Wo kommen wir her? Wo wollen wir hin? (15)
- gert

- 3. Apr. 2020
- 102 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Nov. 2022

Das neue Jahr (1980) begrüßten Bjørn, Roberto, Vatern, Anders, Gus und ich im Schlitten auf der Fahrt nach Bekketangen. Es war eigentlich geplant, kurz vor Mitternacht dort zu sein, aber leider waren wir etwas zu spät aufgebrochen. Obwohl Roberto Pekka antrieb und der auch in einem fröhlichen Trab sein Bestes gab, kamen wir erst zehn Minuten nach 12 bei meiner Familie an.
Die Lichter des Hofes glitzerten schon von weitem im verharschten Schnee. Tante Rita, Onkel Odd, Carmen und Tore standen im Hof um ein kleines Feuer herum, das Tore in einer Schneemulde entzündet hatte.
„Anders!... Das ist doch Anders…“. Tante Rita hatte unseren Freund sofort erkannt. „Gott, ist das lange her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. Komm ins Licht und lass Dich anschauen. Was machst Du hier?“.
Anders ging auf Tante Rita zu, lächelte und schüttelte den Kopf. „Wie kannst Du mich nach so vielen Jahren sofort und im Halbdunklen wiedererkennen…, wo doch ich Blödmann an Dir vorbeigelaufen wäre, ohne auch nur eine Sekunde an meine kleine, liebe Rita zu denken. Oh Mann, was hat die Zeit aus mir gemacht…“. Er wischte sich wiedermal mit dem Handrücken über die Augen und erklärte das mit dem Rauch des Feuers.
„Dieses Lächeln, das kleine Grübchen am Kinn und Deine Augen haben sich doch nicht verändert…“. Tante Rita strahlte und vergaß sogar, auf unsere guten Neujahrswünsche zu antworten. Immer wieder nahm sie Anders Hände und schaute ihm ins Gesicht. „Also, nun sag schon, wie kommst Du zu ‚meinen‘ Jungs nach Bjørnstangen?“.
Jetzt mischte sich Vatern ein und meinte, seine Schwester solle Anders doch erstmal zur Ruhe kommen lassen. Es wäre noch genug Zeit, um im Warmen und dann ausführlich über „alles“ zu sprechen.
Tore amüsierte sich über seine Mutter und bemerkte trocken, sein Vater müsse sich jetzt wohl mit der Existenz eines Nebenbuhlers abfinden. Daraufhin nahm ich ihn Beiseite und flüsterte ihm ins Ohr: „ Mach Dir keine Sorgen. Da besteht überhaupt keine Gefahr“. Er sah mich etwas zweifelnd an und schien ausdrücken zu wollen, dass ich von solcher Art Beziehungen keine Ahnung habe. Ich machte lediglich eine Kopfbewegung in Richtung Vatern und deutete dann auf Anders. Von Tore kam daraufhin nur ein „Ach“, und er teilte weiter Gläser und Wein an alle aus.
Jetzt endlich kamen wir dazu, uns ein richtig gutes und glückliches neues Jahr zu wünschen. Wir nahmen uns alle in den Arm und die Verliebten küssten sich – je nach Grad der Verliebtheit – mehr oder weniger intensiv. Nach ein paar Minuten wurde auch Rita klar, dass es wohl mit ihrer heimlichen Liebe aus der Kindheit nichts mehr werden konnte, denn Anders und Vatern standen immer noch im Schein des Feuers und hatten sich so sehr an einander festgesaugt, dass selbst Gus und ich neidisch wurden. Ich kannte meinen Vater nicht mehr wieder. Er war innerhalb eines Tages ein völlig anderer geworden. Ich liebte ihn ja schon immer, aber von diesem Silvesterabend an, war er neben Gus mein zweiter großer Held.
Tante Rita erfasste die Situation sehr schnell, lächelte und raunte mir zu: „Dein Vater hat sich offenbar endlich richtig entschieden… Ich bin froh; er scheint das erste Mal in seinem Leben richtig frei zu sein“. Ich nickte und flüsterte: „Du glaubst gar nicht, wie glücklich die beiden sind“. – „Das sehe ich… So haben seine Augen das letzte Mal vor fünfzig Jahren geleuchtet… Anders ist aber auch ein lieber Kerl…“.
So wurde der Jahreswechsel in ein neues Jahrzehnt gleichzeitig auch ein entscheidender Einschnitt in unserem und dem Leben einiger unserer Freunde.
Da Gus und ich beide etwa gleichzeitig am Anfang des Jahres unsere neuen Stellungen in Asker und Oslo antraten, konnten wir an der Reise nach Amsterdam nicht teilnehmen. Ich kann hier also nur berichten, was uns im Nachhinein – allerdings bis ins kleinste Detail – von Roberto, Anders, Vatern und Bjørn erzählt wurde.
Als die Vier Ende Januar auf dem Flughafen Schiphol die KLM-Maschine verließen, gab es für sie in Amsterdam drei Anlaufstellen: das Victoria-Hotel in der Innenstadt, das Büro der „Federatie Nederlandse Vakbeweging (FNV) und eine Adresse in der Javastraat.
Im Hotel ließen sie sich einen Stadtplan geben und bekamen den guten Rat, alle Ziele in der Innenstadt entweder mit dem Fahrrad oder mit der Straßenbahn anzusteuern. Alles andere sei entweder zeitaufwendig oder teuer.
Für Fahrradtouren war es zu kalt und regnerisch, daher entschieden sich die Vier für die Straßenbahn und machten sich bereits nachmittags in die Javastraat auf.
Als sie vor der Häuserzeile aus dicht aneinander gereihten, typischen, drei- und viergeschossigen, rot-grauen Klinkerbauten eines der vielen Amsterdamer Arbeitervierteln standen, kamen Bjørn die ersten Zweifel. Was sollten sie tun, wenn sie tatsächlich seinen Vater unter der Adresse auf dem alten Briefumschlag antreffen würden?
Vatern schlug vor, erst einmal zu sondieren und gegebenenfalls Erkundigungen in der Nachbarschaft einzuholen. Roberto meinte, das müsse doch auf Deutsch ganz einfach gehen, da er gehört habe, dass fast alle Niederländer ein bisschen Deutsch verstehen würden. Von der Idee riet Vatern dringend ab, da Vorurteile gegen Deutsche noch recht verbreitet seien, und er befürchtete, dass so gar keine Informationen zu bekommen seien. Sie entschlossen sich also alle Gespräche von nun an nur noch auf Norwegisch oder Englisch zu führen.
Die Namensschilder an der Haustür der angegebenen Hausnummer waren nur schwer zu entziffern, aber es schien sicher, einen ‚Siegurtsen‘ gab es hier nicht. Vatern schlug vor in ein kleines Café an der nächsten Straßenecke zu gehen, sich aufzuwärmen und das weitere Vorgehen zu beraten.
Sie betraten ein für Amsterdam so typisches „Braunes Cafe“ durch einen Eingang genau auf der Ecke des Gebäudes. Das Lokal war dunkel, die Wände und Vorhänge gelb vom Zigarettenrauch und an der Bar aus schwerem, schwarzem Eichenholz saß nur ein Gast.
Nachdem sie sich an einen kleinen Tisch am Fenster zur Straße gesetzt hatten, kam ein weißhaariger Mann mit Vollbart zu ihnen, wischte sich die Hände in einer Schürze ab und fragte, was er bringen könne. Alle Vier bestellten je ein „biertje“ und eine Portion „bitterballen“ [panierte Fleischkroketten]. Der Mann schaute sie etwas prüfend und eher unsicher an. „Touristen aus Deutschland?“ – „Nee we komen uit Noorwegen“. Vatern hatte seine dürftigen Niederländisch-Kenntnisse in fünf Wörtern zusammengefasst.
Das Gesicht des Mannes hellte sich auf: „Je spreekt goed Nederlands…“. – „Unfortunately not at all“, lachte Vatern. Der Weißhaarige grinste und antwortete in fließendem Englisch: „Macht nichts… das lernst Du ganz schnell. Wir sind ja irgendwie verwandt… also, unsere Sprachen meine ich“. – „Ja stimmt… vor tausend Jahren haben unsere Vorväter vielleicht schon mit einander ein Bier getrunken, sich vermutlich ganz leidlich verstanden und sich gegenseitig ein paar nützliche Dinge verkauft“. – „Und heute kommt Ihr Wikinger um zu sehen, wo all Eure Bäume in unserer schönen Stadt geblieben sind?“, feixte der Mann. Bjørn hatte das Gespräch aufmerksam verfolgt und blickte nun vollkommen ratlos erst Vatern und dann den Weißhaarigen an. „Weißt Du nicht, dass unsere Stadt auf Millionen von norwegischen Kiefern steht?“. – „Nein, keine Ahnung!“ – „Ich hole erstmal Essen und Getränke, dann erzähle ich es Euch“.
Der Wirt kam schon wenige Minuten später mit dem Bier und den glutheißen Kroketten zurück, zog sich einen Stuhl heran und setzte sich ungefragt zu seinen Gästen.
„Also, Du siehst ja, dass es in Amsterdam überall Kanäle und Wasser gibt. Die Menschen konnten hier nur bauen, wenn sie ihre Häuser auf Holzpfähle stellten. So standen sie stabil und versanken nicht im Sumpf. Da es aber kaum Wald in diesem Teil der Niederlande gibt, musste man die Bäume aus Skandinavien importieren. Das Holz blieb unter Wasser hart und fest und bildete ein stabiles Fundament sowohl für die großen Kaufmannshäuser der Pfeffersäcke wie auch unseren Hauptbahnhof“.
Der Wirt schien froh, interessierte Zuhörer gefunden zu haben, die sich offenbar für seine Stadt wirklich interessierten. „Ihr müsst Euch das mal im städtischen Museum anschauen. Es gibt mehr Verbindungen zwischen Norwegen und Amsterdam als Ihr glaubt“.
Bjørn lachte und sagte: „Wegen einer dieser Verbindungen sind wir hier. Ich möchte meinen Vater finden, der seit über zwanzig Jahren hier in der Stadt wohnt“.
„Ach, Du suchst Deinen Vater…einen Norweger?“ – „Ja, ich habe nur eine alte Adresse hier in der Straße, aber dort scheint er nicht mehr zu sein“.
„Ein Norweger, sagst Du? Wie heißt er denn?“ – „Esben Sigurdsen…“.
Der Weißhaarige schlug sich auf die Schenkel und lachte so laut, dass sich sein Gast an der Bar zu ihm umdrehte. „Henk! Die Herren hier suchen den ‚den großen Blonden‘!“ Auch Henk lachte und wendete sich ihnen jetzt interessiert zu. „Der war früher fast jeden Tag hier. Leider ist er heute was Besseres und lässt sich nur noch selten hier sehen“.
Bjørn wurde nervös und fragte aufgeregt: „Sie kennen meinen Vater?“ – „Ob er Dein Vater ist, kann ich nicht sagen… obwohl … eine gewisse Ähnlichkeit … doch ja … das könnte sein“. Der Wirt schaute Bjørn etwas genauer an, und auch Henk kam zu ihrem Tisch hinüber, um Bjørn genauer in Augenschein zu nehmen.
Henk war ungefähr 35 Jahre alt, hatte eine weiche, dunkelbraune Haut, schwarze etwas zerzauste Haare, sehr schmale Lippen, braune Augen und ein gewinnendes, freundliches Lächeln. Auch er nahm sich ungefragt einen Stuhl, stellte sein Bierglas auf den Tisch und setzte sich zu ihnen. „Hey, Ich bin Henk und gehöre hier fast zum Inventar“, grinste er.
Roberto, Anders und Vatern stellten sich auch noch einmal artig vor, wobei Roberto Henk ganz besonders fixierte. Er schien sich darüber Gedanken zu machen, was einen so hübschen Mann nachmittags, allein dazu brachte in einer Bar wie dieser, einsam in sein Bierglas zu starren.
„Ich komme immer zur selben Zeit nach Feierabend hier ins Café, um ein Bier zu trinken und auf andere Gedanken zu kommen. Ich wohne gleich um die Ecke und bis vor ein paar Jahren waren Esben und ich Nachbarn. Ich mochte ihn sehr… obwohl … seine Frauengeschichten wurden mir manchmal zu viel. Aber er war ein richtiger Kumpel. Na ja, und eines Tages wurde er dann Bereichsleiter der Gewerkschaft, kaufte sich ein Hausboot und verschwand aus unserer Gegend. Ich habe ihn seit dem nie wieder gesehen. Piet, er deutete mit dem Kopf auf den Wirt, hat ihn wohl noch ein paar Mal gesehen, aber dann immer später am Abend, wenn ich meistens woanders unterwegs bin“.
Bjørn wurde immer aufgeregter und rückte jetzt ganz nah an Henk heran. Endlich kam er seinem Ziel näher. Neben ihm saß vielleicht der Schlüssel zu dem Geheimnis, dass ihn sein ganzes bisheriges Leben so sehr beschäftigt hatte. Sein Vater lebte und schien erreichbar. Bjørn war rot vor Erregung.
„Weißt Du, wo ich ihn finden kann?“ – „Nein, leider weiß ich nicht, wo sein Boot liegt, aber ich glaube er arbeitet immer noch für die Gewerkschaft“.
Der Wirt mischte sich ein und sagte: „Er hat mir mal erzählt, dass er jeden Tag zu Fuß von seinem Boot ins Büro geht. Ich fand das merkwürdig, weil man in Amsterdam selbst für kurze Strecken meistens das Fahrrad benutzt. Und später habe ich mal gehört, wie er einem Gast erzählt hat, dass er sich in der Nähe seines Bootes eine zweite Existenz aufgebaut habe… so etwas wie ein Fitnessstudio oder so…“.
„Ja, stimmt, davon habe ich auch gehört… irgendwo im Jordaan [traditionsreiches Amsterdamer Arbeiterviertel]“, murmelte Henk nachdenklich.
„Na, das bringt uns doch schon weiter. Ich wünschte bloß, wir würden uns besser in der Stadt auskennen“, warf Vatern ein.
Henk schaute auf und lächelte. „Ich kenne mich gut aus. Wenn Ihr wollt, helfe ich Euch. Am Sonnabend und Sonntag habe ich frei und könnte Euch ein bisschen die Stadt zeigen“, dabei schaute er Bjørn so intensiv an, als ob er eigentlich am liebsten nur mit ihm diese Sightseeing-Tour machen würde. „Sagt mir, wo Ihr wohnt, und ich hole Euch morgen Vormittag ab“.
„Ehy, das wäre super!“. Bjørn war jetzt völlig aus dem Häuschen und wäre Henk vermutlich am liebsten um den Hals gefallen, besann sich aber und schüttelte ihm lediglich kräftig die Hand. „Wir wohnen im Victoria-Hotel… Ich würde ja am liebsten gleich losziehen… aber morgen Vormittag klingt doch gut“.
Später erzählte Bjørn, dass Henk damals seine Hand genommen habe und mit seinem Mittelfinger seine Handfläche ganz kurz so zärtlich berührt habe, dass er Gänsehaut bekommen habe.
„In Ordnung, ich bin um 10:00 Uhr da… aber nun erzählt doch mal, aus welcher Stadt in Norwegen kommt Ihr, was macht Ihr dort?“. Henk war jetzt ganz in seinem Element und freute sich sichtlich über die neue Bekanntschaft.
Robert übernahm es, über Bjørnstangen und „unsere“ Geschichte zu erzählen. Anders und Vatern ergänzten mit ein paar Anmerkungen zu Norwegen und unserer Familie.
Henk hörte gespannt zu, legte seinen Kopf etwas schief und stützte ihn auf seinem Arm auf. Hin und wieder kommentierte er die Erzählung mit einem „Ach“ oder „Hmmmmm“.
Schließlich sagte er lächelnd: „ So, so, Ihr beide seid also Bauern und Ihr beide Intellektuelle… Da bin ich mal gespannt, was Esben dazu sagt. Der will immer wissen, ob es irgendwo schöne Frauen gibt, die sich für ihn interessieren könnten. Aber… andererseits hat er sich auch immer mit all meinen Freunden gut verstanden, für die Frauen so gar keine Rolle gespielt haben. Ich wundere mich bloß, dass er nie etwas von seiner Frau und seinem Sohn in Norwegen erzählt hat. Das passt so gar nicht zu ihm“.
„Tja, verheiratet war Esben nicht, und von seinem Sohn weiß er nichts… so einfach ist das“, erklärte Vatern.
„Oh… da hoffen wir mal, dass der Schock nicht zu groß wird“. Henk lachte.
„Erstmal müssen wir ihn finden…“, gab Anders zu bedenken. „ Das wird schon klappen… Amsterdam ist gar nicht so groß, wie es scheint. Ich habe ein paar Freunde in der Gewerkschaft und auch im Jordaan, mit denen werde ich gleich mal heute Abend telefonieren. Dann wissen wir morgen mehr“.
Bjørn hing förmlich an Henks Lippen und hätte ihn so gerne gebeten, sofort seine Freunde anzurufen. Roberto bemerkte die Unruhe seines Liebsten und legte ihm beruhigend die Hand auf den Unterarm. „Dann lass Henk jetzt mal machen. Morgen sehen wir weiter“.
Am nächsten Morgen saß Bjørn bereits um halb zehn in der Lobby des Hotels und beobachtete angespannt das Treiben auf dem Damrak. Hunderte von Touristen strömten vom Hauptbahnhof in Richtung Innenstadt. Einerseits fand er die Geschäftigkeit aufregend und die bunte Vielfalt interessant. Andererseits machte ihm die Großstadt Angst. Im Gegensatz zu Oslo oder Bremen war hier alles so unübersichtlich, hektisch und anonym. Amsterdam erschien ihm wie ein Schmelztiegel, in dessen Brei man keinen konkreten Bezugspunkt mehr finden konnte. Es war ihm schleierhaft, wie sein Vater sich hier wohl fühlen konnte. Wenn es stimmte, dass er auf einem Hausboot wohnte, war das vielleicht ein Zeichen dafür, dass er sich ein Stückchen norwegischer Individualität bewahrt hatte. Aber würde er seinen Sohn verstehen, der die Abgeschiedenheit auf Bjørnstangen über alles liebte. Würde er akzeptieren, dass Roberto und sein Sohn ein Paar waren und sich für ein ganz anderes Leben entschieden hatten. Wollte sein Vater wohlmöglich gar nicht mehr an seine alte Heimat erinnert werden und die Existenz eines Sohnes leugnen. Während er diesen Gedanken nachhing und gebannt aus dem großen Fenster auf die Straße blickte, hatte sich Henk ohne ein Wort ganz still in einen Sessel neben ihn gesetzt.
Bjørn bemerkte ihn erst, als er sich suchend nach Roberto, Anders und Vatern umschaute, die eigentlich jeden Moment aus dem Frühstücksraum kommen mussten.
„Na, hast Du gut geschlafen? Unsere Stadt ist hin und wieder so laut, dass manche Touristen einige Tage brauchen, sich daran zu gewöhnen… und dann reisen sie meistens schon wieder ab“, lächelte Henk.
„Oh… guten Morgen! Entschuldige, ich war in Gedanken“. Bjørn gab Henk die Hand und erinnerte sofort wieder an die Berührung mit dem Mittelfinger, die ihn bei der ersten Begegnung mit diesem hübschen Mann so elektrisiert hatte. Dazu kam dieses unwiderstehliche, hintergründige Lächeln, das nicht nur ihn sondern auch Roberto faszinierte.
„So, ich denke, ich weiß jetzt, wo wir Deinen Vater finden. Du solltest Dich aber mit Deinen Freunden beraten, wie Ihr vorgehen wollt. Ob Ihr quasi mit der Tür ins Haus fallen wollt. Mit dem Risiko, dass Esben mit der Situation überfordert ist und nichts mit Euch zu tun haben möchte. Oder Ihr überlasst den ersten Kontakt erst einmal mir. Er kennt mich, und ich könnte ihn behutsam darauf vorbereiten, dass Ihr ihn kennenlernen möchtet“.
„Ja, ich glaube Du hast recht… obwohl,… ich kann es kaum erwarten ihn zu sehen und zu sprechen. Ich habe so oft von diesem Moment geträumt…und… ich möchte so gern wissen, was zwischen ihm und meiner Mutter vorgefallen ist, dass er sie so Hals über Kopf verlassen hat“. Bjørn sprach mehr zu sich selbst als zu Henk und starrte dabei weiter aus dem Fenster auf den Damrak.
„Aber was tust Du, wenn er von seiner norwegischen Vergangenheit nichts mehr wissen will und seinen Sohn bewusst verdrängt hat?“ – „Dann möchte ich ihm wenigstens etwas zurückgeben, das ihm gehört… und dann schließe ich das Kapitel endgültig ab“. Bjørn sagte das, obwohl er genau wusste, dass er sich niemals damit abfinden könnte.
„Sind wir zu spät?“. Roberto, Vatern und Anders begrüßten Henk und setzten sich ebenfalls in die bequemen Sessel am Fenster der Lobby.
„Nein, nein, macht Euch keine Gedanken. Ich bin ein bisschen früher gekommen und habe mich noch etwas mit Bjørn unterhalten. Wollen wir losgehen? Ich hoffe, es macht Euch nichts aus zu Fuß zu gehen?“
„Auf geht’s!“ Vatern sprang auf und war schon fast an der großen Drehtür, als Bjørn sich, ganz gegen seine Gewohnheit, schwerfällig und fast träge aus seinem Sessel erhob, sehr ernst und schweigend seine Jacke anzog und seine bunte Skimütze mit Norwegermuster aufsetzte.
„Schatz, was hast Du?“, fragte Roberto besorgt. „Ach, nichts. Ich habe nur gerade wieder zu viel nachgedacht“. – „Mach Dir keine Sorgen… das wird alles gut“. Roberto nahm die Hand seines Liebsten, drückte sie ganz fest und zog ihn mehr oder weniger auf die Straße.
Henk führte sie durch die Brouwersgracht, um von dort in die Prinsengracht einzubiegen. Er erzählte viel über die Geschichte Amsterdams und des Arbeiterviertels Jordaan. Zwischendurch machte er ein paar Bemerkungen über sich und seine Familie, die vor mehr als hundert Jahren bereits nach Amsterdam als bettelarme Einwanderer aus Indien gekommen waren und sich als Hausangestellte in den reichen Kaufmannshäusern im Grachtengürtel Amsterdams durchgeschlagen hatten. Er berichtete auch von dem jüdischen Mädchen Anne Frank, das sich hier am Rande des Jordaan vor den Nazis versteckt gehalten hatte, verraten wurde und im KZ in Deutschland starb.
Vatern, Anders und besonders Roberto waren fasziniert von Henks historischem Detailwissen. Immer wieder stellten sie Fragen, blieben stehen und bestaunten die charakteristischen Häuser entlang der Grachten. Nur Bjørn schien sich kaum für seine Umgebung zu interessieren und trottete teilnahmslos, mit gesenktem Kopf hinter ihnen her.
Als sie in die Elandsstraat abbogen, blieb Henk stehen und sagte: „Dort hinten an der Singelgracht soll nach meinen Informationen das Hausboot von Esben liegen. Was haltet Ihr davon, wenn Ihr dort vorne links in der Eckkneipe auf mich wartet, und ich mal schaue, ob ich Esben finde, ihn ein wenig vorbereite und dann wieder zu Euch zurückkomme?“.
Außer Bjørn waren alle sofort mit dem Vorschlag einverstanden. Er war so nervös, dass seine Hände zitterten und er stotterte: „Ich möchte… dabei sein… ich will… ich will sehen, wie er reagiert… sehen, wie er aussieht…“. – „OK, dann versuchen wir es… aber sag erstmal nichts. Lass mich reden“. Bjørn nickte nur, zitterte inzwischen am ganzen Körper, folgte aber Henk schließlich mit einem sicheren, selbstbewussten Gang.
In dem ‚bruinen‘ Café in der Elandsstraat war es dunkel und keine Gäste zu sehen. Am Fenster gab es einen kleinen Tisch, von dem aus sie die schmale Straße bis zur Singelgracht hinunterschauen konnten. Der Wirt war ein munterer Mann in Vaterns und Anders Alter und begrüßte sie wie alte Bekannte. Als er hörte, dass seine Gäste aus Norwegen kamen, stellte er spontan vier Schnapsgläser auf den Tisch und schenkte aus einer altmodischen, bauchigen, braunen Flasche einen honiggelben Schnaps für sich und die Drei ein. Er bestimmte, dass man dazu einen Kaffee trinken müsse und selbstverständlich ginge das aufs Haus; schließlich habe er so selten Gäste aus seinem Lieblingsland.
Es entspann sich ein reges Gespräch über Land und Leute, die fantastische norwegische Natur und die skurrilen Ferienerlebnisse, die der Wirt während seiner vielen Radtouren gehabt hatte.
Durch das angeregte Gespräch war es den Dreien gar nicht aufgefallen, dass Henk und Bjørn bereits fast eine Stunde weg waren, und auf der schnurgeraden Straße von ihnen auch noch nichts zu sehen war.
Als Bjørn und Henk die Reihe der Hausboote an der Singelgracht erreicht hatten, begann Bjørn wieder zu zittern, versuchte aber, sich nichts anmerken zu lassen. Er lächelte gequält und meinte: „Hier also…“. – „Ja, nach meinen Informationen muss es der große dunkelblaue Kahn mit der Holzverschalung, den weißen Fenstern und den roten Fensterklappen sein“. – „Er ist doch noch Norweger…“, lächelte Bjørn. „ Wieso?“ – „Na, das sind die norwegischen Nationalfarben…“.
Henk begriff und grinste: „ Du sagst jetzt aber erstmal nichts mehr, Ok?“ – „Ja, Ok“.
Auf den ersten Blick schien auf dem Boot alles ruhig zu sein. Die Fenster waren zugezogen und der Zugang an der Reling war mit einer schweren Eisenkette verhängt. An Deck war alles sehr sauber, frisch lackiert und fast wie in einem Museum platziert.
Henk ging ein paar Meter am Hausboot vorbei, schaute kurz zu den Nachbarbooten rüber und rief dann einem Jungen, der dort das Deck mit Wasser abspritzte etwas zu, dass Bjørn nicht verstand. Der Junge streckte seinen Arm aus und wies in die Richtung, aus der sie gekommen waren.
„Esben ist in der Elandsstraat beim Einkaufen. Er kommt wohl gleich wieder. Komm, wir setzen uns hier auf die Kisten und warten“.
„Also wohnt er hier tatsächlich?“. Bjørn sah Henk skeptisch aber auch erwartungsvoll an. Ihre Blicke trafen sich jetzt das erste Mal so, dass kein Zweifel mehr bestand, dass sich beide attraktiv fanden.
„Du magst Deinen Freund sehr, nicht wahr?“ – „Ja, mehr als alles in der Welt“. – „Und er Dich auch?“ – „Oh ja… ich bin ganz sicher“. – „Das ist schön, wenn man das sagen kann… Aber Du hast von all Euren Freunden und Bekannten erzählt. Gibt’s da nicht auch mal Probleme, dass Du oder er eifersüchtig werden? Entschuldige, das war jetzt sehr indiskret…“.
Bjørn lachte an diesem Vormittag das erste Mal wieder und wirkte gelöster als noch wenige Minuten vorher. „Ach was… indiskret… das haben schon so viele vor Dir gefragt. Meine Freunde sind auch seine Freunde… Du solltest sie mal kennenlernen. Alles prachtvolle Jungs… echte Freunde halt. Besonders der Sohn von Karl und sein Freund. Würden die beide nicht gerade einen neuen Job in Oslo anfangen, wären sie jetzt auch hier“. „Das klingt ja wirklich sehr speziell… solche Freunde hätte ich auch gern mal. Ich habe sehr viele Bekannte hier in der Stadt, aber wirkliche Freunde nur wenige und die haben meistens einen Partner. Da will ich mich dann auch nicht aufdrängen. Immer wenn ich gerade mal gern mit jemandem sprechen würde, sind sie gerade nicht da… Deshalb sitze ich auch fast jeden Tag nach der Arbeit in der Kneipe, wo man wenigstens mal jemanden treffen kann, der ein bisschen Zeit zum Quatschen hat…“. Henk schaute nachdenklich die Straße hinab. „Du, ich glaube, da kommt er…“.
Aus Richtung Elandsstraat kam ein ein großer, blonder Mann auf einem schwarzen Lastenfahrrad angefahren. Er pfiff fröhlich eine Melodie, die Bjørn nicht kannte. Mit einem kühnen Schwung und ohne sich umzudrehen bog er zu dem rot-weiß-blauen Hausboot ein. Er war sehr schlank, wirkte durchtrainiert, hatte kurz geschnittene hellblonde Haare und einen eher rötlichen, gepflegten Vollbart. Ansonsten sah er aus wie Bjørn nur etwa 25 Jahren älter.
Henk erhob sich von seiner Kiste und ging auf ihn zu. „Ehy Henk, was machst Du hier? Wolltest Du zu mir?“ Esben lächelte freundlich und schien sich über den Besuch sichtlich zu freuen.
„Ja, wenn der Prophet nicht zum Berge kommt, kommt der Berg…“. – „Ja, ja, ich weiß. Ich war schon lange nicht mehr draußen bei Euch in der Javastraat. Aber es kommt dauernd was dazwischen… Du weißt ja… die Frauen“, grinste Esben. „Komm rein! Ich koche uns einen Kaffee“. – „ Ich bin nicht allein…“. – „Ach so, der junge Mann da drüben?... Ein neuer Freund?“ – „Irgendwie schon…“. – „Was heißt ‚irgendwie‘… das gibt’s bei Dir doch gar nicht“, grinste Esben. „ Dann kommt Ihr eben beide rein zum Kaffeetrinken… warte eben, ich muss erstmal abladen“.
Während Esben seine Beutel und Schachteln auf das Deck seines Bootes stellte, kam Bjørn näher.
„Hei!“, sagte er schüchtern, heftete dabei seinen Blick auf seinen Vater und verfolgte jeder seiner Bewegungen. Für einen Moment stutzte Esben, sortierte dann aber weiter seine Einkäufe und sagte nur ohne aufzusehen: „Ach, Du bist kein Holländer?“. – „Nein“. – „Hatte eben den Eindruck, Du wärst Norweger… aber das bilde ich mir häufiger mal ein“. Esben lachte wieder und war bereits dabei, seine Einkäufe ins Innere seines Hausboots zu schaffen, als Bjørn auf Norwegisch sagte: „Das stimmt, ich bin Norweger“. – „Ehy, das ist ja merkwürdig… ich spüre das meistens, ohne dass jemand seinen Mund aufmachen muss. Ich bin auch Norweger“.
„Ich weiß!“ – „So, so, hat Henk schon wieder geplaudert? Na ja, er weiß eine ganze Menge über mich. Wir waren viel Jahre Nachbarn“. – „Ich weiß!“
Esben richtete sich auf und schaute Bjørn jetzt amüsiert an. „Du weißt eine ganze Menge über mich. Dann weißt Du ja auch, dass ich Esben heiße“. – „Ja, ich bin Bjørn“.
„Woher kommst Du denn in Norwegen?“ – „Ich bin in Holmestrand geboren und habe jetzt einen Hof, der Bjørnstangen heißt“.
Esben hielt abrupt inne mit dem, was er gerade tat und betrachtete Bjørn jetzt noch intensiver und gleichzeitig unsicher. Sein Lächeln war einer Art Ratlosigkeit gewichen. Dann sagte er plötzlich etwas heiser zu Henk: „Wen hast Du mir hier denn mitgebracht? Einen Boten aus meiner Vergangenheit?“ – „Keinen Boten… Bjørn ist Deine Vergangenheit“. – „Wie das denn?“
Bjørn stand jetzt ganz dicht neben seinem Vater und musste etwas zu ihm aufblicken, da Esben fast einen Kopf größer war als er. Er war kreidebleich und ihm schlotterten die Knie so heftig, dass Esben automatisch seinen Arm auf seine Schultern legte und fragte: „Was ist mit Dir, bist Du krank?“
„Nein, mein Gott… Ich bin Dein Sohn!“
„Waasss… bist Du?“ Jetzt war es an Esben bleich zu werden. Er setzte sich auf einen alten Blumenkübel, raufte sich die Haare und schüttelte den Kopf. „Was sagst Du da? Damit macht man keinen Spaß“. – „Ich… also… meine Mutter ist Astrid Sigurtsen…“.
Esben rang fast verzweifelt mit den Armen: „ Das kann doch alles nicht sein… Henk, Ihr wollt mich veräppeln… Das habt Ihr bei Euch in der Kneipe ausgeheckt… Gib es zu!“ – „Nein, ich schwöre, ich habe Bjørn lediglich zu Dir gebracht“.
„Los! Nun setz Dich endlich hin und lass Dich anschauen… Ich werde hier noch verrückt und Du kippst mir noch um vor Aufregung… Möglich wär’s … Warum hat denn diese Frau mir nie etwas gesagt… ich verstehe es nicht… Das kann doch alles nicht wahr sein…“. Esben war jetzt mindestens so verzweifelt wie sein Sohn.
„Ja klar, je länger ich Dich anschaue… Es ist als sähe ich in einen Spiegel vor 25 Jahren. Leugnen hilft da nicht. Junge, komm her… Dein Vater ist ein Scheißkerl aber kein Unmensch“. Esben nahm seinen Sohn in den Arm und beide heulten hemmungslos.
„Ich lass Euch mal allein… Bjørn hat ganz liebe Freunde, die hier in der Nähe auf ihn warten. Vielleicht dürfen sie ihn nachher irgendwann abholen“.
„Verschwinde Du…. ! Gib doch Vater und Sohn ein bisschen Zeit“, brachte Esben halb schluchzend halb lachend hervor.
„Ich habe Dir etwas mitgebracht“, Bjørn kramte, immer noch schluchzend, die völlig zusammengedrückte kleine Pappschachtel mit der Taschenuhr aus seiner Hosentasche und drückte sie seinem Vater in die Hand.
Der wischte sich mit dem Ärmel seiner Jacke übers Gesicht und hantierte ungeschickt mit dem Päckchen. Als er die Uhr in der Hand hielt, brach es vollends aus ihm heraus: „Junge, mein lieber Junge… wie kommst Du zu dieser Uhr? Ich habe sie vor vielen, vielen Jahren meinem aller besten Freund gegeben. Er sollte sie für mich verwahren. Leider habe ich nie wieder etwas von ihm gehört. Ich glaube er ist tot… Aber Du lebst… und das ist einfach fantastisch“.
Bjørn beruhigte sich langsam und die gewohnt gesunde Gesichtsfarbe kehrte zurück. „Nein, nein Dein Freund Anders ist ganz in der Nähe und wartet nur darauf, Dich sehen zu können“. – „ Was sagst Du da? Anders ist hier in Amsterdam?... Ich glaube, ich träume… das ist alles nicht wahr… gleich wache ich auf und dann ist alles wieder vorbei…“.
Bjørn legte seinen Arm um seinen Vater und drückte seinen Kopf an seine Schulter. „Du kannst Dir nicht vorstellen, wie ich auf diesen Tag gewartet habe. Ich habe alles versucht, Dich zu finden. Sogar die amerikanische Botschaft in Oslo habe ich eingeschaltet“. – „Warum das denn?“ – „Weil Mutter behauptete Du seiest nach Amerika ausgewandert“. – „Mmmm… ich war mal eine Woche New York und habe von dort ein paar Postkarten verschickt… Aber sie muss gewusst haben, dass ich in Amsterdam bin… zumindest ihr Bruder, Dein Onkel Kjartan, hat es gewusst… und natürlich Anders“.
„Anders habe ich erst vor ein paar Wochen kennengelernt… der hat ja alles ins Rollen gebracht“.
„Ja, der Anders ist ein lieber Kerl. Er ist der einzige, der immer zu mir gehalten hat… auch als die alten Nazis mir an den Kragen wollten und Gerüchte über mich verbreitet haben. Hätte Deine Mutter sich damals nicht mit diesen Spinnern eingelassen, wäre ich niemals aus Norwegen weggegangen“.
„Ich habe Dich so vermisst… immer wenn mich jemand nach meinem Vater gefragt hat, habe ich eine Geschichte erfunden. Einmal warst Du reich und berühmt in Amerika und ein anderes Mal warst Du bei einer Expedition im Dschungel verschollen. Am schlimmsten wurde es, als Mutter krank wurde und ich die meiste Zeit bei Tante Rita und Onkel Odd verbrachte. Da habe ich abends im Bett gelegen und mit Dir geredet und Dich um Rat gefragt“. – „Ach, Deine Mutter ist krank? Was hat Sie denn?“ – „Krebs im Endstadium… eine neue Operation würde sie wohl nicht überleben“. – „Das tut mir leid… Wirst Du ihr sagen, dass Du bei mir warst?“ – „Vielleicht… ich weiß noch nicht“.
„Komm Junge, lass uns Anders holen… Ich möchte ihn sehen… und dann essen wir alle Vier gemeinsam bei mir“. – „Wir alle Sechs“, verbesserte Bjørn grinsend. „Mein Partner Roberto und der Freund von Anders sind auch noch da“.
Esben zog die Augenbrauen hoch und schaute seinen Sohn fragend an: „Dein Partner?“ – „Ja, Roberto und ich betreiben Bjørnstangen zusammen. Er ist das Liebste was ich habe… na ja, außer Dir“. – „Schade… da dachte ich, ich könnte mich auch noch auf Enkel freuen… Aber ich will sowieso immer zu viel auf einmal. Jetzt habe ich Dich und bin wahnsinnig glücklich. Deinen Roberto muss ich natürlich auch kennenlernen, damit ich weiß, mit wem ich Dich teilen muss“.
Arm in Arm gingen Vater und Sohn Richtung Elandstraat.
Im ‚bruinen‘ Café war die Stimmung ausgelassen und fröhlich. Henk und Roberto hatten es übernommen die wenigen Gäste mit Anekdoten aus Norwegen und Amsterdam zu versorgen. Der Wirt war so begeistert, dass er vergessen hatte, die Getränke seiner Gäste aufzuschreiben, schenkte ein Bier nach dem anderen aus und dazu immer wieder eine Runde seines honiggelben Schnapses.
Als Bjørn und sein Vater die Kneipe betraten, wurde es erst still und dann setzte wieder ein aufgeregtes Durcheinander ein. Henk rief: „Da sind sie!“ Der Wirt begrüßte Esben mit einem „Goedemiddag mijn vriend“. Vatern meinte lakonisch: „Ende gut alles gut“. Roberto stürzte auf seinen Liebsten zu und nahm ihn so heftig in den Arm, dass der zu röcheln begann und bat: „Schatz, bitte… lass mich am Leben!“ und die anderen drei Gäste prosteten ihnen spontan zu. Nur Anders saß auf seinem Stuhl und starrte an ihnen vorbei, als ob er sie gar nicht erkannt hätte.
Esben löste sich von seinem Sohn und ging ganz langsam auf Anders zu. Der drehte ihm ganz leicht seinen Kopf zu, schaute ihn immer noch unverwandt an, bis plötzlich ein Lächeln über sein Gesicht huschte. Ohne ein Wort erhob Anders sich, breitete seine Arme aus und schlang sie um Esben wie ein Ertrinkender. So innig war die Umarmung der beiden, dass Vatern einen skeptischen Gesichtsausdruck bekam.
Immer wieder schauten sich Esben und Anders wortlos an. Bei beiden flossen die Tränen hemmungslos. Bis endlich der Applaus der anderen die emotionale Situation löste.
Anders griff nach Vaterns Hand, zog ihn zu sich und sagte: „Das ist er… mein liebster Freund… außer Dir“.
„Oh Mann, warum hast Du bloß nie wieder etwas von Dir hören lassen?“, flüsterte Esben Anders ins Ohr. – „Ich?... Du hast doch auf meine Briefe nicht mehr geantwortet“. – „Briefe? Keinen einzigen habe ich mehr bekommen… Ich dachte, Du seiest tot“. Wieder brach Esben in Tränen aus und drückte Anders ganz fest an sich.
Roberto erklärte dem etwas beschämten Wirt ganz leise, in wenigen Worten die Geschichte von Anders und Esben. Daraufhin nahm der Wirt die drei unbeteiligten Gäste etwas beiseite und bat sie im hinteren Teil des Raumes Platz zu nehmen. Dann ging er zur Tür und drehte ein dort hängendes Schild von „geopend“ auf „gesloten“.
„Jongens, jetzt wird gefeiert! So viel Wiedersehensfreude habe ich seit Jahrzehnten in meinem Laden nicht mehr gehabt“. – „Lass mal Klaas, das hier geht alles auf meine Rechnung. Ich habe so viel wieder gut zu machen. Jetzt fange ich damit an“. Damit fasste Esben in seine Hosentasche und wühlte zwei völlig zerknüllte Hundert-Gulden-Scheine hervor, strich sie glatt und legte sie auf den Tresen.
Sprachlos und entgeistert betrachtete Klaas die beiden Scheine und wollte sie schon Esben zurückgeben, als er sich anders besann. „Dafür seid Ihr alle meine Gäste, wann immer Ihr wieder zu mir kommt und jeder von Euch darf ein Bild von sich dort an meiner „Prominenten-Wand“ aufhängen. Er zeigte auf eine Wand, an der eine Menge zum Teil vergilbter, kleiner und großer Fotos hingen… fast ausschließlich von Männern. Wieder kam Applaus. Diesmal aus dem hinteren Teil der Kneipe.
Nach etwa einer Stunde brachen die Freunde auf. Henk und Roberto etwas unsicher auf den Beinen, Vatern, Esben, Bjørn und Anders Arm in Arm und fröhlich „Happy Days Are Here Again …“ singend.
Esbens Hausboot erwies sich als wesentlich größer, als es von außen schien. In einer geräumigen Wohnküche war am Esstisch Platz für mindestens acht Personen und der Herd war quasi der Mittelpunkt des Raumes. Links und rechts gingen jeweils zwei Türen ab. Es gab ein großes Arbeits- und Schlafzimmer und eine Abstellkammer auf der einen Seite und ein Bad und ein Gästezimmer auf der anderen Seite. Alles war penibel ordentlich, ein großer Blumenstrauß stand auf dem Tisch und an einer Wand hingen neben einer norwegischen Flagge, Landschaftsbilder und Stadtansichten von Bergen und Oslo. An der gegenüberliegenden Wand sah man einige Frauen-Portraits und daneben ein kleines Bild in einem Goldrahmen, das bei genauer Betrachtung den hageren und ausgemergelten Anders neben einem gesunden, durchtrainierten Esben vor etwa dreißig Jahren auf einem Felsen sitzend zeigte.
„Macht es Euch bequem! Das Essen dauert noch einen Augenblick, aber ich bin immer auf Gäste eingestellt. Also, macht Euch keine Sorgen, Ihr werdet bei mir nicht verhungern“. Esben lachte und begann bereits Töpfe und Pfannen auf den Herd zu stellen. „Ich hoffe, Ihr mögt alle ‚Fiskeboller‘?“ [norwegische Fischklöße] Außer Henk nickten alle mit dem Kopf. Der sagte: „Ich weiß zwar nicht, was das ist, aber da Du ausgezeichnet kochen kannst, lasse ich mich überraschen“.
Während des Essens fragte Esben immer wieder seinen Sohn und Anders nach Namen und Orten in Norwegen, nach Menschen und ihren Schicksalen, nach Bjørnstangen und Bekketangen. Er wollte wissen, wie es Bjørn und Roberto in Bremen ergangen war und was Anders in all den Jahren in Tønsberg gemacht hat. Es stellte sich heraus, dass alle Briefe von Anders vermutlich nach Esbens Umzug in Holland verloren gegangen waren.
Am späten Nachmittag schlug Roberto vor, Bjørn, Anders und Esben allein zu lassen, damit sie mehr Zeit für sich hätten. „Ihr habt Euch noch so viel zu erzählen. Nehmt Euch doch einfach die Zeit, die Ihr braucht. Karl und ich kommen schon klar und vielleicht hat ja Henk Lust, uns noch ein bisschen die Stadt zu zeigen“. Er schaute sich fragend zu Henk um.
„Ja klar, das mach ich gern“.
So brachen die Drei auf, als es schon dunkel geworden war. Das nächtliche Amsterdam hatte seinen ganz eigenen Charme. In den engen Straßen und Gassen entlang der Grachten konnte man direkt in die beleuchteten Wohnzimmer und Küchen der Menschen schauen. Vorhänge oder Gardinen gab es nur wenige. Immer wieder schallte aus kleinen Kneipen und Bars Musik auf die Straße. Fahrräder waren mit und ohne Beleuchtung, aber fast immer mit einer Klingel auch im Dunkeln unterwegs. Auf den Grachten tuckerten die hell erleuchteten Rundfahrtboote.
Als sie in die Prinsengracht einbogen, fragte Roberto: „Und, was machen wir jetzt mit dem angebrochenen Abend?“. Vatern sah müde aus und wollte gern ins Hotel. Er könne sich vorstellen, noch etwas zu lesen und dann ins Bett zu gehen. Henk sah Roberto an und fragte: „Wollen wir noch irgendwo etwas trinken und ein bisschen Musik hören?“ – „Ja, gerne!“
Vatern meinte, er fände den Weg zum Hotel allein, wünschte den beiden noch viel Spaß und verabschiedete sich.
Henk fragte: „Was magst Du am liebsten?“. Roberto sah ihn etwas unsicher an und grinste: „Wenn ich Dir das jetzt erzähle, wirst Du mich wohl nicht mehr begleiten wollen…“. – „Du weißt, was ich meine.“ – „Also, ehrlich, mir ist kalt. Ich würde mich jetzt gern irgendwo aufwärmen und einfach nur entspannen. Der Tag war aufregend genug“.
„Ok, da bleibt ja nur die Sauna“, feixte Henk. „Ja, warum nicht. Gar kein schlechter Gedanke. Gibt’s denn hier in der Nähe so etwas?“ – „Ja klar, in dieser Stadt gibt’s alles“, lachte Henk. „Zehn Minuten von hier ist eine der tollsten Saunas in Europa. Ich kenne den Geschäftsführer. Dort gehen aber nur Männer hin“. – „Das habe ich mir fast gedacht“. Roberto zwinkerte Henk zu. – „Wieso?“ – „Mann, ich bin zwar naiv aber nicht blöd“. – „Und da würdest Du mitkommen? Was wird denn Bjørn dazu sagen“. – „Der wäre sofort dabei. Wir sind in Bremen immer gemeinsam in die Sauna gegangen“.
Henk zog die Brauen hoch und sagte bewundernd: „ Ihr seid schon eine merkwürdige Truppe. Versteh mich nicht falsch, ich finde Euch toll und wünschte mir, ich hätte nur ganz wenig von Eurer moralischen Einstellung. Ich bin so konservativ erzogen worden, dass ich manchmal einfach nicht über meinen Schatten springen kann“. – „Na ja, man sollte vielleicht dem anderen nicht immer das Schlechte sondern erstmal das Gute unterstellen. Dann geht vieles leichter“.
„Komm! Lass uns gehen. In der Sauna reden wir weiter“.
In einer schmalen Nebenstraße der Prinsengracht klingelten sie an einer recht unscheinbaren Tür, an der auf einem kleinen Messingschild lediglich ‚Thermos ‘ stand.
Ein blutjunger, bildhübscher Mann mit bloßem Oberkörper öffnete ihnen. Er schien Henk zu kennen und musterte Roberto anerkennend von oben bis unten. Roberto fühlte sich dabei keineswegs unwohl und erwiderte den Blick, indem er ihn ebenso abcheckte und seinen Blick auf der Körpermitte ruhen ließ. Es amüsierte ihn immer, wie die Männer in der sogenannten Szene mit einander umgingen. Viele lebten scheinbar in Parallelwelten und verhielten sich jeweils völlig unterschiedlich. Verklemmt, zurückhaltend in der einen und aufdringlich, offensiv in der anderen.
Auch Henk änderte sein Verhalten sobald er die Türschwelle der Sauna überschritten hatte. Er begrüßte die Angestellten, die er kannte mit Küsschen, machte Witze und anzügliche Bemerkungen.
Sie bekamen beide einen Schlüssel für ihren Garderobenschrank und zwei große Handtücher.
Roberto staunte, wie viele Männer jeden Alters um diese Zeit in der Sauna waren. Es schien ein ständiges Kommen und Gehen zu sein. Was für ein Unterschied zu Bremen!
Die Anlage bestand aus drei Etagen und einer Dachterrasse. Es gab eine finnische Trockensauna, eine Dampfsauna, eine große Duschanlage, ein kleines Schwimmbecken, eine Bar, einen Ruheraum, unzählige Kabinen, einen Darkroom und einen Fernsehraum. In der Bar waren zwei Barkeeper damit beschäftigt Getränke und kleine Snacks zu servieren. Überall waren Mitarbeiter zu sehen, die aufräumten oder putzten. Leise, geschmackvolle Musik und dezente Beleuchtung schaffte in der Bar eine gemütliche Atmosphäre. Viele Männer unterhielten sich angeregt, aber die Gespräche störten nicht.
Als die beiden sich umzogen, kamen hin und wieder Männer vorbei, die kurz grüßten und wieder verschwanden. Roberto schien Eindruck auf den Türöffner gemacht zu haben, denn er kam noch einmal zu ihnen in die Garderobe und sprach Roberto an: „Willkommen! Ich habe Dich noch nie bei uns gesehen. Wenn Du Fragen hast, kannst Du gern zu mir kommen“. – „Du Schlingel! Wenn das nun mein Freund wäre“, sagte Henk lachend. „Oh sorry, Henk, so habe ich das nicht gemeint“. – „Macht nichts, aber mich hast Du noch nie so lieb begrüßt“. – „Vielleicht habe ich mich nur nicht getraut…“. Der Türöffner hatte ein gewinnendes Lächeln und setzte sich auf eine Bank vor den Schränken. In seiner weißen Arbeitshose zeichnete sich deutlich ein dicker, dunkler Schwanz ab. Wie unabsichtlich massierte er ihn während er mit Henk und Roberto sprach. „Ich bin übrigens Jeroen und Mädchen für alles hier“. – „Ich heiße Roberto und komme aus Norwegen“. – „Oh, ein schönes Land. Da wollte ich immer mal hin“. – „Solltest Du unbedingt machen. Ich bin in Italien aufgewachsen, möchte aber aus Norwegen nie wieder weg“.
Roberto hatte sich ausgezogen und seine Sachen ordentlich auf einen Bügel gehängt. Er stand nackt vor seinem Schrank und hatte keine Eile, sich das Handtuch um die Hüfte zu binden. Im Gegensatz zu Henk, der schnell seine Unterhose auszog und sofort das Handtuch hastig umlegte. Er konnte jedoch nicht verhindern, dass Roberto für einen kurzen Augenblick einen wunderschönen, fast lilafarbenen, fleischigen und recht langen Schwanz zu sehen bekam.
„Du siehst gut aus. Treibst Du viel Sport oder arbeitest Du körperlich?“ Jeroen schaute Roberto wieder ohne Scheu und intensiv von oben bis unten an. „Danke, ja, ich arbeite viel auf unserem Bauernhof“. – „Oh, ‚unserem‘? Hast Du Familie?“ – „Meine Familie ist mein Freund“. – „Ach, Du bist befreundet und dann hier zusammen mit Henk… Mal heimlich ausgebrochen, was?“ – „Nee, ganz bestimmt nicht… vielleicht komme ich in den nächsten Tagen noch einmal zusammen mit meinem Freund. Er hat heute etwas sehr Wichtiges zu tun, daher zeigt mir Henk erstmal Euren Laden“. – „Hört sich spannend an… kommt nicht häufig vor“. Jeroen grinste.
Inzwischen merkte Roberto, dass sich zwischen seinen Beinen etwas regte. Langsam füllte sich sein Schwanz mit Blut und zuckte bereits hin und wieder. Es wurde Zeit, dass er Jeroen und Henk den Anblick verwehrte, denn er wollte erstmal in aller Ruhe die Sauna-Anlage erkunden. Er war sich sicher, Bjørn würde dieser Laden sehr gut gefallen.
Henk und Jeroen war der zum Leben erweckte Schwanz nicht verborgen geblieben. Beide schienen sich dazu unterschiedliche Gedanken zu machen.
Als sie alle Drei die Garderobe verließen, hatte sich das Volumen der Beule in der weißen Hose verdoppelt, Henk versuchte mit beiden Händen zu verdecken, dass sein Kolben stramm und steif horizontal abstand und Roberto ließ seinem Penis einfach freien Lauf.
Sowohl vor und in der Sauna, dem Duschbereich und bei den Kabinen ging es den Männern nicht viel anders. Roberto war fasziniert von der Vielfalt der Fortpflanzungsorgane und der so unterschiedlich gebauten Männerkörper. Es beeindruckte ihn auch, dass sowohl die ganz Jungen als auch die Älteren so unbefangen mit einander umgingen.
„Gefällt Dir der Laden?“, fragte Henk flüsternd. „Ja, sehr! Ich werde sicher noch einmal zusammen mit Bjørn hierher kommen“.
Nicht nur Jeroen zeigte deutliches Interesse an Roberto. Immer wieder drehten sich Männer nach ihm um und zogen bewundernd die Augenbrauen hoch.
Im Fernsehraum raunte Jeroen Roberto zu: „Wir bieten auch Massage an. Du bekommst als Willkommensgruß eine gratis, wenn Du möchtest“. – „Erstmal möchte ich schwitzen, dann sehen wir weiter“. – „Ok, melde Dich, wenn Du etwas möchtest. In einer Stunde habe ich Feierabend“.
Roberto gefiel die offene Art eines so jungen Mannes. Er schätzte Jeroen auf gerade mal 19 Jahre, nahm sich aber vor, Henk noch einmal danach zu fragen.
Die Trockensauna war hell und sehr gut temperiert. Als Henk und Roberto den Raum betraten, saßen und lagen außer ihnen noch drei Männer dort. Ihre Körper glänzten vom Schweiß.
Roberto setzte sich ganz nach oben. Henk folgte ihm, legte sich neben ihn und fragte: „ Ist Dir das hier oben nicht zu warm?“ – „Nein, ich fange hier oben an und gehe dann langsam nach unten“.
Jetzt konnte Roberto Henk das erste Mal in seiner ganzen Schönheit bewundern. Auf seiner samtweichen braunen Haut begannen die ersten Schweißtropfen zu glänzen. Seine großen, fast 5-Markstück großen Nippel hatten fast dieselbe Farbe wie sein Schwanz, der sich immer wieder leicht hob und wieder senkte. Sein Oberkörper hatte fast keine Behaarung, selbst unter den Achseln war nichts zu sehen. Dafür waren die blau-schwarzen Schamhaare und die Haare am runden, strammen Po und den starken, muskulösen Beinen umso stärker.
Ohne zu fragen legte Henk seinen Kopf auf Robertos Oberschenkel, atmete tief durch und schloss die Augen. Roberto sah in lächelnd an und kraulte ihm die Haare und spielte etwas mit seinen Ohrläppchen. Sofort richtete sich Henks Schwanz auf und stand senkrecht wie ein Leuchtturm.
Die anderen Männer verließen einer nach dem anderen den Raum, allerdings nicht ohne sich noch einmal umgedreht zu haben.
Eine Zeit lang waren Roberto und Henk allein in der Trockensauna, bis die Tür aufging und Jeroen mit einem Eimer und einem großen Holzlöffel hereinkam, um einen Aufguss zu machen. Er zwinkerte Roberto zu und machte eine anerkennende Kopfbewegung in Richtung Henk. Es zischte und ein herrlicher Eukalyptus-Duft erfüllte den Raum. Roberto fühlte das Prickeln auf der Haut und verrieb mit der einen Hand den Schweiß auf seiner Haut und griff mit der anderen nach dem harten Ständer seines neuen Freundes neben sich. Der grunzte tief und zufrieden und entspannte vollkommen.
Jeroen beobachtete das Geschehen von der Tür aus und begann jetzt selbst zu schwitzen. Seine Hose war schnell feucht und wurde dadurch leicht durchsichtig. Sein enormer Schwanz zeichnete sich deutlich ab und passte eigentlich nicht zu seiner schlanken, fast schmächtigen Gestalt. Er stellte seinen Aufguss-Eimer mit dem Löffel auf den Boden und rieb sich mit beiden Händen im Schritt. Dabei atmete er tief durch und stöhnte leicht. Im gleichen Moment öffnete sich wieder die Tür und zwei ältere Männer kamen herein. Sie grüßten Jeroen und setzten sich auf die unterste Bank. Sofort begannen sie sich zu küssen und ihre Schwänze gegenseitig zu bearbeiten. Jeroen zog sich zurück und schloss die Tür hinter sich.
Roberto flüsterte Henk ins Ohr: „Ich geh jetzt langsam nach unten. Mir wird’s hier zu heiß“. – „Ich komm mit“.
Ein paar Minuten später verließen sie beide die Sauna. Beide Schwänze standen wie eine Eins und wurden ausgiebig von den anderen Männern in der Dusche bewundert.
„Komm! Wir gehen nach oben in den Ruheraum und legen uns einen Augenblick hin“, schlug Roberto vor. – „Ich würde mich lieber in einer Kabine hinlegen. Dort ist es ruhiger. Wir können uns auch eine Decke holen, wenn Du willst“. „Ja, Ok“.
Henk ging zur Bar und fragte nach Jeroen. Er sei im Massageraum, dort könne Henk auch die Decken bekommen.
Am Ende eines Ganges, an dem links und rechts die Kabinen lagen, war der Massageraum. Die Tür stand offen und man sah Jeroen an einer Liege stehe und Handtücher falten. „Ah, da seid Ihr beiden ja wieder. Was kann ich für Euch tun?“. – „Hast Du zwei Decken für uns? Wir wollen uns nach dem Schwitzen etwas ausruhen“. – „Ja klar“. Er gab jedem eine Wolldecke. „Nehmt doch gleich die erste Kabine hier rechts. Das ist die größte hier auf der Etage. Ich habe sie gerade sauber gemacht“.
Noch während Roberto und Henk ihre Decken und Handtücher auf der großen Matratze ausbreiteten stand Jeroen hinter ihnen in der Tür. „Ich habe jetzt Feierabend. Würde mich freuen, wenn Du bald mit Deinem Freund wiederkommst“. Er lächelte Roberto an. „Bestimmt! Wir sind noch mindestens drei Tage in Amsterdam. Wie war das mit der Massage? Gilt das auch noch das nächste Mal?“. – „Natürlich, ich massiere Euch gern“.
„Das hast Du mir nie angeboten“, beklagte sich Henk gespielt beleidigt. „Ich dachte, Du magst das nicht“. – „Da irrst Du, mein Lieber. Ich habe gehört, dass Du richtig gut sein sollst“.
„Also gut, erst Du und dann Roberto… Ich komme gleich wieder. Einzeln oder zusammen? Hier oder im Massageraum?“. Jeroen wartete die Antwort kaum ab und war schon den Gang halb runtergelaufen, als Roberto ihm nachrief: „Zusammen und hier!“ – „OK, bin gleich wieder da. Lauft nicht weg!“
Wenige Minuten später klopfte Jeroen leise an die Kabinentür. Er hatte jetzt nur noch eine blaue, glänzende, knall enge Turnhose an. Im Arm hatte er einen Stapel Handtücher, diverse Fläschchen und eine kleine Bürste.
„Darf ich die Tür zu machen? Ich mag keine Zuschauer bei der Arbeit“, grinste Jeroen. „Leg Dich auf den Bauch“, forderte er Henk auf. „Du auch!“. Er lächelte Roberto an und kniete sich zwischen die beiden.
Roberto fand, dass Jaroen besonders gut roch. Es war eine Mischung aus teurem Eau de Toilette und purer Männlichkeit. Als die Fingerspitzen seiner linken Hand über seine Schulterblätter glitten, dachte er an Bjørn und hatte auf einmal ein schlechtes Gewissen. Als ihm dann allerdings Henk den Kopf zuwandte und lächelnd flüsterte: „Lass Dich einfach fallen, träume ein bisschen und lass ihn machen…“, dachte er nur noch daran, dass sie sich versprochen hatten, dem anderen nie einen Spaß zu verbieten.
Jeroen hatte zwei kleine Fläschchen geöffnet und verteilte den Inhalt gleichmäßig auf den beiden vor ihm liegenden Rücken. Abwechselnd strich er mal mit seinem rechten und mal mit seinem linken Unterarm jeweils vom Poansatz bis zu den Schulterblättern und zurück. Allmählich erhöhte er den Druck, bis sowohl Henk als auch Roberto zu stöhnen begannen. Synchron ließ er schließlich mal die offene Hand und mal die starke, geballte Faust über Nacken und Rückgrat gleiten. Immer wieder träufelte er von der nach Nuss riechenden Flüssigkeit auf Rücken und Po und erweiterte nach und nach den Radius seiner Hände. Dann strich er mit der kleinen Bürste von den Fußsohlen bis zum Po und zurück.
Als er Henks stramme, behaarte Arschbacken erreichte, wurde das Stöhnen neben Roberto lauter und das braune, schöne, ebenmäßige Gesicht seines neuen Freundes näherte sich jetzt ganz dicht dem seinen. Roberto spürte jetzt gleichzeitig das Kribbeln der Bürste, Jeroens weiche Finger an seinem Loch und Henks zarte, dünne Lippen an seinem Ohrläppchen. Er tat, wie Henk es ihm empfohlen hatte… Er ließ sich fallen, schloss die Augen und genoss. Auch als Jeroen bereits vier Finger in seinem Darm versenkt hatte und bereits rhythmische Fickbewegungen machte, ließ er es geschehen.
Als bei Henk schließlich schon die ganze Hand im Anus verschwunden war und sich dort immer weiter vorarbeitete, verdrehte der kurz die Augen, unterdrückte einen Schmerzschrei, um gleich darauf Robertos Ohr ganz in den Mund zu nehmen.
Es war eine neue köstliche Erfahrung für Roberto, dass eine Männerzunge seine Ohrmuschel ausforschte.
Ihr gemeinsamer Masseur unterbrach seine Behandlung, wischte seine Hände ab, desinfizierte sie mit einem scharf riechenden Mittel und forderte dann beide auf sich umzudrehen.
Nun hatten Roberto und Henk freien Blick auf die knappe, zum Zerreißen enge, glänzende, blaue Turnhose.
Henk schien es nicht mehr abwarten zu können, das pralle Teil seines ‚Behandlers‘ unverhüllt betrachten zu können, krallte sich daher mit beiden Händen an dem über ihm knienden Hosenbund fest und zog ihn mit einer raschen, kräftigen Bewegung runter. Jeroen grinste und flüsterte: „Du hast es so gewollt…“, drückte Henk seinen dicken, fleischigen und eisenharten Kolben ohne Umschweife direkt in den Mund. Henk gurgelte erst einen mühsamen Protest, ergab sich dann aber und lutschte den beschnittenen Schwanz mit wachsender Begeisterung und von Sekunde zu Sekunde schnelleren Bewegungen.
Jeroen warf seinen Kopf in den Nacken und stöhnte jetzt hemmungslos und so laut, dass es die ganze Kabinen-Etage hören konnte. Er vergaß dabei allerdings nicht, Robertos Kolben weiter zu bearbeiten.
Roberto mochte es, wenn Männer beim Sex laut stöhnten oder schrien. So wie er überhaupt Männer mochte, die ihren Gefühlen freien Lauf ließen. Er drehte sich auf die Seite und schaute, beziehungsweise hörte, den beiden begeistert zu. Allein durch diese spezielle Atmosphäre flossen bei ihm die Lusttropfen bereits in Strömen und jede Berührung seiner Eichel elektrisierte ihn. Eine riesige Entladung schien unmittelbar bevorzustehen. Nun hatte Roberto allerdings die einmalige Gabe, seinen Orgasmus zu verzögern und bis direkt vor dem Höhepunkt zu kontrollieren.
Trotz einer Art Extase, in der Roberto sich befand, näherte er sich zielbewusst Henks sinnlichem Mund, der immer noch Jeroens harten Schwanz umschlossen hielt. Er öffnete seinen Mund leicht und bot sich an, Henks Arbeit fortzusetzen.
Jeroen nahm das Angebot sofort an und versenkte sein Prachtexemplar in Robertos Rachen.
Für einen Moment schien Henk ausruhen zu wollen, setzte sich dann aber auf, drehte sich zu Roberto, fasste ihn an der Hüfte und setzte ihn nicht sehr rücksichtsvoll auf seinen heißen, starken Lustkolben, der von Lusttropfen und Massageöl so geschmeidig war, dass er ohne jeden Widerstand in Robertos Loch glitt.
Jetzt war es an Roberto laut zu stöhnen und die Augen zu verdrehen. Jedes Mal wenn Henks Stöße seine Prostata trafen, grunzte Roberto zusätzlich.
Er wollte spritzen und tat es. Mit ungeheurer Kraft entluden sich immer wieder kleine Kaskaden von Sperma. Die Sahne schoss bis in Henks Gesicht und Jeroens Haare.
Henk steigert seine Stoßbewegungen noch einmal und Roberto wartete auf das herrliche Gefühl als sein Darm sich langsam mit Sperma füllte. Henk entleerte sich dann mit einem seligen „Ich komme, jaaa… ich komme!“.
Langsam drückte Roberto die warme Fortpflanzungsflüssigkeit wieder raus und genoss auch das. Er hatte das Bedürfnis zu entspannen, aber seine Geilheit war noch nicht gewichen. Der jetzt wieder über ihm kniende Jeroen faszinierte ihn durch seine jugendliche Ausstrahlung, seine makellose, weiche Haut und seine lebhafte Mimik, die er so bei einem so jungen Mann noch nie gesehen hatte.
Auch Henk lag wieder auf dem Rücken, schien aber ziemlich erschöpft.
Jeroen wirkte als ob in den letzten Minuten gar nichts geschehen war. Obwohl sein Schwanz immer noch hart und feucht glänzend von seinem knabenhaften Körper abstand, träufelte er sich selenruhig wieder sein Nuss-Öl in die Handflächen und setzte seine Massage unbeeindruckt fort.
Seine weichen Hände bewegten sich jetzt über Robertos Körper von den Füßen, entlang den Schenkeln bis zum leicht schlapper werdenden Schwanz und zurück. Jede Berührung seiner Eichel ließ Roberto leicht aufseufzen.
Dieser Jeroen hatte in kurzer Zeit erkannt, was Roberto beim Sex am meisten genoss. Das Ausreizen aller sexuellen Impulse seines Körpers auch und gerade nach dem Abspritzen.
Auch Henk machte keine Anstalten, sich den fast magischen Händen seines jugendlichen Masseurs zu entziehen, der immer wieder aufs Neue seine Hände einölte und über Henks Körper gleiten ließ.
Mit Daumen und Zeigefinger drückte Jeroen Hautfalten am Schaftansatz, am Oberschenkel und am Bauch zusammen und unterzog sie einer Art Druckmassage. Auch seine Zunge kam jetzt zum Einsatz und bearbeitete die verklebten Eicheln und die Nippel der beiden vor ihm liegenden Männer.
Roberto verfiel schon wieder in seinen Extase-Zustand und konnte schließlich die Stromstöße, die seinen Körper durchzuckten, nicht mehr aushalten und bettelte: „Bitte…Jeroen… bitte hör auf… Ich halte das nicht mehr aus…bitte!“ – „Entspann Dich! Du hältst viel mehr aus als Du denkst. Noch ein paar Sekunden und Du willst nicht mehr, dass ich aufhöre. Vertrau mir!“ Und schon intensivierte Jeroen seine ‚Behandlung‘.
Roberto windete sich wie ein Wahnsinniger, stöhnte immer lauter und schrie. Dann griff er nach Henk, so als ob er Halt bei ihm suchte. Der rückte näher an Roberto heran und legte seinen Arm um seine Schultern. Den anderen brauchte er, um mit langsamen Auf- und Abbewegungen seinen Schwanz zu bearbeiten. Langsam beruhigte sich Roberto wieder und ließ alles lächelnd über sich ergehen.
Jeroen sagte nur: „Siehste“ und begann von neuem eine Reise mit seiner Zunge von Robertos Zehen bis zu seinen Nippeln und zurück. Schließlich ließ er auch den wieder etwas härter werdenden Schwanz komplett bis zum Schaftansatz in seinem Mund verschwinden. Noch einmal wollte Roberto sich wehren, wurde aber von Henk liebevoll auf die Matratze gedrückt.
Jeroen wechselte jetzt seinen Gesichtsausdruck. Mit großen, weit aufgesperrten Augen und einem leicht verzerrten Mund, brüllte er plötzlich: „Fuck… ich komme“.
Ein nicht enden wollender Schwall weißer Sahne ergoss sich auf Robertos Bauch bis in sein Gesicht. Immer wieder pulsierte es aus Jeroens malerischem Schwanz.
Als Roberto Jeroens warme Hände die klebrige Flüssigkeit auf seinen Schwanz reiben spürte, baute sich auch bei ihm noch einmal der Druck zum Abspritzen auf. Der Orgasmus ging diesmal noch tiefer unter die Haut und er schrie aus vollem Halse, so dass Henk ihm die Hand vor den Mund halten musste. Das Wahnsinnsgefühl wurde noch dadurch verstärkt, dass Jeroen begann die Sperma-Mischung von Robertos Bauch systematisch abzulecken.
Henk spielte versonnen mit den Sperma-Tropfen, die er abbekommen hatte und steckte dann seine feuchten Finger noch einmal Jeroen in den Mund. Mit einem tiefen Seufzer legte er sich wieder zurück und wichste gedankenverloren seinen jetzt wieder langsam wachsenden Schwanz.
Roberto hatte inzwischen die Augen geschlossen, seinen Arm unter Henk geschoben und ihn zu sich herangezogen. Jeroen lag mit seinem Kopf auf Robertos nassem Schwanz und hatte seine Beine wie ein Embryo angewinkelt.
Alle Drei schliefen etwa eine halbe Stunde und rafften sich dann auf, um zum Duschen zu gehen. Die inzwischen kristallierten Spermaspuren waren unübersehbar in Robertos Brust- und Schamhaaren. Jeroen und Henk hatten beide einige verklebte Haarsträhnen auf dem Kopf.
Auf dem Gang vor den Kabinen war niemand zu sehen. Auf der Treppe nach unten drehten sich allerdings mehrere Männer neugierig nach ihnen um. Einige zogen die Augenbrauen hoch und andere lächelten.
In der Dusche sprach ein Junge Jeroen an und fragte grinsend: „Na? Hast Du mal wieder Deine Spezialmassage angeboten?“ – „Ja, möchtest Du auch noch?“ – „Gerne, aber nach dem, was bei Euch da oben abging, sind das wohl nur leere Versprechungen“. Dabei schaute er Jeroen frech an und drückte ihm einen dicken, Zwanzigzentimeter-Schwanz gegen den Po. – „Geh schon mal rauf. Ich komme gleich und fick Dich so durch, dass alles, was Du eben oben gehört hast nur ein zaghaftes Vorspiel war. Du kennst mich, ich halte Wort“. – „Ja, ja schon gut… Ich meine ja nur… Ihr wart eben recht laut“. – „Ja und? Das kommt halt mal vor. Sind eben nicht alle so hinterhältig leise wie Du“. Jeroen war sichtlich verärgert.
Roberto war es peinlich, so viel Aufsehen erregt zu haben. Henk grinste nur und meinte: „Die kleine Nutte sollte sich mit Kritik zurückhalten… was der sich hier schon alles geleistet hat…“, dabei nahm er Jeroen in den Arm und sagte: „Danke! Du warst toll. Schade, dass wir beide uns nicht öfter sehen“. – „ An mir soll’s nicht liegen… Ich mache auch Hausbesuche“, flüsterte er grinsend. – „OK. Du weißt, wo ich wohne. Komm einfach, wenn Du Zeit hast“. – „Mach ich… bestimmt“.
[Auch für Gus und mich wurde die ‚Thermos-Sauna ‘ ein fester Anlaufpunkt, als wir später privat oder beruflich in Amsterdam waren. Jeroen arbeitete noch viele Jahre dort und wurde nicht nur für uns sondern auch für Erik und Karl ein richtig guter Freund. Leider starb er 2001 an AIDS. Gottseidank hat sich niemand von uns bei ihm angesteckt.]
Henk und Roberto machten sich auf den Rückweg zum Hotel und verabschiedeten sich vor dem Haupteingang mit einer innigen Umarmung und einem langen Kuss. „Sehen wir uns morgen?“ – „Ja gern. Wenn Ihr wollt zeige ich Euch noch etwas von der Stadt“. – „Hängt von Bjørn ab. Vielleicht möchte er ja noch mit Esben zusammen sein“. – „Kein Problem, ich bin um zehn wieder hier. Ciao, mein Lieber!“
Weder Anders noch Bjørn waren in der Zwischenzeit zurückgekommen. Roberto zog sich aus, schmiss sich aufs Bett und schlief sofort ein. Erst gegen vier Uhr morgens spürte er den wohlig warmen Körper seines Liebsten in seinem Rücken und den vertrauten Schwanz zwischen seinen Schenkeln. „Du riechst gut“, bemerkte Bjørn, gab seinem Schatz einen Kuss und sie schliefen beide eng umschlungen ein.
Der Wecker auf dem Nachtisch zeigte 10:10 als es leise an der Tür klopfte. Roberto erwachte und rief verschlafen „herein“. Henk blieb rücksichtsvoll in der Tür stehen und sagte: „Guten Morgen, Ihr beiden Langschläfer! Ich hoffe, Ihr habt gut geschlafen. Es gibt unten noch eine halbe Stunde lang Frühstück… also, wenn Ihr Euch beeilt…
Bjørn blinzelte verschlafen in Richtung Tür, schien aber nicht zu realisieren, wer von dort zu ihm sprach. Roberto streckte sich und gähnte: „ Du bist ja ein ganz Aktiver… Ich könnte nach unserer Massage gestern gern noch ein bisschen ausruhen.“
„Was habt Ihr beide denn gestern Abend gemacht?“. Bjørn wurde langsam wach.
Henk wurde unsicher, schaute zu Boden und wollte gerade sagen, dass er im Frühstücksraum auf die beiden warten werde, als Roberto ihm ein Zeichen gab, zu ihnen zu kommen und sich auf die Bettkante zu setzen.
„Wir haben uns gestern massieren lassen“, lachte Roberto. – „Von wem?“ – „Von Jeroen“. – „Wer bitte ist Jeroen?“ – „Ein super geiler Mitarbeiter einer der aufregendsten Saunen, die ich kenne“. – „Ach ja? Hab ich es mir doch gedacht. Man kann Euch beide nicht fünf Minuten allein lassen“.
Bjørn rieb sich den Schlaf aus den Augen und schlug die Bettdecke zurück, so dass Henk und Roberto seine wunderschön steife Morgenlatte sehen konnten, die so hart war, dass sich jede Ader dick und deutlich abzeichnete. Er streckte sich noch einmal und fragte: „Raus mit der Sprache, was habe ich versäumt?“
Henk schaute ihn entgeistert an und rieb sich unwillkürlich seinen Schritt. „Ihr beide seid wirklich das außergewöhnlichste Männerpaar, das ich je kennengelernt habe. Lustig, geil, ohne Hemmungen, offen, ehrlich und so unheimlich lieb“.
„Tja Schatz, das wird ein Geheimnis zwischen mir und Henk bleiben… Es sei denn, Du gibst mir jetzt einen Kuss und versprichst, uns beiden nicht böse zu sein, dass wir uns mal etwas ohne Dich gegönnt haben…“.
„Oh, wenn das so einfach ist… versprochen!“. Bjørn sprang auf und warf sich mit seinem ganzen Gewicht lachend auf seinen Liebsten, der auf eine solche Attacke nicht vorbereitet war und röchelte: „Gnade! Ich erzähle alles…“.
Bjørn ignorierte sowohl das Flehen seines Geliebten als auch die Anwesenheit von Henk, den so viel Spontanität etwas zu überfordern schien. Sein nackter Körper hob und senkte sich. Geschmeidig wendete er seine schmale Hüfte mal in die eine mal in die andere Richtung und immer wieder sprang gleichsam sein heißer, harter, fast rotglühender Schwanz auf Robertos Bauchdecke.
„Oh Gott, Du schaffst mich…“, stöhnte Roberto, der die anstrengende Massage des Vorabends noch nicht ganz verkraftet hatte. Ihm schoss durch den Kopf, dass das jetzt wohl die gerechte Strafe für seinen „Seitensprung“ war und ergab sich den Liebkosungen seines Schatzes.
Henk war unsicher, ob er lieber gehen oder bleiben sollte. Auf der einen Seite hatte keiner seiner beiden neue Freunde ihm bedeutet, dass er unerwünscht sei; auf der anderen Seite, war es ihm peinlich, sich noch einmal in diese Partnerschaft einzumischen - wenn auch nur durch Zusehen. Er musste sich allerdings auch eingestehen, dass er es unsagbar genoss, zwei so hübsche, nackte, sich liebende Männerkörper so dicht neben sich zu haben.
Noch während Roberto versuchte, den Kolben seines Schatzes ganz in seinem Mund zu versenken, griff Bjørn suchend hinter sich und bekam schließlich Henks Oberschenkel zu fassen. Dort krallte er sich förmlich fest und riss ein paar Mal kräftig an der Hose.
Damit waren Henks Zweifel beseitigt und er zog hastig Jacke, Hemd und Hose aus. Auf seinem Slip zeichnete sich bereits ein dunkler, feuchter Fleck ab und sein klassisch schöner Schwanz hatte sich längst einen Weg nach draußen gebahnt. Das Stück Stoff verbarg nichts mehr.
„Ach so, jetzt begreife ich… Diesem wunderschönen Teil konnte also mein untreuer Partner gestern abend nicht widerstehen. Verständlich… wäre mir auch so gegangen… Das sei Dir vergeben, mein Süßer“, dabei stieß er seine Morgenlatte so tief in Robertos Schlund, dass dieser einen Würgereiz bekam. „Aber über diesen geheimnisvollen Jeroen möchte ich mehr wissen… sonst…“, und wieder stieß er kräftig zu und der arme Roberto begann zu schwitzen.
Henk legte sich jetzt neben Roberto und umfasste mit seinem einen Arm ihn und mit dem anderen Bjørns Hüfte. „Ich habe Schuld“, sagte er leise. „Ich habe Deinen Mann in eine Männer-Sauna entführt. Dort hat er dann so einen Eindruck auf einen Mitarbeiter gemacht, dass der uns eine Gratis-Massage angeboten hat… Na ja, dass die dann zum Schluss sehr spritzig wurde, konnten und wollten wir beide dann auch nicht verhindern.“ Henk sah Bjørn wie ein Kind an, das beschuldigt worden war, Äpfel geklaut zu haben.
„OK,… willensschwach also … alle beide. Na ja, hätte ich gestern nicht einen so einmalig fantastischen Tag gehabt, wäre ich jetzt vielleicht sauer… aber so gönne ich Euch beiden den Spaß… Los! Du untreue Seele, jetzt zeig mal, dass Du nicht nur fremde Sauna-Mitarbeiter zum Abspritzen bringen kannst“, und noch einmal stieß Bjørn seine eisenharten zwanzig Zentimeter erbarmungslos in den Rachen seines Mannes. Dann zog er ihn plötzlich raus und drückte ihn Henk so heftig ins Gesicht, dass der automatisch eine Abwehrbewegung machte. Dann umschloss aber auch er mit seinen Lippen die rosa Eichel und ließ den gesamten Schwanz bis zum Schaftansatz in seinen Rachen gleiten, scheinbar mit großem Genuss und ohne jegliche Probleme.
Roberto atmete immer noch schwer, setzte sich aber auf und kniete sich hinter Bjørn. Er spuckte ein paar Mal kräftig auf seinen Po und schob dann seine Latte ganz sachte und liebevoll in das sich öffnende Loch. Er keuchte und stöhnte, stieß immer wieder zu und schwitzte dabei immer mehr. Mit jedem Stoß in seinen Darm, stieß auch Bjørn heftiger gegen Henks Gaumen. Der rollte begeistert mit den Augen und saugte immer wieder Bjørns Glied quasi in sich hinein.
Als Bjørn sich dann ziemlich plötzlich und nur mit einem ganz leisen: „I’ll cum“ entleerte, musste Henk schließlich doch würgen, da er offenbar auf die große Spermamenge nicht vorbereitet war.
Fast gleichzeitig stieß Roberto einen ganz leisen Schrei aus und ließ sich erschöpft auf den Rücken seines Mannes sinken.
„Das muss ja gestern richtig zur Sache gegangen sein, wenn Du jetzt schon so kaputt bist…“, feixte Bjørn, drehte sich zu seinem Liebsten um und gab ihm einen Kuss auf seine verschwitzte Stirn. „Willst Du Dich denn gar nicht um Deinen neuen Kumpel kümmern? Der kommt ja gar nicht zu seinem Recht“. – „Gib mir doch Zeit, erstmal richtig wach zu werden…“. – „Na dann… einen so hübschen Kerl, kann man doch nicht sich selbst überlassen“, schmunzelte Bjørn, dessen Latte immer noch stand als sei nichts gewesen.
„Magst Du?“. Er sah Henk an und strich ihm über den Kopf, während er sich gleichzeitig auf seine Schwanz setzte. Henk ließ sich nicht lange bitten und schob seinen harten Kolben vorsichtig und Zentimeter für Zentimeter in das bereits gut vorbereitete Loch. Henk schob seinen Arm unter Henks Po und hob und senkte ihn. Dabei spielte er zwischendurch immer mal mit seiner Rosette, was Henk zu den unterschiedlichsten Lauten der Lust veranlasste.
Es dauerte nicht lange, bis auch Henk in mehreren Schüben seine ungewöhnlich weiße Sahne in Bjørns Darm befördert hatte, und dabei seine beiden neuen Freunde mit wilden Küssen bedeckte.
Der Zimmerservice würde an diesem Sonntagmorgen nicht darum herumkommen, das Bett komplett neu zu beziehen. Was auch immer die Zimmermädchen sich bei den riesigen gelblich-braunen Flecken denken mochten.
Für ein Sonntagmorgen-Frühstück im Hotel war es inzwischen zu spät geworden. Daher nahmen sich die Drei ausgiebig Zeit gemeinsam zu duschen und brachen anschließend zu einem Stadtbummel auf. Anders und Vatern waren bereits zu einer Museums-Tour unterwegs.
Für den Abend hatte Esben alle Fünf in eine Kneipe im Jordaan zum Abendbrot eingeladen.
Die Stadt zeigte sich von ihrer schönsten Seite. Eine klare, kalte Luft, blauer Himmel und weiße Wolken ließen die charakteristischen Fassaden der alten Backsteinhäuser kontrastreich im Wasser der Grachten spiegeln.
Die drei Freunde suchten sich einen Platz auf dem sonnigen Teil eines großen Cafés an der Leidsegracht und bestellten sich jeder ein kleines Frühstück.
„Nun erzählt mal, wo ist denn diese sagenumwobene Sauna? Was gibt es dort alles? Gehen dort viele Männer hin? Eher alte oder eher junge? Und was ist denn an diesem Jeroen so aufregend?“ Bjørn nippte an seinem Kaffee und streckte sein Gesicht der Sonne entgegen.
Henk legte sein Brötchen beiseite und antwortete: „‘Thermos-Day‘ ist nur ein paar hundert Meter von hier. Sie gehört zu Europas größten Männer-Saunas zurzeit“. Und dann beschrieb er die Anlage und ihre Gäste bis ins kleinste Detail. „Jeroen ist ein netter Junge, der dort schon mit 16 illegal gearbeitet hat. Jetzt ist er fast 19 und quasi mit dem Unternehmen verheiratet. Man erzählt sich, er habe den Job nur behalten, weil er sich sehr selbstbewusst und manchmal auch ‚tatkräftig‘ gegen Männer gewehrt hat, die geglaubt haben, er sei frei verfügbares ‚Frischfleisch‘. Heute weiß auf jeden Fall jeder Stammgast, dass Jeroen sich seine Partner sehr bewusst selbst aussucht und auf jede unerwünschte Anmache sehr abweisend und manchmal auch böse reagieren kann. Er ist nicht nur ausgesprochen charmant, sondern seine Potenz ist legendär. Seine Mimik und seine Körperbewegungen sind wie die eines Schauspielers. Jedenfalls spielt er seine Rolle als ‚junger Gastgeber‘ in der Sauna perfekt. Die Eigentümer des Unternehmens und ihr Geschäftsführer scheinen sich voll auf Jeroen zu verlassen“.
„Das hört sich alles so spannend an, dass ich mir den Laden unbedingt noch ansehen möchte, bevor wir wieder abreisen. Vorausgesetzt mein ‚untreuer Partner‘ kommt mit und stellt mich seinem Masseur vor“, feixte Bjørn. – „Dein ‚treuer‘ Partner muss erstmal regenerieren und seiner Samenblase etwas Schonung gönnen, aber dann ist er dabei…“, grinste Roberto.
Die Drei schauten sich noch einige Antiquitätengeschäfte in der Spiegelgracht an, wanderten über den Rembrandtplein und den Dam zurück zum Hotel.
Roberto und Bjørn wollten sich unbedingt noch etwas ausruhen, da zu vermuten war, dass der Abend mit Esben lang werden würde. Von Vatern und Anders war nichts zu sehen, aber Bjørn meinte, sie würden spätestens zum Essen im Jordaan auftauchen.
Im Restaurant 't zwaantje‘ war es brechend voll. Touristen und Einheimische drängelten sich an der Bar oder aßen an den einfachen Holztischen typische holländische Hausmannskost. Wie eine Insel leuchteten die zwei zusammengeschobenen, mit weißen Tischdecken belegten Tische an einem der großen Fenster zur Straße. Es war für acht Personen gedeckt und sogar mit Blumen dekoriert.
Esben saß an der Bar und unterhielt sich mit einer jüngeren, blonden Frau und einem hageren, großen jungen Mann, der durch seine grauen Haare, Brille und Halbglatze älter wirkte als er in Wirklichkeit war. Immer wieder schaute Esben nervös zum Eingang. Er wollte auf gar keinen Fall verpassen, wenn sein Sohn und seine Freunde kamen.
Als sie endlich eintraten, sprang er von seinem Barhocker, stieß dabei fast sein Bierglas um und stürmte ihnen entgegen. „Willkommen! Ich freu mich so, dass Ihr da seid. Setzt Euch gleich dort ans Fenster. Die Plätze sind für uns. Ich hoffe, es stört Euch nicht, dass ich die beiden liebsten und wichtigsten Menschen für mich mit eingeladen habe.“ Er deutete auf die Blonde und stellte sie als „Femke“ und den großen Schlanken als „Tinus“ vor.
Beide gaben allen artig die Hand; wobei Roberto auffiel, dass Tinus einen schlafferen Händedruck als Femke hatte. Esben erklärte: „Wenn ich Femke nicht hätte, wäre ich längst untergegangen. Sie ist quasi die ordnende Kraft in meinem Privatleben und das Liebste, was ich habe“. Er gab ihr einen zärtlichen Kuss auf die Backe. „Tja, und Tinus sorgt dafür, dass ich beruflich die Übersicht behalte und ein bisschen Geld in die Kasse kommt. Er kümmert sich unter anderem auch um meinen Fitness-Club, den ich seit einigen Jahren als zweites Standbein habe“.
„Der müsste aber in seinem Club auch mal selbst ein bisschen trainieren…“, flüsterte Roberto Bjørn ins Ohr.
Esben platzierte Bjørn zu seiner Rechten und Femke zu seiner Linken. Ihm gegenüber saßen Anders und Tinus, daneben Roberto, und Henk und Vatern saßen jeweils am Kopfende.
Esben erhob sich und hielt sein Weinglas hoch: „ Ihr wisst es ja alle, aber ich muss es einfach nochmal loswerden, wie glücklich ich bin, dass ich seit gestern Vater eines prachtvollen, erwachsenen und sehr ansehnlichen Jungen bin. Aber nicht nur das… Dadurch, dass mein aller bester Freund Anders nach über zwanzig Jahren wieder in mein Leben getreten ist, ist für mich die Welt wieder rund und meine Vergangenheit gehört wieder zu mir. Ihr könnt wahrscheinlich nicht ermessen, was die letzten 24 Stunden für meine Seele bedeutet haben. Endlich passt alles zusammen und ich bin dort, wo ich immer hin wollte… zuhause. Prost auf meinen tollen Sohn, meinen treuen Freund und auf Euch, die Ihr mir alle auf Eure Art sehr, sehr viel bedeutet… Prost!“
Tinus lächelte Roberto an und sagte auf Deutsch: „Ich habe gehört, Sie haben Deutschland den Rücken gekehrt, um Landwirtschaft in Norwegen zu betreiben?“ Roberto erwiderte das Lächeln und fand Tinus bei näherer Betrachtung durchaus attraktiv. Er schätzte ihn auf knapp 35 und ihm gefielen die markanten Gesichtszüge und die tiefliegenden, lebhaften, grauen Augen. „Stimmt nicht ganz. Ich arbeite eigentlich mit einem Projekt für das Goethe-Institut in Oslo. Unser Hof ist Bjørns Sache. Ich lerne zwar sehr viel, und es macht mir riesigen Spaß, aber der Fachmann und Chef ist er. Übrigens, wir können uns gerne duzen. Bei uns in Norwegen benutzt man das „Sie“ nur für viel ältere und total fremde Personen… und beides trifft ja auf uns beide nicht zu“, grinste Roberto.
Tinus strahlte: „So hat mir Esben das auch erklärt, aber ich bin sehr konservativ erzogen worden und habe selbst meinen Vater noch bis ich 21 war gesiezt“. „Ach, ich dachte hier in den Niederlanden sei man besonders tolerant und fortschrittlich“. Roberto sah Tinus erstaunt an. „Das wirkt nur so. Amsterdam ist nicht Holland. Bei uns auf dem Lande ist es zum Teil schlimmer als bei Euch in Bayern… Oh, sorry… Sie… Du hast ja mit denen gar nichts zu tun“.
„Also, Moralisten, fundamentale Christen und ewig Gestrige gibt es in unserem scheinbar so liberalen Norwegen allerdings auch viele. Gottseidank sind sie eine Minderheit, benehmen sich meistens ordentlich und lassen uns in Ruhe“.
„Habt Ihr Probleme damit, dass Ihr als Männer-Paar auf Eurem Hof wohnt? Ich kann mir vorstellen, die Leute reden hinter Eurem Rücken, oder nicht?“ – „Vielleicht haben sie sich die ersten drei Wochen die Mäuler zerrissen, aber inzwischen haben wir ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Nachbarn“.
Anders hatte die Unterhaltung verfolgt und mischte sich jetzt ein: „Die beiden haben sogar bei einem großen Fest in der Gemeinde zusammen getanzt und die Leute waren begeistert. Moralisten und Schwulenhasser würden vermutlich bei uns einen sehr schweren Stand haben… nicht zuletzt dank der beiden hier“. Anders zeigte auf Roberto und Bjørn und lächelte.
„Das Selbstbewusstsein und die offene Art hat Bjørn von seinem Vater geerbt… ganz zu schweigen von seinem fantastischen Aussehen“, meinte Tinus.
Anders schmunzelte und zog leicht die Augenbrauen hoch. „Ja, ganz bestimmt“.
Femke versuchte immer mal wieder Blickkontakt mit Bjørn und den anderen Gästen seines Vaters herzustellen, doch irgendwie wollte ihr das nicht gelingen. Selbst Esben schien sich an diesem Abend nicht besonders für sie zu interessieren. Er legte immer wieder den Arm um die Schulter seines Sohnes und wiederholte mehrfach: „Nun erzähl doch mal, wie…“, oder „Ich bewundere Euch beide und bin so stolz…“, dabei sah er abwechselnd zu Roberto und zu Bjørn.
Vatern lächelte und bekräftigte: „Ja, die beiden haben wirklich Unglaubliches in sehr kurzer Zeit geleistet. Wer noch nicht auf Bjørnstangen war, sollte das so schnell wie möglich nachholen“.
Tinus wendete sich wieder an Roberto und fragte: „Hast Du denn nie Zweifel gehabt? Ich meine… norwegische Mentalität, Klima, Kultur… das ist doch alles so ganz anders als in Italien oder in Deutschland“. – „Ja, das mag sein, aber ich hatte ja schon einige Zeit auf einer norwegischen Fähre gearbeitet und dann schließlich den Sohn von Karl, seine Familie und seine Freund kennengelernt. Da war ich einfach von Land und Leuten fasziniert… Vielleicht gerade weil die Menschen sich so sehr von meinen Landsleuten unterscheiden. Ich mag Klarheit, Ehrlichkeit, Offenheit und Gradlinigkeit… alles Eigenschaften, die ich in meiner alten Heimat oft vermisst habe“. Tinus nickte und dachte nach. Dann nahm er seine Brille ab, putzte sie mit seiner Serviette und schaute Roberto lange und intensiv von der Seite an.
„Ich habe bei meinen Geschäften oft sowohl mit Deutschen, Skandinaviern als auch Italienern zu tun. An den Deutschen schätze ich ihre absolute Zuverlässigkeit, an den Italienern ihre Emotionalität und an den Skandinaviern ihre Natürlichkeit. Esben mochte ich vom ersten Augenblick an, obwohl wir total unterschiedliche Interessen und Ansichten haben, mag ich seine menschlich warme und ehrliche Art. Wenn sein Sohn davon nur ein paar Prozent geerbt hat, hast Du einen tollen Freund fürs Leben“.
Esben hatte die Worte gehört und beugte sich zu Tinus und Roberto: „Jetzt mach mir nicht den Partner meines Sohnes verrückt… der hat sich doch längst seine Meinung gebildet… so eine Lichtgestalt bin ich nun wirklich nicht. Roberto, hör nicht auf Tinus… ich bin in Wirklichkeit ein eigensüchtiges A…loch… ich hoffe, mein Sohn hat davon nichts mitbekommen“.
Anders lachte jetzt laut und meinte: „So kann man die Leute auch dazu bringen, Komplimente zu machen… Esben ist ein ganz Treuer und der Einzige, der in meiner schwersten Zeit ohne Wenn und Aber zu mir gehalten und sein letztes Hemd mit mir geteilt hat. Ich glaube, ohne ihn säße ich heute nicht hier. Als ich aus dem KZ nach Hause kam, waren beileibe nicht alle meine Landsleute offen, mitfühlend und hilfsbereit. Da gab es so viele Vorurteile, Abgrenzung und Hass. Esben war einer der Wenigen, der mich nahm, wie ich war. Ich war böse, verbittert und haderte mit der ganzen Welt. Er hatte so gut wie nichts und teilte trotzdem das Wenige mit mir. Er hatte an jedem Finger eine andere Freundin, und trotzdem war er immer für mich da, wenn ich ihn brauchte… und… außer der Mutter von Bjørn hat sich meines Wissens nie eine Frau über ihn beschwert… Entschuldige Femke, ich hoffe, Du bist jetzt nicht schockiert“.
Femke setzte ein gewinnendes Lächeln auf und strich Esben über den Kopf: „ Nein, nein… ich kenne die meisten seiner Geschichten und ich weiß, wie sehr es an ihm genagt hat, dass er von Dir so viele Jahre nichts mehr gehört hat“.
„Und Ihr glaubt gar nicht, wie ich gelitten habe, nicht zu wissen wer und wo mein Vater ist“, warf Bjørn dazwischen. „Und jetzt bin ich so, so stolz, dass er so ist, wie ich ihn mir insgeheim immer erträumt habe“, dabei drehte er sich zu seinem Vater um und gab ihm einen Kuss auf die Backe.
„Und jetzt ist Schluss mit der Lobhudelei! Prost, meine Lieben, auf Euch, die Liebe und die Freundschaft!“ – „Prost…prost…prost…“.
Tinus hatte seine Brille immer noch nicht wieder aufgesetzt und nutzte den Anlass, Roberto beim Prosten noch einmal tief in die Augen zu blicken. Ob sich ihre beiden Knie absichtlich oder unabsichtlich unterm Tisch trafen blieb ungeklärt. Allerdings fanden sie sich von diesem Moment an beide auf eine „unheimliche Art“ sympathisch, wie sie sich später noch mehrfach versichern würden.
Bjørn entging das heimliche Interesse seines Liebsten nicht und er dachte: „ Wäre ich eine Frau und mit dem Mann verheiratet, würde ich vermutlich durchdrehen… aber gerade weil er diesen untrüglichen Instinkt für nette Männer hat, liebe ich ihn halt auch…“.
Um die erotische Spannung, die sich zwischen Tinus und seinem Liebsten offenbar aufbaute zu unterbrechen, fragte Bjørn: „Wie lange kennst Du meinen Vater schon?“ – „Seit ich ihm sein Hausboot beschafft habe. Ich war damals Finanzberater der Gewerkschaft und habe nebenbei gemakelt. Esben ging dauernd finanzielle Risiken ein und wollte dann auch noch unbedingt umziehen. Na ja, weil ich ihn vor dem Ruin bewahren wollte und ich gleichzeitig sein politisches Engagement sehr schätzte, habe ich ihm meine Hilfe angeboten“.
„Du Schlingel bist nicht ganz ehrlich. Du fandst mich damals auch attraktiv… gib’s ruhig zu. Wir sind ja hier unter uns. Aber gerade weil Du das nie gesagt hast, alle meine Frauengeschichten wie selbstverständlich hingenommen hast und trotzdem eine der treuesten Seelen bist, die ich kenne, möchte ich Dich als Freund nicht missen“.
Innerhalb von Sekunden wurde Tinus knallrot und, als ob er es damit verbergen könnte, setzte er seine Brille wieder auf und wagte es nicht, Roberto länger anzublicken. Der amüsierte sich und suchte Blickkontakt zu Bjørn, nur um ihm verstohlen zuzuzwinkern.
„Tinus! Das war lieb gemeint. Kein Grund rot zu werden. Du bist ein prachtvoller Kerl!“. Esben war sich nicht sicher, ob er das Richtige gesagt hatte.
Den Rest des Abends unterhielten sie sich über die politischen Verhältnisse in den Niederlanden, Esbens Fitness-Studio und immer wieder auch die wirtschaftliche Entwicklung Norwegens. Vatern und Tinus waren sich einig, dass die Erdölfunde in der norwegischen See, das Land schon in kurzer Zeit stark verändern würden. Bjørn und Roberto meinten, das müsse nicht zum Nachteil sein. Henk meinte, Geld verderbe den Charakter.
Kurz vor Mitternacht waren sie die letzten Gäste im Restaurant. In den schmalen Gassen der Altstadt schien das bunte Treiben erst jetzt zu beginnen. Viele fröhliche Menschen waren unterwegs und lachten ihnen zu, als sie auf die Straße traten.
Esben wollte Femke nach Hause bringen. Anders und Vatern waren müde und wollten ins Bett. Tinus wirkte unschlüssig und verabschiedete sich etwas linkisch per Handschlag von den anderen. Als er sich umgedreht hatte und schon ein paar Schritte die Prinsengracht hinauf gegangen war, rief Bjørn ihm nach: „Tinus, gehst Du schon nach Hause? Willst Du nicht mit uns noch irgendwo ein Bierchen trinken?“ Der Angesprochen drehte sich abrupt um und kam strahlend, als ob er auf diese Einladung gewartet hätte, zu ihnen zurück. „Ja gern, ich hatte gerade den selben Gedanken“.
Henk schlug vor: „Gleich dort vorn ist ein kleines Rock-Café, die haben die ganze Nacht geöffnet“.
„OK, auf geht’s!“, rief Roberto, hakte Bjørn unter und marschierte los.
Roberto stellte fest, dass die besagte Kneipe in der selben Gasse lag, in der sie schon am Vorabend an einer Tür mit kleinem Messingschild geklingelt hatten. Er wollte das aber erstmal nicht kommentieren.
Die Musik, die durch die halb geöffnete Tür nach draußen drang, gefiel Bjørn und auch die Jungs, die ständig ein und aus gingen trafen voll seinen Geschmack.
Auch diese Kneipe war durch den Rauch der Zigaretten gleichsam ‚vergilbt‘. Die rustikale Einrichtung vermittelte die typische Gemütlichkeit der Amsterdamer ‚bruinen Cafés‘. Eine langgezogene Bar mit unzähligen Flaschen und Gläsern auf der einen und eine Reihe kleiner Tische mit jeweils drei Stühlen an der anderen Seite waren fast ausschließlich von Männern allen Alters recht gut besetzt. Durch die spärliche Beleuchtung konnte man Gesichter nur schwer erkennen.
Die Vier schoben sich an einigen eng bei einander stehenden Grüppchen vorbei bis ans Ende der Bar, wo noch vier Plätze frei waren.
Einige Gäste grüßten Tinus höflich aber sehr distanziert, andere schienen Henk zu kennen und nickten ihm zu. Roberto bemerkte, dass Tinus wieder nervös und unruhig wurde und sich mehrfach umschaute. „Gefällt Dir der Laden hier nicht?“
„Doch, doch… ich habe hier in der Nähe hin und wieder zu tun. Da schau ich abends gern mal hier vorbei“. Roberto hatte das Gefühl, dass diese Antwort nicht ganz ehrlich war, sagte aber nichts.
Als sie sich gesetzt und ihr Bier bestellt hatten, stand am letzten Tisch der fast völlig im Dunkeln lag ein junger, schlanker Mann auf und strebte dem Ausgang zu. Als er sich umdrehte, erkannte Roberto seine sagenhafte Bekanntschaft vom Vortag. Jeroen stutzte einen Augenblick, drehte sich dann wieder um und kam strahlend auf sie zu. „Na, was sehen meine schon etwas getrübten Augen? Je später der Abend desto netter die Gäste“. Als er Tinus sah stutzte er noch einmal und bekam quasi einen seriösen Gesichtsausdruck: „ Goedenavond baas! Ben je er weer?“ – „Hey, Jeroen! Hast Du heute frei?“ – „Nein, wir haben sauber gemacht und gerade abgeschlossen“. – „Ach so, na dann… Ich komme morgen“.
Roberto wunderte sich über den Dialog und flüsterte Henk zu: „Was haben denn die beiden mit einander?“ – „Vermutlich nichts… Ich bin aber nicht sicher. Ich habe vorhin schon dauernd überlegt, wo ich Tinus schon mal gesehen habe. Er kommt hin und wieder in die ‚Thermos Day‘.“
Da jetzt Robertos Neugier geweckt worden war, ging er Jeroen nach und sprach ihn an. „Sollten wir gemeinsame Bekannte haben?“, lachte er. Jeroen zögerte einen Moment und sagte dann ernst: „Das hättet Ihr mir gestern abend ruhig sagen können, dass Ihr die graue Eminenz unseres Betriebes kennt“. – „Gestern kannten wir ihn noch gar nicht“, antwortete Roberto entschuldigend und gleichzeitig erstaunt. Er erzählte Jeroen eine Kurzfassung der Geschichte von Bjørn, seinem Vater und ihrer kleinen Feier.
„Geh lieber wieder zurück, damit ich nicht in Verdacht komme geklatscht zu haben. Das mag Tinus überhaupt nicht. Ich komme gleich wieder, dann treffen wir uns ganz zufällig ganz hinten am letzten Tisch, OK?“ – „Ja, alles klar, bis gleich“.
Außer Bjørn war niemandem aufgefallen, dass Jeroen und Roberto mit einander gesprochen hatten. „Na, Du scheinst Dich ja in dieser Stadt schon richtig eingelebt zu haben“, flüsterte er seinem Schatz ins Ohr. „Das war unser Masseur von gestern… das wird interessant … ich erzähl Dir nachher mehr“.
Tinus wurde wieder sichtbar gelöster und schwärmte von seiner Freundschaft mit Esben, erzählte von schwierigen Immobilien-Geschäften und der hohen Arbeitslosigkeit in ‚seiner‘ Stadt, erwähnte aber seine Begegnung mit Jeroen mit keinem Wort.
Nach etwa einer halben Stunde, winkte Tinus den Wirt zu sich, flüsterte ihm etwas ins Ohr, unterschrieb einen kleinen Zettel und erklärte dann: „Ich muss jetzt leider los. Morgen wird ein anstrengender Tag für mich. Danke für einen schönen Abend. Ich hoffe, wir sehen uns bald mal wieder… vielleicht ja auch in Norwegen“. Er verabschiedete sich mit Handschlag und bahnte sich den Weg nach draußen.
Bjørn schaute etwas ratlos in sein Bierglas. „Mein Vater hält sehr viel von Tinus. Für mich wirkt er wie das genaue Gegenteil von Esben. Aber vielleicht ergänzen sie sich ja gut. So wie ich es verstanden habe, hat Vater in den letzten Jahren viel Geld verdient und das vermutlich auch mit Hilfe von Tinus“.
Der Wirt stellte ihnen gerade ungefragt ein neues Bier hin, als Jeroen wieder auftauchte. Roberto winkte ihm zu und deutete auf den leeren Platz neben sich. Jeroen grinste und ließ sich mit einem Seufzer auf dem Barhocker nieder. „Hallo! Ich bin Jeroen“, sagte er an Bjørn gewandt und lächelte.
„Hei, ich bin Bjørn. Ich habe schon heute morgen von Deiner großartigen Massagekunst gehört. Du hast großen Eindruck auf meinen Partner gemacht… Kommt nicht häufig vor… kannst Du Dir was drauf einbilden“. – „Oh, das freut mich… besonders aber, dass ich Dich schon heute abend kennenlernen darf. Unsere Gäste erzählen in der Regel nicht viel von ihren Partnern, aber Dein Roberto hat so viel von Dir berichtet, dass ich wirklich gespannt war, Dich zu treffen… Übrigens, mit ein Grund, warum ich noch einmal zurückgekommen bin“. Jeroen bedachte Bjørn mit einem entwaffnenden Lächeln.
Roberto sah Jeroen an und sagte: „Jetzt musst Du uns mal erzählen, wieso Du den besten Freund von Bjørns Vater so gut kennst“. – „ Ganz einfach, er ist quasi einer meiner Chefs…“.
„Ach…“, kam es wie aus einem Munde von den anderen. „Na ja, er vertritt die Geldgeber unserer Firma und ist der einzige, der sich – außer unserem Geschäftsführer – regelmäßig bei uns zeigt“. –„ Das hätte ich jetzt nicht gedacht…“, Roberto war wirklich erstaunt.
„Ich finde…, Tinus ist ein sehr widersprüchlicher Mensch. Aber sagt das bitte nicht weiter. Da Dein Vater und er so gut befreundet sind, könnte mich das meinen lukrativen Job kosten. Was ich Euch jetzt erzähle muss absolut unter uns bleiben… Wir sollten uns vielleicht auch lieber dort hinten in die Ecke setzen. Hier hören mir zu viele Klatschbasen zu“.
Sie erhoben sich alle vier und setzten sich an den hintersten Tisch, der gerade frei geworden war.
„Tinus ist einer der wohlhabendsten Immobilienmakler der Stadt, verdient sein Geld aber vorwiegend mit Aktien und Gesellschaftsbeteiligungen. Unsere Firma ist für ihn nur ein Hobby. Er hat in der amerikanischen Porno-Film-Industrie genauso investiert wie in der Mailänder Modebranche, einer britischen Zeitung, einem deutschen Lebensmittelkonzern oder der norwegischen Erdölindustrie. Einerseits soll er ein glasharter, fast brutaler Geschäftsmann sein, andererseits leiht er Leuten, die er mag, zinslos große Geldbeträge, ohne sie jemals zurückzufordern. Es gibt bei uns im Betrieb zwei eiserne Regeln: erstens, sprich Tinus niemals auf sein Geld an und zweitens, sprich ihn niemals auf sein Gemächt an. Zwei Dinge, die unweigerlich zum Rausschmiss führen“.
„Gemächt? Wieso das denn?“. Bjørn schüttelte ungläubig den Kopf. „Ach, ich dachte, Ihr hättet das schon irgendwie mitbekommen… Jeder, der Augen hat zu sehen, müsste das eigentlich bemerkt haben“. Jeroen verdrehte die Augen und grinste so diabolisch, dass er jedem Mephisto-Darsteller die Rolle hätte klauen können.
„Tinus wollte sich schon mal in Amerika operieren lassen, um seine ungeheuren 40 Zentimeter Ruhezustand ‚einkürzen‘ zu lassen. Sein Schwanz ist für ihn eine echte Belastung. Tinus sitzt bei uns fast nur angezogen an der Bar. Ganz selten duscht er mal, meistens nur wenn wenige Gäste da sind und dann nur in dreiviertel langen Shorts, die er sich in Amerika hat maßschneidern lassen. Es geht sogar das Gerücht, er habe ab und zu Kreislaufprobleme, wenn sich sein Schwanz mit Blut füllt“.
„Hat er denn keinen schwulen Freund?“, wollte Bjørn wissen. – „Jedenfalls keinen festen. Auch das Thema darf man nicht ansprechen; dann wird er sofort aggressiv. Ich habe ihn mal massieren dürfen und dabei hat er von sich aus erwähnt, dass er Wert darauf legt, nicht von Männern angesprochen zu werden, sondern sich seine Partner selbst aussuchen möchte. Er wollte mir Geld dafür geben, dass ich ihn regelmäßig ficken dürfte. Ich habe abgelehnt. Seit dem besuche ich ihn zwar noch manchmal in seiner Penthouse Wohnung, massiere ihn aber nicht mehr. Dass ich meine Job in der Sauna noch habe, grenzt an ein Wunder, aber irgendwie mag er mich und er vertraut mir. Ich darf sogar hin und wieder bei ihm übernachten und bin wohl auch der einzige, der ihm hin und wieder mal ein Kompliment machen darf, ohne dass er sofort ausrastet. Kritik verträgt er hingegen gut und geht ganz sachlich damit um. Wie gesagt… der Mann steckt voller Widersprüche“.
„Umso mehr erstaunt mich die Freundschaft zu meinem Vater. So ein Mensch passt gar nicht zu ihm… aber vielleicht habe ich noch nicht alle Seiten meines Vaters kennengelernt… Aber wir kennen uns ja auch noch keine 48 Stunden“, sagte Bjørn nachdenklich.
„Darf ich fragen, wie Dein Vater heißt… also, Du musst es mir nicht sagen… aber es wäre interessant, ob ich ihn kenne“. – „Esben Sigurdsen“, antwortete Bjørn spontan. – „Mann oh Mann, Zufälle gibt es… Ist das der Sozialist Sigurdsen, der eines der größten Fitnesscenter Amsterdams besitzt? Der Gewerkschaftsmann, der sich immer für die kleinen Leute eingesetzt und gegen die Arbeitgeber gewettert hat, und dann plötzlich selbst Arbeitgeber von 25 Angestellten wurde?“.
„Ja, scheint so“. Bjørn war jetzt vollends verunsichert.
„Mach Dir mal deswegen keine Gedanken. Dein Vater hat immer noch einen guten Ruf. Er behandelt seine Leute gut, zahlt ihnen Spitzenlöhne und das Betriebsklima ist ausgezeichnet. Hin und wieder steht mal was über seine Frauengeschichten in der Zeitung… Scheint ziemlich potent zu sein Dein Alter“, Jeroen zwinkerte Bjørn zu.
Als die Drei bezahlen wollten, stellte sich heraus, dass Tinus bereits alles beglichen hatte. Nach dem Zigarettenqualm und der Enge atmeten sie draußen auf der Straße alle tief durch und verabschiedeten sich dann von Jeroen.
„Hast Du morgen oder übermorgen Dienst?“, fragte Bjørn und sah Jeroen an. „Ja, jeden Tag bis 18:00 Uhr. Wenn Ihr sagt, Ihr kommt später, bleibe ich gern auch länger“. „OK, dann kommen wir morgen vor sieben…“, sagte Bjørn nach einem kurzen Blick auf Roberto. „Freu mich! Herzlich willkommen! Ihr seid übrigens meine Gäste“.
Der Montag war ein trüber regnerischer Tag. Henk musste wieder arbeiten und Vatern und Anders wollten unbedingt den Tag wieder in Museen verbringen. Für diesen Tag hatten sie sich das Reichsmuseum vorgenommen. Bjørn und Roberto entschlossen sich zu einer Grachten-Tour mit einem der gläsernen Kanal-Boote und kündigten bereits beim Frühstück an, dass sie abends erst später zurück ins Hotel kommen würden. Ohne genauer zu erklären, was sie vorhatten.
Gegen 17:00 standen sie vor der Tür mit dem Messingschild und klingelten. Diesmal öffnete ein großer, blonder, etwa 40jähriger, schlaksiger Mann, lächelte und bat sie mit einer einladenden Handbewegung herein. „Wir sind mit Jeroen verabredet“, sagte Bjørn.
Der Große zog die Augenbrauen hoch, lächelte noch breiter als vorher und zwinkerte ihnen zu: „Der wartet schon ganz ungeduldig. Der halbe Laden weiß bereits, dass heute starke Wikinger zu Besuch kommen… Nein, Quatsch, Spaß beiseite… nehmt erstmal Eure Handtücher und Schlüssel und zieht Euch um. Jeroen macht gerade einen Aufguss. Er kommt gleich“.
Im Gegensatz zum Samstagabend war es heute gespenstisch ruhig in der großen Sauna-Anlage. An der Bar saßen zwei ältere Kerle ins Gespräch vertieft. Am Schwimmbecken ließ ein etwas dicklicher junger Mann seine Beine im Wasser baumeln und in der Garderobe zog sich gerade ein glatzköpfiger Jüngling mit strammem, rundem Bierbauch seine Hose aus und betrachtete versonnen seinen kleinen, aber bereits knallharten Penis.
Roberto gab Bjørn einen kurzen Überblick über die verschiedenen Angebote auf den verschiedenen Etagen und schlug vor, zur besseren Orientierung einen Rundgang zu machen.
Vor der Trockensauna trafen sie Jeroen. Er freute sich sichtlich sie zu sehen und umarmte beide. „Da seid Ihr ja! Freu mich riesig, dass Ihr gekommen seid“. Er gab ihnen ein Zeichen und legte den Zeigefinger an die Lippen. „Tinus taucht eventuell heute noch auf. Dann müssen wir uns ein bisschen zurückhalten. Er mag es nicht, wenn ich mit Gästen zu vertraulich bin“. – „Oh… na ja, er wird es überleben, uns hier zu sehen“, lachte Bjørn.
Bjørn war, wie von Roberto erwartet, begeistert von der Sauna-Anlage. Er rekelte sich wohlig auf der Holztreppe der Trockensauna und genoss es, dass Roberto seinen Kopf in seinen Schoß legte.
Anschließend sprangen sie beide unter die eiskalte Schwalldusche und alberten im Duschraum wie die Kinder nach der Schule auf dem Schulhof. Es störte niemanden, denn kein Mann war weit und breit zu sehen. Als sie anschließend kurz durch die Dampfsauna gingen, sahen sie den dicken Jungen vom Schwimmbecken und den Glatzkopf aus der Garderobe, die sich heftig stöhnend mit einander beschäftigten.
In der Bar bediente heute nur der Große ‚Türöffner‘. Die beiden Älteren diskutierten immer noch und ihnen gegenüber saß ein sehr seriös wirkender älterer Herr mit gepflegtem grauen Bart und Brille.
„Na? Habt Ihr Jeroen schon getroffen?“. – „Ja, danke, alles klar. Mach uns mal zwei Bier!“
In diesem Moment öffnete sich im hinteren Teil der Bar eine fast unsichtbare, schmale Tür und Tinus kam herein. Er sah etwas blass und abgearbeitet aus, hatte sich aber bereits umgezogen und trug die von Jerome beschriebene Shorts, ein graues Seidenhemd und dazu passend graue Badelatschen.
Da seine Brille offenbar durch die warme, feuchte Luft beschlug, nahm er sie ab und schaute sich mit seinen lebhaften Augen in der Bar um. Er sah Bjørn und Roberto sofort und kam wie selbstverständlich lächelnd auf sie zu. So, als ob sie sich jeden Tag hier träfen, begrüßte er sie freundlich, fast herzlich. „Das ist aber schön, Euch so schnell wiederzusehen. Eine gute Entscheidung, sich bei dem Mistwetter hier aufzuwärmen“.
Roberto sah aus dem Augenwinkel, dass dem Großen vor Überraschung fast der Mund offen stehen blieb, er sich aber bemühte, sich nichts anmerken zu lassen.
Roberto bemühte sich ebenfalls nicht zu überrascht zu wirken und meinte: „Ja, wir dachten, einen so spannenden Platz wie diesen, dürften wir uns in Amsterdam nicht entgehen lassen“. – „Sehr vernünftig… ich denke, Ihr beide kennt einige Saunen. Norwegen ist ja bekannt dafür“. – „Stimmt, wir wollen bei uns auf dem Hof auch eine bauen“. – „Schön! Nicht ganz billig, aber gut für die Gesundheit… sowohl physisch als auch psychisch. Wie habt Ihr uns denn hier gefunden?“. – „Henk hat uns den Tipp gegeben“. – „Ach so, gestern abend?“ – „Nein, ich war mit ihm schon Samstag hier und wollte heute Bjørn den Laden zeigen“. Tinus war deutlich überrascht und schaute beide prüfend an. Er wollte etwas sagen, überlegte es sich aber anders und schenkte sich erst einmal einen Kaffee ein.
Über den Rand der Kaffeetasse fixierte er jetzt Roberto, so wie er es bereits am Abend vorher beim Essen getan hatte. Der sachliche, kalte Gesichtsausdruck des erfolgreichen Geschäftsmannes wich einem warmen, freundlichen, fast herzlichen Blick. „Erstaunlich…“, sagte er nur und verfolgte weiter jede Regung Robertos. „ Ich hätte mir denken können, dass der Sohn meines Freundes Esben etwas ganz Besonderes sein muss. Sich einen solchen Partner wie Dich auszusuchen“, dabei schaute er Roberto weiter fest in die Augen, „zeugt nicht nur von Verstand sondern auch gutem Geschmack“.
Das Kompliment machte Roberto verlegen. Ganz abgesehen davon, dass er sich der besonderen Anziehungskraft von Tinus nicht entziehen konnte. Zu allem Überfluss schien es Bjørn genauso zu gehen, denn sein Schwanz stand kerzengerade unter seinem Handtuch, was für Tinus allerdings durch den zwischen ihnen liegendem Tresen verborgen blieb.
„Ich hoffe jedenfalls, Ihr fühlt Euch wohl hier bei uns. Wenn Ihr etwas braucht, fragt nach Jeroen, der weiß und kann alles… und er massiert übrigens auch gut. Na ja, Du kennst ihn ja schon… Ihr habt ja gestern abend mit einander gesprochen…“. Jetzt war es an Roberto erstaunt zu sein. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Tinus sein kurzes Gespräch mit Jeroen mitbekommen hatte… oder, … sollte der Wirt geplaudert haben? Sei es drum… So war es ihm ohnehin lieber. Klare Fronten und keine Geheimnisse. Ihm war aber auch klar, dass man Tinus nicht unterschätzen durfte. Seine manchmal etwas unbeholfene Art konnte durchaus Fassade sein. In Wirklichkeit war er wohl doch eher der berechnende und scharf denkende Geschäftsmann.
Ohne ein Wort gewechselt zu haben, wusste Roberto, dass Bjørn ähnliche Gedanken durch den Kopf gingen. Sie schauten sich nur kurz an und waren sich stillschweigend einig, Tinus aus der Reserve locken zu wollen.
Bjørn lachte und sagte: „Ja, wir sind uns nicht nur äußerlich sehr ähnlich mein Vater und ich. Wir mögen die Menschen; er mehr die Frauen und ich halt mehr die Männer. Und… den Spaß am Leben genießen wir wohl beide gleichermaßen. Tja, und mein Schatz hier, der teilt diese Leidenschaft… besser kann es nicht sein“.
„Ich treffe fast täglich Männerpaare, aber so etwas wie Ihr beiden ist mir noch nicht begegnet. Ihr seid so… unverkrampft, unkompliziert … gibt es da nie Probleme?“ – „Nein, warum auch? Wir haben zwei tolle Freunde – Karls Sohn und seinen Freund -, die haben es uns vorgemacht, wie man ohne Streit, Intrige und Eifersucht auch als Männerpaar gut mit einander auskommen kann“.
„Das hört sich so unwahrscheinlich an, dass ich unbedingt mehr von Euch und Euren Freunden wissen möchte. Ich muss leider gleich nochmal los, gehe nur noch eben duschen und dann habe ich schon wieder einen Termin. Aber wenn Ihr heute abend sonst noch nichts vorhabt, besucht mich doch nach acht. Ich gebe Euch mal meine Karte. Wir können dann eine Kleinigkeit zusammen essen und Ihr erzählt ein bisschen von Euch“. – „Danke, das machen wir bestimmt“. – „Ich wohne übrigens nicht weit von hier. Jeroen kann Euch zeigen, wie Ihr hinkommt“.
„Ich denke, wir sollten auch eben duschen und dann noch einen Saunagang machen“, schlug Roberto vor und erhob sich.
Die beiden waren als erste im Duschraum und hatten gerade das warme Wasser angestellt, als auch Tinus in seiner Shorts die Dusche betrat. Außer ihnen war niemand zu sehen.
„Montags ist es immer sehr ruhig hier“, sagte Tinus fast entschuldigend, schloss die Augen und ließ das Wasser über Kopf und Brust rinnen. Seine Muskulatur war wesentlich trainierter als es auf den ersten Blick den Anschein gehabt hatte. Eine gleichmäßig dunkle Behaarung machte seinen Körper interessant.
Seine Shorts war jetzt nass und klebte an seiner Haut. Hatte er eben noch Bjørn und Roberto den Rücken zugewandt, drehte er sich jetzt um und schaute zu ihnen rüber. „Oh Gott…“, entfuhr es Bjørn, der sich aber sofort daran erinnerte, was Jeroen ihnen gesagt hatte. Als ob er mit einem Schalter angeknipst worden wäre, richtete sich sein Schwanz auf und zeigte prall, hart und horizontal wie ein Zeigestock auf sein Gegenüber.
„Schön, wenn man so spontan reagieren kann“, lächelte Tinus. „Ihr passt wirklich wunderbar zusammen. So etwas Ästhetisches bekommt man hier selten zu sehen“. – „Danke… also, ich … also, wir… Ach, sch… Du kennst uns ja leider viel zu wenig“. – „Deshalb würde ich mich ja so gerne mit Euch nachher ein bisschen unterhalten … Ihr kommt ja hoffentlich, oder habt Ihr Bedenken?“ – „ Nein, nein… gar nicht“, kam es wie aus einem Munde. „Dann bis nachher. Ich freu mich!“
Als Tinus gegangen war, flüsterte Bjørn: „Und ich dachte, Jerry sei das Maß aller Dinge. Im Vergleich zu dem, was ich da eben gesehen habe, hat er ja nur einen Kinderpimmel“. – „Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie der steif werden soll. Abgesehen davon passt dieser Schwengel überhaupt nicht zu dem Körperbau. Mich würde interessieren, wie er das gestern abend in seiner schicken Anzugshose vor uns verborgen halten konnte“.
Auf dem Rückweg vom zweiten Saunagang kam ihnen Jeroen entgegen. „Na, Ihr beiden Wikinger. Da habt Ihr ja was geschafft, was kaum jemandem vorher gelungen ist. Ihr habt auf unseren Boss so einen enormen Eindruck gemacht, dass er ganz von der Rolle war, als er mich eben bat, Euch nachher zu ihm nach Hause zu bringen. Ich habe ihn so noch nie erlebt. Er ist gewohnt immer alles unter Kontrolle zu haben und meint, Menschen mit Geld oder Anordnungen so dirigieren zu können, wie er es möchte. Eben war er das erste Mal so nervös, dass Ihr heute abend seine Wohnung nicht finden, oder Euch plötzlich anders entscheiden könntet. Deshalb hat er mir fast drohend eingeschärft, ich sei ihm persönlich dafür verantwortlich, dass Ihr kurz nach acht heil bei ihm an der Tür steht“. „So, so… da wollen wir Dich natürlich nicht in Schwierigkeiten bringen“, lachte Roberto.
Als sie eine kleine Brücke über die Singelgracht überquerten, stemmte Jeroen sich mit einem riesigen Regenschirm gegen den Wind und heftige Regenschauer. Am anderen Ufer bogen sie in eine kleine Straße unmittelbar am Wasser ein und standen vor einem großen, mehrstöckigen blau-weiß gestrichenen Kaufmannshaus aus der Jahrhundertwende. An den Glastüren des Haupteinganges stand in großen Buchstaben „Van den Berg Investment Corporation BV“. An einer dunklen Haustür gleich daneben fand sich ein Schild mit einer kleinen blank geputzten Klingel: „Tinus van den Berg – Privat“. Die Uhr zeigte 6 Minuten nach 8. Jeroen drückte auf den Klingelknopf. Sofort hörte man den Summer des Türöffners und die Tür öffnete sich einen Spalt.
Sie standen jetzt in einer Art gläsernem Windfang. Durch die Scheiben sah man eine mit einem dicken Teppich belegte breite Treppe, daneben eine Fahrstuhltür. Im Treppenaufgang hingen große Ölgemälde mit Amsterdamer Stadtansichten des vorigen Jahrhunderts.
Jeroen flüsterte Roberto und Bjørn zu: „Wir müssen warten“. Im selben Moment tauchte allerdings schon ein junger Mann in legerer aber sehr eleganter Freizeitkleidung auf der Treppe auf. Er lächelte ihnen zu und öffnete die Glastür des Windfangs. „Wilkommen! Herr Van den Berg erwartet Sie schon“. Er hielt Ihnen die Fahrstuhltür auf und fuhr mit ihnen in die 5. Etage.
Dort angelangt, blieb Roberto und Bjørn kurzzeitig die Sprache weg. Sie standen in einer behaglich und modern eingerichteten Wohnlandschaft, in der alles auf eine riesige Fensterfront ausgerichtet schien. Vor ihnen lagen die Lichter der Stadt unter Ihnen die Singelgracht, auf der einige kleine, beleuchtete Boote hin und her glitten. Der Raum war so raffiniert ausgeleuchtet, dass keine Reflektion die fantastische Aussicht störte. Auf der linken Seite öffnete sich der Raum zu einer hoch modernen, offenen Küche. Dort stand Tinus und dekorierte vier Teller mit Früchten, Broten und kleinen Snacks. „Danke Klaas, Du kannst dann gehen. Wir sehen uns morgen“. Der junge Mann verabschiedete sich artig und fuhr mit dem Fahrstuhl wieder nach unten.
„Willkommen in meinem ganz privaten Reich. Ich freu mich wirklich, dass Ihr gekommen seid. Macht es Euch bequem!“. Er zeigte auf eine der Sitzgruppen am Fenster, die aus unterschiedlich großen, grauen Liegen und Hockern bestand.
„Seid Ihr nass geworden? Wenn Ihr Handtücher oder trockene Klamotten braucht, kann Euch Jeroen etwas bringen. Er kennt sich hier gut aus“.
‚Der Mann ist es gewohnt zu delegieren‘, schoss es Roberto durch den Kopf.
„Was möchtet Ihr trinken? Wein, Kaffee, Bier, Mineralwasser?
Bjørn und Roberto nahmen einen Rotwein, Jeroen trank Kaffee.
Tinus stellte jedem einen seiner dekorierten Teller hin und setzte sich neben Roberto. Dabei zeigte er ihm, wie die Rückenlehnen der Liegen mit einem kleinen Hebel individuell an die Körpergröße angepasst werden konnten.
Roberto vermutete, dass Tinus sich mit Absicht ganz dicht über ihn beugte und dabei sein Bein so anwinkelte, dass der von nur einer dünnen, eleganten Seidenhose verdeckte, enorme Penis kurz seinen Oberschenkel berührte. Er lachte und stöhnte gespielt hilflos: „Oh Mann, so viel Komfort bin ich gar nicht gewöhnt“. – „Das ist ein kleiner Spleen von mir. Ich gönne mir gern solche kleinen technischen Spielereien“.
Bjørn betrachtete sich die Technik interessiert und meinte: „Keine schlechte Idee. So eine Liege könnte ich mir für unser Gästezimmer im Brygghus vorstellen. Was hältst Du davon, Schatz?“
„Ja, auf jeden Fall sehr bequem… und das Design wirkt sehr skandinavisch“.
„Die Möbel sind aus Dänemark. Das hast Du gut erkannt“. Tinus blickte Roberto anerkennend an.
„Wie groß ist denn Euer Hof? Habt Ihr Tiere?“ – „Wir haben knapp 35 Hektar, davon etwa 10 Hektar Wald, 1 Pferd, 21 Milchkühe, 8 Einjährige und 6 Kälber. Zurzeit bauen wir Getreide, Kartoffeln und Steckrüben an. Ich versuche noch etwas Weideland dazu zu pachten, um den Tierbestand zu erhöhen, aber das ist bei uns in der Gegend im Augenblick gar nicht einfach. Unsere Region gehört zu den rentabelsten in ganz Norwegen. Da will kaum jemand verpachten“.
„Für einen Niederländer hört sich das eher wie ein kleiner Betrieb an, aber ich weiß, dass das für Euer Land schon eine überdurchschnittliche Betriebsgröße ist. Schafft Ihr beide das denn alleine, oder habt Ihr Hilfe“. – „Wir haben eine Vollzeit-Hilfskraft und einen Praktikanten der Landwirtschaftsschule. Im Haus hilft uns ein junger Mann, für den Kochen und Hausarbeit eine Passion ist. Wir wollen noch in diesem Jahr mit dem Ausbau eines Nebengebäudes fertig werden, in dem eine Wohnung für unsere Hilfskraft, zwei Gästezimmer und eben eine Sauna eingebaut werden soll“.
„Da seid Ihr aber sehr fleißig und offenbar geht Ihr beide sehr überlegt vor. Das gefällt mir. Dein Vater kann sehr stolz auf Dich sein. Aber, entschuldigt, wenn ich frage. Es interessiert mich als Geschäftsmann, wie sieht es denn wirtschaftlich aus? Musstet Ihr Euch hoch verschulden?“ – „Nein, nichts Ungewöhnliches. Als ich den Hof übernahm, war etwas Barvermögen vorhanden und es gab keinerlei Schulden. So konnten wir die größten Investitionen problemlos mit Hilfe der Bank und der norwegischen Landwirtschaftskammer finanzieren“.
Tinus nickte anerkennend. „Ihr beide imponiert mir immer mehr. In Eurem Alter ist das keineswegs selbstverständlich, einen Betrieb so umsichtig zu führen. Alle Achtung!“ Er nahm sein Weinglas und prostete ihnen zu.
„Wie schafft Ihr denn Euer Privatleben und die Arbeit auf dem Hof unter einen Hut zu bringen? Da kann ja nicht viel Freizeit übrigbleiben“. – „ Wir nehmen uns die freie Zeit einfach. Unsere Mithelfer sind sehr engagiert, und Arbeit muss halt auch mal delegiert werden. Das ist eigentlich ganz einfach, so lange man immer weiß, was gerade auf dem Hof vorgeht“.
„So ist es richtig. Und, dass Ihr heute hier seid, beweist ja, dass Ihr das gut hinbekommt“.
Roberto fügte hinzu: „Ich denke, in Norwegen hat man ganz generell eine etwas andere Einstellung zur Trennung von Arbeit und Privatleben. Man investiert einfach mehr Geld, um Arbeitskraft zu erhalten und zufriedene Arbeitnehmer zu haben. Freizeit ist in Norwegen ein hohes Gut – jedenfalls im Gegensatz zu Deutschland“.
Tinus rückte wie unabsichtlich etwas näher an Roberto heran: „Da hast Du vollkommen recht. In Deutschland kommt immer erst die Arbeit und dann das Vergnügen. Bei uns in den Niederlanden ist es ähnlich, aber wir sind nicht so verbissen und lassen auch mal Fünfe gerade sein“.
„Bjørn und ich haben uns aber trotzdem in Deutschland sehr wohl gefühlt. Ich habe dort sehr gern studiert, und wir haben ganz prachtvolle Freunde in Bremen“.
„Ihr scheint beide sehr viele Freunde zu haben… Na ja, kein Wunder, wer möchte nicht mit so sympathischen Jungs wie Euch befreundet sein. Ich bin leider ganz anders aufgewachsen. Einzelkind, Privatschule und strenge, ehrgeizige Eltern sind keine guten Voraussetzungen für echte Freundschaften“. Tinus schaute traurig auf seine nackten, gut gepflegten Zehenspitzen. „Irgendwie haben die Jungs, mit denen ich zusammen war, entweder zu viel Respekt oder manchmal sogar Angst vor mir gehabt. Nur wenige wollten jedenfalls etwas mit mir zu tun haben. Deshalb ist mir auch die Freundschaft zu Deinem Vater so wichtig. Er fordert nichts und ist weder an meinem Geld noch an Sex interessiert. Dabei ist er ein liebenswerter und sehr zuverlässiger Mann“.
Jeroen erhob sich und ging zu einer Tür am anderen Ende des Raumes.
„Ach, entschuldigt, ich habe Euch noch gar nicht den Rest der Wohnung gezeigt. Kommt! Während Jeroen auf Toilette geht, zeige ich Euch die anderen Räume“.
Roberto und Bjørn kamen aus dem Staunen nicht mehr raus, als Tinus ihnen eine Flügeltür öffnete, die sich etwas verdeckt von der Küche, ganz am Ende des Raumes befand und ihnen bisher nicht aufgefallen war. Sie standen jetzt an der Galerie des quadratischen Treppenhauses, das sie schon vom gläsernen Windfang aus erahnt hatten. Mehrere alte, geschnitzte Holztüren gingen von hier in drei Himmelsrichtungen ab. An den Wänden hingen, wie in einer Kunstausstellung, die Bilder alter holländischer Meister und der Boden war mit einem dicken, dunkelblauen Teppichboden belegt, der jedes Geräusch verschluckte.
„Hier beginnt mein eigentliches privates Reich. Es gibt nur ganz wenig Menschen, denen ich es zeige. Ich möchte vermeiden, dass man über mich redet und Gerüchte verbreitet. Nur eine Hand voll Leuten, unter anderen Dein Vater, ein paar vertrauenswürdige Geschäftsfreunde, Jeroen und einige ausländische Gäste kennen diese Räume hier. Ich lade zwar immer mal wieder Gäste ein, aber hinter diese Tür (er zeigte auf die Flügeltür) kommt normalerweise nur selten jemand“.
Bjørn und Roberto schauten sich an, sagten nichts, trauten sich aber auch nicht weiter zu gehen. Tinus ging vor, öffnete die erste Tür zur rechten Hand und schaltete das Licht ein.
Es gab keine Deckenbeleuchtung, sondern einzelne Punkte im Zimmer wurden mit einem warmen, gelben Licht ausgeleuchtet. Schwere, dunkle Eichenmöbel kombiniert mit groben Leinenstoffen in verschiedenen Gelbtönen dominierten den Raum. Ein frisch bezogenes Doppelbett fiel Roberto sofort ins Auge und er fragte sich, für wen das wohl vorbereitet war. Auf einem Tisch neben einem behaglichen Ohrensessel stand ein frischer Blumenstrauß, ansonsten wirkte das Zimmer wie ein Hotelzimmer. „Das hier ist eines meiner kleinen Gästezimmer. Ich mag die Vorstellung, es sei bewohnt, daher lasse ich jeden dritten Tag neue Blumen hier in die Vase stellen“.
„Sehr gemütlich… hier könnte wohl jeder gut schlafen“, meinte Roberto und ließ seine Fingerspitzen ganz vorsichtig über das Bett gleiten. Tinus lächelte stolz und schaute Roberto wieder durchdringend aus seinen tiefliegenden Augen an.
„Kommt weiter! Schlafen könnt Ihr später“, grinste er und öffnete die nächste Tür. „Voilà! Mein Schlafgemach“. Dieser Raum unterschied sich völlig von dem Gästezimmer. Moderne, überwiegend graue und blaue Möbel – vermutlich vom gleichen Lieferanten wie die Liegen in der Wohnlandschaft – prägten den Raum. Ein Einbauschrank mit Rauchglas-Schiebetüren nahm eine lange Wand ein. Auf einigen Sesseln und Stühlen lagen verschiedene Decken und Kleidungsstücke und sowohl neben dem gigantischen Doppelbett als auch auf den Fensterbänken und dem Fußboden waren Bücher und Zeitschriften verstreut. „Hier halte ich, wie man sieht, selbst alles in Ordnung“. Er lächelte verschmitzt. „Nur zum Bettenbeziehen darf das Personal hier rein“.
„Kann mir denken, dass das alles hier recht viel Arbeit macht“. – „Ich habe gute Leute, die sich um alles kümmern und sehr verschwiegen sind. Das kostet viel Geld, aber es lohnt sich. Klaas, den Ihr vorhin schon kennengelernt habt, organisiert zusammen mit seiner Mutter seit zehn Jahren den Haushalt. Für die grobe Arbeit kommen einmal in der Woche zwei Jungs, die mir ansonsten im Fitnessstudio und in der Sauna helfen. Ich bezahle sie alle sehr, sehr gut. Würden sie auch nur einmal gegen meine Regeln verstoßen, flögen sie sofort raus“. Tinus überlegte, ob er sich zu hart ausgedrückt hatte und schränkte ein: „Na ja, ich bin kein Unmensch. Fehler darf jeder mal machen, aber ich hasse illoyale Menschen oder Leute, die mich ausnutzen wollen. Ich erzähle Euch wahrscheinlich nichts Neues, dass das in ‚der Szene‘ häufiger vorkommt“.
„Da haben wir wenig oder gar keine Erfahrung“, lachte Roberto. „Den Begriff ‚Szene‘ habe ich das erste Mal in Bremen gehört, mir aber nichts dabei gedacht. Erst Henk sprach hier in Amsterdam wieder davon. Ich bin halt naiver Italiener, und mein Schatz hat ja auch nur einen ‚Schnellkurs‘ zur Einführung in die Männerwelt gemacht“.
Tinus lachte jetzt das erste Mal, seit Roberto und Bjørn ihn getroffen hatten, aus vollem Hals, völlig entkrampft und so fröhlich, dass beide den Eindruck hatten, ihm sei eine große Last von der Seele genommen worden. Sie konnten sich aber die Wandlung noch nicht erklären.
„Ihr beide seid köstlich… Eure Ehrlichkeit umwerfend… und … Eure Naivität einfach nur liebenswert. Warum haben wir uns bloß nicht schon früher getroffen? Ich würde gern so viel von Euch lernen. Ihr strahlt eine solche Überlegenheit und Gelassenheit aus, von der sich so manche meiner Geschäftspartner etwas abschneiden könnten“.
„Vielleicht geht es einfach nur darum, seine eigenen Wünsche und Vorstellungen nicht auf andere Menschen zu übertragen und damit zu versuchen, sich Enttäuschungen zu ersparen…“, Roberto schaute Tinus nachdenklich lächelnd an.
„Na ja, ich habe mir mein ganzes Leben lang meine Wünsche erfüllt, indem ich mir das gekauft habe, worauf ich gerade Lust hatte. Da gibt es dann halt auch Fehlkäufe und Enttäuschungen und eigentlich nur wenig, an dem mein Herz wirklich hängt. Irgendwann habe ich auch begriffen, dass man weder Liebe noch Zuneigung kaufen kann, also bezahle ich für Sex und träume von der heilen Welt.“
Trotz seines eher traurigen Geständnisses sah Tinus für seine Verhältnisse ungewöhnlich fröhlich und unbekümmert aus. Er schlug Roberto sogar kameradschaftlich auf die Schulter und fragte: „Wollt Ihr noch mehr sehen, oder habe ich Euch jetzt schon verschreckt?“
„Ganz und gar nicht. Jetzt wollen wir alles sehen… aber… wo ist eigentlich Jeroen abgeblieben?“, wunderte sich Bjørn. „Macht Euch keine Sorgen. Er ist quasi hier zuhause. Er wird geduscht haben und sitzt jetzt vor irgendeinem Fernseher und schaut Pornofilme… Nein, das war Spaß. Er ist ein ganz lieber Kerl. Leider habe ich den Fehler gemacht, auch ihm Geld anzubieten. Seit dem ist er ein bisschen beleidigt und will keinen Sex mehr mit mir. Jeroen ist sehr starrköpfig und lässt sich auf keine Weise bestechen. Außer Deinem Vater, Bjørn, ist er der einzige, dem ich blind vertraue, auch wenn er es nicht glaubt. Das einzige, was mir wirklich Sorgen macht ist, dass seine Sex-Sucht ihm eines Tages mal große Probleme machen wird. Er ist einfach zu unbekümmert bei der Wahl seiner Partner“.
„Unserem Freund Walter geht es ähnlich. Er legt allerdings immer Wert darauf, keine ‚Zufallsbekanntschaften‘ zu machen und hat eine wunderbare Art, allen seinen Freunden die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Für ihn ist Sex quasi das Sahnehäubchen einer guten Männerfreundschaft“.
„Noch so ein interessanter Typ, den ich unbedingt kennenlernen muss… Ach, ist das schön, Euch getroffen zu haben. Dich, Bjørn, weil Du Deinem Vater menschlich so unheimlich ähnlich bist und mindestens genauso gut aussiehst. Und Dich Roberto, weil mich die Mischung aus italienischer Emotionalität und deutscher Intelligenz fasziniert, ganz zu schweigen davon, dass Du unglaublich sexy, um nicht zu sagen, einmalig sexy bist. Ich hoffe, ich habe mich jetzt nicht um Kopf und Kragen geredet und Ihr wollt nach Hause“, lächelte Tinus und öffnete die nächste Tür.
„Hier arbeite ich, wenn ich mal viel Ruhe zum Nachdenken brauche“. Auf drei Tischen standen verschiedene Computer, ein Fernschreiber und ein Telefon. Ein großes Fenster ging zur Singelgracht raus und die drei anderen Wände waren vom Fußboden bis zur Decke mit Bücherregalen zugestellt.
Der nächste Raum war ein Badezimmer, wie es Bjørn und Roberto noch nie vorher gesehen hatten. Komplett mit teuersten italienischen Kacheln gefliest, waren alle Möbel, einschließlich zweier Duschen, einer Badewanne, einem riesigen Waschbecken, einem Bidet und einem Toilettenbecken in dezentem Blau-Grau gehalten und indirekt beleuchtet. In einer Ecke stand ein Plastiksessel und in einer anderen ein altmodisches Regal mit hunderten von verschiedenen Parfum- und Eau-de-Toilette-Flacons. Überall lagen Stapel mit flauschigen Hand- und Badetüchern.
Roberto machte ehrfürchtig staunend eine Runde, blieb vor der etwas kleineren Dusche stehen und nahm den messingfarbenen, dünnen, penisförmigen Duschkopf in die Hand und betrachtete ihn von allen Seiten. Bjørn schaute ihm über die Schulter und fragte: „ Wofür ist das?“
„Ich dachte, Ihr könntet Euch vorstellen, wozu man das braucht“. Tinus grinste. „Denkt mal nach!“
„Mmmmm… ich würde… na ja…also… vielleicht… das wäre ideal zum Darmspülen“. Bjørn war leicht rot geworden und fürchtete zu weit gegangen zu sein.
„Genau… das Ding kommt aus Amerika und ist das Angenehmste, was ich bisher in dieser Richtung benutzt habe. Jedenfalls ein tolles Gefühl… und man ist im Nu sauber. Ich habe gleich drei davon gekauft. In meinen anderen Bädern habe ich auch so ein Gerät. Keiner meiner heterosexuellen Gäste hat sich bisher getraut zu fragen, was das ist“, Tinus schmunzelte und ging direkt ins nächste Zimmer.
„Ich nenne diesen Raum meinen Hobby-Raum. Wie Euch vielleicht schon aufgefallen ist, sammele ich Kunst. In der Firma, im Treppenhaus und im Wohnzimmer hängen nur Bilder, die ‚fast‘ jedem gefallen. Hier kommen nur Menschen rein, die Sinn für erotische Kunst haben“.
Wieder fiel ihnen die interessante Beleuchtung auf. Jedes Bild wurde einzeln direkt oder indirekt beleuchtet. Nicht nur an den Wänden hingen die unterschiedlichsten Werke alter und moderner Meister. Auch an Stellwänden konnte man Männerkörper jeden Alters und aus verschiedenen Epochen bewundern. Sexuelle Extase und sich liebende Männer waren genauso zu sehen wie Zeichnungen des 1980 noch nicht sehr bekannten Tom of Finnland.
Roberto und Bjørn waren wieder sprachlos und schlichen sich gleichsam von Bild zu Bild. Hin und wieder gaben sie ein „Aahh“ und „Ohhh“ von sich, sagten aber sonst nichts. Etwas versteckt in der äußersten Ecke des Raumes hing ein kleines surrealistisches Aquarell in einem schlichten Holzrahmen, das Robertos Aufmerksamkeit besonders auf sich zog. Es zeigte einen schlanken Mann mit nur angedeuteten Gesichtszügen und allerdings gut erkennbaren dunklen Augen, die den Betrachter direkt ansahen. Das Besondere war sein überdimensionales Geschlechtsteil, das fast bis an sein Knie reichte. „Wer hat denn dieses tolle Bild gemalt?“ – „Esben.“
„Ach, mein Vater malt?“. Bjørn schaute sich das Bild ungläubig an. „Ja, er zeichnet und malt fast ausschließlich Frauen-Akt. Er hat aber darauf bestanden, einmal eine Ausnahme machen zu dürfen und hat mir das Bild dann zu meinem 35jährigen Geburtstag geschenkt. Erst wollte ich es gar nicht aufhängen. Aber Jeroen hat darauf bestanden und behauptete, ich hätte Angst mich selbst zu sehen. Inzwischen mag ich das Bild sehr gern und halte den Anblick meiner Behinderung gut aus“.
„Behinderung?“ Roberto sah Tinus fragend an. „Ja, ich kann es leider nicht ändern. Erinnere Dich an Bjørns Reaktion vorhin unter der Dusche. Nicht ich habe Angst vor mir, sondern die Männer haben Angst vor meinem Geschlechtsorgan. Nicht alle, aber sehr viele. Fast allen Männern, die das bisher gesehen haben, gehen die abenteuerlichsten Phantasien durch den Kopf. Die einen glauben, ich müsste ein Sex-Monster sein, die anderen meinen Mitleid mit mir haben zu müssen. Normalerweise rede ich überhaupt nicht darüber. Ich nehme es den teuer gekauften Knaben auch nicht übel, wenn sie mir mein Geld wieder in die Hand drücken und fluchtartig verschwinden… Einige haben auch das Geld genommen und waren plötzlich weg“. Tinus schaute traurig auf den Boden, so als ob er seine nackten Füße betrachtete. Jeroen ist einer der ganz Wenigen, die nie ein Wort über meinen Penis verloren haben“.
Bjørn war es peinlich, an seine spontane Reaktion erinnert worden zu sein: „Entschuldige bitte. Ich wollte Dir nicht wehtun, aber ich bin gewohnt, meine Gefühle immer ehrlich und spontan zu äußern. Ich war wohl einfach nur von etwas beeindruckt, das ich noch nie vorher gesehen habe“.
„Gerade deshalb mag ich Dich und Roberto doch so gerne. Ihr sagt, was Ihr denkt und ich hoffe, dass Ihr keine Hintergedanken habt. Ich bin einfach manchmal überempfindlich, weil ich zu viele schlechte Erfahrungen gemacht habe“.
Tinus wollte das Thema abschließen. Seine Fröhlichkeit war wieder verschwunden. Er war völlig verunsichert und konnte weder Roberto noch Bjørn direkt in die Augen schauen.
„Ich brauche einfach endlich mal einen Mann, der mich anfasst, weil er mich mag und nicht um seine Phantasien zu befriedigen. Zärtlichkeit weil ich ich bin, und nicht um das Außergewöhnliche zu erleben und anschließend damit prahlen zu können. Aber das kann man halt nicht kaufen. Die Knaben, die mir für Geld fünf Minuten eine blasen, spielen mir alle etwas vor. Da ziehe ich es vor, ohne Sex zu sein und lediglich hin und wieder die Gesellschaft von Jeroen zu genießen, oder ihm irgendwie eine Freude machen zu können. Na ja, und dann kamt Ihr beide plötzlich in mein Leben. Ihr könnt Euch überhaupt nicht vorstellen, wie aufgeregt ich gestern schon war… und erstrecht heute nachmittag. Ich habe vor lauter Aufregung meinen Kundentermin vorhin total vergeigt und bin danach eine Stunde wie ein Tiger im Käfig umhergewandert, immer in der Angst, dass Ihr nicht kommen würdet“.
Roberto ging auf Tinus zu und legte seinen Arm ohne zu fragen um seine Schulter: „Glaubst Du mir, wenn ich sage, dass Du uns vom ersten Moment an sympathisch warst und wir uns wirklich gefreut haben, als Du uns eingeladen hast? Wir wären nie auf den Gedanken gekommen, Dich zu versetzen“.
„Ich möchte es so gerne glauben und habe trotzdem die Angst, dass die Enttäuschung irgendwann kommt. Ich ertrage das einfach nicht mehr. Ich werde immer gefühlloser, skeptischer und schwieriger. Meine Mitarbeiter beschweren sich schon manchmal. Sie bleiben nur und arbeiten ordentlich, weil ich ihnen mehr Gehalt zahle als alle anderen, mögen tut mich keiner von denen“.
Bjørn näherte sich Tinus und Roberto von hinten und drückte beiden einen Kuss in den Nacken, drehte sich um und ging zurück auf den Flur.
Tinus schaute Roberto entgeistert an und über sein Gesicht huschte wieder ein Lächeln. „Er ist wie sein Vater… so unglaublich lieb“. - „Wem sagst Du das… er ist mein Schatz“.
„Mögt Ihr mich?“.
„Ja, sehr!“, kam die spontane Antwort.
„Würdet Ihr mir die Freude machen und heute nacht hier bleiben? Also, natürlich nur, wenn sich Eure Freunde keine Sorgen machen“.
Roberto und Bjørn schauten sich kurz an und nickten dann beide: „Wir haben zwar keine Zahnbürste dabei, aber einen Tag geht es auch mal ohne“, lachte Bjørn.
„Ich habe alles für Euch. Ihr könnt Euch etwas zum Anziehen aussuchen, und ich erfülle Euch jeden Wunsch, wenn Ihr einfach noch ein bisschen in meiner Nähe bleibt“.
„Bitte, Tinus… wir brauchen nichts. Es ist einfach schön zusammen mit Dir. Du bist nett, sehr sexy und ein toller Gastgeber. Wer könnte da eine Einladung ablehnen?“.
Tinus strahlte plötzlich wieder glücklich: „Meintest Du das mit ‚sexy‘ eben ernst?“ – „Ja klar, sonst hätte ich es nicht gesagt“. – „Findest Du das auch, Bjørn?“ – „Mein Mann und ich sind uns in solchen Dingen immer einig. Ich glaube, ich war sogar der erste, der gesagt hat, er fände Dich interessant und sehr, sehr sexy“.
Tinus breitete seine Arme aus und rief: „Kommt her Jungs, ich möchte Euch jetzt einfach mal drücken“, damit nahm er beide unerwartet fest in den Arm und küsste erst Roberto und dann Bjørn auf den Mund“. Roberto nahm die Gelegenheit wahr und drückte Tinus für einen kurzen Moment seine Zunge tief in den Mund. Der war so verdattert, dass er wie versteinert stehenblieb. Dann schüttelte er den Kopf, als ob er etwas abschütteln wollte, nahm beide an die Hand und ging mit ihnen in das nächste Zimmer auf dieser Seite des Flures.
„Das hier ist Euer Zimmer.“ Sie standen in einem großen hellen Raum, der ebenfalls mit teuren skandinavischen Möbeln und vielen farbigen Stoffen und Kissen eingerichtet war. Das Doppelbett war auch hier frisch mit bunt gestreifter Bettwäsche bezogen. An den Wänden hingen Aquarelle skandinavischer Landschaftsmotive. „Ihr habt Eure eigene Toilette und Dusche dort hinten, hinter der Schiebetür. Im Schrank liegen frische Bademäntel und was Ihr sonst noch braucht. Wollt Ihr im Hotel anrufen und eine Nachricht für Eure Freunde hinterlassen? Dort am Bett steht ein Telefon. Wenn Ihr Fernsehen gucken wollt, einfach auf den roten Knopf drücken. Fühlt Euch wie zuhause. Ich bin im Wohnzimmer, wenn Ihr mich sucht“.
„Bleib doch! Wir haben nichts zu verbergen“, feixte Bjørn. „Erzähl noch ein bisschen von meinem Vater. Ich sauge alles auf, was ich über ihn erfahren kann“.
„Ich dachte, Ihr wolltet es Euch bequem machen. Im Schrank findet Ihr Trainingshosen, T-Shirts, Hemden und Shorts, die Euch passen müssten. Ich will da nicht stören“.
„Nun bleib schon hier. Du störst nicht. Wir nehmen uns einen Bademantel, geduscht haben wir ja vorhin ausgiebig in der Sauna und dann spendierst Du später vielleicht noch einen Wein und alles ist perfekt“.
„Oh ja, entschuldigt… das habe ich ja total vergessen“. Er griff zum Telefonhörer, wählte eine Nummer und sagte: „Jeroen, bring uns bitte den Wein und drei Gläser ins ‚Schweden-Zimmer‘.“
Roberto lächelte und schaute sich den Inhalt des Kleiderschrankes an. Er wählte einen edlen Frottee-Bademantel mit aufgenähtem Wappen. Als er den Schrank wieder schließen wollte, entdeckte er einen Stapel verschiedenster Slips und Unterhosen. Sie waren alle in seiner Größe und von besten amerikanischen und italienischen Marken. Er hielt einen roten Tanga-Slip in die Luft und fragte lachend, „würde der mir stehen?“ – „Du kannst jeden Slip tragen. Nur ich befürchte, der kann nicht alles ordentlich bedecken… obwohl… Dein schöner Po käme gut zur Geltung“, tat Bjørn seine Meinung kund.
„Du brauchst eigentlich gar keinen Slip, aber der ist etwas ganz Besonderes und würde Dir wahnsinnig gut stehen“, mischte sich Tinus ein.
Es klopfte an der Tür. Jeroen hatte sich umgezogen und trug ein scheinbar maßgeschneidertes, weißes Unterhemd mit tiefem V-Ausschnitt und eine wirklich hautenge weiße Leinenhose. Er stellte die Gläser und den Wein auf den Tisch und wollte wieder gehen, doch Roberto hielt ihn zurück und fragte: „Was hältst Du von diesem Teil?“ – „Sehr sexy… zeichnet sich besonders in engen, hellen Hosen gut ab… wenn man auf sich aufmerksam machen will“, lachte er.
Jeroen schien wie selbstverständlich davon auszugehen, dass die beiden über Nacht bleiben wollten. „Braucht Ihr Schlafanzüge? Die liegen woanders, aber ich kann Euch sofort welche bringen.“ Bjørn lachte amüsiert: „Wir? Schlafanzüge? Die sind doch nur im Weg. So etwas haben wir noch nie getragen“.
„Wie macht Ihr das denn zuhause? Da seid Ihr doch auch nicht immer allein“, fragte Tinus. – „Bei uns ist immer gut geheizt und in der Regel toben wir nackt durchs Haus, wenn uns danach ist. Das stört niemanden“.
Tinus schien verblüfft, sagte aber: „Jeroen, wollen wir die beiden mal besuchen? Das muss in jeder Hinsicht ein Idyll sein“. – „Oh ja, gern… ich wollte schon immer gern nach Norwegen“. – „Also gut, Ende April muss ich zu einer Tagung nach Stavanger. Dann nehme ich mir zusätzlich drei Tage frei und wir fliegen nach Oslo. Wenn wir dürfen, besuchen wir Euch dann… wo war das noch gleich?“.
„Herzlich willkommen, wir würden uns riesig freuen… wenn Ihr denn mit den sehr einfachen Verhältnissen auf unserem Hof einverstanden seid. Wir haben bis dahin hoffentlich unser drittes Gästezimmer fertig, und unsere Freunde Gus und Walter würden dann auch kommen. Unser Hof ist in der Nähe von Holmestrand, etwa 60 Kilometer von Oslo entfernt“.
„Ich bin so gespannt, wie Ihr beide lebt. Ich brauche keinen Luxus. Ein Bett etwas zu essen und nette Gesellschaft ist vollkommen genug für mich“.
Roberto zog sich jetzt seelenruhig aus, legte alles sorgfältig auf einen Sessel und probierte dann den roten Slip. Der passte hervorragend. Bjørn betrachtete ihn bewundernd und bemerkte, dass Tinus nervös mit seinen Fingern spielte, aber versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Bjørn suchte sich einen schlohweißen Bademantel aus und legte seine Sachen ebenfalls auf den Sessel. Beide setzten sich aufs Bett und nippten an ihrem Weinglas.
Bjørn sah nachdenklich in sein Glas: „Übernachtet mein Vater auch bei Dir?“ – „Ja, wenn es mal spät wird, bleibt er gerne hier. Früher hat er auch immer mal wieder eine Freundin mitgebracht. Die meisten Frauen haben sich hier aber nicht wohl gefühlt. Ihnen war mein Haushalt ‚zu männlich‘“, schmunzelte Tinus. „Dann würden sie sich bei uns erst recht nicht wohl fühlen“, lachte Roberto.
Jeroen stand auf und sagte: „Ich muss jetzt rüber in die Sauna, aufräumen und Kasse machen. Ich hoffe wir sehen uns später noch“. – „Vergiss nicht, Du hast mir noch eine Massage versprochen“, rief Roberto ihm nach. „Hab‘ ich nicht vergessen… Tinus macht das übrigens auch ganz ausgezeichnet“. Er zwinkerte ihnen zu und ging hinaus.
„Wo er das herhat, weiß ich nicht. Ich habe ihn noch nie massiert“.
„Schatz, dann musst Du mir mal den Nacken etwas durchkneten. Ich bin ziemlich steif“. – „Du weißt, dass ich das nicht gut kann“. Bjørn drehte seinen Liebsten trotzdem zu sich, streifte den Bademantel etwas nach unten und begann mit kreisenden Bewegungen am Nackenwirbel. Tinus sah den beiden zu und lächelte. „Du musst kräftiger mit beiden Daumen von unten nach oben drücken. Darf ich Dir das mal zeigen?“. – „Ja klar, Du machst das bestimmt besser“.
Bjørn überließ Tinus seinen Platz und legte sich ans Kopfende. Tinus nahm Robertos Nackenmuskulatur Stück für Stück zwischen Daumen und Zeigefinger und knetete sie kräftig durch.
Roberto stöhnte laut, ob wegen Schmerzen oder aus Wohlbefinden war nicht festzustellen.
Tinus schloss immer wieder die Augen und erweiterte nach und nach den Bereich seiner Druck-Massage. „Tut das gut?“ – „Oh ja, Du machst das sehr gut“. – „Hast Du schon mal eine Fußmassage gehabt?“ – „Ja, das kann unser Freund Gus ganz großartig, aber Bjørn ist darin auch sehr gut“.
„Magst Du Dir meine Füße vornehmen?“. – „Ja klar, gern. Streck mal Dein Bein aus!“ Tinus saß jetzt quasi nur noch auf einem angewinkelten Bein und legte das andere auf Bjørns Schoß. Der nahm ganz vorsichtig einen Zeh nach dem anderen zwischen Daumen und Zeigefinger und massierte sie ein paar Sekunden, dann glitt er mit der ganzen Faust über die Fußsohle und drückte in kurzen Abständen fest dagegen. Tinus Füße waren ästhetisch schön und sehr gepflegt. Die beiden großen Zehen waren ungewöhnlich schlank und lang. Bjørn nahm sie abwechselnd zwischen seine Handflächen und massierte auch sie kräftig.
Tinus begann ebenfalls den Druck auf Robertos Nacken zu verstärken, grunzte zufrieden und flüsterte: „Ihr seid tatsächlich ein Phänomen… Was würde ich dafür geben, Euch beide nur für mich allein zu haben. Euch mit so vielen anderen teilen zu müssen, macht mich tatsächlich eifersüchtig“.
Bjørn stoppte augenblicklich mit seiner Fußmassage und Roberto entzog sich fast gleichzeitig Tinus‘ Händen. „Tinus! Das darf nicht passieren! – Wenn Du uns magst, musst Du auch unsere Freunde akzeptieren, die sind ein wichtiger Teil unseres Lebens…, und ich hoffe und wünsche, Du wirst das auch“.
Tinus sah die beiden überrascht und etwas ängstlich aus weit aufgerissenen Augen an. „Aber ja, so habe ich das doch nicht gemeint. Ihr seid einfach nur so… also…, ich habe so etwas einfach noch nie erlebt. Ich weiß das erste Mal in meinem Leben nicht, wie ich etwas sagen oder handhaben soll… Ich habe die Kontrolle verloren… entschuldigt bitte! Selbstverständlich gehe ich jetzt und lasse Euch allein“. Er stand auf, strich seine Seidenhose glatt, atmete tief durch und war bereits auf dem Weg zur Tür, als Roberto den Bund seiner Hose gerade noch mit dem Zeigefinger zu fassen bekam und ihn wieder zurückzog. „Du bleibst hier! Eifersucht ist doch nichts Schlimmes. Ein schöneres Kompliment hättest Du uns gar nicht machen können. Du bist nicht nur schön und sexy sondern auch wahnsinnig klug, was wir eigentlich nicht sind. Alle unsere Freunde haben einzelne tolle Eigenschaften, die wir nicht haben, deshalb mögen wir sie… aber, viel wichtiger…, wir brauchen sie auch, um uns selbst immer wieder neu zu entdecken und zu lieben. Wenn Du uns wirklich magst, dann nimm uns, wie wir sind, schenk uns Deine Klugheit und Dein Herz aber nicht Dein Geld. Lern alle unsere liebenswerten Freunde kennen und mach mit ihnen dasselbe… So… und jetzt komm! Ich will Dich endlich richtig küssen und nicht nur so nebenbei… danach kannst Du immer noch gehen“.
Roberto hatte jetzt die Hüfte des vollkommen verdatterten Tinus fest im Griff und warf ihn aufs Bett. Ohne auf eine Antwort zu warten, drückte er seinen Mund auf die dunklen Lippen und schob seine Zunge mit sanfter Gewalt gegen Tinus Gaumen und spielte mit dessen Zunge während er Bjørn gleichzeitig ein Zeichen gab, Tinus die Hose auszuziehen.
Tinus strampelte wie wild mit den Beinen, wollte etwas rufen, ergab sich aber nach wenigen Sekunden, ließ die Arme sinken, schloss die Augen und saugte sich an Robertos Lippen fest.
Der außergewöhnliche Monster-Schwanz veränderte kaum sein Volumen oder seine Länge. Er wurde nur von Minute zu Minute härter. Dicke blaue Adern traten jetzt deutlich hervor und er richtete sich ganz leicht auf.
Bjørn versuchte vergeblich, mehr als die fette Eichel in den Mund zu bekommen. Er ließ stattdessen seine Zunge die langen fast vierzig Zentimeter bis zur Schambehaarung runter und wieder rauf wandern.
Tinus hob und senkte seine Hüfte und packte mit seiner linken Hand Bjørns Haare. Er riss seinen Kopf hoch, nur um ihn gleich wieder fest auf seinen Schwanz zu drücken.
Roberto löste seine Zunge aus dem jetzt gierigen Mund und wanderte über den markanten Adamsapfel über die Nippel weiter nach unten. Dort traf er die Lippen seines Liebsten, küsste ihn kurz und beschäftigte sich dann mit dem kleinen, behaarten, strammen Po ihres Gastgebers.
Er spuckte ein paar Mal auf seine Finger und schob sie sachte in das erstaunlich große Loch. Für einen Moment glaubte Roberto, Tinus habe gar keinen Schließmuskel, so leicht und ohne jeden Widerstand glitten gleich zwei seiner Finger rein. Auch seine ganze Hand wäre vermutlich kein Problem gewesen, wenn nicht Tinus plötzlich laut stöhnend gerufen hätte. „Süßer, ich bin nicht sauber… bitte nicht!“ – „Entspann Dich! Das macht mir nichts aus. Sag nur Bescheid, wenn es wehtut. Du bist so geil!“
„Ach bitte, lass mich doch eben spülen. Ich komme auch ganz schnell wieder“. – „Wenn Du spülst, wollen wir auch“.
Der Anblick war atemberaubend. Tinus stand vor Roberto und Bjørn mit seinem gigantischen und völlig unnatürlich wirkenden, harten Schwanz, der tatsächlich bis kurz vor sein Knie reichte und jetzt sogar zu zucken begann.
Alle drei sprangen über den Flur in das luxuriöse Bad mit den italienischen Fliesen. Tinus regulierte die Wassertemperatur der Dusche mit dem „amerikanischen Duschkopf“ und schob ihn sich sofort ohne besondere Vorsicht in sein Loch. Gleich darauf schoss ein brauner Wasserstrahl zurück. Er duschte alles sorgfältig weg und wiederholte den Vorgang noch zwei Mal, bis das Wasser beinahe so kristallklar rauslief, wie es reingelaufen war. Tinus schien die Prozedur sichtlich zu genießen. Das Zucken seines Schwanzes wurde noch heftiger, und Bjørn hatte den Eindruck, dass auch das Volumen noch etwas zugenommen hatte.
Bjørn und Roberto spülten sich mit wachsender Begeisterung gegenseitig. Roberto wurde so übermütig, dass er den Wasserstrahl auch auf Tinus richtete. Der wirkte erst etwas unsicher, griff dann aber lachend nach den beiden steifen Lustkolben, die sich ihm aber immer geschickt entzogen.
Schließlich stellte Bjørn das Wasser ab, schnappte sich ein Handtuch und trocknete nicht nur sich sondern auch Tinus und seinen Schatz ab. Besonders gründlich nahm er sich den gigantischen Schwanz seines Gastgebers vor, der sich das wohlig grunzend gefallen ließ.
„Lasst uns nach nebenan gehen. In meinem Zimmer ist es noch bequemer als bei Euch“.
Tinus schob seine beiden Gäste vor sich her, während die alberten und sich immer wieder mit Küssen eindeckten. Roberto schmiss sich auf Tinus Bett, kniete sich hin und streckte den beiden anderen seinen Po entgegen. Bjørn zwinkerte Tinus zu, legte den Zeigefinger an die Lippen und zog ihn zum Bett. „Hast Du Creme oder Öl?“ - „Aber das geht doch nicht…das ging noch nie“, flüsterte Tinus. – „Er kann viel vertragen. Versuchs doch einfach!“ – „Und dann ist er mir für den Rest seines Lebens böse, nein. Ich tue niemandem weh“. – „Quatsch, Roberto sagt schon, wenn er nicht will“. Tinus deutete mit dem Kopf auf einen kleinen Schrank neben dem Bett. Bjørn fand dort neben einer Auswahl von verschiedenen Gleitmitteln auch Kondome und eine bunte Kollektion von Dildos. Er wählte eine der vielen Fläschchen und rieb sich seine Hände mit einem traumhaft duftenden Öl ein.
Dann näherte er sich dem Arsch seines Mannes und träufelte auch dort eine größere Menge in das bereits weit geöffnete Loch.
Roberto stöhnte wohlig und griff hinter sich nach der Hand, die gerade seine Rosette einölte. Er drückte Bjørns Finger in seinen Anus. Einer nach dem anderen glitt problemlos rein, bis Bjørn schließlich seine ganze Hand in Robertos Darm versenkt hatte.
Roberto kniff die Augen zu und sein Gesicht wirkte schmerzhaft verzerrt, aber er wehrte sich nicht. Das Loch war jetzt rot und weit offen. Mit seiner anderen Hand packte Bjørn den harten Gigantschwanz neben sich und führte ihn direkt zu Robertos Loch, küsste noch einmal die Pobacken seines Liebsten und schob das Riesenteil direkt hinein.
Roberto keuchte und stöhnte heftig auf. An seinen Schläfen sah Bjørn blaue Adern, die ihm vorher noch nie aufgefallen waren. Er biss in Tinus Kopfkissen und der Schweiß lief ihm über die Stirn.
Bjørn kniete sich vor seinen Liebsten und strich ihm liebevoll über die Haare und sein glasharter Kolben ruhte auf der schweißnassen Stirn.
Tinus zitterte und schaute unbeholfen den beiden zu, drückte aber ganz vorsichtig seinen Monsterschwanz Millimeter für Millimeter weiter vor. Als etwa zwanzig Zentimeter eingedrungen waren, stieß Roberto plötzlich einen markerschütternden Schrei aus und sah seinen Schatz mit aufgerissenen Augen an. Nur um zu flehen: „Ich kann eigentlich nicht mehr… aber bitte, bitte mach weiter… ich habe so etwas noch nie erlebt“. Tinus war verunsichert und blickte Bjørn fragend an. Der machte ihm ein Zeichen weiter zu machen.
Tinus entspannte sich und stieß seinen Kolben jetzt schneller und immer kräftiger hinein. Roberto war knallrot im Gesicht, der Schweiß floss in Strömen und die blauen Adern an den Schläfen drohten zu platzen. Bjørn strich ihm weiter übers Haar und drückte ihm gleichzeitig seinen Penis in den Mund.
In diesem Moment begann Tinus lauter zu keuchen und zog langsam sein jetzt eisenhartes Riesenrohr wieder zurück. Die Eichel glänzte und es ließ sich nicht ausmachen, ob er gespritzt hatte oder nicht. „Ich möchte Euch spüren… davon habe ich geträumt, bitte tut mir den Gefallen“.
Bjørn zog Tinus aufs Bett, wo Roberto völlig erschöpft auf dem Bauch lag und sein Gesicht in seinen Händen verbarg. Tinus legte seinen Arm auf seinen Rücken und küsste ihm den Nacken. Dann griff er nach Bjørns Schwanz und begann ihn wie besessen zu blasen. „Nein, nein, nicht so schnell mein Freund. Du möchtest doch auch noch etwas genießen“.
Langsam kam Roberto wieder zu Kräften und schaute sich das Geschehen von der Seite an.
Als Bjørn in Tinus eindrang, hatte auch er das Gefühl, keinen Schließmuskel passiert zu haben. Trotzdem schien Tinus an einen Schwanz in seinem Darm nicht gewöhnt zu sein. Er verkrampfte, windete sich und versuchte Bjørns zwanzig Zentimeter wieder rauszudrücken. Bjørn wunderte sich angesichts der Dildo-Sammlung und den perfekten Spüleinrichtungen.
„Magst Du nicht?“ – „Doch…seeehhhr… ich komme bloß gleich, wenn ein Schwanz in meinem Arsch steckt“. – „Macht doch nichts… Lass es einfach zu!“ – „Aber ich möchte noch weitermachen… Es ist so wunderschön“. – „Nichts dagegen… Ich spritze, Du spritzt und wir machen weiter… nichts schöner als das“. – „Das kann ich nicht“. – „Hast Du es denn schon mal versucht?“ – „Nein, noch nie“.
Roberto zog Tinus jetzt an sich heran und sie lagen Seite an Seite. Auch Roberto fiel wieder auf, dass sein Schwanz fast keinen Widerstand überwinden musste. Er glitt geschmeidig hinein und pumpte gleichsam im Liegen in Tinus Darm. Diesmal stöhnte der erfolgreiche Geschäftsmann laut, drückte sich ganz dicht an Roberto und bewegte seinen Po rhythmisch vor und zurück. Jedes Mal wenn Robertos steifes Rohr seine Prostata stimulierte, gab Tinus einen gurrenden Laut von sich und er sah unsagbar glücklich aus. Dann geschah die gewaltige Explosion. Bjørn bekam die gesamte, ungeheure Ladung von mehreren Millilitern Sperma auf seinen Bauch, seinen Schwanz, in sein Gesicht und in seine Haare. Er wischte nur kurz ein paar Tropfen weg, die den Augen zu nahe kamen und widmete sich dann dem von Sperma und Öl glänzenden Monsterschwanz.
Bjørn leckte alles genüsslich sauber und versuchte noch einmal sich die Eichel in den Mund zu schieben.
Tinus stöhnte, keuchte und wimmerte gleichzeitig, ließ aber alles über sich ergehen und begann dann selbst erst Bjørns Bauch und endlich auch sein Gesicht abzulecken. Roberto setzte seine Stoßbewegungen erbarmungslos fort und sank dann schließlich mit einem tiefen Seufzer auf die Seite, nachdem er sich in den Darm seines Gastgebers entleert hatte.
„Oh Jungs, was habe ich gemacht? Bitte entschuldigt, das hätte niemals passieren dürfen. Ich habe vollkommen die Kontrolle verloren…“.
„Sei still!“ Roberto küsste Tinus so heftig, dass er nichts mehr sagen konnte. Er wehrte sich kurz, schob dann aber selbst seine Zunge in Robertos Mund und verlor sofort wieder seine Anspannung.
Bjørn leckte erneut den etwas schlaffer werdenden Riesenschwengel, der jetzt feucht glänzend auf Tinus‘ Oberschenkel lag. Wieder erklangen die wohligen, gurrenden Laute. Bjørn wichste gleichzeitig immer schneller werdend und richtete seine harten zwanzig Zentimeter direkt in Tinus Gesicht.
„Ich komme!“… und schon landeten dicke, weiße, klebrige, etwas salzig schmeckende Tropfen in Tinus‘ Gesicht und auf seiner Halbglatze. Bjørn leckte auch jetzt wieder alles sauber. Besonders hingebungsvoll nahm er sich die Halbglatze vor. Dann legte er sich auf den Rücken und starrte gegen die Zimmerdecke: „ Ehy! Das war super. Magst Du meinen Schwanz nochmal in den Mund nehmen?“, wendete er sich an Tinus. Der zögerte erst, umschloss dann aber Bjørns halbsteifes Glied mit seinen schmalen Lippen. Bjørn genoss dieses einmalige ‚nachorgastische‘ Prickeln und Tinus Zunge, die mit seiner Eichel spielte. Er schloss die Augen und verfiel in eine Art Halbschlaf. Roberto schien schon zu schlafen. Tinus legte seinen Kopf auf Robertos Brust und seine Füße in Bjørns Schoß. Auch er verfiel in einen Dämmerschlaf.
Die Drei schliefen durch bis zum nächsten Morgen. Nur im Unterbewusstsein registrierte Roberto, dass Tinus aufstand, ein paar Sachen aus seinem Schrank nahm und ganz leise die Schlafzimmertür hinter sich schloss.
Als Roberto und Bjørn gegen acht erwachten, fanden sie einen Zettel mit einer Nachricht von Tinus auf dem Nachttisch:
„ Ihr Süßen! Ihr seht so bezaubernd aus, wenn ihr schlaft. Ich wollte Euch nicht wecken. Bitte fühlt Euch wie zuhause. Leider musste ich früh in die Firma. Klaas macht Euch Frühstück. Ach, würdet Ihr doch für immer bleiben. Bitte, bitte vergesst mich nicht. Ich könnte es nicht ertragen, wenn die letzte Nacht nur ein schöner Traum gewesen wäre. Ich melde mich, sobald ich Zeit habe – bestimmt. Grüßt unbekannterweise Eure Freunde von mir. Wir sehen uns hoffentlich schon bald bei Euch in Norwegen (ich kann es kaum erwarten). Ihr seid so lieb, Ihr beiden.
Roberto, nimm bitte den roten Slip als Erinnerung mit (wenn Du willst, auch alle). Bjørn, such Dir aus, was Dir gefällt. Klaas und Jeroen wissen Bescheid. Ich vertraue Euch beiden Lieben und weiß, dass Ihr mich nicht enttäuscht. Ihr habt mein Leben auf den Kopf gestellt.
Tausend Küsse für jeden von Euch. Bitte, bitte lasst uns Freunde bleiben!
Tinus“.
Sie duschten ausgiebig und probierten noch einmal den „amerikanischen Duschkopf“. Roberto konnte von dieser Erfindung nicht genug bekommen und nahm sich fest vor, so ein Ding für Bjørnstangen zu besorgen [schon ein Jahr später waren alle Duschen auf Bjørnstangen mit einem solchen „Duschkopf zur Intimreinigung“ ausgestattet. Sehr zur großen Verwunderung aller Gäste, außer Tinus].
Obwohl Roberto eigentlich keine Geschenke von Tinus annehmen wollte, zog er doch den roten Slip an und Bjørn steckte sogar zwei besonders geile Exemplare in die Tasche.
Klaas hatte ein luxuriöses Frühstück zubereitet und auf den Küchentresen gestellt. Es gab neben Müsli und frischen Brötchen, Früchte, verschiedene italienische und norwegische Käsesorten und köstliche Marmeladen. Daneben lag ein Zettel: „Bitte rufen Sie die ‚2‘ an, wenn Ihnen etwas fehlt, oder wenn Sie das Haus verlassen möchten“.
„Das nenne ich einen goldenen Käfig“, meinte Roberto schmunzelnd. „Hättest Du Dir vor einem Jahr vorstellen können, dass wir so etwas irgendwann einmal erleben würden?“ – „Nein, bestimmt nicht. Aber ich könnte so auf die Dauer nicht leben. Ich freu mich richtig auf Zuhause und hoffe bloß, das der Gegensatz für Tinus nicht zu krass wird, wenn er uns besucht“. – „Dann passt er nicht zu uns, Schatz. Auch wenn er ein noch so lieber Kerl ist“. – „Mann… dieses Monsterteil in meinem Arsch gestern abend werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Ich war drauf und dran ohnmächtig zu werden. So ein Schwanz ist Fluch und Segen zugleich. Ach Schatz, ich bin so froh, dass wir uns haben und das alles genießen können, ohne uns in die Wolle zu kriegen. Und… hättest Du nur einen schlappen Minischwanz, würde ich Dich immer allen anderen Männern vorziehen und Dich lieben, bis ich nicht mehr bin“.
Bjørn sah seinen Liebsten an und lächelte: „Schöner hätte ich es nicht sagen können… mir geht’s genauso“. Dann küssten sie sich ausgiebig und strichen sich immer wieder gegenseitig übers Haar.
„Ich könnte schon wieder mit Dir, aber ich glaube, wir sollten Bescheid geben, dass wir gehen möchten, sonst melden uns Karl und Andersch noch als vermisst“. Roberto grinste und wählte die „2“.
Klaas kam sofort, wünschte Ihnen freundlich einen guten Morgen, erkundigte sich, ob alles in Ordnung gewesen sei und teilte ihnen mit, dass sein Chef ihnen ausrichten ließ, er würde sich bis um zwölf bei ihnen im Hotel gemeldet haben. Dann verließen sie das Haus, so wie sie gekommen waren.
Vatern und Andersch saßen im Frühstücksraum des Victoria und hatten sich noch keinerlei Gedanken gemacht, wo ihre beiden Mitreisenden wohl abgeblieben sein könnten. Sie hatten sich beide so viel zu erzählen, dass keine Zeit blieb sich Sorgen zu machen.
„Na, Ihr beiden Langschläfer? Habt Ihr Amsterdams Nachtleben erkundet?“ – „Nicht wirklich. Wir waren bei Tinus eingeladen“. – „Ach, wie kam das denn?“ – „Nur so… er wollte uns sein Haus zeigen. Na ja, und dann ist es halt etwas später geworden“, erklärte Roberto so beiläufig wie möglich.
„Ich habe gehört, Tinus ginge es finanziell recht gut. Er scheint ein ganz erfolgreicher Geschäftsmann zu sein. Stimmt das?“ – „Das kann man so sagen, ja. Er wird uns im April auf Bjørnstangen besuchen“. – „Oh, da habt Ihr Euch ja schon richtig angefreundet. Das freut mich. Anders und ich werden wohl bis zum Mai in Italien bleiben. Ich muss nur noch mit Jörgen klären, ob er die Arbeit in der Kanzlei alleine schafft. Spätestens zum 17. wären wir dann wieder bei Euch. Ist das in Ordnung?“ – „Ja klar, Ihr könnt kommen, wann es Euch passt“.
Anders und Vatern hatten sich für diesen Tag einen Ausflug ins Amsterdamer Umland vorgenommen und meinten, sie seien wohl vor dem Abend nicht zurück. Am nächsten Tag würden sie dann nach Nizza fliegen, wo Andrea sie abholen werde und sie zum neuen Ferienhaus seiner Familie bringen, dort könnten sie dann die Sonne genießen so lange sie wollten. „Das hört sich ja toll an. Viel Spaß! Wir fliegen morgen Nachmittag zurück nach Oslo“, sagte Bjørn und schaute auf die Uhr. Es war erst elf. Die versprochene Nachricht von Tinus war sicher noch nicht angekommen.
Roberto und er wollten sich heute die Künstler- und Hausbesetzer-Szene auf KSNM-Eiland im östlichen Teil des alten Amsterdamer Hafens anschauen. Henk hatte ihnen den Tipp gegeben und vorgeschlagen, sich dort in einer Bildhauer-Werkstatt mit ihnen zu treffen.
Als sie bereits die Drehtür der Lobby erreicht hatten, sprach sie ein Hotelpage an: „Herr Sigurtsen aus Holmestrand?“. – „Ja, das bin ich“. – „An der Rezeption liegt eine wichtige Nachricht für sie“.
Sie gingen noch einmal zurück und man überreichte ihnen einen weißen Umschlag, der den Absender ‚Van den Berg Corporation BV, Amsterdam‘ trug. Tinus hatte folgendes geschrieben:
„Meine beiden Schätze! Ich hoffe, Ihr habt das Frühstück genossen und Eure Andenken mitgenommen. Da Ihr mein Geld nicht wollt, kann ich Euch nur mein Herz schenken.
Zum Beweis, dass ich Euch mehr vertraue als irgendjemandem sonst auf dieser Welt, Ihr wertvoller seid als alles, was ich besitze, habe ich heute morgen beschlossen, andere Prioritäten in meinem Leben zu setzen. In der Anlage habe ich einen Blankoscheck beigefügt. Macht damit, was Ihr wollt, kauft Euch Dinge, die Ihr Euch immer gewünscht habt, aber Euch nie leisten konntet, oder legt ihn weg und spart ihn für den Tag, an dem Ihr ihn vielleicht dringend braucht. Die Obergrenze beträgt 100.000 Gulden. Bitte nehmt ihn an und seid nicht beleidigt. Ich wäre es, wenn Ihr es nicht tätet. Mein Vertrauen in Euch ist grenzenlos und ich weiß, Ihr werdet mich nicht enttäuschen.
Seit heute ist mein Leben ein anderes. Leider kann ich Euch zum Abschied nicht in den Arm nehmen und noch einmal Eure wunderbaren Körper spüren, aber am 27. April stehe ich bei Euch vor der Tür… ob Ihr es wollt oder nicht.
Bis dahin alles nur erdenklich Liebe und den größten Dank, den ein Mensch aussprechen kann, dafür, dass Ihr beide mir den eigentlichen Sinn des Lebens gezeigt habt. Haltet Euch fest und bleibt, wie Ihr seid. – Euer Tinus
Bjørn und Roberto hatten den Brief gemeinsam gelesen. Roberto schüttelte den Kopf: „Der Süße ist verrückt… Was sollen wir denn jetzt machen?“ – „Nichts. Wir zerreißen den Scheck und jeder von uns bekommt eine Hälfte als Andenken an ein verrücktes, unglaubliches Erlebnis und unsere erste Amsterdam-Reise“. – „Ja, das ist vernünftig. Keine Abhängigkeit, keine Verpflichtung und trotzdem stoßen wir ihn nicht vor den Kopf“.
[Tinus betrachtet uns bis heute als Teil seiner Familie und ist einer der besten Freunde von Bjørn, Roberto, Gus und mir geworden. Er hat nie einen festen Partner gefunden, der zu ihm passt. Seine Firma gehört nach wie vor zu den erfolgreichsten Investment-Gesellschaften der Niederlande. Seine Beteiligungen an ‚Thermos‘ hat er vor zehn Jahren zurückgezogen, was ein paar Jahre später unter anderem leider die Pleite der Sauna zur Folge hatte.]
Auf dem Weg in den östlichen Hafenbereich rief Bjørn seinen Vater an und verabredete sich mit ihm für den Abend. Sie wollten noch einmal zusammen essen und sich von einander verabschieden. Esben versprach um sieben im Hotel zu sein.
Sie wanderten durch die alten Wohngebiete der Hafenarbeiter und erreichten schließlich die runter gekommenen Hafenanlagen auf den in den Ij gebauten, künstlichen Inseln, die aus unzähligen Lagerhäusern, Schuppen und Gleisanlagen bestanden. Der eigentliche Hafenbetrieb war auf diesem Gelände eingestellt. Stattdessen hatten Künstler, Hippies, Aussteiger und Mitglieder der linken Hausbesetzer-Szene einige Gebäude übernommen und eine Art eigene Stadt in der Stadt etabliert.
Überall waren die Spuren der Auseinandersetzungen mit der Polizei zu sehen. Hier und da gab es Barrikaden aus Autowracks und Stacheldraht. In der Luft hing der Gestank von verbrannten Autoreifen, frischer Farbe, Hasch und Essensdunst.
Die Menschen, die sie trafen waren durchweg in ihrem Alter, ein paar etwas jünger und einige wenige etwas älter. Sie wirkten alle fröhlich, sehr kreativ und in jeder Weise unkonventionell.
Der Gegensatz zu dem was Bjørn und Roberto nur einige Stunden vorher gesehen und erlebt hatten konnte nicht drastischer sein. Als sie von einer verfallenen Kaimauer aus über riesige Müllberge hinweg auf die große Ij-Schleuse und in Richtung Amsterdam-Noord blickten, konnten sie nicht ahnen, dass Gus und ich 18 Jahre später genau an dieser Stelle eine wunderschöne Neubauwohnung in dem größten Rundgebäude der Niederlande kaufen und dort zehn Jahre wohnen würden… Aber dazu später mehr.
Auf den freien Flächen zwischen den Schuppen standen Wohnwagen und Zelte, deren Bewohner zum Teil ungeniert nackt an Feuertonnen saßen und Gitarre spielten, Joints rauchten oder Bier tranken. In einigen Gebäuden hatten sich Kunst-Ateliers und Werkstätten etabliert. Hier wurde geschweißt, gehämmert, geschnitzt und gemalt. Überall wo sie reinschauten, wurden sie freundlich begrüßt und eingeladen, sich umzuschauen.
In der Nähe des alten Auswanderer-Lloyd-Hotels hatte Henk ihnen eine Adresse einer Skulptur-Werkstatt gegeben, in der sie sich treffen wollten. Sie sahen das düstere Gebäude, das noch bis vor wenigen Monaten als Jugendgefängnis genutzt worden war, bereits von weitem. Bei einem
Lagerhaus gegenüber lagen verschiedene Granit- und Marmorblöcke vor den alten Laderampen.
Sie kletterten eine kleine Treppe hinauf und öffneten eine schwer Schiebetür. In dem riesigen Raum arbeiteten zwei schlanke junge Männer in ihrem Alter. Sie sahen aus wie Geschwister. Beide hatten schulterlange, dunkelblonde Haare, stahlblaue Augen, markante Nasen und eingefallene Backen. Sie trugen exakt den gleichen grauen Overall, der merkwürdigerweise sogar an den gleichen Stellen Löcher und Verschleißstellen aufwies. Beide trugen Mundschutz und offensichtlich keine Unterwäsche. Im Raum hing eine dichte Staubwolke, die das Atmen erschwerte.
„Hi! Henk hat uns Eure Adresse gegeben. Wir sollen hier auf ihn warten. Ich bin Bjørn und das ist mein Freund Roberto“. – „Oh, Hi! Henk ist schon da. Er ist nebenan in unserer Wohnung. Ihr könnt gerne reingehen. Wir kommen gleich“.
Die Wohnung bestand aus zwei Zimmern, die durch einen Vorhang getrennt waren. Im vorderen Zimmer standen vier alte Polstersessel um eine hölzerne Kabeltrommel herum. Daneben ein Bücherregal aus Obstkisten, auf dem auch ein Plattenspieler stand. Auf der anderen Seite ein Gasherd, ein Kühlschrank, ein Küchentisch, zwei Stühle und ein Geschirrschrank. Hinter dem Vorhang sah man Teile eines großen Doppelbetts und eines Kleiderschranks. Henk saß in einem der Sessel und las in einer Zeitschrift.
„Ah, da seid Ihr ja. Habt Ihr schon etwas von der Amsterdamer ‚Subkultur‘ gesehen?“ – „Ich denke schon, wir sind bis ans Ende der äußersten Insel gelaufen und haben von dort über das Wasser geschaut“. Bjørn berichtete von ihren Eindrücken und meinte: „Das wirkt hier alles ein bisschen gesetzlos aber charmant. Gibt es Pläne, was aus diesem Gelände einmal werden soll?“ – „Ja, die Stadtverwaltung wünscht sich einen neuen Stadtteil mit 1000 neuen Wohnungen. Dagegen gibt es aber viel Protest. Die Künstler möchten gern eine Art Freistadt, wo sie sich nach ihren Wünschen entfalten und leben können. Meine beiden Freunde Paul und Max könnten sich ein anderes Atelier für ihre Bildhauerei nicht leisten. Sie möchten unbedingt hier bleiben“.
„Sind das Brüder? Sie sehen sich sehr ähnlich.“ – „Nein, verwandt sind die beiden nur im Geist, aber seit sie Tag und Nacht zusammen arbeiten und leben, werden sie sich immer ähnlicher. Sie tragen inzwischen auch nur noch die gleichen Klamotten“. – „Das haben wir eben schon gesehen“, grinste Roberto. „Ihr müsst Euch unbedingt ihre Arbeiten ansehen. Die Skulpturen stehen in der Halle nebenan. Ihr Thema sind dicke Menschen und Büsten als Auftragsarbeit. Leben kann man davon eigentlich nicht, aber sie arbeiten wie besessen und hoffen auf einen Durchbruch… eines Tages.
Kommt! Ich zeige Euch die Ausstellung“. In diesem Moment kamen auch Paul und Max aus ihrer Werkstatt. Beide waren gleichmäßig mit weißem, feinem Staub über den ganzen Körper bedeckt. Sie begrüßten Bjørn und Roberto mit Handschlag und einem sympathischen Lächeln.
Roberto konnte sich eine Bemerkung nicht verkneifen: „Das ist aber eine recht staubige Kunst. Dafür müsste man eigentlich einen Astronauten-Anzug haben“, lachte er und heftete seinen Blick jeweils auf die Körpermitte der beiden, wo jetzt ganz deutlich hinter einem von nur zwei Knöpfen gehaltenen Hosenstall rosa Haut und dichte Schamhaare zu sehen waren.
Paul grinste und meinte, der Staub mache ihnen nichts aus, das Endergebnis ihrer Arbeit sei entscheidend. Max erläuterte lachend: „Wir haben eine Art erotisches Verhältnis zu unseren Werken. Da nehmen wir viel in Kauf und können uns auch immer nur ganz schwer von unseren Arbeiten trennen“.
Paul öffnete eine Eisentür und drehte einen altmodischen Lichtschalter um. Sofort war der riesige Raum in gleisendes Licht getaucht. Der Anblick war beeindruckend. Hunderte von grauen und weißen, kleinsten und überdimensional großen menschlichen Körpern und Köpfen in Granit und Marmor standen dicht bei dicht. Jeder der Körper war das Gegenteil eines Adonis oder einer Venus. Allen Figuren war eine gewisse Körperfülle eigen und sie hatten schiefe Schultern oder krumme Rücken. Die Frauen hatten entweder dicke, schwere oder kleine, unscheinbare, faltige Brüste und die Vagina schien bei fast allen unterentwickelt. Bei den Männern waren die Geschlechtsorgane entweder im Verhältnis zum Körper überproportioniert, alt und faltig oder klein und kaum sichtbar. Die Büsten hatten fast alle einen freundlichen Gesichtsausdruck und schienen den Betrachter direkt anzusprechen.
Roberto steuerte zielbewusst auf die Statue eines schlanken, älteren, etwas gebeugten Mannes mit Glatze und einem unnatürlich langen, faltigen Schwanz und Hoden zu. Er lächelte und sagte wie zu sich selbst: „Tinus in 40 Jahren“.
Henk hatte das gehört und fragte: „Wie kommst Du denn darauf?“ – „Das erzähl ich Dir später“.
Bjørn fand ein ganz kleine Skulptur eines nackten Männerpaares, das nur mit Gummistiefeln bekleidet und auf zwei Spaten gestützt den Betrachter frech angrinste. „Die beiden möchte ich haben“. – „Ja, die passen zu uns und Bjørnstangen“, pflichtete Roberto ihm bei und lachte. „Eine Frage des Preises“.
„Wir nennen sie ‚Friese jongens‘. Ich denke, sie werden es in Norwegen gut haben, daher könnt Ihr sie für 50 Gulden bekommen“. – „Ja bestimmt, bei uns haben nette Männer es immer gut“, lachte Bjørn. „Aber der Preis ist für eine solche gute Arbeit eigentlich zu gering“. – „Das ist ein Freundschaftspreis für Freunde von Henk. Alle anderen zahlen das Doppelte“. – „Oh, danke! Habt Ihr vielleicht noch so ein ähnliches Paar?“ – „Warte mal! Ich habe da mal was gemacht, das ich nicht jedem zeigen kann“, grinste Max und verschwand im hinteren Teil der Halle.
Er kam zurück mit einer kleinen Skulptur zweier dicker, nackter Männer mit Strohhut und Gummistiefel auf einem Gartenzaun sitzend. Sie schauten sich an und hatten jeweils den Arm auf die Schulter des anderen gelegt. Ihre Penisse waren exakt gleich lang. Nur der eine zeigte aufrecht nach oben und der andere hing senkrecht nach unten. Max hatte die Arbeit „Na het werk“ genannt.
„Toll! Die nehme ich auch“. Bjørn gab Max einen Hundert-Gulden-Schein und legte die Figuren vorsichtig in seinen Rucksack. „Habt Ihr noch etwas Zeitungspapier, damit den Jungs nicht ihr edelstes Teil abbricht?“ Paul gab ihm eine alte Zeitung und bedankte sich für den Kauf.
Auf dem Rückweg gingen die Drei durch die Javastraat und kehrten in der Kneipe ein, in der sie sich kennengelernt hatten. Piet, der Wirt, begrüßte sie wie alte Bekannte und fragte sofort nach Anders und Vatern. „Die machen eine Sightseeing-Tour im Umland“, lachte Bjørn.
Sie bestellten wieder Bier und ‚Bitterballen‘. Über ihren Besuch bei Tinus gaben sie Henk nur eine grobe Zusammenfassung. Bjørn wollte nicht, dass Details wohlmöglich seinem Vater zugetragen wurden.
Als sie sich von Henk verabschiedeten, war der sehr traurig und schien sich sogar eine Träne wegzuwischen. Bjørn hatte ihm ihre Adresse und Telefonnummer aufgeschrieben: „Für den Fall, dass Du spontan Lust hast uns zu besuchen“, grinste er.
Im Hotel setzte Roberto sich sofort an den Schreibtisch ihres Zimmers und schrieb einen Brief an Tinus:
„Lieber guter, großzügiger Freund! Tausendmal Dank für die schönen Stunden zusammen mit Dir und Deine großzügige Gastfreundschaft. Nicht Du müsstest uns einen Blankoscheck schicken sondern wir Dir. Dein Vertrauen in uns hat uns sehr gerührt, aber Dein Geschenk kann eigentlich nur symbolisch sein. Wir werden es in Ehren halten und können es nicht erwarten, Dich am 27. April bei uns auf Bjørnstangen in die Arme zu schließen. Bis dahin denken wir vermutlich genauso viel an Dich wie Du an uns.
Nochmals ganz lieben Dank für alles, dicken Kuss und auf ein hoffentlich fröhliches Wiedersehen am 27. April. – Deine beiden Wikinger B&R“
PS: Ruf uns jederzeit an, wenn Du magst.
„Ich hoffe, das Hotel kann dafür sorgen, dass der Brief persönlich zugestellt wird. Ich bringe ihn gleich nach unten“.
Pünktlich um sieben klopften Roberto und Bjørn bei Esben an der Tür seines Hausbootes. Femke öffnete ihnen, lächelte und bat sie rein. „Esben ist gleich fertig. Wir hatten beide einen anstrengenden Tag und müssen uns erstmal sammeln“.
„Den Spruch muss ich mir merken“, flüsterte Bjørn ganz leise Roberto zu.
„Mein Chef hat erzählt, dass Ihr gestern abend bei ihm zum Abendbrot wart und war so begeistert von Euch beiden, dass – ganz gegen seine Gewohnheit – sich fast jeder Mitarbeiter heute morgen erst einmal anhören musste, was Ihr für einzigartige Menschen seid. Darf ich mal fragen, wie Ihr das geschafft habt. Wir hatten alle längst die Hoffnung aufgegeben, unserem Chef noch jemals eine persönliche, emotionale Äußerung zu entlocken“.
Bjørn und Roberto sahen sich kurz und verblüfft an. Weder hatten sie damit gerechnet, dass Femke für Tinus arbeitete noch, dass ihr Besuch bei ihm überhaupt publik würde. Es galt jetzt also vorsichtig und überlegt zu antworten.
„Na ja, er wollte gern aus erster Hand mehr über Norwegen wissen. Schließlich macht er ja dort Geschäfte…, und… ich denke ihm gefiel, wie wir dort leben“.
„Ach so… ja, das kann sein. Er redete viel über seine Reise nach Norwegen im April. Ich musste heute schon die Flugtickets fest buchen und soll ihm am 27. auch ein Auto in Oslo besorgen“.
„Nicht nötig. Sag ihm, er wird abgeholt. Ich brauche bloß die genauen Ankunftszeiten“.
Femke kramte in ihrer Tasche nach einem Zettel und las vor: „Braathens Safe, von Stavanger, 12:35 an Oslo, Fornebu. Das habe ich gebucht“. – „In Ordnung, das geht klar. Schönen Gruß an Tinus“.
„Hallo Jungs! Ich bin gleich fertig“. Aus der halb geöffneten Badezimmertür strömte warmer Wasserdampf ins Wohnzimmer und Bjørn sah seinen Vater das erste Mal nackt, wenn auch nur für Sekunden. Wieder hatte Bjørn den Eindruck, er sähe sich selbst im Spiegel. Der Dunst ließ seinen Vater jünger aussehen und er wirkte in jeder Hinsicht gut gebaut.
„Lasst uns zu Klaas in die Elandsstraat gehen. Dort ist es gemütlich und nicht so hektisch“. Esben gab Femke einen Kuss und schob seinen Sohn und Roberto vor sich her nach draußen. Die hatten gerade noch Zeit „Tschüss“ zu rufen.
„Was habe ich gehört? Ihr wart bei Tinus zum Abendbrot?... Eine wirklich seltene Ehre. Da müsst Ihr schon großen Eindruck bei ihm hinterlassen haben. Selbst für mich ist es manchmal schwer, ihn spontan und ohne Anmeldung zu treffen. So wie Femke sagt, hat er einen Narren an Euch gefressen. Ich finde, er ist ein prima Kerl. Nur manchmal vermisse ich ein bisschen Gefühl und Fröhlichkeit. Seine Geschäfte machen ihn immer härter und verbitterter. Aber ihr müsst ja offenbar gestern irgendetwas bei ihm bewegt haben. Femke sagte, heute sei den ganzen Tag eine so lockere Stimmung im Büro gewesen, wie schon ewig nicht mehr. Selbst schwierige Geschäftspartner, mit denen er den ganzen Tag konferiert hatte, verließen fröhlich das Konferenzzimmer. Das muss ja etwas mit Euch zu tun haben. Verratet Ihr mir Euer Rezept?“
Bjørn sah seinen Vater grinsend an: „Muss ein Vater alles von seinem Sohn wissen? Vielleicht hat es ja schon gereicht, dass wir mal nicht über Geld oder Börsenkurse gesprochen haben. Wir haben einfach über uns, unsere Freunde und Bjørnstangen erzählt. Er hat uns seine Wohnung gezeigt und über seine Hobbys geredet, und wir haben uns dafür interessiert. Das war’s“.
„Mmmmm, das passt nur so gar nicht zu Tinus. Er interessiert sich nur äußerst selten für die Geschichten anderer Menschen und noch seltener zeigt er Fremden seinen privaten Rückzugsraum. Er leidet fürchterlich unter einer stink konservativen Erziehung als Einzelkind. In seinem Leben gibt es eigentlich nur ihn und das, was er mit Geld kaufen kann. Aber, die paar Menschen, die er wirklich in sein Herz geschlossen hat, kennen ihn als treuen, zuverlässigen Freund… ich zum Beispiel“.
„Es ist wahrscheinlich gut, dass wir das vorher nicht gewusst haben, und er es uns selber erzählen konnte“, meinte Roberto nachdenklich.
„Was hat er gemacht? Er hat über sich und seine Schwächen gesprochen? Das kann nicht wahr sein. Ich habe Jahre gebraucht, das aus ihm raus zu bekommen“. Esben schaute seinen Sohn und Roberto mit einer Mischung aus Erstaunen und echter Hochachtung an. Ihm wurde plötzlich klar, dass er seinen Sohn und seinen Partner noch überhaupt nicht richtig kannte.
„Mann, Papa! Sei doch nicht so naiv. Du weißt doch, dass Tinus Männer mag und uns geht es genauso. Muss ich da noch viel erklären?“
„Oh Gott, bahnt sich da was an zwischen Euch? Ich hoffe Ihr beide haltet weiter zusammen. Lasst Euch bloß nicht von Reichtum und… na ja… gewissen besonderen erotischen Reizen auseinander bringen“.
„Quatsch, uns bringt kein Mann so schnell auseinander. Aber dürfen wir nicht interessante Männer als gute Freunde haben?“ – „Natürlich dürft ihr… die Erfahrung lehrt nur, dass eben… manchmal -gerade von uns Männern - geglaubt wird, das Gras auf der anderen Seite des Zaunes sei grüner. Ich will Euch ja auch nur warnen…“.
„Papa, wenn Du wüsstest, was Roberto und ich alles schon gemeinsam erlebt haben, und mit wie vielen Freunden wir netten und guten Kontakt haben, ohne dass einer von uns an unserer Partnerschaft zweifeln würde. Also… das klappt schon“.
„Tja, ich sehe schon, Eure Welt ist mir trotz allem noch fremd. Aber ich bin jedenfalls froh, dass Ihr einen Draht zu Tinus gefunden habt“.
Sie standen jetzt vor dem „bruinen Café“ und Esben hielt seinem Sohn und seinem ‚Schwiegersohn‘ die Tür auf. Der Wirt begrüßte sie herzlich. „Kaas, bring meinen ‚Kindern‘ und mir ein Bier und denk Dir was Schönes zu essen für uns aus. Die Jungs fliegen morgen wieder zurück nach Norwegen und sollen ja Amsterdam in guter Erinnerung behalten“. Er lachte und sie setzten sich an einen Tisch im hinteren Bereich. Außer ihnen saßen nur vier Gäste am Tresen.
„Das mit Tinus lässt mir keine Ruhe. Entschuldigt, wenn ich nochmal frage. Es ist so unglaublich. Ich kenne ihn ja nun schon so viele Jahre und habe mir oft Sorgen gemacht, dass er ein fröhliches Leben wohl nie mehr leben würde. Und jetzt erzählt mir Femke, dass sie für ihn eine Privatreise nach Oslo gebucht hat. Er hat sich sage und schreibe vier Tage für einen privaten Abstecher in eine Stadt gegönnt, in der er niemanden kennt und in der es vermutlich keine für ihn interessante Kunst-Galerie gibt. Dazu muss man wissen, dass er sich in den letzten zehn Jahren keine zwei Tage privaten Urlaub geleistet hat. Er war lediglich vor drei Jahren mal für einen Tag während einer Geschäftsreise in Rom allein unterwegs und hat sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten angeschaut. Also, was ist da passiert?“.
Bjørn schaute seinem Vater direkt in die Augen: „Papa, es gibt Dinge, die müssen echte Freunde einfach für sich behalten. Ich werde jetzt hier nicht ganz vertrauliche Gespräche ausplaudern. Nimm einfach mal so hin, dass wir Tinus sehr mögen und er uns. Wir haben das, was man eine Wellenlänge nennt. Deshalb haben wir uns Dinge anvertraut, die niemand anderen etwas angehen. Er möchte wissen, wie wir leben und hat vielleicht doch Lust, ein paar Prioritäten in seinem Leben anders zu setzen. Wir haben ihn eingeladen und er hat angenommen. Das ist alles“.
„Ja, ja, schon gut. Ihr macht das schon richtig. Wann darf ich Euch besuchen?“ – „Wann immer Du möchtest. Du rufst uns an und kommst… so einfach ist das“. – „Danke, das ist schön. Ich muss mich allerdings noch an den Gedanken gewöhnen, noch einmal in die alte Heimat zurückzukommen. Ich fürchte mich einfach noch immer vor den Geistern der Vergangenheit. Aber Anders sagt ja, dafür gebe es überhaupt keinen Grund“. – „Da hat Anders recht. Vielleicht fände ja auch meine Mutter endlich ihren Frieden, wenn sie Dich noch einmal sieht“. – „Aber sie ist ja gerade einer dieser Geister…“. – „Das machen wir gemeinsam, dann ist da gar nichts mehr ‚geisterhaft‘. Du wirst sehen…“.
Erst kurz nach Mitternacht verabschiedeten sich Bjørn und Roberto von Esben. Vater und Sohn umarmten sich noch einmal herzlich und versprachen sich, regelmäßig mit einander zu telefonieren.
Am nächsten Morgen standen Anders und Vatern bereits um 8:00 in der Lobby des Hotels und warteten auf ihr Taxi zum Flugplatz. Sie hatten sich vorher von Bjørn und Roberto in deren Zimmer verabschiedet und sich über die beiden Skulpturen amüsiert, die Bjørn von den beiden arbeitswütigen Bildhauern erstanden hatten. Sie ließen Gus und mich noch einmal ganz lieb grüßen und erneuerten ihr Versprechen, spätestens zum 17. Mai wieder auf Bjørnstangen zu sein.
Bjørn und Roberto schlenderten nach dem Frühstück noch einmal durch den Nieuendijk zum Blumenmarkt und zurück und nahmen dann ebenso ein Taxi nach Schiphol.
(Dran bleiben, es geht weiter im Kapitel 16)



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