein so guter Freund“, warf ich ein.

Jacob nippte nachdenklich an seinem Glas mit surinamischem Wein. „Mir geht nicht aus dem Kopf, was Bjørn in seiner Rede beim Hoffest gesagt hat. Wir sind Glückskinder… Glück, dass wir uns getroffen haben, Glück, dass wir uns so gut verstehen und Glück, dass wir so viele Dinge ähnlich sehen. Ich habe einem Freund in Deutschland von uns erzählt. Er hat mir nicht geglaubt, weil er überzeugt davon ist, dass die meisten schwulen Männer egoistisch, intrigant und nicht bindungsfähig sind, und es so viel Glück auf einmal gar nicht geben kann“.

„Das würden die meisten Männer hier in Amsterdam auch sagen. Ich habe zuerst all die Geschichten, die Tinus über Euch erzählt hat auch nicht geglaubt. Er redet viel von „seiner Familie“ in Norwegen und ich sehe an seinen leuchtenden Augen, wie viel ihm an Euch liegt“. Aaron wirkte, als schaue er in sich hinein. „Bevor ich Tinus kennengelernt habe, haben meine Bekanntschaften mich immer genau so lange gemocht, wie ich fröhlich und lustig war und wenig über mich und meine Bedürfnisse gesprochen habe. Wirklich für mich als Mensch hat sich kaum jemand interessiert. Meistens drehten sich meine Beziehungen um Leistung und Gegenleistung… sogar beim Sex. Hier bei Tinus ist alles anders. Er ist fair. Er hört mir zu. Er weiß, was ich leisten kann. Er ist der erste Mann in meinem Leben, der mich fast jeden Tag fragt, was ich möchte und wie es mir geht… und, der niemals vergisst, sich zu bedanken“.

„Das war nicht immer so… Seit wir Tinus kennen, hat er sich sehr verändert…“, erwiderte Gus.

„Ich weiß. Das sagt er selbst“, lächelte Aaron.

„Was sage ich selbst?“ – Wir hatten nicht bemerkt, dass Tinus leise ins Zimmer getreten war.

„Dass Du Dich sehr verändert hast, seitdem wir Dich kennen“, sagte ich.

„Ich hoffe doch… Ihr wart das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist. Es kann sein, dass Ihr mich davor bewahrt habt, ein richtiges Arschloch zu werden“.

„Noch so ein riesen Glück“, lachte Jacob.

„Es gibt ein surinamisches Sprichwort: ‚ Es ist schwierig, jemanden zu wecken

der nicht schläft‘…“. Aaron lächelte wieder sein unwiderstehliches Lächeln und schaute Tinus gerade in die Augen. „Du wärest niemals ein Arschloch geworden“.

Tinus sah Aaron erstaunt und etwas unsicher an: „ich dachte… ach, nichts“.

„Sag doch, was Du sagen wolltest… Aaron hat doch recht“. Jacob machte eine Handbewegung, Tinus solle sich doch endlich setzen.

„Ich glaube, das wäre jetzt zu persönlich…“, sagte Tinus leise.

„Ich dachte, wir sind eine Familie? Wir haben uns doch bisher auch alles gesagt“. Gus wirkte etwas enttäuscht.

„Na ja, also… ich dachte… ich wäre halt nur Dein Arbeitgeber und Dir wäre egal, wie ich bin. Hauptsache der Lohn stimmt“.

Das erste Mal an diesem Abend sah Aaron richtig traurig aus. „Schade… da muss ich etwas falsch gemacht haben… entschuldige bitte!“

„Ganz im Gegenteil… es war mein Fehler“. Tinus legte seinen Arm um Aaron. „Nimm es mir bitte nicht übel… Ich blockiere mich selbst immer noch viel zu oft mit Dingen aus meiner Vergangenheit bevor ich Teil dieser wunderbaren Familie wurde“.

„Es gibt noch ein surinamisches Sprichwort: ‚Die Finsternis verbirgt den Müll nicht‘…“.

In diesem Moment zog Tinus Aaron ganz dicht an sich heran, nahm seinen Kopf, strich ihm über seine leicht lockigen, schwarzen Haare und gab ihm einen Kuss auf die Backe.

„Bravo! Willkommen zurück in unserer Welt“, lachte Jacob.

Ich hob mein Glas und sagte: „In Norwegen würde man jetzt mindestens ‚Skål‘ sagen“.

„Skål!“ – „Skål!“ – „Skål!“ – „Skål!“ – „Skål!“

Aaron strahlte wieder und schaute Tinus selig an. Ich hatte den Eindruck, genau auf diese Reaktion hatte er schon lange gewartet.

„Ich sag es doch, Bjørn hat recht, wir sind Glückskinder“. Jacob schlug sich lachend auf die Schenkel und prostete uns noch einmal zu. „Na ja, noch glücklicher wäre ich, wenn ich auch einen Kuss bekäme, aber Schönheit geht natürlich vor“.

„Schlingel! Ich denke auf jeden Fall an Dich“. Gus erhob sich und setzte sich spontan auf Jacobs Schoß, drückte ihm einen Kuss auf die Backe, kam dann zu mir, machte das selbe, nur um anschließend zu Tinus zu gehen und ihm auch einen Kuss zu geben… allerdings auf den Mund.

Ich beobachtete unsere kleine fröhliche Runde und erinnerte mich plötzlich an die Tage, als meine Hormone beim Anblick von Andrea verrückt gespielt hatten. Ich sah Gus noch einmal vor mir am Strand von Ligurien, dachte an Bjørns Geburtstagsparty auf der Kiel-Oslo-Fähre, unsere wilden Feiern in Bremen und unsere gemeinsamen Nächte in unserem alten knarrenden Doppelbett. Die erste gemeinsame Nacht mit Tinus in dieser Wohnung und die Faszination, die von diesem Mann ausging. Ich spürte, dass die Vertrautheit, die jetzt auch zwischen Jacob, Aaron und uns entstanden war, etwas mit unserer Vorgeschichte zu tun haben musste. Es gab da eine Art roten Faden, der alle meine Männerfreundschaften verband. Meine Freunde forderten wenig und gaben viel. Jeder war auf seine Art ein Gefühlsmensch und in der Lage aus eigenem Antrieb emotional auf seine Freunde zuzugehen. Trotz ganz unterschiedlicher Bildung, Meinungen und Lebenserfahrungen, waren alle meine Freunde in der Lage einander zu respektieren…und… für alle war Sex wichtig, aber nicht ausschlaggebend für die Freundschaft. Meine Freundschaften waren zwar jede für sich ein Glücksfall, aber ich kam zu der Überzeugung, dass meine immer wieder instinktiv getroffene Entscheidung für und gegen den einen oder anderen richtig und letztendlich doch bewusst war.

Tinus bestätigte mir später, dass er ähnliche Gedanken gehabt hatte, wollte aber den sexuellen Reiz, der von jedem unserer Freunde ausging mehr Bedeutung zumessen. Er gab zum Beispiel zu, dass er sich mit uns niemals befreundet hätte, wenn wir auf ihn nicht so eine magische, sexuelle Anziehungskraft gehabt hätten. Auch Roberto und Bjørn hätten ihn sexuell am Anfang so erregt, dass er fast alles für sie getan hätte. Tinus sah den Glücksfall unserer Freundschaft darin, dass wir im Laufe der Jahre immer wieder neue Seiten an uns entdeckt hatten und uns quasi jedes Mal wieder neu auf einander freuten.

An diesem Abend merkte ich, dass besonders Jacob und Tinus an der Aufmerksamkeit von Aaron interessiert waren, gleichzeitig aber kaum die Augen von einander lassen konnten. Es war ein Spiel, das wir alle so oder so ähnlich schon viele Male gespielt hatten. Dennoch war etwas anders. Aaron kannte dieses Spiel nicht und wollte anscheinend seinen Boss ganz für sich allein haben. Andererseits schienen ihn weder Jacobs noch Gus‘ oder meine sexuellen Reize kalt zu lassen, aber er wusste nicht wie er mit diesem Dilemma umgehen sollte.

Inzwischen kannte ich Jacob so gut, dass ich wusste, ihm ging es im Augenblick nur um Sex. Ich wusste, dass er fast unersättlich war, wenn es um möglichst harte und große Schwänze in seinem Anus ging. Es hatte mich schon oft fasziniert, wie genüsslich er manchmal zwei Schwänze auf einmal in sich aufnahm, und er sich mit einem Lächeln von starken Männerfäusten samt den dazugehörigen Unterarmen fisten ließ. Tinus wäre bereit gewesen, ihm diesen Wunsch sofort zu erfüllen… Gus und ich auch. Aber Aaron wollte nur Zuneigung und Zärtlichkeit von dem Mann, den er so verehrte.

„Jungs! Lasst uns zu Bett gehen. Morgen wird ein anstrengender Tag für uns alle. Wenn ich recht verstanden habe, wollt Ihr morgen früh zur Auktion nach Aalsmeer, und ich fliege morgen mittag nach Hamburg. Also, ein bisschen Schlaf tut uns sicher gut“. Tinus erhob sich, nicht ohne Aaron noch einmal kurz mit einer Hand den Nacken zu massieren, sich bei ihm für das tolle Abendbrot zu bedanken und uns eine gute Nacht zu wünschen.

„Ich hoffe Ihr habt alles, was Ihr braucht. Morgen früh mache ich Euch um fünf Frühstück, wenn Ihr wollt“, sagte Aaron.

„Danke, Kaffee reicht. Wenn Du jetzt noch eine Flasche Mineralwasser hättest, wäre das super“. Gus lächelte Aaron an und fügte noch hinzu: „Du bist ein toller Koch. Deine Reistafel war eine Wucht“.

Aaron sagte stolz: „Danke, ich habe gerne für Euch gekocht“.

Jacob, Gus und ich gingen gemeinsam in unsere Zimmer. Jacob stand noch in der Tür, als ich schon ins Bad ging. Er unterhielt sich mit Gus über den Terminplan für den Besuch der Blumen-Auktion.

Ich duschte ausgiebig, putzte die Zähne und rasierte mich auch, um am nächsten Morgen gleich startklar zu sein. Als ich aus dem Bad kam, standen die beiden immer noch in der Mitte des Raumes und diskutierten. Ich warf mich gerade mit meinem Handtuch aufs Bett, als Aaron mit der Wasser-Flasche auftauchte: „Entschuldigt bitte, ich musste erst in den Keller, um das Wasser zu holen“.

„Macht doch nichts“.

Aaron stand mit der Flasche in der Hand etwas unschlüssig in der Tür und schaute mal auf Gus, mal auf Jacob und mal auf mich.

„Wie lange wollt Ihr denn dort rumstehen? Setzt Euch hin und wir unterhalten uns noch ein bisschen“. Ich setzte mich auf und legte mein Handtuch zwischen die Beine.

Aaron drehte sich um und wollte gehen. „Bleib doch noch! Wir wollen ja noch nicht schlafen“. Gus deutete auf einen Sessel neben dem Bett.

Aaron zögerte einen Augenblick, grinste dann und meinte: „Wenn ich nicht störe“.

„Blödsinn, Du störst doch nicht“.

„Da Du Dich gerade frisch gemacht hast und so fantastisch riechst, gehe ich auch gleich mal ins Bad“. Jacob knöpfte bereits sein Hemd auf und hatte schon Schuhe und Strümpfe ausgezogen. „Ich komme gleich mit“. Gus warf Jacke, Hose und Hemd auf einen Sessel und gab Jacob einen Klapps auf den Po.

„Siehst wieder toll aus heute…“.

„Danke, ebenso!“

„Das ist MEIN Mann“, rief ich lachend über die Schulter. „Jeder weiß, uns gibt’s nur im Doppelpack“. Ich sah Jacob gespielt streng an und zwinkerte ihm zu.

„Ist das immer so bei Euch?“ Aaron verfolgte unseren Dialog überrascht. „Wie lange kennt Ihr Euch schon?“

„Gus und ich kennen uns ungefähr 20 Jahre und Jacob kennen wir seit etwas mehr als vier Jahren“.

„Oh, das ist lange… und da gab’s nie Probleme zwischen Euch?“

„Wenn Du Eifersucht und sowas meinst, nein“.

„Ich habe hier in Amsterdam schon Männer erlebt, die sich wegen so etwas umbringen wollten“.

Ich lachte und entgegnete, dass wir uns von Anfang an einig waren, an so etwas nicht einmal zu denken.

„Es gibt noch ein Sprichwort in Surinam: ‚Ich kenne dein Gesicht, aber nicht dein Herz‘. Mit anderen Worten, Ihr seid mir ein Rätsel“.

Ich schmunzelte und sah ihn lange an. „Um uns zu verstehen, muss man unsere Geschichte kennen“.

„Erstmal bin ich froh, Euch überhaupt zu kennen…“.

Als Jacob und Gus aus dem Bad kamen, hatte Jacob noch einen weißen Tanga an, der seinen Säbel-Schwanz nur notdürftig bedeckte. Gus trug eine Boxer-Short, aus der sich sein gerader, kräftiger Schwanz bereits einen Weg nach draußen suchte.

Ich grinste Jacob an und feixte: „Na, hast Du mal wieder versucht, meinen Mann zu verführen?“

„Ja, aber er ist einfach zu schüchtern“, alberte Jacob und setzte hinzu: „Bei Dir geht’s bestimmt leichter…“, sprang aufs Bett und packte mich von hinten im Nacken: „ Mmmm… Du riechst wirklich gut“.

Ich tat so, als würde ich mich wehren, zog ihn aber gleichzeitig mit einer Hand dichter an mich ran. Mit der anderen bekam ich gerade noch die Shorts von Gus zu fassen, der neben dem Bett stand und Blickkontakt mit Aaron suchte.

Gus verlor das Gleichgewicht und fiel lachend auf mich und Jacob.

„Ehy, wir wecken ja das ganze Haus mit unserem Getöse“.

Kaum hatte ich das gesagt, klopfte es an der Tür. Tinus öffnete einen Spalt und steckte seinen Kopf herein. „Alles in Ordnung bei Euch? Es hörte sich an, als ob Ihr Euch prügelt“.

„Na ja, ich musste mich gerade gegen zwei Männer verteidigen, die mich alten Mann nicht schlafen lassen wollen“.

„Ach so, dann komme ich ja gerade richtig. Soll ich Dir helfen?“

„Oh ja bitte!“

„Wie die Kinder…“, murmelte Tinus gespielt vorwurfsvoll. „Werdet Ihr denn nie erwachsen?“

Ich wollte etwas erwidern, aber Gus legte mir eine Hand auf den Mund und lachte: „Der Kleine hier schafft das nie und der andere dort braucht eine starke Hand, sonst wird aus dem auch nichts mehr“.

„Tja, Aaron, da siehst Du mal. Nach Außen geben sich unsere Gäste seriös und in Wirklichkeit sind sie noch grün hinter den Ohren…“.

Tinus stand jetzt in seiner hauchdünnen, fast durchsichtigen, Schlafanzugshose mitten im Raum, stemmte die Arme in die Hüften und schüttelte theatralisch mit dem Kopf.

Aaron verfolgte das Geschehen einigermaßen fassungslos. Später sagte er, dass er sich nie hätte vorstellen können, dass sein Boss so locker und humorvoll sein könnte.

„Na, vielleicht kann man ja doch noch etwas machen…“. Tinus schwang sich mit einer eleganten Bewegung ebenfalls aufs Bett, gab mir, Gus und Jacob einen flüchtigen Kuss, legte dann seinen kräftigen Arm um Jacob und drückte ihn in die Kissen. Der seufzte begeistert, drehte seinen Kopf etwas und strahlte mich an.

Ohne zu zögern drückte Tinus seinen Kopf auf Jacobs Po, spuckte ein paar Mal kräftig in seine Ritze und begann dann hingebungsvoll zu lecken.

Ich befreite mich aus Jacobs Umklammerung und schob mich unter ihn, um mit meiner Zunge seinen merkwürdig gekrümmten Schwanz zu erreichen. Gus beschäftigte sich derweil mit Jacobs und meinen Zehen.

Aaron starrte mehr oder weniger gebannt auf seinen Chef und schien kaum zu realisieren was passierte. Auf der beachtlichen Wölbung in seiner ansonsten vollkommen unspektakulär geschnittenen, grauen Arbeitshose zeichnete sich bereits ein kleiner feuchter Fleck ab. Er saß wie festgenagelt auf seinem Sessel und schien sich nicht bewegen zu können. Auch sein ewiges Lächeln schien irgendwie eingefroren zu sein.

Mit einer geschickten Handbewegung griff Tinus neben sich in die Nachttischschublade und warf jede Menge Kondompäckchen und zwei kleine Gleitcreme-Tuben aufs Bett. Dabei ließ er nicht nach, Jacobs riesiges, weit geöffnetes, braun-rotes Loch zu lecken und mit der Zunge immer weiter einzudringen.

Die intensive Dreifach-Betreuung ließ Jacob extatisch stöhnen. Hin und wieder verkrampften seine Gesichtszüge, dann entspannte er wieder und lächelte glücklich.

Tinus tastete nach einem Päckchen mit einem schwarzen XXL-Kondom, riss es auf und rollte es über seinem einzigartigen und steinharten Monsterschwanz ab. Dann öffnete er eine der Gleitcreme-Tuben und verteilte den Inhalt auf seinem Kolben und großzügig in Jacobs Loch. Dabei benutzte er erst drei Finger und gleich darauf die ganze Hand, die leicht und ohne Widerstand in Jacobs Darm raus und rein glitt.

Nach Jacobs Gesichtsausdruck zu urteilen, litt er Höllenqualen. Sein wohliges Stöhnen und seine Rufen deuteten eher darauf hin, dass er die Behandlung in vollen Zügen genoss. „Mehr, mehr, mehr… tiefer, bitte tiefer!“ Gleichzeitig packte er mich recht grob an den Haaren und presste mich auf seinen dicken, fleischigen Säbel-Schwanz, der durch die ungewöhnliche Krümmung auch ungewöhnlich zu blasen war. Gus genoss die Wanderung seiner Zunge von meinen Füßen zu denen von Jacob und zurück.

Tinus Kolben sah aus wie ein Gigant-Dildo aus dem Porno-Shop. Er stieß ihn rhythmisch in Jacob hinein und geriet dabei beachtlich ins Schwitzen. Jacobs Reaktion war ein Wechsel von Wimmern und Juchzen.

Als ich Jacobs erste salzige Lusttropfen schmeckte, ließ ich von seinem Schwanz vorerst ab. Jetzt hatte Gus meinen Schwengel tief in seinen Schlund gleiten lassen. Ich wusste, dass ich das nicht lange aushalten würde, denn meine Hoden zogen sich schon zusammen, und ich merkte, dass sich mein Sperma schon wieder zu einer unkontrollierten Explosion sammelte. Diesmal wollte ich es unbedingt verhindern und zog meinen Schwanz abrupt zurück. Gleichzeitig drehte ich mich um und schob mich unter den von kräftigen Stößen vibrierenden Po unseres unersättlichen Diplom-Biologen. Der griff nach meinem Schwanz und drückte ihn gegen sein mit Tinus schwarzem Kolben prall gefülltes Loch.

„Los! Schieb ihn rein!“, röchelte er.

„Aber… das geht so nicht“, flüsterte ich.

„Doch! Bitte, das geht… bitte!“

Ich gab Tinus ein Zeichen, er solle einen Moment still halten. Dann führte ich meinen Schwanz mit meiner Hand neben seinen, presste und drückte, aber es ging nicht. Tinus fingerte nach einem weiteren Kondom, riss es auf, zog es über meine pralle Eichel und rollte es ab bis zum Schaft. Dann schmierte er den Rest Gleitcreme drauf und weitete mit zwei Fingern Jacobs Loch noch etwas mehr. Plötzlich glitt ich tatsächlich neben dem Gigantschwanz hinein. Nach meiner Schätzung musste das Loch jetzt einen Durchmesser von mindestens 8 cm gehabt haben.

Jacob schrie, ob aus Schmerzen oder vor Lust war immer noch nicht herauszufinden. Sein „Mehr, Mehr… das ist Wahnsinn“, muss im ganzen Haus zu hören gewesen sein. Es war nur gut, dass außer uns wohl niemand mehr um diese Zeit anwesend war.

Wir stießen beide zu wie im Rausch…immer wieder, immer kräftiger.

Als Jacob ohne Vorankündigung in einem weiten Bogen auf meinen Bauch und in mein Gesicht spritzte, hatten Tinus und ich fast gleichzeitig unsere Gummihüllen bereits mit Sperma gefüllt. Trotzdem rief Jacob immer wieder: „Bitte macht weiter…bitte!“. Wir konnten nicht mehr.

Tinus sackte schweißgebadet in der einen Richtung auf die Kissen und ich in die andere.

Jacob nahm mit seinen Fingern sein eigenes Sperma von meinem Bauch auf und verrieb es auf Gus‘ Schwanz, drehte ihm dann seinen Po zu und drückte Gus‘ zum Platzen prallen Schwanz in sein Loch. Der ließ sich nicht zweimal bitten und hämmerte seinen Kolben unerbittlich in Jacob hinein, der jetzt nur leise genussvoll stöhnte und mehr wie eine Katze schnurrte. Da Gus kein Kondom übergezogen hatte, spritzte er auf Jacobs Rücken und in mein Gesicht.

Aaron saß noch immer in fast der gleichen Stellung in seinem Sessel und starrte auf uns vier. Er hatte lediglich seinen Gürtel und Hosenstall geöffnet und wichste einen glänzend, dicken, etwa 15 cm langen, bräunlich-lila farbenen, fleischigen Penis.

Tinus sah das, wischte sich den Schweiß von der Stirn, stand auf, kniete sich vor Aaron hin und nahm seinen Schwanz in den Mund. Dabei strich er ihm immer wieder über den Kopf.

Aaron stöhnte und verdrehte glücklich die Augen. „Ich komme, ich komme…“. Er spritzte Tinus direkt ins Gesicht. Der konnte gerade noch verhindern, dass ihm die Sahne in die Augen lief.

„Oh, entschuldige bitte!“ – „Alles in Ordnung, das darfst Du gern öfter machen“.

Aaron strahlte und leckte mit Begeisterung das Gesicht seines Chefs ab. Tinus schob seinen Schwanz liebevoll zurück in die Hose, schloss seinen Gürtel, nahm ihn an die Hand und sagte:

„Danke Jungs, Ihr seid fantastisch. Schlaft gut!“

„Ihr auch!“

Jacob blieb in dieser Nacht bei uns und Aaron schlief von nun an häufiger in Tinus‘ riesigem Doppelbett.

Nachmittags wollte Jacob noch unbedingt in einen der unzähligen Porno-Shops in der Warmoestraat. Gus hatte Lust mitzugehen. Ich musste noch an einer Präsentation neuer Rosensorten und einiger Fertigsträuße arbeiten. Dafür hatte ich einige Schnittblumen als Muster aus Aalsmeer mitgenommen und in einem leeren Zimmer am Ende des langen Flures in Tinus Wohnung aufgebaut. Ich schoss ein paar Probefotos und machte dann eine Serie von Bildern unter wechselnden Lichtbedingungen.

Aaron war in ausgelassener Stimmung, hatte eine schicke weiße Arbeitsjeans an und erledigte ansonsten mit bloßem Oberkörper und barfuß seine Hausarbeit. Er pfiff fröhlich vor sich hin, während er rittlings im Fensterrahmen saß und die Scheiben putzte. Aus purem Übermut winkte er manchmal den Leuten zu, die auf der Singel-Gracht mit ihren kleinen Booten vorbeituckerten oder den Fahrradfahrern, die wild klingelnd die Massen der Touristen beiseite scheuchten, die sich etwas verschüchtert an der Gracht entlang schoben. Einige von ihnen sahen in dem braunen, schönen Mann mit der glatten Haut und den strahlend weißen Zähnen im Fensterrahmen ein interessantes Foto-Motiv. Aaron schien es zu genießen, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Von meinem Fenster aus sah ich, dass ein Männerpaar in schwarzen Lederklamotten und mit Schirmmützen direkt vorm Haus stand und Aaron immer wieder zuwinkte. Beide hatten gute Kameras mit Teleobjektiven und fotografierten aus verschiedenen Blickwinkeln. Aaron lachte, zeigte seine Muskeln, setzte sich breitbeinig so in Pose, dass man seine Beule in der Jeans deutlicher sehen konnte und legte dann seine Hände wie schützend darüber.

Die beiden Männer grinsten, rieben sich beide im Schritt und riefen Aaron etwas zu, das ich nicht verstehen konnte und gingen dann weiter.

Ein paar Minuten später hörte ich den Staubsauger auf dem Flur. Singend kam Aaron schließlich auch zu mir. Er stellte das Gerät ab und betrachtete nachdenklich die Vasen mit den Rosen, die Sträuße und meine Foto-Ausrüstung.

„Ich wurde eben gerade auch fotografiert, lachte er“.

„Habe ich gesehen… das waren zwei interessante Typen“.

„Die hätten mir sogar Geld bezahlt, wenn ich ihnen Modell gestanden hätte“.

„Dabei wäre es vermutlich nicht geblieben“, grinste ich.

„Weiß ich… Ich habe damit mal mein Geld verdient“.

„Ach so, deshalb hast Du Dich so professionell bewegt. Hast Du so etwas gern gemacht?“

„Eigentlich schon. Nur wenn die Fotografen zu aufdringlich wurden, habe ich abgebrochen und auf mein Geld verzichtet. Das fanden die meistens nicht gut und wurden dann ausfallend. Einer hat mich sogar mal geschlagen und getreten. Danach habe ich die Sache dann an den Nagel gehängt und lieber bei Tinus angefangen“.

„Das war sehr klug“.

„Fotografierst Du nur Blumen?“

Ich lachte. „Nein, das hier sind Bilder, die ich in der Firma brauche. Sonst fotografiere ich viel draußen in der Natur, aber auch Männer-Portraits und hin und wieder Erotik. Da bin ich leider nicht so gut, weil ich meistens zu nervös bin“.

„Erotik? Da hättest Du ja gestern abend richtig tolle Bilder machen können“.

„Das wäre dann aber Porno gewesen…“, grinste ich. „Erotische Fotografie ist mehr künstlerische Andeutung der sexuellen Lust als pure Dokumentation“.

Aaron lächelte und sah mich forschend und ein bisschen überlegen an. „Aber Sex macht Dir doch großen Spaß, da bleibt es doch nicht bei Andeutungen. Das glaube ich Dir nicht“.

„Na ja, deshalb bin ich ja ein so schlechter Erotik-Fotograf. Mein Schwanz dirigiert einfach zu oft den Auslöser“.

Jetzt lachte Aaron herzlich. „So ging es den beiden Typen eben wohl auch“.

„Wenn ich Dich fotografieren sollte, könnte ich meinen Schwanz bestimmt nicht ruhig halten“.

„Würde mir nichts ausmachen…“.

„Ach, gestern abend hatte ich den Eindruck, dass Du sehr zurückhaltend warst“.

„Das bin ich immer bei Männern, die ich noch nicht gut genug kenne… und dann war ja auch noch mein Boss dabei, den ich sehr verehre und der etwas ganz Besonderes für mich ist“.

„Das verstehe ich sehr gut. Macht es Dir denn etwas aus, wenn Tinus mit anderen Männern Sex hat?“.

„Ein bisschen schon, aber auf der anderen Seite verstehe ich, dass Tinus Euch sehr mag und für ihn Sex mit Euch sehr wichtig ist. Er fühlt sich mit seiner ‚Familie‘ sehr wohl und genießt den Sex mit Euch so sehr, dass ich es ihm von Herzen gönne. Er ist ein so lieber Mensch, dass ich froh bin in seiner Nähe sein zu dürfen“.

„Das hast Du sehr schön gesagt. Darf ich Dir dafür einen Kuss geben?“.

„Oh ja, sehr gern…“. Aaron sah mir fest in die Augen, lächelte und näherte seine Lippen meinem Mund. Ich spürte eine große Zärtlichkeit und Wärme. Sein Kuss war nicht fordernd. Aaron wollte Zärtlichkeit. Obwohl sein Schwanz hart und prall fast seine Jeans zu sprengen drohte, wollte dieser Mann in erster Linie gefühlvolle Zuneigung. Seine Augen sehnten sich eindeutig danach. Seine vorsichtige und zarte Berührung meiner Schläfe mit seinen Fingerspitzen war der Versuch, etwas Ähnliches zurückzubekommen. Ganz leicht rieb er seine Stirn an meiner.

Ich war nicht sicher, wie ich mich verhalten sollte. Was erwartete Aaron von mir? Was war ich für ihn?

In diesem Moment hörte ich das Geräusch des Fahrstuhls und gleich darauf die Stimmen von Jacob und Gus.

Aaron wirkte für ein paar Sekunden enttäuscht, dann lächelte er wieder, drückte auf den Startknopf des Staubsaugers und saugte weiter. Die Beule in seiner Jeans war immer noch mehr als deutlich erkennbar, als er die beiden im Flur traf. Jacob schaute ihm grinsend nach und flüsterte Gus ins Ohr: „Das habe ich gestern abend gar nicht bemerkt… Ich war wohl etwas abgelenkt“.

„Na, was habt Ihr Schönes gekauft?“

Gus grinste und gab mir einen Kuss: „Ich habe nichts gekauft… Ich habe ja alles, aber Jacob hat sich einen Spielzeugtraum erfüllt“.

Jacob öffnete eine neutrale Plastiktüte und ließ mich einen Blick reinwerfen.

„Oh Gott, noch größer ging’s wohl nicht?“ In der Tüte lag ein unverpackter, fleischfarbener Dildo mit der unvorstellbaren Länge von vermutlich mehr als 40 cm und einem geschätzten Durchmesser der Eichel von mindestens 8 bis 10 cm.

„Ich würde immer die Natur vorziehen… aber für einsame, kalte, norwegische Winternächte in einer Etagenwohnung in Grünerløkka sicher ganz reizvoll. Ich bin mal gespannt, wie Du den durch den Zoll kriegst“, grinste ich.

„Ich brauche das halt…“. Jacob wirkte etwas beleidigt.

„Kann man auch schöne Fotos mit machen“, rief ich ihm nach, als Jacob mit seinem ‚Spielzeug‘ in seinem Zimmer verschwand.

„Und sicher ausdruckstarke Portraits…“, feixte Gus.

„Apropos Fotos…“. Ich erzählte Gus die Episode mit den zwei Kerlen, die Aaron fotografiert hatten und mein anschließendes Gespräch mit ihm. „Ich denke, Aaron braucht viel mehr Zuneigung, als es den Anschein macht. Mit seiner Fröhlichkeit überspielt er vermutlich die Sehnsucht nach Zärtlichkeit. Ich glaube, er wurde noch nie richtig geliebt“.

„Vielleicht hast Du recht. Umso wichtiger, dass er nicht enttäuscht wird“.

Aaron blieb noch drei Jahre im Haus und verschwand dann plötzlich von einem auf den anderen Tag. Tinus meinte, Aaron habe sich mit Leuten aus der Amsterdamer Drogenszene eingelassen und sei schließlich auf den Strich gegangen. Er habe versucht, mit Hilfe von Bekannten aus der Suchthilfe herauszufinden, wo sich Aaron aufhielt, konnte aber jahrelang nichts in Erfahrung bringen, bis er erst vor drei Jahren durch Zufall erfuhr, dass Aaron sich bereits wenige Monate nach seinem Verschwinden in einem Amsterdamer Männer-Bordell das Leben durch einen ‚goldenen Schuss‘ genommen hatte. Als er diese Nachricht bekam, erlebten wir Tinus das erste und einzige Mal in Tränen aufgelöst und in totaler Verzweiflung. Bis heute macht er sich schwere Vorwürfe, sich zu wenig mit Aarons Psyche beschäftigt zu haben. Für ihn sei ein anschmiegsamer und williger Sexpartner im Bett und eine funktionierende Haushaltshilfe wichtiger gewesen als Aarons wirkliche Bedürfnisse.

Gus hat später mal gesagt: „Es bleibt die Frage, wer mehr leidet, der, der Liebe glaubt kaufen zu können oder der, der meint seine Liebe verkaufen zu müssen“.


(Dran bleiben! Es geht im Kapitel 25 weiter.)

Kommentare und Fragen an: gugamster@hotmail.com)

 
 
 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare


  • Facebook Black Round
  • Instagram Black Round
  • Twitter Black Round
  • Vimeo Black Round

© 2019 Gert Ekpor, Oslo

bottom of page