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Ohne eigenes Erleben keine Erweiterung des Horizonts (21)

  • Autorenbild: gert
    gert
  • 16. Apr. 2020
  • 37 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Nov. 2022




Zwischen dem Unglück der Scandinavian Star und dem Ende der Teilung Deutschlands gibt und gab es für die meisten Menschen sicher keinen Zusammenhang. Unsere Sichtweise auf die Welt und die Wertschätzung unserer Freunde hatte sich durch diese beiden Ereignisse allerdings erheblich verändert.

Bjørn, Roberto und der kleine Albert wurden die wichtigsten Menschen innerhalb unserer schwulen Familie, die jetzt quasi aus einer Kernfamilie und einigen „lieben Verwandten“ bestand. Unter denen wiederum Karl und Erik und schließlich auch Jacob eine Sonderrolle einnahmen.

Die Sorglosigkeit, das ausschließlich Lustbetonte und die Naivität hatten einer ganz tiefen menschlichen Wertschätzung und noch mehr Verantwortungsgefühl und Respekt für einander Platz gemacht.

Durch Vatern und Anders war unsere Haltung zu politischen und gesellschaftlichen Vorgängen bereits geschärft. Jetzt bezogen wir aber klarer Stellung, vertraten nachdrücklicher unsere Standpunkte und engagierten uns mehr für die Emanzipation schwuler Männer – besonders in Norwegen, Deutschland und Italien.

Das Jahr 1991 war für uns das Jahr, in dem wir sowohl geschäftlich als auch privat sehr viel zu reisen begannen. Dabei begleiteten uns manchmal Roberto, Bjørn und Albert, aber auch Jacob reiste gern zusammen mit uns.

Bjørn wollte seinem Pflegesohn gerne nach und nach die Welt zeigen. Um dafür mehr Zeit zu haben, übergab er Magne und Ruben mehr Verantwortung auf dem Hof und stellte noch einen neuen Praktikanten von der Landwirtschaftsschule in Ås ein. Ruben hatte ihn eines Tages mitgebracht. Er hieß Andreas, war 22 Jahre alt und gebürtiger Pole. Er hatte bereits eine Halbglatze, war schlank, fast zwei Meter groß und hatte markante aber traurige Gesichtszüge. Seine Augen waren sehr warmherzig und freundlich, doch Lächeln fiel ihm unsagbar schwer. Andreas wirkte auf mich, als habe er Schreckliches erlebt und viel gelitten. Was sich später als durchaus richtig erwies.

Er war als aktives und später verfolgtes Mitglied von Solidarnosc, 1985 erst nach Deutschland und dann nach Norwegen gekommen, hatte in Rekordzeit fast perfekt Norwegisch gelernt, 1987 angefangen in Ås zu studieren und seit 1990 in verschiedenen Praktikantenstellen gearbeitet.

Ruben hatte ihn bei einer Feier mit ehemaligen Kommilitonen in Tønsberg kennengelernt und nach Bjørnstangen eingeladen. Als die beiden das erste Mal gemeinsam in die Küche kamen, mussten sowohl Roberto und Bjørn als auch Kjell schmunzeln. Kjell flüsterte Roberto ins Ohr: „Die großen Männer haben es dem kleinen Ruben angetan“.

Andreas war ausgesprochen höflich, zurückhaltend und für Robertos Geschmack zu schüchtern und scheu. Es war der kleine Albert, der die Entscheidung fällte, Andreas müsse auf Bjørnstangen bleiben.

Albert stürmte wie fast immer in die Küche und wollte sofort alles loswerden, was er gerade draußen oder in der Schule erlebt hatte. Diesmal stutzte er allerdings, blieb stehen und schaute den langen Kerl neben Ruben lange und nachdenklich an, bevor er ihn mit einem kurzen „Hei!“ begrüßte.

Für einen kurzen Moment strahlten die Augen von Andreas und er lächelte beinahe fröhlich. „Hei, din lille slask!“ Dabei wendete er sich ihm zu und fügte hinzu: „Ich bin Andreas und wer bist Du?“ – „Albert“.

Bjørn lachte und meinte: „Du solltest Andreas schon die Hand geben. Er will vielleicht bei uns arbeiten“. – „Ach so… das finde ich toll… Du bist nett“, damit war für Albert die Angelegenheit abgeschlossen und er bat Kjell um ein Nutella-Brot.

Bjørn und Roberto sahen sich schmunzelnd an und sagten wie aus einem Munde: „Na dann, ist die Sache wohl entschieden“.

Andreas begriff nicht sofort, schien wieder sehr verunsichert und blickte fragend in die Runde, um eine Erklärung zu bekommen.

Bjørn schlug Andreas freundschaftlich auf die Schulter, was dieser mit einem erschrockenen Zurückweichen quittierte, sich aber gleich wieder fing.

„Wir sind hier auf Bjørnstangen eine etwas merkwürdige Familie. Du musst entscheiden, ob Du in dieser Männerwirtschaft leben und arbeiten möchtest. Frauen spielen hier auf dem Hof keine große Rolle. Wir sind alle sehr offen, haben kaum Geheimnisse vor einander und sprechen viel miteinander. Wir können uns gerne streiten und über die Arbeit diskutieren, aber niemals darf man sich bei uns gegenseitig beleidigen. Wer das macht, passt nicht zu uns“.

Albert schien zu verstehen, dass Andreas Probleme hatte, den Sinn der Worte voll zu erfassen. Daher nahm er seine Hand, schaute zu ihm auf und verkündete: „Mein zweiter Papa will damit nur sagen, dass wir nicht so sind wie die anderen, aber dass Du trotzdem bitte bleiben sollst…“.

Andreas drückte die kleine Kinderhand ganz fest, schaute sehr liebevoll und trotzdem sehr ernst auf den kleinen Jungen neben sich. „Weißt Du, ich kenne so etwas nicht… mit mir hat noch nie jemand so geredet…“.

„Hast Du keinen Papa?“

„Doch, aber der ist tot“.

„Meiner auch“.

„Ich dachte, Bjørn ist Dein Papa?“

„Ich habe gesagt: mein zweiter Papa“.

Bjørn erläuterte: „Ich bin sein Pflegevater und gleichzeitig Patenonkel“.

Andreas entspannte jetzt sichtlich, und er schien ein gewisses Selbstvertrauen zurückzugewinnen.

„Dann darf ich also für Euch arbeiten?“

„Ja klar, Ruben zeigt Dir Dein Zimmer. Über Einzelheiten unterhalten wir uns nachher. Was getan werden muss, besprechen wir jeden Morgen hier in der Küche. Wann möchtest Du anfangen?“

„In drei Tagen läuft mein Arbeitsvertrag in Tønsberg aus, dann kann ich sofort kommen“.

„Schön, dann machen wir es so“.

Unsere erste Reise in diesem Jahr ging nach Italien. Die Geschäftsverbindungen zur Familie Caroli sollten verbessert und neue Liefermengen vereinbart werden.

Als wir Roberto von unseren Plänen erzählten, fragte er, ob Bjørn, Albert und er uns nicht begleiten könnten. Er hätte Sehnsucht nach seinem alten Heimatland und wolle es Albert so gerne zeigen.

Gus und ich fanden die Idee gut. Vatern, Anders und Andrea waren begeistert und bereiteten sofort alles für uns Fünf vor. Mama Caroli soll mehrere Tage lang das halbe Dorf verrückt gemacht haben, weil sie keine nach ihrer Ansicht passende Unterkunft für uns fand. Schließlich stellte ein befreundeter Gärtner ein Ferienhaus am Ortsrand zur Verfügung, das zwei Jahre lang leer gestanden hatte und jetzt von Mama Caroli, einigen Nichten und Freundinnen für uns auf Vordermann gebracht wurde.

Es war Alberts erster Flug, und er konnte vor Aufregung die Nacht vorher kaum schlafen. Die Stewardess war von seinem Charme bereits nach wenigen Minuten fasziniert. So war er, als wir in Nizza landeten, mit Schokolade, Bonbons, Modellflugzeugen und anderem Spielzeug besser eingedeckt als alle anderen mitreisenden Kinder. Es gelang ihm sogar ein Ausflug ins Cockpit, allerdings allein. Erwachsene Passagiere durften aus Sicherheitsgründen nicht mit. Also verschwand er an der Hand der Stewardess hinter der Tür zu den Piloten. Als er zehn Minuten später wieder zurückgelaufen kam, strahlte er glücklich und erklärte uns ausführlich die technischen Details des Fliegers, und was man alles können musste um Pilot zu werden.

Aber zu unserer großen Überraschung antwortete er, als Bjørn ihn fragte, ob er denn Pilot werden wolle: „Nein, ich glaube nicht. Die sitzen ja nur rum und kontrollieren die Uhren und Anzeiger. Ich will lieber Traktor fahren, Kälber kriegen und Tomaten züchten…“.

Wir mussten so laut lachen, dass andere Passagiere sich nach uns umdrehten.

In Nizza wurden wir von einem vierköpfigen Empfangskomitee unter Führung von Mama Caroli erwartet. Sie wollte es sich nicht nehmen lassen die „Männer mit dem Bambino“ als erste zu begrüßen. Andrea, Vatern und Anders hatten da brav zu warten.

Albert war so viel ‚mütterliche‘ Zuneigung, einen so kräftigen Busen und vor allem so viele weibliche Küsse nicht gewohnt. Er ließ aber alles geduldig über sich ergehen und hatte sich ins geheim ausgerechnet, dass es überwiegend Vorteile für ihn hätte, sich mit der dicken italienischen Frau anzufreunden.

Auch Roberto, der bisher niemanden aus der Familie Caroli kannte, wurde von Mama Caroli wie ein verlorener Sohn begrüßt. Für ihn schien die überschwängliche Herzlichkeit völlig normal zu sein und auch er fügte sich in sein Schicksal.

Gus und ich wurden begrüßt, als seien wir Söhne der Familie, die von einer Weltreise nach Hause gekommen sind. Immer wieder wurden wir gedrängt, doch nun sofort alles zu erzählen, was uns in den letzten Jahren widerfahren war. Nur unser Lachen und der freundliche Hinweis, dass wir eine lange Reise hinter uns hatten, stoppte Mamas Wissbegierde ein wenig.

Bjørn entzog sich den all zu innigen Umarmungen, indem er gleich Mama Carolis Hände ergriff, sie heftig schüttelte und sich in einem nicht enden wollenden Redeschwall auf Englisch für alle Freundlichkeiten und die Einladung bedankte. Mama Caroli hatte dem nichts entgegen zu setzen, da sie kein Englisch verstand.

Andrea umarmte Gus und mich in seiner warmherzigen Art, so als habe er uns wirklich vermisst und wolle uns jetzt nicht so schnell wieder gehen lassen.

Anders und Vatern hielten sich bescheiden im Hintergrund und beschränkten sich auf ein herzliches: „Na, Ihr Lieben? Habt Ihr eine gute Reise gehabt?“.

Mama Caroli bestand darauf, dass „il bambino bello“ und „ i Signori“ unbedingt mit in ihrem Auto fahren sollten. Gus und ich „durften“ mit Vatern und Anders fahren.

Das Ferienhaus lag oberhalb des Dorfes in einem Olivenhain mit einer traumhaften Aussicht auf die ligurischen Alpen und zu Fuß etwa zehn Minuten von Carolis und fünf Minuten von Anders und Vatern entfernt.

Die Einrichtung war vermutlich aus den fünfziger Jahren, Küche und Bad einfach aber funktional ausgestattet, aber es gab zwei Fernseher und eine große, sonnige Terrasse. Albert hatte sein eigenes Zimmer. Sein Bett knarrte erbärmlich, was er aber besonders spannend fand. In den beiden anderen Schlafzimmern standen zwei ähnliche, mächtige Doppelbetten aus Olivenholz mit deutlich durchgelegenen Matratzen. Alles war pikobello sauber und das ganze Haus roch nach Putzmitteln. Auf dem Wohnzimmertisch standen mehrere Flaschen Rotwein ohne Etikett aus eigener Produktion, daneben eine Schüssel mit Oliven und eine mit süßem Gebäck.

In der Küche war der Kühlschrank gefüllt mit den leckersten Antipasti und Pastagerichten, die nur aufgewärmt werden mussten. An Cola, selbstgemachte Limo und kistenweise Mineralwasser war auch gedacht worden.

Nachdem wir uns noch einmal enthusiastisch bei Mama Caroli für alles bedankt hatten, verschwand sie trotz ihres Körperumfangs recht behände Richtung Dorfplatz. Natürlich musste sie jetzt alle Freundinnen und Nachbarn über die Ankunft der „Segnori con il bel bambino“ informieren.

„Mama ist manchmal anstrengend, aber sie meint es immer nur gut“, lachte Andrea. Er setzte sich breitbeinig auf das Geländer der Terrasse und beobachtete uns durch die Terrassentür zu unserem Schlafzimmer beim Auspacken. Er war wie immer tief braun gebrannt, seine wunderschönen Augen strahlten und er hatte sich eigentlich kaum verändert im Vergleich zu dem Tag, an dem ich ihm in meiner Heimatstadt das erste Mal begegnet war. Das war jetzt über zwanzig Jahre her. Seine Haut war rauer geworden, und es gab ein paar Falten im Gesicht. Aber dieses unbeschreibliche Lächeln, die vollen dunklen Haare, der durchtrainierte Körper…und…, was mir selbstverständlich nicht entgehen konnte, seine extrem dicke Beule in einer abgeschnittenen, etwas fleckigen, sehr engen Jeans, war nach wie vor so aufreizend, dass Gus und ich ihn immer wieder wie gebannt von oben bis unten anschauen mussten.

„Du hast Dich überhaupt nicht verändert“.

„Du schon. Du bist herrlich erwachsen geworden, hast noch mehr Charme als damals und machst mich immer noch verrückt“.

„Du bist Dir schon im Klaren, dass mein Mann hier neben mir steht?“

Andrea grinste: „Ja klar, dem habe ich ja schon das letzte Mal, als er hier war, nicht widerstehen können. … Oh, das hätte ich jetzt wohl besser nicht gesagt?“

„Spinner, Du weißt doch, bei uns gibt’s keine Geheimnisse“.

In diesem Moment kam Albert auf die Terrasse gestürmt. Er hatte die letzten Worte gehört, und da er bereits fast fließend Deutsch sprach – wie übrigens auch Italienisch – bemerkte er:

„Mein Papa Bjørn hat gesagt, Geheimnisse muss jeder Junge haben“.

„Da hat Dein Papa ganz recht, aber hin und wieder darf man einem sehr guten Freund, diese Geheimnisse auch erzählen“.

Albert schwang sich ebenfalls auf das Geländer und setzte sich dicht neben Andrea.

„Hast Du ein Geheimnis?“

„Oh ja, ein paar“.

„Glaubst Du, wir können so gute Freunde werden, dass Du sie mir erzählst?“.

„Einige bestimmt“.

„Sag mal, warum hast Du eine so kurze Hose an? Ist das nicht kalt?“.

„Die gefällt mir gut. Hier bei uns in Italien ist es oft sehr warm, da würde man mit langen Hosen viel zu doll schwitzen. Das ist eine ganz alte Hose, die ist sehr weich und sehr bequem“, schmunzelte Andrea.

Zu uns gewandt flüsterte er: „Der Junge achtet aber schön früh auf Details“.

„In Norwegen ist es kalt… und Papa Bjørn und Onkel Roberto schwitzen nur bei der Arbeit und in der Sauna…und… manchmal wenn…“.

Albert unterbrach sich und schaute seinen Pflegevater an, als ob er um Entschuldigung bitten wollte.

„So mein Schatz, jetzt ist gut… pack Deine Sachen aus und geh spielen. Lauf aber nicht zu weit weg. Wir essen gleich“. Bjørn machte eine Kopfbewegung Richtung Haus und sein Gesichtsausdruck machte Albert klar, dass jetzt keine Zeit für Diskussionen war.

„Na, Euer Junge ist ja ein aufgewecktes Kerlchen. Ist er aufgeklärt?“.

„Ja, er hat schon ganz früh wissen wollen, wie er ein Geschwisterchen bekommen könnte, warum sein leiblicher Vater seinen „Pimmel“ bei Mama reinsteckt und ich in Roberto. Er bekommt täglich mit, wie wir bei uns auf dem Hof mit einander umgehen und den Unterschied zwischen Liebe und Spaß habe ich ihm auch erklärt. Zu Anfang mussten wir ihn ein bisschen bremsen, dass er nicht der ganzen Schule erzählt, wie es bei uns zuhause zugeht. Aber da hat er ein sehr feines Gefühl entwickelt, und es gab bisher keine Klagen…“, Bjørn lachte.

„Sein Problem ist, er ist mit Männern sehr viel schneller vertrauensselig als mit Frauen. Leider hat seine Lehrerin das auch schon bemerkt und uns ermahnt, das ‚weibliche Element‘ in der Erziehung mehr zum Zuge kommen zu lassen. Er geht zwar gern zu Tante Rita und verehrt auch seine Lehrerin sehr, aber die Mädchen in seiner Klasse werden mehr nach ihren technischen Fähigkeiten und nach ihrer Kraft beurteilt. Starke Menschen faszinieren ihn sowieso, egal welches Geschlecht und ob alt oder jung“.

„Ich bewundere Euch sehr, dass Ihr es schafft, neben der Arbeit auf Eurem Hof auch noch den Jungen zu erziehen“.

„Das ist kein großes Problem. Albert ist ja quasi auf unserem Hof groß geworden und hat früh gelernt, dass zwar immer jemand für ihn da ist, er aber nicht immer der Mittelpunkt sein kann“.

Zum Essen hatten wir uns alle bei Carolis verabredet. Deshalb rief Bjørn seinen Pflegesohn und schloss die Türen des Hauses ab, bevor wir uns auf den Weg machten.

Albert kam völlig außer Atem aus dem Olivenhain angelaufen, strahlte und meinte, er habe sich mit einer ‚Pussi‘ angefreundet und ein Junge sei auch dagewesen. Der sei wohl so alt wie er, habe immer nur gelacht und ihn nicht verstanden, obwohl er doch Italienisch mit ihm gesprochen habe.

„Das war der kleine Pino. Der kann nicht hören. Deswegen wollen die anderen Kinder nicht mit ihm spielen“.

„Ach so“. Albert wurde sehr nachdenklich. „Bei uns in der Schule ist auch ein Mädchen, die nichts hören kann. Ein Lehrer macht für sie immer Zeichen und gibt ihr ganz viel zu lesen. Ich habe ihm ein paar Zeichen abgeguckt und damit ist das dann wie mit richtigem Reden“.

„Davon hast Du ja noch nie erzählt“, bemerkte Bjørn erstaunt.

„Ist doch auch nicht wichtig. Ich erzähle Dir ja auch nicht alles, was ich mit Ole (sein bester Freund) rede“.

Wiedermal verblüffte uns Alberts Logik. Das Thema ließ ihn aber trotzdem den Rest des Tages nicht mehr los, und er fing auch beim Essen wieder davon an.

Bei Carolis war inzwischen Andrea das Oberhaupt der Familie, wenn auch Mama das Regiment in Haus und Küche führte. Vater Caroli war vor einigen Jahren nach einem Schlaganfall im Gewächshaus zusammengebrochen und hatte anschließend nur noch wenige Tage im Krankenhaus überlebt. Obwohl Don Enrico nicht mehr als Pfarrer praktizieren durfte, hielte er die Trauerrede. Es wurde später berichtet, es sei die größte Beerdigung gewesen, die das Dorf bis dahin erlebt hatte.

Der Esstisch war im Garten der Carolis aufgebaut. An einer Stirnseite saß Andrea und neben ihm sein geliebter Enrico. Auf der gegenüberliegenden Seite thronte Mama und neben ihr, wie schon vor über zwanzig Jahren, Bianca und Elisabeta.

Anders und Vatern saßen neben einander und wirkten mit ihren luftigen weißen Hemden, ihren Strohhüten und den weiten Leinenhosen wie zwei Gestalten aus einem Roman von Hemingway. Mama bestand darauf, dass ‚il bambino‘ in ihrer Nähe saß, damit sie ihm hin und wieder über den Kopf streicheln und aufpassen konnte, dass er nicht verhungert. Wenn sie es auch nicht sagte, aber sie war der festen Überzeugung, dass Frauen besser geeignet waren Kinder zu versorgen als Männer.

Albert hatte von Anfang an begriffen, dass er sich mit den Frauen hier gut stellen musste, wenn er etwas bekommen wollte, das ihm bei Roberto und Bjørn seiner Meinung nach ungerechter Weise vorenthalten wurde. Dazu zählten selbst gemachtes Eis in unbegrenzter Menge und die harten, sündhaft süßen italienischen Nuss-Kekse. Darüber hinaus hatte er bereits entdeckt, dass auf dem hinteren Teil des Grundstücks der alte Swimmingpool in Betrieb war, den Carolis in dem Jahr gebaut hatten, in dem ich das erste Mal zusammen mit Vatern in Italien gewesen war.

Mama Caroli erlaubte ihm jederzeit zum Baden zu kommen. Das sei ihrer Meinung um ein Vielfaches besser als im dreckigen Meer zu schwimmen. Bei Bjørn beschwerte er sich lediglich, dass er weder eine Badehose noch eine „schicke“ kurze Hose habe.

„Ok, wir gehen morgen alles kaufen. Aber sag mir mal, was an Deiner kurzen Hose falsch ist, die Du jetzt anhast“.

„Ich möchte so eine wie Onkel Andrea hat“.

„Aha… sowas kann man aber nicht kaufen“.

„Warum nicht?“

„Weil das eine alte Hose ist, die er einfach abgeschnitten hat“.

„Dann kannst Du meine alte Hose auch abschneiden“.

„Du hast keine alte Hose. Die sind alle neu“. Bjørn wollte diese Diskussion gern abschließen, aber Andrea mischte sich ein: „Lass den Jungen doch. Meine Mutter hat bestimmt noch eine alte Hose aus der Zeit, als ich in seinem Alter war, die sie ihm zurecht machen kann“.

„Si, certo!“. Mama Caroli strahlte und verschwand.

Die Mädchen und wir kümmerten uns um den Abwasch und legten uns nach einem abschließenden Grappa auf den Rasen und machten eine Siesta.

Als wir nach einer halben Stunde wieder aufwachten, stand Albert stolz vor uns und präsentierte eine fast 40 Jahre alte recht knapp abgeschnittene grobe Leinenhose, die ihm irgendwie das Aussehen von Tom Sawyer gab. Er fragte, ob er wieder zu unserem Haus zurückgehen dürfe. Er wolle „seiner“ kleinen Katze ein paar Fischreste bringen.

„Lauf zu! Spätestens zum Abendbrot kommst Du aber rein, ok?“

„Ja, darf ich vorher baden?“

„Ich denke, Du hast keine Badehose?“

„Onkel Andrea hat gesagt, ich brauche keine. Er und Ihr würdet auch ohne baden“.

„Wie Du willst. Aber heute baden wir nur hier, ok“.

„Alles klar. Ich komme nachher“.

Anders und Vatern zogen sich in ihr Häuschen zurück, da ihnen die Mittagshitze zu schaffen machte.

Andrea holte Handtücher für uns andere, und wir gingen zum Swimmingpool hinter der alten Ölmühle, die Enrico und er sich zu einer recht luxuriösen Wohnung umgebaut hatten.

Dass das Pool mal eine alte Wasser-Zisterne gewesen war, konnte man heute nur noch ahnen. Die Form des Beckens war zwar geblieben, aber inzwischen war alles blau gefliest und die ehemals hohe Kante mit Erde angeschüttet. So wirkte der Hügel, auf dem der Swimmingpool lag, von weitem wie ein kleiner Vulkan.

Auf der Wiese drum herum standen mehrere weiße Plastikliegen mit bunten Auflagen. Auf einer lag Enrico, nackt, nur mit einer Sonnenbrille bekleidet. Er schien fest zu schlafen und ließ sich auch durch unsere laute Unterhaltung nicht stören.

Wir hatten uns schnell ausgezogen und sprangen einer nach dem anderen ins recht kühle Wasser. Ich fühlte mich über zwanzig Jahre zurückversetzt und dachte an die unersättliche Lust, die ich damals genau hier an der Ölmühle gespürt hatte. Den muffigen Geruch der Zimmer, das eiskalte Wasser der Zisterne, Andreas Monsterschwanz und Gus‘ dauergeiler, immer aktiver, eisenharter Kolben manchmal mehrmals am Tag in meinem Anus und beim Ficken eine der traumhaftesten Aussichten in ganz Ligurien. Inzwischen waren wir zwar ruhiger geworden, aber den Blicken nach zu urteilen, die wir uns alle immer wieder zuwarfen, war unsere Lust auf Sex und Spaß kein bisschen vergangen.

So blieb es nicht aus, dass Roberto und Bjørn sich für Andreas gewaltigen Schwanz interessierten. Gus und ich wurden gleichzeitig von Andrea mit warmen, liebevollen Küssen abwechselnd eingedeckt. Mal suchte ich unter Wasser nach Robertos hartem Schwanz und mal nach Bjørns heißem Kolben. Wir lachten und johlten und schmissen uns schließlich so nass, wie wir waren jeder auf eine der Liegen. Enrico nahm lediglich für einen kurzen Moment seine Sonnenbrille ab, grinste und schlief dann weiter.

Roberto und Bjørn hatten das Bedürfnis mit einander zu kuscheln und nahmen um sich herum kaum noch etwas wahr. Andrea kam zu mir und Gus und umschlang uns beide mit seinen starken, behaarten Armen. „Ich habe Euch beide immer noch sehr lieb und Ihr glaubt gar nicht, wie oft ich daran denke, was wir damals alles zusammen erlebt haben, als Ihr beide Euch hier in Italien kennengelernt habt“.

„Geht uns genauso… und… ich denke auch immer noch an unsere erste Nacht in Deiner Bude in Ce… . Gott war das geil“, flüsterte ich Andrea ins Ohr und schob seine steinharte Eichel ganz dicht an meine Rosette.

„Damals hast Du aber sehr gelitten. Das weiß ich“.

„Stimmt… aber Du Schlingel hast mich damals sexsüchtig gemacht. Seitdem kann ich kaum einem attraktiven Mann mehr widerstehen…obwohl… damals wollte ich nur Dich“.

„Ja, Du warst ungewöhnlich gierig nach Sex. Ich habe später nie wieder einen Mann mit einer so unbändigen Lust erlebt. Ist das immer noch so?“.

„Frag Gus! Ich glaube, ich bin viel ruhiger geworden“.

Andrea wendete sich Gus zu und knabberte ein bisschen an seinem Ohrläppchen.

„Ist Dein Walter ruhiger geworden in all den Jahren?“.

„Geduldiger, vielleicht… aber ruhiger kaum… wie Du siehst“, lachte Gus.

Jetzt war Enrico endgültig erwacht und betrachtete sich amüsiert das Geschehen ein paar Meter entfernt und kam dann auch zu uns herüber.

„Alles wie früher… mein Mann kann seine Finger nicht vom jungen Gemüse lassen“, feixte er und streichelte Andrea den Nacken.

„Aber, ich verstehe es ja. So viele hübsche Männer sind nur ganz selten hier bei uns im Garten. Die Gelegenheit darf man sich nicht entgehen lassen“.

Ich gebe zu, ich genoss Andreas harten, dicken Schwanz, der sich in meinen Anus drückte. Ja, und ich genoss es, als Gus‘ strammer, gerader Kolben sich fast im gleichen Moment in meinen Rachen entleerte, als Andrea meinen Darm mit seinem Sperma füllte. Es gab in diesem Moment nichts Schöneres als zwischen den beiden eingeklemmt zu sein.

Auch aus der Richtung von Bjørn und Roberto hörte man lustvolles Stöhnen und tiefe Seufzer der Zufriedenheit.

Wir schoben unsere Liegen zusammen und ließen unsere nassen Körper in der Sonne trocknen.

Bjørn richtete sich auf und fragte: „Hat jemand von Euch etwas von Albert gesehen?“

Alle schüttelten mit dem Kopf. Daraufhin zog Bjørn sich seine Hose über und machte sich in Richtung unseres Hauses auf. „Ich schau mal, was er macht“.

Als er am Olivenhain ankam, der das Ferienhaus fast ganz umschloss, sah er seinen Pflegesohn schon von weitem und war erleichtert.

Albert und der kleine Pino saßen sich im Schneidersitz gegenüber, lachten und gestikulierten. Um sie herum waren ein gut Teil von Alberts Spielzeugautos verteilt und jede Menge kleine Steinhügel aufgeschichtet.

„Schatz, wolltest Du nicht baden?“.

„Nein, jetzt nicht. Wir spielen gerade“.

„Ok, wir essen in einer Stunde“.

„Darf Pino morgen mit zum Baden kommen?“

„Ja, klar. Er muss aber seine Eltern fragen“.

Albert versuchte mit Schwimmbewegungen und einigen Finger- und Mundbewegungen zu übersetzen. Pino schien sofort zu verstehen, strahlte und nickte heftig mit dem Kopf.

Bjørn begriff sofort, dass sich hier eine Freundschaft entwickelte, die es zu fördern galt.

„Wenn Pino möchte, kann er mit uns essen. Sag ihm, er soll zuhause fragen. Es gibt in einer Stunde Abendbrot“.

Albert war begeistert und tippte Pino an, damit er seinen Zeichen folgte. Bjørn war verblüfft, wie professionell sein Pflegesohn mit dem kleinen, tauben Pino kommunizierte. Der schaute ihn zwar hin und wieder verständnislos an, war aber hoch konzentriert und verstand letztendlich fast alles.

„Es ist unglaublich, was Kinder schaffen, wo wir Erwachsenen längst aufgegeben würden“, dachte Bjørn bei sich.

Eine halbe Stunde später kam Albert atemlos in die Küche gelaufen und meinte, Bjørn oder Roberto müssten unbedingt zu den Eltern von Pino kommen. Sie wollten wissen, warum ihr Sohn zum Essen eingeladen sei.

Roberto lächelte: „Das habe ich mir gedacht. Es ist nicht üblich, in Italien Kinder alleine zum Essen einzuladen. Entweder die ganze Familie oder keinen. Aber ich schau mal, was ich machen kann. Wenn das vernünftige Leute sind, werden sie ihrem Sohn den Spaß gönnen“.

Es dauerte noch einmal eine ganze Stunde, bis Roberto Hand in Hand mit den beiden Jungs wieder bei uns auf der Terrasse auftauchte.

„Ich musste erstmal unsere ganze Lebensgeschichte erzählen und hoch und heilig schwören, dass wir alle bei nächster Gelegenheit eine Gegeneinladung zum Essen bei unseren Nachbarn annehmen werden. Pinos Eltern sind sehr nette Leute. Sie haben eine kleine Blumenproduktion und bewirtschaften die Oliven hier am Haus. Pinos Taubheit ist übrigens angeboren. Ein Arzt hat allerdings gesagt, man könne ihn vielleicht operieren, wenn er größer ist. Die Eltern müssten aber die Operation selber bezahlen. Dafür legen sie jetzt jeden Pfennig zurück“.

„Tja, da sind noch gewaltige Unterschiede im Gesundheitswesen zwischen Italien, Deutschland und Norwegen. Europäische Union hin oder her…“.

Da es noch immer sehr warm war, hatten wir kurzerhand die Leckereien aus unserem Kühlschrank auf einem großen Tisch auf der Terrasse aufgebaut und jeder konnte zugreifen.

Die beiden Jungs hingen zusammen wie die Kletten. Pino himmelte Albert förmlich an und folgte allen seinen Bewegungen und hing buchstäblich an seinen Lippen. Ich war fasziniert von dem kleinen Albert, der sich geduldig und ruhig bemühte, seinem neuen Freund möglichst viel zu erklären und zu verhindern, dass er sich ausgeschlossen fühlte.

„Kann ich Pino mein Feuerwehrauto schenken?“. Albert sah Bjørn fragend an. Der nickte nur.

„Schenk ihm das Auto lieber erst, wenn die Eltern dabei sind. Geschenke sind in Italien immer sehr verpflichtend. Die Eltern könnten glauben, sie müssten Dir dann auch etwas schenken“, mischte Roberto sich ein.

Ich sah deutlich in Alberts Gesicht, dass ihm Robertos Argument nicht ganz klar war. Er dachte aber intensiv darüber nach und meinte dann: „In Ordnung, dann schenke ich es ihm, wenn wir bei ihm zuhause sind und sage, dass er mir nichts schenken soll“.

Als Bjørn später Albert ins Bett brachte, fragte er ihn: „Warum wolltest Du Pino Dein Feuerwehrauto schenken? Du spielst doch so gerne damit“.

„Weil Pino gar keine Autos hat, und ihn die anderen Kinder nicht mitspielen lassen“.

Bjørn gab ihm einen Kuss und strich ihm über den Kopf. „Schlaf schön!“

Als Bjørn zu uns zurückkam, lächelte er und meinte: „Unser Pflegesohn hat eine soziale Ader, die ich so bei ihm noch nie bemerkt habe“.

„Auf jeden Fall scheinen sich die beiden gut zu verstehen. Das ist die Hauptsache“, fügte Roberto hinzu.

An den darauf folgenden Tagen besuchten Gus, Andrea und ich mehrere Gärtnereien. Alles kleine und kleinste Familienbetriebe, deren Existenz am seidenen Faden hing und die dringend Aufträge brauchten. Unser Konzept sah vor, dass diese Betriebe in eine Art Kooperative mit Carolis gehen und ihre Blumen gemeinsam vermarkten sollten.

Was sich in der Theorie gut anhörte, war in der italienischen Wirklichkeit nur schwer umsetzbar. Ein tiefsitzendes Misstrauen übervorteilt zu werden, war das größte Hindernis. Hinzu kamen hohe norwegische Qualitätsanforderungen, die zusammen mit einer Forderung nach Lieferzuverlässigkeit von vielen offenbar nicht eingehalten werden konnten oder wollten.

So war besonders Gus zunehmend demotiviert, und wir überlegten zusammen mit Andrea, ob es andere Lösungen geben könnte, eine stabile Belieferung mit italienischen Blumen für Grønnt Hus zu gewährleisten. Eine Lösung zeichnete sich ab, als wir eines Abends die Einladung der Eltern von dem kleinen Pino annahmen.

Luca und Antonia strahlten eine solche Herzenswärme aus, dass Gus später sagte, er habe sich vom ersten Moment an bei ihnen wie zuhause gefühlt. Bevor sie uns in ihrem Garten an einer langen Tafel zu Tisch baten, wollte Luca uns unbedingt seine Ranunkel-Produktion zeigen.

Auf den ersten Blick sahen die Beete hobbymäßig angelegt aus und erinnerten in keiner Weise an eine professionelle Produktion. Dann schaute Gus sich die Qualität der Blumen genauer an und war fast sprachlos vor Begeisterung. Solch eine Spitzenqualität wurde in Aalsmeer auf der Auktion zu Höchstpreisen gehandelt.

Luca besaß offensichtlich genau die Kenntnisse und Fähigkeiten, die Gus schon lange als Lieferant gesucht hatte. So war es nicht verwunderlich, dass sich die Gespräche beim Essen fast ausschließlich um Blumen drehten und die Kinder etwas in den Hintergrund rückten.

Luca kannte Andrea Caroli natürlich gut, hatte aber nie daran gedacht, mit ihm zusammenzuarbeiten. Jetzt kam er selbst auf die Idee, Carolis könnten doch seine Ware als Großhändler nach Norwegen oder Holland verkaufen. Bisher standen Antonia und Luca jeden Morgen in San Remo auf dem Blumengroßmarkt und waren von den Tagespreisen dort abhängig. Bei einer Zusammenarbeit mit Carolis könnte ein stabiler Preis für gleichbleibende Qualität garantiert werden.

Schließlich brachte Bjørn das Thema Kinder doch noch einmal ins Gespräch. Er wollte wissen, welche Chancen Pino hatte, eines Tages hören zu können. Auch die Sache mit dem Feuerwehrauto wollte er gerne geklärt haben.

Merkwürdigerweise war besonders Luca besonders auskunftsfreudig was die Behinderung seines Sohnes anging. Das geplante Geschenk machte ihm deutlich mehr Kopfschmerzen. „Ich möchte eigentlich nicht, dass Euer Sohn meinem Pino ein Geschenk macht. Wir können das nie wieder gut machen, und er soll lernen, dass man für jedes Geschenk auch etwas zurückgeben muss. Pino hat nichts, was er verschenken kann…“.

„Aber das macht doch nichts. Das kann Pino doch später mal machen. Wir werden öfter mal wieder hier sein, und die Jungs sehen sich doch bestimmt wieder. Es war Alberts ganz eigene Idee und ihm liegt sehr viel daran. Ich finde, wir sollten ihn nicht enttäuschen…“.

Luca war sehr ernst und dachte nach. Dann flüsterte er ein paar Worte mit Antonia, die schließlich nickte und lächelte.

„Also gut, lassen wir die Jungs das unter sich klären. Wir Erwachsenen sollten uns da vielleicht gar nicht einmischen. Aber sagt Albert, dass er von Pino später ruhig mal etwas fordern kann. Er soll wissen, dass Freundschaft verpflichtet“.

So sahen Bjørn und Roberto das zwar nicht, aber wollten mit Luca darüber nicht weiter darüber diskutieren. Später erläuterte Roberto uns und Albert noch einmal, welche Bedeutung solch persönliche Geschenke in Italien haben und vor allem, was man in Italien, besonders auf dem Lande, unter wirklicher Freundschaft verstand. „Amico“ war ein häufig gebrauchtes Wort und bedeutete erstmal gar nichts. Man konnte schnell mal in der Bar oder als Nachbar ein Amico sein, aber den Begriff „Amicizia“ also Freundschaft benutzten die Leute wesentlich sparsamer, denn der beinhaltete Vertrauen und Verpflichtung zugleich. Etwas, mit dem man gewohnt war vorsichtiger umzugehen. Er erklärte auch den Unterschied zwischen Aufmerksamkeit und Geschenk. Ein Blumenstrauß oder die Flasche Wein, die man als Dank für eine Einladung mitbrachte war eine Aufmerksamkeit. Ein Geschenk war etwas, zu dem man selbst eine persönliche Bindung, oder ganz persönlich für einen Menschen ausgesucht hatte. Man gab quasi etwas von sich selbst. Das machten Liebende unter einander, Eltern mit ihren Kindern, Großeltern mit ihren Enkeln und eben nur echte Freunde.

„Pino soll mein Freund sein“, stellte Albert klar.

„Du solltest aber herausfinden, ob er das auch wirklich will. Du kannst Dir die Freundschaft nicht mit Deinem Feuerwehrauto kaufen“.

„Ok, das mache ich“.

Einen Tag vor unserer Abreise saßen wir noch einmal im Garten von Carolis zusammen. Luca, Gus, Andrea und ich diskutierten über das zukünftige Blumengeschäft, Bjørn und Roberto lagen mit Enrico hinter der Ölmühle in der Sonne und Albert und Pino tobten im Swimmingpool.

Luca meinte, er habe seinen Sohn noch nie so fröhlich und ausgelassen gesehen wie in den letzten Tagen. Zuhause rede er nur noch von seinem neuen Freund Albert. In seiner Zeichensprache bezeichne er ihn mit einem großen A und einem Herz.

Einem Außenstehenden, der den beiden Jungs beim Spielen zusah, wäre das vermutlich unverständlich gewesen, denn Albert ging nicht gerade zaghaft mit Pino um. Nicht selten nahm er ihn in den Schwitzkasten und tauchte ihn recht rüde unter, tauchte nach seinen Beinen und zog ihn unter Wasser und hatte auch überhaupt keine Hemmungen, ihm zwischen die Beine zu greifen und kräftig an seinem kleinen Schwanz zu ziehen. Pino schien das alles nur anzustacheln, noch mehr mit dem Wasser zu spritzen und zu juchzen.

Schließlich setzten die beiden sich völlig erschöpft auf den Beckenrand, legten sich gegenseitig die Arme um die Schultern und blinzelten in die Sonne.

„So entstehen Freundschaften“, grinste Robert.

„Ich glaube, das ist für beide ganz wichtig“, fügte Bjørn hinzu.

Albert und Pino sind auch heute – 29 Jahre später – immer noch unzertrennliche Freunde. Pino kann inzwischen hören, spricht neben Deutsch und Englisch fließend Norwegisch und ist manchmal mehr Wochen im Jahr auf Bjørnstangen als in Ligurien. Aber zu all dem später mal mehr.

Der Abschied zwischen den beiden Jungs am nächsten Tag war im wahrsten Sinne des Wortes herzzerreißend. Die Tränen flossen bei beiden in Strömen. Sie hielten sich sogar beim Frühstück an den Händen und wollten sich kaum loslassen, als wir in Andreas Auto stiegen, um zum Flughafen zu fahren. Albert war auch auf dem Flughafen noch nicht zu beruhigen. Wäre es nach ihm gegangen, wäre er bei seinem Freund in Italien geblieben und hätte uns ziehen lassen.

Als wir wieder zuhause waren, setzte sich Albert sofort hin und schrieb einen Brief an Pino, den Roberto übersetzen musste. Dazu malte er zwei Bilder. Eines auf dem seine Interpretation von Bjørnstangen und seiner Bewohnern zu sehen war und eines, das ihn und Pino nackt im Garten von Carolis zeigen sollte. Roberto fiel auf, dass Albert sein Geschlechtsorgan nur ganz undeutlich und klein und das von Pino ziemlich deutlich und groß dargestellt hatte, obwohl die Wirklichkeit genau anders herum war. Er wollte Albert darauf nicht ansprechen und hoffte nur, dass Pinos Eltern die Malereien nicht überbewerten würden. Zu dem Brief sagte er nur, dass es das Rührendste gewesen sei, was er bis dahin von einem Kind gelesen habe.

In den Wochen und Monaten danach kam fast wöchentlich Post aus Italien. Um die Weihnachtszeit herum machte Bjørn dann den Vorschlag, Albert könne doch Pino mal für die Osterferien nach Bjørnstangen einladen. Er wusste, dass dieser Vorschlag mit Luca und Antonia vorher abgestimmt werden musste, und sie es auf gar keinen Fall missverstehen durften, wenn er die Kosten für die Reise übernahm. Gleichzeitig wollte er ihnen vorschlagen, Pino einem Ohren-Spezialisten im Rikshospital in Oslo vorzustellen. Die italienischen Ärzte hatten gesagt, ab dem elften oder zwölften Lebensjahr könne man eventuell über eine Operation nachdenken.

Bjørn hatte sich sowohl in Deutschland, den Niederlanden und Norwegen über Chancen und Möglichkeiten für eine Korrektur von Pinos Gehörschaden informiert. In der Kinderabteilung des Rikshospitals hatte man offenbar ein amerikanisches Verfahren bereits mehrfach erfolgreich angewendet. Daraufhin hatte er mit dem Chefarzt vereinbart, dass sie mit Pino auch kurzfristig zu einem Gespräch vorbeikommen könnten.

Als Bjørn mir von seiner Idee erzählte, schlug ich vor, Luca zu einem Besuch von Grønnt Hus einzuladen und ihm anzubieten, seinen Sohn mitzubringen. Dann brauche er sich in keiner Weise verpflichtet zu fühlen und man könne ihm vielleicht behutsam klarmachen, dass Pino auch bei norwegischen Ärzten gut aufgehoben war.

Was die Kosten der OP für den kleinen Pino anging wollten Gus, Bjørn, Roberto und ich eine Art Spendenaktion ins Leben rufen, wovon Luca natürlich erstmal nichts wissen sollte. Später würden wir behaupten, das staatliche, norwegische Gesundheitssystem sei so sozial, dass Luca sich keine Gedanken über die Kosten machen brauchte…. Was natürlich nicht stimmte und von ihm jederzeit hätte entlarvt werden können.

So gingen also die Einladungen nach Italien raus. Hoch offiziell von Grønnt Hus an Luca und mehr persönlich und mit jeder Menge Kinderzeichnungen versehen von Albert an Pino.

Als unser Chef Egil von unseren Plänen hörte, war er der erste ‚Großspender‘ und versprach sogar, eventuelle Fehlbeträge im Notfall auszugleichen. Auch Tinus war sofort dabei und sagte seine Unterstützung zu.

Zehn Tage vor Ostern kamen Vater und Sohn auf Fornebu an. Roberto und Albert waren bereits eine Stunde vor Ankunft des Fluges aus Nizza auf dem Flughafen. Albert war in alle Pläne eingeweiht und zu strengstem Stillschweigen verpflichtet. Er versprach, sich nicht zu verplappern, war aber so fürchterlich aufgeregt, seinen Freund wiederzutreffen, dass Roberto die größten Befürchtungen hatte, der Plan könnte durch ein unbedachtes Wort oder ein Missverständnis an Vater Luca scheitern.

Als die ersten Passagiere der SAS-Maschine aus Nizza durch die Absperrung des Transitbereichs kamen, hatte Albert seinen Pino bereits für einen kurzen Augenblick entdeckt. Jetzt hielten ihn auch Robertos strenge Rufe nicht mehr zurück, sondern er schlüpfte zwischen den Menschen hindurch in den Transitbereich. Wild gestikulierend lief er auf seinen Freund zu und fiel ihm um den Hals. Luca beachtete er keines Blickes.

Ein Zollbeamter hatte die Szene beobachtet, war erst sehr verärgert und hatte dann Roberto streng angeschaut, war Albert gefolgt, hatte seine bereits unruhig werdenden Kollegen beruhigt und schließlich Luca und die beiden Kinder nach draußen begleitet. „Sie müssen aber besser auf Ihren Sohn aufpassen. Das kann richtig teuer werden“, lächelte er und verabschiedete sich mit einem freundlich gehobenen Zeigefinger in Richtung Albert. Roberto nickte nur und bedankte sich, weil er ahnte, dass ein Erklärungsversuch der Vaterschaft nur noch mehr Probleme schaffen würde.

Von jetzt ab beschäftigten sich die beiden Jungs ausschließlich mit sich selbst und gestikulierten und lachten. Roberto fiel auf, dass Pino immer wieder Wörter zu formen schien und sie auszusprechen versuchte. Dabei erstaunte ihn besonders, dass Albert diese Versuche zu verstehen schien und mit Pino so kommunizierte, als sprächen sie ganz normal mit einander.

Er begrüßte Luca herzlich und machte den Vorschlag als erstes zur Firma Grønnt Hus zu fahren, um Egil und Erik kennenzulernen und die nächsten Tage gemeinsam zu planen.

Joachim zeigte Albert und Pino die Gewächshäuser, während wir uns nach einem kurzen Rundgang im neu eingerichteten Konferenzzimmer mit Luca über italienische Blumenproduktion und das neue Geschäftsmodell unterhielten.

Ganz nebenbei fragte Egil Luca plötzlich nach der Gehörlosigkeit seines Sohnes. Er sagte, er habe selbst eine gehörlose Nichte und wäre immer ganz besonders an dem Schicksal gehörloser Kinder interessiert.

Luca faste sofort Vertrauen und erzählte, dass es sich bei Pino um eine Verwachsung in beiden Mittelohren handle, die operativ korrigiert werden könne, aber es nur wenige Fachärzte auf der Welt gäbe, die das bei Kindern machen würden.

„Da habt Ihr großes Glück. Oft lassen sich solche Schäden gar nicht operieren. Wir haben hier in Oslo einen Professor, der sich mit Ohren-Problemen bei Kindern sehr gut auskennt und Weltruf genießt“.

„Leider haben wir für solche Ärzte kein Geld. In Italien muss ich jede private Konsultation eines Facharztes für Pino selbst bezahlen. Unser Kinderarzt will Pino nicht überweisen, da er der Ansicht ist, die Behinderung sei angeboren und eine Operation hätte keinen Erfolg“.

„Hier bei uns in Norwegen ist das ein bisschen anders. Wenn Du möchtest, ruft Walter morgen im Rikshospital an und macht für Euch einen Termin bei dem Professor. Das kostet Dich nichts und Du bekommst eine kompetente Meinung“.

Luca sah Egil an, als habe er ihn nicht verstanden, wendete sich dann an Roberto, sagte etwas auf Italienisch zu ihm und bat ihn zu übersetzen.

„Luca hat Angst, dass der Professor ebensolche Hoffnungen wecken könnte, wie es ein Facharzt in Italien auch schon getan hat. Aber seine Frau und er würden noch Jahre brauchen, bis sie endlich das Geld für eine OP zusammen hätten. Es wäre aber ziemlich sicher, dass die Aussichten auf eine erfolgreiche OP mit jedem Jahr sinken. Erwachsene können kaum noch operiert werden“.

„Deshalb habe ich ja den Vorschlag gemacht. Vergiss mal die Kosten. Daran scheitern in Norwegen keine notwendigen Operationen bei Kindern“.

Wir sahen Luca an, dass er in einem Gewissenskonflikt war. Einerseits wollte er sich durch unsere Hilfe nicht abhängig machen, andererseits liebte er seinen Sohn so sehr, dass er vermutlich alles dafür getan hätte, damit sein Sohn hören könnte.

„Würde denn der ‚Professore‘ so schnell für mich und meinen Sohn einen Termin frei haben?“

„Das klärt Walter gleich. Mach Dir keine Sorgen. Das wird schon klappen“.

Da wir ja schon alles vorbereitet hatten, bekam ich einen Termin in der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung des Rikshospitals bereits für den folgenden Nachmittag.

Obwohl Gus und ich auf Gäste nicht vorbereitet waren, machten wir Luca den Vorschlag, zusammen mit Pino bei uns zu übernachten. Wir wollten die beiden Jungs nicht gleich wieder trennen, daher fragten wir Albert, ob er auch Lust hätte, die Nacht über bei uns zu bleiben. Sie müssten zwar in einem Bett schlafen, aber wir wären dann am nächsten Tag schneller im Krankenhaus und könnten uns mit Luca vorher sogar noch einige Blumenläden anschauen.

Luca wollte unbedingt in ein Hotel gehen, um uns nicht zur Last zu fallen. Als ihm Gus jedoch die norwegischen Zimmerpreise nannte, sah ich ihm an, dass er regelrecht erschrak und schließlich doch einverstanden war mit zu uns zu kommen.

Wir vereinbarten mit Roberto, Albert, Luca und Pino am nächsten Abend nach Bjørnstangen zu bringen. Eine Zahnbürste für Albert kauften wir noch auf dem Nachhauseweg.

Die beiden Jungs tobten durch unseren Garten und beschlossen dann, an einem kleinen Bach, der durch unser Grundstück plätscherte, einen Staudamm zu bauen.

Wir verfolgten ihre Aktivitäten von unserer Terrasse aus, während wir uns mit Luca unterhielten und gemütlich eine Flasche Rotwein leerten.

Als sich am unteren Ende unseres Gartens ein kleiner Teich zu bilden begann und die beiden Jungs mit hochgekrempelten Hosenbeinen durchs kalte Wasser wateten, beschloss Gus die beiden davon zu überzeugen, dass Abendbrot und Fernsehen ähnlich spannende Tätigkeit sein könnten.

Luca schien sich um seinen Sohn keine Sorgen zu machen und bedeutete ihm lediglich, er solle sich Strümpfe anziehen, wenn er ins Haus käme.

Albert zupfte Gus am Ärmel und flüsterte: „Hast Du einen Schlafanzug für mich?“

Daran hatten wir natürlich nicht gedacht. „Kannst Du auch in Unterhose und Unterhemd schlafen?“

„Von Bjørn kriege ich immer ein Hemd. Hast Du kein altes Hemd?“

„Ja klar, habe ich“.

Luca bekam unser Gästezimmer und die beiden Jungs mussten sich ein altes Bett teilen, das in unserem Partykeller eigentlich als Sofa diente. Hier hatten sie ihr eigenes Reich, sogar mit Fernsehapparat und einem kleinen Bad gleich um die Ecke.

Adam entdeckte sofort unseren Schrank mit Gesellschaftsspielen. Erstaunlicherweise einigten sich beide schnell darauf, eine Runde Schach zu spielen.

Als Gus und Luca nach etwa drei Stunden noch einmal nach den beiden sahen, schliefen beide eng umschlungen tief und fest. Auf dem Schachbrett standen auf beiden Seiten lediglich noch der König, ein Springer und ein Bauer.

Je näher am nächsten Tag der Termin im Rikshospital rückte, desto nervöser wurden sowohl Vater wie Sohn. Ich begleitete beide, um bei sprachlichen Schwierigkeiten zu helfen. Es stellte sich allerdings heraus, dass der Professor gut Italienisch sprach und vor allem zu Pino sofort ein vertrauensvolles Verhältnis hatte. Luca wirkte durch den gut organisierten Klinikbetrieb und nicht zuletzt den Arzt selbst etwas eingeschüchtert. Ein „Professore“ nötigte fast jedem Italiener irgendwie Respekt ab.

Alles in allem dauerte das Gespräch und eine anschließende Untersuchung etwa zwei Stunden. Dann meinte der Professor, Pino habe wahnsinniges Glück. Ein nur verhältnismäßig kleiner Eingriff an beiden Ohren könne sein Hörvermögen auf 60 bis 80 Prozent herstellen und es sei ihm völlig unverständlich, warum die italienischen Kollegen eine solche OP noch nicht schon längst veranlasst hätten. Er wolle sich aber noch einmal mit den behandelnden Ärzten in Verbindung setzen und würde sich noch vor Ostern bei uns wieder melden.

Luca war verwirrt, nachdenklich und glücklich zugleich. Pino hatte problemlos begriffen worum es ging, und versuchte Albert alles haarklein durch Gesten und schnell gezeichnete Bilder zu erklären.

„Wie kommt Pino eigentlich in der Schule klar?“, fragte ich Luca.

„Er geht auf eine Förderschule. Dort geben sie sich sehr viel Mühe, aber da er dort zusammen mit geistig behinderten Kindern unterrichtet wird, lernt er wenig. Er ist zwar der Beste in der Klasse, aber Rechnen, Lesen und Schreiben haben eigentlich Antonia und ich ihm beigebracht. Der Lehrer hat mir ganz klar gesagt, er halte es für sinnlos, dass ich versuche, ihm Englisch beizubringen. Aber das stimmt nicht. Er lernt sehr schnell und kann heute schon englische Comics lesen… und für Computer interessiert er sich auch. Ein Kollege vom Großmarkt in San Remo lässt ihn jede Woche ein paar Stunden an seinem Computer lernen. Wir können uns leider keinen leisten“.

„Oh, dann wird’s aber höchste Zeit, dass er besser gefördert wird. Ich habe bemerkt, dass Pino außergewöhnlich intelligent ist und eine schnelle Auffassungsgabe hat. Es wäre eine Sünde, ihm nicht zu helfen“.

Luca sah mich dankbar an und schien glücklich zu sein, endlich jemanden gefunden zu haben, der ihn verstand.

Einen Tag vor Lucas und Pinos Abreise kam endlich ein Anruf vom Rikshospital. Der Professor riet dringend zu einer Operation. Der Eingriff sei nicht ganz so unkompliziert, wie er erst vermutet habe, aber es gäbe aus medizinischer Sicht keine Bedenken, ihn so schnell wie möglich auszuführen. Er wäre dazu jederzeit bereit.

Albert war der erste, der die ganze Tragweite dieser Mitteilung sofort erkannte.

„Papa, (er hatte sich angewöhnt, Bjørn inzwischen Papa zu nennen) kann Pino dann richtig hören, so wie ich?“.

„Ich vermute ja“.

„Dann kann er ja auch auf eine richtige Schule gehen“.

„Ja sicher“.

„Dann könnten wir doch in eine Klasse gehen“.

„Schatz, wie stellst Du Dir das denn vor?“

„Na ja, Pino bleibt hier bei uns… und wir gehen jeden Morgen zusammen zur Schule“.

„Ehy, er ist Italiener und kann kein Norwegisch. Hast Du das vergessen?“

„Doch, er kann schon ganz viel Norwegisch. Ich habe es ihm beigebracht“.

„Was hast Du? Wie hast Du das denn gemacht?“

„Das ist ganz einfach. Er oder ich haben einen Gegenstand oder etwas anderes gemalt und dann immer das italienische und das norwegische Wort drunter geschrieben. Und manchmal kann er auch von meinen Lippen ablesen, wenn ich etwas auf Norwegisch sage…“.

Bjørn war so erstaunt, dass er mich hilfesuchend anschaute und leise fragte:

„Glaubst Du, dass das möglich ist?“

„Ja, warum nicht? Ich traue den beiden alles zu“.

Laut sagte Bjørn zu Albert: „Jetzt müssen erstmal Pinos Papa und seine Mutti überlegen, was sie tun wollen und dann sehen wir weiter“.

„Aber Du hilfst Ihnen doch, oder?“

„Natürlich Schatz, das machen wir alle. Onkel Gus, Walter und noch viele andere. Aber das geht alles nur, wenn Pino operiert werden möchte und seine Eltern damit einverstanden sind“.

„Pino ist einverstanden“, war sich Albert sicher.

Luca war so überwältigt von der Hilfsbereitschaft des norwegischen „Professore“ und seinen norwegischen „Amici“, dass er immer wieder in Tränen ausbrach, wenn wir auf das Thema zu sprechen kamen; bis Albert einen Moment beim Abschied auf dem Flughafen abpasste, an dem er allein mit Luca sprechen konnte.

In einer Sitzgruppe des Wartebereichs saßen sich beide gegenüber und hielten sich an den Händen. Albert schien unablässig zu reden und Luca schaute mit gesenktem Kopf auf den Boden. Plötzlich sprangen beide auf und kamen springend auf uns zu. So als ob sie gerade ein neues Spiel erfunden hätten. Da gerade der Flug nach Nizza aufgerufen wurde und alles sehr schnell gehen musste, hatten wir keine Möglichkeit, Albert zu fragen, was er mit Luca besprochen hatte.

Diesmal war der Abschied der beiden Kinder jedenfalls alles andere als traurig, und wir Erwachsenen versprachen uns, noch einmal mit einander zu telefonieren und uns so bald wie möglich wieder zu treffen.

Albert winkte noch lange, nachdem er unsere beiden italienischen Gäste schon gar nicht mehr sehen konnte und wollte unbedingt auf die Aussichtsterrasse, um das Flugzeug starten zu sehen. Wir taten ihm den Gefallen, obwohl wir eigentlich längst schon wieder auf dem Rückweg nach Bjørnstangen sein wollten.

Erst als wir zusammen mit Bjørn und Roberto am Abendbrotstisch saßen, fragte ich Albert, was er denn zu Luca am Flughafen gesagt hätte.

„Ich habe nur gesagt, dass ich ihn sehr gern habe, und er sich keine Sorgen machen soll wegen des Geldes für Pinos Operation. Ich würde ihm mein ganzes Sparschwein geben und er brauche das Geld auch nicht zurückzahlen… Na ja, und dann habe ich gesagt, dass Pino bei mir in meinem Zimmer wohnen könne, wenn er länger in Norwegen bleiben muss … und, dass ich fände, eine norwegische Schule sei besser als eine italienische…“.

„Unser Herr Sohn… Du bist mir ein Schlingel. Mit Deinem Spargeld kannst Du machen, was Du willst, aber wer bei uns wohnt, bestimmen immer noch wir… Aber OK… in diesem besonderen Fall… und schließlich ist es ja Dein Zimmer… Übrigens, wo wolltest Du denn so lange schlafen und Deine ganzen Spielsachen unterbringen?“, schmunzelte Bjørn und sah seinen Pflegesohn belustigt an.

„Wieso? Das Zimmer ist doch groß genug für uns zwei“. Albert schaute seinen Pflegevater an, als ob er sagen wollte, so dumm kannst Du doch gar nicht sein.

Leise flüsterte Roberto mir ins Ohr: „Auweia, ich glaube, da bahnt sich der nächste Skandal auf Bjørnstangen an… nach dem Motto: ‚wir haben es ja schon immer gesagt, die beiden Männer machen den Sohn von Arild auch noch schwul…“. Roberto grinste, schien aber trotzdem etwas nachdenklich zu sein.

Tatsächlich kam fast alles so wie geplant. Der OP-Termin wurde auf den 22. Oktober gelegt. Ein halbes Jahr lang sollten anschließend eine regelmäßige Nachsorge und eine Heilbehandlung durch einen Logopäden stattfinden. Die Kostenübernahme war geklärt, nur Mama Antonia wollte ihren Liebling nicht alleine lassen. Schon gar nicht in diesem barbarischen, kalten Land der rauen Wikinger. Also begleitete sie ihren Sohn und zog ins Gästezimmer im Brygghus… auf unbestimmte Zeit.

Für einen kurzen Moment entstand ein paar Tage vor dem Operationstag eine mittelgroße Krise auf Bjørnstangen. Mama Antonia beobachtete die „Männerwirtschaft“ argwöhnisch und wollte schließlich das Regiment in Kjells Küche übernehmen. Was diesem überhaupt nicht passte, und er Bjørn und Roberto vor die Alternative stellte: sie oder ich.

Gottseidank kannte Roberto sich wenigstens ein bisschen mit der Mentalität italienischer Frauen aus und konnte Antonia klar machen, dass auf Bjørnstangen eigene Regeln galten, die jeder Bewohner zu befolgen hatte. Dazu gehörte, dass Kjell der unumschränkte Chef der Küche und des Haushaltes war, alle ihre Wünsche in Bezug auf Essen und Unterbringung vorbringen durften, aber entscheiden würde immer der Chef. Roberto erklärte ihr, dass dieses System bisher hervorragend funktioniert hatte, und sie nicht gewillt seien, daran etwas zu ändern. Kjell machte er den Vorschlag, Antonia einmal in der Woche italienisch kochen zu lassen und zu testen, wie das bei den anderen ankäme. So war der Frieden halbwegs wieder hergestellt.

Da Antonia sich unbedingt nützlich machen wollte, bekam sie von Magne einige Aufgaben im Gewächshaus, die ihr großen Spaß zu machen schienen. Besonders mit Andreas verstand sie sich gut. Der seinerseits offenbar ganz dankbar war, auch mal mit einer Frau sprechen zu können. Darüber hinaus traf Antonia sich zweimal die Woche mit Tante Rita und half mal auf Bekketangen und mal auf Bergstad-Gård bei den Arbeiten im Haushalt.

Die beiden Jungs teilten sich, wie geplant, Alberts Zimmer, das durch ein zweites Bett jetzt etwas kleiner geworden war.

Am Tag der Operation war die Aufregung bei Antonia am größten. Sie konnte nicht begreifen, dass ihr Sohn die ganze Nacht tief und fest geschlafen hatte. Dass er sein Bett kaum benutzte sondern viel lieber zusammen mit Albert in einem lag, blieb ihr glücklicherweise verborgen.

Die Aufnahme in der Kinderklinik des Rikshospitals ging reibungslos. Eine sehr freundliche Krankenschwester zeigte Pino sein Zimmer und bat Roberto und Antonia in etwa sechs Stunden wiederzukommen. Dann wäre vermutlich das Schlimmste überstanden.

Ich hatte beide zu uns nach Hause eingeladen, damit Antonia sich entspannen konnte und die Sicherheit hatte, gegebenenfalls telefonieren zu können.

Als Antonia und Roberto auf die Kinderstation kamen, hatte die freundliche Krankenschwester offenbar schon auf sie gewartet. Sie machte ihnen sofort ein Zeichen, ihr zu folgen und brachte sie zu Pinos Zimmer.

Der kleine Kerl lag in seinem Bett wie festgenagelt, mit dicken weißen Verbänden auf beiden Ohren, die aussahen wie überdimensionale Kopfhörer. Vor ihm lag eine kleine Schiefertafel. Er war noch etwas verschlafen, lächelte aber und griff sofort nach der Tafel. Mit etwas ungelenker Schrift schrieb er: „Dov'è Albert?“ [Wo ist Albert?]

Antonia war tief enttäuscht. Sie hatte geglaubt, ihr Sohn würde sich freuen, sie zu sehen. Was er allerdings auch tat. Er schaute sie glücklich an und drückte ihre Hand.

„Oh, Tesorino!“ Antonia erklärte in Gebärdensprache, dass Albert wegen Infektionsgefahr nicht mitkommen durfte und mit mir draußen im Auto wartete.

Pino versuchte tapfer zu lächeln, aber gleichzeitig rann eine Träne über seine Backe.

Gerade als Roberto Antonia noch einen Augenblick mit ihrem Sohn allein lassen wollte, kam der Professor mit der Krankenschwester zusammen ins Zimmer.

„Na, unser kleiner tapferer Held ist ja schon wach“. In Gebärdensprache schien er Pino zu fragen wie es ihm ginge. Dann fiel sein Blick auf die Tafel. „Wer ist Albert?“

„Ein Freund“, antwortete Antonia.

Daraufhin schüttelte Pino energisch den Kopf, was ihm allerdings weh zu tun schien. Er griff nach der Tafel, wischte den Text weg und schrieb: „Il mio migliore amico“. [mein bester Freund]

„Ach so, na dann… wo ist der kleine Mann denn?“

„Er wartet draußen im Auto“.

„Schwester, schauen Sie doch mal nach, ob wir da nicht etwas machen können. Wenn unserem Patienten hier so viel daran gelegen ist…“.

Pino schien erstaunlicherweise alles verstanden zu haben und lächelte glücklich.

Schon wenige Minuten später kam die Schwester mit Albert an der Hand zurück. Ich musste auf dem Gang warten.

Albert hatte darauf bestanden, Pinos Feuerwehrauto mitzunehmen. Er trug es vor sich her wie eine Trophäe. Als Pino ihn sah, lächelte er so glücklich, dass der Professor meinte: „Da mögen sich aber zwei sehr gern. Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, Gesichtsausdrücke von Kindern zu interpretieren. Den kleinen Albert hätten wir nicht draußen lassen dürfen“.

Die Schwester zwinkerte Albert zu und sagte: „Da musst Du wohl jetzt jeden Tag kommen, damit Dein Freund schnell gesund wird“.

Albert war durch die Krankenhausatmosphäre etwas eingeschüchtert, löste sich aber von der Hand der Schwester und ging ans Bett von Pino, gestikulierte ein bisschen und nahm dann die Tafel und schrieb: „Kannst Du schon was hören?“

Pino überlegte einen Augenblick und schrieb dann: „Ich glaube ja, es tut sehr weh“.

Der Professor, der das las, gab der Schwester ein Zeichen. „Geben Sie dem kleinen Mann etwas mehr Schmerzmittel! Bei uns soll keiner Schmerzen haben“.

Zu Antonia gewandt meinte er: „Ich bewundere Ihren Sohn. Er ist sehr tapfer. Vor allem aber ist er ungewöhnlich sprachbegabt, denn Alberts Gebärden sind für mich völlig unverständlich, aber Ihr Sohn scheint alles zu verstehen“.

„Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Ich dachte sie sprechen eine Art Geheimsprache“.

Der Professor lachte: „Da mögen Sie recht haben… nichts besser als das, in dem Alter“.

„Glauben Sie, dass mein Sohn schon etwas hören kann?“

„Ja, mit Sicherheit, allerdings muss sich sein Gehirn erstmal an die Geräusche gewöhnen, und er muss lernen, alle Töne richtig einzuordnen. Vor allem die eigene Sprache wird ihm unheimlich sein. Noch hört er alles sehr gedämpft, aber wenn die Verbände ab sind, muss er mit dem ‚Lärm‘ leben“, lächelte der Professor.

Schon am nächsten Tag kam ein Logopäde zu Pino und machte mit ihm die ersten Sprachübungen.

Albert und Antonia übernachteten bei uns und fuhren jeden Tag mit dem Zug zum Krankenhaus.

Albert hatte schnell alle Krankenschwestern und Pfleger mit seinem Charme um den kleinen Finger gewickelt. Wenn Pino oder er etwas wollten, bekamen sie es fast immer sofort. Selbst der Logopäde erlaubte Albert, bei seiner Therapie zuzuschauen. Antonia musste während der Zeit draußen bleiben. Er begründete das damit, dass er die ungewöhnliche Kommunikation der beiden Kinder für seine Behandlung ausnutzen wollte.

Albert beobachtete den Logopäden hoch konzentriert und versuchte sowohl Atem- wie Sprachübungen nachzuahmen, um sie dann später mit Pino weiter zu üben.

Antonia war eher skeptisch und hatte das Gefühl, ihrem Sohn würde zu viel zugemutet.

Am Entlassungstag waren Antonia und Albert schon ganz früh im Krankenhaus. Antonia hatte einen großen italienischen Kuchen gebacken und italienische Süßigkeiten für die ganze Station mitgebracht. Albert war der Ansicht, dass Pino unbedingt einen warmen Pullover bräuchte, da inzwischen bereits der Winter in Norwegen Einzug gehalten hatte. Deshalb hatte er eine seiner warmen Wollmützen mit Ohrenschützern und seinen dicksten Lieblings-Wollpulli für seinen Freund mitgebracht.

Zum Abschied standen einige Schwestern und der Professor auf dem Flur und winkten den zwei Jungs und Antonia hinterher. Plötzlich drehte sich Pino noch einmal um, ging auf den Professor zu, reichte ihm die Hand und sagte laut und deutlich auf Norwegisch und Italienisch: „Danke für alles!“

Die drei Wörter machten ihm deutlich Schwierigkeiten und er schien seiner eigenen Sprache noch nicht zu trauen. Für einen Augenblick schaute er den Professor unsicher an, dann strahlte er, zwinkerte ihm zu und sagte schwerfällig aber akzentuiert: „Albert“.

Der Professor lächelte, strich Pino über den Kopf und sagte leise: „Mach’s gut mein Junge und bewahre Dir Deine Freundschaft zu Deinem Albert!“.

Zu den Mitarbeitern gewandt sagte er: „Da seht Ihr, dass für eine gute Heilung viel mehr nötig ist als die Wissenschaft der Medizin“.

„Ich hätte nie gedacht, dass es Liebe unter Kindern geben kann…“, sagte eine Krankenschwester und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel.

Schweren Herzens willigte Antonia eine Woche später ein, dass Pino noch einige Zeit auf Bjørnstangen bleiben durfte, während sie allein nach Nizza zurückflog.

Bjørn sorgte dafür, dass Pino ganz offiziell eine Aufenthaltsgenehmigung bekam und versuchsweise zur Schule gehen konnte. Für die logopädischen Übungen musste Pino vier Mal in der Woche für zwei Stunden nach Tønsberg. Manchmal fuhren Roberto oder Magne ihn hin, meistens nahmen er und Albert den Bus.

Hin und wieder taten Pino laute Geräusche noch weh und er hielt sich automatisch die Ohren zu. Die Kinder in der Schule bekamen von ihrer Lehrerin Bescheid, auf Pino besondere Rücksicht zu nehmen. Albert achtete mit Argusaugen darauf, dass das auch eingehalten wurde. Jeder, der auch nur den Versuch machte Pino zu ärgern, riskierte Alberts Wutausbruch oder sogar Schläge.

Es gab von nun an kaum noch etwas, was die beiden nicht gemeinsam taten. Sie aßen gemeinsam, sie wuschen sich gemeinsam, sie machten natürlich Hausaufgaben gemeinsam, sie streiften stundenlang durch die Wälder zwischen Bjørnstangen und Bergstad…und sie schliefen jetzt nur noch in einem Bett. Roberto und Bjørn überlegten, ob sie das unterbinden sollten, kamen aber zu dem Schluss, dass es beiden gut tat und kommentierten es nicht weiter.

Weihnachten feierten wir in diesem Jahr zuhause in Asker. Wir hatten Jacob eingeladen, der aus uns unbekannten Gründen nicht mit seiner Familie feiern wollte. Heiligabend sollten noch Jerry und Morten dazu kommen, die ansonsten auch allein gewesen wären. Für den zweiten Weihnachtstag hatte Tinus alle Freunde nach Bergstad-Gård zum Essen eingeladen.

Bjørn und Roberto hatten Luca und Antonia zu Gast, die natürlich das Weihnachtsfest zusammen mit ihrem Sohn verbringen wollten.

Einer Tradition folgend erzählten wir uns am Heiligen Abend unsere Geschichten des hinter uns liegenden Jahres. Wir alle hatten einschneidende Erfahrungen gemacht, die unsere Sicht auf menschliche Stärken und Schwächen veränderten, aber auch das Verständnis für andere Lebenswelten und Erfahrungen gestärkt haben.

Auch wenn Außenstehende in uns die Exoten und privilegierten Glückskinder sahen und sehen, hatten die Ereignisse der letzten zwei Jahre unsere kleine schwule Familie wieder etwas näher zu einander gebracht. Das Gefühl nicht nur durch Sex sondern auch durch gemeinsame Erlebnisse zusammen zu gehören, war stärker denn je.

[Die Geschichte von Albert und Pino ist eine ganz besondere. Ich werde sie eines Tages einmal gesondert aufschreiben. Sie handelt von viel mehr als tiefer Zuneigung. Ich habe eine so innige Liebe zwischen zwei Menschen noch kein zweites Mal erlebt. Eine Liebe, bei der Sex nur ein eher nebensächlicher Aspekt einer menschlichen Beziehung ist, die bis heute auf etwas basiert, das weder gute Freunde noch fachkundige Psychologen erklären konnten.

Pino lebt mit seinem Liebsten heute auf Bjørnstangen. Er hat alle Brücken nach Italien abgebrochen, da seine Eltern letztlich die Verbindung mit Albert doch nicht akzeptieren konnten. Hin und wieder schreiben sie sich Briefe, die so nichtssagend sind, dass sie eigentlich überflüssig wären.

Ich habe oft und lange über den Begriff „Treue“ nachgedacht. Bis heute kenne ich nur Albert und Pino, die sich als wirkliches Beispiel für diese Tugend eignen. Meines Wissens haben beide sich nie für einen anderen Mann interessiert, geschweige denn Sex mit ihm gehabt.

In unserer kleinen schwulen Familie fühlen sich beide sehr wohl und vertragen sich mit allen gleichermaßen gut. Auf Bjørnstangen und seit einigen Jahren auch auf Bergstad-Gård (Alberts Erbe) arbeiten beide mindestens so hart, wie Bjørn und Roberto.]


(Dran bleiben! Es geht im Kapitel 22 weiter.)

Kommentare, Anregungen und Fragen gern an: gugamster@hotmail.com

 
 
 

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